NP: Howie Day – Live From… EP (2005)

Beim ersten Track dieser CD bin ich immer wieder irritiert: Howie Day klingt bei dieser Version von „Ghost“ mehr nach David Gray als nach Howie Day… Liegt vielleicht daran, dass ich lange nichts mehr von ihm auf CD gehört habe und Howies Stimme in der Zwischenzeit ein wenig rauher geworden ist. Aber nein, spätestens beim grandiosen Cover von „Don’t Dream It’s Over“ ist wieder alles klar – das ist ohne Zweifel dieser junge Herr Day, dessen intensive, immer leicht wehmütige Stimme einfach packend und mitreißend ist.

Auf der Live From… EP gibts sieben Stücke, alle aufgenommen auf der 2005er USA-Sommertournee. Howie mit kompletter Band, absolut runde und geschmackssichere Arrangements und – aber das ist ja nichts neues – fantastisches Songmaterial. Hier und da sind die Liveversionen wirklich überraschend, etwa wenn „Brace Yourself“ in einen psychedelischen Mini-Jam abdriftet oder wenn „Numbness Of Sound“ wesentlich geradliniger und frecher daherkommt als auf dem Studioalbum „Stop All The World Now“.

Klasse Songs, tolle Performances – aber irgendwie wirkt die ganze Veröffentlichung, als wäre sie recht hektisch zusammengezimmert worden: viel zu kurz, kein wirklich neues Material (bis auf „Don’t Dream…“) und blöderweise Fade-Outs nach jedem Titel. Das mag ich ja bei Livealben so gar nicht. Ändert aber nichts am guten Gesamteindruck – für Fans ein nettes Appetithäppchen vorm hoffentlich bald erscheinenden nächsten Album, für Gelegenheitshörer sicher ein guter Einstieg in das Thema „Howie Day live“.

Ach ja, nur um das klarzustellen: ich mag David Gray sehr. Ich war nur irritiert, wie stark sich die Stimmen bei diesem ersten Stück ähneln. Nicht, dass jemand diesen Vergleich in den falschen Hals kriegt. (6/10)

Ben Harper: Doppelalbum im März, Radioauftritt nächste Woche

UPDATE 17.1.: Bens Auftritt bei RTL2 hat sich verschoben. Der Musiker besucht den französischen Radiosender nicht, wie ursprünglich geplant, heute, sondern erst am Donnerstag, 2. Februar. Die Sendung wird am 2.2. von 22 Uhr bis 23 Uhr ausgestrahlt.

Großes vor hat Ben Harper in diesem Frühjahr: der US-Songwriter veröffentlicht am 21. März das Doppelalbum Both Sides Of The Gun. Jawoll, Doppelalbum.

Einen Vorgeschmack auf das neue Material kann man sich bereits in der nächsten Woche holen: am 17. Januar (Dienstag) ist Ben beim französischen Radiosender RTL2 zu Gast und wird dort zwei Songs von „Both Sides Of The Gun“ zum Besten geben. Erfreulicherweise gibts das Programm von RTL2 als Livestream – einfach auf RTL2.fr gehen, und dann oben links auf „RTL2 en direct“ klicken. Ach ja, die Uhrzeit: Ben wird am Dienstag von 17.45 Uhr bis 18.45 Uhr beim Pariser Radiosender zu hören sein.

(Quelle: benharper.net)

Gib mir Musik: The Horror The Horror – I Lost My Girl To Alcohol

Spannende Band aus Stockholm, die da via Tapete Records auf uns zu kommt: The Horror The Horror machen unaufgeregten, geradlinigen Gitarrenpoprock. Ende 2005 erschien ihr selbstbetiteltes Debütalbum (habs bislang noch nicht in Gänze gehört, aber das, was ich gehört habe, klang wirklich vielversprechend).

Die netten Menschen von Tapete stellen ja jeden Monat ein Gratis-MP3 ins Netz, und meist sind das rare und unveröffentlichte Songs der Tapete-Bands. Die Schweden von The Horror The Horror sind im Januar dran und steuern den Song „I Lost My Girl To Alcohol“ bei, der einfach mal klasse klingt und noch mehr Appetit auf das Album macht.

Hier gibts den Songdownload, hier gehts zur Tapete-Hauptseite und hier gibts mehr über The Horror The Horror.

PR-Foto geklaut bei tapeterecords.de

Le Borna: Bilder vom 9. Dezember online!

