Top 10 2006. Platz 6: Beirut – Gulag Orkestar

Kaum zu glauben, wie schnell eine Platte zu einem Vertrauten und Wegbegleiter werden kann, den man um keinen Preis mehr hergeben möchte: „Gulag Orkestar“ von Beirut ist so ein Vertrauter. Bis vor knapp zwei Monaten konnte ich mit dem Act Beirut nicht viel anfangen. Auf Anraten eines geschätzten Mitbloggers habe ich mir jedoch diese Platte zugelegt, und bin tatsächlich bis heute restlos begeistert von dem, was ich da höre.

Ein 20jähriger US-Amerikaner macht sich auf die Reise nach Europa, sammelt Klänge, Melodien und Atmosphären. Kommt nach Hause, nimmt besagte Klänge, Melodien und Atmosphären in einem Tonstudio so gut, wie er sich nur erinnerte und konnte, auf – und schafft damit eine wunderbare Platte, die ein seltsam starkes Wieder-und-wieder-hören-Bedürfnis schürt. Mandolinen treffen auf bräsige Bläser, weinselige Trommelschläge vermischen sich mit sehnsüchtig-flehendem Gesang. „Gulag Orkestar“ ist ein sich allen Kategorien entziehendes Meisterwerk, dass in seiner Fremdartigkeit und Einzigartigkeit eine Vertrautheit und Nähe schafft, die man nie und nimmer für möglich gehalten hätte.

Diese Platte ist eine Sensation, lieber Leser. Lassen Sie sich das auch von mir noch einmal sagen.

Top 10 2006. Platz 7: Mando Diao – Ode To Ocrasy

Album Nummer drei der schwedischen Band Mando Diao ist ein ganz großer Wurf geworden – die „Ode To Ocrasy“ hat sich tatsächlich zu einem der wichtigsten Alben des Jahres gemausert. Ja, diese Melodien klingen einfach lange nach und sind und bleiben gut. Jepp, die Produktion ist sauber und direkt, und eben nicht zu glatt geraten. Klar, diese etwas schnöselige Rockstar-Attitüde tut ihr übriges und macht aus Mando Diao halt mehr als als einfach nur eine gute Band, nämlich umjubelte und bekreischte Stars.

Aber da ist wohltuenderweise eben mehr als nur niedliche Outfits, markige Sprüche und Rock’n’Roll-Klischees. Da sind leidenschaftliche Lieder, ein fast schon beängstend sicheres Gespür für wirkungsvolle Harmonien, da ist Teamgeist – und da ist das dritte und bislang beste Album. Jetzt für immer: Mando Diao sind mehr als nur ein Hype, das haben sie in diesem Jahr eindrucksvoll bewiesen.

MoshAir 2006: Der Film zum Fest

Den Hinweis von Stefan in den Kommentaren geb ich gerne noch mal auf diesem Wege weiter – der Herr hat sich nämlich die Mühe gemacht und einen etwa 20-minütigen Film zum diesjährigen MoshAir-Festival, bei dem ich als Act dabeisein durfte, zusammengestellt. Und natürlich enthält dieser ansonsten recht gelungene Film auch ein paar Sequenzen mit mir (siehe unten). Das volle Vergnügen (inklusive Performances von The Audience, x ist y?, unterhaltsamem Aufbau-Footage und einer Schlußsequenz, bei der mein angetüdeltes Ich auch noch mal mitspielt) gibts auf der MoshAir-Seite. Viel Spaß, allerseits.

MoshAir 2006 – Teil 2: Genscher, Daniel Heinze, The Opium Theatre und Slap

Am Samstag: Rock-Invasion in Werdau – mit 5erBob & mir

Alle Jahre wieder… steigt einen Abend vor Heiligabend im Werdauer Club Fabrix ein Rockkonzert – und ich freue mich, dieses Jahr mal wieder mitmischen zu dürfen: ab 20 Uhr gibts im Fabrix (Achtung, der Club ist umgezogen – alles neuer, schöner, besser) ein Konzert von 5erBob (Website grade ein wenig überlastet) und mir, Daniel Heinze (Website sollte funktionieren).

