Zooma-Tour komplett abgesagt

Mehr als 30 Stops sollte sie haben, die gemeinsame Zooma-Tour von Ben Harper, Trey Anastasio und ganz vielen anderen US-Stars. Heute wurde der für den Sommer geplante musikalische Wanderzirkus komplett abgesagt:

The Zooma Tour was conceived to provide fans with an exceptional musical and entertainment experience. Due to unforeseen circumstances, it has become clear that it would not be possible to provide that experience at the level initially envisioned. Rather than go forward with a tour that falls short of what was conceived, everyone involved has mutually agreed that it is best to cancel the tour altogether.

Das ganze Statement zur Zooma-Absage steht auf der offiziellen Seite.

NP: Audioslave – Out Of Exile (2005)

Rockmusik. Ja, genau – das ist Rockmusik. Da sind keine detaillierteren Umschreibungen nötig für das, was Audioslave auf ihrem zweiten Album Out Of Exile präsentieren. Zwölf breitbeinige, rustikale Stücke – amtliche, druckvolle Gitarren; emotionaler Gesang; schräge, überraschende Wendungen und Breaks; geradlinige, treibende Grooves; erdiges Bassspiel. Und ein paar mächtig einprägsame Hooks gibts auch. Dabei klingt das aber alles keineswegs nach vergangenen Tagen, Siebzigerjahreposermucke oder Achtzigerjahreopernkreischmetal, sondern durchaus zeitgemäß, modern und frisch. Audioslave haben es verstanden, nach ihrem zu Recht viel beachteten 2002er Erstling zu einer „richtigen Band“ zusammenzuwachsen. Und sie machen hörbar leidenschaftlich das, was sie am besten können – Rockmusik eben. Oder, wie es so fast schon liebenswürdig-naiv im Booklet heißt: „All sounds made by Guitar, Bass, Drums and Vocals.“

Hier gehört jetzt eigentlich die Standard-Abhandlung über Audioslave hin, das fast schon obligatorische „Audioslave, das sind 3/4 Rage Against The Machine plus Chris Cornell von Soundgarden“, das im Audioslave-Kontext viel strapazierte Wort Supergroup, der sicher berechtigte Verweis auf die spannende Vergangenheit der Bandmitglieder und und und. Dafür bin ich aber a) gerade zu faul und b) kann man das in eigentlich jedem anderen Artikel über die Band lesen – also einfach mal Google befragen und schlau machen…

"F*** it, I have to go back to work": Sinéad O'Connor über ihr Comeback

Throw Down Your Arms soll es heißen, das im Februar angekündigte Reggae-Cover-Album von Sinéad O’Connor. Insgesamt zwölf Tracks wird die von Sly & Robbie produzierte CD enthalten und – wenn es nach der Künstlerin geht – bereits im August erscheinen. Neben vier Titeln der Reggae-Legende Burning Spear, mit der O’Connor unlängst die Jammys in New York aufmöbelte, erwarten die Hörer Songs wie Bob Marleys „War“ und Peter Toshs „Downpressor Man“. All diese Neuigkeiten entlockte die US-Zeitschrift Entertainment Weekly der Sängerin und widmet ihr in der aktuellen Ausgabe eine umfangreiche, online leider nicht frei zugängliche, Story.

Darin verrät Sinéad außerdem erste Details über die andere Platte, die sie zur Zeit in der Mache hat – eine Sammlung religiöser Songs und gesungener Gebete, die den selbstbewußten Titel Theology tragen und ebenfalls noch in diesem Jahr erscheinen soll. Das wäre dann ein Rekord für das streitlustige Goldkehlchen aus Dublin – zählt man die erst in dieser Woche veröffentlichte Sammlung Collaborations mit, ergäbe das drei Alben in einem Jahr. Nicht schlecht für eine Sängerin, die erst vor zwei Jahren durchaus glaubwürdig ankündigte, nie wieder im Popbusiness aktiv sein zu wollen.

Ansonsten ist der Artikel gespickt mit markigen Sprüchen der Sängerin – es ist diese Art von Statements, die man auch in zwei, drei Jahren noch als hübsche Zitate anführen wird, um die Schrulle mit der Engelsstimme zu charakterisieren. Die schönsten davon hier:

“Religious songs with bad words! If I were God, I’d be pretty ill listening to a lot of that boring religious music, you know? There’s room for some serious testosterone in that arena.“
Sinéad O’Connor über die Idee hinter ihrem Theology-Album mit „moderner“ religiöser Musik.