Jede Menge schöne Bilder vom Le Borna-Konzert am 9. Dezember finden sich jetzt auf der Le Borna-Internetseite: glückliche Musikanten, tanzende Menschen, fliegende BHs (okay, das war übertrieben. Es war nur einer. Aber immerhin), das bestaussehendste Publikum Europas, Polonaisen, ein Keyboarder, der erschreckend „dem einen von den Scorpions“ ähnelt, ein Bassist in einem geradezu verboten häßlichen grünen Oberteil, meine Wenigkeit, wie er Kniefälle vor den Backing-Sängerinnen macht, hoch konzentrierte Schlagzeuger und noch viel mehr.

Na? Na also! Nu klickt schon – und dann dem Link „Weihnachtsparty 2005“ folgen!

Ben Folds and WASO – Live In Perth (DVD, 2005)

Er ist sichtlich nervös. So richtig, richtig wohl fühlt er sich nicht – mit neunzig Musikern im Nacken. Am anderen Ende der Welt, in Perth, in Australien. Ben Folds und das Western Australia Symphony Orchestra geben ein gemeinsames – ja, was eigentlich? Rockkonzert? Nein, sicher nicht. Eines dieser peinlichen „Rock meets Classic“-Dinger? Na, zum Glück irgendwie auch nicht. Aber eigentlich ja doch… Schwer zu beschreiben, was genau da abgeht. Ein begnadeter Songwriter und ein ohne Frage mit brillianten Musikern ausgestattetes Orchester intonieren gemeinsam ausgewählte Lieder aus dem Foldschen Oevre in eigens für diese zwei Abende geschriebenen Arrangements.

Bei „sowas“ ist bei mir immer höchste Skepsis angesagt. Nein, ich mag es nicht wirklich, wenn Pop-/Rock-Musiker auf einmal einen auf „Künstler“ machen, statt Liveclubs plötzlich Opernhäuser bereisen und mal eben zur „Hochkultur“ gehören wollen. Und der Schnösel in mir mag schon gar nicht einen lieb gewonnenen „Helden“ wie Ben Folds mit „solchen Leuten“, also dem Publikum, das zu „sowas“ geht, teilen. Nichts gegen klassische Konzerte und all das – ganz im Gegenteil! Aber diese ganzen E-trifft-U-Crossover-Geschichten sind mir zuwider. Das liest sich womöglich herablassender als es gemeint ist, ist aber nun mal so.

So richtig wohl zu fühlen scheint sich der Herr Folds da auf dem Bildschirm auch nicht – vielleicht aus ähnlichen Beweggründen heraus, vielleicht aber auch nur, weil er Schiss hatte vor diesem ganzen Experiment. Ja, das ist es: ein Experiment. Die Musik ist pompös, groß, gewaltig, bisweilen auch rundheraus kitschig. Aber dieser Nerd da vorne am Klavier vermag es, das alles nicht zu sülzig werden zu lassen. Die unterhaltsamen und manchmal kruden Ansagen zwischendurch tun da ihr Übriges. Aber spätestens wenn er dieses Riesenorchester dann dazu bringt, mit ihm einfach mal so herumzublödeln („Rock This Bitch“), zieht er den anfangs mißtrauischen Zuschauer dann doch in seinen Bann.

Ja, diese ganze Sache ist schon in Ordnung. Auf ganz seltsame Weise. Das wird wohl nie meine liebste Ben Folds-Veröffentlichung werden. Aber die DVD Live In Perth ist äußerst kurzweilig, ganz schön verschroben und letztlich dann doch auch musikalisch ganz angenehm – man muss sie sich ja nicht jeden Abend angucken. (7/10)

Ocean Colour Scene: Website renoviert

Ein kleiner Exkurs vorab…

Sanctuary Records scheint alles mögliche zu sein, nur kein gutes Plattenlabel. Mal ganz abgesehen von den finanziellen Schwierigkeiten, in denen die Sanctuary Group wohl schon seit einer ganzen Weile steckt, habe ich den Eindruck, dass sich die Herrschaften dort nicht so recht kümmern (wollen) um die Acts, die sie zuvor gesignt haben. Beispiel 1: Blues Traveler. Das 2003er Spitzenalbum „Truth Be Told“ erschien bei eben diesem Label, aber wurde absolut nicht promotet. Eine musikalisch köstliche, von der Aufmachung her aber halbherzige Live-CD wurde wenig später nachgeschoben. Aber dann: war Schluß. Unzufriedenheit auf beiden Seiten (Band und Label), kaum Verkäufe, aus.

