NP: Joseph Arthur – Our Shadows Will Remain (2004)

Die derzeitige Flaute an wirklich spannenden Neuveröffentlichungen erleichtert es mir, mich endlich mal durch Sachen zu hören, die schon länger draussen sind, mit denen ich mich aber bis jetzt noch nicht beschäftigen konnte… Die „neue“ Spice etwa, oder auch diese Jack Johnson-Live-EP. Und eben auch Our Shadows Will Remain von Joseph Arthur. Die Platte ist bereits Ende 2004 erschienen und ich hab sie mir jetzt erst zugelegt. Doof, das. Aber jetzt hab‘ ich sie ja zum Glück endlich gehört:

Der Mann, den Kollegen immer wieder als Visionär, Vorbild, Vorreiter etc. bezeichnen (er wird von Leuten wie Michael Stipe, Howie Day oder auch Coldplay regelrecht verehrt), veröffentlichte mit „Our Shadows Will Remain“ ein weiteres Album, das sich erst beim zweiten, dritten Hören so richtig erschließt. Arthur ist ein Eigenbrödler, der im Studio gerne experimentiert, eine Schwäche für große, flächige Arrangements, aber auch für derbe, aggressive Loops und Gitarren hat und beides sehr gerne und sehr elegant zusammenfügt und so einen bemerkenswert eigenständigen Gesamtsound kreiert. Dessen Gesang charakteristisch und dessen Songwriting überdurchschnittlich gut ist. Sein 2004er Album knüpft stilistisch an die Vorgänger „Redemption’s Son“ (ein Album, das ich übrigens schon lange mal als ein absolutes must-hear empfehlen wollte) und „Come To Where I’m From“ an. Wie schon bei „Redemption’s Son“ sind es auch hier besonders die leisen, ruhigen Momente, in denen Joseph Arthur am stärksten ist – „Echo Park“ und „A Smile That Explodes“ sind die Ruhepole und gleichzeitig die Höhepunkte dieser durchweg gelungenen Platte. (7/10)

Spice – 69 Overdrive (2005)

Sie haben uns die Neunziger versüßt – mit ihrem dreisten, stets und ständig rollenden Funk, ihren Grooves, ihren unwiderstehlichen Hooklines. Sie waren live unschlagbar und helfen uns mit ihren Alben bis heute, auch die schlechteste Party irgendwie in Gang zu bringen. „Uns“, das sind nicht gerade wenige geschätzte Zeitgenossen im meinem Freundeskreis und ich. Und „sie“ – sind Spice. Oder besser: waren. Heimlich, still und leise lösten sich Spice irgendwann rund um die Jahrtausendwende auf, seit Jahren warteten die Fans auf ein Nachfolgealbum zu den beiden grandiosen Platten „Fred’s Bowling Center“ (1994) und „Vario Bel Air“ (1996). Vergeblich…

Vergeblich? Naja, wenigstens bis ins Jahr 2005. Denn da erschien – ebenso heimlich, still und leise, wie auch die Trennung vonstatten ging – 69 Overdrive, das definitiv letzte Album von Spice. Eigentlich sollte es schon 2001 in den Läden stehen, aber aus welchen Gründen auch immer, dauerte es weitere vier Jahre, bis es endlich rauskommen sollte. Da kommt es schon mal vor, dass man erst durch einen Freund Ende 2005 in einem Nebensatz darauf aufmerksam gemacht wird: Ach, übrigens, Spice haben ein neues Album draussen. Gar nicht mal schlecht…. Jetzt, im Februar 2006, läuft „69 Overdrive“ nun endlich auch in meiner Stereoanlage rauf und runter.

Gar nicht mal schlecht? Stimmt. Und ist untertrieben. Diese Platte ist klasse, funky wie sonstwas und entspannt zugleich. Ja, gefällt mir sogar besser als „Vario Bel Air“. Nein, kann den Jahrhundertwurf „Fred’s Bowling Center“ sicher nicht toppen. Aber wozu auch? Das Album macht Spaß – in seinen schwächsten Momenten erinnert es an Lenny Kravitz in seiner Post-Circus-Phase („Can’t Get Enough“), in seinen besten wippt man mit, ach was, bewegt sich heftigst, und schließt sie sofort wieder ins Herz, die Band, die einst den „Funkiest Body In Town“ besang und mit „Never Let You Down Again“ Gänsehaut machte („Mirror“, „Doin‘ It“). Nicht, dass sie jemals nicht Lieblinge waren – es ist aber alles nur leider so schrecklich lange her.

