Glockenläuten ist Ruhestörung

Unser Büro liegt gegenüber der Thomaskirche in der Leipziger City. Weil ich in unserer Redaktion “der von der Kirche” bin, fragen mich die Kollegen gerne mal, ob ich vielleicht wisse, warum mal wieder die Glocken der Thomaskirche so ausdauernd bimmeln. Manche fragen interessiert nach, andere sind hart genervt, weil sie eigentlich telefonieren wollten, der “Glockenlärm” sie aber davon abhalte. 

Tatsächlich läuten Kirchenglocken oft – vor Gottesdiensten, an Sonntagen, morgens, mittags, abends; auch bei Hochzeiten oder anderen Festen. Dass sie uns auffallen, ist dabei der Sinn der Sache. Kirchenglocken sollen den Alltag unterbrechen!

Sie wollen mich rufen. Zum Beispiel zum Gottesdienst: Komm her, jetzt ist Zeit für etwas Wichtiges! Oder sie erinnern mich an etwas. Läuteten früher im Dorf die Kirchenglocken, wussten die Feldarbeiter, dass es um zwölf ist. Zeit für’s Mittagessen, eine wohlverdiente Pause und ein kurzes Gebet. Als riefen die Kirchenglocken auch: Denkt daran, Gott ist für Euch da. Er begleitet Euch in allen Situationen des Lebens! 

Manchmal beansprucht mich mein Alltag ganz schön. Gerade dann sollte ich nicht vergessen, dem Zeit einzuräumen, was mir wichtig und heilig ist und Gott zu danken für das Gute im Leben; mit ihm auch meine Sorgen zu teilen. Nein, Kirchenglockengeläut ist für mich kein Lärm. Sondern eine Ruhestörung im allerbesten Sinne.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 20. Juni 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Betet für mich!

Morgen wird Papst Franziskus beerdigt. Seit Ostermontag trauern Menschen auf der ganzen Welt um diesen bemerkenswerten Pontifex. Ich denke in diesen Tagen immer wieder an eine Bitte von Franziskus: “Betet für mich!” Viele, die ihm einmal begegnet sind, berichten davon. Kaum ein Gespräch oder Shake-Hands, ohne dass Franziskus sein Gegenüber darum bat: “Betet für mich!” 

Beten war für Franziskus ein unverzichtbarer Teil des Lebens. Ruhig werden. Nachdenken. Versuchen, in einen Dialog mit Gott einzutreten. Sorgen und Bitten formulieren. Aber auch ganz viel Hören: Was hat Gott mir zu sagen? Beten nicht als lästige Pflicht oder fromme Übung, sondern als Grundhaltung, aus der er Kraft und Zuversicht schöpfte. 

“Betet für mich” bedeutet auch: Unterstützt mich mit Euren guten Gedanken, mit Eurer Liebe und Eurem Wohlwollen! Bittet Gott darum, dass ich als Papst das Richtige tue! Franziskus mag ein Mann mit viel Einfluss und Macht gewesen sein. Er hat aber auch immer klar gemacht, dass nicht er das Maß aller Dinge ist, sondern Gott. 

Als Christ hoffe ich, dass Papst Franziskus nun bei Gott ist. Sein Vertrauen auf die Kraft des Gebetes bleibt ein Ansporn für meine eigene Beziehung zu Gott. Und ich wünsche mir, dass es auch in meinem Leben Menschen gibt, die mich wohlwollend in ihre Gebete einschließen. Ja: Betet für mich!

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 25. April 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Jesus und Eierlikör

Ein Tipp für’s lange Kar- und Osterwochenende: Ich war zu Gast im Podcast meiner RADIO PSR-Kolleg*innen Claudia Switala und Steffen Lukas! Wir haben über Ostern, Eierlikör, Gott, Sinéad O’Connor und hartgekochte Eier gesprochen und das hat großen Spaß gemacht. Hört oder schaut gern mal rein bei „Macke mit Schuss“ – überall, wo’s Podcasts gibt!

Sei netter zu dir!

„Sei mal ein bisschen netter zu Dir!” Diese Aufforderung hatte jemand mit einem Textmarker ans Haltestellenwartehäuschen gekritzelt. Daneben ein kleines lachendes Herzchen. Ja, ich hatte das schon richtig gelesen: „Sei netter zu Dir!“ Das war direkt an die gerichtet, die hier gerade warten und das zufällig lesen. In diesem Fall also: an mich.

