Josh Rouse: Fleißig, fleißig…

Ausnahme-Songwriter Josh Rouse ist derzeit wirklich fleißig: Erst Anfang des Jahres erschien sein famoses fünftes reguläres Studio-Album „Nashville„, doch schon jetzt legt der kürzlich nach Spanien umgezogene Amerikaner eine neue Veröffentlichung vor – „Bedroom Classics Vol.2“ (siehe Foto oben). Auf der 5-Track-EP finden sich neue Stücke des Sängers, alle stark inspiriert von seiner Liebe zur Filmmusik. Großflächig, verträumt, inspirierend. Hierzulande am einfachsten via iTunes zu haben – und wärmstens empfohlen.

Aber nicht nur das – offenbar soll bereits im März 2006 das nächste Album, „Subtitulo„, rauskommen! Auf seiner offiziellen Website ist folgendes zu lesen:

Subtitulo is heavily influenced by Josh’s move to Spain. After spending many years in central Tennessee (which came to a close with his most recent album and farewell letter to the city that helped hone his craft, Nashville), Josh packed up his bags, bought a plane ticket and immersed himself into the lifestyle and customs of the Spanish culture. This influence shines throughout the upbeat (and largely romantic) tenor within each song. Look for the first single and video, „Quiet Town“ (a homage to the little Spanish community Altea, where Josh first laid roots upon arrival) to precede the album.

Klingt sehr gut, ich freu mich schon. Und bis endlich März ist, werden mich die zweiten „Bedroom Classics“ und natürlich „Nashville“ gut durch den Winter bringen – so viel ist sicher.

NP: Marc Broussard – Bootleg To Benefit The Victims Of Hurricane Katrina

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass ich hier im dunkelblau Weblog Loblieder auf Marc Broussards erstes Majoralbum „Carencro“ sang. Bis heute bin ich sehr angetan von dieser gelungenen Pop-Soul-Rock-Mischung des jungen Mannes aus Louisiana, wenn auch vielleicht die Begeisterungsstürme der ersten Tage und Monate ein wenig nachgelassen haben.

Louisiana ist das Stichwort. Zwei Tage, nachdem der Hurrikan Katrina große Teile seines Heimatstaates zerstörte, kehrten Marc und seine Band von einer längeren Tour zurück nach Hause. Gottlob waren Freunde & Familien der Bandmitglieder wohlauf, trotzdem wollten Broussard und seine Mannen helfen, nach der Naturkatastrophe allmählich wieder so etwas wie „Alltag“ und normales Leben entstehen zu lassen. Der „Momentary Setback Fund“ entstand, benannt nach Marcs erstem Album. Mit dem Geld, das über diesen Fund zusammenkommen soll, will der Sänger lokale Hilfswerke unterstützen, die beim Wiederaufbau nach Katrina tätig sind.

Eine Charity-Maßnahme ist das Bootleg To Benefit The Victims Of Hurricane Katrina. Sperriger Titel, aber dahinter verbirgt sich eine feine Live-EP mit fünf Tracks und knapp 38 Minuten Spielzeit. Los gehts (naheliegenderweise) mit einer geradezu brachial rockenden Version von „Home“ (…straight from the water…), es folgen drei Stücke aus dem „Momentary Setback“-Repertoire und am Schluß steht eine beseelte Version der „Carencro“-Ballade „Let Me Leave“. Schnell wird klar: live ist Broussard wesentlich erdiger, direkter als auf dem mitunter doch merklich auf Pop gebügelten „Carencro“-Album. Highlights sind das bluesige „My God“ und das viel zu frühe Finale „Let Me Leave“.

Zwei Wermutstropfen gibts denn doch bei dieser Spontan-Veröffentlichung: zum einen ist sie viel zu kurz, ein „richtiges“ Livealbum wäre schön gewesen. Was aber noch gemeiner ist, sind die überpiepsten „shits“ und „fucks“ bei „Just Like That“. Tja, aber das ist wohl Amerika – auf einer Charityplatte darf man offensichtlich nicht fluchen.

Egal – das „Bootleg“ ist klasse, erfüllt einen guten Zweck und schürt nicht zuletzt den Wunsch danach, hoffentlich bald wieder mehr zu hören von diesem jungen Herrn mit der Wahnsinnsstimme. (7/10)

Sinéad O'Connor live @ Tempodrom, Berlin, 14. 11. 2005

Schon ein ganzer Tag ist vergangen seitdem Sinéad O’Connor im Tempodrom den letzte Ton gesungen hat. Sie war mal wieder in Berlin, zweieinhalb Jahre nach ihrem atemberaubenden Auftritt während der „Séan-Nos Nua“-Tour, bei dem sie in der „Arena“ irische Folk-Klassiker in einen modernen Pop-Reggae-Mantel packte, und obendrauf noch die wichtigsten Stücke ihres eigenen Oevres zum besten gab. Grandioses Konzert war das, damals, 2003.

