Gib mir Musik: Josh Rouse – Quiet Town (Video)

Subtitulo, das neue Album von Josh Rouse, erscheint, wie bereits berichtet, im März. Es soll musikalisch und inhaltlich stark beeinflußt sein von Joshs Umzug von Nashville nach Spanien, wo er dieser Tage lebt und arbeitet. Einen ersten Vorboten zum nächsten Longplayer des Ausnahmemusikers gibt es bereits jetzt. Und was für einen. „Quiet Town“ ist die erste Single aus „Subtitulo“, und zu diesem niedlichen Song gibt es ein schönes Schwarz-Weiß-Video – veröffentlicht auf der Seite von Joshs neuem Vertriebspartner Nettwerk. Hier gibt’s das Video (Quicktime), hier geht’s zur Nettwerk-Rouse-Seite.

Picture of Josh Rouse taken from nettwerk.com

Niels Frevert live im Bärenzwinger, Dresden (28. Januar 2005)

Der Abend beginnt mit so einer Art Déjà vu-Erlebnis: gemeinsam mit zwei Freunden fahre ich in eine fremde Stadt. Das Ziel ist ein mir bis dato unbekannter Club, in dem Niels Frevert ein Konzert geben soll. Nach ein wenig Herumgesuche ist der Club gefunden, wir drei sind natürlich viel zu früh da, und der erste, der uns im Laden über den Weg läuft – ist der Künstler persönlich: schüchtern, zurückhaltend, irgendwie unsicher wirkend. In Berlin, wo all das vor etwas mehr als zwei Jahren schon einmal so ähnlich geschah, ernteten wir fast Gelächter, als wir dann am Tresen schonmal prophylaktisch unsere Karten kaufen wollten, nur, um sicherzugehen, dass wir später dann auch wirklich rein kämen. Damals ahnten wir nicht, dass die Gefahr, nicht rein zu kommen, weil der Andrang zu groß sein könnte, ziemlich gering war. Diesmal, in Dresden, haben wir uns die Nachfrage am Tresen daher gleich gespart – nein, überfüllt würde es nicht sein, das war recht früh klar. Aber dass Niels Frevert in einer Stadt wie Dresden vor gerade mal 25 zahlenden Gästen spielen sollte, haben wir so auch nicht geahnt.

Gute zwei Stunden später: Niels betritt die Bühne. Sieht aus wie ein Häufchen Elend. Die Besucher sitzen auf den Stühlen, die an den vier Wänden des Mini-Schuppens rumstehen. In der Mitte, vor der Bühne: niemand (ja, okay, wir auch nicht. Aber immerhin standen wir). Das Konzert beginnt, mit diesem vertrauten, warmen E-Gitarren-Sound, mit „Seltsam Öffne Mich“, mit zaghaftem Applaus danach. „Weil Du anders bist“ folgt, und kurz darauf ein deutlich stärkerer Applaus. Ein ganz langsames Ankommen – für den auf der Bühne wie auch für die anderen im Raum. Dann „Tag ohne Namen“, grandios. Danach traut sich Frevert, das Publikum in die Mitte zu bitten. Und – wir alle nehmen diese Einladung an, als hätten wir die ganze Zeit nur darauf gewartet. Von da an – war der Abend im Dresdener Bärenzwinger tatsächlich ein Konzert.

Und was für eines. Niels spielt die stärksten Songs seiner beiden Soloalben, spart nicht mit Udo Lindenberg-Stücken, plaudert, wird ausgelassen beklatscht, ist willkommen. Es mutet geheimbündlerisch an, als dieses gerade mal schulklassengroße Publikum beginnt, mitzusingen. Nicht in Stadionrockmanier, eher sanft und dankbar klingt es aus auffallend vielen Kehlen: „Du musst zu Hause sein…“ und „Wann kommst Du vorbei“. Ja, das ist ein mickrig besuchtes Konzert. Aber die, die da sind, haben sich nicht in den Bärenzwinger verirrt. Sie sind hier, um Niels Frevert zu sehen und zu hören. Diese vertrauten, wunderbaren Melodien. Diese lyrischen Momentaufnahmen, die nicht immer schön, aber immer gut sind. Dieses markante Gitarrenspiel. Was noch vor ein paar Minuten in einem Debakel zu enden drohte, entpuppt sich als Wohltat, als Segen, als kleines Wunder. Niels verläßt die Bühne. Und lächelt verlegen.

