Top 10 2006. Platz 8: Dendemann – Die Pfütze des Eisbergs

Peinlicher Pubertär-Humor? Fehlanzeige. Sinnfrei-debiles Gängstah-Getue? Bullshit. Olipetzokateske Hausfrauen-Raps? Bäh. Zu HipHop habe ich ein eigentümliches Verhältnis, es gibt da viel, was ich ziemlich gut finde, noch viel leichter fällt es mir aber zu beschreiben, was ich in Sachen HipHop so richtig grottenschlecht finde – besonders, wenn’s aus Deutschland kommt.

Wie erfreulich, dem jetzt mal wieder etwas entgegensetzen zu können. Denn das hier, das finde ich grandios und möchte es lautstark preisen und empfehlen: „Die Pfütze des Eisbergs“, das Solo-Debüt des bereits zu Eins, Zwo-Zeiten bemerkenswerten Rappers Dendemann ist richtig gut. Tracks wie „Endlich Nichtschwimmer“, „Das Erste Mal“ oder auch der bemerkenswerte Schlußtrack „Dende 74“ sind unterhaltsam, geistreich, tanzbar, witzig, authentisch – und so entspannt dargeboten, als wäre es das leichteste der Welt, derartig präzise Reime und Beats abzuliefern. Bemerkenswert, das alles.

2006 war mit Blick auf CD-Veröffentlichungen deutschsprachiger Künstler und Bands, allerhöchstens mittelmäßig – kaum etwas, das mich da vom Hocker gerissen hat. Die Dendemann-Platte ist dabei nicht etwa „der Einäugige unter den Blinden“, sondern tatsächlich mit Abstand das originellste, souveränste und zugleich überraschendste, was auf Deutsch 2006 an meine Ohren gedrungen ist.

Top 10 2006. Platz 9: Arctic Monkeys – Whatever People Say I Am, That's What I'm Not

Was für ein Drängen, was für eine Unruhe. Bereits sehr früh im Jahr kam diese britische Urgewalt auf uns zu – das Debütalbum der Arctic Monkeys war ein so noch nie dagewesener Hype, veranstaltet in seltenem Einklang von Fans, Bloggern, Plattenfirmen und Kritikern. Aber Himmel, ja – „Whatever People Say I Am, That’s What I’m Not“ ist einfach mal eine tolle Platte.

Und so taucht sie freilich auch zu Recht in mindestens jeder zweiten 2006er-Bestenliste auf, die man so liest. „I Bet You Look Good On The Dancefloor“, „When The Sun Goes Down“ und auch „Fake Tales Of San Francisco“ haben durchaus das Zeug, in ein paar Jahren mal als Klassiker zu gelten. Bis dahin erfreue ich mich einfach an dieser lebendigen, explosiven Platte, ohne nach Kategorien oder Umschreibungen zu suchen. Und ich wünsche mir, dass mir besonders auch an dieses Album quasi als Soundtrack in den Sinn kommen möge, wenn ich dereinst als alter Mann mal versuchen sollte, mich an die großen und kleinen Unsicherheiten, Wirren und Herausforderungen in meinem Jahr 2006 zu erinnern…

Top 10 2006. Platz 10: Josh Rouse – Subtitulo

Das muss man erst mal schaffen: der unumstrittene Sieger meiner Vorjahres-Lieblingsalben-Liste hat es auch diesmal wieder in diese illustre Runde geschafft. Zwar besitzt Josh Rouses „Subtitulo“ ein paar Monate nach Veröffentlichung nicht ganz jene zauberhafte Langzeitwirkung wie der Vorgänger „Nashville“, toll ist das, was Josh da abgeliefert hat, aber allemal.

Diese subtile Frechheit, die sich da in die kleinen, zarten Songs mischt. Dieses ungewohnte südeuropäische Flair, das gänzlich ohne Plattitüden daherkommt. Die Geschichten, diese leicht brüchige Stimme – ach doch, hier passt alles. Nicht ganz so ein Volltreffer wie „Nashville“, aber in jedem Fall eine gelungene und würdevolle Fortsetzung. Stücke wie „Quiet Town“, „His Majesty Rides“ und „Wonderful“ haben sich zeitig im Jahr im Ohr festgesetzt und sind seither dauerhafte und willkommene Begleiter.

Das Beste 2006: Die dunkelblau Weblog Top 10!

Ach wie schön: endlich, endlich wieder Lieblingslistenzeit! Auch in diesem Jahr war es nicht gerade leicht, sich auf zehn Platten festzulegen, die mich in den letzten Monaten geprägt, gestärkt, begleitet und vor allen Dingen begeistert haben. Habe lange mit mir gerungen, jetzt stehen sie aber unumstößlich fest, meine Top 10 2006. In den kommenden Tagen vervollständigt sich die Liste immer ein wenig mehr – und los gehts natürlich noch heute Abend.