“I’m three-quarters heterosexual, a quarter gay. I lean a bit more towards the hairy blokes.“
Sinéad über ihr Sexleben.

“About six years ago I went to confession and spent a half an hour crying my face off about what a horrible monster I am. I was quite ill, literally struggling with the will to live. I’m a manic-depressive, and it took a long time for me to get diagnosed properly.“
Sinéad über persönliche Krisen.

“I [was doing] full-time mothering, which I love. But what happened is, my dishwasher broke, my plumbing went, my toilet broke, everything began to break. I started to wither away and think, No one will ever know I’m here, dogs will eat my corpse, that whole thing. So I said, F— it, I have to go back to work.“
Sinéad über den Grund für ihre Rückkehr ins Musikgeschäft.

Und schließlich: mein Lieblingszitat. Die Erklärung, warum ihr der kommerzielle Erfolg ihrer neuen Platten reichlich egal ist:
“I’m confident the records will sell enough. But it’s not about that. I’ve got six and a half million quid in the bank. I can feed my kids.‘

Update in eigener Sache: dunkelblau mal wieder im Studio!

Komme gerade von einer kleinen Aufnahme-Session in Matthis Studio zurück – ja, nach eineinhalb Jahren haben wir beide, also die Popmusikcombo dunkelblau, wieder Zeit und Muse für ein paar neue Demos. Und siehe da – zwei Stücke haben wir uns erstmal vorgeknöpft. Es liegt sicher in der Natur der Sache, dass ich die Demos klasse finde, immerhin haben wir ja auch die Musik gemacht. Schönes Gefühl zu wissen, dass es wieder losgeht und wir an neuen Tracks basteln.

Wer hören mag, was wir bisher so zustande gebracht haben, dem sei unser Album In der Zwischenzeit (2004) empfohlen, Hörproben und ein Bestellformular gibts hier. Außerdem schwirrt seit April im Netz auch eine frei erhältliche EP von uns herum – sechs mp3s zum Gratisdownload: hier gibts die REGENTROPFEN EP. Ach ja, und da kommt dann in ein paar Wochen auch noch eine Live-CD, der Mitschnitt eines Solokonzertes von mir aus dem letzten Herbst. Alle Updates dazu gibts natürlich hier im Weblog und auf der Seite zur CD.

Sinéad O'Connor – Collaborations (2005)

Das wurde aber auch Zeit: endlich ist mal ein halbwegs repräsentativer Überblick über die Zusammenarbeiten der Sinéad O’Connor mit anderen Acts, Produzenten und Projekten erschienen. EMI hat das eigentlich so nahe liegende endlich umgesetzt, und in dieser Woche Collaborations auf den Markt geworfen. Mit 17 Tracks und knapp 80 Minuten Spielzeit ist die CD rappelvoll mit guter Musik aus fast sechzehn Jahren: da gibts ein Wiederhören mit den brillianten Ghostland („Guide Me God“), Jah Wobble, The The und U2 – sie alle haben in der Vergangenheit mit der streitbaren Irin kooperiert, zum Teil mit ganz fantastischen Ergebnissen. Natürlich werden auch Sinéads Arbeiten mit Peter Gabriel („Blood Of Eden“) und Moby („Harbour“) gewürdigt, ebenso wie die mit den irischen Indiepoppern Aslan oder auch Tim Simenon, einem größeren Publikum bekannt geworden durch die Produktion des Depeche Mode-Albums „Ultra“, der Mitte der neunziger Jahre Sinéad für einen Song in sein Bomb The Bass-Projekt integrierte.

Warum all dieses Namedropping? Nun, die „Collaborations“ sind eine absolut notwendige und richtige Veröffentlichung – schon zu Beginn ihrer Karriere in den späten Achtzigern waren es häufig die von der breiteren Musiköffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommenen guest appearances und features, die genauer und besser Auskunft über die künstlerischen Qualitäten der Sängerin gaben als die eigentlichen O’Connor-Alben. Zahlreiche Künstler vertrauten darauf, dass Sinéads markante Stimme ihren Produktionen das „gewisse Etwas“ verleihen würde, etliche Produzenten erkannten das Potential der Sängerin. Insofern ist mit dieser neuen CD eine stringentere, schlüssigere und repräsentativere Werkschau gelungen als mit der recht hektisch zusammengefrickelten Doppel-CD „She Who Dwells…“ aus dem Jahr 2003.

