Mixtape (5)

Ein Mixtape vom 28. Februar 2001. Jede Menge gute Bekannte, aber auch ein paar Songs, die mir lange nicht mehr zu Ohren kamen. Hat Spaß gemacht, diese alte Zusammenstellung mal wieder anzuhören…

EELS – I LIKE BIRDS
Ein klares, kleines Statement: E von den Eels gesteht, dass er Vögel mag. Mehr nicht. Das schöne an den Eels: aber eben auch nicht weniger. Ein lustiges Singalong, das Frühlingslaune verströmt.

BLUES TRAVELER – 12 SWORDS
Das erste Stück der feinen, feinen EP „Decision Of The Skies“ von Blues Traveler, die Du Dir übrigens komplett und ohne zu löhnen aus dem Netz ziehen kannst (alle Infos und Links findest du hier im dunkelblau-Weblog). Ein warmer, zarter Song mit einer Melodie, die Dich umarmt. Und, und das ist echt mal eine Seltenheit, ein Blues Traveler-Song ohne Mundharmonika. Auch mal schön.

FUN LOVIN‘ CRIMINALS – KOREAN BODEGA
Da überkommt mich so ein „Ach, na eben!“-Gefühl! Die FLC sind eine wirklich coole Band, und „Korean Bodega“ (1998) ist einer dieser Songs, bei denen Du mitwippst und denkst: „In einer gerechteren Welt liefen solche Songs tagein, tagaus im Radio, und nicht immer die Spears!“

ELLIOT SMITH – WALTZ #2

Ach nee – diese Compilation hier ist anderthalb Jahre nach der entstanden, die ich im Mixtape (4) beschrieben habe. Aber da war der Song auch schon drauf. Manche Lieder lassen Dich eben lange, lange nicht los. Und manche nie. Wahrscheinlich ist das hier so einer. Mehr zu „Waltz #2“ und Elliott hier im dunkelblau Weblog.

OCEAN COLOUR SCENE – FOXY’S FOLK FACED
Auch eine dieser Bands, die gerne und oft auf meine Mixtapes drauf muß. Ein Stück der großen „Marchin‘ Already“-Platte, sanft, kurz, amtlich. Auch so eine Band fürs Herz.

IVAN NEVILLE – ANIMAL ANTICS
Diese Stimme. Tief, sexy, schwarz. Ivan ist einer der jüngsten Sprosse (Sprösse? Sprossae? Hilfae!) der Neville-Familie. Vor zwei Jahren hat der Kerl eines der schönsten Rhythm’n’Blues-Soul-Funk-Alben hingelegt, das ich kenne. „Saturday Morning Music“ heißt das. Dieses Stück hier stammt von der Platte „Thanks“, die mir, alles in allem, ein wenig zu poppig ist. „Animal Antics“ fällt da aus dem Rahmen – ein vertrackter, cleverer Blues.

GAS GIANTS – YOU’RE ABSOLUTELY
Als die Gin Blossoms (vorläufig) Geschichte waren, kamen für kurze Zeit die Gas Giants. Dreiminuten-Rocksongs noch und nöcher, einer schmissiger als der andere. „You’re Absolutely“ ist ein melodietrunkenes Meisterwerk.

KEB MO – JUST GIVE ME WHAT YOU GOT
Der Herr geht macht es im Moment genau andersherum als Ivan Neville. Ivans Platten waren früher ein wenig kitschig und poppig. Keb Mos Platten sind es heute. Dabei ist der Typ eine wirklich coole Sau, hat eine markante, beseelte Stimme und handwerklich makellose Musiker im Rücken. Dieser Song hier stammt aus besseren Zeiten. Aus Zeiten, in denen er noch nicht jeden Sch**ß aufgenommen hat, nur um wieder im Radio gespielt zu werden.

