G. Love – Lemonade (2006)

Garrett Dutton. Er ist und bleibt – mit Verlaub – eine geile Sau. Seit mehr als einem Jahrzehnt versüßt uns dieser stets auf einfacher Arbeiter im Weinberg des Rock’n’Roll machende Superstar das Leben mit abwechslungsreichen, schwer in jedwede Kategorie pressbaren Alben. Als G. Love zieht er durch die Lande, und Lemonade ist das zweite Album auf Brushfire Records, dem Label von Jack Johnson.

Klar, dass der natürlich auf „Lemonade“ mit von der Partie ist. Aber nicht nur der olle tolle Ex-Surfer, sondern auch HipHop-Größen wie Jasper und Blackalicious, US-Alternative-Darlings wie Ben Harper und Marc Broussard und Pop-Chanteuse Tristan Prettyman schauen im Studio vorbei, um mit dem guten Garrett rumzujammen.

Rumjammen – das ist überhaupt DAS Stichwort bei dem Knilch. G. Love schafft es einmal mehr, ein entspanntes, sommerliches Album voller cooler Jams, kleiner Einfälle und einprägsamer Licks zu bauen. Wieder einmal beweist er, dass er einer der wenigen ist, die den Drahtseilakt, HipHop, Blues, Rock, Funk und Soul miteinander elegant und stimmig zu verbinden, perfekt beherrschen. Nein, der „große Wurf“, die Hookline für die Ewigkeit, der meisterliche Über-Song – all das wird man auch auf dem gefühlt dreiundachtzigsten Release von G. Love nicht finden. Braucht’s auch nicht – das Album ist der Star, die ganze Chose ist amtlich, rund, funky, sexy, insert your Lieblingsadverb here.

Absolute Höhepunkte dieser schönen Platte: das ob seiner unerwarteten musikalischen Dramaturgie etwas aus dem Rahmen fallende „Let The Music Play“, einer Art Gipfeltreffen zwischen G. Love, dem Mustereleven Marc Broussard und dem ewigen Ben Harper sowie das wunderbare Duett mit Frau Prettyman namens „Beautiful“.

Danke, G. Love. Für die wohl bekömmlichste Limonade des Sommers 2006. (8/10)

Mon)tag: Herbsttournee und jede Menge Gratis-mp3s!

Erfreulich viel los ist derzeit im Hause Mon)tag. Die beste Nachricht zuerst: die geilste Band des Landes geht auf ausgiebige Herbst-Tournee:

21.09.06 Hamburg – Mandarin Kasino
02.10.06 Bonn – Mausefalle
03.10.06 Düsseldorf – Pretty Vacant
04.10.06 Frankfurt – Das Bett
05.10.06 Konstanz – Klimperkasten
06.10.06 Köln – Blue Shell ( + Justin Balk)
30.10.06 Augsburg – Kerosin
31.10.06 Nürnberg – Klüpfel
02.11.06 Neu Ulm – Cafe D’art
03.11.06 A-Feldkirch – Graf Hugo
04.11.06 Wiesbaden – Kulturpalast
06.11.06 Kiel – Nachtcafe ( + Syd Berliner)
07.11.06 Hamburg – Kulturhaus 73 ( + Syd Berliner)
08.11.06 Emden – Cafe Grusewsky ( + Syd Berliner)
09.11.06 Vechta – Gulf Haus ( + Syd Berliner)
10.11.06 Uelzen – Cafe Mephisto ( + Syd Berliner)
11.11.06 Dortmund – Bakuda ( + Syd Berliner)

(Quelle: tapete Homepage)

Mal abgesehen davon, dass sie Ecken wie Brandenburg oder Sachsen völlig ignorieren (ach was, den ganzen Osten…), ist das doch wirklich schön. Außerdem zeigen sich die Herrschaften auch noch sehr spendabel und verschenken sechs mp3s mit tollen Songs aus ihren beiden Alben! Einfach mal auf load.montag-musik.de gehen – dort gibt’s nach kostenloser und unverbindlicher Anmeldung den geradezu perfekten Mon)tag-Kennenlern-Sampler für umsonst:

Für Bitte – Wofür – Super Relaxt – Ich Du Er Sie Es – Warum sind wir so laut – Wie der Tag bricht

Durch die Bank Songs, die zu meinen Lieblings-Mon)tag-Liedern zählen. Den recht raren Song „Winter“ kann man auch noch abgrasen – diesen bislang nur auf einer EP veröffentlichten Titel verschleudert die Band als Bonus obendrauf. Also, hier klicken und sich selbst ne Freude machen. Grandiose Musik, für die ich meinem Weblog sehr gerne Werbung mache.

