
Diesen sehr interessanten Artikel kannst Du derzeit auf tagesschau.de lesen. Sarah Strohschein schreibt über den neuen Trend in der deutschen Popmusik, immer öfter positiv, oder zumindest ein wenig naiv in deutschen Popsongs über die Themen Heimat, Vaterland, Nation zu schreiben und zu singen.
Beispiele sind die jüngste Kooperation von Paul van Dyk und Heppner und der Song „Was es ist“ von Mia. So singen Mia: „Ein Schluck vom schwarzen Kaffe macht mich wach, dein roter Mund berührt mich sacht, in diesem Augenblick es klickt, geht die gelbe Sonne auf. (…) Fragt man mich jetzt woher ich komme, tu ich mir nicht mehr selber leid, ich riskier was für die Liebe, ich fühle mich bereit.“ Um das unsägliche Lied von Heppner und van Dyk kommt man ja derzeit im Radio und im Fernsehen nicht drumrum: „Wir sind wir, wir stehn hier…“
Ebenfalls in der Diskussion (an anderer Stelle) sind auch Lieder der Band Virginia Jetzt!, Songs von Rammstein sind es ja seit eh und je.
Die Debatte darum, wieviel Heimat- und/oder Vaterlandstolz in Popsongs erlaubt sein darf, scheint in diesen Tagen aber zu einem Thema für die Feuilletons zu mutieren. Zu Recht. Allerdings bleibt zu hoffen, dass in dieser zu erwartenden Debatte auch wirklich der erste Schritt vor den zweiten gesetzt wird. Die spannende Frage ist ja nicht, ob man „das“ darf oder sollte, sondern aus welchen Motiven heraus „das“ geschieht.
Was treibt Berliner Independent-Bands, Hochglanztechnoproduzenten, EBM-Heroen oder Popacts dazu, so scheinbar unreflektiert, in jedem Falle aber unverkrampft über die in Deutschland zweifellos heiklen Themen Heimat und Nationalgefühl zu singen? Da hat sicher jeder Künstler seine eigene Antwort, für die einen dürfte es unter die Kategorie „Sooo hab ich das doch gar nicht gemeint“ fallen (und das, davon gehe ich mal aus, ist dann wohl auch die Wahrheit). Andere, auch da schwinden inzwischen meine Zweifel, betreiben diese Deutschtümelei garantiert ganz gezielt und aus Kalkül: Rechte Deppen haben schließlich auch ein Recht auf Popmusik, und wenn die jetzt womöglich raffen, dass sogar radiokompatible Musiker leichtfüßiger denn je mit solchen Dingen wie Heimat und Vaterlandsstolz umgehen, dann kaufen die unter Umständen auch unsere Platten…
Das ist jetzt sehr vereinfacht ausgedrückt, und ohne Frage sind die Zusammenhänge komplexer, die Motive vielfältiger und die möglichen Interpretationen zahlreicher. Besorgniserregend ist der Trend zum heimeligen Deutschtum in der Popmusik allemal. Andererseits finden sich auch in anderen Genres, gerade auch im Schlager- und volkstümliche Musik-Sektor, schon seit Unzeiten Beispiele, die in dieselbe Kerbe hauen. Letztenendes läufts wohl auf eine ganz grundsätzliche Debatte zu dem Themenkomplex hinaus, die uns da in den nächsten Tagen ereilt.
Im besten Fall. Im schlechtesten Fall tritt das ein, was man bislang nur unterstellen und befürchten kann: dass der dumpfe, braune Beigeschmack tatsächlich gewollt, genau so gemeint und leider erst der Anfang ist.
Ganz bestimmt ist die Musik einer Band wie Blumfeld nicht jedermanns Sache (meine schonmal nicht). Aber sollte sich aber der Verdacht bestätigen, und es sich hier nicht um Mißverständnisse und Fehlinterpretationen handeln, dann kann ich dem Statement, das die Band zu genau diesem Thema veröffentlicht hat, nur aus vollem Herzen beipflichten.
Hier ein Auszug:
„Wie aus unserem Schaffen und Verhalten klar erkennbar sein sollte, haben wir es stets abgelehnt, uns in die heimatduselige Front all derer einzureihen, die es für angebracht halten, sich in ihrem Denken, Fühlen, Singen und Handeln positiv auf Deutschland ( als Kulturnation und Heimat ) zu beziehen. Wer (…) mit geschichtsrevisionistischen „Wir sind wir“-Parolen zur „Normalität“ eines positiven deutschen Selbstverständnisses zurückkehren will, (…) wer sich – warum auch immer – etwas davon verspricht einer deutschtümelnden Öffentlichkeit den kleinen Finger oder mehr zu reichen, der oder die ist entweder tatsächlich stolz auf sein Land, darauf ein Deutscher zu sein ( warum? wozu? ), vielleicht auch nur etwas zu ( pseudo- ) naiv und unreflektiert oder aber eben so erfolgsversessen, dass er oder sie es billigend in Kauf nimmt, die in deutschem Namen begangenen Verbrechen und ( Un- ) Taten der Vergangenheit und Gegenwart zu ignorieren und vergessen zu machen, um seine Zielgruppe zu erreichen. (…) dem sei mit dieser Mitteilung noch mal ausdrücklich erklärt, dass wir für derartigen Populismus und Vaterlandsliebe jedweder Art nach wie vor nicht zur Verfügung stehen.“