Wir bedanken uns später noch kurz bei Niels für diesen seltsam schönen Abend, freuen uns über die Nachricht, dass es im Herbst vielleicht ein neues Album geben wird und verlassen die fremde Stadt, fahren die hundertnochwas Kilometer nach Hause. Ich werde nie verstehen, warum dem Mann nicht mehr Ruhm für seine Musik zuteil wird. Er nicht vor einem mindestens zehn Mal so großen Publikum auftreten kann. Aber ich werde auch beim nächsten Mal da sein. Zuhören. Hier und da mal schüchtern mitsingen. Und mich freuen, dass es Niels Frevert gibt.

Fotos: Robby Rösner (1&2), Sebastian Höhne (3) – Danke!

Ben Harper traut sich was: "Better Way" Song-Preview

Wie unlängst schon angekündigt, veröffentlicht Ben Harper in wenigen Monaten sein neues (Doppel)-Album „Both Sides Of The Gun“. Die erste Single kann man jetzt bereits probehören. Wer hier klickt, hört einen 90-sekündigen Schnipsel im Real Audio-Format. Wer da nicht klicken mag, dem sei gesagt: „Better Way“ (so der Name des Songs) ist schick – eine Harper-typische, soulige Melodie, diesmal aber spannenderweise in einen indisch anmutenden, sitar-lastigen Mantel gepackt. Schön zu hören, dass Ben Harper sich nach (unbestritten guten, aber trotzdem…) Nummer-Sicher-Singles wie „Diamonds On The Inside“ mal wieder was traut.

Ach ja, noch ne Harper-Neuigkeit. Der Knabe spielt im Juni mal eben fünf (5!) Nächte am Stück im legendären Pariser Venue Olympia. Wer zwischen dem 26. und dem 30. Juni in Paris ist, sollte sich Karten besorgen und unbedingt eine der Shows mitnehmen. Harper live ist nämlich einfach nur… ja, geil.

Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That's What I'm Not (2006)

Die Arctic Monkeys sind der Hype der Stunde im Vereinigten Königreich: eine ehemalige Schülerband, die sich ausschließlich durch ins Netz gestellte mp3s und ununterbrochenes Touren im letzten Jahr eine beachtliche Fangemeinde erspielt hat. Jetzt liegt das erste „richtige“ Album der Band vor, so richtig zum Kaufen in Plattenläden und so. Die britische Musikpresse feiert die Jungs ab, wie sie es mit so vielen anderen Bands auch schon gemacht hat. Das nächste große Ding, die Retter des Rock und so weiter…

Und siehe da: Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not ist in der Tat ein schickes Album geworden. Aufmüpfig, rotzig, schnell, laut, aggressiv, energiegeladen, spannend. Die zwölf anderen Songs können locker neben dem Smash-Hit „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ bestehen, hier und da mischen sich dann auch ein paar wohltuend ruhige Töne ins hektische Getümmel. Bemerkenswert, wie erstaunlich funky dieser Gitarrenrock an einigen Stellen daher kommt. Beneidenswert, mit welcher Inbrunst die im Schnitt 19jährigen Jungs aus Sheffield ihre Musik zelebrieren.

Läßt man mal den ganzen Hype-Quatsch (Die neuen Oasis? Häh? Bestes Album der letzten fünf, sechs Jahre? Bitte, was?) außen vor, kann man das Debütalbum der Arctic Monkeys mit Fug und Recht als unterhaltsame und äußerst kurzweilige Rockplatte bezeichnen. Wild, sympathisch, frech und musikalisch hochinteressant. Bleibt zu hoffen, dass die Band an der derzeitigen Dauerumarmung der UK-Musikpresse nicht erstickt und dass von den Arctic Monkeys mehr bleiben wird als die Erinnerung daran, dass die mal zum Jahreswechsel 2005/2006 für ein paar Monate in waren. (7/10)

Niels Frevert live am Wochenende!

