Gib mir Musik: The Tender Trio

Dringende, dringende Hörempfehlung: The Tender Trio! Diese neue Band besteht aus Rogers Stevens (früher mal bei Blind Melon), Royston Langdon (früher mal bei Spacehog) und Rene Lopez (tolles Soloalbum, früher mal bei The Authority). Die drei Herren rocken ganz entzückend und haben auf ihrer Homepage gleich vier Demo-Aufnahmen zum legalen mp3-Download im Angebot! Hier entlang, bitte – mein Anspieltipp: „Over The Last Hill“.
Hoffentlich kommt da bald mehr als diese vier Tracks – wenn schon diese Demos so großartig klingen, dann kann man das erste Album ja kaum noch erwarten. Bin schwer beeindruckt.

Picture taken from The Tender Trio website.

Nix wie hin: Le Borna im Netz und auf der Bühne!

Jetzt muss ich doch endlich mal auf das wohl wichtigste kulturelle Ereignis in Leipzig im Jahr 2005 zu sprechen kommen. Die unsagbar unbeschreibliche Combo Le Borna wird am 9. Dezember wieder einmal auftreten – und zwar selbstverständlich im „Unterrock“ des Geyserhauses in Eutritzsch. Le Borna ist ein inzwischen seit mehr als sechs Jahren sein Unwesen treibendes Rock-meets-soziemlichallesandere-Schlager- Crossover-Projekt, bei dem wir zwei dunkelblauen, also Matthi und ich an Keyboard, Gitarre und Gesang mitwirken. Außerdem dabei sind u.a. solche Helden wie Steffen Lukas (aka Opa Unger) am Schlagzeug, Heiko Dietze (Klopfgeist) am Bass und der singende Schiedsrichter Axel F. Felsmann.

Die Band zeichnet sich vor allem durch zwei Dinge aus: durch den gepflegten Dilletantismus ihrer musikalischen Darbietung, die den Unernst der Sache äußerst glaubwürdig untermauert. Und durch eine nagelneue, absolut nicht ernst gemeinte Internetseite, auf die hiermit hingewiesen sei: LeBorna.de.vu!

Auf der neuen Seite gibts ausführliche Bandinfos, jede Menge Videos und mp3s und alle Details zum Auftritt am 9. Dezember.

Alsdenn – viel Spaß mit der neuen Seite, und wer einen Abend mit preiswertem Bier und einer recht eigenen, aber sehenswerten, naja, hmm… ich nenns mal, Band verleben will, der sei zum Konzert am 9.12. hiermit aufs Herzlichste eingeladen!

Herbie Hancock – Possibilities (2005)

Eine Premiere im dunkelblau Weblog: ein Gastbeitrag. Robby Rösner, eifrigen Lesern als Kommentarschreiber indigoo bekannt, schreibt über das neue Album von und mit Herbie Hancock.

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Was haben die Worte Liebe und funk gemeinsam? Richtig! Beide Begriffe versuchen ein Gefühl zu beschreiben, das sich eigentlich jedweder Konkretisierung entzieht. Beide haben etwas mit dem Bauch zu tun, befallen ihre Opfer meist unangekündigt und sind auch nicht heilbar. Auch sind die Symptome sehr ähnlich: Erhöhter Pulsschlag, Bewegungsdrang und Gänsehaut, ein dreckiges Grinsen und die Gewissheit, dass es einen erwischt hat.

Als ich neulich das CD-Regal nach Neuerscheinungen durchstöberte, stach mir Possibilities von Herbie Hancock zunächst mal nur ins Auge. Gut, dachte ich, zehn Songs sind nicht viel, aber eine Hand voll erlesene Popgrößen wie Sting, Annie Lennox, Paul Simon oder Santana versprechen Qualität. Leider bleibt mir an dieser Stelle nicht mehr viel zu sagen zu Track 2-10. Die sind wirklich nett, durchaus hörbar, ein Stilmix eben aus Jazz und Pop, wie es ihn vor ?Possibilities? schon des Öfteren gab. Schön anzuhören, die Liaison aus Pianoläufen und markanten Stimmen, aber nichts, das die Welt verändern könnte, jedenfalls nicht meine Welt.

