Jammy Awards 2005

Ach, wie schön: die Jammys 2005, der „Grammy der Jambandszene“, sind Geschichte – Gov’t Mule wurde für das beste Album des Jahres geehrt, Sinéad O’Connor hatte ein furioses (wenn auch nicht unumstrittenes) Livecomeback während der Show im Madison Square Garden, John Mayer stahl allen die Show… Muss schön gewesen sein.

The penultimate segment was one of the evening’s best, with Medeski Martin & Wood and the Antibalas Horns backing O’Connor and Spear on four Spear tunes: „Door Peep,“ „Marcus Garvey,“ a chilling a cappella version of „Jah No Dead“ and „He Prayed.“

Die komplette Billboard-Kritik über die „Jammies“ gibts hier, der US-Rolling Stone hat natürlich auch was geschrieben und die New York Times ebenso. Viel Spaß beim Lesen…

UPDATE: Inzwischen berichtet auch jambands.com ausführlich über die Jammy Awards. Und zwar hier.

Jammy logo taken from the official Jammy Awards website.

Erinnerungen an Arnie…

Der Tod von Arnie Lawrence berührt viele in der New Yorker Musikerszene. Sein (nicht minder begabter und liebenswürdiger) Sohn Erik hat folgende e-Mail an Fans und Freunde seines Vaters veröffentlicht:

It is with great reverence that I share the news that my father, Arnie Lawrence, has passed from this earth Friday, April 22nd, 2005 near his home in Israel after a brief illness. A master saxophonist and legendary teacher, he put his heart and soul into his music, into teaching and gave a large piece of it to anyone who needed it. His accomplishments go far beyond what my meager mind can express on this or any day. His career spanned from sitting at the feet of Ben Webster to „rock and roll guru“ and honorary member of many bands, including Blues Traveler and Spin Doctors. He created the New School Jazz program, and an even further reaching program in Israel, bringing Jews and Arabs together through music. We are all his children and his message of love and creativity will continue to grow.

I remember Pops telling me that Ben Webster advised „You’re only as good as your rhythm section“ when he was 16 years old. I can’t tell you how many rhythm section players have told me they never played as well as they played with him.

Oddly, I heard the news of his passing just before entering a recording studio in Brooklyn, near where he was born. I was playing his old King alto, we were to play a traditional African funeral march. When I finally got myself together to walk into the studio there were two framed album covers on the wall, chosen because the engineer’s girlfriend liked the ’60’s style artwork. My father had played on both of them. I figured perhaps I was doing just what I was supposed to be doing.

Talk has begun for a memorial service in at St Peter’s Church in NYC on July 10th, his next birthay at 7pm and the establishment of a scholarship fund in his name. Please feel free to forward this email to any of his friends around the globe. (…)

May peace and music be with you always.
Erik Lawrence

Einen ganz hervorragenden Nachruf auf Arnie gibts bei bluestraveler.net, tolle Fotos wie das hier gezeigte gibts im Spin Doctors-Forum.

Außerdem organisiert Aaron Comess im Moment einen Arnie Lawrence Tribute Jam, der am kommenden Montag in der legendären Nightingale Bar in NYC stattfinden soll.

Photo by Paul LaRaia, taken from the official Spin Doctors website.

Howie Day goes gold…

Go Howie, go Howie:

STOP ALL THE WORLD NOW/ CERTIFIED GOLD!
A huge thanks to all the fans who picked up the record and made this possible!
[Quelle: Howie Day Newsletter]

Ja, es ist wirklich eine große Leistung, als „kleiner“ Songwriter nach anderthalb Jahren für das tolle Album SATWN Gold einzufahren. Herzlichen Glückwunsch, Howie. Und herzlichen Glückwunsch allen, die morgen Jay Lenos Show anzuschauen in der Lage sind.

Photo taken from the official Howie Day website.

