Top 10 2005. Platz 4: Damien Dempsey – Shots

Damien Dempsey legte mit Shots in diesem Jahr sein drittes Studioalbum vor. Unvoreingenommene Hörer nimmt der Sänger dabei mit auf eine Reise in das moderne, aber geschichtsverbundene Irland, seine Sorgen, Freuden und Probleme: Dempseys charakteristische Stimme, die zeitgemäßen, aber dennoch stets durch irische Folklore geprägten Arrangements von John Reynolds, die bisweilen bissigen, immer aber herzlichen Texte und vor allen Dingen das bestechend klare Songwriting lassen Shots zu einer spannenden, poetischen und ehrlichen Bestandsaufnahme werden.

Hörer wiederum, die mit solcher gänzlich unironischen Musik nichts anfangen können, könnten Damien Dempsey freilich etwa Befindlichkeitslyrik oder musikalische Stagnation vorwerfen. Ja, es geht hier um Drogen („Party On“), Alkoholismus, um Unrecht und Ignoranz („Choctaw Nation“). Auch auf seinem aktuellen Album ist der Ausnahmesänger auf der Suche nach seiner und der irischen Identität, prangert die Unterdrückung seines Landes durch die Briten an, singt ein zu Herzen und vor allem voll in die Magengrube gehendes Lied für alle Landstriche dieser Welt, die jemals besetzt und drangsaliert wurden („Colony“) und nimmt sich und seine Welt äußerst ernst.

Aber gerade das macht ihn so einzigartig – hier ist nichts falsch, nichts unaufrichtig. Seine Wut ist echt, seine Sorge glaubwürdig, seine Performance grandios. Am besten lässt sich das alles durch ein Zitat des Herrn Dempsey beschreiben: „From my room in Donaghmede / I’m about to kick all your asses / Stick your pink champagne and fuck your backstage passes / A warrior comin down the mountain at ya / A woodkern springin from the trees to catch ya / I’m lickin my wounds in the wilderness / Praying for the warmth of a sun’s kiss. / My time will come, your race is run / The throne’s rightly mine, you greedy swine“ („Patience“). Darauf ein Glas Guinness. Oder auch drei.

In eigener Sache II: Daniel mit Mother's Pride am 23.12. im FabriX!

Am nächsten Freitag gehts für mich schon wieder auf eine Bühne – am Freitag, 23.12. spielt im großartigen Werdauer Club FabriX die feine neue Band meines lieben Freundes Robert, Mother’s Pride. Davor gibts als Support die Band Uncle Jam, und zwischen Vorband und Hauptact: mich. Ich werde ein paar Lieder von GEWINNER intonieren und so nach allen Regeln der Kunst zum Gelingen dieses Abends beitragen.

Schon lustig, im vergangenen Jahr standen Robert und ich am gleichen Tag auf der gleichen Bühne, beim Konzert unserer alten Band s.m.h.. In diesem Jahr treffen wir uns am selben Ort wieder – spielen nur halt diesmal nacheinander. Egal, ich freu sehr drauf und hoffe, dass ich Backstage das eine oder andere Bier abfassen darf. Auch wenn ich diesmal nicht zum Hauptact gehöre… 😉

Also, wer kann, kommt bitte hin: Freitag, 23. 12. 2005, FabriX in Werdau (Alte Tuchfabrik): Mother’s Pride mit den Gästen Uncle Jam und Daniel Heinze. Das wird schön!!

Richtig, auf dem oben abgebildeten Flyer steh‘ ich nicht drauf – die wahnsinnig komplexen Vertragsverhandlungen zu diesem Gig haben sich einfach ewig hingezogen, da war dann schon Redaktionsschluss. Okay, die Wahrheit: das mit dem „Daniel-ist-auch-mit-dabei“ hat sich tatsächlich erst in der letzten Woche ergeben, da war die Werbung schon raus. Ich spiel aber trotzdem, ob die nun wollen oder nicht!!