Umso schöner, nach all den Jahren diesen letzten Abschiedsgruß einer wirklich großen Band aus heimischen Gefilden hören zu dürfen. Einer Band, die eine Hammerkarriere verdient hätte. Die locker europaweit so etwas wie Superstars hätten sein können. Wenn alles ein bißchen anders gelaufen wäre für die Herrschaften. Something’s Out There Waiting For You… singt Martin Bettinghaus am Ende des Albums. Da will man sich für einen kurzen Moment eine kleine Träne aus dem Knopfloch wischen. Spice, macht’s gut. Und danke für den Fisch. Äh, Funk. (8/10)

Sinéad O'Connor: Noch mehr Reggae…

Sinéad O’Connor wird auch in diesem Jahr ihre Fans mit ein paar neuen Songs erfreuen, und auch 2006 gibt es Reggae auf die Ohren – wenn der Bericht auf billboard.com stimmt:

Reggae icon Lee „Scratch“ Perry’s 2005 international release, „Panic in Babylon,“ will see a spring U.S. release, augmented with several bonus tracks. The 17-track disc, due May 16 via New York-based Narnack Records, will boast duets with Sinead O’Connor („It’s Time“) and George Clinton („Pussy Man“), and remixes from Moby („Purity Rock“) and TV On The Radio („Fight to the Finish“).
O’Connor, who recently covered a pair of Perry songs on her current roots reggae disc, „Throw Down Your Arms,“ and Clinton are also working with the dub wizard on a disc celebrating his renowned work with the original incarnation of Bob Marley’s Wailers, according to Perry’s manager, Al Davis.
That project, for which a title and release date has not yet been set, will be composed of songs co-written and produced by Perry in the early 1970s, during the Wailers‘ most storied period, prior to the departure of founders Peter Tosh and Bunny Wailer. It is to feature O’Connor on „Duppy Conqueror“ and Clinton on „Soul Almighty.“ […]

(Source: billboard.com via JITR mailing list)

In der Tat gibt es bereits eine im Jahr 2004 erschienene CD „Panic In Babylon“ von Mister Perry. Diese enthält allerdings nicht das oben erwähnte Stück mit Sinéad – wahrscheinlich handelt es sich bei der US-Veröffentlichung um eine gründlich überarbeitete Fassung dieser CD. Anyway: mindestens zwei neue Sinéad-Aufnahmen im Jahr 2006? Sehr gut!

NP: D. Frankenreiter / J. Johnson / G. Love – Some Live Songs EP

Ach, ich mag das EP-Format einfach – soweit ich weiß, steht EP steht für extended play: dieses Zwischending von Single und Album, oft auch als Minialbum bezeichnet, meistens irgendwas zwischen vier und sieben Songs lang und oft als Zwischendurch-Gabe veröffentlicht, wenn die Künstler eben gerade mal keine aktuelle Platte zu promoten haben, auf Tour sind oder noch ein paar nette Goldstücke aus vergangenen Studiosessions unters Volk bringen wollen.

Diese EP der Herren Jack Johnson, Donavon Frankenreiter und G. Love erschien im vergangenen Sommer und beinhaltet sechs (mit Hidden Track sieben) Live-Stücke, das meiste ist Brushfire-Records-Mögern wohl bekannt: Johnson und Frankenreiter steuern ihren typischen Laid-Back-Lagerfeuersound bei („Free“, „Mud Football“), G. Love gibt den Zappelphillip wie eh und je („Rodeo Clowns“, „Sunshine“) und Zach Gill von der Band ALO ist als Dauergast mit dabei – alle viere musizieren gemeinsam munter drauf los und haben hörbar Spaß daran. Die Some Live Songs EP ist eine entspannte Zwischenmahlzeit: schmeckt lecker, ist leicht verdaulich, aber man ist noch lange nicht satt. (7/10)

Wow, das war drei Mal „zwischen“ in einem Mini-Text… Aber hey – vielleicht ist das genau das Wort, das EPs am besten beschreibt…

Jason Mraz podcastet!

Prädikat: sehr unterhaltsam! US-Sangesbarde und next big thing Jason Mraz ist unter die Podcaster gegangen. Bereits zwei Podcasts hat Mr. A-Z bereits abgeliefert und beide sind herrlich komisch, und durchweg unterhaltsam. In der ersten Episode kann man u.a. einer clever jazzigen Version seines Songs „Mister Curiosity“ lauschen und Ausgabe zwei liefert einen improvisierten kleinen Song namens „I Want My F**king House Back“. Jason Mraz ist der geborene Entertainer – und das stellt er auch bei seinen Podcasts unter Beweis. Hier geht’s zu den Mraz Casts, hier zu Jasons Homepage.

