Astrid Vits – Du und viele von deinen Freunden (2004)

Wie bitte? Das waren jetzt nicht wirklich zweieinhalb Stunden??!

Hatte heute Astrid Vits‘ Interviewsammlung „Du und viele von deinen Freunden“ (Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf) in der Post und hab natürlich gleich mal reingelesen – und das deutlich länger als eigentlich geplant. Dabei wollte ich doch nur mal kurz anlesen, was meine ganz persönlichen Lieblinge, die für das Buch interviewt wurden, so zu sagen haben: Niels Frevert, Mon)tag, Jan Plewka, Tele, Miles, Olli Schulz…

Schöne Sache, dieser 530-Seiten-Wälzer. Der Versuch, die deutsche Musikszene 2004 jenseits der Top 10 (mitunter auch jenseits der Top 100), zu skizzieren, indem man mit den Akteuren und Künstlern spricht, scheint (soweit ich das jetzt schon beurteilen kann), ziemlich gelungen. Ehrliche, aufschlußreiche Interviews, die mitunter Erwartungen erfüllen (yep, Jan Plewka ist definitiv ein bissel neben der Spur, aber das ist eigentlich ganz gut so), ganz oft aber auch überraschen (verblüffend, wie viel Verständnis Julian Friedrichs von Mon)tag für Dieter Bohlen und dessen „Superstars“ aufbringt; bedrückend, wie arrogant Knarf Rellöm daherkommt). Astrid Vits fragt intelligent und dezent und hat bei Bedarf immer eine Flasche Sekt im Gepäck, um die Gespräche in Schwung zu bringen. Bis jetzt eine ganz vergnügliche Lektüre rund um Musik aus Deutschland, Musik auf Deutsch, die hiesige Platten- und Musikindustrie und und und – keine Enzyklopädie, vielmehr eine Kollektion der Momentaufnahmen.

Ich freu mich auf all die anderen Interviews, die es noch zu lesen gilt. Von Virginia Jetzt! zum Beispiel und von Samba. Mia. Die Sterne. Bernd Begemann. Kante. Nova International…

Ich glaub, ich werf meine Pläne für den Rest des Tages einfach über den Haufen und les‘ jetzt weiter.

Steve Mayone – Bedroom Rockstar (2004)

Was soll man von einer CD erwarten, die Dir der derzeitige Tour-Bassist von Todd Thibaud nach einer tollen Show und während eines unterhaltsamen Gesprächs bierselig in die Hände drückt? Nicht soo viel, dachte ich. Zu viele Soloprojekte von Menschen, die in Bands glänzen, haben mich in der Vergangenheit enttäuscht – Boyd Tinsleys (Dave Matthews Band) lahmes Soloalbum aus dem letzten Jahr etwa: das Temperament, dass der Geiger mit DMB an den Tag legt, schien auf „True Reflections“ wie weggeblasen. Stattdessen gab es eher faden, mittelmäßigen Poprock. Ärgerlich, das. Oder das Album von Marc Ford (vormals Black Crowes, jetzt Gitarrist bei Ben Harper & The Innocent Criminals): trotz der prominenten Gästeliste (Craig Ross, Ben Harper) fand sich auf „It’s About Time“ zwar nettes, aber leider vornehmlich auch verzichtbares und halbgares Songwriter-Material.

Jetzt also eine selbstgestrickte CD eines Musikers, der auf der Bühne mit Wollmütze und Stoppelbart daherkommt, recht verschroben und nerdig anmutet, und sich nach dem Konzert von Todd Thibaud als äußerst freundlicher, zugänglicher und konversationsfreudiger Zeitgenosse präsentiert. Da liegt sie also vor mir, die „erste“ „richtige“ CD des Bostoner Musikers Steve Mayone. „Bedroom Rockstar“ heißt sie, und das ist schonmal ein Pluspunkt. Aber trotzdem: hoch sind meine Erwartungen eben nicht, als ich das Album schließlich zum ersten Mal höre.