In eigener Sache I: "Gewinner" in der Freien Presse

Unter dem Titel „Bei ‚Gewinner‘ auf die Texte hören“ berichtete die sächsische Tageszeitung „Freie Presse“ (Regionalausgabe Werdau) gestern über meine aktuelle CD GEWINNER. Launische Lieder live:

Werdau. „Gewinner“ nennt sich das neueste Werk von Daniel Heinze. Vom gebürtigen Werdauer, der jetzt in Leipzig wohnt und arbeitet, gibt es über 70 Minuten handgemachte Musik auf die Ohren. So nebenbei laufen lassen, kann man die Scheibe jedoch eher nicht. Zuhören ist angesagt, denn bei Daniel Heinzes CD „Gewinner“ und von der er sagt, es sind sozusagen launische Lieder live, sind es die Texte, die mitreißen, nachdenklich und mitunter auch Laune machen.

Entstanden sind die 17 Stücke innerhalb der vergangenen zehn Jahre, stammen aus seiner eigenen Feder und wurden in einem Dachgeschoss-Studio vor Publikum im Leipziger Norden aufgenommen. Deshalb nennt es sich eben auch Livealbum.

Daniel Heinze beschreibt sich selbst als Musikant (und nicht als Musiker), als Träumer und als Küchenphilosoph. Küchenphilosoph heißt auch einer der Titel. Und der stammt aus der „dunkelblau“-Produktion, einem Zweimannstudioprojekt. Für Projekte hat der Werdauer offenbar eine Vorliebe, denn außer dem „Dunkelblau“-Projekt war er beispielsweise an der „Fünfreundeformation“ s.m.h. beteiligt, sieben Jahre tingelten sie durch das Land und Daniel Heinze war nicht nur der Sänger, sondern er hat auch die Texte verfasst. Und auf die sollte man sich besonders konzentrieren.

Ein paar seiner Livealbum-Songs hat Daniel Heinze kürzlich mit seinem Compagnon Heiko Dietze in der Laurentiuskirche Leipzig zum besten gegeben. Und das Ganze als Benefizkonzert für die Betroffenen des Hurrikans Kathrina in New Orleans und den Erdbebengeschädigten in Pakistan.“

Autorin: Cornelia Kunze, FP Werdau vom 17. Dezember 2005, Seite 13.

Top 10 2005. Platz 5: Ben Folds – Songs For Silverman



Ben Folds
. Einer der Helden des Jahres, ohne jede Frage. Folds erinnert sich nach dem etwas experimentelleren „Rockin The Suburbs“ und drei entzückenden EPs an seine musikalischen Ursprünge: an Zeiten, in denen die Foldschen Pianoeskapaden durch Bass und Schlagzeug umrahmt wurden.

So entstand mit Songs For Silverman ein Album, das mächtig nach den alten Ben Folds Five-Tagen klingt, nur eben mit einem hörbar gereiften und kompositorisch noch clevereren Hauptdarsteller. Ben serviert krude Geschichten, schräge Sichtweisen, unsagbar ehrliche Liebeserklärungen, herzzerreißend süße Momentaufnahmen über sich und seine Familie – und, als wäre es keine große Kunst, haufenweise schöne Melodien. Die sich einmal mehr bewährende Kombination Piano – Bass – Drums wird zwar hier und da ein wenig ergänzt, die meiste Zeit aber bleibt es dann doch ziemlich puristisch. Zum Glück: denn diese Platte verströmt eine Authentizität und Unmittelbarkeit, die selten war im Musikjahr 2005.

Top 10 2005. Platz 6: Element Of Crime – Mittelpunkt der Welt

Der Musikherbst 2005 war voller Höhepunkte, und einer dieser Höhepunkte war zweifelsohne das neue Album von Element Of Crime: Mittelpunkt der Welt ist eine durch und durch typische EoC-Platte geworden. Mit scharfsinnig-lakonischen Texten, zeitlosen Arrangements und dieser herrlich gemütlich-verträumten Grundstimmung. Sven Regener nölt wie immer ganz wunderbar seine Beobachtungen, der Rest der Band umrahmt den Sänger und Trompeter meisterlich und geschmackssicher.