Gib mir Musik: David R Black – Shot To Pieces

David R Black sind ein extrem spannendes Trio aus Manchester. Die beiden Herren und die eine Dame sind seit Jahren unermüdlich auf Tour, auf sie aufmerksam geworden bin ich im vergangenen März. Da spielten sie als Support bei der Spin Doctors-Europatour. Was das für Musik ist, die David R Black machen? Hmm… das ist Rock im besten Sinne: kantig, mit einer ordentlichen Portion Pathos, hymnisch und doch aggressiv und treibend. Ihre beiden „Trinity“-EPs sind angenehm zu hören, und derzeit basteln sie mit Produzent Joe Gibb (der u.a. schon für Jane’s Addiction gearbeitet hat) an einem neuen Album.

Als kleinen Vorboten gibt es seit ein paar Wochen den neuen Song Shot To Pieces als Gratis-Download. Und den gibts hier. Mehr über David R Black findet sich hier.

Photo of David R Black by Gary Wolstenholme taken from davidrblack.net.

Rückblick: Seeed, Soulstreet, David Gray live

Mir tut immer noch der Nacken weh vom vielen Ananderenleutenvorbei- und Überandereleutedrüber-Gucken in der letzten Woche. Ja, drei Konzerte an drei aufeinanderfolgenden Tagen zollen jetzt ihren Tribut in Form von Muskelkater im Nacken. Aber hey, das war’s wert – drei völlig unterschiedliche Shows, nicht alle gleich gut, aber trotzdem freue ich mich, dass jede einzelne von ihnen erleben durfte.

Donnerstag, 2. Februar 2006: Seeed im Haus Auensee, Leipzig

Meine Herren, so voll war das aber beim letzten Seeed-Konzert im gleichen Saal vor zwei Jahren oder so aber nicht! Außerdem schien das gesamte Publikum – außer mir – jünger zu werden und nicht älter. So viele Sechszehnjährige hab ich lange nicht mehr bei einem Konzert um mich rum gehabt. Seeed sind offenbar endgültig Stars und haben verdientermaßen volle Häuser und blutjunges Publikum. Nur leider hielt die Show nicht, was meine Erinnerung versprach: als ich Seeed zum letzten Mal sah, spielten sie ein unglaublich energiegeladenes, aufgekratztes Set und hatten sichtlich Spaß – an der Interaktion mit dem Publikum als auch am Musizieren.

Diesmal war das aber deutlich anders. Als wären sie gar nicht richtig da, spulten Seeed ihr Set runter – kaum wirkliche Höhepunkte, das neue Material vom letzten Album erwies sich auch live als deutlich schwächer als das der ersten beiden Platten. Das war alles ganz nett und natürlich auch tanzbar, und man kann nicht behaupten, dass hier irgendwas schlecht war. Aber die Show war größtenteils einfallslos, seltsam satt und ohne nennenswerte Höhepunkte. Was dann aber auch wieder egal war, wenn man sich ansah, welch großen Spaß den Kids im Publikum das Ganze gemacht hat. Dieses Konglomerat aus Dancehall, Downbeat, Dub und Reaggae, das Seeed da abliefern, ist musikalisch immer noch reizvoll. Die inhaltliche Substanzlosigkeit und die eigenartig lähmende Bühnen-Routine der Band sind allerdings bedauerlich. Ein schöner Abend war’s trotzdem. Irgendwie.

Freitag, 3. Februar 2006: Soulstreet im Kosmoshaus, Leipzig

Geradezu familiär ging es dagegen am nächsten Abend im Kosmoshaus am Kopfe der Leipziger Gottschedtstraße zu. Soulstreet, so eine Art Leipziger Allstar-Soul-Band, spielte mal wieder zum Tanz auf, diesmal allerdings aus besonderem Anlaß. Es war das Examenskonzert von Schlagzeuger Frank König, der sich an dem Abend auch dementsprechend ins Zeug legte und ganz und gar entzückend trommelte (soweit meine nichtstudierten Ohren das überhaupt beurteilen können). So gabs denn auch handverlesene Soulklassiker von dieser überragend gut aufeinander eingespielten Zehnpersonen-Combo; und die Stimme von Sängerin Jane Maturell muß hier einfach mal in den höchsten Tönen gelobt werden: großartig! Alles in allem eine schon merklich angespannte Show, jedoch mit über jeden Zweifel erhabener Musik. Ich hoffe doch sehr, dass die Prüfer dem Herrn König wohl gesonnen waren – das zweite Set hab ich nicht mehr erlebt, weil mich die Müdigkeit und die Vorfreude auf den nächsten Tag recht schnell gen Heimat ziehen ließen.