Gib mir Musik: Sinéad O'Connor – Zwei neue Songs

So, nun sind sie endlich da, die beiden neuen Sinéad O’Connor-Songs aus dem im April erscheinenden Album „Theology“. Viel Spaß:

Sinéad O’Connor – If You Had A Vineyard
Sinéad O’Connor – Jeremiah (Something Beautiful)

Beide Tracks wurden heute offiziell als Gratis-Downloads bzw. als Geschenk-CD in Irland (Cover siehe oben) durch das Label RubyWorks veröffentlicht.

Sinéad lässt zwei Songs springen

Sinéad O’Connor, die am 8. Dezember ihren 40. Geburtstag feierte und derzeit hochschwanger ist, haut zwei Songs ihres neuen Albums „Theology“ für lau raus – ab Freitag (15.12.) wird es die beiden Songs „If You Had A Vineyard“ und „Jeremiah (Something Beautiful)“ auf ihrer neuen Seite, via eMusic und MySpace zum Gratisdownload geben, zusätzlich wurden jetzt Videos von Liveperformances der beiden Stücke angekündigt.

Mit den vorweihnachtlichen Geschenken will die Sängerin ihrem Publikum die Wartezeit bis zur regulären Veröffentlichung von „Theology“ (voraussichtlich April 2007 auf Rubyworks) verkürzen. In Irland werden die beiden Songs auf einer Digipak-CD in einschlägigen Plattenläden zu haben sein, ebenfalls kostenlos.

„Theology“ wird von Fans und Kritikern sehnslichst erwartet, wird es doch das erste frische selbst geschriebene und -komponierte Material der Sängerin seit dem 2000er Album „Faith And Courage“ enthalten. Zwar war O’Connor seither alles andere als untätig, eigene Songs waren in den letzten Jahren jedoch immer rar gesät. Die neue CD erscheint quasi doppelt: sie wird als Doppel-CD mit einer „ruhigen“ Akustik-Version (produziert von Steve Cooney) und einer „lauten“, von Ron Thom (u.a. Sugarbabes) produzierten Disc veröffentlicht.

Auf „Theology“ widmet sich die Irin maßgeblich biblischen Stoffen. Über die beiden Vorabsongs verriet sie dem Musikmagazin Hotpress:

„‚If You Had A Vineyard‘ is a protest song I guess, Sinead explains. But it’s more of an anti war song. I have always been fascinated with how the books of the prophets relate to things nowadays even though they were written hundreds or thousands of years ago. I read Isaiah and took the lines from it that I liked and adapted them so they rhymed. My desire was not to use anything that perpetuated the myth of a God character being angry and aggressive. I suppose I observe a lot of violence done in the name of theologies of various religions, but when you study the actual texts of those religions you find that they don’t back up anyone who might use them to justify war or violence or anything really which is unloving of people.“

Klingt alles sperriger als es ist – das, was man auf Konzertmitschnitten bislang hören konnte, verspricht große Songs in typisch minimalistischer O’Connor-Manier, besonder „Vineyard“ hats mir bereits sehr angetan. Bin sehr auf die Studioversion gespannt.

NP: Jason Mraz – Selections For Friends (2006)

Jason Mraz hat heute ein neues Livealbum veröffentlicht. Selections For Friends ist allerdings keine CD, sondern ausschließlich als digitaler Download auf seiner Seite zu haben. Sehr schön ist das faire Preis-Leistungs-Verhältnis: 100 Minuten beste Musik für 13 Dollar, das passt schon.

Die „Selections For Friends“ sind Mitschitte von zwei Konzerten der diesjährigen Fan-Spezial-Gigs-Tour, die Herr Mraz absolviert hat – Jason gab in für seine Verhältnisse inzwischen kleinsten Clubs in den USA spezielle Acoustic-Shows, mit denen er sich bei seiner Stamm-Fan-Gefolgschaft für deren Treue und Unterstützung erkenntlich zeigen wollte. Und es ist letztlich nur konsequente Fanpflege, Teile dieser Konzerte jetzt zu fanfreundlichen Preisen als ein ganz wunderbares mp3-Album zu veröffentlichen.

Los gehts zunächst mit Mraz solo; nachdem er in einem halbstündigen Marathon eine seiner ersten EPs in Gänze darbietet, folgen nette Intermezzi mit dem Publikum und tolle Stücke wie „Childlike, Wildlike“. Der zweite Teil bietet die Höhepunkte einer Show mit Band, die auch sehr stripped down, um nicht zu sagen fast-unplugged, aufspielt und ergreifende Versionen von „Life Is Wonderful“ und „Song For A Friend“ hinlegt.

