Sean Giblin (1963-2006)

Traurige Nachrichten aus der Spin Doctors-Community: heute erreichte mich eine Mail von SD-Intimus Dan Levy zum Tod des engen Bandfreundes Sean Giblin. Sean war Taper, Soundingenieur und Vertrauter der Band und verstarb gestern. Hier Dan’s eMail:

Sean Giblin (1963-2006). Sean Giblin died on November 27 after suffering from cancer. Sean was my first friend in the Nightingale Bar/Wetlands scene that spawned so many great friendships and so many great times. We met as fellow music lovers across the counter at my local CD shop, Smash Compact Discs on St. Marks Place, where Sean worked in the late 1980s. After seeing Blues Traveler and Spin Doctors on two successive nights in December 1989, I told Sean about these incredible new bands. It turned out he had heard of them already. Before long, Sean and I were spending a lot of time following the bands around, and he began his life’s pursuit of live audio recording and sound engineering. Very quickly, Sean became a highly valued and sought-after engineer, a career which began and thrived strictly out of his great passion for live music. […]

I am sitting here thinking about a few memorable moments in which Sean and I acknowledged we were privileged to be part of such a powerful and inspiring musical world, among them the Blues Bake in Greenwich, Connecticut, in 1990, and a show on Sean’s 30th birthday at the Warfield in San Francisco. But there were so many. I look forward to seeing some old friends at the Art Bar this Thursday and sharing some laughs and memories. […] (Quelle)

Tim Vega, Arnie Lawrence, Frankie de la Rocka, Chris Whitley und jetzt Sean – die Trauerfälle im Umfeld der Spin Doctors- und Blues Traveler-Szene schmerzen sehr.

Ich habe mich mit Sean ein einziges Mal per eMail unterhalten und ihn als einen sehr integeren, sympathischen Freund der Band kennen gelernt. Schade, dass er nicht mehr da ist. Rest in peace, Sean.

Chris Barron feat. John Popper – Laraby’s Gang (live 2002)
Spin Doctors – Tonight You Could Steal Me Away (live 2005)
Chris Barron & The Give Daddy 5 – At The Stable (live 2000)
Blues Traveler – Sun And The Storm (studio, 1999)

'Cause you can't drink wine from a two dollar bill…

Blues Traveler performen einen ihrer liebsten Songs der befreundeten Spin Doctors. Und weil deren Sänger eh grade mit auf der Bühne ist, kann er das Stück auch gleich selber singen. Und so haben Zuschauer und Zuhörer das einmalige Vergnügen, einen ohnehin schon coolen Song in einer völlig anderen, aber nicht minder coolen Version zu hören. So geschehen am 3. Juli 2002 im Red Rocks Amphitheater in Denver, Colorado.

Blues Traveler with Chris Barron – How Could You Want Him (When You Know You Could Have Me)? (live 2002-07-03)

Salim Nourallah – Beautiful Noise (2006)

Wenn die viel zu routinierte Kopfhautmassage beim Haarewaschen im Bahnhofsfrisör das Zärtlichste ist, das Du seit längerem gespürt hast. Das „Bitte“ in „…die Fahrausweise, bitte!“ das Netteste, das jemand seit längerem zu Dir gesagt hast. Oder der Duft des Sonntagsbratens, der in der Wohneinheit unter Dir zubereitet wird, das Sinnlichste, das Du seit längerem gerochen hast. Dann könnte Beautiful Noise von Salim Nourallah Leben retten.

Zwölf Lieder eines Musikers aus Texas, die unaufdringlich, aber zielstrebig das Herz erobern. Assoziationen wie Nick Drake, Elliott Smith, Ocean Colour Scene, Eels, Josh Rouse oder auch Beatles könnte man herstellen. Muss man aber nicht, denn das hier ist durchaus eine Klasse für sich. „The World ist full of people who want to hurt you“, beobachtet Nourallah und singt’s, als wär’s ein Abzählreim für Kinder. „Never say never“, empfiehlt er. „There`s no guarantee on anything at all“, greint er im stärksten Stück dieses starken Dutzends. „Beautiful Noise“ ist ein gar nicht mal so schwermütiger Songzyklus, der Dir – allen Zweifeln zum Trotz – durch seine Unmittelbarkeit, Schönheit und lakonische Melancholie den Glauben an das halbwegs Gute im Menschen zurückgibt. Slowly, gently, softly. (9/10)