Nach einem auftrittsreichen Herbst als Duo (2zueins!) muß ich ausnahmsweise mal wieder solo ran und freue mich schon sehr auf die Gelegenheit, sowohl ein paar gaaanz alte Kamellen zu spielen als auch ein paar ganz neue Sachen auszuprobieren und kann eigentlich nur jedem raten, seinen nächsten Samstagabend mit 5erBob und mir zu verbringen – kost‘ auch nur 4 Euro und wird sicher schön.

Top 10 2006. Platz 8: Dendemann – Die Pfütze des Eisbergs

Peinlicher Pubertär-Humor? Fehlanzeige. Sinnfrei-debiles Gängstah-Getue? Bullshit. Olipetzokateske Hausfrauen-Raps? Bäh. Zu HipHop habe ich ein eigentümliches Verhältnis, es gibt da viel, was ich ziemlich gut finde, noch viel leichter fällt es mir aber zu beschreiben, was ich in Sachen HipHop so richtig grottenschlecht finde – besonders, wenn’s aus Deutschland kommt.

Wie erfreulich, dem jetzt mal wieder etwas entgegensetzen zu können. Denn das hier, das finde ich grandios und möchte es lautstark preisen und empfehlen: „Die Pfütze des Eisbergs“, das Solo-Debüt des bereits zu Eins, Zwo-Zeiten bemerkenswerten Rappers Dendemann ist richtig gut. Tracks wie „Endlich Nichtschwimmer“, „Das Erste Mal“ oder auch der bemerkenswerte Schlußtrack „Dende 74“ sind unterhaltsam, geistreich, tanzbar, witzig, authentisch – und so entspannt dargeboten, als wäre es das leichteste der Welt, derartig präzise Reime und Beats abzuliefern. Bemerkenswert, das alles.

2006 war mit Blick auf CD-Veröffentlichungen deutschsprachiger Künstler und Bands, allerhöchstens mittelmäßig – kaum etwas, das mich da vom Hocker gerissen hat. Die Dendemann-Platte ist dabei nicht etwa „der Einäugige unter den Blinden“, sondern tatsächlich mit Abstand das originellste, souveränste und zugleich überraschendste, was auf Deutsch 2006 an meine Ohren gedrungen ist.

Top 10 2006. Platz 9: Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That's What I'm Not

Was für ein Drängen, was für eine Unruhe. Bereits sehr früh im Jahr kam diese britische Urgewalt auf uns zu – das Debütalbum der Arctic Monkeys war ein so noch nie dagewesener Hype, veranstaltet in seltenem Einklang von Fans, Bloggern, Plattenfirmen und Kritikern. Aber Himmel, ja – „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ ist einfach mal eine tolle Platte.

Und so taucht sie freilich auch zu Recht in mindestens jeder zweiten 2006er-Bestenliste auf, die man so liest. „I Bet You Look Good On The Dancefloor“, „When The Sun Goes Down“ und auch „Fake Tales Of San Francisco“ haben durchaus das Zeug, in ein paar Jahren mal als Klassiker zu gelten. Bis dahin erfreue ich mich einfach an dieser lebendigen, explosiven Platte, ohne nach Kategorien oder Umschreibungen zu suchen. Und ich wünsche mir, dass mir besonders auch an dieses Album quasi als Soundtrack in den Sinn kommen möge, wenn ich dereinst als alter Mann mal versuchen sollte, mich an die großen und kleinen Unsicherheiten, Wirren und Herausforderungen in meinem Jahr 2006 zu erinnern…

Top 10 2006. Platz 10: Josh Rouse – Subtitulo

Das muss man erst mal schaffen: der unumstrittene Sieger meiner Vorjahres-Lieblingsalben-Liste hat es auch diesmal wieder in diese illustre Runde geschafft. Zwar besitzt Josh Rouses „Subtitulo“ ein paar Monate nach Veröffentlichung nicht ganz jene zauberhafte Langzeitwirkung wie der Vorgänger „Nashville“, toll ist das, was Josh da abgeliefert hat, aber allemal.

