Dafür!

Noch bis Sonntag laufen in Leipzig die Interkulturellen Wochen. Diese Aktionswochen gibt es gerade überall in Deutschland, organisiert von einem breiten Bündnis aus Vereinen, Städten, Kirchen und Organisationen. Mir gefällt das Motto, das in diesem Jahr über diesen bundesweiten “Interkulturellen Wochen” steht, sehr. Es lautet nämlich schlicht und einfach “Dafür!” 

In einer Zeit, in der viele immer recht schnell und laut sagen, wogegen sie sind, was sie ablehnen und für falsch oder problematisch erachten, ist es eine tolle Idee, mal zu betonen, wofür man ist. Wofür es sich lohnt, sich stark zu machen. 

Für eine offene Gesellschaft zum Beispiel. Dafür, dass Menschen zusammenhalten und friedlich miteinander leben. Dafür, miteinander zu feiern. Sich für andere zu interessieren, ohne ihnen mit Vorurteilen zu begegnen. Dafür, dass Menschen so sein können, wie sie sind – mit ihrem Glauben, ihren Ideen, ihren Eigenarten. 

Die “Interkulturellen Wochen” werben also für einen konstruktiven Blick, ein positives Vorzeichen, wenn wir als Gesellschaft Fragen von Kultur und Zusammenleben verhandeln. Neugierig auf meine Mitmenschen zuzugehen, empathisch und offen für Neues zu sein, ist für mich als Christ auch eine Form von Nächstenliebe. Da bin ich also “Dafür” – auch, wenn gerade keine Interkulturellen Wochen im Veranstaltungskalender stehen.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 26. September 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Show, don’t tell: Nicht nur drüber reden

„Show, don’t tell!” Das ist ein super Tipp für alle, die Geschichten aufschreiben wollen. Also “zeigen, nicht nur drüber reden”! Der Gedanke dahinter: Eine Story wird erst anschaulich und lebendig, wenn im Kopf ein Film losgeht. Das schaffe ich unter anderem durch eine spannende, aktive Sprache statt dröger, distanzierter Berichte. Ein Beispiel: “Ihr kamen schon die Tränen, als sie nur an ihn dachte”. Das ist einfach was anderes als nur zu schreiben: “Sie war traurig.” 

Konkret werden, anschaulich und handfest sein, statt nur abstrakt und aus der Distanz über etwas zu theoretisieren, ist nicht nur beim Schreiben, sondern auch im Alltag eine gute Idee. Einfach mal loslegen und durch Taten zeigen, was einem wichtig ist. Die neuen Nachbarn zum Essen einladen, nicht nur Toleranz und mehr Miteinander in der Welt zu fordern – so in etwa. 

Christen leben aus der Hoffnung heraus, dass die Welt in Gottes guter Hand liegt. Aus dieser festen Zuversicht entsteht bestenfalls der Mut, etwas zu bewegen, entschieden zu handeln und sich einzumischen; vom Beobachter oder Kommentator am Spielfeldrand zum Mitspielenden zu werden. 

Show, don’t tell – für mich als Christ bedeutet das also: Zeige, dass Du Lust auf eine freundliche, faire, gute Welt für alle hast; durch das, was Du Tag für Tag tust! Ich will es zumindest versuchen.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 8. August 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Bass statt Bach – Julia Hahn über Festivalseelsorge

Southside, Wacken, Fusion: Sommerzeit ist Musikfestivalzeit. Immer häufiger sind auch christliche Seelsorger*innen auf solchen Open Airs anzutreffen. Die Theologin Julia Hahn zum Beispiel, die auch zu dem Thema forscht. Mit ihr habe ich für den Podcast „Mit Herz und Haltung“ über das noch recht junge Feld der Festivalseelsorge gesprochen – hier könnt Ihr Euch das Interview anhören.

