Rein in die Kirchen und Tempel!

Heute ist der letzte Schultag, die Sommerferien sind da. Damit startet auch die Hauptreisezeit – für viele geht’s ab an den Lieblingssee, in andere Städte oder in fremde Länder. Ich mag es, im Urlaub auch mal neue Gotteshäuser zu entdecken: Kirchen, Tempel, Synagogen oder Moscheen. 

Zum einen sorgt das oft für Abkühlung auf sommerlichen Sightseeingtouren. Vor allem aber erfahre ich in Gotteshäusern viel über die Menschen, die dort leben, wo ich Ferien mache. Schließlich sind das die Bauten, in denen sie beten, bitten, danken, womöglich heiraten, ihre Verstorbenen beklagen oder fröhliche Feste feiern. Für mich mag die fremde Kirche oder der fremde Tempel eine Sehenswürdigkeit sein, für sie ist es ein wichtiger Ort ihres täglichen Lebens. 

Die meisten freuen sich, wenn man Interesse an ihren Traditionen, Bräuchen und Glaubensinhalten zeigt. Respektvoll, natürlich. Als Gast sollte ich nicht oberkörperfrei in eine Kirche platzen oder lautstark in einem hinduistischen Tempel telefonieren. Das kann ich ja vorher kurz googlen: Wie verhalte ich mich hier so, dass es für alle cool ist? 

Im Zweifelsfall nicht sofort das Handy für ein Selfie zücken oder sich nach vorne drängeln. Sondern erstmal still werden, beobachten, schauen und staunen. So zeige ich meine Hochachtung vor dem, was anderen heilig ist. Und habe die Chance, tiefer einzutauchen in das Leben derer, bei denen ich im Urlaub zu Gast sein darf.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 3. Juli 2026 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Geht’s Dir gut?

„Geht’s Dir gut?“ – „Bist Du okay?“ – „Alles in Ordnung?” WhatsApp-Nachrichten wie diese erreichten mich am Montagabend dutzendfach. Von der Familie, von Freunden, auch von Leuten, mit denen ich nur selten schreibe. Alle hatten von der Amokfahrt in Leipzig mitbekommen und daran gedacht, dass ich ganz in der Nähe des Geschehens arbeite. 

Wie antworte ich darauf? Dass etwas Furchtbares direkt vor unserer Bürotür passiert ist, haben wir schnell verstanden. Das ganze Ausmaß wurde uns erst nach und nach bewusst. Mir fehlten erstmal die Worte, und ich habe auf die besorgten Nachfragen meist nur mit einem kleinen Herzchen geantwortet. „Hab mich lange nicht so über ein kleines Emoji gefreut wie über dein Herz gerade eben“, schrieb eine Freundin zurück. 

Ja, es geht mir gut. Natürlich bewegt mich immer noch, was am Montag in der Leipziger City passiert ist. Ich denke an die, die vielleicht keine Herzchen-Antwort auf ihre „Geht’s Dir gut“-Nachricht bekommen haben, die gerade trauern oder sich um verletzte Angehörige sorgen. Ich bin dankbar für alle, die Anteil nehmen. Für geöffnete Kirchen. Für umsichtige Einsatzkräfte. Für den Zusammenhalt in unserer Stadt. 

Und mich beeindruckt, welche Kraft eine kurze Textnachricht wie „Geht’s Dir gut?“ haben kann, wenn sie mir im richtigen Moment signalisiert: Du bist nicht allein, ich denke an Dich, Du bist mir wichtig. Danke dafür!

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 8. Mai 2026 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Von Zuversicht und Welttourneen

Ein kleines Update zu Podcasts mit und von mir aus den letzten Wochen und Monaten. Über Zuversicht (und wie wir sie behalten oder wiedergewinnen) habe ich mit der Theologin, Philosophin, Ordensfrau und TV-Moderatorin Melanie Wolfers gesprochen.

Einen Crash-Kurs in Komparativer Theologie (spannende Disziplin!) hab ich von Klaus von Stosch bekommen.

Und mit Danny Effenberger habe ich mich über die Arbeit des Malteser Hilfsdienstes in Sachsen unterhalten. All diese Podcasts sind bei Mit Herz und Haltung zu hören, dem Podcast aus der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen.

Auch in diesem Jahr erscheint aller 14 Tage montags Heldenstadt, der Wohnzimmerpodcast zu Leipzig-Themen, den ich zusammen mit Guido Corleone und in Kooperation mit der LVZ produziere. In den ersten drei Monaten des Jahres haben uns unter anderem steigende Bratwurstpreise, Schulklo-Sabotagen, zu rettende Buslinien, Schlaglöcher, Frühblüher und natürlich Waschbären beschäftigt.

Und auch bei meinem wohl mit Abstand nerdigsten Podcastprojekt (Spin Doctors Archive – The Podcast) ist mal wieder eine neue Folge erschienen: mit Spin Doctors-Drummer Aaron Comess habe ich auf das Jahr 2025 zurückgeschaut (neues Album, ganz viele Konzerte, unter anderem eine Tour mit Blues Traveler und Gin Blossoms) und einen Blick nach vorn auf 2026 geworfen (35 Jahre „Pocket Full Of Kryptonite“, noch mehr Konzerte auf drei Kontinenten, nur leider nicht in Europa).