SINÉAD O’CONNOR – SUMMER’S END

Ganz ohne Zweifel eines der zehn besten Stücke der Sinéad O’Connor. „Summer’s End“ ist ein Monster, ein Liebhaber, ein Freund, ein Feind – alles zur gleichen Zeit. Vor einer schier undurchdringbaren Wall of sound tänzelt eine Kinderliedmelodie, und die Godess of Song erzählt von unerfüllter, aber zugleich bedingungsloser Liebe. Sensationell produziert (laut hören! LAAAAUUUUTT!), und von Sinéad gewohnt leidenschaftlich gesungen: „I am that woman…“

CHRIS BARRON – SOME ENCHANTED EVENING
Chris und seine Ukulele – von der uneinholbar besten Platte, die Ende der Neunziger in New York City eingespielt wurde. „Shag“. Mehr sag ich nicht. Kaufen, selber hören und glücklich werden!

NICK DRAKE – WAY TO BLUE
Der schwermütige, tragische Nick Drake mit einem beklemmenden Song, der den Hörer fassungslos zurückläßt. Nur in Streicher gebettet singt Drake eine derart melancholische Stimmung daher, dass man sich ganz, ganz dringend jemanden wünscht, der einen für ein paar Augenblicke in den Arm nimmt.

THE GETAWAY PEOPLE – THE GOOD LIFE
Ganz krasser Schnitt! Die GAP sind cool, modern und funky wie nix Gutes. Es ist wirklich sehr schade, dass diese Band kaum noch in Erscheinung tritt. Es ist wirklich kaum zu glauben, dass diese Herren in Norwegen wohnen, und nicht irgendwo in Manhattan!

GARY MOORE – DARK DAYS IN PARADISE
Argh! Was hat mich denn da geritten? Dass ich früher mal (ehrlich, früher, ich meine so vor zehn Jahren und früher) Gary Moore cool fand, ist ja an sich schon peinlich. Aber dass ich 2001 (!) diesen „Song“, der sich anhört, als hätten die Flippers während eines Hawai-Aufenthaltes einen Englischkurs besucht, auf ein Mixtape nehme, kann ich mir nur so erklären (schönreden): Das ist ironisch gemeint! Ehrlich! Ach was solls, all meine Credibility ist wohl ein für alle mal dahin. Schlimmes Lied eines mediokren Künstlers. Aber es wirkt: ich krieg jedes Mal einen Lachanfall, wenn ich es höre.

IMPERIAL DRAG – DANDELION
Okay, das ist jetzt wieder richtige Musik. Und richtig gute. Leider ist von ID meines Wissens nur eine einzige Platte überliefert, sie datiert auf das Jahr 1996. Aber die war ganz großer und glamuröser Rock’n’Roll. „Boy Or A Girl“ war das von mir meistgehörte Lied, während ich fürs Abi gepaukt habe. Hilfe, ich klinge wie ein alter Mann, der vom Krieg erzählt! Aber ja, das ist acht Jahre her. Obs mir nun gefällt oder nicht.

TODD THIBAUD – THAT WASN’T ME
Ein alter Gassenhauer von Todd, der, eifrige Leser dieses Weblogs wissen es längst, demnächst eine neue Platte rausbringt. Da kommt einfach nur Vorfreude auf!

DAVE MATTHEWS BAND – ANGEL
Bei ganz vielen Fans ist dieses Stück als kitschiges Machwerk und Zumutung verschrien. Was ich nicht verstehen kann. Schon wahr, „Angel“ hat nicht den Charme von „Two Step“ oder „Typical Situation“ und kommt sehr, sehr eingängig daher. Aber schön isses trotzdem. Irgendwie.

Nix wie hin: OMNISOUL.com

Die Band Omnisoul aus Newark, Delaware, wird im (Nord-)Osten der USA derzeit als das nächste große Ding gehandelt. Seit etwas mehr als zwei Jahren gibt es die Band bereits, und schon jetzt haben sich die fünf Herren eine treue Gefolgschaft in Philadelphia , Delaware und New York City erspielt. Wohlbemerkt: noch sind diese Herren ohne Major-Plattenvertrag. Noch.

Denn das dürfte angesichts der tollen Musik, die Du auf der Seite der Band anhören kannst, nur noch eine Frage der Zeit sein. Omnisoul stehen für eingängigen, enorm druckreichen Rockpop. Den Jungs scheinen die Hits nur so aus der Feder zu fließen, und selbst, wenn Du die Songs zum ersten Mal hörst, kommen sie Dir vor wie alte Bekannte, die Du immer wieder gern zu Dir einlädst.