Und last but not least bitten die Herren Mon)tag ihre Fans um einen Gefallen: das Hamburger Abendblatt kompiliert zur Zeit eine CD mit guten Bands aus der Hansestadt und läßt seine Online-Leser mitbestimmen. Wer also der Band seine Stimme geben möchte, kann das tun, nachdem er hier geklickt hat.

Öfter mal was Neues: dunkelblaue Buchtipps…

Hier ein paar Tipps, falls Euch gerade der Lesestoff ausgegangen ist – das sind ein paar der Bücher, die ich in den vergangenen Monaten gelesen habe und guten Gewissens zur Lektüre empfehle. Einfach mal selber googlen, bestellen und lesen… Kommentare, Meinungen etc. zu den einzelnen, hiermit ausdrücklich ans Herz gelegten Büchern sind absolut Willkommen!

Neil Gaiman – American Gods (Harpertorch, New York, 2001):
Fantasyhorrorhumorthrillerroman. Die perfekte Urlaubslektüre.

Roger Willemsen – Gute Tage (S. Fischer, Frankfurt/Main, 2004):
Roger berichtet ganz unverschwurbelt über Begegnungen mit Menschen wie Timothy Leary, Sinéad O’Connor, dem Dalai Lama oder auch Tina Turner. Anrührend, witzig und immer messerscharf und beneidenswert ideenreich geschrieben.

Stephen Clark – A Year In The Merde (Black Swan Books, London, 2005):
Episoden-Roman – britischer Geschäftsmann verbringt ein Jahr in Frankreich. Brüllend komisch, wurde mir unlängst von so einigen Briten (zu Recht) als unsagbar lustiges Buch empfohlen. Was habe ich gelacht – sehr zum Leidwesen einiger Mitreisenden im Zug…

Jonathan Safran Foer – Extrem laut und unglaublich nah (Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2005):
Zweiter „großer“ Roman von Foer, hat mir persönlich besser gefallen als der Vorgänger. Kleiner Junge, der durchs Post-9-11-New York läuft und nach Antworten sucht. Blechtrommel meets CNN und MTV, irgendwie. Spannende Sache, das.

Caspar Wintermans – Lord Alfred Douglas (Karl Blessing, München, 2001):
Erst der engste Vertraute Oscar Wildes, dann dessen liebster Intimfeind. Hochinteressante Biographie des Mannes im Schatten von Oscar Wilde, mit zahlreichen Gedichten des Lord Alfred. Erstaunlich spannende Lektüre!

Paul Badde – Das göttliche Gesicht (Pattloch, München, 2006):
Hochdekorierter und angesehener Vatikanjournalist recherchiert romanreife Geschichte eines Seidentuchs, das das „wahre Antlitz Jesu“ beinhalten soll. Spannender als „Sakrileg“ und Co., weil wahr…

Benjamnin Lebert – Kannst Du (Kiepenheuer & Witsch, Köln, 2006):
Neuer Roman vom „Crazy“-Autor, kompakt, ehrlich, unverkrampft – besser als die Kritiken, die ich dazu gelesen habe. InterRail, Skandinavien, Schreibblockade, Psycho-Probleme. Serviert mit Witz und Scharfsinn. Gut!

Michel Houellebecq – Plattform (DuMont, Köln, 2002):
Zufallskauf. Sensationell. Erbarmungslos offene Schreibe, „kleine“ Geschichte, grandiose, „große“ Charakterzeichnungen. Hab’s verschlungen – aber nichts für zartbesaitete Gemüter, fürchte ich.

Mark Juergensmeyer – Terror im Namen Gottes (Herder, Freiburg im Breisgau, 2004):
Wirklich interessanter Aufsatz, der nach den Ursachen fundamentalistischen Terrors und den Einflüssen durch die Religionen bzw. durch religiöse Motive sucht. Wenn man’s kritisch liest, sehr aufschlußreich. Verblüffend, wie „veraltet“ manche Passage im Jahr 2006 bereits wirkt.