Salim bei Tapete Records
Salim bei MySpace (4 mp3-Downloads)
Salims Weblog

NP: Beirut – Gulag Orkestar


„Endlich hat das wahnsinnig gute Album ‚Gulag Orkestar‘ des 20-jährigen Musikers Zach Condon seinen Weg nach Deutschland gefunden.“ (Nico, nicorola.de)

„In dieser Musik liegen diesseits aller Erfahrung jene Gefühle für Heimat, Landschaft, Brauchtum und Religion, die in so vielen Kriegen zuschanden gingen. Mit gewitzter Naivität rekonstruiert Condon aus den Trümmern zerstörter Kulturen noch einmal den Klang von Identität, das Wispern von Namen, den Nachhall der Zeiten ? das, was man Tradition nennt. […] Es ist eine Hölle der Unschuld, in der diese manieristischen Melancholie- und Totengesänge an das Untergegangene erinnern. ‚After The Curtain‘ heißt das letzte Stück, eine Orgel dudelt zu orgiastischem Applaus und Pfeifen. Gott oder irgendwer bewahre Condon davor, der heiße Scheiß der Schlauberger zu werden.“ (Arne Willander, Rolling Stone)

„Dass Condon das ganze Brimborium alleine zu Hause einspielte, obwohl es doch wie ein ganzer Kültürverein auf Wanderschaft klingt, belegt des Weiteren die Einzigartigkeit dieses Projektes. Eine Scheibe wie ‚Gulag Orkestar‘ hat man wahrlich vorher noch nicht gehört.“ (Ullrich Maurer, gaesteliste.de)

Ungewohnt, schräg, schwermütig, wild, entrückt, einnehmend, sehr gut. 10/10. (ich)

Beirut – Postcards From Italy
Beirut – Mount Wroclai (Idle Days)

Neuer "Sonic Reducer" ist da

Wie die Zeit vergeht… Jetzt ist bereits die dritte Ausgabe des „unabhängigen Kulturmagazins, das alle zwei bis drei Monate erscheint und über ein Blog aktuelle Musiktipps an die Leser verteilt“ (Eigenbeschreibung) erschienen – und das sympathische Fanzine im pdf-Format mag jetzt umfangreicher als seine beiden Vorgänger, ist aber mindestens genauso lesenswert. Diesmal u.a. mit Texten über Voxtrot, Damien Jurado, Damien Rice und viele andere.

Prädikat: äußerst lesenswert. Und der obligatorische Sampler zum Heft mit frei im Netz erhältlichen Songs ist nicht minder spannend.

Download Sonic Reducer #3
Sonic Reducer Sampler #3
Sonic Reducer Homepage

Niels Frevert: Zehn Jahre später…

Wie aus gut bis bestens unterrichteten Kreisen zu erfahren ist (Frevert/Nationalgalerie-Yahoo-Group), wird Anfang 2007 die „10. Jubiläums-Edition“ von Niels Freverts 1997er Soloalbum erscheinen. Das wirklich spannende an dieser Neuigkeit ist, dass diese Wiederauflage dieser hervorragenden CD eine „Bonus-CD mit unveröffentlichten Perlen“ enthalten werde, wie der Webmaster der inoffiziellen Niels Frevert-Seite zu berichten weiß. Weitere Details sind noch nicht bekannt, sobald es was Neues gibt, wird es auch hier im Weblog nachzulesen sein. Ein komplett neues Album vom Ex-Nationalgalerie-Sänger, der zuletzt (räusper, also 2003…) mit „Seltsam öffne mich“ einen geradezu wegweisend guten Songzyklus veröffentlichte, ist jedoch leider nicht vor Herbst 2007 zu erwarten.

Ach, a propros Weblog: bin zurück aus dem Urlaub, jetzt wird auch hier wieder häufiger aktualisiert.