Wie garstig bin ich häufig zu mir selbst: So manches Fast Food, das ich esse, weil’s mal wieder schnell gehen muss, ist keine Belohnung, sondern eher eine Bestrafung für meinen Körper. Auch setze ich mich gerne mal unter Erfolgsdruck oder bin im Dauerstress. Oder gehe hart ins Gericht mit mir selbst, wenn mir etwas nicht so gelungen ist, wie erhofft. In all diesen Situationen bin ich nicht gerade nett zu mir und meiner Seele.

Zu sich selbst etwas freundlicher zu sein, ist nicht egoistisch oder selbstverliebt. Sondern gesund. Als Christ glaube ich, dass Gott mich liebt, so wie ich bin, ohne Leistungsnachweis und Erfolgskontrolle. Und wenn es in der Bibel heißt: „Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst“, dann steht das da aus gutem Grund.

Ich muss mich ja nicht gleich für den Allergrößten, Besten, Tollsten halten. Doch darf und sollte ich mich selbst mögen, mir auch mal eine Schwäche oder ein Versagen verzeihen und mir immer wieder mal etwas Gutes tun. Eben … ein bisschen netter zu mir selbst sein.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 14. März 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Wolfgang Thierse: Merz darf kein „Mini-Trump“ werden!

Ich habe ich mit Bundestagspräsident a.D. Wolfgang Thierse über das Ergebnis der Bundestagwahl 2025 gesprochen – für „Mit Herz und Haltung“. Der Podcast-Name passt mal wieder super: Thierse erklärt beherzt, warum Friedrich Merz nicht zu einem „Mini-Trump“ werden sollte und warum er auf die FDP im Moment gut verzichten kann. Auch geht er mit seiner eigenen Partei hart ins Gericht. Und immer bleibt seine Haltung als Sozialdemokrat und Christ klar erkennbar. Hörempfehlung!

Update: Und so berichten die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) und Domradio.de über das Interview.

Experiment Pfarrertausch: Zehn Tage in einer böhmischen Landpfarrei

Ende Januar 2025 wagte Bertram Wolf, Pfarrer in Gera, das Experiment, mit seinem Kollegen aus dem westböhmischen Stribro für zehn Tage Gemeinde und Pfarrhaus zu tauschen. Dort feierte er Gottesdienste, sprach mit Gläubigen, besuchte Rathaus, Kloster und Ordinariat und kümmerte sich um den Pfarrhauskater Bertik. Was er beim Blick über den Tellerrand gelernt hat, wie in der tschechischen Diaspora Synodalität gelebt wird und warum er das Experiment zur Nachahmung empfiehlt, hat er mir im Podcast „Mit Herz und Haltung“ erzählt. Jetzt anhören – überall, wo es Podcasts gibt.

Beim Namen gerufen

Daniel Heinze über die Wichtigkeit von Namen

Biblische Vornamen stehen bei Leipziger Eltern gerade hoch im Kurs. Laut Statistik der Stadt haben letztes Jahr 42 Babys den Namen Noah bekommen; ein Favorit übrigens in ganz Deutschland. 31 Mal fiel die Entscheidung auf Adam, 32 Mal auf Levi. Noah, das ist laut Bibel der, der die Arche mit allen Tieren durch die Sintflut navigiert hat. Adam war der allererste Mensch und auf Levi geht einer der zwölf Stämme Israels zurück, aus dem die Priester kamen, die Leviten. 

Ob die Eltern sich bewusst für diese Namen entschieden haben, weil sie auf Bibelstars zurückgehen, wissen wir nicht. Vermutlich eher nicht. Und natürlich finden sich auch nicht-biblische Namen in den Leipziger Charts; Ida, Oskar, Emil, Mia und Emma etwa. 

Alle Namen haben was gemeinsam: Die Eltern haben intensiv überlegt, wie ihr Kind heißen soll. Schließlich wird der Vorname zu einem Teil der Persönlichkeit und des ganzen Lebens. Er soll nicht nur schön klingen und gut zum Familiennamen passen, sondern auch ein Zuspruch sein, eine Art Segen. 

In der Bibel ist eine wunderschöne Zusage Gottes an die Menschen überliefert: “Ich habe dich bei deinem Namen gerufen”, heißt es da. Eben nicht: Hey, Ihr Menschlein! Sondern: Du, Mia! Du, Oskar! Mir tut dieser Gedanke gut: Gott will mit seiner Liebe ganz konkret für mich da sein. Er ruft mich bei meinem Namen. Welchen auch immer meine Eltern mir einst gegeben haben.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 31. Januar 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Jauchzet! Frohlocket!