Aber was, bitteschön, macht Hancock da mit John Mayer? Drei Dur-Akkorde, stilgerecht angereichert mit ein paar Nonen und Septimen, darüber ein paar Worte in der für Mayer typischen, heiser-sanften Stimme. Dann setzt ein trockener Beat ein, noch mal die drei Akkorde ? Stopp! Hancock steigt mit einem Dreizehner auf drei ein, der Bass folgt lässig rollend der Bassdrum, Mayers Gitarre spielt ein tänzelndes Lick, die drei Akkorde eben ? Stopp! Mittlerweile weiß ich längst wieder, was funky ist: Rhythmus, der hauptsächlich geradeaus geht, während der Rest links und rechts des Weges ein paar Fermaten, Ghostnotes und anderes Bluesgetöne einsammelt ? Stopp! Es ist angerichtet. Hancocks Finger steigen die Molltonleiter hinunter, dann trifft man sich zum Kehrreim, und JA! Der funkt, aber Hallo! Don´t wonna be stitched up, out of my mind?

Ein Opener, wie er besser nicht seiner Rolle gerecht werden könnte.
?Stitched up? ist so ein Tritt in die Magengrube, im besten Sinne allerdings. Der Fuß klopft im Viervierteltakt auf den Boden, der Hals macht den Tauben Konkurrenz und die Finger schnippen auf Zwei und Vier. Nicht zu vergessen – das verschmitzte Grinsen. Was das alles mit Liebe zu tun hat? Davon kann Herr Mayer ein Lied singen. Und genau das tut er ja auch: It´s true, there was a women. And yes, she did advance my way?

Es ist schon ne Weile her, dass ich verliebt war. In einen Song, meine ich. Und wenn ich mich recht entsinne, war es keine Sommerliebe, es war im März. Aber das Gefühl war genauso unbeschreiblich, wie der Song eben funky war. Nun ist es für eine Sommerliebe wahrlich zu spät, aber wer sagt denn, dass ?stitched up? nichts für den Herbst ist? Im Übrigen sind die ?Möglichkeiten? 2-10 noch zu haben.

NP: Element Of Crime – Mittelpunkt der Welt (2005)

Zum ersten Mal trat diese Band in meiner Zeit als Pennäler in mein Leben. „Weißes Papier“ hieß das Album, mit dem Element Of Crime erstmals meine Aufmerksamkeit erlangten. Das war irgendwie unerhört. Und so seltsam. Grandiose Texte, die sich mit sanften, bisweilen gar ironischen Gitarrenläufen paaren, ein sanft tänzelndes Schlagzeug, die zwischen Texmex-Romantik und französischem Chanson lustwandelnde Trompete – zu Zeiten von Grunge und Eurodancetrash war der Sound von EoC eine wunderbare Alternative.

Keine Frage, sehr schnell erschloß ich mir die zurückliegenden Platten der Band – die paar englischen Alben (haben ebenfalls ihren Charme, besonders „Try To Be Mensch“), aber gerade auch „Damals hinterm Mond“, dem fast noch besseren Vorgänger von „Weißes Papier“. „Irre, warum bin ich nicht eher auf die gestoßen“, hab ich mich damals gefragt. Element Of Crime sind seither ein echter Begleiter geworden – so eine Art musikgewordener treuer Hund, der einem immer zur Seite steht. Das erstaunlich sanfte Timbre von „An einem Sonntag im April“ war Salz in eine Beziehungswunde; „Die schönen Rosen“, gekauft in Köln, kurz nach dem Abi, war der Soundtrack zum Ersten Semester. Auf der Tour zum vergleichsweise wilden „Psycho“-Album hab ich die Band erstmals live sehen dürfen, und „Romantik“ erinnert mich wohl mein Leben lang ans wunderbare Leben in einer musikverrückten Wohngemeinschaft.

Und jetzt? Jetzt führen mich Element Of Crime zum Mittelpunkt der Welt, so heißt die neue Platte. Mitten in einer schrecklich hektischen und unruhigen Zeit setzt dieses Album einen wohltuenden Kontrapunkt. Da ist sie wieder, diese melancholietrunkene Lyrik von Sven Regener, diese lakonische Musik, diese dauerngrinsende Sehnsucht. Ob „Mittelpunkt der Welt“ besser oder schlechter ist als die alten Alben? Was weiß ich?! Das ist unüberhörbar EoC, vielleicht ein wenig „trockener“, sparsamer als zuletzt. Aber unverändert gut, unverändert schön, unverändert hilfreich. Musik, die den Hörer erdet und gleichzeitig entführt und schweben lässt.

