Ocean Colour Scene – A Hyperactive Workout For The Flying Squad (2005)

Was ist denn bitte im Hause Ocean Colour Scene los? Sind die alle frisch verliebt? Essen die gerade Unmengen Schokolade, um übermäßige Glückshormonproduktion zu forcieren? Erzählen die sich bei den Bandproben die ganze Zeit alberne Witze? Haben die zu oft zu betrunken heimlich Roger Whittaker gehört? Was ist geschehen?

Seit ein paar Tagen höre ich immer mal wieder das neue Album „A Hyperactive Workout For The Flying Squad“ und bin seltsam hin- und hergerissen. Einerseits habe ich die Band selten derart gut gelaunt, entfesselt und geradezu unbekümmert erlebt, wie sie auf dieser CD klingen. Andererseits treffen hier nicht zuckersüße, nein, geradezu klebrige Streicher auf schnarrendschnulzige Gitarrenriffs, versprühen Glöckchen und Trompete, Saxophon und ein schrulliger Spacesynthesizer einen höchst eigenwilligen Retro-Backtotheseventieswithariesenschussofschlager-Charme, der mir ein wenig suspekt ist. Gleich drei Coversongs („Wah Wah“, „Start Of The Day“ und „My Time“), dazu äußerst prominente Gäste (Jools Holland und Paul Weller) und ein Artwork, dass so unsagbar sprottenhäßlich ist, dass es eigentlich nur in einem wirklich gemeinen Drogenrausch entstanden sein kann. Und dann noch diese mich in jeder Hinsicht peinlich berührende Klingeltonwerbung im Booklet… Simon, Oscar, Steve – alles in Ordnung?

Ja, das ist es: ich erkenne die Band kaum wieder. Klar, Simon Fowlers wunderbare Stimme ist markant und typisch. Die Gitarren, die „großen Gefühle“ – all das kennt man natürlich und hat es über die Jahre schätzen und lieben gelernt. Aber hier, auf diesem neuen Tonträger, ist all das völlig überdosiert. Schrammten OCS in den letzten Jahren oft ganz knapp am Kitsch vorbei, produzieren sie ihn hier stellenweise in Reinkultur: diese Versionen von „I Love You“, „This Day Should Last Forever“ und „Move Things Over“ sind einfach zu viel für mich. Supersize me acoustically. Woher kommt diese plötzliche und seltsame Mischung aus Leichtigkeit, Überproduktion und – ähem, sich häufenden Peinlichkeiten? Liegts daran, dass dies das erste Album ohne Damon Minchella (Bass) ist? Sollte er wirklich so viel Einfluß auf den Bandsound gehabt haben? Oder was ist hier los?

Es schmerzt geradezu, solche Zeilen über OCS schreiben zu müssen. Schließlich schätze ich diese Band ungemein und halte viele Alben von ihnen für wahre Perlen in meiner Musiksammlung. Und natürlich gibt es auch auf dieser CD echt gelungene Stücke („Drive Away“, „God’s World“). Und natürlich erscheinen jede Woche Unmengen von Platten, die alle durch die Bank schlechter, peinlicher und schlimmer sind. Und natürlich kann man sich „A Hyperactive Workout…“ durchaus schönhören, und das werde ich sicher auch in den nächsten Monaten tun. Dennoch bin ich halt gerade enttäuscht, dass nach dem Meilenstein „North Atlantic Drift“ und der beeindruckenden Live-Bestandsaufnahme „One For The Road“ jetzt ein derart unrundes, übertriebenes und mitunter albernes Album vorliegt.

Ach, was solls. Diese Band ist unkaputtbar, schreibt die besten B-Seiten der Welt und darf sich aller paar Jahre auch mal einen Ausrutscher leisten (mit „One From The Modern“ hab ich schließlich inzwischen auch meinen Frieden gemacht). Insofern Schwamm drüber über diese hyperaktive (wirklich treffendes Wort, insofern ein guter Albumtitel) Scheibe. Aber das mit den „Official Ocean Colour Scene Ringtones On Your Mobile“ – Jungs, das geht einfach mal gar nicht.

Vorfreude, schönste Freude: Ben Folds' neues Album

Noch bis zum 26. April müssen sich alle Ben Folds-Fans gedulden. Dann erscheint endlich der reguläre Longplay-Nachfolger des fantastischen Albums „Rockin The Suburbs“ (war das 2002? 2001?). „Songs for Silverman“ heißt die CD und bereits jetzt kann man in einige dieser Songs reinhören – Herr Folds hat auf seiner Website einen netten kleinen Flash-Player mit einigen Musikausschnitten installieren lassen. Und was man da hören kann, stimmt äußerst, äußerst, äußert vorfreudig. Möge der 26. April bald kommen. Hier gibts den „Songs For Silverman“-Preview-Player.