Die Homepage ist so etwas wie die Informationszentrale für alle Omnsoul-Fans: Konzertdaten und -berichte, Nachrichten, Fotos und ein umfangreicher virtueller Merchandisingstand sorgen dafür, dass Du eine Menge zu gucken und zu lesen bekommst, während Du durch den auf der Seite integrierten Player das Album der Jungs in recht annehmbarer Qualität anhören kannst.

FAZIT
Jetzt auf diese Seite gehen, die Musik anhören und sich über diese Band schlau machen – die Homepage hat alles, was man von einer gut gepflegten Site erwarten darf. Und kommt dann irgendwann der eigentlich fast logische Majordeal, und die Herren sind in ein paar Jahren so groß wie, sagen wir mal, Maroon 5 heute, dann kannst Du wiedermal mit stolz geschwellter Brust sagen: DIE? Ach, die, die kenn ich schon seit Ewigkeiten!!!

Behind the music: David Sedaris' neues Buch "Nachtprogramm"

Wäre „Nachtprogramm“ ein Musikalbum, wäre „Sechs bis acht schwarze Männer“, eine der Geschichten in diesem Buch, die erste Singleauskopplung. Ja, David Sedaris ist auf seine Art Musiker, ein echter Rockstar, und es ist deshalb völlig berechtigt, auf ihn in diesem Musik-Weblog aufmerksam zu machen.

Nach „Nackt“ und „Ich einen Tag sprechen hübsch“ liegt mit des Dichters Sedaris neuem Buch bereits die dritte Sammlung voller Geschichten aus dem Leben der literarischen Kultfigur David Sedaris vor. Steif und fest behauptet der in Paris lebende Amerikaner ja, das wären alles Stories, die er so oder wenigstens so ähnlich erlebt hätte; seine Aufzeichnungen seien lediglich hier und da „ein wenig“ literarisch verdichtet und gestrafft. Wenn das stimmt, führt Herr Sedaris ein beneidenswert unterhaltsames Leben, das Dir in dem einem Moment seltsam vertraut vorkommt und im nächsten Moment Gott sei Dank nicht Dein eigenes ist.

Seine unverwechselbare Art, von den kleinen, aber nur scheinbar unwichtigen Dingen des Erwachsenwerdens und Erwachsenseins (das ist ja manchmal noch viel schlimmer als das -werden) zu schreiben, ist einfach ein wahrer Lesegenuß, Rock’n’Roll zum Lesen quasi: Klein-David, wie er mitsamt seiner Schwestern im tiefsten Winter aus dem Haus ausgesperrt wird, weil Mama in Ruhe ihren Nachmittagsdrink (oder besser: ihrE NachmittagsdrinkS) schlürfen möchte, der heranwachsende David, wie er, dauerkiffend und sein Schwulsein lebend, aus dem Elternhaus geworfen wird, Groß-David, wie er das Amsterdamer Anne-Frank-Haus zum schönsten und für sich eigentlich idealen Wohnhaus auf Erden kürt… Unbeschreiblich komische, aber zugleich auch herzliche und rührende Geschichten, die Sedaris hier wieder serviert.

Verglichen mit seinen Vorgängern kommt „Nachtprogramm“ allerdings schon merklich melancholischer und etwas leiser daher. Was dem Lesespaß keinerlei Abbruch tut, im Gegenteil: Du möchtest noch mehr mitleiden, mitleben mit diesen ganz entzückend gezeichneten Charakteren. Charaktere, die Du so oder so ähnlich ja auch aus Deinem eigenen Leben kennst, nur fehen Dir immer die Worte, über all die netten Schrullen um Dich herum so treffend zu schreiben, wie Sedaris das macht. Zum Glück nimmt er Dir das ab, und das zu lesen ist einfach köstlich.

Wäre Sedaris also ein Musiker, wäre er vielleicht eine Mischung aus Van Morrison und den Eels. Und „Nachtprogramm“ wäre eine Mischung aus „Hymns To The Silence“ und „Daisies Of The Galaxy“. Eine Platte also, fast zu schön, um wahr zu sein. Mit Ecken, Kanten, großen Melodien, Gitarrengewittern, die auf verträumte Miniaturen träfen. Eine Platte also, die Du für alle Zeit in Dein Herz schließen würdest.

