
Ja, dieser Typ weiß, was er tut. Er hat ein Gespür für eingängige Melodien, schreibt schräge Texte und singt wie ein alternder Jazz-Bar-Entertainer auf Speed, was irgendwie Spaß macht. Ja, seine spröde Art ist auf gewisse Weise charmant, die Arrangements seiner Songs auf dem neuen Album „Gemstones“ sind clever und seinem Wurlitzer- und Orgelspieler Nathan Brown gebührt für seine Leistung eine besondere Anerkennung.
Mister Adam Green macht in jeder Hinsicht kurzweilige, amüsante Musik. Seine Songs heißen „Crackhouse Blues“, „Bible Club“ oder „Choke On A Cock“, und der Adam darf das. Er hat es geschafft, sich mit seinen kruden Liedern und seinem unbestreitbaren Talent vom Antifolk-Weirdo zum Antisuperstar-Superstar zu entwickeln. Er ist ein Phänomen, ein interessantes und spannendes obendrein. Und er macht hoffentlich noch lange, lange so seltsam schöne Musik.
Und jetzt fahren alle bitte mal einen Gang runter. Meine Güte, der derzeitige Hype um Adam Green hier in Deutschland nervt ganz schön – kaum ein Magazin, das sich derzeit nicht mit dem New Yorker Künstler beschäftigt, und nur ganz wenige, die Adam Green nicht in den Himmel schreiben. Beim besten Willen: das hier ist weder der „neue Bob Dylan“, noch der „neue Frank Sinatra“. Das ist ein junger, leicht verpeilter Sänger aus den USA, der auf ganz seltsame Weise besonders in Deutschland mächtig gut ankommt und – siehe oben – in der Tat gute Musik macht. Aber lasst dem Jungen doch bitte die Luft zum Atmen und hört auf, ihn auf einen Thron zu setzen, den er womöglich gar nicht besteigen will.
So nett „Gemstones“ ist, so unbezahlbar gut (und besser als sein Nachfolger) „Friends Of Mine“ bleibt: wenn man so die Interviews mit und Rezensionen über Adam Green in den deutschen Medien liest, überkommt einen das Gefühl, dass der Knabe langsam, aber sicher die Bodenhaftung verliert und selbst seine wirrsten und belanglosesten Bemerkungen zu kultigen und unglaublich intelligenten Statements hochgeschrieben werden. Und dass das musikhörende Feuilleton überglücklich ist, endlich einen neuen alternativen Konsens-Helden gefunden zu haben.
Dabei ist das alles doch nicht nötig. Adam Greens Ichpeilnixundbinjasooanders-Gehabe fängt allmählich an zu nerven und das aktuelle Dauergejubele der Presse schmeckt künstlich. Hoffentlich geht bei all dem nicht das Eigentliche unter: dass sich hier ein wirklich eigenwilliges und eigenständiges Talent freischwimmt und – nicht mehr aber beileibe auch nicht weniger – gute Musik macht.
Aktuelle Adam Green-Artikel gibts u.a. hier, hier, hier und auch hier.