Beispiel 2: Sinéad O’Connor. Die Irin kündigte im vergangenen Jahr ihr Comeback an, als Label fürs neue Album war ein US-Zweig des Sanctuary-Ladens im Gespräch. Ach was, alle Verträge waren angeblich unterschrieben. Aber nur wenige Wochen später war das alles wieder Geschichte – die Ansichten von Künstlerin und Label gingen auch hier kräftig auseinander, so die Überlieferung.

Das dritte Beispiel: Ocean Colour Scene. Auch sie waren eine zeitlang bei der Sanctuary Group und veröffentlichten dort ihr (musikalisch halbgares, aber das ist jetzt erstmal egal) 2005er-Album „A Hyperactive Workout For The Flying Squad“. Der geneigte Leser darf drei Mal raten… Genau, auch OCS sind nicht mehr bei Sanctuary. Und das ganze Kapitel mit der Firma muß für die Band so schmerzlich gewesen sein, dass sie es für nötig hielt, auf ihrer neuen Website an einigen Stellen auf „das unglückliche Jahr mit dem Record Label“ hinzuweisen.

Die generalüberholte Seite der Band kann sich sehen lassen: sie ist wesentlich benutzerfreundlicher als ihre Vorgängerversionen, enthält eine ansprechende und umfassende Bio- und Discographie und sieht tatsächlich einfach mal gut aus. Im Shop siehts derzeit noch mager aus, demnächst sollen aber digitale Downloads etc. folgen. Das schönste an der Seite sind aber die News: nach dem Sanctuary-Debakel nehmen OCS jetzt das Zepter selbst in die Hand, haben ein eigenes Label gegründet (Moseley Shoals Records, nach ihrem großen Erfolgsalbum benannt) und wollen in diesem Jahr eine Live-Acoustic-CD (Frühjahr) und ein neues Album rausbringen. Auf eigene Faust.

Zu dieser Entscheidung kann man OCS nur beglückwünschen. Bis es was Neues von den Briten zu hören gibt, lohnt sich auf alle Fälle erstmal ein Besuch auf der neuen OceanColourScene.com – und es gilt, Daumen zu drücken: damit die neuen Veröffentlichungen ungezwungener, authentischer und runder werden als das 2005er-Album und die Band in Eigenregie wieder zur „alten“, starken Form zurückfindet.

Frohes neues Jahr…

…wünsch ich allen, die hier immer mal vorbeischauen! Der Jahreswechsel lief für mich deutlich anders als erhofft – statt Party mit Freunden gab es Kamillentee auf der heimischen Couch. Aber inzwischen hat sich mein Magen-Darm-Trakt wieder mit dem Rest von mir versöhnt. Ein Silvester ohne jeden Tropfen Alkohol und alleine zu Hause, das hätt‘ ich mir auch nicht träumen lassen…

Aber das ist jetzt Geschichte – ein neues Jahr liegt vor uns und auch, wenn das sicher schwer wird, es gilt, das tolle Musikjahr 2005 zu toppen. Derzeit wühle ich mich nach wie vor durch das lange DMB-Red Rocks-Wochenende (macht sehr großen Spaß, übrigens! „Blackbird“ in der DMB-Version ist sensationell) und bin schon seit einigen Tagen hin und weg von der ersten CD des John Mayer Trios, „Try“, über die es in den nächsten Tagen noch mehr zu schreiben gibt. Bin sehr gespannt, was musikalisch 2006 so alles kommt und welche die ersten Alben sein werden, die mich im neuen Jahr packen.

Aber zum Glück hat das Jahr ja noch mehr als genug Tage, an denen ich mitteilungswütiger Zeitgenosse hier im dunkelblau Weblog darüber berichten kann. Na denn: auf ein Neues!

NP: Dave Matthews Band – The Complete Weekend On The Rocks (2005)

Heute kam sie endlich per Post und erstaunlicherweise ohne Zoll-Schwierigkeiten: die Monster-Veröffentlichung der Dave Matthews Band: The Complete Weekend On The Rocks. DMB spielten im September vier Nächte in Folge im Red Rocks Amphitheater in Morrison, Colorado und haben diese Konzerte jetzt in voller Länge dokumentiert. Das sind dann mal eben acht CDs und obendrauf gibts dann noch eine DVD.