Umso beeindruckender die Überraschung, die meine Ohren ereilt: dieses Album ist, um es auf den Punkt zu bringen, fantastisch. Feine Songs, deren Refrains sich ohne Umwege den Weg in Dein Herz bahnen, einfallsreiche Arrangements und eine ganz hervorragende organische, warme Produktion. Steve Mayone flirtet mal mit Country-Elementen, mal mit Rock-Zitaten, stellt aber immer seine Songs in den Vordergrund und singt sie beseelt und leidenschaftlich. „Losing“, der Opener kommt wie leichtfüßiger Pop á la Eels daher, „Deeper In The Well“ läßt amerikanische Weiten und Prärien ahnen und „Wanted Man“ oder „I Don’t Deserve You“ sind Songschreiberleistungen, vor denen man nur ehrfürchtig den Hut ziehen kann.

Wie es der Titel des Albums schon andeutet: da ist immer auch eine gesunde Portion Ironie mit dabei, hier nimmt sich keiner zu wichtig. Sicher, Steve Mayone ist es Ernst mit seiner Musik, das sei dabei außer Frage gestellt. Aber ob er damit Stadien füllen könnte oder im Radio rauf- und runtergespielt würde, scheint ihm reichlich egal. Dafür ist er viel zu realisitisch: macht er doch schon seit über 20 Jahren Musik, hat er doch schon über zehn „Homerecording-CDs“ gebastelt und sich in allen nur denkbaren Bars und Clubs mit anderen Bostoner Musikern zusammengerauft.

Jetzt wagt er einfach mal seine erste „offizielle“ Veröffentlichung – und schüttelt prompt zwölf sagenhaft gute Songs zum Tollfinden, Nochmalundnochmalhören und Alsgeheimtippweitersagen aus dem Ärmel. Eben keine berechnenden Dreiminüter, die nur auf Hitlisten schielen. Eine ganz wunderbare Einstellung, das. Bleibt ihm zu wünschen, dass er damit tatsächlich ein Publikum findet, das groß genug ist, um ihn zum Weitermachen zu motivieren.

Nein, Steve Mayone ist nicht einfach nur der aktuelle Bassist der Todd Thibaud-Europatour. Steve Mayone ist ein begnadeter, erfahrener Multiinstrumentalist und Songwriter, der – so unscheinbar er selbst oder auch „Bedroom Rockstar“ auf den ersten Blick sein mögen – jede Menge Aufmerksamkeit, offene Ohren und, vor allen Dingen, Applaus verdient.

Mit 214 CDs in die Top 100? Der Popkulturjunkie klärt auf…

Die Lehre des Tages: glaub nicht alles, was auf Spiegel online steht. Dort gabs am Wochenende ja die Meldung zu lesen, dass bereits 214 CDs genügten, um sich einen Platz in den deutschen Albumcharts zu ergattern. Eine Meldung, die auch hier im dunkelblau Weblog thematisiert wurde. Die aber so wohl nicht ganz korrekt ist. Darauf weist heute der Popkulturjunkie hin:

…auch der ?Spiegel? kann mal schlampig arbeiten. Ein Blick in die Charts genügt für diese Erkenntnis schon. Ein Album von Ronan Keating auf Platz 100? Gibt?s nicht. Das aktuelle Best-of-Album des Schwurbel-Schlager-Schleimers liegt derzeit auf Platz 35, befand sich auch in den Vorwochen nicht auf Rang 100. Die aktuelle Single ?i hope you dance? dagegen liegt tatsächlich auf Rang 100, ist dort aber nicht etwa ?eingestiegen“, sondern befindet sich seit 8 Wochen in den Charts. Nun könnte ich mich zu dem Satz hinreißen lassen, dass es ohnehin erstaunlich ist, dass Herrn Keatings Liedchen nach 8 Wochen noch 214 Stück verkauft, aber das tut hier nichts zur Sache.

Denn auch die Zahl von 214 ist nur theoretisch. Die Charts werden auch im Jahr 2004 selbstverständlich nicht durch eine Vollerhebung zusammengestellt, sondern durch Gewichtung der abgefragten, derzeit 2000 Händlern.

