KI und Komplimente

“Hör auf mir Komplimente zu machen!!” Diesen Befehl tippt mein Kollege oft ein, wenn er mit KI-Chatbots wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini zu arbeiten beginnt. Er ist echt fit in Sachen Künstlicher Intelligenz und dieser Befehl an die KI-Programme ist ein guter Tipp. 

Die schlauen Maschinen sind ja darauf trainiert, in ihrer Kommunikation möglichst menschlich zu wirken. Doch neigen sie schnell dazu, komplett zu übertreiben. “Sehr gute Frage!” – “Spannende Aufgabe!” – “Wahnsinnig tolle Idee!” Selbst bei absurden Anfragen oder unsinnigen Aufträgen agieren die Bots überfreundlich bis unterwürfig. Weil sie es für wahrscheinlich halten, dass Menschen das eben so machen. 

Dabei braucht es das Dauergeschmeichel nicht, um KI zu nutzen und ich kann es ihr eben mit einem kurzen Befehl austreiben: “Hilf mir, ein Problem zu lösen, aber schmiere mir keinen Honig ums Maul!” 

“Prüft alles und behaltet das Gute” lautet der berühmte Appell des Paulus in der Bibel, den ich auch im Umgang mit Künstlicher Intelligenz hilfreich finde. Ich brauche KI nicht, um Komplimente und Lob “nachzuspielen”, sondern als Werkzeuge, um bestenfalls eine Aufgabe zu lösen. 

Über ein anerkennendes Schulterklopfen oder ein “Gut gemacht!” freue ich mich natürlich trotzdem. Nur halt gern von einem Kollegen oder einer Freundin – Hauptsache, von einem Menschen, der auch meint, was er oder sie da sagt.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 13. März 2026 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Autor: Daniel Heinze

radio guy, pr consultant, traveller, music enthusiast: 2% jazz & 98% funky stuff.