NP: G Love, Donavon Frankenreiter & Jack Johnson live (17. 9. 04)

Die drei Großmeister des entspannten Grooves in einer gemeinsamen Radiosession für den Sender WRNR in Annapolis, Maryland. Für surfende Musiker scheint ein Auftritt um 12 Uhr mittags eine echte Zumutung darzustellen, das sagen sie zumindest öfter während dieser einstündigen Show. Auch muß G. Love einen Song nochmal anfangen, weil der Gesangspart einfach „zu hoch“ für diese Uhrzeit ist.

Aus der Ruhe lassen sich diese Herren aber trotzdem nicht bringen. Wie auch – auch auf ihren Platten wirken die Herren Love, Johnson (beide oben im Bild) und ihr neuer Buddy Donavon Frankenreiter ja immer so, als wären sie völlig entspannt und als gäbe es auf dieser Welt nichts, was es Wert wäre, laut, hektisch oder gar ungemütlich zu werden.

So klingt auch diese Show: den Anfang macht ein gut gelaunter, aber leicht verpennter G. Love, dann kommt Donavon auf die Bühne, der holt schließlich noch Jack Johnson dazu, und am Schluß jammen die drei noch ein paar Songs gemeinsam.

Die Aufnahme hat eine tolle Qualität (Radiomitschnitt), und ist in jeder Hinsicht unterhaltsam. Entschuldigung, entspannt wollte ich schreiben. Zu haben als Bit Torrent bei etree.org, und zwar ganz genau hier.

G.Love, Donavon Frankenreiter, & Jack Johnson
09.17.2004
Rams Head Tavern
Annapolis, MD

Taped by Jason Lonchar
Transfered by Hank Schandel

[G.Love]
01. (radio & house intro)
02. Sunshine
03. Holla
04. Waiting
05. When We Meet Again
[Donavon Frankenreiter]
06. What You Know About*
07. Call Me Papa*
08. It Don’t Matter
09. Free**
[Jack Johnson]
10. Gone
11. Plastic Jesus > Fall Line >
12. Spring Wind***
13. On and On
14. Banana Pancakes
[G.Love, Donavon Frankenreiter, & Jack Johnson]
15. Heading Home
16. Rodeo clowns
17. Further On Down the Road > Blues Music# > Further On Down the Road
18. Rainbow
19. Mudfootball
20. (radio chatter)

NOTES:
*with G.Love
**with Jack Johnson
***Greg Brown cover
#incomplete; first verse only

Thanks to 103.1 WRNR in Annapolis for providing an FM broadcast of this set.

Gib mir Musik: Todd Thibaud – Dragging Me Down (live)

Passend zu den eben an anderer Stelle erwähnten Neuigkeiten zu Todd Thibaud gibts denn auch einen Song des Herren, und zwar „Dragging Me Down“. Den gibts, neben zahlreichen weiteren Songs, ganz offiziell auf der Seite seines deutschen Labels Bluerose Records. Oder ganz einfach per Rechtsmausklick (gibts dafür eigentlich ein schönes deutsches Wort??) hier.

Neues Album von Todd Thibaud kommt!

Mit großer Freude darf ich aus dem soeben per e-mail eingetrudelten Newsletter des Plattenlabels Bluerose Records zitieren, da er spannende Neuigkeiten in Sachen Todd Thibaud enthält:

Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es am 25.10. weiter mit einem weiteren Highlight, dem sehnsüchtig erwarteten neuen Studioalbum von TODD THIBAUD. Es heißt „Northern Skies“ und ist einfach tierisch gut geworden. Todd lässt euch folgendes ausrichten:

„This record is one that I’ve been wanting to make for some time now. I’ve really wanted to record an album that was more focused on the „Americana Rock“ side of my music. I’ve always had those kinds of songs on my records but I’ve never really been able to focus on them (Favorite Waste Of Time is probably the closest). This is music I truly love and feel at home with. It’s the kind of stuff I love to listen to as a music fan and a style that I really enjoy writing in. I also wanted the record to be a little more ‚raw‘ and ‚rough around the edges‘ than some of my more recent recordings. There’s a lot of guitars on here! As well as some traditional instruments that I love.“

Und um die Songs des neuen Albums auch richtig gut rüberzubringen, wird Todd seine Deutschland-Tour im Dezember als Quintett (!) bestreiten. In der Band als Gitarrist und im Vorprogramm übrigens JABE BEYER, von dem wir vor kurzem das Album „Drama City“ veröffentlicht hatten.