Die ganze Replik zum Spiegel Online-Artikel gibts hier. Bei der Gelegenheit mal ein Riesenlob an den Popkulturjunkie, dessen Weblog ich sehr schätze, auch wenn (oder gerade weil?) sich unsere Musikgeschmäcker dann doch manchmal sehr unterscheiden (jedoch nicht im Bezug auf Ronan Keating)… Respekt – sehr unterhaltsam und wirklich lesenswert. Sowas muss doch auch mal gesagt werden!

Top 5 vom 6. Dezember 2004: Neuentdeckungen 2004

Wie für andere auch, soll der Dezember für mich der Monat der Jahresrückblicke sein. Deshalb gibts im Dezember in den montäglichen Top 5 Rückblicke auf mein musikalisches Jahr 2004. Los gehts in dieser Woche mit den fünf Künstlern, die ich (erst) in diesem kennengelernt habe, aber inzwischen nicht mehr in meinem Leben missen möchte.

05 Thimo Sander
04 Steve Mayone
03 Robert Randolph & The Family Band
02 Marc Broussard
01 Josh Rouse

Happy Nikolaus!

Neue CD von "New York Electric Piano" kommt im Januar

Okay, ich gebs zu: die zweite Platte von New York Electric Piano, „War Oracle“, hat mich nicht wirklich überzeugt: zu bemüht die politischen Einwürfe, zu verfrickelt die Kompositionen. Nichtsdestotrotz zählt das erste Album des Projektes von Aaron Comess, Pat Daugherty und Tim Givens, zu den besten Jazz-Funk-Fusion-Platten, die ich je gehört habe. Insofern besteht Hoffnung, dass das neue, dritte Album der Band wieder so gut wird wie der Erstling – immerhin hat mit Midlantic Records ein nicht gerade unbekanntes amerikanisches Jazzlabel die Jungs jetzt unter Vertrag:

Pat Daugherty, electric piano, Tim Givans, bass and Aaron Comess , drums (Spin Doctors) in a lyrical, sometimes ethereal groove continue to mesmerize. Stay tuned?

Okay, we stay tuned und hoffen, dass die Jazzpunk-Eskapaden von „War Oracle“ nur ein Zwischenstop waren… Ich freu mich drauf.

Mehr über Aaron Comess im dunkelblau Weblog gibts hier.
Scan von „War Oracle“ gefunden auf cdbaby.com.

Nix wie hin: godstreetwine.com

God Street Wine waren in den neunziger Jahren eine der angesagtesten Jambands in New York City. Allerdings hatten sie nie wirklich Glück mit den lieben Plattenfirmen: drei Studioalben auf drei verschiedenen Labels, immer wieder fehlende Unterstützung der Majors – irgendwann geben selbst die enthusiastischten Musiker mal auf, und so kam es, dass sich GSW im Dezember 1999 zwar in aller Freundschaft, aber nicht ohne eine gewisse Portion Frust, auflösten. Ihre alte Website ist nach wie vor zu bestaunen, und neben ein paar mp3s gibts da jede Menge Infos über eine Band, die, wenn das Glück und das Management es etwas besser mit ihnen gemeint hätten, sicher zu den ganz großen in der Jambandszene hätten zählen können.

FAZIT:
Wirklich gute Musik, die God Street Wine gemacht haben. Lustige Homepage, wenn man sie im Jahr 2004 betrachtet – ja, so war das Internet im Jahr 1999 wohl… Schade, dass es die Band nicht mehr gibt. Schön, dass die Seite noch online ist – anschauen, so lange es noch geht!

Albumcover zu „Bag“ gemopst von godstreetwine.com.

Gib mir Musik: Blues Traveler – Sadly A Fiction

Auf die Schnelle am späten Sonntagabend noch ein wenig Musik der Blues Traveler. Diese Version von „Sadly A Fiction“ ist auf dem 2002er Live-Album „What You And I Have Been Through“ erschienen, und ist über Artist Direct noch immer ganz legal als mp3 erhältlich – na dann mal nix wie los und hier per Rechtsmausklick runterladen!

