Gib mir Musik: Maplewood – Daughters Of The Empire

Draußen vorm Fenster regnet es in Strömen, und das schon den wasweissichwievielten Tag hintereinander. Normalerweise bin ich ja kein allzu wetterfühliger Zeitgenosse, aber so langsam geht mir dieser Regen auf den Sack. Als ich heute mal wieder auf der Seite von Tapete Records rumstöberte, stieß ich aber auf ein Lied, das mich mit allem und jedem, sogar mit dem Wetter, für eine Weile versöhnt hat. Maplewoods „Daughters Of The Empire“ ist ein wunderbarer kleiner Song, melancholisch und sparsam instrumentiert. Das Goldstück (ein exklusiver Track übrigens) kann man sich auf dieser Seite runterladen – allerdings nur für kurze Zeit, also schnell!

Jason Mraz – Mr. A-Z (2005)

Jetzt ist mir endgültig völlig klar, warum Robbie Williams in den USA keinen Erfolg haben kann, auch wenn er hierzulande nach wie vor als Inbegriff eines Superstars gilt. Es ist so einfach: die Amis – brauchen ihn nicht, den Robbie. Denn sie haben Jason Mraz. Mit seinem zweiten Studioalbum Mr. A-Z katapultiert sich der wortgewaltige Sänger mit scheinbar traumwandlerischer Sicherheit in die Pop-Oberliga jenseits des Atlantiks.

Traumwandlerisch? Ist wohl nur die halbe Wahrheit. Nein, man hört „Mr. A-Z“ die harte Arbeit an, die dahinter gesteckt haben muss. Ein Dutzend neuer Songs, ein Dutzend bestechender Ideen, ein Dutzend Überraschungen – entstanden in einem etwa halbjährigen Songwriting- und Aufnahmeprozess. Sanft, geradezu verhalten beginnt die Platte mit dem programmatischen „Life Is Wonderful“. Danach zwei Damüssenwirnichdrüberdiskutierendassindbillboardtoptensongs, und alles was danach kommt, ist liebenswert, groß, bisweilen atemberaubend („Plane“ oder auch der 8-Minuten-Schlußtrack „Song For A Friend“). Und immer dieser glasklare, pointierte Gesang, manchmal beißender, aber immer origineller Wortwitz und musikalisch ein geschmackssicherer Ritt durch große Teile des Popmusik-Spektrums; vom „typischen“ Mraz-Folkpop-Song „Clockwatching“ über das schwüle, latinoeske „Bella Luna“ bis hin zu „Please Don’t Tell Her“, einer Nummer, die auch besagter Robbie Williams nur allzu gern in seinem Portfolio hätte.

Das Ganze ist warm, organisch und dennoch modern produziert – wofür maßgeblich Produzent Steve Lillywhite verantwortlich ist, der in der Vergangenheit schon Acts wie U2 oder Dave Matthews Band auf der Suche nach deren signature sounds erfolgreich unterstützte. Das Ergebnis ist eine Platte, wie sie mehr Pop kaum sein könnte bzw. dürfte, Worte wie makellos und perfekt kommen mir in den Sinn (gemeint sind aber ausschließlich die positiven Konnotationen dieser Begriffe). Die schicke DualDisc-Version setzt dem ohnehin feinen Album dann aber noch die Krone auf – die DVD-Seite der Disc besticht durch ein sympathisches „Making Of“ und einige Extras. Und überhaupt ist diese spätpubertäre Schulschreibblock-Optik der CD herrlich detailverliebt, witzig und irgendwie vertraut.

Was gibt es sonst noch zu sagen über „Mr. A-Z“? Vielleicht, dass die tolle Rachel Yamagata (man beachte bitte ihr erstklassiges 2004er Album „Happenstance“) Jasons Duettpartnerin bei „Did You Get My Message“ ist. Vielleicht, dass „Geek In The Pink“ ein schräger, funky Popsong ist, dem ich ein ähnliches Schicksal vorhersage wie vor anderthalb Jahren Maroon 5s „This Love“. Vielleicht, dass diese Platte einfach mal cool ist und „Plane“ bis jetzt noch jede(n) zum Heulen gebracht hat.