Peter Moore – No Shitting In The Toilet (Bantam Books, Sidney, 2002):
Der Anti-Reiseführer schlechthin. Stellenweise brüllend komisch – nette Nebenbei-Lektüre, besonders, wenn man (wie ich damals) nen Rucksackurlaub vor sich hat…

Kurz und klein: Neue Musik von Regina Spektor, Ivan Neville, G Love, Jason Mraz und Soulive


Eine ganze Menge CDs und Downloads haben sich in den letzten Wochen und Monaten hier bei mir angesammelt. Zu viele, um jeder einzelnen Veröffentlichung einen einzelnen ausführlichen EIntrag zuteil werden zu lassen, das schaff ich einfach nicht. Ohne Frage, das neue Meisterwerke von Chris Barron etwa, das wird hier demnächst ausführlich besprochen (wenn es denn endlich mal offiziell erscheint…). Und auch für die Neuigkeiten von Gov’t Mule, G Love und John Mayer möchte ich mir demnächst ganz viel Zeit lassen können. Aber hier einfach ein schneller Rundumschlag über Platten, die mich derzeit gerade bewegen, begeistern und/oder tanzen machen…

Regina Spektor – Begin To Hope (2006)
Verblüffende Platte der gebürtigen Russin mit der unverkennbaren Stimme. Deutlich farbenfroher arrangiert als das 2004er Album „Soviet Kitsch“. Melodien, die sich im Hirn festfräsen. Wie diese Frau gleich im Opener „It breaks my hehahahaheart“ singt, ist phänomenal. Und „Hotel Song“ ist schon jetzt einers meiner Lieblingslieder des Jahres. (8/10)

Soulive – Break Out (2005)
Die Band, die in den USA der Jambandszene zugeordnet wird, hat auf „Break Out“ einen deutlichen Schritt in Richtung Soul gewagt und das sichere und geschätze Funk-Terrain etwas verlassen. Außerdem gibts zahlreiche Gäste und etliche Gesangseinlagen, was für Soulive eher untypisch ist. Veränderungen jedoch, die sich absolut positiv auf das Ergebnis auswirken. „Break Out“ ist feinster, tanzbarer Soul mit vielen alten Bekannten: Ivan Neville schaut vorbei, der gute Robert Randolph hat auch mal im Studio „Hallo“ gesagt und selbst Chaka Khan ist mit von der Partie. Und genau so, wie man sich das nach solch einem Namedropping vorstellt, klingt diese Platte auch. Nämlich klasse. (8/10)

Ivan Neville’s Dumpstaphunk – Live At The 2005 New Orleans Jazz And Heritage Festival (2005)
G Love & Special Sauce – Live At The 2005 New Orleans Jazz And Heritage Festival (2005)
Nur ein paar Wochen, bevor in New Orleans die Hölle in Form von Katrina losging, gab es dort eine neue Ausgabe des legendären Jazzfestivals, und zahlreiche Aufnahmen dieses Fests gibt es in verschiedenen Plattformen (z.B. iTunes) als hervorragend abgemischte Livemitschnitte zu kaufen (nicht als CDs erhältlich). Und weil ich gerade über Soulive und Ivan schrieb, kam mir Nevilles Dumpstaphunk in den Sinn. Ivan Neville aus dem weltberühmten Nevilles-Clan (ein Sohn von einem der Nevillebrotherbrüder) hatte bis 1995 eine beachtliche Solokarriere, war dann für ein paar Jahre Mitglied der Spin Doctors, brachte vor drei oder vier Jahren sein bisheriges Meisterwerk „Saturday Morning Music“ raus und ist seit etwa dieser Zeit mit dieser Band hier unterwegs. Sen-sa-tio-nell. Du wirst tanzen, lachen, mitwippen, Dir noch ein Bier aus dem Kühlschrank holen und den Funk genießen. Denn der gute Ivan und seine Band wissen, wie der geht. Das pure Vergnügen, daher (10/10). Und ehrlich gemeinte (8/10) kriegt auch G Love für seine Jazzfest 2005-Performance. Gewohnt zappelig, gewohnt schräg und gewohnt clever. Genau die richtige Einstimmung, wenn man – wie ich – seit Tagen darauf wartet, dass der Postmann nun endlich mal das neue G. Love-Album vorbeibringt.

