Bass statt Bach – Julia Hahn über Festivalseelsorge

Southside, Wacken, Fusion: Sommerzeit ist Musikfestivalzeit. Immer häufiger sind auch christliche Seelsorger*innen auf solchen Open Airs anzutreffen. Die Theologin Julia Hahn zum Beispiel, die auch zu dem Thema forscht. Mit ihr habe ich für den Podcast „Mit Herz und Haltung“ über das noch recht junge Feld der Festivalseelsorge gesprochen – hier könnt Ihr Euch das Interview anhören.

Glockenläuten ist Ruhestörung

Unser Büro liegt gegenüber der Thomaskirche in der Leipziger City. Weil ich in unserer Redaktion “der von der Kirche” bin, fragen mich die Kollegen gerne mal, ob ich vielleicht wisse, warum mal wieder die Glocken der Thomaskirche so ausdauernd bimmeln. Manche fragen interessiert nach, andere sind hart genervt, weil sie eigentlich telefonieren wollten, der “Glockenlärm” sie aber davon abhalte. 

Tatsächlich läuten Kirchenglocken oft – vor Gottesdiensten, an Sonntagen, morgens, mittags, abends; auch bei Hochzeiten oder anderen Festen. Dass sie uns auffallen, ist dabei der Sinn der Sache. Kirchenglocken sollen den Alltag unterbrechen!

Sie wollen mich rufen. Zum Beispiel zum Gottesdienst: Komm her, jetzt ist Zeit für etwas Wichtiges! Oder sie erinnern mich an etwas. Läuteten früher im Dorf die Kirchenglocken, wussten die Feldarbeiter, dass es um zwölf ist. Zeit für’s Mittagessen, eine wohlverdiente Pause und ein kurzes Gebet. Als riefen die Kirchenglocken auch: Denkt daran, Gott ist für Euch da. Er begleitet Euch in allen Situationen des Lebens! 

Manchmal beansprucht mich mein Alltag ganz schön. Gerade dann sollte ich nicht vergessen, dem Zeit einzuräumen, was mir wichtig und heilig ist und Gott zu danken für das Gute im Leben; mit ihm auch meine Sorgen zu teilen. Nein, Kirchenglockengeläut ist für mich kein Lärm. Sondern eine Ruhestörung im allerbesten Sinne.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 20. Juni 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Betet für mich!

Morgen wird Papst Franziskus beerdigt. Seit Ostermontag trauern Menschen auf der ganzen Welt um diesen bemerkenswerten Pontifex. Ich denke in diesen Tagen immer wieder an eine Bitte von Franziskus: “Betet für mich!” Viele, die ihm einmal begegnet sind, berichten davon. Kaum ein Gespräch oder Shake-Hands, ohne dass Franziskus sein Gegenüber darum bat: “Betet für mich!” 

Beten war für Franziskus ein unverzichtbarer Teil des Lebens. Ruhig werden. Nachdenken. Versuchen, in einen Dialog mit Gott einzutreten. Sorgen und Bitten formulieren. Aber auch ganz viel Hören: Was hat Gott mir zu sagen? Beten nicht als lästige Pflicht oder fromme Übung, sondern als Grundhaltung, aus der er Kraft und Zuversicht schöpfte. 

“Betet für mich” bedeutet auch: Unterstützt mich mit Euren guten Gedanken, mit Eurer Liebe und Eurem Wohlwollen! Bittet Gott darum, dass ich als Papst das Richtige tue! Franziskus mag ein Mann mit viel Einfluss und Macht gewesen sein. Er hat aber auch immer klar gemacht, dass nicht er das Maß aller Dinge ist, sondern Gott. 

Als Christ hoffe ich, dass Papst Franziskus nun bei Gott ist. Sein Vertrauen auf die Kraft des Gebetes bleibt ein Ansporn für meine eigene Beziehung zu Gott. Und ich wünsche mir, dass es auch in meinem Leben Menschen gibt, die mich wohlwollend in ihre Gebete einschließen. Ja: Betet für mich!