Diese subtile Frechheit, die sich da in die kleinen, zarten Songs mischt. Dieses ungewohnte südeuropäische Flair, das gänzlich ohne Plattitüden daherkommt. Die Geschichten, diese leicht brüchige Stimme – ach doch, hier passt alles. Nicht ganz so ein Volltreffer wie „Nashville“, aber in jedem Fall eine gelungene und würdevolle Fortsetzung. Stücke wie „Quiet Town“, „His Majesty Rides“ und „Wonderful“ haben sich zeitig im Jahr im Ohr festgesetzt und sind seither dauerhafte und willkommene Begleiter.

Das Beste 2006: Die dunkelblau Weblog Top 10!

Ach wie schön: endlich, endlich wieder Lieblingslistenzeit! Auch in diesem Jahr war es nicht gerade leicht, sich auf zehn Platten festzulegen, die mich in den letzten Monaten geprägt, gestärkt, begleitet und vor allen Dingen begeistert haben. Habe lange mit mir gerungen, jetzt stehen sie aber unumstößlich fest, meine Top 10 2006. In den kommenden Tagen vervollständigt sich die Liste immer ein wenig mehr – und los gehts natürlich noch heute Abend.

Gib mir Musik: Sinéad O'Connor – Zwei neue Songs

So, nun sind sie endlich da, die beiden neuen Sinéad O’Connor-Songs aus dem im April erscheinenden Album „Theology“. Viel Spaß:

Sinéad O’Connor – If You Had A Vineyard
Sinéad O’Connor – Jeremiah (Something Beautiful)

Beide Tracks wurden heute offiziell als Gratis-Downloads bzw. als Geschenk-CD in Irland (Cover siehe oben) durch das Label RubyWorks veröffentlicht.

Sinéad lässt zwei Songs springen

Sinéad O’Connor, die am 8. Dezember ihren 40. Geburtstag feierte und derzeit hochschwanger ist, haut zwei Songs ihres neuen Albums „Theology“ für lau raus – ab Freitag (15.12.) wird es die beiden Songs „If You Had A Vineyard“ und „Jeremiah (Something Beautiful)“ auf ihrer neuen Seite, via eMusic und MySpace zum Gratisdownload geben, zusätzlich wurden jetzt Videos von Liveperformances der beiden Stücke angekündigt.

Mit den vorweihnachtlichen Geschenken will die Sängerin ihrem Publikum die Wartezeit bis zur regulären Veröffentlichung von „Theology“ (voraussichtlich April 2007 auf Rubyworks) verkürzen. In Irland werden die beiden Songs auf einer Digipak-CD in einschlägigen Plattenläden zu haben sein, ebenfalls kostenlos.

„Theology“ wird von Fans und Kritikern sehnslichst erwartet, wird es doch das erste frische selbst geschriebene und -komponierte Material der Sängerin seit dem 2000er Album „Faith And Courage“ enthalten. Zwar war O’Connor seither alles andere als untätig, eigene Songs waren in den letzten Jahren jedoch immer rar gesät. Die neue CD erscheint quasi doppelt: sie wird als Doppel-CD mit einer „ruhigen“ Akustik-Version (produziert von Steve Cooney) und einer „lauten“, von Ron Thom (u.a. Sugarbabes) produzierten Disc veröffentlicht.

Auf „Theology“ widmet sich die Irin maßgeblich biblischen Stoffen. Über die beiden Vorabsongs verriet sie dem Musikmagazin Hotpress:

„‚If You Had A Vineyard‘ is a protest song I guess, Sinead explains. But it’s more of an anti war song. I have always been fascinated with how the books of the prophets relate to things nowadays even though they were written hundreds or thousands of years ago. I read Isaiah and took the lines from it that I liked and adapted them so they rhymed. My desire was not to use anything that perpetuated the myth of a God character being angry and aggressive. I suppose I observe a lot of violence done in the name of theologies of various religions, but when you study the actual texts of those religions you find that they don’t back up anyone who might use them to justify war or violence or anything really which is unloving of people.“

Klingt alles sperriger als es ist – das, was man auf Konzertmitschnitten bislang hören konnte, verspricht große Songs in typisch minimalistischer O’Connor-Manier, besonder „Vineyard“ hats mir bereits sehr angetan. Bin sehr auf die Studioversion gespannt.