Glockenläuten ist Ruhestörung

Unser Büro liegt gegenüber der Thomaskirche in der Leipziger City. Weil ich in unserer Redaktion “der von der Kirche” bin, fragen mich die Kollegen gerne mal, ob ich vielleicht wisse, warum mal wieder die Glocken der Thomaskirche so ausdauernd bimmeln. Manche fragen interessiert nach, andere sind hart genervt, weil sie eigentlich telefonieren wollten, der “Glockenlärm” sie aber davon abhalte. 

Tatsächlich läuten Kirchenglocken oft – vor Gottesdiensten, an Sonntagen, morgens, mittags, abends; auch bei Hochzeiten oder anderen Festen. Dass sie uns auffallen, ist dabei der Sinn der Sache. Kirchenglocken sollen den Alltag unterbrechen!

Sie wollen mich rufen. Zum Beispiel zum Gottesdienst: Komm her, jetzt ist Zeit für etwas Wichtiges! Oder sie erinnern mich an etwas. Läuteten früher im Dorf die Kirchenglocken, wussten die Feldarbeiter, dass es um zwölf ist. Zeit für’s Mittagessen, eine wohlverdiente Pause und ein kurzes Gebet. Als riefen die Kirchenglocken auch: Denkt daran, Gott ist für Euch da. Er begleitet Euch in allen Situationen des Lebens! 

Manchmal beansprucht mich mein Alltag ganz schön. Gerade dann sollte ich nicht vergessen, dem Zeit einzuräumen, was mir wichtig und heilig ist und Gott zu danken für das Gute im Leben; mit ihm auch meine Sorgen zu teilen. Nein, Kirchenglockengeläut ist für mich kein Lärm. Sondern eine Ruhestörung im allerbesten Sinne.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 20. Juni 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Betet für mich!

Morgen wird Papst Franziskus beerdigt. Seit Ostermontag trauern Menschen auf der ganzen Welt um diesen bemerkenswerten Pontifex. Ich denke in diesen Tagen immer wieder an eine Bitte von Franziskus: “Betet für mich!” Viele, die ihm einmal begegnet sind, berichten davon. Kaum ein Gespräch oder Shake-Hands, ohne dass Franziskus sein Gegenüber darum bat: “Betet für mich!” 

Beten war für Franziskus ein unverzichtbarer Teil des Lebens. Ruhig werden. Nachdenken. Versuchen, in einen Dialog mit Gott einzutreten. Sorgen und Bitten formulieren. Aber auch ganz viel Hören: Was hat Gott mir zu sagen? Beten nicht als lästige Pflicht oder fromme Übung, sondern als Grundhaltung, aus der er Kraft und Zuversicht schöpfte. 

“Betet für mich” bedeutet auch: Unterstützt mich mit Euren guten Gedanken, mit Eurer Liebe und Eurem Wohlwollen! Bittet Gott darum, dass ich als Papst das Richtige tue! Franziskus mag ein Mann mit viel Einfluss und Macht gewesen sein. Er hat aber auch immer klar gemacht, dass nicht er das Maß aller Dinge ist, sondern Gott. 

Als Christ hoffe ich, dass Papst Franziskus nun bei Gott ist. Sein Vertrauen auf die Kraft des Gebetes bleibt ein Ansporn für meine eigene Beziehung zu Gott. Und ich wünsche mir, dass es auch in meinem Leben Menschen gibt, die mich wohlwollend in ihre Gebete einschließen. Ja: Betet für mich!

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 25. April 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Jesus und Eierlikör

Ein Tipp für’s lange Kar- und Osterwochenende: Ich war zu Gast im Podcast meiner RADIO PSR-Kolleg*innen Claudia Switala und Steffen Lukas! Wir haben über Ostern, Eierlikör, Gott, Sinéad O’Connor und hartgekochte Eier gesprochen und das hat großen Spaß gemacht. Hört oder schaut gern mal rein bei „Macke mit Schuss“ – überall, wo’s Podcasts gibt!

Sei netter zu dir!