Die „Selections“ erreichen mühelos das hohe Niveau, auf dem bereits die 2004er Mraz-Live-Veröffentlichung „Tonight, Not Again“ voll und ganz überzeugte. Mraz ist ein unterhaltsamer, versierter Musiker und hat eine beneidenswert gute Band im Rücken. Und inzwischen wird mir klar: Mraz im Studio ist nett und gut und schön, aber Mraz live, das ist das Wahre. Da ist der Mr. A-Z nämlich Weltklasse. (9/10)

Selections For Friends Track Listing

1) Welcome To Schubas : The E Minor EP in F Sharp (Jason plays the E Minor EP straight through without pause!) Running, Spinning, Eyes Open, On Love In Sadness, Dead End, Galaxy, Darkest Space
2) Did You Get My Message? Audience Rehearsal
3) Did You Get My Message?
4) Snakes In Schubas
5) Childlike Wildlike
6) Welcome to Saratoga : Older Lover Undercover
7) Sleeping To Dream
8) God Rests In Reason
9) Life Is Wonderful
10) Did You Get My Message?
11) Please Don’t Tell Her
12) Song For A Friend
13) 10,000 Motherfuckers

Neu im Netz: 2zueins.com!

Tollkühne Farbgebung, unschlagbarer Premium-Content und erstklassige Gratis-mp3s – das bietet die neue Website von 2zueins! Hey, ich darf so was schreiben, ich bin schließlich 50% dieser Band und froh, dass unsere neue Seite endlich im Netz ist. Kritiken, Meinungen, Lobe und Anregungen gerne in die Kommentare, ausdrücklich verweisen möchte ich noch auf die nur auf dieser neuen Seite erhältlichen Gratis-Version (mp3) unseres albernen, aber immer wieder live sich als Favorit entpuppenden Liedleins „Angst vor Hunden“. Also, nix wie hin zu 2zueins.com!

Mon)tag covern "Last Christmas"

Eine wirklich ergreifende Version des ollen Gehtjaeigentlichgarnicht-Songs Last Christmas von Wham! haben Mon)tag eingespielt und bieten diese jetzt zum Download feil. Erstaunlich, wie viel Tiefe, Intensität und Leidenschaft die drei Herrschaften aus dem überstrapaziertesten aller Weihnachtspoplieder rausgeholt haben. Als wär’s im Original von Muse oder so… Mit Ihrer Version beteiligen sich Mon)tag am Radio Fritz-Last-Christmas-Cover-Wettbewerb. Keine Ahnung, wie da abgestimmt werden wird. Aber meine Stimme haben die Mon)tagler sicher.

Mon)tag – Last Christmas

Sean Giblin (1963-2006)

Traurige Nachrichten aus der Spin Doctors-Community: heute erreichte mich eine Mail von SD-Intimus Dan Levy zum Tod des engen Bandfreundes Sean Giblin. Sean war Taper, Soundingenieur und Vertrauter der Band und verstarb gestern. Hier Dan’s eMail:

Sean Giblin (1963-2006). Sean Giblin died on November 27 after suffering from cancer. Sean was my first friend in the Nightingale Bar/Wetlands scene that spawned so many great friendships and so many great times. We met as fellow music lovers across the counter at my local CD shop, Smash Compact Discs on St. Marks Place, where Sean worked in the late 1980s. After seeing Blues Traveler and Spin Doctors on two successive nights in December 1989, I told Sean about these incredible new bands. It turned out he had heard of them already. Before long, Sean and I were spending a lot of time following the bands around, and he began his life’s pursuit of live audio recording and sound engineering. Very quickly, Sean became a highly valued and sought-after engineer, a career which began and thrived strictly out of his great passion for live music. […]

I am sitting here thinking about a few memorable moments in which Sean and I acknowledged we were privileged to be part of such a powerful and inspiring musical world, among them the Blues Bake in Greenwich, Connecticut, in 1990, and a show on Sean’s 30th birthday at the Warfield in San Francisco. But there were so many. I look forward to seeing some old friends at the Art Bar this Thursday and sharing some laughs and memories. […] (Quelle)

Tim Vega, Arnie Lawrence, Frankie de la Rocka, Chris Whitley und jetzt Sean – die Trauerfälle im Umfeld der Spin Doctors- und Blues Traveler-Szene schmerzen sehr.

Ich habe mich mit Sean ein einziges Mal per eMail unterhalten und ihn als einen sehr integeren, sympathischen Freund der Band kennen gelernt. Schade, dass er nicht mehr da ist. Rest in peace, Sean.

Chris Barron feat. John Popper – Laraby’s Gang (live 2002)
Spin Doctors – Tonight You Could Steal Me Away (live 2005)
Chris Barron & The Give Daddy 5 – At The Stable (live 2000)
Blues Traveler – Sun And The Storm (studio, 1999)