NP: Eels – Blinking Lights And Other Revelations (2005)

Mark Oliver Everetts neueste Platte hat es in zweierlei Hinsicht in sich: zum einen ist sie ungewohnt umfangreich (gleich zwei CDs mit insgesamt 33 Stücken), zum anderen ist die Musik aber auch qualitativ ganz wunderbar ausgefallen. Der man called E und seine eels-Mitmusiker legen mit Blinking Lights And Other Revelations ein absolut gelungenes neues Album vor. Die Musikpresse ist ja im Moment des Lobes über diese Platte voll, und da ich mich all dem Geschriebenen zum größten Teil anschließen kann, mach ich’s heute einfach mal (verhältnismäßig) kurz:

Wer für rund 90 Minuten eintauchen möchte in den seltsamen Mikrokosmos des E, wer aus dem Nichts daherkommende Minisaxophonsoli ebenso goutiert wie herzzerreißende Songwriting-Kleinodien, wer ein kleines bißchen Spaß versteht und einen Funken Weltschmerz in sich trägt, wer auch frühere Eels-/E-Platten zu schätzen weiß und kein Problem damit hat, dass Mr. Everett inzwischen desöfteren auch mal sich selbst zitiert (musikalisch wie textlich), wer einfach mal wieder eine ganze Menge schöne Musik hören mag, dem sei der Kauf von „Blinking Lights…“ wärmstens empfohlen.

I go to bed early / Everybody thinks it’s strange / I get up early in the morning / no matter how disappointed I was / with the day before / it feels new… (Eels – Things The Grandchildren Should Know)

Abschlußkonzert des Leipziger "a cappella"-Festivals 2005

Gern denke ich an den gestrigen Abend und das Abschlußkonzert des diesjährigen a cappella-Festivals in Leipzig zurück. Das war ein wirklich schöner und abwechslungsreicher Abend im Gewandhaus. Hier ein paar Gedanken zu den einzelnen Künstlern:

Das gastgebende ensemble amarcord war einmal mehr souverän und unterhaltsam und hat dem Abend bereits den jazzig-melancholischen Grundton vorweggenommen. Eine bessere Eröffnung wäre kaum denkbar gewesen, die fünf Leipziger gaben dem Publikum einen (leider viel zu kurzen) Einblick in ihre mich immer wieder ob ihrer Vielfältigkeit verblüffende musikalische Welt.

Not exactly my cup of tea war die Musik von Orlando Consort – ganz ohne Zweifel waren hier große Künstler am Werk, die hier u.a. Musik aus dem mittelalterlichen England präsentierten. Aber der Funke wollte (wenigstens bei mir) nicht so recht überspringen.

Wirklich überrascht war ich von Viva Voce, dem Nachwuchsensemble des Festivals. Fünf fesche Franken, die als „a cappella-Boyband“ durch die Lande ziehen. Mal abgesehen von diesen albernen New Kids On The Block-Pluderhosen und den überflüssigen Tanzeinlagen haben die Herrschaften mal eben ganz souverän das Gewandhaus gerockt und das Publikum hörbar begeistert – mit Rock’n’Roll und Robbie Williams. Nicht schlecht, aber noch lange nicht der Höhepunkt des Konzertes.

Der, nein, die Höhepunkte folgten nach der Pause: da war zum einen das bulgarische EVA Quartett, das mit atemberaubenden (dieses Wort ist mehr als angebracht) Stimmen das Gewandhaus füllte. Diese bulgarische Folklore ist irgendwie fremd, irgendwie anders und dennoch von einer Herzlichkeit und Wärme, dass es mir einfach die Sprache verschlagen hat.

Ganz ähnlich gings mir gleich darauf bei den Hallenser Stouxingers. Wenngleich nach dem Konzert von meinen Freunden und mir kontrovers diskutiert, waren sie für mich doch die Helden des Abends – mutige, selbstbewußte und eigenständige a cappella-Musik irgendwo im Grenzbereich zwischen Jazz, R’n’B und Funk. Großartig.

Bevor alle Künstler sichtlich gelöst und zu Recht glücklich mit stehenden Ovationen bedacht wurden, setzten Camerata aus Weißrußland einen würdigen Schlußpunkt: während die eigenen Kompositionen einen mystisch-geheimnisumwobenen Charakter tragen, reißen die technisch perfekt dargebotenen Coverversionen (They can’t take that away from me…) das Publikum mit und hinterlassen es zufrieden und begeistert.

Danke an die Herrschaften von amarcord & allen, die in der „Bandfamilie“ dazugehören und mithelfen, für ein weiteres feines Festival und ein äußerst kurzweiliges Abschlußkonzert. Ich freu‘ mich schon heute auf die siebente Auflage des Festivals im Frühjahr 2006.

Sinéad O'Connor bei den "Jammies"

Jetzt ist das Gerücht bestätigt, dass die irische Sängerin Sinéad O’Connor einen Gastauftritt bei der Jamband-Preisverleihung „Jammies“ in New York absolvieren wird:

Irish vocalist Sinead O’Connor will make a rare live appearance April 26 at the fifth annual Jammy Awards in New York. O’Connor’s performance with reggae legend Burning Spear will constitute her first on-stage appearance in New York in more than five years.