Rock Hard Times: Pop-Krise / finetunes.net / Tele / Bob Dylan

Ja, der Musikindustrie gehts mies – die Macher und Denker der Branche werden zwar nicht müde, immer neue „Trends“ und „Vermarktungsformen“ zu finden (man denke nur an den seltsamen Versuch, eine CD in drei Versionen zu verticken: ohne Cover für ganz billig, mit Cover zum Normal, und mit Bonus-DVD für ein wenig mehr – wer um alles in der Welt kauft freiwillig eine CD ohne Cover??), die Realität im Tonträgerbereich scheint aber schlimmer, als bisher vermutet. Der Spiegel hat in dieser Woche nämlich herausgefunden, dass schon 214 verkaufte CDs genügen, um sich einen Platz in den deutschen Top 100 Albumcharts zu sichern. Wow. Hier mehr:

Selbst für internationale Top-Stars läuft es in Deutschland nicht so gut, wie es auf den ersten Blick scheint: So wurde etwa für das im November erschienene Album des US-Rappers Eminem bereits nach wenigen Tagen „Platin-Status“ vermeldet – allerdings basiert die Auszeichnung auf den rund 210.000 an den Handel ausgelieferten Alben. Die Zahl der tatsächlich in der ersten Woche an der Chartspitze verkauften Scheiben: 38.410.

Gegenüber der aktuellen Nummer eins der Single-Charts verkauft sich das Eminem-Album aber sogar noch prächtig: „Call On Me“ von Eric Prydz hält sich mit fast 19.000 bundesweit verkauften Platten knapp vor Sarah Connor an der Spitze – und das gilt bereits als gute Woche. Zuletzt führte die Latino-Band Aventura die Charts mit halb so vielen Verkäufen an.

Noch mehr verblüffende Zahlenspiele zum Chartsentzaubern gibts hier.

Klar, da muss nach Alternativen gesucht werden, um auch weiterhin Musik unter die Menschen zu bringen. Ein paar weise Sätze zum Online-Musikhandel hat dieser Tage Felix Segebrecht auf tonspion.de von sich gegeben. Herr Segebrecht gilt als der Macher von finetunes.net, der deutschen Plattform für digitale käufliche Musik von Independent-Labels: von Tapete über L’age d’or bis hin zu Blue Rose Records sind die wichtigsten deutschen Indie-Labels bei finetunes vertreten. Sehr angenehm: die Jungs und Mädels dort haben sich tatsächlich einen Kopf gemacht, wie man intelligent und fair Musik online anbieten kann.

Tonspion: Stichwort Kopierschutz mit DRM-Verfahren – ist es für die Labels und Musiker nicht gefährlich, wenn sie Musik ohne jeden Schutz im Internet anbieten?

Vorsicht, Moral- und Glaubensfrage! Nein, wir glauben nicht, dass das gefährlich ist. Zum einen glauben wir, dass die meisten Leute keine gekaufte Musik in Tauschbörsen stellen. Zum anderen schaffen die die es doch tun wollen sowieso, jeden vermeintlichen Schutz zu umgehen. Wie und wie einfach das geht, brauchen wir hier wohl nicht zu wiederholen. DRM hat viele Schwächen und bringt wenig, außer denen, die DRM-Systeme anbieten und so einen Teil des Marktes kontrollieren können und dadurch das Endprodukt über Lizenzgebühren verteuern. Wir bieten ja ein DRM an, weil wir es müssen, nur nutzt es bewusst kaum eines unserer Label. Bei uns hat stattdessen jeder Track einen so genannten Fingerprint. Diese Markierung im Song weist den Käufer als Eigentümer aus. Stellt dieser den Song also in eine Tauschbörse, so wäre es also theoretisch nachvollziehbar.

Tonspion: Warum nur theoretisch?

Weil wir nicht gezielt danach suchen. Sollten wir es doch irgendwann tun müssen, so wäre das recht kostspielig und nicht ganz einfach, die Absicht nachzuweisen. Aber wir denken sowieso, dass nur eine entsprechende Kommunikation Zahlungsbereitschaft und Unrechtsbewusstsein schärfen kann und das auch nur, wenn die legalen Angebote überzeugen können!

Das ganze Interview, empfehlenswert, auch wenn’s hier und da ein wenig ins Product Placement driftet, gibts hier zu lesen.