Sinéad O'Connors gesammelte "Collaborations"

Sinéad O’Connor hat ja unlängst angekündigt, nun doch wieder ins Musikgeschäft zurückzukehren und ihren Fans gleich mal zwei bis drei neue CDs in diesem Jahr versprochen. Ich bin mir relativ sicher, dass damit die „Collaborations“ nicht gemeint waren – eine Zusammenstellung von Songs, die die irische Sängerin im Laufe der Jahre mit anderen Künstlern aufgenommen und eingespielt hat. Für diehard fans birgt das jetzt auf cdnow.com einsehbare Tracklisting zwar keinerlei Überraschungen oder Neuheiten, nach einer gelungenen Zusammenstellung klingt das aber allemal:

* Massive Attack – Special Cases (Radio Edit)
* Asian Dub Foundation Featuring Sinéad O’Connor – 1000 Mirrors
* Bomb The Bass Featuring Sinéad O’Connor & Benjamin Zephaniah – Empire
* Ghostland – Guide Me God
* Jah Wobble’s Invaders Of The Heart Featuring Sinéad O’Connor – Visions Of You
* Afro Celt Sound System – Release (Album Edit)
* Sinéad O’Connor With The Blockheads – Wake Up And Make Love With Me
* The The – Kingdom Of Rain (Album Version)
* U2 & Sinéad O’Connor – I?m Not Your Baby
* Conjure One Featuring Sinéad O’Connor – Tears From The Moon (Album Version)
* Peter Gabriel & Sinéad O’Connor – Blood Of Eden (Radio Edit)
* Moby Featuring Sinéad O’Connor ? Harbour
* Aslan ? Up In Arms
* Damien Dempsey Featuring Sinéad O’Connor – It?s All Good
* The Edge & Sinéad O’Connor – Heroine (Theme From ‚Captive‘)
* The Colourfield Featuring Sinéad O’Connor – Monkey In Winter
* Sinéad O’Connor & Terry Hall – All Kinds Of Everything

Quelle: cdnow.com. Naja, immerhin sind mit „Monkey In Winter“ und „Heroine“ dann doch zwei Uralt-Aufnahmen dabei, die bislang schwer (Heroine) oder noch gar nicht (Monkey) auf CD erhältlich waren. Streetdate für das Album soll der 23. Mai sein. Von den zwei bis drei neuen Alben fehlt zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch jede Spur. Sachdienliche Hinweise zum Verbleib nimmt jede Polizeidienststelle, äh, nehme ich jederzeit gerne entgegen.

NP: Willy Porter – High Wire Live (2003)

Ein wenig aus den Augen verloren hatte ich in den letzten Jahren Willy Porter. Diesen schüchtern anmutenden US-Songwriter mit den erstaunlichen Gitarrenkünsten. Zum ersten Mal überhaupt nahm ich Mitte der Neunziger von diesem Mann Notiz, Jürgen von der Lippe präsentierte Porter in der rückblickend betrachtet eigentlich ziemlich albernen Samstagabendshow „Geld oder Liebe“, als wäre hier ein neues Musikerwunder vom Himmel geplumpst (Nicht die Augenbrauen hochziehen! Ich versuch mal fix, die eigentlich recht peinliche Tatsache, dass ich gerne diese Show geguckt habe, schönzureden. Hmmm… Ah, genau: „Geld oder Liebe“ war Musikfreunden das, was der Playboy den meisten seiner Leser ist – die kaufen sich das Magazin ja auch nur wegen der ganz hervorragenden Artikel und natürlich nicht wegen der Playmates. „Geld oder Liebe“ habe ich natürlich auch immer nur wegen der ganz hervorragenden Musikacts angeschaut und nicht, um am Samstagabend einfach mal ein bißchen seichte Unterhaltung zu konsumieren. Is doch logisch!! Wie? Das war nicht überzeugend? Pff, dann halt nicht).

Immerhin vermochten von der Lippes Lobpreisungen und Willy Porters Performance des Songs „Rita“ seines damals aktuellen Albums „Dog Eared Dream“ mich so stark zu beeidrucken, dass ich mir am Montag darauf die CD besorgte. Und dann tatsächlich angenehm überrascht war – feine, sensible Songs, alles in allem eine Runde Sache. Der große Erfolg hierzulande, wie er anderen durch von der Lippe bekannt gemachten Künstlern wie Eagle Eye Cherry beschieden war, blieb bei Porter allerdings aus. Alben von ihm gibts nur selten, dafür ist im in den USA eine kleine, aber enthusiastische Gefolgschaft sehr treu. Nach „Dog Eared Dream“ kamen noch „Falling Forward“, das ein paar wunderbare Songs enthält, und ein selbstbetiteltes Album. Doch bei dem hat es damals für mich einfach nicht Klick gemacht. Das war nett, ja, aber so wirklich der Bringer – eben nicht. Womit ich wieder bei meinem Eingangssatz wäre.