Nun könnte man EoC vorwerfen, dass sie ihren Sound seit Jahren nicht wirklich weiterentwickelt oder verändert haben – Element Of Crime klingt wie Element Of Crime klingt wie Element Of Crime. Vielleicht ist aber gerade das die große Stärke dieser Band und dieser Musik: Regener und Co. pfeifen auf Trends und Zeitgeist und liefern einmal mehr ein vom ersten bis zum letzten Ton liebenswertes, vertrautes und aufrichtiges Album ab.

Top 10 2005. Platz 7: Mon)tag – Sender

Mon)tags erstes Album „Gefallen“ hat Maßstäbe gesetzt: Wohlklang, Ästhetik, intelligentes Songwriting, geschmackssicherer Pop, aufgenommen und produziert in Eigenregie. Zwei Jahre später legt das Hamburger Trio den Nachfolger vor, und stößt damit den einen oder anderen geneigten Hörer zunächst vor den Kopf. Auf Sender geht es deutlich ruppiger, aggressiver zur Sache als man das in Erinnerung hatte. Mon)tag auf Platte und Mon)tag live nähern sich quasi stärker an – und das gelingt ganz formidabel: vom gigantischen „Für Bitte“, dem hymnischen Opener in diese leicht neurotische und bisweilen schwer verdauliche Reise, bis hin zum fast schon punkig dahingerotzten Hidden Track „Ein Anfang“.

Dieses Trio rockt, versteht es aber auch, clevere Zwischentöne beizugeben, ein melancholisches Sehnen und Wünschen hinzuzumengen und so einen wirklich markanten, eigenen Sound zu entwickeln. Da sind Zitate genauso erlaubt wie wirklich genuine, eigene Ideen. Um’s kurz zu machen: Mon)tag ist eine feine Gitarrenband mit klarem musikalischem Profil, sympathischen Leuten und einer geilen zweiten Platte.

Top 10 2005. Platz 8: Sinéad O'Connor – Throw Down Your Arms

Sinéad O’Connor? Die Irin? Mit einem Roots- und Reggae-Album? Zugegeben, die Idee hört sich absolut schräg an. Wenn man aber das Schaffen der Sängerin besonders in den vergangenen zehn Jahren mal etwas genauer unter die Lupe nimmt, dann ist diese Entscheidung letztlich nur konsequent – immer wieder hat sie mit Reggae-Rhythmen experimentiert, immer häufiger auch mit echten Größen des Genres zusammengearbeitet. Throw Down Your Arms ist ein kleiner Geniestreich geworden: produziert von den Legenden Sly Dunbar und Robbie Shakespeare, aufgenommen auf Jamaica, mit einheimischen Musikern, veröffentlicht auf ihrem eigenen Label.

Sinéad nimmt die Musik, die sie hier performt, sehr ernst: sie will die Titel von Burning Spear, Peter Tosh, Bob Marley und Co nicht „verhunzen“ oder kopieren. Vielmehr geht es ihr um eine Hommage und um höchstmögliche Werktreue. Und gerade deshalb schafft sie es, dass Stücke wie „Downpressor Man“ und „Untold Stories“ zu ihren eigenen werden. Die in Europa erhältliche 2-CD-Version setzt dem ohnehin gelungenen Projekt „Throw Down Your Arms“ schließlich die Krone auf: die zweite CD enthält das komplette Album in einer Dub-Version. Diese fast noch stärkere Version lässt den Hörer eintauchen in eine bislang nicht für möglich gehaltene Zwischenwelt: die gleichen Songs, die gleiche Stimme, aber mit noch mehr Brüchen, Freiräumen, kleinen großen Momenten. Ob als Dub oder pur: „Throw Down Your Arms“ ist Sinéad O’Connors beste Veröffentlichung seit ihrem 1994er-Album „Universal Mother“. Go, Sister Sinéad!

Top 10 2005. Platz 9: Blues Traveler – Bastardos!

Einfach mal machen – das war die Devise beim Schreiben und Produzieren von Bastardos!, dem diesjährigen Album der New Yorker Band Blues Traveler. Spielfreude, Mut zum Experiment, Überraschung – das sind die maßgeblichen Zutaten zu dieser CD.