Vermutlich eine Binsenweisheit, in diesen für die Musikindustrie so bitteren Tagen aber eine nicht zu verachtende Erkenntnis: wer sich Fans und Freunde machen will, muß raus auf die Straße und rein in die Clubs, sich die Finger wund- und sich somit einen Platz in den Herzen potentieller Fans erspielen. Das klappt in den USA seit Jahren (Acts wie Dave Matthews Band, Blues Traveler, Widespread Panic wären nie so erfolgreich geworden ohne ihre ausgedehnten Touren durch alle Kaschemmen des Landes). Eine deutsche Band, die in diesem Herbst getourt hat, als gäbe es kein Morgen, ist die äußerst sympathische Combo Tele. Mit Songs wie „Wunder in Briefen“, „Falschrum“ und „Rot“ haben sie Ohrwürmer im Gepäck. Und so waren sie nun im Oktober und November auf Tour in good old Germany. Für den musikexpress.de haben sie ein äußerst unterhaltsames Tourtagebuch geführt, in dem sich unter anderem diese Episode findet, die sich in der Dresdener „Scheune“ zugetragen hat:

Wenig später. Ein junger hochgewachsener Kerl mit bordeauxrotem Hemd und einem unsäglich zurechtgestutzten Backenbart erlaubt uns, den „Loungefloor“ der Scheune zu inspizieren, unser Zeug rein zu tragen. Ich kann diesen Typen von der ersten Sekunde an nicht leiden, und vor meinem inneren Auge sehe ich, wie dieser Wichtigtuer dicke Geldbündel mit dem Aufdruck „Kulturförderung“ in die Taschen seiner feinen Stoffhosen gleiten lässt und noch im selben Atemzug „nur das Nötigste“ an Technik für unseren Auftritt organisiert. Als ich ihm in ruhigem Ton die Liste der Mängel herunterbete, antwortet der Typ so süffisant, wie es mir bisher noch nie untergekommen ist: „Wir sollten hier schon aufeinander zugehen, damit das noch ein schöner Abend wird.“

Jede Menge launische Notizen aus dem Tele-Touralltag finden sich hier.

Zu guter Letzt ein paar süffissante Erkenntnisse eines musikalischen Urgesteins: Bob Dylan hat ja unlängst sein autobigraphisches Buch „Chronicles“ veröffentlicht und der US-Rolling Stone hat den Paten aller Songwriter zu genau diesem Werk befragt:

You downplay a chunk of your career in Chronicles. Am I crazy to love Street Legal, Slow Train Coming and Infidels?

Not at all. I can play those songs, but I probably can’t listen to those records. I’ll hear too many faults. I was just being swept along with the current when I was making those records. I don’t think my talent was under control. But there’s probably good stuff on all of them. Shelley said the point was to make unpremeditated art. I don’t think those records fall into that category.

Lyrically, does it get any better than „It’s Alright, Ma“?

It’s hard to live up to that kind of thing. You can’t try to top it — that’s not the point. Lyrically you can’t top it, no. I still can play that song, and I know what it can do. That song was written with a hunger that can break down stone walls. That was the motivation.

Das ganze „Question & Answers“ mit Bob Dylan gibts hier.

Schönen zweiten Advent allerseits!

NP: Howie Day – Extras (2004)

Eine EP von Howie Day, erschienen in der ersten Jahreshälfte 2004. Eine aufschlußreiche Momentaufnahme, diese 4-Track-CD. Zum ersten Mal war Howie 2003/2004 mit einer „richtigen Band“ auf Tour, um sein Album „Stop All The World Now“ live vorzustellen. Nicht nur für den Künstler, sondern auch für die Fans eine Umstellung, lieben sie „ihren“ Howie doch besonders für seine oft beschriebenen Solo-Live-Qualitäten: ein Mikro, eine Gitarre und ein Sampler – und schon baut sich Herr Day sein eigenes Orchester, klingt kathedraler als manche 5-Mann-Band und verzaubert das Publikum.