So kam es auch, dass ich erst kürzlich und auch eher zufällig mitbekam, dass Porter Ende 2003 ein Solo-Live-Album namens „High Wire Live“ veröffentlicht hat, das nicht nur ein wirklich schickes Cover hat, sondern sich auch von hinten bis vorne hören lassen kann. Ja, er hat mich wieder gekriegt. Mit einer Stunde fesselnder Songs vor Publikum, mit diesen verblüffenden, aber nie zum Selbstzweck werdenden Gitarrenkünsten, mit dieser wunderbar warmen Stimme. Er singt Songs, die mir lange vertraut sind – schön, die mal wieder zu hören. Da sind ein paar, die ich nicht kenne, mir aber bestens gefallen (Sollte ich dem letzten Studioalbum etwa doch noch mal eine Chance geben? Na gut).

„High Wire Live“ ist mehr als eine angenehme Überraschung. Diese Platte ist Anlaß genug, eine alte Leidenschaft wiederzuentdecken: the smooth sounds of Willy Porter, quasi.

Gib mir Musik: dunkelblau – REGENTROPFEN EP (Teil 2)

Kurz vorm Osterfest gibts die nächsten zwei mp3s aus der REGENTROPFEN EP, einer Sechs-Track-Sammlung von Raritäten und Kuriositäten meiner Band dunkelblau. Diesmal ein Demo des Songs „Augenblick“ aus dem Jahr 2002 und, ganz frisch, ein Soloacousticlive-Teil mit dem schönen Titel „Geh scheissen“.
Beide Stücke, wie auch die bereits Anfang März veröffentlichten Songs „Regentropfen“ und „Glücklich sozusagen“ kannst Du Dir hier runterladen. Viel Spaß damit!

Mehr zur REGENTROPFEN EP gibts hier im dunkelblau Weblog, mehr über das Musikprojekt dunkelblau (inklusive Hörproben und Bestellmöglichkeiten des Longplayers „In der Zwischenzeit“) erfährst Du hier.

Die Bilder zur Show: Spin Doctors und wir in Prag

Als kleinen Nachtrag zum Bericht über das Spin Doctors-Konzert in Prag am 18. März gibts jetzt auch ein paar Bilder von jenem denkwürdigen Ereignis. Anzuschauen als Slideshow oder als seperate Bilder. Und zwar hier. Viel Spaß damit und Danke an Robby fürs Bereitstellen dieser schönen Erinnerungen!

Blues Traveler: Ganz viel vor in diesem Sommer

Recht ruhig wars in den letzten Monaten um die Blues Traveler. Hier und da mal ein Gastauftritt, eine Überraschungsshow oder ein Besuch bei den US-Truppen in Europa. Aber ansonsten gabs eher Neuigkeiten zu Seitenprojekten wie Stolen Ogre (Drummer Brendan Hill) oder John Popper Project. Jetzt hat Bandmama Gina auf der offiziellen Website der Band den mehr oder weniger offiziellen Plan für das Jahr 2005 verlautbart. Und es könnte kaum besser sein: neues Album, alle sind bestens gelaunt und werden auch in diesem Jahr wieder den ganzen Sommer über touren:

Blues Traveler are recording in Austin,TX. with Producer Jay Bennett of Wilco fame. Coming full circle here with a contact from the HORDE years.
The guys went to Austin originally to write, as they have done in the past and decided to stay to record because the vibe was feeling great there. As some of you may know they did a surprise gig already while in Austin and with SXSW being in town, look for them out and about during the festival.
The new Blues Traveler CD will be released this summer along with a summer tour and of course Red Rocks on July 4th- more news on this soon. Your patience through this break has been great Fellow Traveler’s, thank you for that. The guys can not wait to get back out playing live shows and to debut the new songs for you. They are having alot of fun with this CD, and approaching it in a very laid back way for the first time in a long time…

Quelle: bluestraveler.com
Photo taken from the band’s official website.

Spin Doctors – Live in Prag, 18. März 2005

Wow. Was für ein unwirklicher, aber bezaubernder Trip. Am Wochenende war ich in Prag. Nicht zum ersten Mal, schon desöfteren durfte ich in dieser wunderbaren Stadt weilen. Dennoch war es für mich ein „erstes Mal“ – nach dreizehn langen, entbehrungsreichen Jahren sollte ich an diesem Wochenende die Band sehen, die ich – auch heute noch – für die mit Abstand coolste, sympatischste, funkieste, generell also derbste Band des Planeten halte. Dies war das Wochenende meines ersten Spin Doctors-Konzertes ever.