Viel Spaß beim Hören! 🙂

KI und Komplimente

“Hör auf mir Komplimente zu machen!!” Diesen Befehl tippt mein Kollege oft ein, wenn er mit KI-Chatbots wie ChatGPT, Perplexity oder Gemini zu arbeiten beginnt. Er ist echt fit in Sachen Künstlicher Intelligenz und dieser Befehl an die KI-Programme ist ein guter Tipp. 

Die schlauen Maschinen sind ja darauf trainiert, in ihrer Kommunikation möglichst menschlich zu wirken. Doch neigen sie schnell dazu, komplett zu übertreiben. “Sehr gute Frage!” – “Spannende Aufgabe!” – “Wahnsinnig tolle Idee!” Selbst bei absurden Anfragen oder unsinnigen Aufträgen agieren die Bots überfreundlich bis unterwürfig. Weil sie es für wahrscheinlich halten, dass Menschen das eben so machen. 

Dabei braucht es das Dauergeschmeichel nicht, um KI zu nutzen und ich kann es ihr eben mit einem kurzen Befehl austreiben: “Hilf mir, ein Problem zu lösen, aber schmiere mir keinen Honig ums Maul!” 

“Prüft alles und behaltet das Gute” lautet der berühmte Appell des Paulus in der Bibel, den ich auch im Umgang mit Künstlicher Intelligenz hilfreich finde. Ich brauche KI nicht, um Komplimente und Lob “nachzuspielen”, sondern als Werkzeuge, um bestenfalls eine Aufgabe zu lösen. 

Über ein anerkennendes Schulterklopfen oder ein “Gut gemacht!” freue ich mich natürlich trotzdem. Nur halt gern von einem Kollegen oder einer Freundin – Hauptsache, von einem Menschen, der auch meint, was er oder sie da sagt.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 13. März 2026 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Gehen und stehen

“Wie geht’s, wie steht’s?” Mit dieser Doppelfrage beginnen recht viele Smalltalks. Für mich ist sie mehr als nur ein netter Einstieg in eine Plauderei. “Wie geht’s, wie steht’s?” fasst nämlich super zusammen, welcher Mix für mein Leben der richtige ist. 

Gehen und Stehen, diese beiden Sachen müssen wir alle im Alltag ständig in Einklang bringen. Jeder Mensch ist unterwegs, bewegt sich, geht auf seinem Lebensweg und gestaltet ihn. Doch ich kann nicht ständig in Bewegung sein, irgendwann geht mir die Puste aus. Dann brauche ich eine Pause, sehne mich nach Halt und muss auftanken. 

Da kommt dann der zweite Teil der Frage ins Spiel: “Wie steht’s?” So ein sicherer Stand und ein Fundament für das, was ich tue, sind im Leben genauso wichtig. Dinge und Menschen, die mir am Herzen liegen. Auf die ich bauen kann, die mir Stabilität geben. Das können zum Beispiel meine Familie und Freunde sein. Als Christ gehört für mich da unbedingt mein Glaube an Gott dazu – das Vertrauen in ihn bildet für mich so ein Lebensfundament. Mit diesem verlässlichen Halt im Leben kann ich mich immer wieder neu auf meinen Weg machen, bestärkt und ohne Angst. 

Ich kann nicht immer nur gehen oder immer nur stehen. Die Mischung macht’s. Und was für ein Segen ist es dann, wenn ich auf die Frage “Wie geht’s, wie steht’s?” ehrlich und dankbar antworten kann: “Danke, gut!”

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 16. Januar 2026 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Advent und Weihnachten in der Musik

Vier Podcastfolgen, ein thematischer Bogen: Jetzt im Advent 2025 haben wir uns im Podcast „Mit Herz und Haltung“ mit verschiedenen Aspekten und Ausprägungen von Advents- und Weihnachtsmusik beschäftigt. Mit Dr. Katrin Brockmöller vom Katholischen Bibelwerk ging es um die biblischen Wurzeln bekannter Weihnachtslieder. Wie zu DDR-Zeiten das Weihnachtsfest in Wort und Musik umgedeutet und ent-christlicht wurde, berichtet Friederike Lepetit. Der erste Pfarrer der Dresdener Frauenkirche, Markus Engelhardt, gibt einen Crash-Kurs in protestantischem Weihnachtsliedgut der letzten 500 Jahre. Und schließlich geht’s um Weihnachten im Pop – in einem Gespräch mit Dr. Michael Winklmann von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.

Alle Podcastfolgen gibt’s hier oder in dieser Spotify-Playlist (alternativ auch bei Youtube):

Die Musik-Playlist mit allen in den vier Podcasts besprochenen Musikstücken (ein wilder Mix, soviel kann ich versprechen) findet Ihr ebenfalls bei Spotify oder Youtube:

Der Podcast „Mit Herz und Haltung“ wird von der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen in Zusammenarbeit mit der Herder Korrespondenz verantwortet und bietet seit 2020 Debatten, Positionen und Hintergründe zu den Fragen unserer Zeit aus Religion, Theologie, Gesellschaft und Kultur.