Jason Mraz – Geekin‘ Out Across The Galaxy EP (2006)
Nach dem aufwendig produzierten 2005er Album legte Jason Mraz unlängst diese EP nach und beweist damit einmal mehr, dass große, fette Studioalben von und mit ihm zwar toll und schön und supi und knorke und dufte sind, der Herr aber nicht zwangsläufig ein ganzes Orchester um sich herum benötigt, um einnehmende, intensive, berauschende Performances abzuliefern. Diese über iTunes erhältliche Sammlung enthält fünf Livesongs, darunter das rare „Galaxy“ sowie einen gelungenen Remix von „Geek In The Pink“. Mraz ist und bleibt ne coole Sau, und das hier ist der nächste Beweis. (7/10)

Gin Blossoms – Major Lodge Victory (2006)

Meine Fresse – vierzehn Jahre ist es her, dass die Gin Blossoms mit „New Miserable Experience“ ein Alternative-Country-Rock-Album der Sonderklasse ablieferten. „Hey Jealousy“ und Co sind zeitlose Klassiker, und bis heute ungebrochen gut. Ähnlich stark war das Nachfolgealbum vor zehn Jahren: „Congratulations I’m Sorry“ gehört bis heute zu meinen heimlichen Lieblingsalben ever. Danach – wurde es still um die Band, man löste sich auf, gründete ein paar Nebenprojekte. Und fand, wie auch die befreundeten Spin Doctors, im Jahr 2001 wieder zueinander. Die Blossoms touren seither unermüdlich, und jetzt endlich, endlich gibt es auch mal wieder neue Musik der Band.

Während es den Spin Doctors im vergangenen Jahr mit „Nice Talking To Me“ gelungen ist, den alten Sound und den bekannten Stil ins neue Jahrtausend zu katapultieren, klingt Major Lodge Victory exakt wie der Sommer, na, sagen wir mal, 1996. Was ja an sich nix Schlechtes ist – schöne Songs, clevere Melodien, alles wie immer. Selbst die Stimme des Sängers klingt so, als läge zwischen „Congratualitions“ und „Major“ nicht eine Dekade, sondern nur ein halber Monat. Ein wenig fehlen jedoch die Überraschungen, die Reibungspunkte, die unerwarteten Wendungen, die Leidenschaft der ersten beiden Platten.

„Major Lodge Victory“ ist kein Triumph, keine Neuerfindung des Rades und bisweilen etwas gleichförmig. Und dennoch ist es eine der schönsten Song-Sammlungen seit längerem. Schön, dass es diese Band noch (wieder) gibt. (7/10)

John Popper Project: Album im September

Jetzt ist es sicher: das Album des Projects, das sich jetzt offenbar nun doch John Popper Project with DJ Logic nennt und nicht, wie unlängst befürchtet, „John Popper Projic“, erscheint am 26. September 2006 auf dem US-Label Relix Records. Auf der Webseite des Labels gibt es drei Songs der Platte in guter Qualität zum Probehören: das schon länger im Netz kursierende „Everything“, das ganz wundervolle „All Good Children“ sowie „Trigger“. Bass, Turntables, Harp, Gesang und Drums – eine wilde Kombination, die absolut Spaß macht und hochgradig tanzbar ist. Ich freu‘ mich sehr auf die Platte. Die aufs Herzlichste anempfohlenen Hörproben finden sich hier.

Wieder da. Und mit Werbung.

So, nach einer wahrlich spannenden Reise durch England, Schottland, Nordirland und Irland bin ich zurück in Leipzig und werde diesem Weblog auch wieder etwas Leben einhauchen. Eine Sache ist „neu“: die Werbung ganz oben. Bis vor kurzem war ich zahlender Kunde bei blogg.de. Allerdings haben technischer Support, Spam-Schutz und Erreichbarkeit des Dienstes derart abgenommen, das ich bis auf weiteres nicht gewillt bin, dafür auch noch Geld abzudrücken. Ich hoffe, die geneigte Leserschaft sieht mir das nach und kommt trotzdem immer mal wieder hier vorbei.