Und jetzt nehme ich leise und ein wenig melancholisch Abschied. Von der seltsam schönen Illusion, Jason Mraz würde auf immer und ewig einer von diesen Geheimtipps bleiben, die man seinen Freunden vorspielt mit den geradezu verschwörerisch anmutenden Worten: „Das ist Jason Mrrraz, kennste sicher noch nicht.“ Jede Wette: das ist vorbei. Mr. A-Z wird zum Superstar, seine Robbiewilliamsisierung (Jackjohnsonisierung triffts fast besser) ist unabwendbar, und ich gönne es ihm von Herzen. Yep. Mraz will talk and Hollywood will listen.

Gemischtwaren-Blogeintrag

Eine ganze Menge ist in den letzten Tagen passiert, daher wird das heute eine Art „Liebes Tagebuch“-Eintrag, in dem ich ganz kurz und knapp ein paar Dinge aufliste.

– Meine neue Seite More Than Meets The Ear – The Spin Doctors Archive ist im Monat August die „Fansite Of The Month“ beim US-Musikportal jambands.com. Hier steht der dazugehörige Artikel. Quite an Auszeichnung, würd ich sagen – bin natürlich froh drüber, und hoffe, dies bringt der Band so kurz vorm neuen Album ein wenig mehr Aufmerksamkeit…

GEWINNER, meine aktuelle CD, „läuft“ ganz gut: schon so einige Bestellungen, nicht zuletzt durch seltsame Geschehnisse wie einem äußert freundlichen Artikel im Medienrauschen oder etwa einer kleinen Geschichte in der heutigen Ausgabe der Dresdener Morgenpost (siehe Foto oben). Auch, wenn die Überschrift „Unentdeckte Talente: Promis und die Lust am Pinsel“ etwas krude daherkommt (bin ich der einzige, dem das auffällt, oder ist diese Überschrift tatsächlich irgendwie unfreiwillig komisch?), so durfte ich doch heute meine CD in dieser Zeitung in Daniel Große’s Fotolinse halten und die haben’s auch noch gedruckt… Danke, Daniel – nachzulesen und anzuschauen übrigens auch auf Herrn Großes Seite.

Christoph Garbers schreibt ein sehr lesenswertes Weblog, wie der eine oder andere vielleicht weiß. Aber dass er Anfang der Woche einen ungemein wohlwollenden Eintrag über unser 2004er dunkelblau-Album „In der Zwischenzeit“ verfasste und veröffentlichte, ohne dass ich ihn dafür bestechen mußte, macht in mir doch glatt noch sympathischer. Dankeschön!

– Die Webseite zur GEWINNER-CD ist seit heute nicht mehr nur über diese krude .de.vu-Adresse erreichbar, sondern auch ganz offiziell über www.danielheinze.de oder www.daniel-heinze.de! Die waren plötzlich beide wieder frei (hab das letzte Mal vor einem Jahr oder so nachgeschaut, und da waren beide noch an diverse Namensvetter vergeben) – und da hab ich natürlich zugeschlagen. Außerdem gibts dort jetzt auch ein kleines Gästebuch für Kommentare bezüglich der neuen CD.

– In meiner Wohnung türmen sich neue besprechenswerte Alben und ich komm nicht hinterher: In den nächsten Tagen gibts hier u.a. Infos über die neuen CDs von Deanna Goodman, Jason Mraz, Kyle Riabko, Palestar (sollte ja schon lange kommen, sorry) und Sinéad O’Connor.

– Ich wasche meine Klamotten seit neuestem mit Flüssigwaschmittel. Hattest ja Recht, Mama.

– Ich bin urlaubsreif.

NP: Kip Hanharan – A Thousand Nights And A Night (Shadow Night 1)

NP: Rene Lopez – One Man's Year (2005)

Das erste wirkliche Solo-Album vom Ex-The Authority-Sänger Rene Lopez. Feinfühlige, direkte Poprock-Songs, die ein breites, aufgeschlossenes Publikum verdienen. Zu beziehen über den äußerst sympathischen Mailorder CD Baby. Und weil der Mensch von Lopez‘ neuem Plattenlabel nach meiner letzten CD-Baby-Bestellung nicht wissen konnte, dass ich „One Man’s Year“ längst besitze (dank des freundlichen Künstlers himself), schickte er mir eine Werbe-e-Mail mit einem „One Man’s Year“-Track-By-Track-Review, geschrieben vom Künstler selbst. Dieses wiederum ist so aufschlußreich und spannend, dass ich es meiner geneigten Leserschaft nicht vorenthalten möchte. Wer zu faul zum Aufweiterlesenklicken ist, sollte sich wenigstens die CD kaufen. Lohnt sich. Ansonsten: bitteschön!!! –>
Weiterlesen „NP: Rene Lopez – One Man's Year (2005)“

