"F*** it, I have to go back to work": Sinéad O'Connor über ihr Comeback

Throw Down Your Arms soll es heißen, das im Februar angekündigte Reggae-Cover-Album von Sinéad O’Connor. Insgesamt zwölf Tracks wird die von Sly & Robbie produzierte CD enthalten und – wenn es nach der Künstlerin geht – bereits im August erscheinen. Neben vier Titeln der Reggae-Legende Burning Spear, mit der O’Connor unlängst die Jammys in New York aufmöbelte, erwarten die Hörer Songs wie Bob Marleys „War“ und Peter Toshs „Downpressor Man“. All diese Neuigkeiten entlockte die US-Zeitschrift Entertainment Weekly der Sängerin und widmet ihr in der aktuellen Ausgabe eine umfangreiche, online leider nicht frei zugängliche, Story.

Darin verrät Sinéad außerdem erste Details über die andere Platte, die sie zur Zeit in der Mache hat – eine Sammlung religiöser Songs und gesungener Gebete, die den selbstbewußten Titel Theology tragen und ebenfalls noch in diesem Jahr erscheinen soll. Das wäre dann ein Rekord für das streitlustige Goldkehlchen aus Dublin – zählt man die erst in dieser Woche veröffentlichte Sammlung Collaborations mit, ergäbe das drei Alben in einem Jahr. Nicht schlecht für eine Sängerin, die erst vor zwei Jahren durchaus glaubwürdig ankündigte, nie wieder im Popbusiness aktiv sein zu wollen.

Ansonsten ist der Artikel gespickt mit markigen Sprüchen der Sängerin – es ist diese Art von Statements, die man auch in zwei, drei Jahren noch als hübsche Zitate anführen wird, um die Schrulle mit der Engelsstimme zu charakterisieren. Die schönsten davon hier:

“Religious songs with bad words! If I were God, I’d be pretty ill listening to a lot of that boring religious music, you know? There’s room for some serious testosterone in that arena.“
Sinéad O’Connor über die Idee hinter ihrem Theology-Album mit „moderner“ religiöser Musik.

“I’m three-quarters heterosexual, a quarter gay. I lean a bit more towards the hairy blokes.“
Sinéad über ihr Sexleben.

“About six years ago I went to confession and spent a half an hour crying my face off about what a horrible monster I am. I was quite ill, literally struggling with the will to live. I’m a manic-depressive, and it took a long time for me to get diagnosed properly.“
Sinéad über persönliche Krisen.

“I [was doing] full-time mothering, which I love. But what happened is, my dishwasher broke, my plumbing went, my toilet broke, everything began to break. I started to wither away and think, No one will ever know I’m here, dogs will eat my corpse, that whole thing. So I said, F— it, I have to go back to work.“
Sinéad über den Grund für ihre Rückkehr ins Musikgeschäft.

Und schließlich: mein Lieblingszitat. Die Erklärung, warum ihr der kommerzielle Erfolg ihrer neuen Platten reichlich egal ist:
“I’m confident the records will sell enough. But it’s not about that. I’ve got six and a half million quid in the bank. I can feed my kids.‘

Update in eigener Sache: dunkelblau mal wieder im Studio!

Komme gerade von einer kleinen Aufnahme-Session in Matthis Studio zurück – ja, nach eineinhalb Jahren haben wir beide, also die Popmusikcombo dunkelblau, wieder Zeit und Muse für ein paar neue Demos. Und siehe da – zwei Stücke haben wir uns erstmal vorgeknöpft. Es liegt sicher in der Natur der Sache, dass ich die Demos klasse finde, immerhin haben wir ja auch die Musik gemacht. Schönes Gefühl zu wissen, dass es wieder losgeht und wir an neuen Tracks basteln.

Wer hören mag, was wir bisher so zustande gebracht haben, dem sei unser Album In der Zwischenzeit (2004) empfohlen, Hörproben und ein Bestellformular gibts hier. Außerdem schwirrt seit April im Netz auch eine frei erhältliche EP von uns herum – sechs mp3s zum Gratisdownload: hier gibts die REGENTROPFEN EP. Ach ja, und da kommt dann in ein paar Wochen auch noch eine Live-CD, der Mitschnitt eines Solokonzertes von mir aus dem letzten Herbst. Alle Updates dazu gibts natürlich hier im Weblog und auf der Seite zur CD.