Hier müssten jetzt die üblichen Element-Assoziationen kommen: Rotwein, Herbst, Hängematte… Aber die wurden (zu Recht) schon bei so vielen anderen aufgeführt. Ich gönn‘ mir, in Ermangelung besserer Bilder (ja, ich bin gerade müde und will eigentlich nur noch die Platte zu Ende hören und dann ins Bett) das vom „Fels in der Brandung“. Genau das sind EoC für die hiesige Musiklandschaft nämlich: unkaputtbar, unverzichtbar, unverbesserlich. Ein tolles Album – ohne Wenn und Aber. „Sag, dass ich bekloppt bin, aber sag nicht, ich hätt Euch nicht gewarnt…“ (10/10)

Das sind die "Gewinner"-Gewinner!

So, zurück aus dem wunderschönen Budapest, mit wahnsinnig vielen Eindrücken, tollen Begegnungen und lustigen Begebenheiten (in dieser Stadt heißen die Bands alle entweder „Rock Band“, „The Proper Funky Band“, „The Hot Jazz Band“, „The Blues Band“ usw. oder aber tragen erquickliche Namen wie „Porno 69“ und „Hippiekiller“. Aber das nur am Rande).

In den letzten Tagen gabs ja hier ein kleines Gewinnspiel – insgesamt 3 Exemplare meiner aktuellen CD „Gewinner. Launische Lieder live“ hatte ich ausgelobt. Nun, meine Erwartungen in Sachen Beteiligung wurden deutlich überschritten – das Los musste entscheiden. Das hier sind die drei (hoffentlich glücklichen) „Gewinner“-Gewinner:

Manfred Schulz aus 24887 Silberstedt,
Oliver Müller aus 67663 Kaiserslautern und
Bärbel Riedel aus 73079 Suessen!

Herzlichen Glückwunsch Euch Dreien, die CDs gehen morgen früh an Euch raus. Allen anderen empfehle ich aufs Herzlichste nochmals die Internetseite danielheinze.de – hier könnt Ihr die CD für wirklich wenig Geld kaufen, natürlich vorher reinhören und auch Eure Meinung zur CD los werden bzw. lesen, was andere „Gewinner“-Hörer vom Album halten. Und Danke fürs Mitmachen – die Resonanz hat mich hoch erfreut und mächtig überrascht!

Element Of Crime-Weblog: Am Montag gehts los

Die wunderbare deutsche Band Element Of Crime startet am kommenden Montag auf ihrer Homepage ein eigenes Weblog:

Ein WEBLOG wird kommen und dann wird sich auch herausstellen, was das eigentlich ist.
Am Montag, dem 19. September startet unter http://www.element-of-crime.de ein WEBLOG. Oder Blog. Jedenfalls so eine Art Online-Tagebuch, in dem SVEN REGENER vom 19. September bis zum 4. Oktober jeden Tag ein paar Zeilen über das verzapfen wird, was ihm in seinem trostlos-trüben Leben als Rockstar so durch den Kopf geht oder was er gerade wieder Uninteressantes erlebt hat usw., wie Tagebücher eben so sind… – mit der gleichzeitigen Möglichkeit für die Leser, das zu kommentieren. Puh, das wird was! Wenn er es bis dahin geschafft hat, seine seit zwei Jahren in seinem Besitz befindliche Digitalkamera ZU KAPIEREN, gibt es vielleicht sogar Bilder dazu. Na herrlich! (Quelle: EoC-Newsletter vom Tage)

Na herrlich indeed. Ich hoffe mal sehr, dass EoC nicht mit argwöhnischen Kommentaren aus Kleinbloggersdorf abgestraft werden, wo sie doch Weblogs durch das böse böse Wort „Tagebücher“ erklären (mir ist das ja völlig schnuppe, aber es gibt da ein paar Zeitgenossen, die das gar nicht gerne lesen). Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf den bloggenden Herrn Lehm… äh, Regener. Und auf die neue Platte der Band sowieso.

