NP: Pancho's Lament – Leaving Town Alive (2003)

Innocence is like a flower
blooms and dies inside an hour
Just when you’re thinking the wine goes sour
The sweetness reappears

Manchmal kann ich es kaum fassen – wie viel gute Musik da draußen ist, und wie wenig ich davon kenne… Viel zu leicht übersieht man da gute Veröffentlichungen – oder man kennt sie schlicht und einfach nicht. Aber ab und an hat man Glück – und wird dann doch noch aufmerksam auf Musik, die man schon nach dem ersten Hören nie, nie wieder in seinem Leben missen möchte.

Pancho’s Lament, so heißt das Bandprojekt (und Alter Ego) von Jeff Cohen, einem US-Songwriter, der früher mal bei einer Plattenfirma gearbeitet hat und seit ein paar Jahren aber lieber selber Musik macht als die anderer zu verwalten. So sind ihm bereits einige veritable Hits gelungen und eigentlich hätte ich schon viel früher auf ihn stoßen können, wußte ich doch, dass er an solchen Meisterleistungen wie „Can’t Kick The Habit“ von Spin Doctors oder aber Deena Goodman’s hervorragender Debüt-EP „Hard To Get To“ beteiligt war…

Von Leaving Town Alive, dem zweiten Cohen-Album, kann ich nicht genug bekommen – elf wunderschöne Songs, purer Pop, liebevoll arrangiert, leidenschaftlich gesungen, 35 Minuten für die Ewigkeit. Intelligente Harmonien, aber nie künstlich, nie verkrampft. Tolle Texte, aber nie zeigefingerig oder kitschig. Und der Gesang von Jeff Cohen ist so seltsam unaufdringlich-sympathisch, dass es fast schon zu schön ist, um wahr zu sein.

Und dann noch diese Gäste: nahezu die gesamten ehemaligen Getaway People (eine der meistunterschätzen Bands der letzten 10 Jahre), allen voran Boots Ottestad, geben sich die Ehre, ebenso wie Teitur Lassen, Jesse Harris und – ja, klar – Chris Barron. Der hat „Louisiana Holiday“, den Opener der Platte, mitgeschrieben, -produziert und -gesungen und veredelt auch noch den heimlichen Hit „Crazy For This Girl“.

Klasse Album, was für ein Segen, es endlich entdeckt zu haben. Auch hier gilt: besser spät als nie.

Every once in a while you’ve got something to say
so say it so say it so say it and
get on the bus…
Get on the bus
If you’re coming with us
get on the bus

Mehr zu Jeff Cohen / Pancho`s Lament gibt es auf dieser Seite und auf Jeffs MySpace-Seite. „Leaving Town Alive“ kann man problemlos bei CD Baby kaufen. (9/10)

Daniel Heinze live beim MoshAIR 2006 am 20. Mai

Rechtzeitig zum Frühlingsbeginn (dem kalendarischen wenigstens) kann ich meinen nächsten Auftritt bekanntgeben: ich freue mich sehr über die Einladung, beim diesjährigen Jumping MoshAIR-Festival in Freureuth (an der sächsisch-thüringischen Grenze, bei Werdau, unweit von Zwickau) dabei sein zu dürfen. Am 20. Mai treten dort insgesamt fünf Acts auf, darunter x ist y?, die diese Konzert-Reihe zum inzwischen fünften Mal aus dem Boden stampfen. Außerdem gibt es Musik von The Audience aus Nürnberg, von The Opium Theatre und Slap, beides spannende junge Bands aus Westsachsen, und halt auch von mir.

Und als wäre das alles nicht schon schön genug, wird auch noch Genscher durch den Abend führen und sicherlich für die eine oder andere unterhaltsame Einlage sorgen. Bedenkt man, wie kalt und unwirtlich es im Moment noch ist, dann ist das Ziel, in genau zwei Monaten ein Open Air zu veranstalten, ein recht mutiges Ansinnen – aber im vergangenen Jahr hatten die Macher des Jumping MoshAIR richtig Glück mit dem Wetter, wie man sich eindrucksvoll im liebevoll gestalteten Film zum Fest anschauen kann. Der findet sich, zusammen mit allen anderen wichtigen Informationen rund um den 20. Mai, auf der MoshAIR-Internetseite.