Update zu "Throw Down Your Arms"

Dank eines wirklich glücklichen Zufalls habe ich heute Abend Gelegenheit, das neue Sinéad O’Connor-Album „Throw Down Your Arms“ zum ersten Mal in voller Länge zu hören. Ich bin begeistert, entzückt, erfreut. Es ist tatsächlich das beste Album der Sängerin seit „Universal Mother“ (1994): Wütend, direkt, ehrlich, authentisch und – wunderschön. Noch ist es viel zu früh für eine wirklich stringente Kritik, außerdem ist die Veröffentlichung ja auch noch ein paar Tage hin… So viel für den Moment: „Throw Down Your Arms“ ist erfrischend, unerwartet und dennoch typisch. Da kommt eine Hammerveröffentlichung auf uns zu. Allen „Kennern“ der Irin sei gesagt: TDYA beginnt dort, wo „Faith And Courage“ im Jahr 2000 mit „Kyrie Eleison“ endete… Chant down Babylon, give thanks and prays! 🙂

Damien Dempsey – Shots (2005)

Damien Dempsey ist, mit Verlaub, eine coole Sau. Es gibt derzeit nur wenige Songwriter in Europa, die derart ehrliche, leidenschaftliche und aufrichtige Musik darbieten. In seiner Heimat Irland ist er inzwischen ein Star, und wer Damien schon einmal live erlebt hat, weiß, wie ernst dieser Mann seine Sache nimmt und – wie gut er sie macht.

Mit seinem Debüt „They Don’t Teach This Shit In School“ fand der rothaarige Musiker im Jahr 2000 erste Beachtung – neu und originell war seine Mischung aus traditionellem irischen Storytelling und Einflüssen von Rap und Reggae, ganz zu schweigen von dieser berauschenden Stimme. Im Jahr 2003 schließlich sollte aus dem up-and-coming act ein etablierter und von Musikerkollegen auf der grünen Insel geradezu euphorisch verehrter Künstler werden. Schuld daran war „Seize The Day“, Dempseys zweites Album und das erste unter der Ägide von Produzent John Reynolds. Mit Stücken wie „Negative Vibes“, „Ghost Of Overdoses“ oder „Apple Of My Eye“ bewies der Sänger, dass nicht nur die „alte Garde“ der irischen Songschreiber (Christy Moore, Van Morrison etc.) etwas zu sagen hat, sondern auch die jüngere Generation. Wer „Seize The Day“ nicht kennt, sollte das schleunigst ändern – ein großes Album, dem – wenigstens in Irland und England – auch die verdiente Beachtung zuteil wurde.

Jetzt also „Shots“, das dritte Album von Mr. Dempsey. Musikalisch geht es genau dort weiter, wo „Seize The Day“ aufhörte: eingängige, bisweilen hymnische Arrangements, große Melodien, leidenschaftlicher Gesang und fesselnde Texte über das Leben in Irland und überhaupt. Einmal mehr hat John Reynolds an den Reglern gezaubert und mit seinem unverwechselbaren Schlagzeugspiel dem Album seinen Stempel aufgedrückt. Auch die Tatsache, dass viele Musiker, die auch schon bei „Seize the Day“ dabei waren, wieder im Boot sind, erlaubt ein sofortiges Wiedereintauchen in den Demsey’schen Musikkosmos. „Not On Your Own Tonight“, „Colony“ oder „Patience“ heißen einige der tollsten neuen Stücke und beweisen aufs Neue, dass Damien sein Handwerk versteht und liebt. Schön auch, dass mit Titeln wie „Party On“ und „Cursed With A Brain“ auch ein paar Songs auf dem Album vertreten sind, die schon lange zum Live-Repertoire des bezaubernden Iren gehören.