Her performance with Burning Spear bolsters a Jammys lineup that also includes Medeski Martin & Wood, Buddy Guy, Travis Tritt, Disco Biscuits, Les Claypool, Ryan Adams, Bruce Hornsby, Burning Spear, the North Mississippi Allstars, the Yonder Mountain String Band, Keller Williams, Umphrey’s McGee and Leftover Salmon’s Vince Herman.

Quelle: Billboard

[Edit: hier stand bis vor kurzem noch was über eine Samantha Fox-Coverversion, die Sinéad bei den Jammies zum besten geben sollte. Ich war ja vorhin schon skeptisch, aber jetzt bin ich mir sicher: das war eine Ente. Sorry.]

Arnie Lawrence

„A world without music would be truly a wasteland“ – Arnie Lawrence

Schlechte Neuigkeiten: die New Yorker Musikszene trauert um den Jazzmusiker, Lehrer und Mentor Arnie Lawrence, der in dieser Nacht verstorben ist. Aaron Comess von den Spin Doctors hat sich im Forum der Band zum Tod von Arnie Lawrence geäußert, der auch als Saxophonist in Johnny Carsons „Tonight Show“ aktiv war:

I am saddened to say our good friend Arnie Lawrence passed away this morning……Arnie was a true insperation to many musicians and a major influence on the Spin Doctors…..If it had not been for Arnie starting the jazz program at The New School, I would have never met the other guys or been in the Spin Doctors….He performed with us on many occations over the years and always helped us raise the bar…..He always pushed for originality and had a totally unique voice ……I am honored to have been fortunate to make music with him on so many occations and will continue to be influenced by the things he taught me and the music and time we shared…….

Die ganze New Yorker Musikszene, wie sie sich in den späten Achtzigern und in den Neunzigern entwickelt hat, wäre ohne Arnie Lawrence nicht denkbar gewesen. Rest in peace, Arnie.

Mon)tag: Drei "Sender"-Schnipsel und eine Tracklist

Drei Songschnipsel, die die Vorfreude in ungeahnte Höhen schnellen lassen – die fantastischen Herren von Mon)tag liefern erste Hörproben ihres neuen Albums auf der Seite ihres Labels Tapete. Mann, Mann, Mann – wenn diese Auszüge repräsentativ sind, dann erscheint im Mai mit „Sender“ eines der schönsten Alben seit langem. Außerdem gibts jetzt eine offizielle Tracklist für den Mon)tag-Zweitling:

1. Für Bitte
2. Wie der Tag bricht
3. Wir geben nicht auf
4. Du auch
5. Ich Du Er Sie Es
6. Tut leid
7. Sonst nichts mehr
8. Paula
9. Daniel
10. Ding Ding

Logisch, dass ich natürlich ganz besonders auf Titel Nummer neun gespannt bin… 😉

Gib mir Musik: dunkelblau – REGENTROPFEN EP (Teil 3)

Nun ist sie komplett, die aktuelle EP meiner Band dunkelblau. Insgesamt sind sechs Songs, die es hier ganz legal und gratis als mp3-Downloads gibt. Neben Stücken aus unserem 2004er Album „In der Zwischenzeit“ bietet REGENTROPFEN bislang unveröffentlichte Songs und zwei Livestücke, die ein Vorgeschmack auf meine voraussichtlich im Mai erscheinende Solo-CD sind.

Den flotten Sechser komplett machen das bislang unveröffentlichte Stück „Sonne unterm Arm“ aus dem Jahr 2001 und eine Liveversion des Titelsongs:

dunkelblau
REGENTROPFEN EP
(2005)

1 Regentropfen (album version)
2 Augenblick (demo)
3 Sonne unterm Arm
4 Glücklich sozusagen (edit)
5 Geh scheissen (solo live)
6 Regentropfen (solo live)

Produziert von Matthias Frommann und Daniel Heinze.
Hier gibts alle sechs Stücke als Gratis-mp3-Download.

Viel Spaß damit – bin auf Reaktionen gespannt.