In der Zwischenzeit ist viel passiert: Sinéad hat den Dienst im Popbusiness quittiert – sie wolle nur noch spirituelle, religiöse Musik machen und künftig nicht mehr Teil der Musikindustrie sein müssen. Sie hat ihr drittes Kind zur Welt gebracht, Shane. Sie hatte Gelegenheit, mit ihren Helden Sly Dumbar und Robbie Shakespeare in Jamaica die Musik aufzunehmen, mit der sie seit über zehn Jahren liebäugelt: Rasta-Roots-Klassiker von Burning Spear, Peter Tosh und auch Bob Marley. „Throw Down Your Arms“ heißt das überzeugende Ergebnis, ihr aktuelles Album, veröffentlicht auf einem eigenen Plattenlabel, so unabhängig wie nur möglich von der ach so verhassten „Popindustrie“.

Und mit diesen Rasta-Songs besucht sie nun Berlin im Rahmen ihrer 2005er Tour. Ich gebe zu, ich hatte gemischte Gefühle vor diesem Konzert. Nachdem ich bereits fünf Mal das Glück hatte, diese Sängerin live zu erleben, konnte ich mir nicht vorstellen, ein Konzert von ihr zu erleben, in dem nicht ein einziger Song ihres bisherigen Schaffens zu hören sein würde. Auf der anderen Seite hat mich „Throw Down Your Arms“ begeistert – diese Offenheit, diese Hingabe, diese Glaubwürdigkeit ist einfach phänomenal.

So ging es denn los – mit einer halben Stunde besten Reggae-Entertainments durch Sly & Robbie und deren Band. Nachdem die grandiose Band das Publikum gehörig aufgeheizt hatte, betrat Sinéad die Bühne – um erstmal allen mit ihrer fast-a-capella-Version von „Jah Nuh Dead“ den Atem zu verschlagen. Was danach kam, lässt sich kaum in Worte fassen. Alle Songs vom aktuellen Album, vorgetragen voller Hingabe und Leidenschaft, dazu ein paar exquisite Überraschungen wie „Move Out Of Babylon“ oder „Abendigo“ (TDYA-Titel, die leider nur per Japan-Import erhältlich sind), oder auch das gemeinhin als unselig sigmatisierte „Rivers Of Babylon“ von Boney M. In Sinéads Kosmos klingt dieses hierzulande als billiger Schlager verpönte Stück wie eine anrührende, fesselnde Ballade.

Ohne jeden Zweifel waren die ersten beiden Zugaben die Höhepunkte dieses ungewöhnlichen Abends: die zwei sanften Stücke „Run Comes (Throw Away Your Stoney Heart)“ und „Keep Cool Babylon“ verdeutlichten einmal mehr, dass hier eine Ausnahmesängerin, die oft und gern missverstanden wird, sehr genau weiss, was sie tut. Nämlich die Lieder, die ihr wirklich am Herzen liegen, voller Begeisterung zu singen, mitunter zu schreien und stets zu leben. Ohne Frage, derart gelöst, glücklich und gelassen habe ich Sinéad noch nie erlebt wie gestern Abend. Atemberaubend.

Was sie derzeit tut, scheint voll und ganz auf ihrem eigenen Mist gewachsen zu sein: diese Rasta-Songs, diese Tour, diese Attitüde – es ist ihr Ernst mit diesen Liedern und genau das bringt den Zuhörern so unsagbar große Freude. Und so stand ich nach dem letzten Song des Abends, einer fast bedrohlichen Version von „Stepping Razor“, völlig verblüfft und ein wenig fassungslos vor der viel zu schnell viel zu leeren Bühne des Berliner Tempodroms. Doch, es geht noch besser als zuletzt 1997, 2002 oder 2003, wo sie jeweils schon einmal so etwas wie das bis dato „beeidruckendste Konzert meines Lebens“ performte. Sie schafft es immer und immer wieder, und das macht mir bisweilen ein wenig Angst – was soll da jetzt noch kommen?

Aber bevor ich mir darüber den Kopf zerbreche, bin ich zufrieden und dankbar für ein weiteres sensationelles Sinéad O’Connor-Konzert. Could go on and on, the full has never been told…

Sinéad O’Connor
Live @ Tempodrom, Berlin
2005-11-14

Jah Nuh Dead
Marcus Garvey
Move Out Of Babylon
He Prayed
Y Mas Gan
Door Peep
Abendigo
Curly Locks
Prophet Has Arise
Throw Down Your Arms
Vampire
Untold Stories
Rivers Of Babylon
War
Downpressor Man
None A Jah Jah Children

E:
Run Comes (Throw Away Your Stoney Heart)
Keep Cool Babylon
Stepping Razor

Sinéad live 2005 – Große Erwartungen….