„Sei mal ein bisschen netter zu Dir!” Diese Aufforderung hatte jemand mit einem Textmarker ans Haltestellenwartehäuschen gekritzelt. Daneben ein kleines lachendes Herzchen. Ja, ich hatte das schon richtig gelesen: „Sei netter zu Dir!“ Das war direkt an die gerichtet, die hier gerade warten und das zufällig lesen. In diesem Fall also: an mich.

Wie garstig bin ich häufig zu mir selbst: So manches Fast Food, das ich esse, weil’s mal wieder schnell gehen muss, ist keine Belohnung, sondern eher eine Bestrafung für meinen Körper. Auch setze ich mich gerne mal unter Erfolgsdruck oder bin im Dauerstress. Oder gehe hart ins Gericht mit mir selbst, wenn mir etwas nicht so gelungen ist, wie erhofft. In all diesen Situationen bin ich nicht gerade nett zu mir und meiner Seele.

Zu sich selbst etwas freundlicher zu sein, ist nicht egoistisch oder selbstverliebt. Sondern gesund. Als Christ glaube ich, dass Gott mich liebt, so wie ich bin, ohne Leistungsnachweis und Erfolgskontrolle. Und wenn es in der Bibel heißt: „Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst“, dann steht das da aus gutem Grund.

Ich muss mich ja nicht gleich für den Allergrößten, Besten, Tollsten halten. Doch darf und sollte ich mich selbst mögen, mir auch mal eine Schwäche oder ein Versagen verzeihen und mir immer wieder mal etwas Gutes tun. Eben … ein bisschen netter zu mir selbst sein.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er am 14. März 2025 in der Kolumne “Der Gedanke zum Wochenende” erschienen ist.

Wolfgang Thierse: Merz darf kein „Mini-Trump“ werden!

Ich habe ich mit Bundestagspräsident a.D. Wolfgang Thierse über das Ergebnis der Bundestagwahl 2025 gesprochen – für „Mit Herz und Haltung“. Der Podcast-Name passt mal wieder super: Thierse erklärt beherzt, warum Friedrich Merz nicht zu einem „Mini-Trump“ werden sollte und warum er auf die FDP im Moment gut verzichten kann. Auch geht er mit seiner eigenen Partei hart ins Gericht. Und immer bleibt seine Haltung als Sozialdemokrat und Christ klar erkennbar. Hörempfehlung!

Update: Und so berichten die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) und Domradio.de über das Interview.

Songwriting, Bandgeschichte, neues Album: Im Gespräch mit Spin-Doctors-Sänger Chris Barron

Wenn das mein 16jähriges Ich wüsste, es wäre vor Aufregung und Begeisterung vom Stuhl gekippt … Vor einigen Tagen habe ich eine Podcast-Episode mit Chris Barron aufgenommen. Der Sänger und Hauptsongwriter der Band Spin Doctors und ich haben ausführlich über die Geschichte der Band gesprochen, über Chris‘ unlängst verstorbenen Bruder Jeremy und dessen Einflüsse auf die Spins, über Songwriting im Allgemeinen und die Entstehung des neuen Albums „Face Full Of Cake“ im Speziellen. Es hat Riesenspaß gemacht und nun könnt Ihr das Ergebnis hören. „Spin Doctors Archive – The Podcast“ findet Ihr überall, wo’s Podcasts gibt.

Experiment Pfarrertausch: Zehn Tage in einer böhmischen Landpfarrei

Ende Januar 2025 wagte Bertram Wolf, Pfarrer in Gera, das Experiment, mit seinem Kollegen aus dem westböhmischen Stribro für zehn Tage Gemeinde und Pfarrhaus zu tauschen. Dort feierte er Gottesdienste, sprach mit Gläubigen, besuchte Rathaus, Kloster und Ordinariat und kümmerte sich um den Pfarrhauskater Bertik. Was er beim Blick über den Tellerrand gelernt hat, wie in der tschechischen Diaspora Synodalität gelebt wird und warum er das Experiment zur Nachahmung empfiehlt, hat er mir im Podcast „Mit Herz und Haltung“ erzählt. Jetzt anhören – überall, wo es Podcasts gibt.