Na dann kann er ja kommen, der Sommer. Oder wenigstens erstmal der Frühling.

Van Morrison – Pay The Devil (2006)

Herzlich Willkommen zur jährlichen Rubrik „Die neue Van Morrison ist da“! Nach dem im Mai 2005 erschienenen „Magic Time“ legt der knurrige Ire jetzt schon wieder ein neues Album vor. Ein… – Trommelwirbel! – Countryalbum. Yiiiehaw!

Van Morrison goes Country? Hmpf. Beim letzten Mal ging das ja gehörig daneben – vor sechs Jahren wars, da veröffentliche der sonst so beseelte Kauz die Platte „You Win Again“. Ein Machwerk voller Duette mit der Sängerin und Pianistin Linda Gail Lewis. Bis auf ein paar lichte Momente war diese Scheibe damals ein Totalausfall. Da waren auch einige Country-Kamellen drauf, und die waren… naja… praktisch unhörbar. Umso besorgter war ich, als ich vor ein paar Wochen in einer Musikzeitschrift die Anzeige für Pay The Devil las. So heißt nämlich die neue CD von Mr. Morrison. Und sie solle nicht nur ein paar Ausflüge gen Country beinhalten, sondern – ein komplettes Countryalbum sein.

Tja. Der alte Mann überrascht einen immer wieder aufs Neue. Was gut und gerne ein ordentliches Debakel hätte werden können, das in Sachen cheesiness „You Win Again“ in den Schatten zu stellen vermochte, ist eine wirklich schöne Platte geworden! Auf „Pay The Devil“ jaulen die Violinen, jammert die Steel Guitar, knarzt das Honkytonk-Piano und – das kann man sich sogar anhören!! Sehr sorgsam hat sich Morrison einige Country-Klassiker rausgesucht, die gottlob nicht viel von dem verbrämten Top40-Landeicountry-Krams haben, der in den USA ja ungebrochen populär ist. Und obendrauf ein paar eigene Stücke geschrieben, die sich wunderbar mit den alten Originalen von Leuten wie Earl Carson, Hank Williams und Billy Wallace vertragen.

Das sind Songs über Arbeitslosigkeit, Alkohol, unerwiderte und erwiderte Liebe – das sind authentische Geschichten, das sind zum Teil echt grandiose Stücke. Gerade im hinteren Teil des Albums läuft Van zur Bestform auf – „What Am I Living For?“ fragt er, „More And More“ will er und wünscht sich in die Arme seiner Liebsten „Till I Gain Control Again“. Nach einer guten Dreiviertelstunde ist dann Schluß mit Country. Ziemlich genau an der richtigen Stelle, nämlich kurz bevor der Nashville-Sound zu nerven anfangen könnte – bei aller Faszination für die Art, wie Morrison das umsetzt, meine Lieblingsmusik wird Country sicherlich nie werden.

Dennoch: Respekt! „Pay The Devil“ ist eine runde Sache, Van Morrison hört man den Spaß an der ganzen Sache an, und man möchte kaum glauben, dass dieses Album irgendwo in Irland entstanden ist und nicht in Amerika. Schon verblüffend: was dieser Mann auch singt, es wird stets zu seiner ganz eigenen, unvergleichlichen Soul-Musik. Die einzige Künstlerin, die unterschiedliche Stile ähnlich souverän, glaubwürdig und herzlich meistert und sie sich tatsächlich zu Eigen macht, ist Vans Landsmännin Sinéad O’Connor. Muss am irischen Bier liegen. Oder am Whisky.

Da fällt mir ein: morgen ist St. Patrick’s Day. Na denn, cheers, Mr. Morrison. Und „You Win Again“ sei Dir hiermit endgültig verziehen. (6/10)

Element Of Crime live im Haus Leipzig, 15. März 2006

Element Of Crime sind ja schon eine ganze Weile die everybody’s darlings der deutschen Musiklandschaft: ihre Alben werden durchweg positiv besprochen, ihre eher seltenen Liveauftritte sind immer wieder Höhepunkte im Konzertkalender. Gestern war es denn mal wieder soweit – die Band um Sven Regener gastierte im Leipziger Haus Auensee im Rahmen der Tour zum im Herbst erschienenen Album „Mittelpunkt der Welt„.