Die Tourdaten:
1.12. Nürnberg, K4
2.12. Halle, Objekt 5
3.12. Singwitz, Kesselhaus Lager
4.12. Lauchhammer, Real Music Friedensgedächtniskirche
6.12. Norderstedt, Music Star
7.12. CH-Luzern, tba. (w/ Reto Burrell)
8.12. Langenau, Café Kapilio
9.12. Dortmund, FZW
10.12. Höxter, Tonenburg
11.12. Lahr, Schlachthof
12.12. Stuttgart, Laboratorium
14.12. Berlin, Knaack
15.12. Parchim, Irish Pub
16.12. Hannover, Bad
17.12. Heilbronn, Gewölbe Bürgerhaus Böckingen (Blue Rose Christmas Party)
18.12. Wesel, JZ Karo
19.12. Frankfurt, Sinkkasten

Abgesehen davon, dass ich jedem nur ans Herz legen kann, diesen wunderbaren Songwriter live zu erleben, wird natürlich das Album, das ja nun doch noch in diesem Monat erscheint (in einer e-mail teilte mir Todd im August noch mit, dass er gar nicht mal so sicher sei, ob das denn 2004 überhaupt noch klappen würde. Schön, dass sich auch die Künstler höchstpersönlich mal irren…) hier im dunkelblau Weblog nach Erscheinen ausführlich begutachtet!

Rock Hard Times: DJMDG / Giant Sand / MTV European Music Awards

Der Junge mit der Gitarre ist eine der seltsamsten Erscheinungen in der deutschen Musikszene. Die tollen Leute von musikreportage.de widmen ihm diese Woche einen durch und durch lesenswerten Artikel. Hier der Anfang:

„Schreib als ersten Satz: vor dem Erfolg hat der liebe Gott den Schweiss gesetzt“ Punkt. Ich bin noch kaum richtig im Roten Salon der Volksbühne angekommen, als ich meine erste Direktive vom Jungen mit der Gitarre erhalte, die dieser gerade nicht in Händen hält. Schliesslich ist Tobias Schacht, wie es sein Personalausweis will, gerade mit dem Aufbauen seines Equipments beschäftigt. Marco Möller, sein Schlagzeuger, und Stefan Nietzky am Bass tun es ihm gleich. Tobias schaut nur aus dem Augenwinkel dann und wann zu mir herüber. Gerade wird eine Lichterkette in Position gebracht. Trotzdem halten sich die Jungs mit Requisiten zurück. Es geht hier eben nicht um den Jungen mit dem Firlefanz. Als ich mich so umsehe, bin ich mir eigentlich nicht sicher, wer hier wen beobachtet. Die Blicke fliegen hin und her. Deckung und Vorstoss. Später im Gespräch will er genau wissen, für wen ich schreibe und vor allem, was ich schreiben werde. Und: er bittet mich, einige Dinge nicht in der Reportage unterzubringen. Soviel zu einer entspannten Atmosphäre…

Die komplette Reportage liest Du hier!

Das Onlinemagazin gaesteliste.de hat unlängst Howe Gelb, den Kopf von Giant Sand, getroffen und nicht nur zur neuen Platte befragt, sondern auch über das sich verändernde Verhältnis zu seinen Ex-Kollegen, die jetzt eher mit Calexico erfolgreich sind, gesprochen. Da liest Du vieles eher zwischen den Zeilen:

Noch anlässlich der letzten Giant Sand-Scheibe, dem Covers Album, war sich Howe Gelb ziemlich sicher, dass es Giant Sand hinkünftig nicht mehr geben würde. Denn damals betrachtete er John Convertino und Joey Burns noch als integralen Bestandteil – und die beiden hatten halt nun mal aufgrund des Erfolges mit Calexico keine Zeit mehr für die Mutterband. Dann tourte Howe anlässlich seiner letzten Solo-„The Listener“-CD mit einer dänischen Band (er lebte damals gerade ebendort) und der Sängerin Marie Frank. Dieses klappte dann so gut, dass er beschloss, mit diesen Musikern unter dem Namen Giant Sand weiterzumachen. Oder?