Ihr grandioses 2003er-Album „Truth Be Told“ war eine kaum zu toppende Sammlung eigenständiger, runder Rocksongs. „Bastardos!“ gleicht da eher einer Wundertüte: unberechenbar, was da im nächsten Track passieren wird… Schräge Klänge treffen auf große, weitschweifende Melodien. Und trotzdem klingt immer alles absolut nach Blues Traveler. Lieder übers Einsamsein, Verlassenwerden, über verlorengegangene Liebe, hier und da aber auch über neu aufkeimende Hoffnung, musikalisch vielfältiger und verspielter als jemals zuvor.

Blues Traveler: fünf gestandene Herren, die niemandem beweisen müssen, wie gut sie sind. Sondern die mit „Bastardos!“ einfach das gemacht haben, was für sie wohl schon länger mal fällig war. Nämlich eine mächtig unkonventionelle Platte, die ohne jeden Druck von außen entstehen konnte: ohne Vorgaben, ohne Erwartungsdruck. Aufgabe mit Bravour gelöst.

Top 10 2005. Platz 10: Palestar – Mind The Landscapes

Wow – das war eine echte Überraschung in diesem Jahr, als ich zum ersten Mal Palestar gesehen habe. Da geht man ahnungslos und ohne allzu große Erwartungen zu einem kleinen Festival hier in der Stadt, und prompt sieht man eine Band, die einem so gut gefällt, dass man den Mund vor Staunen kaum wieder zukriegt. Palestar aus Leipzig kreiren große musikalische Landschaften, haben packende Melodien parat und verfügen über clevere Songs. Das größte Pfund, mit dem sie wuchern können, ist die Stimme von Frontmann Patrick Sudarski: glasklar, leidenschaftlich, flehend, packend. Der Kerl hat die Bezeichnung „Sänger“ wirklich verdient.

Und so spielen Palestar eine sehnsüchtige, melancholische Musik, die bisweilen brachial-ausufernd daherkommt, oftmals aber auch auf leisen Sohlen. Gerade unbekannte Bands müssen sich ja oft gefallen lassen, dass man sie unter Zuhilfenahme großer, etablierter Namen einzuordnen versucht. Das schenk ich mir jetzt mal. Sicher, da fielen mir schon ein paar Kandidaten ein (zumal ich einige auch schon bei anderer Gelegenheit angeführt hatte), aber das kann mitunter auch kontraproduktiv sein: „Ach, das ist die Band, die angeblich so klingt wie….“ Bäh. Nee, Palestar sind ein Erlebnis, das ich wärmstens empfehlen kann.

Live wie auf CD: Mind The Landscapes ist ein Album aus einem Guß, nimmt Dich gleich zu Beginn gefangen und läßt Dich sprachlos zurück. Schon nach dem ersten Durchhören war mir klar, dass das eine der Lieblingsplatten des Jahres werden könnte. Und so isses jetzt ja auch gekommen. Palestar, wenn Ihr das lest: ich ziehe den Hut vor Euch, beglückwünsche Euch und mich zu „Mind The Landscapes“ und freue mich wie Bolle, dass es Euch gibt.

Das Beste 2005: Die dunkelblau Weblog Top 10!

So, die stressigen, aber vor allen Dingen schönen Auftrittstage sind jetzt erstmal vorbei – Danke an alle, die letzten Freitag bei Le Borna bzw. eine Woche vorher in der Laurentiuskirche waren und hoffentlich genauso viel Spaß hatten wie wir!

Hier im Weblog gibts jetzt endlich auch wieder etwas regelmäßigeren Content: bis zum Jahresende vervollständige ich nach und nach die Auflistung meiner zehn Lieblingsplatten 2005. Ja, die Top 10 sind bereits gekürt und mir ist es in diesem Jahr schwerer gefallen als sonst – musikalisch gesehen war das ein geradezu fantastisches Jahr. Da war es mir schlichtweg unmöglich, die mir selbst auferlegte „Top 5“-Beschränkung einzuhalten. Und um den Worten auch Taten folgen zu lassen, gehts auch gleich mit Platz 10 los – im nächsten Posting.