Blues Traveler – Bastardos! (2005)

Spätsommer 2003. Ein starker Song namens „Partner In Crime“ mit einem unwiderstehlichen Gitarrenriff und selbstbewußt herausgebellten Gesängen setzt den krönenden Schlußpunkt des Blues Traveler-Albums „Truth Be Told“. Entgegen den meisten Erwartungen legten die US-Rocker damals eine rundum große, ja geradezu stolze Platte vor. Und das Schlußstück hätte genausogut der Opener sein können – auf „Truth Be Told“ ging es um Songwriting, auf ausufernde Jams oder Experimente verzichtete die Band. Und schuf somit eines der besten Alben ihrer Karriere.

Spätsommer 2005. Ein vertracktes, bisweilen gar wirres Stück namens „You Can’t Stop Thinking About Me“ eröffnet das nächste Studioalbum der Blues Traveler. Der Song erinnert stark an „Partner In Crime“, mutet aber an wie dessen kleiner ungezogener, aggressiver, Sturm-und-Drang-Teenager-Bruder. Und eröffnet einen Reigen von 14 Tracks, den Hörer erstmal etwas ratlos zurücklassend. „You Can’t Stop…“ ist der Auftakt zu einem Album, wie es gegensätzlicher zu seinem Vorgänger kaum sein könnte.

Bastardos! strotzt vor Experimentierfreude und Detailversessenheit: schräge Effekte, Arrangements, die mehr als einmal auf Dissonanzen und Gegensätze bauen, jede Menge musikalischer Witz, bisweilen allerdings ein recht skurriler Humor. Das alles heißt aber nicht, dass diese Platte frei von guten Songs wäre – im Gegenteil. Auf Stücken wie „After What“ (geile Gitarren), „Money Back Guarantee“ (ein wirklich großes, sehr souliges Stück) oder „She Isn’t Mine“ (eine süße kleine Ballade) zeigt die Band eindrucksvoll, dass sie nach wie vor in der Lage ist, famose Lieder scheinbar aus dem Ärmel zu schütteln.

Dennoch ist unüberhörbar: Blues Traveler suchen hier heftigst nach neuen musikalischen Herausforderungen, wollen sich unbekannte Soundlandschaften erschließen und scheuen sich nicht, volles Risiko einzugehen. Das geht fast immer gut („Can’t Win True Love“ heißt der beste Song des Albums und besticht durch vielschichte Backings und wummernde Orgelsalven, „Nail“ durch gewagte Klangeffekte, „She And I“ durch ungewohnte Seventies-Disco-Reminiszenzen, treffsichere Bläser-Sektion inbegriffen), mitunter aber eben auch gehörig schief. Titel wie „Rubberneck“ oder „What Could Possibly Go Wrong“ tönen dann doch ein wenig zu schrill, zu gewollt anders aus den Lautsprecherboxen. Aber hey – no risk, no fun.

Ohne Zweifel ist „Bastardos!“ die bislang am stärksten von den beiden Neuzugängen Ben Wilson (Keyboards) und Tad Kinchla (Bass) geprägte Studioveröffentlichung der Band um John Popper. Wobei es freilich ein wenig unfair ist, nach fast sechs Jahren Bandzugehörigkeit noch von Neuzugängen zu sprechen. Dennoch fällt hier stärker denn je auf, dass diese beiden Musiker den Sound und das Selbstverständnis der Blues Traveler gehörig aufgemischt und verändert haben. Um es mal ganz deutlich zu schreiben: Ben Wilson rockt diese Platte wie nix Gutes und kann getrost als der Held der Stunde gefeiert werden – sein Solo auf „She And I“ ist der vielleicht stärkste Moment dieser Veröffentlichung.