Sinéad O'Connor – Collaborations (2005)

Das wurde aber auch Zeit: endlich ist mal ein halbwegs repräsentativer Überblick über die Zusammenarbeiten der Sinéad O’Connor mit anderen Acts, Produzenten und Projekten erschienen. EMI hat das eigentlich so nahe liegende endlich umgesetzt, und in dieser Woche Collaborations auf den Markt geworfen. Mit 17 Tracks und knapp 80 Minuten Spielzeit ist die CD rappelvoll mit guter Musik aus fast sechzehn Jahren: da gibts ein Wiederhören mit den brillianten Ghostland („Guide Me God“), Jah Wobble, The The und U2 – sie alle haben in der Vergangenheit mit der streitbaren Irin kooperiert, zum Teil mit ganz fantastischen Ergebnissen. Natürlich werden auch Sinéads Arbeiten mit Peter Gabriel („Blood Of Eden“) und Moby („Harbour“) gewürdigt, ebenso wie die mit den irischen Indiepoppern Aslan oder auch Tim Simenon, einem größeren Publikum bekannt geworden durch die Produktion des Depeche Mode-Albums „Ultra“, der Mitte der neunziger Jahre Sinéad für einen Song in sein Bomb The Bass-Projekt integrierte.

Warum all dieses Namedropping? Nun, die „Collaborations“ sind eine absolut notwendige und richtige Veröffentlichung – schon zu Beginn ihrer Karriere in den späten Achtzigern waren es häufig die von der breiteren Musiköffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommenen guest appearances und features, die genauer und besser Auskunft über die künstlerischen Qualitäten der Sängerin gaben als die eigentlichen O’Connor-Alben. Zahlreiche Künstler vertrauten darauf, dass Sinéads markante Stimme ihren Produktionen das „gewisse Etwas“ verleihen würde, etliche Produzenten erkannten das Potential der Sängerin. Insofern ist mit dieser neuen CD eine stringentere, schlüssigere und repräsentativere Werkschau gelungen als mit der recht hektisch zusammengefrickelten Doppel-CD „She Who Dwells…“ aus dem Jahr 2003.

Für eingeschworene Fans der Sinéad O’Connor, zu denen sich der Autor dieser Zeilen zählt, mag „Collaborations“ nichts wirklich Neues oder gar „Unerhörtes“ bringen. Manche werden sich gar aufregen über die Überschneidungen mit früheren Alben („Empire“ mit Bomb The Bass erschien bereits auf dem 1997-Best Of der Irin, „1000 Mirrors“ mit Asian Dub Foundation auf der eben erwähnten 2003er Doppel-CD); einzig das fast schon antike „Monkey In Winter“ (1987, mit Terry Halls Band „The Colourfield“, hier erstmals überhaupt auf CD erhältlich) besitzt für diese recht kleine Zielgruppe echten Seltenheitswert.

Alle anderen aber bekommen hier eine Compilation angeboten, die wirklich eindrucksvoll belegt, was für eine talentierte, wandlungsfähige, stilsichere, ja spektakuläre Künstlerin Sinéad O’Connor ist. Einen Sampler, der trotz des mitunter gewagten Stilmixes eine erstaunliche und angenehm durchhörbare Einheit bildet. Und – eine Sammlung, die nach einer Fortsetzung förmlich schreit. Denn da gibt es noch so einige Schätze aus dem Archiv, die es ebenfalls verdient hätten, zurück ans Tageslicht gehoben zu werden: ihre Arbeiten mit Christy Moore und Luka Bloom etwa, atemberaubende Kooperationen mit James (der UK-Band), Willie Nelson, Natacha Atlas, den Chieftains oder Rick Wright und und und… Ausreichend Stoff für „Collaborations Vol. 2 – 5“ quasi. Aber eins nach dem anderen. Für den Moment sei erstmal diese CD hier wärmstens empfohlen.

Discographie: The Lion And The Cobra (1987, 7/10); The Value Of Ignorance (1988, 7/10); I Do Not Want What I Haven’t Got (1990, 8/10); Am I Not Your Girl (1992, 7/10); Universal Mother (1994; 10/10), Gospel Oak (1997, 9/10), So Far – The Best Of (1997, 6/10); Faith And Courage (2000; 8/10); Sean-Nos Nua (2002, 7/10); Goodnight Thank You You’ve Been A Lovely Audience (2003, 10/10); She Who Dwells In The Secret Place Of The High Shall Abide Under The Shadow Of The Almighty (2003, 7/10); Collaborations (2005, 9/10).

Saul Zonana mit neuem Album

Das Jahr 2005 wird wohl ganz schön ins Geld gehen – so viele schöne neue Platten, die dieser Tage erscheinen. US-Songwriter Saul Zonana hat vor ein paar Wochen auch ein neues Album veröffentlicht, und die Hörproben von „42 Days“ klingen äußerst vielversprechend. Bei CD Baby gibts die Clips und jede Menge aktuelle Infos über Saul, und natürlich ist auch des Künstlers persönliche Internetseite einen Besuch wert. Über die Platte gern mehr, sobald ich sie gehört habe – das kann aber (leider, leider) noch ein Weilchen dauern…

Ein paar DMB-News – "Stand Up" auf Platz 1…

„I hope that the fans think that I’m a cooler dude than Glen.“
„Stand Up“-Produzent Mark Batson über „Everyday“-Produzent Glen Ballard im nancies.org-Interview.