Es ist aber auch verflixt schwer, diese Band nicht zu mögen. Das Konzert war großartig, die Stimmung hervorragend. Element Of Crime spielten sich durch ihren über zwanzig Jahre hinweg enorm gewachsenen Songkatalog und logischerweise gab es eine Extraportion an Songs von der neuen Platte. Immer wieder verblüffend: dass ein solcher Poet wie Regener zwischen den Songs völlig unbeholfen agiert, mehr als ein verlegenes „Vielen Dank“ oder ab und an ein eher albernes, mit gen Himmel gereckten Armen ausgerufenes „Romantik!“ kommt ihm zwischen den wunderbaren Stücken selten über die Lippen. Aber schließlich kommt es ja auf die Musik an – und davon gabs reichlich gestern. Das reguläre Set endete mit einer klasse Performance von „Mittelpunkt der Welt“, und danach ließen sich die vier Herren zu immerhin drei Zugabeblöcken hinreißen.

Und trotzdem fallen einem auf dem Nachhauseweg unglaublich viele Songs ein, die man auch noch gerne gehört hätte. Aber hey – das, was Element Of Crime da geliefert haben, war absolut rund und wunderbar und […hier bitte den Superlativ Deines Vertrauens einfügen…]. Grandiose Songs, eine wirklich angenehm unaufgeregte Band und ein recht sympathisches Publikum, das die da vorn auf der Bühne zu Recht euphorisch feierte. Und so werden Momente wie die beklemmende, dichte Darbietung von „Weißes Papier“ oder das in bester Rockmanier dahingerotzte „Jetzt mußt Du springen“ zu tollen, bleibenden Erinnerungen.

Lingua et opinio: Spezial über deutsche Popsongs

Hinter der Online-Zeitschrift Lingua Et Opinio (LEO) verbergen sich Studenten der TU Chemnitz, die in diesem Magazin Monat für Monat wirklich spannende und qualitativ hochwertige Beiträge rund um Sprache und Kommunikation veröffentlichen.

Im Monat März 2006 wagen die Chemnitzer ein Experiment: nämlich eine Spezialausgabe, die ausschießlich aus Beiträgen ihrer Rubrik „Kopfhörer“ besteht. Darin nehmen sie deutsche Pop- und Rocktexte genauer unter die Lupe und kreiren so lesenswerte Aufsätze irgendwo zwischen Interpretation, Glosse und Rezension, die in vielen Fällen selbst kleine literarische Goldstücke sind.

Neben Niels Freverts Weltklassesong „Wann kommst Du vorbei“ wagen sich die LEO-Leute u.a. an mal mehr, mal weniger bestechende Lyrik von so unterschiedlichen Künstlern wie Tokio Hotel, Farin Urlaub, Erdmöbel, Wir sind Helden, Bushido und Olli Schulz ran.
Ein Online-Lesevergnügen, das ich hiermit herzlich empfehle. Hier geht’s zur LEO-Märzausgabe.

NP: Neil Diamond – 12 Songs (2005)

Hmm… Das ich mal in einen Plattenladen wackele und eine CD von Neil Diamond erstehe, das hätte ich mir noch vor ein paar Wochen weiß Gott nicht träumen lassen. Neil Diamond? Kitsch, langweilig, sülzig, nix für mich – genau das hätte ich noch vor ein paar Wochen geschrieben, wenn ich gemußt hätte.

Aber dann habe ich im Radio einen Song gehört, der mich so beeindruckt hat, dass ich mehr erfahren wollte über den älteren Herrn, der da singt. Dankenswerterweise bekam sich der sonst immer so gediegen daherkommende Deutschlandradio-Mensch nach dem Song kaum wieder ein vor Freude, und er erzählte mir in aller Ausführlichkeit, um wen es sich handelte. Nämlich um Neil Diamond. Ein Track aus dem neuen Album 12 Songs.