Für eingeschworene Fans der Sinéad O’Connor, zu denen sich der Autor dieser Zeilen zählt, mag „Collaborations“ nichts wirklich Neues oder gar „Unerhörtes“ bringen. Manche werden sich gar aufregen über die Überschneidungen mit früheren Alben („Empire“ mit Bomb The Bass erschien bereits auf dem 1997-Best Of der Irin, „1000 Mirrors“ mit Asian Dub Foundation auf der eben erwähnten 2003er Doppel-CD); einzig das fast schon antike „Monkey In Winter“ (1987, mit Terry Halls Band „The Colourfield“, hier erstmals überhaupt auf CD erhältlich) besitzt für diese recht kleine Zielgruppe echten Seltenheitswert.

Alle anderen aber bekommen hier eine Compilation angeboten, die wirklich eindrucksvoll belegt, was für eine talentierte, wandlungsfähige, stilsichere, ja spektakuläre Künstlerin Sinéad O’Connor ist. Einen Sampler, der trotz des mitunter gewagten Stilmixes eine erstaunliche und angenehm durchhörbare Einheit bildet. Und – eine Sammlung, die nach einer Fortsetzung förmlich schreit. Denn da gibt es noch so einige Schätze aus dem Archiv, die es ebenfalls verdient hätten, zurück ans Tageslicht gehoben zu werden: ihre Arbeiten mit Christy Moore und Luka Bloom etwa, atemberaubende Kooperationen mit James (der UK-Band), Willie Nelson, Natacha Atlas, den Chieftains oder Rick Wright und und und… Ausreichend Stoff für „Collaborations Vol. 2 – 5“ quasi. Aber eins nach dem anderen. Für den Moment sei erstmal diese CD hier wärmstens empfohlen.

Discographie: The Lion And The Cobra (1987, 7/10); The Value Of Ignorance (1988, 7/10); I Do Not Want What I Haven’t Got (1990, 8/10); Am I Not Your Girl (1992, 7/10); Universal Mother (1994; 10/10), Gospel Oak (1997, 9/10), So Far – The Best Of (1997, 6/10); Faith And Courage (2000; 8/10); Sean-Nos Nua (2002, 7/10); Goodnight Thank You You’ve Been A Lovely Audience (2003, 10/10); She Who Dwells In The Secret Place Of The High Shall Abide Under The Shadow Of The Almighty (2003, 7/10); Collaborations (2005, 9/10).

Saul Zonana mit neuem Album

Das Jahr 2005 wird wohl ganz schön ins Geld gehen – so viele schöne neue Platten, die dieser Tage erscheinen. US-Songwriter Saul Zonana hat vor ein paar Wochen auch ein neues Album veröffentlicht, und die Hörproben von „42 Days“ klingen äußerst vielversprechend. Bei CD Baby gibts die Clips und jede Menge aktuelle Infos über Saul, und natürlich ist auch des Künstlers persönliche Internetseite einen Besuch wert. Über die Platte gern mehr, sobald ich sie gehört habe – das kann aber (leider, leider) noch ein Weilchen dauern…

Ein paar DMB-News – "Stand Up" auf Platz 1…

„I hope that the fans think that I’m a cooler dude than Glen.“
„Stand Up“-Produzent Mark Batson über „Everyday“-Produzent Glen Ballard im nancies.org-Interview.

Die Dave Matthews Band-Fansite nancies.org hat bereits im April einen Artikel (Vorsicht, sieben Seiten!) über den aktuellen DMB-Produzenten und dessen musikalischen Hintergrund veröffentlicht – sehr lesenswert!

Außerdem, und da zitiere ich die Nancies ausnahmsweise mal komplett, ist Stand Up, das neue Album, auch mittelschwer erfolgreich:

The week’s Billboard charts are in, and it looks good for DMB: Stand Up has debuted at #1, Billboard reports. It sold 465,000 copies in its first week, short of Busted Stuff’s 622,000-strong debut in 2002, and way short of Everyday’s sales of 733,000 in the week of its release in 2001. It is, though, the strongest showing of a rock album thus far in 2005. Thanks to Wayland for the tip.