Die Dave Matthews Band-Fansite nancies.org hat bereits im April einen Artikel (Vorsicht, sieben Seiten!) über den aktuellen DMB-Produzenten und dessen musikalischen Hintergrund veröffentlicht – sehr lesenswert!

Außerdem, und da zitiere ich die Nancies ausnahmsweise mal komplett, ist Stand Up, das neue Album, auch mittelschwer erfolgreich:

The week’s Billboard charts are in, and it looks good for DMB: Stand Up has debuted at #1, Billboard reports. It sold 465,000 copies in its first week, short of Busted Stuff’s 622,000-strong debut in 2002, and way short of Everyday’s sales of 733,000 in the week of its release in 2001. It is, though, the strongest showing of a rock album thus far in 2005. Thanks to Wayland for the tip.

(Quelle: nancies.org)

Und, dieses rock album wächst und wächst in meiner Gunst – Songs wie „You Might Die Trying“ sind einfach toll. Daher kann ich nur jedem Skeptiker das ans Herz legen, was Mark Batson im Interview den potentiellen „Stand Up“-Hörern empfiehlt: „Turn it up. Listen to it loud. Understand it emotionally.“

Nix wie hin: jasonmraz.com

Rechtzeitig vor der Veröffentlichung seines nächsten Albums hat Jason Mraz seine Website generalüberholen lassen. Der junge US-Barde mit den schier endlosen Textsalven und den eingängigen Melodien ist einer von diesen Künstlern, bei denen sich der Besuch der Homepage auch wirklich lohnt: Soundschnipsel, vom Künstler selbst gedrehte Minifilmchen, natürlich alle aktuellen Tourdaten und eine lesenswerte Biographie sind zu finden.

Allerdings bietet die Seite eben auch Besonderheiten, die sie einzigartig machen: so pflegt Jason Mraz sehr gewissenhaft (also regelmäßig) sein „Tagebuch“ und weiß mit witzigen, bisweilen sarkastischen, immer aber recht ehrlichen Kommentaren zu unterhalten. Fein ist auch die Appetizer-Seite zum neuen Album „Mr. A – Z“. So gibts neben 30-Sekunden-Auszügen aus der Ende Juli erscheinenden Platte auch aufschlußreiche Infos zur Entstehung und Aufnahme des jeweiligen Songs. Das steigert nicht nur die Vorfreude, sondern regt auch zum Immermalwiedervorbeischauen ein. Schöne Seite, nix wie hin.

Photo taken from jasonmraz.com

NP: Van Morrison – Magic Time (2005)

Carry on and start all over again, in spite of all the TV trash
Carry on regardless, in spite of all the media rehash
And the white wash, the brain wash and all the white trash
Carry on regardless, baby, when you’re on a roll
Carry on regardless, just to satisfy your soul.

Höre gerade zum ersten Mal „die neue Van Morrison„. „Magic Time“ heißt sie und klingt – tja, wie eine VM-Platte nunmal klingt: verträumte Lieder, warme, unaufgeregte Musik. War der 2003er Ausflug auf das Bluenote-Label auch mit einer Extraportion Jazz gekrönt, geht es hier wieder reichlich traditionell zu – wie auch auf den letzten, sagen wir mal, zehn Van-Alben für Exile Music. Klar, dass auf einer Nummer mit dem Titel „Celtic New Year“ Paddy Maloney von den Chieftains die Whistle spielen darf; ansonsten dominieren aber die entspannten Gitarren, große, klassische Akkordfolgen ebnen den Weg für unterhaltsame Bläsersoli, Van selbst singt von der Liebe und vom Leben. Das ist aber durchaus abwechslungsreich: ab und an geht mal die olle Skiffle-Sau mit ihm durch („Keep Mediocrity At Bay“), dann croont er sich durch das immergrüne Sinatra-Stück „This Love Of Mine“, kurz darauf entdeckt er den „Gypsy In My Soul“ oder erklärt, warum er manchmal gern „Just Like Greta“ Garbo wäre.