Daniel Heinze über Weihnachten als Zeit der Musik

Ist etwas wirklich wichtig und bedeutend, dann gibt es mit Sicherheit Lieder darüber. Das beste Beispiel ist die Liebe – wie schön ist es, geliebt zu sein und andere zu lieben. Deshalb singen Menschen auch so viel davon. Nicht zu vergessen all die Songs über Liebeskummer und Beziehungsstress! Es gibt Lieder über das Feiern, Balladen über den Sinn des Lebens, ironische Songs, die die Welt beschreiben oder auch unbeschwerte, alberne Gassenhauer, weil Spaß zu haben eben auch zum Leben gehört. 

Ist etwas wirklich wichtig und bedeutend, dann gibt es Lieder darüber – das gilt ganz besonders für die Advents- und Weihnachtszeit. Von “Last Christmas” im Radio bis zu Bachs Weihnachtsoratorium in den Kirchen, von „In der Weihnachtsbäckerei“ bis „Stille Nacht“: Weihnachten ist die meistbesungene Zeit des Jahres. 

Weil sie uns so am Herzen liegt. Eine Zeit, in der wir Kerzen gegen die Dunkelheit anzünden und uns mit Geschenken und gutem Essen versichern, wie gern wir uns haben. Für Christinnen und Christen ist der Kern dieser Zeit die Geburt von Jesus. Gott wird Mensch, lautet die frohe Weihnachtsbotschaft.Das fällt definitiv in die Kategorie “wichtig und bedeutend” und es ist wunderbar, dass wir so viele Lieder, Choräle, Oratorien und Superhits rund um das Fest von Jesu Geburt kennen und sie immer wieder singen. Jauchzet! Frohlocket! Eine Weihnachtszeit voller Musik wünsche ich Ihnen und mir.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 13. Dezember 2024 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Achtung, Insta-Traumpaar!

Daniel Heinze fragt sich, wie authentisch wir auf Instagram und Facebook sind

Liebe vor Leuten hat nix zu bedeuten. An den Spruch musste ich bei dieser paradox klingenden Meldung denken: Ein US-Psychologe hat beobachtet, dass glückliche Paare kaum Beziehungsfotos in soziale Netzwerke stellen. Dieses eine Pärchen allerdings, das immer und immer wieder Bilder von Wochenendtrips und Barbesuchen postet und ständig verliebt lächelt – gut möglich, dass es bei dem in Wahrheit gerade kriselt. Die These des Psychologen: Paare mit Beziehungsstress veröffentlichen sowas häufig, um sich selbst zu beruhigen. 

Wer Dinge aus dem Privatleben postet, präsentiert damit meistens ein „Best Of“; Ängste und Sorgen sind seltener Thema. Nun muss ich nicht hinter jedem Instagram-Pärchenbild gleich eine handfeste Beziehungskrise vermuten. Doch bei Leuten, die permanent ihr nices Couple-Life zur Schau stellen, frage ich mich schon: Wenn bei Euch alles so toll ist, warum ist es Euch dann so wichtig, dass das auch ja alle sehen?  

Ich teile auch gern mal Momente aus meinem Leben in sozialen Netzwerken. Ganz intensive, private Glücksmomente behalte ich lieber für mich. Social Media macht mir immer dann Freude, wenn es kein Wettrennen ist: Wer hat den hottesten Body? Wer führt führt die romantischste Bilderbuchbeziehung? Sondern wenn ich echten Menschen begegne, und erahnen kann, was sie wirklich denken, glauben oder lieben.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 25. Oktober 2024 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Gnade, Glaube, Freiheit aus islamischer Perspektive

Wie blickt der Islam auf Begriffe und Konzepte wie Gnade, Freiheit, Rechtfertigung – die in der christlichen Theologie ja eine zentrale Rolle spielen? Das habe ich kurz vor dem 25. Jubiläum der „Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ Prof. Dr. Ahmad Milad Karimi vom Zentrum für Islamische Theologie Münster (ZIT) gefragt. Unser Gespräch hört Ihr jetzt bei „Mit Herz und Haltung“, dem Podcast aus der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen und der Herder Korrespondenz, hier oder überall, wo’s Podcasts gibt.