(Quelle: nancies.org)

Und, dieses rock album wächst und wächst in meiner Gunst – Songs wie „You Might Die Trying“ sind einfach toll. Daher kann ich nur jedem Skeptiker das ans Herz legen, was Mark Batson im Interview den potentiellen „Stand Up“-Hörern empfiehlt: „Turn it up. Listen to it loud. Understand it emotionally.“

Nix wie hin: jasonmraz.com

Rechtzeitig vor der Veröffentlichung seines nächsten Albums hat Jason Mraz seine Website generalüberholen lassen. Der junge US-Barde mit den schier endlosen Textsalven und den eingängigen Melodien ist einer von diesen Künstlern, bei denen sich der Besuch der Homepage auch wirklich lohnt: Soundschnipsel, vom Künstler selbst gedrehte Minifilmchen, natürlich alle aktuellen Tourdaten und eine lesenswerte Biographie sind zu finden.

Allerdings bietet die Seite eben auch Besonderheiten, die sie einzigartig machen: so pflegt Jason Mraz sehr gewissenhaft (also regelmäßig) sein „Tagebuch“ und weiß mit witzigen, bisweilen sarkastischen, immer aber recht ehrlichen Kommentaren zu unterhalten. Fein ist auch die Appetizer-Seite zum neuen Album „Mr. A – Z“. So gibts neben 30-Sekunden-Auszügen aus der Ende Juli erscheinenden Platte auch aufschlußreiche Infos zur Entstehung und Aufnahme des jeweiligen Songs. Das steigert nicht nur die Vorfreude, sondern regt auch zum Immermalwiedervorbeischauen ein. Schöne Seite, nix wie hin.

Photo taken from jasonmraz.com

NP: Van Morrison – Magic Time (2005)

Carry on and start all over again, in spite of all the TV trash
Carry on regardless, in spite of all the media rehash
And the white wash, the brain wash and all the white trash
Carry on regardless, baby, when you’re on a roll
Carry on regardless, just to satisfy your soul.

Höre gerade zum ersten Mal „die neue Van Morrison„. „Magic Time“ heißt sie und klingt – tja, wie eine VM-Platte nunmal klingt: verträumte Lieder, warme, unaufgeregte Musik. War der 2003er Ausflug auf das Bluenote-Label auch mit einer Extraportion Jazz gekrönt, geht es hier wieder reichlich traditionell zu – wie auch auf den letzten, sagen wir mal, zehn Van-Alben für Exile Music. Klar, dass auf einer Nummer mit dem Titel „Celtic New Year“ Paddy Maloney von den Chieftains die Whistle spielen darf; ansonsten dominieren aber die entspannten Gitarren, große, klassische Akkordfolgen ebnen den Weg für unterhaltsame Bläsersoli, Van selbst singt von der Liebe und vom Leben. Das ist aber durchaus abwechslungsreich: ab und an geht mal die olle Skiffle-Sau mit ihm durch („Keep Mediocrity At Bay“), dann croont er sich durch das immergrüne Sinatra-Stück „This Love Of Mine“, kurz darauf entdeckt er den „Gypsy In My Soul“ oder erklärt, warum er manchmal gern „Just Like Greta“ Garbo wäre.

Er wird halt immer älter, aber er altert souverän und in Würde. Eine schöne Platte, ohne nennenswerte Außergewöhnlichkeiten zwar, aber solide und anregend. Und da fällt dann auch nicht so ins Gewicht, dass das bereits die zweite CD in diesem Jahr ist, der ich ein geradezu bemerkenswert schauriges Cover attestieren muss: hören Sie diese CD, kaufen Sie diesen Tonträger, möchte man den Menschen im Plattenladen zurufen, lassen Sie sich bitte auf gar keinen Fall von dem im künstlichen Mondlicht albern tanzenden Pärchen auf dem Cover in die Irre führen!! So kitschig, old fashioned und vorhersehbar, wie einem Titel und Titelbild dieser Platte weismachen wollen, ist die Musik nämlich ganz und gar nicht.

[Update 18:15 Uhr: Das ist Autoscheinwerferlicht, kein Mondlicht. Nur der Glaubwürdigkeit halber sei das ergänzt. Das Foto wird durch diesen Fakt aber auch bloß nicht besser.]