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 25. April 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Jesus und Eierlikör

Ein Tipp für’s lange Kar- und Osterwochenende: Ich war zu Gast im Podcast meiner RADIO PSR-Kolleg*innen Claudia Switala und Steffen Lukas! Wir haben über Ostern, Eierlikör, Gott, Sinéad O’Connor und hartgekochte Eier gesprochen und das hat großen Spaß gemacht. Hört oder schaut gern mal rein bei „Macke mit Schuss“ – überall, wo’s Podcasts gibt!

Sei netter zu dir!

„Sei mal ein bisschen netter zu Dir!” Diese Aufforderung hatte jemand mit einem Textmarker ans Haltestellenwartehäuschen gekritzelt. Daneben ein kleines lachendes Herzchen. Ja, ich hatte das schon richtig gelesen: „Sei netter zu Dir!“ Das war direkt an die gerichtet, die hier gerade warten und das zufällig lesen. In diesem Fall also: an mich.

Wie garstig bin ich häufig zu mir selbst: So manches Fast Food, das ich esse, weil’s mal wieder schnell gehen muss, ist keine Belohnung, sondern eher eine Bestrafung für meinen Körper. Auch setze ich mich gerne mal unter Erfolgsdruck oder bin im Dauerstress. Oder gehe hart ins Gericht mit mir selbst, wenn mir etwas nicht so gelungen ist, wie erhofft. In all diesen Situationen bin ich nicht gerade nett zu mir und meiner Seele.

Zu sich selbst etwas freundlicher zu sein, ist nicht egoistisch oder selbstverliebt. Sondern gesund. Als Christ glaube ich, dass Gott mich liebt, so wie ich bin, ohne Leistungsnachweis und Erfolgskontrolle. Und wenn es in der Bibel heißt: „Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst“, dann steht das da aus gutem Grund.

Ich muss mich ja nicht gleich für den Allergrößten, Besten, Tollsten halten. Doch darf und sollte ich mich selbst mögen, mir auch mal eine Schwäche oder ein Versagen verzeihen und mir immer wieder mal etwas Gutes tun. Eben … ein bisschen netter zu mir selbst sein.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 14. März 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Wolfgang Thierse: Merz darf kein „Mini-Trump“ werden!

Ich habe ich mit Bundestagspräsident a.D. Wolfgang Thierse über das Ergebnis der Bundestagwahl 2025 gesprochen – für „Mit Herz und Haltung“. Der Podcast-Name passt mal wieder super: Thierse erklärt beherzt, warum Friedrich Merz nicht zu einem „Mini-Trump“ werden sollte und warum er auf die FDP im Moment gut verzichten kann. Auch geht er mit seiner eigenen Partei hart ins Gericht. Und immer bleibt seine Haltung als Sozialdemokrat und Christ klar erkennbar. Hörempfehlung!

Update: Und so berichten die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) und Domradio.de über das Interview.

Songwriting, Bandgeschichte, neues Album: Im Gespräch mit Spin-Doctors-Sänger Chris Barron

Wenn das mein 16jähriges Ich wüsste, es wäre vor Aufregung und Begeisterung vom Stuhl gekippt … Vor einigen Tagen habe ich eine Podcast-Episode mit Chris Barron aufgenommen. Der Sänger und Hauptsongwriter der Band Spin Doctors und ich haben ausführlich über die Geschichte der Band gesprochen, über Chris‘ unlängst verstorbenen Bruder Jeremy und dessen Einflüsse auf die Spins, über Songwriting im Allgemeinen und die Entstehung des neuen Albums „Face Full Of Cake“ im Speziellen. Es hat Riesenspaß gemacht und nun könnt Ihr das Ergebnis hören. „Spin Doctors Archive – The Podcast“ findet Ihr überall, wo’s Podcasts gibt.

Experiment Pfarrertausch: Zehn Tage in einer böhmischen Landpfarrei

Ende Januar 2025 wagte Bertram Wolf, Pfarrer in Gera, das Experiment, mit seinem Kollegen aus dem westböhmischen Stribro für zehn Tage Gemeinde und Pfarrhaus zu tauschen. Dort feierte er Gottesdienste, sprach mit Gläubigen, besuchte Rathaus, Kloster und Ordinariat und kümmerte sich um den Pfarrhauskater Bertik. Was er beim Blick über den Tellerrand gelernt hat, wie in der tschechischen Diaspora Synodalität gelebt wird und warum er das Experiment zur Nachahmung empfiehlt, hat er mir im Podcast „Mit Herz und Haltung“ erzählt. Jetzt anhören – überall, wo es Podcasts gibt.