DMB: Sieben neue CDs…

Nicht gleich erschrecken. Sieben? Neue? CDs? DMB? Naja, wenn man alle einzelnen CDs zusammenzählt, die in der letzten Zeit von der Dave Matthews Band erschienen sind, und die noch nicht hier besprochen wurden, dann sind das – wenn ich korrekt gezählt habe – sieben Stück. Nämlich die vier CDs, die als Live Trax 6: Fenway Park, Boston, MA, July 7-8, 2006 veröffentlicht wurden und die drei CDs, die vor anderthalb Wochen als The Best Of What’s Around Vol. 1 erschienen sind. Letzteres ist tatsächlich eine Art Best Of-Veröffentlichung, ersteres ist die neueste Ausgabe der tollen „Live Trax“-Reihe der Band. Weil ich schlicht und einfach zu müde bin, mich jetzt allen Discs ausführlich zu widmen, gibts jetzt die Kurzkritiken der einzelnen CDs… Sieben auf einen Streich, quasi…

Fenway Park CD 1: Super „Proudest Monkey“, wunderbarer „Bartender“. Und dazu ein neuer Song: „The Idea Of You“ finde ich ja sensationell. Alles in allem eine tolle Live-CD, 9/10.

Fenway Park CD 2: „Hunger For The Great Light“ rockt unheimlich, „Louisiana Bayou“ ist und bleibt ein klasse Song, das neue „Can’t Stop“ gefällt mir, reißt mich aber nicht vom Hocker, 7/10.

Fenway Park CD 3: Zweiter Abend, erste CD. Neuer Song „Break Free“ ist der beste DMB-Song seit „Crush“. Ansonsten: eine witzige Version des Neil Diamond-Songs „Sweet Caroline“. Sonst: hochwertige, aber Standard-DMB-Live-Kost. 8/10.

Fenway Park CD 4
: Solide zweite Hälfte der zweiten Show, „Can`t Stop“ funktioniert besser als am Vorabend (vgl. CD 2), ansonsten: tolles „Nancies“, schönes „Warehouse“, feine Unterhaltung. 8/10.

TBOWA Vol. 1 CD 1: Jeweils zwei Songs aus den regulären DMB-Studioalben. Und so viele wirklich essentielle Tracks fehlen. War ja klar. Schön, die Songs zu hören. Aber meilenweit vom „meiner“ Best-Of-Auswahl der Band entfernt. Daher: 6/10.

TBOWA Vol. 1 CD 2: Bislang unveröffentlichte Liveversionen der stärksten DMB-Songs, ausgewählt von den Fans. Und was für eine hervorragende CD das tatsächlich geworden ist! Kurzweilig, erfrischend (Gastauftritt von Robert Randolph bei „Louisiana Bayou“), legendär („Two Step“ wird von Jahr zu Jahr besser). Ausnehmend gut gemischt, sowohl inhaltlich als auch klanglich. 9/10.

TBOWA Vol. 1 Encore CD: „Zugaben-CD“ für alle, die ddas Best Of Album im Internet vorbestellt haben. Und diese CD ist der heimliche Star der Veröffentlichung. Nur vier Songs, aber eine satte Stunde lang Musik: Minarets, The Last Stop, What You Are und vor allem – eine mehr als 30minütige Version von #41, bei der Du nicht mehr weißt, wo oben und wo unten ist. Bela Fleck & The Flecktones sind mit dabei und gehen ab wie nix Gutes… Habe diese Performance schon als Bootleg geliebt, alleine, sie jetzt endlich ordentlich gemischt hören zu dürfen, war schon die Anschaffung der TBOWA-CDs zu horrenden musictoday-Preisen wert. Fantastisch. 10/10.

Niels Frevert: In Wien…

Mal wieder ein Gastbeitrag von meinem geschätzen Freund und Kollegen Robby aka indigoo. Gastbeitrag? Ach was, der is ja auch zu Hause hier, irgendwie…

Ein Gewölbekeller unter einem U-Bahndamm in der Wiener Josefstadt. Es sieht ein bisschen aus wie ein miefig-schmuddeliger Probenraum, an den Wänden hängen Eierpappen, hier und da stehen ein paar alte Sessel und Couches rum, ein kleines Podest erhebt ein paar Kabel, Verstärker und Musikgeräte in die tabakschwangere, ofengewärmte Luft. Ein Bretterverschlag dient als Klo, ein umgekipptes Ölfass mimt die Kasse, da drüben in einer Nische fließt Bier vom Fass. Willkommen im ?Einbaumöbel?, willkommen ?in Wien.?