Er wird halt immer älter, aber er altert souverän und in Würde. Eine schöne Platte, ohne nennenswerte Außergewöhnlichkeiten zwar, aber solide und anregend. Und da fällt dann auch nicht so ins Gewicht, dass das bereits die zweite CD in diesem Jahr ist, der ich ein geradezu bemerkenswert schauriges Cover attestieren muss: hören Sie diese CD, kaufen Sie diesen Tonträger, möchte man den Menschen im Plattenladen zurufen, lassen Sie sich bitte auf gar keinen Fall von dem im künstlichen Mondlicht albern tanzenden Pärchen auf dem Cover in die Irre führen!! So kitschig, old fashioned und vorhersehbar, wie einem Titel und Titelbild dieser Platte weismachen wollen, ist die Musik nämlich ganz und gar nicht.

[Update 18:15 Uhr: Das ist Autoscheinwerferlicht, kein Mondlicht. Nur der Glaubwürdigkeit halber sei das ergänzt. Das Foto wird durch diesen Fakt aber auch bloß nicht besser.]

Mon)tag – Sender (2005)

Keine leichte Aufgabe, die Mon)tag in den letzten Monaten zu meistern hatten: da war ihr sensationelles Debütalbum aus dem Jahr 2003, ein Popalbum, in seiner Verträumtheit, seinem liebenswerten Pathos und mit seinen Killerarrangements geradezu einzigartig und uneinholbar gut. Diese unverschämt einleuchtende und dennoch ungewohnte, neuartige Melange aus britisch anmutendem Gitarrenpop, poetischen Texten und Selbstbewußtsein, die den Hörer atem- und sprachlos zurückließ. Nachdem sich die Band also selbst die Meßlatte unglaublich hoch gesetzt hatte, war es nun Zeit für das Album Nummer zwei. Auf „Gefallen“ folgt nun „Sender“.

„Sender“ ist anders und dann auch wieder nicht. Ohne Zweifel, die Platte ist lauter, direkter, aggressiver als „Gefallen“, statt verträumter Streicherintermezzi gibts hier fette Gitarren, wummernde Bässe und straighte, treibende Drums. Nach wie vor aber haben Mon)tag dieses unvergleichliche Gespür für, man erlaube den saloppen Jargon, geile Melodien und große Gesten. Schon der Opener „Für Bitte“ besticht durch seine originellen Harmonien und das ausufernde, den Atem kurz stocken lassende Arrangement. Ähnlich gehts weiter – „Wie der Tag bricht“ ist funky und enthält das coolste Querflötensolo in einem Rocksong seit 1992, „Du auch“ ist eine fast siebenminütige, mächtige Ballade, „Tut leid“ ein Rocker, wie man ihn sonst aus der Feder von Leuten wie Craig Ross oder Lenny Kravitz kennt, „Daniel“ ist – trotz reichlich kryptischem Text – forscher, fast schon rotziger Rock’n’Roll.

Überhaupt, die Texte – noch verschlüsselter, unzugänglicher und somit herausfordernder als auf „Gefallen“. Das könnte den einen oder anderen Hörer unter Umständen vor den Kopf stoßen… Mir gefällt’s, laden doch gerade Texte, die nicht ad hoc dekodierbar sind, zu mehrfachem und intensivem Hören ein. Erstaunlich ist, dass diese kunstvollen, bisweilen recht verschwurbelten (gibt es dieses Wort überhaupt?) Lyrics so gut zur unmittelbaren, klaren Musik passen – Kompliment. Und doch hält „Sender“ aber auch fast schon schlagereske Gutelaunenummern wie „Ich Du Er Sie Es“ oder geradeaus rockende Tracks wie „Wir geben nicht auf“ parat, von einem verkopften Diskursalbum kann also gottlob auch nicht die Rede sein.

Mit „Sender“ demonstrieren Mon)tag jetzt auf Platte, was man schon bei ihren Liveshows erleben konnte: diese Band ist einfach mehr Rock’nRoll, als „Gefallen“ erahnen ließ. Diese Band spannt einen hierzulande momentan einzigartigen Bogen: Melancholie, bittersüße Paranoia, vehemente, fordernde Gitarren und hier und da ein verschmitztes, wissendes Lächeln; treibende Grooves einerseits, Stillstand, Verweilen im Moment auf der anderen Seite. „Sender“ ist rundum gelungen und hat das Zeug dazu, Dich zu verzaubern. Wenn Du Dich darauf einläßt – denn eines ist dieses Album sicher nicht: leichte Kost.

music-map.de: Eigenartiges Experiment…

Okay, dass Menschen, die gerne, sagen wir mal, Sinéad O’Connor hören, potentiell auch was mit den Eurythmics, Conjure One, R.E.M. und Elvis Costello anfangen können, leuchtet mir ein. Aber wie kommen die drauf, dass Lenny Kravitz-Hörer recht unmittelbar auch auf Techno und Pat Benatar stehen? Und wieso tauchen Matchbox 20 einfach überall (so kommts mir zumindest vor) auf? Komisches, zugleich aber reizvolles Spielzeug, diese Music Map.

(via: Musik und so)