Höre gerade einen Livemitschnitt von Sinéad O’Connor, live in London vor ein paar Tagen. Sie singt die Songs Ihres aktuellen Albums, als gäbe es kein Morgen. Sie singt „Rivers Of Babylon“, als wäre es der wichtigste Song der Welt. Wenn ihr Konzert morgen in Berlin auch nur annähernd so gut wird wie diese Liveaufnahme, dann erwartet mich ein wahrlich großartiges Konzert.

Howie Day: Live-EP erscheint im Dezember

Ah, na endlich! Schön, mal wieder was von Howie Day zu hören. Nicht, dass der Herr in diesem Jahr untätig gewesen wäre – im Gegenteil: fast das ganze Jahr über war er unterwegs und hat in den USA Konzerte gegeben. Howie Day gehört halt aber zu den Künstlern, von denen man sich gerne schnell mehr wünscht – sein 2003er Wurf „Stop All The World Now“ ist ja eigentlich noch gar nicht so alt. Aber nach inzwischen vier Re-Releases von SATWN ist es mehr als an der Zeit, mal wieder was frisches zu veröffentlichen.

Ganz frisch ist sie nun auch wieder nicht nicht, die am 6. Dezember erscheinende 7-Track-EP „Live From…“, enthält sie doch mehrheitlich Aufnahmen von der diesjährigen Tour (Howie war unterwegs mit einer Liveband). Ganz viel drauf daher vom 2003er Album, dazu „Ghost“ vom Debüt „Australia“ und ein Cover, auf das ich gespannt bin: den Crowded House-Titel „Don’t Dream It’s Over“ mag ich ja so schon sehr, mal hören, wie sich das von Howie Day und Band anhört.

Hier die Trackliste der neuen EP:

1. Ghost
2. Don’t Dream It’s Over
3. Numbness For Sound
4. Sunday Morning Song
5. Brace Yourself
6. Collide
7. Trouble In Here

Also, immerhin ein kleines Livealbum erscheint noch in diesem Jahr. Doch fast noch besser als all die EP-Neuigkeiten ist ja dieser kurze Satz aus dem aktuellen Newsletter von Howie Day:

Howie is currently writing the highly anticipated follow-up to of Stop All The World Now.

Highly anticipated? Allerdings!

Keine Lieder über Liebe

Eigentlich ist ja Kino so gar nicht mein Metier, aber an dieser Stelle sei dennoch nachdrücklich auf den Film „Keine Lieder über Liebe“ hingewiesen. Jürgen Vogel, Heike Makatsch und Florian Lukas spielen absolut glaubwürdig und überzeugend, der Streifen glänzt durch viele clevere Details, bestechende Dialoge und nicht zuletzt durch gute Musik (Kompliment an Thees Uhlmann und Co!).

Ein verblüffend weiser und trotzdem so normal daherkommender Film über Liebe, Beziehungswirrungen und Livemusik. Kein prätentiöser Gefühls-Quark, sondern unaffektiertes, unterhaltsames und liebevolles Kino. Hab gehört, der Film hätte von der „Fachpresse“ eher durchwachsene Kritiken bekommen. Daher in aller Deutlichkeit hier diese Empfehlung eines Nicht-Cineasten und Gelegenheitskinogängers: Anschauen! Lohnt sich!

DMB: Red Rocks 05 – Hammerveröffentlichung

Habe gerade viel zu viel Geld ausgegeben. Habe nämlich die bislang wahnwitzigste Veröffentlichung der Dave Matthews Band vorbestellt: mit „Weekend On The Rocks“ und „The Complete Weekend On The Rocks“ veröffentlicht die US-Band Anfang Dezember nämlich eine vollständige Dokumentation ihres diesjährigen Four-Night-Stands im wunderschönen Red Rocks Amphitheater (9.-12. September 2005).

Während die „einfache“ Veröffentlichung ein Best-Of der vier Nächte auf zwei CDs und einer DVD bereit hält, gibts auf „The Complete Weekend On The Rocks“ genau das, was der Name verspricht: alle vier Konzerte in voller Länge, und das auf 8 (acht!) CDs, die DVD gibts auch noch obendrauf.

Mit „Weekend On The Rocks“ liegt demnächst nicht nur die bislang umfangreichste DMB-Veröffentlichung aller Zeiten vor, sondern auch die bereits zweite Red Rocks-Dokumentation – das Ende der Neunziger erschienene „Live At Red Rocks“ mit einer Show aus dem Jahr 1995 war die erste offizielle Live-CD der Band überhaupt. Inzwischen haben DMB eine kaum noch überschaubare Menge an Livealben unters Volk gebracht. So über’n Daumen sinds schätzungsweise 12 oder 13 Veröffentlichungen mit mindestens 35 Einzel-CDs.

Aber egal: „The Complete Weekend On The Rocks“ ist für Fans der Band sicher ein Pflichtkauf, nicht zuletzt wegen der wunderbaren Gäste (Robert Randolph, Ivan Neville) und der seltenenen Coversongs (Exodus, Blackbird, Time Of The Season etc.) Zu haben über den offiziellen Internet-Laden von DMB auf deren offizieller Seite.