Ben Folds – Songs For Silverman (2005)



Seit einer knappen Woche läuft sie bei mir rauf und runter, die neue CD von Ben Folds. Die Songs For Silverman sind derart mächtig, dass ich mich jetzt fast sechs Tage um eine Erwähnung hier im Weblog gedrückt habe. Da ich immer noch um Fassung ringe, gibts hier und heute ganz einfach mal nur ein paar ungeordnete Gedanken, die mir beim erneuten Hören (ein gutes Dutzend Mal dürfte ich sie inzwischen durchhaben) in den Sinn gekommen sind.

– Ertappt. („Why you gotta act like you know when you don’t know?“)
– Dieser Mann ist ganz eindeutig verrückt. (Das Klaviersolo bei „You To Thank“)
– „Landed“ ist der heftigste und gleichzeitig schönste Ohrwurm seit langem. (Einmal gehört, einen Tag lang vor mich hin gesungen)
– Geil, dass Ben endlich wieder mit Band musiziert. (Der Herr am Schlagzeug rockt)
– Wieviel Anstrengung und Mühe bedarf es, um derart leicht und gelöst zu klingen?
– Diese „deluxe edition“, ein buchähnliches Etwas mit tollen Schwarzweißfotos, ist die mit Abstand hübscheste CD-Hülle in diesem Haushalt.
– Nochmal „Landed“. Muss sein. Jetzt. („Come pick me up. I’ve landed“)
– Scheiße, ja. Mir fehlt Elliott Smith auch. Sehr sogar. („Late“)
– „Gracie“ klingt in seiner Kinderlied-Ästhetik mächtig nach Eels.
– Die Piano-Version von „Judy“ auf einer dieser EPs aus 2004 hat mir besser gefallen. (Aber das ist auch schon das einzige, was ich an diesem Album auszusetzen habe)
– 4. Juni. Berlin. Ben. (Endlich)
– Die Gänsehautstelle. („Curled in a ball like she’s hiding from meeee“)
– Aber who the fuck is eigentlich dieser Silverman?
– Warum hab ich die ganze Zeit das dämliche Bedürfnis, mich vor Ben Folds verneigen zu wollen? (Wir kennen uns doch gar nicht)
– Überhaupt, „Late“. (Was für eine herzliche, ehrliche, einfache und große Hommage)
– Schön, einfach schön.

Könnte noch ewig weitermachen. Diese Platte ist eine Sensation und gemeinsam mit Josh Rouses „Nashville“ das bislang beste, was mir in diesem Jahr zu Ohren gekommen ist.

It’s okay if you don’t know everything.

Mando Diao im laut.de-Interview

Die Leute von laut.de liefern derzeit ein lesenswertes Interview nach dem nächsten ab. Wer es noch nicht gelesen hat, sollte sich für ein paar Minuten dem Gespräch zwischen Vicky Butscher (laut.de), Gustaf Norén und Samuel Giers (beide Mando Diao) widmen. Kostprobe gefällig?

Woran habt ihr gemerkt, dass ihr professioneller geworden seid?

Gustaf spricht, obwohl er sich sehr jugendlich und cool gibt, sehr besonnen und mit tiefer, leiser aber bestimmter und dadurch extrem erwachsener Stimme, die auf der Aufzeichnung sehr besänftigend und gleichzeitig hoch-sexy klingt. Er hat den Schlafzimmer-Blick auch in der Stimme …: Es hat nur vier Wochen gedauert, bis das ganze Album fertig war. Das war sehr leicht und problemlos. Alles ist live aufgenommen. Das war ein Zeichen. Es war klar, das etwas passiert war. Wir sind Fans der Musik, also hat jeder in der Band die Demos sehr intensiv gehört. Wir haben nichts anderes mehr gehört, als unsere eigenen Demos. Wir kannten unsere Demo-Stücke irgendwann genau so gut wie klassische Beatles-Tracks. Das hilft, gute Songs zu finden.

Das ganze Interview findest Du hier.