Kaum ist „Spraypaint Backalley“, das letzte Stück auf „Shots“, verklungen, drückt man wie hypnotisiert noch einmal auf „Play“ und hört sich die ganze Scheibe nochmal und nochmal an. Gut möglich, dass „Shots“ nicht ganz die Dichte und Intensität von „Seize The Day“ erreicht. Nichtsdestotrotz ist Dempseys drittes Album ein kleines Meisterwerk, vollgepackt mit Geschichten, die unbedingt erzählt werden mussten und Gefühlen, wie sie direkter und unverblümter kaum sein könnten. Das hier ist kein altbackenes Folkgegniedel, sondern zeitgemäße Popmusik eines Genies, das sich seiner irischen Wurzeln bewußt ist und immer wieder gern und erfolgreich mit musikalischen Zitaten und Anleihen anderer Kulturen flirtet.

Und auf meine ganz persönliche To-Do-Liste setze ich hiermit ganz oben folgende Notiz: Damien wieder live sehen. Das letzte Mal ist nämlich schon viel zu lange her.

Sinéad O'Connor: "Throw Down Your Arms" kommt im September

So soll es also aussehen, das neue Album von Sinéad O’Connor. In der vergangenen Woche gab die schräge Lady mit der Engelsstimme bei einem französischen Radiosender ein Interview und kündigte an, dass „Throw Down Your Arms“ Ende September / Anfang Oktober in Europa und den USA in die Läden komme (unterschiedliche VÖ-Termine innerhalb Europas). Außerdem gabs ein paar Hörproben. Was soll ich sagen? Das könnte ein heißes, unerwartetes, anderes Album werden.

Eine Schwäche für Reggae und Roots-Musik hat die Irin ja schon seit langem, davon zeugen im Grunde schon seit 1994 immer wieder einige Tracks auf Alben der Dame, vor allen Dingen aber die zahlreichen Kollaborationen mit Acts aus dem Adrian Sherwood-Umfeld oder auch mit Tim Simenon und Benjamin Zephaniah. Jetzt hat sie sich einen Traum verwirklicht und mit den Roots-Legenden Sly & Robbie in Jamaica ein Album voller Protestsongs ihrer Helden Bob Marley, Lee Perry und Peter Tosh aufgenommen. Auf die folgenden Tracks darf man gespannt sein:

Jah Nuh Dead
Marcus Garvey
Door Peep
He Prayed
Y Mas Gan
Curly Locks
Vampire
Prophet Has Arise
Downpressor Man
Throw Down Your Arms
Untold Stories
War

(via: JITR mailing list) Sinéad O’Connor hat ja erst unlängst bei Ihrem Auftritt bei den Jammy Awards (mit Burning Spear und Medeski Martin & Wood) bewiesen, dass sie ihren Ausflug in die Roots-/Reggae-Ecke durchaus Ernst meint. Hoffentlich hält „Throw Down Your Arms“ auf Albumlänge, was der großartige Titeltrack verspricht – es wäre schön, wenn Frau O’Connor mal wieder ein Album vorlegt, das von vorne bis hinten unpeinlich daherkommt und ein paar mehr Ecken und Kanten besitzt als zuletzt etwa (die unbestritten guten, aber eben eher sanft daherkommenden) „Sean-Nos Nua“ oder „She Who Dwells…“

Nix wie hin: klopfgeist.com

Evenstar? Diskoklo? No Kid Of Traurigkeit? Noch nie gehört? Dann wird’s Zeit. Hiermit sei aufs Herzlichste die Internetpräsenz Klopfgeist.com empfohlen – schließlich servieren dort zwei Leipziger Herren musikalische Meisterleistungen, die einfach nicht unbeachtet bleiben dürfen: Heiko Dietze und Matthias Köhler zaubern, als wär’s das Einfachste der Welt, haufenweise witzige, skurile, sphärische und dann und wann auch mal hymnische Lieder. Von der „Spanish Dance Explosion“ über „Mein erstes Schamhaar“ bis hin zu „In Despair“ oder „Die beste Band der Welt“. Hier jagt ein geiler Song den nächsten und ich könnt‘ mich jetzt noch dafür auspeitschen, dass ich nicht schon viel früher auf die Seite aufmerksam gemacht habe. Heiko, Matze – Ihr rockt!