
Heute ist der letzte Schultag, die Sommerferien sind da. Damit startet auch die Hauptreisezeit – für viele geht’s ab an den Lieblingssee, in andere Städte oder in fremde Länder. Ich mag es, im Urlaub auch mal neue Gotteshäuser zu entdecken: Kirchen, Tempel, Synagogen oder Moscheen.
Zum einen sorgt das oft für Abkühlung auf sommerlichen Sightseeingtouren. Vor allem aber erfahre ich in Gotteshäusern viel über die Menschen, die dort leben, wo ich Ferien mache. Schließlich sind das die Bauten, in denen sie beten, bitten, danken, womöglich heiraten, ihre Verstorbenen beklagen oder fröhliche Feste feiern. Für mich mag die fremde Kirche oder der fremde Tempel eine Sehenswürdigkeit sein, für sie ist es ein wichtiger Ort ihres täglichen Lebens.
Die meisten freuen sich, wenn man Interesse an ihren Traditionen, Bräuchen und Glaubensinhalten zeigt. Respektvoll, natürlich. Als Gast sollte ich nicht oberkörperfrei in eine Kirche platzen oder lautstark in einem hinduistischen Tempel telefonieren. Das kann ich ja vorher kurz googlen: Wie verhalte ich mich hier so, dass es für alle cool ist?
Im Zweifelsfall nicht sofort das Handy für ein Selfie zücken oder sich nach vorne drängeln. Sondern erstmal still werden, beobachten, schauen und staunen. So zeige ich meine Hochachtung vor dem, was anderen heilig ist. Und habe die Chance, tiefer einzutauchen in das Leben derer, bei denen ich im Urlaub zu Gast sein darf.
Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 3. Juli 2026 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.