Top 5 vom 29. April 2005

Okay, hier ist die Liste der fünf „Alben“, die ich mir auf meinen ersten mp3-Player (I know ich hab erst jetzt einen so f**king call me rückschrittlich) gezogen habe:

05 Ben Folds – Songs For Silverman (mehr zu diesem unfaßbar guten Album später!)
04 Eels – Blinking Lights & Other Revelations
03 Bright Eyes – Digital Ash In A Digital Urn
02 Sinéad O’Connor – Live @ Jammy Awards 2005
01 Josh Rouse – Nashville

Jammy Awards 2005

Ach, wie schön: die Jammys 2005, der „Grammy der Jambandszene“, sind Geschichte – Gov’t Mule wurde für das beste Album des Jahres geehrt, Sinéad O’Connor hatte ein furioses (wenn auch nicht unumstrittenes) Livecomeback während der Show im Madison Square Garden, John Mayer stahl allen die Show… Muss schön gewesen sein.

The penultimate segment was one of the evening’s best, with Medeski Martin & Wood and the Antibalas Horns backing O’Connor and Spear on four Spear tunes: „Door Peep,“ „Marcus Garvey,“ a chilling a cappella version of „Jah No Dead“ and „He Prayed.“

Die komplette Billboard-Kritik über die „Jammies“ gibts hier, der US-Rolling Stone hat natürlich auch was geschrieben und die New York Times ebenso. Viel Spaß beim Lesen…

UPDATE: Inzwischen berichtet auch jambands.com ausführlich über die Jammy Awards. Und zwar hier.

Jammy logo taken from the official Jammy Awards website.

Erinnerungen an Arnie…

Der Tod von Arnie Lawrence berührt viele in der New Yorker Musikerszene. Sein (nicht minder begabter und liebenswürdiger) Sohn Erik hat folgende e-Mail an Fans und Freunde seines Vaters veröffentlicht:

It is with great reverence that I share the news that my father, Arnie Lawrence, has passed from this earth Friday, April 22nd, 2005 near his home in Israel after a brief illness. A master saxophonist and legendary teacher, he put his heart and soul into his music, into teaching and gave a large piece of it to anyone who needed it. His accomplishments go far beyond what my meager mind can express on this or any day. His career spanned from sitting at the feet of Ben Webster to „rock and roll guru“ and honorary member of many bands, including Blues Traveler and Spin Doctors. He created the New School Jazz program, and an even further reaching program in Israel, bringing Jews and Arabs together through music. We are all his children and his message of love and creativity will continue to grow.

I remember Pops telling me that Ben Webster advised „You’re only as good as your rhythm section“ when he was 16 years old. I can’t tell you how many rhythm section players have told me they never played as well as they played with him.

Oddly, I heard the news of his passing just before entering a recording studio in Brooklyn, near where he was born. I was playing his old King alto, we were to play a traditional African funeral march. When I finally got myself together to walk into the studio there were two framed album covers on the wall, chosen because the engineer’s girlfriend liked the ’60’s style artwork. My father had played on both of them. I figured perhaps I was doing just what I was supposed to be doing.

Talk has begun for a memorial service in at St Peter’s Church in NYC on July 10th, his next birthay at 7pm and the establishment of a scholarship fund in his name. Please feel free to forward this email to any of his friends around the globe. (…)

May peace and music be with you always.
Erik Lawrence

Einen ganz hervorragenden Nachruf auf Arnie gibts bei bluestraveler.net, tolle Fotos wie das hier gezeigte gibts im Spin Doctors-Forum.

Außerdem organisiert Aaron Comess im Moment einen Arnie Lawrence Tribute Jam, der am kommenden Montag in der legendären Nightingale Bar in NYC stattfinden soll.

Photo by Paul LaRaia, taken from the official Spin Doctors website.

Howie Day goes gold…

Go Howie, go Howie:

STOP ALL THE WORLD NOW/ CERTIFIED GOLD!
A huge thanks to all the fans who picked up the record and made this possible!
[Quelle: Howie Day Newsletter]

Ja, es ist wirklich eine große Leistung, als „kleiner“ Songwriter nach anderthalb Jahren für das tolle Album SATWN Gold einzufahren. Herzlichen Glückwunsch, Howie. Und herzlichen Glückwunsch allen, die morgen Jay Lenos Show anzuschauen in der Lage sind.

Photo taken from the official Howie Day website.