Das ganze Interview steht hier.

Außerdem hat MTV diese Woche bekanntgegeben, wer denn so alles in diesem Jahr für den European Music Award nominiert ist. Wirklich große oder wenigstens überraschende Namen lesen sich da nicht. Die englische Pop-Postille New Musical Express hat, der journalistischen Sorgfaltspflicht folgend, jedenfalls mal alle Nominierungen aufgelistet:

OUTKAST lead the nominations for this year?s MTV Europe Music Awards.
The R&B outfit are in the race for five nominations, closely followed by Franz Ferdinand, Black Eyed Peas, Maroon 5, Jay-Z, and Britney Spears, who each have three nominations.
Franz Ferdinand are in the running for Best New Act, Best Alternative Act and Best Act UK & Ireland nominees.

Die komplette Liste liest Du hier.

Howie Day – Live @ Schuba's Tavern, Chicago, IL (July 11th, 2004)

Howie Day hat die unglaubliche Gabe, mit seiner sanften Stimme und seinen originellen Gitarrentechniken seine Zuhörer zu verzaubern. Er schreibt in jeder Hinschicht melancholische Stücke, aber stets mit hoffnungvollen, ja, frohen Zwischenräumen. Ja: der Mann steht so unglaublich gut gelaunt auf der Bühne, dass seine zarten Lieder bei aller Melancholie einfach nur glücklich machen. Seine beiden Alben „Australia“ und „Stop All The World Now“ zeigen, wie Howies Songs mit „vollem Orchester“ funktionieren: großer Pop, schnörkellos, unaufgeregt, und trotzdem leidenschaftlich.

Live führt dich Herr Day gerne mal in eine ganz andere Dimension: wer jemals die Bonus-DVD seiner 2003er EP „Madrigals“ gesehen hat, weiß, wovon ich schreibe. Ein Typ, der daherkommt wie der hinterletzte Nerd, „bewaffnet“ mit klasse Songs und einer Akustikgitarre. Und mit einem Sampler. Vor Deinen Augen sampelt der Knabe seine eigenen Gitarrenspuren, klopft den Beat auf der Klampfe, sampelt auch diesen, und schon stellt er in Windeseile sein eigenes kleines Orchester zusammen, und schafft einen sphärischen, hypnotisierenden (in der Regel meide ich diese Vokabel, aber bei Howie Day trifft sie einfach zu) Sound, der seinesgleichen sucht.

Mit „Stop All The World Now“ ging er erstmalig mit kompletter Band auf Tour. Ein Unterfangen, das nicht nur Jubelausbrüche bei seinen Fans hervorrief: schien doch jene einzigartige Bühnendarbietung in Gefahr zu sein, diese One-Man-Show, die klingt, als würde sie von vier bis acht Menschen performt. Und tatsächlich waren die Howie Day-Band-Shows erstmal gewöhnungsbedürftig, klangen sie doch so ganz anders als das, was man von alten Aufnahmen oder eben jener Madrigals-DVD kennt. Letztlich siegten aber die Songs und das Genie über die Form, was ja irgendwie immer eine gute Sache ist. Howie Day funktioniert eben auch als Frontmann einer Band, und seine Musik ist viel zu gut, um sie ausschließlich in das Gitarren-Loop-Korsett zu stopfen.

Und dennoch: seit einigen Monaten besinnt sich Howie seiner Solo-Qualitäten, und geht in diesem Herbst wieder mal allein auf die Bühne. Dass er inzwischen gereifter und selbstbewußter auftritt, als man das noch von „Madrigals“ oder alten Livemitschnitten gewohnt war, liegt sicherlich in der Natur der Sache – mehr Erfahrung, mehr Songs, mehr Fans. Aber er bleibt der nette Kumpeltyp von nebenan, den man einfach um sein Können, seine Emotionalität und seine Virtuosität beneidet.