Niels Frevert spielt heute hier, unter der U-Bahn Linie 6. Hat sich als Support den befreundeten Lokalmatador ?Linger? mitgebracht, der diesen Abend mit schrägen Klängen eröffnet. Der bejubelt, beklatscht und auch ausgebuht wird, während irgendwann ein Hamburger Jung im Publikum erscheint. Braune Lederjacke, ein mehr als drei Tage alter Bart, sieht ein wenig verschlafen aus. Noch ein Bier aus grüner Dose, dann wird die Gitarre gestimmt, ein paar schüchterne Worte suchen das Publikum, stottern beinahe, beide Hände fahren durchs Haar, all das kennt man schon. Auch in Wien?

?Seltsam öffne mich? ist auch an diesem Abend der passende Opener, gewinnt das Publikum, bringt ersten Beifall. Bis zur zweiten Zugabe (Glückskeks) hört man alte und neuere Bekannte, Stücke von den beiden Soloalben. Die obligatorischen Lindenbergsongs fehlen genauso wenig wie die passenden Geschichten dazu. Hier und da ein Lachen, ein Satzabbruch, der Griff durch die Haare, der Griff zum Bier, man kennt das eben. Auch in Wien kriechen ?Wann kommst Du vorbei? und ?Du musst zuhause sein? ins Ohr, werden mehrstimmig, bleiben haften. ?Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs ? SIEBEN.?

So vergehen gut zwei Stunden (oder weniger?) grinsend, kopfnickend und fußklopfend, und auch der seltsam schöne Abend mit und von Niels Frevert, zum Teil ?mit geschlossenen Augen.? Irgendwo dazwischen, fast unbemerkt, hat sich in die gewohnt frevertschen Klänge auch ein neuer Song ins Set geschlichen ? ?Waschmaschine?. Dass dieser erst im kommenden Herbst als Konserve zu haben sein wird, bleibt das einzig Betrübliche an diesem zehnten November im herbstkühlen Wien. Der Verstärker brummt noch, als die Tür hinter dem ofenbeheizten Gewölbe ins Schloss fällt und einen Abend beschließt, der sich mehr als gelohnt hat.

Dave Matthews kommt nach Deutschland!

Gute, ach was – fantastische!! Nachrichten für alle Dave Matthews-Fans! Wenn uns hier in Europa schon seit sieben Jahren die Dave Matthews BAND vorenthalten wird, so können wir uns doch immerhin freuen, dass Meister Matthews himself jetzt endlich, endlich mal wieder nach Deutschland kommt. Ich zitier‘ mal aus dem aktuellen DMB-Newsletter:

DAVE MATTHEWS ANNOUNCES SOLO TOUR OF EUROPE

We are pleased to announce that Dave Matthews will be traveling to Europe for several solo performances in February and March 2007!

Fri / Feb 23 / City Hall / Newcastle, England
Sat / Feb 24 / Clyde Auditorium/ Glasgow, Scotland
Mon / Feb 26 / National Stadium / Dublin, Ireland
Tue / Feb 27 / Waterfront Hall / Belfast, N. Ireland
Thu / Mar 1 / Manchester Apollo / Manchester, England
Fri / Mar 2 / New Theatre / Oxford, England
Sun / Mar 4 / Teatro Dal Verme / Milano, Italy
Tue / Mar 6 / La Cigale / Paris, France **
Thu / Mar 8 / Offenbach Capitol/ Offenbach-am-Main, Germany*
Fri / Mar 9 / Ancienne Belgique / Brussels, Belgium**
Sat / Mar 10 / Paradiso / Amsterdam, Holland**
Mon / Mar 12 / Columbiahalle / Berlin, Germany**
Tue / Mar 13 / E-Werk / Koln, Germany**

* General Admission Seated and Standing
** Standing Only

Noch Fragen? ICh denke, wir sehen uns in Berlin, oder?

In other news, Ben Folds kommt auch wieder nach Deutschland. Im Februar 2007, wenn ich richtig gehört habe. Dazu aber später mehr.

Welchen DM(B)-Quote setzt man an den Schluß eines solchen Postings? Hmmm… So Damn Lucky… vielleicht. Oder aber: Celebrate we will! 🙂