Allerhöchste Zeit für den Hinweis, dass der wunderbare Niels Frevert (hier, hier und hier mehr erfahren) an diesem Wochenende gleich zwei Konzerte gibt – für Frevertsche Verhältnisse ist das eine ausgedehnte Welttournee. Und die führt den Mann, dem die Welt solche Lieder wie „Alles“, „Du mußt zu Hause sein“ und „Wann kommst Du vorbei“ zu verdanken hat, hier hin:

27.1.06 (das ist übermorgen, Freitag!!)
Berlin – Volksbühne (zusammen mit Erdmöbel)
28.1.06 (das ist überübermorgen, Samstag!!)
Dresden – Bärenzwinger

Diese beiden Shows seien hiermit aufs Allerwärmste empfohlen – unbedingt hingehen!

Maroon 5 live: Friday The 13th (DVD/CD, 2005)

2004 war ihr großes Jahr: mit „This Love“ schafften Maroon 5 auch hierzulande den Durchbruch. Insgesamt drei Jahre lang tourte die Band um Sänger Adam Levine mit den Liedern ihres Debütalbums „Songs About Jane“ (2003) durch anfangs so ziemlich jede US-Live-Kaschemme und später dann durch so ziemlich jedes US-Amphitheater und durch Clubs in der ganzen Welt. Zwei Nummer 1-Hits sollten die „Songs About Jane“ abwerfen, nämlich besagtes Stück „This Love“ und „She Will Be Loved“. Friday The 13th ist ein Ende letzten Jahres erschienenes Livealbum – der letzte Gig der 2005er Tour, und allem Anschein nach auch der letzte Gig rund um die „Songs About Jane“. Nach drei Jahren Dauer-Tour und Überraschungserfolg will sich die Band jetzt dem Schreiben neuen Songmaterials widmen und „erstmal“ eine Pause einlegen.

Die Show, die man auf diesem DVD/CD-Doppelpack sehen kann, ist… hmm… grundsolide. Das Songmaterial ist nach wie vor recht spannend, die Band ist bemerkenswert aufeinander eingespielt, hier sitzt jeder Ton, jede Note, jede Nuance. Genau das mindert aber auch das Sehvergnügen merklich – Maroon 5 gehen live absolut auf Nummer sicher und beglücken so die (vornehmlich weiblichen und minderjährigen) Fans vor Ort. Auf DVD jedoch mutet das alles ziemlich routiniert und bisweilen regelrecht müde an.

Wirklich toll dagegen ist das umfangreiche Bonusmaterial, das einige Interviews und „Making-Of“-Schnipsel enthält, aber auch 20 sensationelle Minuten aus den wirklich frühen Anfängen der Band. Damals hießen die Herrschaften noch „Kara’s Flowers“ und spielten sowas wie Grunge – Teenage Angst-Musik, die an Pearl Jam, Blind Melon und Soundgarden erinnert. Was man da sehen kann, sind wacklige Homevideo-Aufnahmen von vier heftigst pubertierenden 16- oder 17jährigen, die es durchaus verstehen, auf der Bühne eine intensive Performance hinzulegen. Sieht aus, klingt und mutet an wie 1993 oder 1994, soo viel später wird’s tatsächlich auch nicht gewesen sein. Wirklich nett von Maroon 5, solche „Schätze“ zu heben und diese irgendwie peinlichen, irgendwie aber auch sympathischen Momente mit den DVD-Käufern zu teilen.