Weihnachten für Anfänger: Zu Gast bei „Macke mit Schuss“

Wonach roch es in Bethlehem? Wie war das jetzt genau mit Maria und ihrer Schwangerschaft? Worum geht’s beim Weihnachtsfest? Fragen, auf die ich im Podcast „Macke mit Schuss“ bei Steffen Lukas und Claudia Switala Antworten geben durfte. Bei der Gelegenheit hab ich meine Weihnachtskrippe im Bauhausstil mit ins RADIO PSR-Studio gebracht. War ein äußerst unterhaltsamer Nachmittag – und ihr könnt das Ergebnis jetzt anschauen oder anhören (überall, wo’s Podcasts gibt). Ich wünsche viel Spaß und weiter eine schöne Adventszeit!

Rituale für’s Leben

Morgens im Badezimmer sitzt bei mir jeder Handgriff. Jede Bewegung ist bis ins Kleinste durchchoreographiert. Duschen, Zähneputzen, Haare kämmen, Hände eincremen – ich brauche ziemlich genau 25 Minuten und bin bereit für den Tag. Meine fest eingeübte erste Amtshandlung, wenn ich dann im Büro angekommen bin? Na klar, einen Kaffee aus dem Automaten ziehen. Dann kann der Arbeitstag kommen: E-Mails, Meetings, Termine. 

Ich bin wohl ein Gewohnheitstier. Was nicht unbedingt etwas Schlechtes ist! Viele Menschen haben solche Gewohnheiten und Alltagsabläufe. Kleine Rituale gehören zu uns und unserem Leben. Nicht nur die, die praktisch und effizient sind wie eine durchgetimte Morgenroutine. Sondern auch die ganz individuellen. Die Mama, die ihren Kindern aus dem Küchenfenster hinterherwinkt, wenn sie zur Schule gehen – ein Zeichen der Liebe. Das mit dem Daumen auf den frischen Brotlaib gezeichnete Kreuzzeichen, bevor meine Oma es anschnitt – ein Zeichen der Dankbarkeit. 

Rituale geben Halt und Orientierung. Für mich als Christ gehören da auch Gebete und Gottesdienste dazu. Zeit für meinen Glauben zu haben, Gott in meinem Alltag Platz zu geben, ist mir wichtig. Vertraute, eingeübte Abläufe helfen mir dabei, da am Ball zu bleiben. Ein schöner Gedanke: dass Beten so selbstverständlich zu meinem Leben dazugehört wie Zähneputzen.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 21. November 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Ewiges Leben, Stechmücken, Hunde und Kraftklub: Ist der Tod das Ende?

Hätte nicht gedacht, dass ausgerechnet ein Talk zum Thema Tod das für mich kurzweiligste und inspirierendste Interview der letzten Zeit werden würde. „Ist der Tod das Ende?“ – Der Theologe Dr. Gregor Taxacher (TU Dortmund) hat sich mit drei Kolleginnen an eine Antwort in (Buch-)Form eines theologischen Streitgesprächs gewagt. Im Podcast „Mit Herz und Haltung“ habe ich mit ihm über Gründe für die christliche Hoffnung über den Tod hinaus und bleibende Fragen gesprochen. Jetzt überall, wo es Podcasts gibt!

Dafür!

Noch bis Sonntag laufen in Leipzig die Interkulturellen Wochen. Diese Aktionswochen gibt es gerade überall in Deutschland, organisiert von einem breiten Bündnis aus Vereinen, Städten, Kirchen und Organisationen. Mir gefällt das Motto, das in diesem Jahr über diesen bundesweiten “Interkulturellen Wochen” steht, sehr. Es lautet nämlich schlicht und einfach “Dafür!” 

In einer Zeit, in der viele immer recht schnell und laut sagen, wogegen sie sind, was sie ablehnen und für falsch oder problematisch erachten, ist es eine tolle Idee, mal zu betonen, wofür man ist. Wofür es sich lohnt, sich stark zu machen. 

Für eine offene Gesellschaft zum Beispiel. Dafür, dass Menschen zusammenhalten und friedlich miteinander leben. Dafür, miteinander zu feiern. Sich für andere zu interessieren, ohne ihnen mit Vorurteilen zu begegnen. Dafür, dass Menschen so sein können, wie sie sind – mit ihrem Glauben, ihren Ideen, ihren Eigenarten. 

Die “Interkulturellen Wochen” werben also für einen konstruktiven Blick, ein positives Vorzeichen, wenn wir als Gesellschaft Fragen von Kultur und Zusammenleben verhandeln. Neugierig auf meine Mitmenschen zuzugehen, empathisch und offen für Neues zu sein, ist für mich als Christ auch eine Form von Nächstenliebe. Da bin ich also “Dafür” – auch, wenn gerade keine Interkulturellen Wochen im Veranstaltungskalender stehen.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 26. September 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.