NP: Eels – Blinking Lights And Other Revelations (2005)

Mark Oliver Everetts neueste Platte hat es in zweierlei Hinsicht in sich: zum einen ist sie ungewohnt umfangreich (gleich zwei CDs mit insgesamt 33 Stücken), zum anderen ist die Musik aber auch qualitativ ganz wunderbar ausgefallen. Der man called E und seine eels-Mitmusiker legen mit Blinking Lights And Other Revelations ein absolut gelungenes neues Album vor. Die Musikpresse ist ja im Moment des Lobes über diese Platte voll, und da ich mich all dem Geschriebenen zum größten Teil anschließen kann, mach ich’s heute einfach mal (verhältnismäßig) kurz:

Wer für rund 90 Minuten eintauchen möchte in den seltsamen Mikrokosmos des E, wer aus dem Nichts daherkommende Minisaxophonsoli ebenso goutiert wie herzzerreißende Songwriting-Kleinodien, wer ein kleines bißchen Spaß versteht und einen Funken Weltschmerz in sich trägt, wer auch frühere Eels-/E-Platten zu schätzen weiß und kein Problem damit hat, dass Mr. Everett inzwischen desöfteren auch mal sich selbst zitiert (musikalisch wie textlich), wer einfach mal wieder eine ganze Menge schöne Musik hören mag, dem sei der Kauf von „Blinking Lights…“ wärmstens empfohlen.

I go to bed early / Everybody thinks it’s strange / I get up early in the morning / no matter how disappointed I was / with the day before / it feels new… (Eels – Things The Grandchildren Should Know)

Abschlußkonzert des Leipziger "a cappella"-Festivals 2005

Gern denke ich an den gestrigen Abend und das Abschlußkonzert des diesjährigen a cappella-Festivals in Leipzig zurück. Das war ein wirklich schöner und abwechslungsreicher Abend im Gewandhaus. Hier ein paar Gedanken zu den einzelnen Künstlern:

Das gastgebende ensemble amarcord war einmal mehr souverän und unterhaltsam und hat dem Abend bereits den jazzig-melancholischen Grundton vorweggenommen. Eine bessere Eröffnung wäre kaum denkbar gewesen, die fünf Leipziger gaben dem Publikum einen (leider viel zu kurzen) Einblick in ihre mich immer wieder ob ihrer Vielfältigkeit verblüffende musikalische Welt.

Not exactly my cup of tea war die Musik von Orlando Consort – ganz ohne Zweifel waren hier große Künstler am Werk, die hier u.a. Musik aus dem mittelalterlichen England präsentierten. Aber der Funke wollte (wenigstens bei mir) nicht so recht überspringen.

Wirklich überrascht war ich von Viva Voce, dem Nachwuchsensemble des Festivals. Fünf fesche Franken, die als „a cappella-Boyband“ durch die Lande ziehen. Mal abgesehen von diesen albernen New Kids On The Block-Pluderhosen und den überflüssigen Tanzeinlagen haben die Herrschaften mal eben ganz souverän das Gewandhaus gerockt und das Publikum hörbar begeistert – mit Rock’n’Roll und Robbie Williams. Nicht schlecht, aber noch lange nicht der Höhepunkt des Konzertes.

Der, nein, die Höhepunkte folgten nach der Pause: da war zum einen das bulgarische EVA Quartett, das mit atemberaubenden (dieses Wort ist mehr als angebracht) Stimmen das Gewandhaus füllte. Diese bulgarische Folklore ist irgendwie fremd, irgendwie anders und dennoch von einer Herzlichkeit und Wärme, dass es mir einfach die Sprache verschlagen hat.

Ganz ähnlich gings mir gleich darauf bei den Hallenser Stouxingers. Wenngleich nach dem Konzert von meinen Freunden und mir kontrovers diskutiert, waren sie für mich doch die Helden des Abends – mutige, selbstbewußte und eigenständige a cappella-Musik irgendwo im Grenzbereich zwischen Jazz, R’n’B und Funk. Großartig.

Bevor alle Künstler sichtlich gelöst und zu Recht glücklich mit stehenden Ovationen bedacht wurden, setzten Camerata aus Weißrußland einen würdigen Schlußpunkt: während die eigenen Kompositionen einen mystisch-geheimnisumwobenen Charakter tragen, reißen die technisch perfekt dargebotenen Coverversionen (They can’t take that away from me…) das Publikum mit und hinterlassen es zufrieden und begeistert.

Danke an die Herrschaften von amarcord & allen, die in der „Bandfamilie“ dazugehören und mithelfen, für ein weiteres feines Festival und ein äußerst kurzweiliges Abschlußkonzert. Ich freu‘ mich schon heute auf die siebente Auflage des Festivals im Frühjahr 2006.