Ja, nett. Dennoch (oder gerade deswegen) wirft diese Liveveröffentlichung mehr Fragen auf als ich dachte. Was folgt dem inzwischen über drei Jahre alten Hitalbum? Noch mehr Mainstream? Oder werden Maroon 5 etwas wagen? Und: Warum nur habe ich bei „Friday the 13th“ permanent das Gefühl, dass es sich hierbei bereits um den Schwanengesang der Band handelt? (5/10)

Tapete Records jetzt mit monatlichem Podcast

Mein liebstes deutsches Plattenlabel hat mal wieder eine klasse Idee: ab sofort gibt’s von den Hamburger Tapete Records-Menschen einen monatlichen Podcast:

„hier kommt der tapete records podcast aus der stahltwiete in hamburg-altona.
ab sofort wird es jeden monat einen podcast geben mit den neusten news aus der tapete welt d.h wir stellen neu-veröffentlichungen vor , geben aktuelle live termine bekannt, … etc. etc. dazu gibt?s natürlich angespielte tracks, also was zu hören. immer am anfang des monats neu. der januar podcast ist seit heute morgen bereit zum hören+downloaden, und zwar hier: tapete.podspot.de„. (Quelle: tapeterecords.de)

Feine Sache. Hier geht’s direkt zum ersten Tapetepodcast, den Labelchef Dirk Darmstaedter (früher mal bei den Jeremy Days, falls sich jemand entsinnt) persönlich moderiert. Ach ja: bitte nicht vom schlimmen Jingle gleich am Anfang abschrecken lassen – danach gibts jede Menge gute Musik!

Grafik von der Tapete-Homepage geklaut.

NP: Diverse – New Noises Vol. 75 (2006)

Das hab ich schon länger nicht erlebt: eine Musikmagazin-Beilagen-CD, auf der mir fast jedes Stück gefällt. Der Rolling Stone hat das geschafft, und zwar mit der „New Noises Vol. 75“, die der Februar-Ausgabe des Magazins beiliegt. Stücke von Belle and Sebastian, My Morning Jacket, Jens Lekman, Clap Your Hands Say Yeah und anderen. Das absolute Goldstück der Compilation ist aber das Duett von Isobel Campbell und Mark Lanegan (Ex-Screaming Trees): „Honey Child, What Can I Do?“.

Ein rundum feiner Sampler, für den ich hiermit guten Gewissens uneingennützig Werbung mache. Jetzt am Kiosk.

Gib mir Musik: Genscher und Gäste – Ich und meine Reise (1998)

Heute gibts ein hausgemachtes Stück Geschichte: einen Probenraum-Mitschnitt aus dem Jahr 1998. Damals war ich mit meiner Band s.m.h. mächtig am rumtouren und -proben für unser erstes (und einziges) Studioalbum, das im Januar 1999 erscheinen sollte. Nebenbei haben wir mit ein paar lieben Freunden ein Pop-Hip-Hop-Spaßprojet betrieben. Genscher und Gäste eben. Genscher, das ist Nico „Genscher“ Jentsch, die Gäste, das waren drei Fünftel s.m.h. und zwei weitere Herrschaften aus unserem Freundeskreis. Einen legendären (weil unheimlich kruden) öffentlichen Auftritt konnten wir mit diesem Projekt verbuchen – aber ehrlich gesagt waren wir im Proberaum besser als auf der Bühne…
„Ich und meine Reise“ gefällt mir auch acht Jahre später noch ziemlich gut – vielleicht der schönen Erinnerungen wegen, vielleicht aber auch, weil es uns auf dieser holprigen, ehrlichen Aufnahme einfach gelungen ist, den Moment adäquat einzufangen. Ich wünsch‘ jedenfalls viel Spaß damit:

Genscher und Gäste – Ich und meine Reise (mp3 hier)
Text: Nico Jentsch, Musik: Rösner, Heinze, Kolschmann, Thomas, Kratzsch, Jentsch.
Aufgenommen live im Frühjahr 1998 im alten s.m.h.-Probenraum in Werdau von Johannes Bernstein. Nico Jentsch – Sprechgesang. Robby Rösner – Keyboards. Robert Kratzsch – Gitarre. Hendrik Thomas – Schlagzeug. Steffen Kolschmann – Bass. Daniel Heinze – Gesang, „Rhythmusgitarre“. Ein bissel bearbeitet, quasi gemastered im Januar 2006 von Daniel.

Artverwandtes: Daniel Heinze – Gewinner (Soloalbum, 2005). Daniel Heinze – Eutritzsch City Limits (EP, 5 mp3s gratis!) – s.m.h. (Die Seite zur „Reunion“ 2004) – dunkelblau (Daniel macht Popmusik, 2004).