Tja, und genau das läuft dieser Tage in meinem CD-Player rauf und runter. Rick Rubin hat es produziert, und wie schon bei den „American Recordings“ von Johnny Cash schafft Rubin es erneut, einen – darf man das schreiben, ohne das es unhöflich klingt? – betagten Künstler zeitlos, unglaublich würdevoll und groß klingen zu lassen. Klasse Songs, dezente, treffende Arrangements, erstaunlich viel Humor – die „12 Songs“ sind ein liebevolles, warmes Album, das einen ganz wunderbar darüber hinweg tröstet, dass von Frühling weit und breit noch nichts zu merken ist. Aber das wird schon noch. (7/10)

Nachlese: Daniel & Heiko live im Geyserhaus, 10. März 2006

Das war ein schöner Abend, am Freitag im „Unterrock“ im Geyserhaus zu Leipzig! Heiko und ich präsentierten erstmals unser Live-Programm in voller Länge und bestritten zusammen mit Erik & The New Hats einen etwa dreieinhalbstündigen Non-Stop-Musik-Abend. Danke an alle, die da waren – an die vertrauten Gesichter genauso wie an die vielen unbekannten. Danke an das tolle Team vom „Unterrock“, ganz besonders natürlich Hannes. Danke an Erik & Co – Ihr seid großartig.

Die nächsten Konzerte von Heiko & mir sind bereits in Planung – für den Moment gibt’s hier aber erstmal noch ein paar fotografische Erinnerungen an den vergangenen Freitag:
Weiterlesen „Nachlese: Daniel & Heiko live im Geyserhaus, 10. März 2006“

The Tender Trio gibt Auflösung bekannt

Das ist aber schade – gerade wollte ich mal nachschauen, ob es denn von der Band The Tender Trio was Neues gibt. Und leider gibt es das: das Trio hat sich aufgelöst. Surft man jetzt auf die Seite der Band, findet man nur noch folgenden Text:

It is with great regret and sadness that we announce the split of the band. After 3 years of playing together, other obligations and concerns have made it necessary for us to part ways. We remain the best of friends, and will leave the doors open for other music together if the stars are in line. The band would like to thank all those who have attended our shows and sent us communications from points unknown…we truly enjoyed playing for you. Weep not for us fellow travelers, for we have learned many things along the way such as: you cannot hammer square pegs into round holes, you cannot cross the Canadian border without proper documentation, you cannot park a van with your eyes closed, and you cannot fill a hollow leg without injuring yourself. Perhaps in another dimension we would’ve had more success and toured the world, but we’ll always have Japan. We’re still big in Japan, you know……

Sehr schade, dass. Die Gratis-mp3s auf ihrer Seite sind nun auch weg. Aber wer sich beeilt, kann immerhin noch vier Stücke des Tender Trios auf deren MySpace-Präsenz runterladen… Wer weiß, wie lange noch.

Top 5 vom 7. März 2006

Hier geht’s grade etwas ruhiger zu als gewohnt – die Vorbereitungen für unser kleines Konzert am Freitag (alle Infos hier, bitte hinkommen – das wird sicher ein schöner Abend!) nehmen viel Zeit in Anspruch. Aber schließlich wollen wir beide (Heiko Dietze und ich) ja auch so gut wie möglich klingen. Für eine kurze Top5-Liste reicht’s allemal – das sind die Songs, die ich in den letzten Tagen rauf und runter höre…

05 The Fun Bunnies – You Lose
04 Spin Doctors feat. D-Bop Horns & Ivan Neville – That’s The Way I Like It (1996-06-27)
03 Bright Eyes – Arc Of Time
02 The Tender Trio – Open Wide
01 Chris Barron – Blueness (live 2006-02-10)

Ben Harper: Making Of "Both Sides Of The Gun"-Video

Auf Ben Harpers Internetseite findet sich jetzt ein sehr schön gestaltetes EPK (Electronic Press Kit) zu seinem (Doppel-)Album Both Sides Of The Gun, das am 21. März erscheinen wird: das Filmchen enthält Aufnahmen von den Studiosessions, Interviewschnipsel, Ben erklärt, warum er die Songs auf zwei CDs verteilt hat etc. Nett anzuschauen – hier, in der Video-Abteilung seiner Seite, findet sich der Stream.

Wer die erste Single aus „Both Sides…“, Better Way in voller Länge hören mag, kann das auch tun – sogar in zwei Versionen! Hier klicken, und der Real Audio-Stream des „Peace Mix“ startet; hier klicken, und der Real Audio-Stream des „War Mix“ geht los.

Vorfreude, schönste Freude…