Einen Vorgeschmack auf seine laufende US-Solo-Tour bot Howie im Sommer für seine Reps, also für die Fans, die durch Mundpropaganda und Plakatekleben die Kunde von diesem Unikum der Popmusik verbreiten. Am 11. Juli spielte Day eine seiner ersten Soloshows seit langem vor solchen Reps in einem kleinen Club in Chicago. Knappe anderthalb Stunden, in denen er sich die Seele aus dem Leib singt, einfühlsam die Pedale seines Samplers bedient und sich großzügig aus seinem stetig wachsenden Repertoire bedient – „Sorry So Sorry“ muß da natürlich kommen, genau wie „She Says“ und „Collide“. Aber auch Raritäten wie „Bunnies“ spielt er für seine Hardcore-Fans, und läßt sogar einen ganz neuen Song gucken: Wenn das neue „Annalise“ ein Vorgeschmack auf das sein sollte, was man demnächt von Howie auf Platte zu hören bekommt, dann hat der gute seine besten Zeiten noch vor sich.

Eine entspannte, lustige Show, die Du kostenlos und völlig legal, ja, auch Howie gehört zu den Musikern, die das Tapen bei Shows nicht nur erlauben, sondern sogar fördern, an vielen Ecken des Internets herunterladen kannst, beispielsweise bei etree (nach Howie Day suchen). Besonders nett an dieser Show ist die Tatsache, dass sie ein Soundboard-Mitschnitt ist und so durch eine ganz hervorragende Klangqualität besticht.

Don’t stop here, I lost my place. I’m close behind…

Howie Day
July 11, 2004
Schuba’s Tavern
Chicago, IL
Taper: Joe Shambro

Disc 01:
01. Intro
02. Sorry So Sorry
03. Buzzing > Africa
04. Ghost (beams of light outro)
05. Annalise
06. Brace Yourself
07. She Says

Disc 02:
01. Moose Cock Joke
02. After You
03. Disco
04. Collide
05. Bunnies
06. Morning After
07. Madrigals

Foto von Greg Watermann, gestohlen von der offiziellen Howie Day-Website.

Gib mir Musik: dunkelblau feat. Jasmin Wiegand – Mach die Tür leise zu

Ein weiteres Stück aus meiner eigenen Feder, geschrieben mit Matthias Frommann für die 2004er CD „in der zwischenzeit“ unserer Band dunkelblau. Die Dame, die hier so wunderbar singt, ist Jasmin Wiegand, und unser lieber Freund Bernd Fleischer hat den Song mit seinen Gitarrenkünsten veredelt.

mach die tür leise zu (mp3-Download auf dieser Seite)

Willst Du Zigaretten holen
Oder liegen bleiben
Einfach liegen bleiben
Willst Du Dir die Zeit vertreiben
Und liegen bleiben
Einfach liegen bleiben
Ich seh in Deine Wunderaugen
Und will liegen bleiben
einfach liegen bleiben
Ich versink in Deinen Weiten
Und werd liegen bleiben
Bis in alle Zeiten

Ich seh in Deinen Augen als war ich vorher blind
Ich höre Deine Worte weil ich so Wahrheiten find
Über allen Gipfeln ist zum ersten Mal Ruh
geh nicht weg und wenn doch mach die Tür leise zu

Ich lösch das Licht
das brauchen wir nicht
wir lassen uns treiben
Dreh dich nicht um
und frag nicht Warum
Einfach liegen bleiben

Ich seh in Deinen Augen als war ich vorher blind
Ich höre Deine Worte weil ich so Wahrheiten find
Über allen Gipfeln ist zum ersten Mal Ruh
geh nicht weg und wenn doch mach die Tür leise zu

Ich lösch das Licht
das brauchen wir nicht
wir lassen uns treiben
Dreh dich nicht um
und frag nicht Warum
Einfach liegen bleiben.

Matthias Frommann: Keyboards, Bass, Programming
Jasmin Wiegand: Gesang
Bernd Fleischer: Gitarre
Text: Daniel Heinze
Musik: Matthias Frommann und Daniel Heinze

Produziert von Matthias Frommann im studio dunkelblau, Leipzig.
Alle Rechte vorbehalten. (c) 2004

Aus dem Album in der zwischenzeit von dunkelblau. Erhältlich hier.