Beim Namen gerufen

Daniel Heinze über die Wichtigkeit von Namen

Biblische Vornamen stehen bei Leipziger Eltern gerade hoch im Kurs. Laut Statistik der Stadt haben letztes Jahr 42 Babys den Namen Noah bekommen; ein Favorit übrigens in ganz Deutschland. 31 Mal fiel die Entscheidung auf Adam, 32 Mal auf Levi. Noah, das ist laut Bibel der, der die Arche mit allen Tieren durch die Sintflut navigiert hat. Adam war der allererste Mensch und auf Levi geht einer der zwölf Stämme Israels zurück, aus dem die Priester kamen, die Leviten. 

Ob die Eltern sich bewusst für diese Namen entschieden haben, weil sie auf Bibelstars zurückgehen, wissen wir nicht. Vermutlich eher nicht. Und natürlich finden sich auch nicht-biblische Namen in den Leipziger Charts; Ida, Oskar, Emil, Mia und Emma etwa. 

Alle Namen haben was gemeinsam: Die Eltern haben intensiv überlegt, wie ihr Kind heißen soll. Schließlich wird der Vorname zu einem Teil der Persönlichkeit und des ganzen Lebens. Er soll nicht nur schön klingen und gut zum Familiennamen passen, sondern auch ein Zuspruch sein, eine Art Segen. 

In der Bibel ist eine wunderschöne Zusage Gottes an die Menschen überliefert: “Ich habe dich bei deinem Namen gerufen”, heißt es da. Eben nicht: Hey, Ihr Menschlein! Sondern: Du, Mia! Du, Oskar! Mir tut dieser Gedanke gut: Gott will mit seiner Liebe ganz konkret für mich da sein. Er ruft mich bei meinem Namen. Welchen auch immer meine Eltern mir einst gegeben haben.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 31. Januar 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Mein 2024: Ein Fazit.

Über bevorstehende Veränderungen habe ich hier vor einem Jahr gemutmaßt. Wie sehr sich Dinge in meinem Leben ändern würden und an welcher Stelle, war mir da natürlich noch nicht klar. Nur wenige Tage später, am 5. Januar, starb mein Vater – nicht gänzlich unerwartet, aber doch überraschend. Gut zehn Jahre nach meiner Mutter.

Ich hätte nie gedacht, wie anders sich das Leben anfühlt, wenn die Eltern gegangen sind. “Waise mit 45 Jahren.“ Das ganze Jahr über hat mich dieser Gedanke beschäftigt, begleitet, umgetrieben. Ja, ich vermisse meinen Vater sehr. Bei aller Traurigkeit wäre es töricht, 2024 als verloren oder schlecht abzustempeln und wegzuheften. Ich bin auch diesmal wieder dankbar für viele schöne Momente mit Freund*innen und der Familie, für berufliche Erfolge und Herausforderungen, für spannende Reisen und jede Menge Musik – was für ein Segen, das schreiben zu dürfen. Und doch war und ist da eine gewisse Schwere, die mir dieses Jahr nicht von der Seite gewichen ist.

Am treffendsten ist es wohl, dieses Jahr als zu viel zu bezeichnen. So gesellen sich zur dankbar-demütigen Rückschau auf 2024 diese Wünsche für 2025: etwas mehr in mir selbst ruhen zu können und Zeit zum Luftholen zu haben.

Hier noch einmal meine Lieblings-Listen 2024 im Überblick:
Lieblingsalben 2024
Lieblingskonzerte 2024
Lieblingslieder 2024

Danke, werte Besucher*innen, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2024 – ich freue mich auf 2025 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.

Ältere Jahresrückblicke:
2023 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2022 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2021 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2020 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2019 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2018 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2017 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2016 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2015 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2014 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2013 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2012 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2011 (FazitAlbenKonzerteLieder)
2010 (FazitAlbenKonzerteLieder)
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