Samstag, 4. Februar 2006: David Gray in Huxleys Neuer Welt, Berlin

Schließlich stand dann am Samstag ein Trip nach Berlin auf dem Programm. Endlich würde ich David Gray mal live zu Gesicht bekommen. Und ja, die lange Reise hat sich mehr als gelohnt. David Gray live, das war der krönende Abschluß dieses dreitägigen Konzertreigens. Vom ersten Ton des Openers „Alibi“ bis zum herrlich kruden Schluß mit dem The Cure-Cover „Friday I’m In Love“ zwei Stunden später war das ein sensationelles Konzert. Okay, ich könnte mich jetzt genüßlich auslassen über die blöde zugedröhnte Schrulle, die meiner Begleitung und mir das erste Drittel der Show durch ihren Kampftanz (mit ganz viel Gefühl, äh, Ellenbogen) verlitten hat. Sicher, ich könnte meiner Verwunderung Ausdruck verleihen, warum jemand zu einem David Gray-Konzert geht und sich nicht ein einziges Mal bewegt (der Kerl vor mir. Dir widme ich übrigens meine aktuellen Nackenschmerzen). Herrje, und ich könnte bemängeln, dass einige Songs, die ich gerne von Herrn Gray live gehört hätte, nicht Teil der Setlist waren.

Aber das alles wird unsagbar nebensächlich, wenn ich mir dieses Konzert in Erinnerung rufe: glasklarer, brillianter Sound. Wunderbare Songs, tolle Arrangements. Ein ausgelassener, gut gelaunter und stimmlich in Höchstform befindlicher David Gray. Clune, dieser unendlich sympathische Freak an den Drums, der immer so aussieht, als entdeckte der Glöckner von Notre Dame gerade das Schlagzeugspiel für sich. Die großartige Caroline Dale am Cello – eine alte Bekannte von vielen Sinéad O’Connor-Konzerten, die jetzt mit Herrn Gray umherzieht (schade, dass ich sie kaum gesehen habe – Davids Klavier und der sich nicht bewegende Schrank von einem Mann vor mir im Publikum waren schuld). Sail Away. Lately. Alibi. Please Forgive Me, natürlich. Babylon. Und und und – das war ein großes, anrührendes Konzert. Eines mit erstaunlich vielen Momenten, in denen die Augen so komisch feucht werden. Und Du für ein paar Augenblicke einfach nicht weißt, was Du zuerst machen sollst: vor Freude lachen oder vor Glück weinen.

Bilder geklaut von den Websiten der jeweiligen Künstler.

Robert Randolph trumpft auf: neues Album mit Matthews und Clapton

Steel Guitar-Held Robert Randolph veröffentlicht in diesem Jahr endlich den lange erwarteten Nachfolger zum 2003er Album „Unclassified“. Und für dieses neue Album hat er u.a. mit Dave Matthews und Eric Clapton Songs aufgenommen, und auch Produzenten-Ikone Rick Rubin soll seine Hände mit im Spiel gehabt haben. Noch hat das Kind, also das Album, keinen Namen und ein Veröffentlichungsdatum gibts auch noch nicht – im Februar gehts für Herrn Randolph aber schonmal auf Tournee, und das Album kommt dann wohl im Laufe der ersten Jahreshälfte (via Billboard.com).

Bonnaroo 2006: u.a. mit Beck, Blues Traveler, Bright Eyes

Das Line-Up des inzwischen sehr populären jährlichen Bonnaroo-Festivals in den USA liest sich auch in diesem Jahr wirklich hervorragend. Hier eine Meldung zum Thema der Nachrichtenagentur AP, wie sie in der Black-Cat-Mailingliste (Blues Traveler) zitiert wurde:

Radiohead, Petty to headline Bonnaroo
Death Cab for Cutie, Beck, Bright Eyes also to appear at June festival

NEW YORK – Radiohead and Tom Petty and the Heartbreakers are among the artists set to perform at the fifth annual Bonnaroo Music & Arts Festival this summer. The alternative rock band […] will headline the three-day camping and music festival, which will be held June 16-18 on a 700-acre farm in Manchester, Tenn., festival promoters said Tuesday. Other artists include Beck, Elvis Costello and the Imposters, Bonnie Raitt, Death Cab for Cutie, Bright Eyes, Damian Marley, Buddy Guy, The Neville Brothers and Blues Traveler. […]
Bonnaroo began mainly as a roots-rock festival in 2002 but has gained respect in the music industry for its commitment to diversity in presenting established artists and newcomers of all eras and genres. […](via mscnbc.com)

Ebenfalls mit dabei: Ben Folds, G Love & Special Sauce, Medeski Martin & Wood, Buddy Guy, Soulive, Robert Randolph und viele andere.