Erfreulich, wie „Bastardos!“ mit jedem Hören wächst und wächst und wächst. Auch, wenn die CD schwerer verdaulich ist als etwa „Truth Be Told“ und durchaus den einen oder anderen verzichtbaren Song in sich birgt, so ist sie doch liebenswert und verführerisch. Man drückt immer wieder auf „Play“, um sich das nochmal anzuhören. Nicht, um es sich schönzuhören. Sondern um mit jedem neuen Durchgang ein anderes spannendes Detail zu entdecken. In einem bleibt sich die Gruppe auch diesmal treu: schon zum achten Mal veröffentlichen Blues Traveler ein Studioalbum, das wie keines seiner Vorgänger klingt, das seinen ganz eigenen Stil und Charme hat. (8/10)

„You can’t change what has happened / no matter how much better you could do /
And while we’re on it you know you can’t change me / and you can’t change you. You shouldn’t have to.“

(Blues Traveler – Can’t Win True Love)

Geburtstag. Gewinner. Gewinnspiel!!

Heute vor einem Jahr ging es hier los mit dem dunkelblau Weblog… Irre, wie die Zeit rennt. An dieser Stelle erstmal Danke an die vielen netten Menschen, die ich durch dieses Weblog kennenlernen durfte – die meisten virtuell, aber einige sogar persönlich. Mir macht dieses Projekt hier nach wie vor Spaß und ich freue mich aufs nächste Jahr!

Zum Einjährigen gibts eine kleine Premiere: die erste Verlosung im dunkelblau Weblog! Zu gewinnen gibts Freiexemplare meiner neuen CD „GEWINNER. Launische Lieder live„. Insgesamt drei Stück mach ich für Euch locker!

Und so gehts: Wer in den Lostopf möchte, der schreibe bitte fix eine eMail an mich: daniel[ät]dunkelblau-online.de. Betreffzeile: „Gewinner“ gewinnen! Bitte nicht die eigene Adresse vergessen, schließlich muss ich ja wissen, wo die CD hingehen soll. Deadline ist SONNTAG, 25. SEPTEMBER 2005, 24:00 Uhr (Datum des Poststempels, äh, Eingang in meiner Mailbox). Melden sich mehr als drei Interessenten, entscheidet natürlich das Los.

Die „Gewinner“-Gewinner stehen dann am 26. September hier im Weblog und die CDs wandern noch am gleichen Tag in die Post.

Wer nicht die Katze im Sack gewinnen will, oder aber die CD käuflich erwerben möchte (da hab ich natürlich so absolut gar nichts dagegen!), der kann sich auf danielheinze.de herzlich gerne schlau machen, reinhören und einige Reaktionen zum Album nachlesen.

Viel Glück – ich gönn‘ mir jetzt ein Geburtstagsgläschen Wein.

Spin Doctors – Nice Talking To Me (2005)

Das fühlt sich komisch an. Irgendwie erhebend. Irgendwie seltsam. Da tanzen die Glücksgefühle Tango. Gleichzeitig ist da aber dieses leicht flaue Gefühl. Okay, am besten von vorne: Das hier ist wahrscheinlich der hundertundzwanzigste Eintrag in diesem Weblog über eine Band namens Spin Doctors. Durchaus bin ich der Lage nachzuvollziehen, dass der eine oder andere Leser dieser Seite genervt ist von der Dauerpräsenz dieser Combo. Aber ich kann nun mal nicht anders. Und wenn ich ehrlich bin, will ich auch gar nicht anders. Ja, ich bin ausgemachter Fan dieser Band. Ja, ich glaube, dass diese vier Herren die beste Rock’n’Roll-Formation unserer Tage sind. Ja, ich nehme durchaus zur Kenntnis, dass meine Liebe zu den Doctors mich schon desöfteren zum Gespött meiner Mitmenschen gemacht hat. Aber wenn ich gleich nochmal ganz ehrlich zu mir selbst bin, dann ist mir das reichlich egal. Insofern gibt es eigentlich überhaupt keinen Grund, diese relativierenden Worte vor die Kritik des neuen Albums zu stellen. Es war mir dennoch ein Bedürfnis. Und jetzt los.

Nice Talking To Me ist da. Das neue Album der Spin Doctors. Das fünfte Studioalbum überhaupt, und das erste in Originalbesetzung seit 1994. Und um es vorweg zu nehmen: vom ersten bis zum letzten Ton ist diese Platte ein Segen, ein Geschenk, ein Hochgefühl, ein Glück.