Das hier, das ist aber Howie mit Band. Und allen Befürchtungen zum Trotz: der junge Bostoner Songwriter macht eine wirklich gute Figur. Singt sich mal wieder die Seele aus dem Leib, und die absolut professionelle Band unterstützt ihn nach allen Regeln der Kunst. Und so bekommen Howie-Fans mit dieser EP tolle Liveversionen von „Numbness For Sound“, „Collide“ und „End Of Our Days“ (mit Howie am Piano). Das Sahnehäubchen ist aber Track 4, ein bislang unveröffentlichter Outtake von den „Stop All The World Now“-Sessions: schleierhaft, warum „Standing In The Sun“ nicht auf dem regulären Album zu finden ist, am Song jedenfalls kanns nicht liegen.

Wie gerne würd ich jetzt herausposaunen: Los, husch, husch, kaufen! Blöd nur, dass die CD nur in US-Independent-Plattenläden zu bekommen ist, noch nicht mal über Howies Online-Shop. Kleiner Tipp: bei ebay werden die „Extras“ immer mal wieder angeboten, da lässt sich was machen. Und wems „nur“ auf „Standing in the sun“ ankommt – der Song ist inzwischen (mit einem weiteren Outtake und zwei Akustik-Solo-Performances) auf der neuen Limited Edition von „Stop All The World Now“ zu haben und die gibts gelegentlich bei Amazon.

So, lieber Howie – nach der EP und der inzwischen zweiten Special Edition des Albums wärs doch mal wieder Zeit für eine „richtige“ neue Veröffentlichung – wie wärs mit einem „ganzen“ Livealbum? Ob mit Band oder ohne, fragst Du? Ach, ich mag beides, entscheide Du.

Mehr über Howie Day im dunkelblau Weblog gibts hier.

Todd Thibaud & Band live im Objekt 5, Halle (2. Dezember 2004)

Eines von diesen Konzerten, dass man so schnell nicht vergißt. Nicht, weil es übermäßig spektakulär war, oder grottenschlecht. Sondern weil es schlicht und einfach herzlich und schön war im niedlichen „Objekt 5„.

Todd Thibaud und seine grandiose Band sind seit wenigen Tagen in Deutschland, der Gig in Halle war das zweite Konzert der aktuellen Tour mit insgesamt 17 Terminen. Also, das gleich zu Beginn, noch genügend Gelegenheit, um Augen- und Ohrenzeuge zu werden und dabeigewesen zu sein. Todd Thibaud macht seit vier Soloalben äußerst unkomplizierten, klaren Songwriter-Alternative Country-Rock. Derzeit betourt er seine lang ersehnte neue CD „Northern Skies“, aber natürlich gibts in der Liveshow auch jede Menge „altes“ Material zu hören.

Und das in einem wirklich atemberaubend guten Livesound, jeder einzelne der fünf Herren auf der Bühne war bestens zu vernehmen. Zwei Gitarren, eine E-Mandoline, einen Bass und ein Schlagzeug – mehr brauchts fast nicht, um das Publikum zu entzücken. Ja, doch, natürlich: Todds bemerkenswerten Gesang darf man keinesfalls vergessen. Sichtlich erfreut übers begeisterte Publikum gab der eher wie ein all american Familienpapa und weniger wie ein „Rockstar“ wirkende Bostoner Song um Song zum besten. Erstaunlich, wie viele schöne Melodien ein einziger Mensch schreiben kann.

Durchkonzipierten Artrock, hippe Performances oder cooles Waswolltihreigentlichgehabe braucht man nicht zu fürchten, wenn es um eine Thibaud-Show geht. Zum Glück – denn so erlebt man bodenständige, (Achtung, viel strapaziertes, hier aber treffendes Wort!) ehrliche und sympathische Musiker, denen es um die Musik geht. Um den Moment.

Und wenn man nach der Show noch die Gelegenheit hat, mit den Herren, die einen bis gerade eben noch von der Bühne herab begeisterten, zu plaudern und anzustoßen, dann macht das a) einen gelungenen Abend so richtig perfekt und b) den fiesen Hangover am nächsten Tag irgendwie halb so schlimm.

Hingehen!

Mehr über Todd Thibaud im dunkelblau Weblog gibts hier.
Foto gemopst von Todds offizieller Seite.