Wird noch eine ganze Weile dauern, bis ich mir das ganze Werk angehört habe – bis jetzt macht das Box-Set aber schonmal einen fantastischen Eindruck: insgesamt 56 Titel, davon „nur“ 13 Wiederholungen. Einige bislang unveröffentlichte Stücke wie „Butterfly“ (ein Matthews-Original) oder Cover von den Beatles („Blackbird“); Bob Marley („Exodus“, mit dem wunderbaren Ivan Neville als Gast an der Hammond Orgel) und den Zombies („Time Of The Season“). Die DVD enthält zehn ausgewählte Performances aus allen vier Konzerten, der Höhepunkt ist ohne Frage eine wirklich mitreißende Version von „Louisiana Bayou“ mit Gästen wie Robert Randolph.

Es fällt auf, wie frisch und eingespielt die Band wirkt. Das liegt sicherlich nicht zuletzt an dem ganzen neuen Material, das während der Sessions zu Stand Up entstand. Fans, denen das letzte Studioalbum nicht so geschmeckt hat, können beruhigt sein: verblüffend, wie gut sich die neuen Songs in den Liveauftritten machen – hier wird gejammt wie verrückt und die Herrschaften DMB haben hörbar Spaß an dem, was sie da tun.

Nur mal exemplarisch ein Blick auf die erste der acht CDs: 8 Tracks, 71 Minuten. Drei Titel von „Stand Up“, ein sensationelles Cover („Time Of The Season“), eine Gänsehaut-Version von „The Stone“ (in der die Fans am Ende „Can’t Help Falling In Love With You“ intonieren) und ein epischer „Bartender“. Das alles in einem wirklich akzeptablen Soundmix – andere Liveveröffentlichungen der letzten Jahre wie etwa das 6-CD-Set „The Gorge“ waren diesbezüglich ja eher enttäuschend. Nein, hier passt alles und ich erinnere mich einmal mehr daran, warum ich diese Band so mag: sie sind in erster Linie einfach eine grandiose Liveband.

So, genug geschrieben. Hab ich noch sechseinhalb ungehörte CDs vor mir. Na, in das Vergnügen stürz‘ ich mich gerne.

Die dunkelblau Top 10 2005 im Überblick

So, geschafft. Das sind sie also, die zehn Besten des zu Ende gehenden Jahres 2005. Hier noch einmal zum schnelleren Wiederfinden und der Übersicht wegen die Top 10 im Schnelldurchlauf:

01 Josh Rouse – Nashville
02 Spin Doctors – Nice Talking To Me
03 Bright Eyes – Digital Ash In A Digital Urn
04 Damien Dempsey – Shots
05 Ben Folds – Songs For Silverman
06 Element Of Crime – Mittelpunkt der Welt
07 Mon)tag – Sender
08 Sinéad O’Connor – Throw Down Your Arms
09 Blues Traveler – Bastardos!
10 Palestar – Mind The Landscapes

Top 10 2005. Platz 1: Josh Rouse – Nashville

Schon komisch: die vielleicht unscheinbarste, unaufgeregteste Platte des Jahres ist für mich zur wichtigsten und schönsten 2005 geworden. Nashville, das fünfte Studioalbum von Josh Rouse ist ein wahrer Schatz. Zehn Songs, die für Rouse eine Art Resümee, Schlußstrich darstellen – aufgenommen kurz vor seinem Umzug nach Europa, kurz nach der Trennung von seiner langjährigen Partnerin.

Dabei ist „Nashville“ alles andere als ein düsteres oder verzweifeltes Album. Ganz ähnlich dem großen Wurf und Vorgänger-Opus „1972“ beweist Rouse ein Händchen für warme, geschmackssichere Arrangements, die, würde man sie weiter übertreiben oder stärker ausbauen, schon fast kitschig klängen. Tun sie aber eben ganz und gar nicht. Ob es nun die verblüffenden Satzgesänge sind oder die allgegenwärtige, aber nie aufdringliche Steel Guitar oder auch die breiten Streicher in dem einen oder anderen Stück – immer passen Instrumentierung und Song bestens zusammen. Denn die Songs treffen ganz unmittelbar ins Herz, werden binnen Sekunden zu Vertrauten und könnten sich unmittelbarer und näher kaum anfühlen.

Was diese Platte so besonders macht? Schwer zu beschreiben, irgendwie. Warum verliebt man sich? Ist doch egal. Wichtig ist doch, dass man sich verliebt.