Rock Hard Times: Tele / Wir sind Helden / Weezer

Eine Reihe lesenswerter Artikel ist mir in den letzten Tagen untergekommen, und ich möchte es nicht missen, hier darauf hinzuweisen. Zunächst mal gibt da es eine neue Story auf Musikreportage.de. Und zwar über die höchst interessante deutsche Band Tele:

In den Häuserschluchten Berlins dimmt eine mächtige Nebeldecke diesen Spätsommertag 2004 schon früh dunkel. Ich treffe Tele während einer ersten Tourpause zu ihrem Major-Debutalbum „Wovon sollen wir leben“, das im Oktober mit einiger Verspätung bei Universal veröffentlicht wurde. Ich werde in einen ungefähr zehn Quadratmeter grossen Raum geführt, in dem die Instrumentals mit dem Gesang vollendet wurden. Er befindet sich in der Wohnung von Drummer Stefan Wittich und Keyboarder Patrick Reising. Das „Musikzimmer“, wie es genannt wird, befindet sich am Ende eines langen Ganges, der noch an Bad und Kleiderschrank vorbeiführt. Es dient momentan als Echtzeit-Wohnraum, aber mehr als Bett und Schreibtisch passen nicht hinein. Das einzige Fenster führt zum Hinterhof, und ich höre Mülltonnen zuklappen. Die ganze Wohnung ist mit Equipment, Schlagzeugcases, Gitarren und allerlei Kisten zugestellt. Ständig stösst man sich die Schienbeine oder schürft sich Haut an namenlosen Gegenständen auf. „Wir bauen noch am Proberaum“, bekomme ich beinah entschuldigend zu hören. Tele sind gerade angekommen, gerade neu hier, eigentlich schon eingelebt, aber zuviel unterwegs. Am Anfang und schon mittendrin. Zwischen den Orten.

Was folgt, ist eine unterhaltsame und lesenswerte Reportage: hier entlang!

Um eine andere deutsche Band kommt man dieser Tage ja gar nicht herum: Wir sind Helden haben ihr zweites Album veröffentlicht, lachen von den Titelblättern der Musikmagazine dieses Landes und werden von allen geliebt. Schon komisch: obwohl ich keine einzige CD dieser Band besitze und auch nicht alle mir bekannten Stücke gut finde, sind mir die „Helden“ dennoch äußerst sehr sympathisch (ich nenne das den „Fettes-Brot-Effekt“, bei denen gehts mir genauso). Angenehm ist obendrein, dass man locker zwei, drei Interviews mit Judith und Co lesen kann und dennoch nicht immer das Gleiche erfährt. Eines der zahllosen Promo-Interviews der Band findet sich derzeit auf laut.de:

Hattet ihr noch andere Titel, oder stand „Von Hier An Blind“ von Anfang an fest?

Judith: „Gekommen Um Zu Bleiben“ war als Albumtitel auch relativ weit vorne. Wobei wir unterschiedlich überzeugt davon waren, ob der Witz auch so weit trägt. Denn das Album ist in größeren Teilen ja auch sehr melancholisch geworden. Da waren wir sehr lange sehr unsicher. Und dann hat sich heraus kristallisiert, dass „Gekommen Um Zu Bleiben“ die erste Single werden soll. Damit konnten wir den Witz schon mal machen, der war also schon versorgt. Es ist ja ganz fürchterlich, an einem Witz zu ersticken. Auf der anderen Seite fanden wir es auch blöd, beides so zu nennen. „Von Hier An Blind“ war auch von Anfang an weit vorne. Das waren die beiden Favoriten. Wir hatten aber auch „Wir Sind Helden Und Die Familienjuwelen Von Castle Dirk“.

Noch mehr, ähm, aufschlußreiche Erkenntnisse finden sich hier.

Zu guter Letzt noch was Neues von Weezer. Die bringen in ein paar Tagen ein neues Album raus und sind ab 5. Mai die Titelstory im US-Rolling Stone („Rivers Cuomo hasn’t had sex in two years, and boy, is he ready to rock“). Erste Auszüge aus der Reportage sind bereits jetzt online zu haben:

A couple of days ago, Rivers Cuomo was helping his parents out with an epic spring cleaning at their house in suburban Connecticut — „I was the motivational coach,“ he says. „My role was to ask, ‚Do you really need this third can of hair spray?‘ “ — when it was decided that it would be better not to do the European promotional tour for Weezer’s new album, Make Believe, the band’s first record in three years. That meant two weeks free before they started rehearsals for the Make Believe tour. That meant Cuomo could do some more vipassana, a strict style of meditation developed by the Buddha and passed down by Burmese monks.

Eintauchen in die seltsame Welt des Rivers Cuomo kannst Du hier.