Die Erwartungen hätten nicht größer sein können: wirklich unzählige Livemitschnitte haben sich über die Jahre in meiner Wohnung angesammelt, alle habe ich sie aufgesogen, genossen und so laut es nur ging mitgesungen. Ich habe die Band im Fernsehen gesehen, damals, als sie für ein paar Monate die Rockmusikwelt regierten. Habe mir Soloalben, Seitenprojekte und Zusammenarbeiten für wahrlich teures Geld aus den USA einfliegen lassen. Hatte e-Mail-Konversationen mit den Bandmitgliedern. Habe sie in Zeiten unterstützt, wo sie nicht nur „out“ waren, sondern regelrecht als „uncool“ galten. War schockiert, als eine Stimmbanderkrankung der Band 1999 ein leises, aber jähes Ende bereitete. Hatte Gänsehaut, als ich zwei Jahre später die eMail las, dass die Band für eine Nacht noch einmal in Originalbesetzung spielen würde. War begeisterter als jemals zuvor, als ich erleben durfte, wie aus den Spin Doctors nach dieser Reunion zum zweiten Mal eine Band wurde, die voller Enthusiasmus und ganz kompromislos zur Ochsentour selbst durch die kleinsten Kaschemmen der USA antrat und sich so in den letzten vier Jahren eine neue Anhängerschar erspielte und die alten treuen Fans wieder zu Spinheads werden ließ.

Und jetzt? Jetzt sollte ich sie also zum ersten Mal live erleben dürfen, beim Abschlußkonzert ihrer ersten Europatour seit 1994. In Prag. Allein das hätte genügt, um mich für ein paar Tage zum Menschen mit dem zufriedensten Grinsen weit und breit zu machen. Es sollte aber alles noch viel, viel besser kommen. Es erscheint mir noch jetzt reichlich unwirklich, dass ich beim Soundcheck die Band endlich mal persönlich kennenlernen durfte, dass Schlagzeuger Aaron Comess daraufhin meine Freunde und mich auf die Gästeliste gesetzt hat. Dass die Taper und Trader, mit denen ich seit Jahren regelmäßigen und herzlichen e-Mail-Kontakt pflege, auch im wahren Leben bezaubernde Menschen sind und mit denen es sich gar trefflich feiern, reden, diskutieren und nicht zuletzt über die Bedeutung der Spin Doctors für die neuere Geschichte der Rockmusik philosophieren lässt. Dass sich Chris Barron nach dem Konzert auf ein viertelstündiges Gespräch mit mir über alte, längst vergessene Aufnahmen, die neue Platte, das Leben auf Tour und das Leben im allgemeinen eingelassen hat. Und und und…

Wenn ich all das jetzt, ein paar Tage nach dem Konzert, niedertippe, kommt es mir vor, als schriebe ich über einen Film, den ich unlängst gesehen habe. Aber nein, es ist alles genauso gewesen. Und noch so viel besser: ich erinnere mich an meine besten Freunde, wie sie mit mir wie Teenager mitgröhlen, abfeiern und natürlich viel zu viel Bier kippen. An das seltsame Hotel, in dem wir bis morgens halb fünf sitzen und die eben aufgenommene Show anhören und mit einem Taper, der mir im Laufe des Wochenendes zu einem echten Freund im wahren Leben werden sollte, über die Band, alte Setlisten und Zeiten diskutieren, als wäre es das wichtigste Thema der Welt. Hell yeah – vielleicht war das für uns an diesem Wochenende tatsächlich das wichtigste Thema der Welt. In jedem Fall aber das schönste.

Jetzt habe ich kaum etwas über das eigentliche Konzert geschrieben. Es war – einmalig. Unglaublich. Lustig. Die Doctors waren im Haus und haben das Prager Publikum nach allen Regeln der Kunst verarztet. Das waren über neunzig Minuten geballter Rock’n’Roll. Funk. Pop. Jetzt sitze ich wieder zu Hause, in meiner Leipziger Wohnung. Starre auf das Tourplakat, das wir ergattern konnten. Höre die feine, feine Show auf CD. Höre mich und meine Freunde klatschen und lachen. Erinnere mich gerne an die letzten Tage in funky funky Praha. Die Show, die Band, das ganze Drumherum: von diesem Wochenende werde ich wohl noch eine ganze Weile zehren. Und es wird mir wohl auch weiterhin reichlich egal sein, ob diese Band nun gerade angesagt ist oder nicht, oder ob mich jemand für mein fast schon kindliches Fantum diesen Herren gegenüber belächelt. I can’t get enough of that funky stuff…


Im Bild: ein Spin Doctor und vier frohe Fans.

Die Prag-Show der Doctors vom 18. März gibts bereits jetzt zum kostenlosen mp3-/Flac-Download bei archive.org. Nicht nachdenken. Downloaden!

Poster scan taken from the Official Spin Doctors Forum.