Da ist diese US-Combo, die in den frühen Neunzigern zwei, drei Riesenhits hatte. Die gleich nach diesen Hits all das erleben musste, was man eigentlich keiner Band wünscht: Mißerfolge, Trennungen, Umbesetzungen, kreative Tiefs, Fans, die weglaufen und und und. Und die sich vor ziemlich genau vier Jahren wiederfand und seither, einer Newcomerband gleich, in den kleinsten Kaschemmen die Finger wund spielt, um einmal mehr Aufmerksamkeit, Beliebtheit und Gefolgschaft zu erlangen.

In diesen vier Jahren entstanden neue Songs, wurden neue Ideen umgesetzt, entwickelten die Spin Doctors ein neues Selbstbewußtsein. Das Ergebnis dieser vier Jahre gibt es nun auf CD: „Nice Talking To Me“ heißt sie und beherbergt zehn fantastische Songs. Stichwort „neue Songs“: Stücke wie „Margharita“, „Sugar“ und „Happily Ever After“ gehören zum besten, was diese Band jemals geschrieben hat. Stichwort „neue Ideen“: Das hier ist nicht das Album einer Neunzigerjahreband, die „es nochmal versucht„. Das ist das Album einer Band im Hier und Jetzt, die sich durchaus der Tatsache bewußt ist, dass wir 2005 schreiben und nicht 1993. Stichwort „neues Selbstbewußtsein“: die Spin Doctors wissen um ihre wechselhafte Geschichte, sie haben sich auf ihre Stärken konzentriert und ein Album vorgelegt, das vor guten, ach was, grandiosen Tracks nur so strotzt.

Vom launischen Opener „Nice Talking To Me“ bis zum aggressiven Schlußtrack „Sugar Pin“: der geneigte Hörer findet hier eine Dreiviertelstunde edelster Rockmusik – funky wie die Hölle, lustig, direkt, unaufgeregt, schön, ergreifend. Und in der Mitte thront „Can’t Kick The Habit“, ein Achtminutenopus über alte Gewohnheiten, Älter- und Erwachsenerwerden, die Liebe im Allgemeinen, die Liebe zur Sache und die Liebe zu sich selbst. Mit einem Jam, der keine Zweifel und doch alles offen lässt. Da dürfen auch mal ein paar Fußballreporter-Phrasen gedroschen werden: Sie waren nie besser als heute. Sie sind hervorragend aufgestellt. Ihr Spiel sucht seinesgleichen.

[Fanmodus an] Eric, Du alte Gitarrensau. „I’d Like To Love You“ und „Genuine“ sind die Momente, in denen Du am besten zeigst, was für ein Ausnahmemusiker Du bist. Marc, Du Tier. Deine Bass-Sequenzen bei „Sugar“, „Safety Pin“ oder „Tonight You Could Steal Me Away“ sind schlichtweg großartig. Aaron, Mann. Du hältst alles zusammen, mit diesem extrovertierten, punktgenauen, unverwechelbaren Spiel. Chris. Diese ach-so-scheisse-simpel- daherkommenden Texte, die von so viel Leben, so viel Leidenschaft und so viel Leichtigkeit zeugen. Und Dein Gesang, der ehrlicher, euphorischer, enthusiastischer kaum sein könnte. [Fanmodus aus]

„Nice Talking To Me“ ist großartig. Edel produziert, traditionsbewußt und dennoch vorwärtsgewandt. Nimm den besten Moment, der Dir in den letzten vier, fünf Jahren untergekommen ist und versuche, einen Soundtrack dazu zu finden. Hier ist er. In einem reifen, schönen, unterhaltsamen, aufrichtigen, weisen, aber nicht zuu weisen Album. If I let you in will you let me in? Aber sicher doch. (10/10)

This old world is a merry-go-round,
with painted horses going up and down.
Oceans of tears, gales of laughter
Once in a while someone lives happily ever after…

(Spin Doctors – Happily Ever After)

Spin Doctors Diskographie: Up For Grabs (1990, 7/10). Pocket Full Of Kryptonite (1992, 8/10). Homebelly Groove… Live (1993, 9/10). Turn It Upside Down (1994, 10/10). You’ve Got To Believe In Something (1996, 7/10). Here Comes The Bride (1999, 7/10). Just Go Ahead Now… A Retrospective (2000, 8/10). Live 2002 (offizielle mp3-Veröffentlichung, 2003, 9/10). Nice Talking To Me (2005, 10/10).