siebenSACHEN vom 6. Mai 2009

Ich…

– verstehe jetzt, warum Six Feet Under so bejubelt wurde.
– finde es toll, dass Ben Harper wieder rockt, und zwar derbst.
– freue mich sehr über Stefans Erfolg vom letzten Montag.
– genieße es, das neue Buch von Benjamin Lebert zu lesen.
– nehme das Comeback von Howie Day erfreut zur Kenntnis.
– bin gespannt auf Banja Luka und Rijeka.
– habe mir einen neuen Fotoapparat gekauft.

newcamtest

Der letzte Schrei? Spotify.

spotify_logo

Vor fünf Jahren habe ich jedem einen Vogel gezeigt, der behauptete, ich würde schon bald ganz regulär mp3s kaufen, so wie ich damals ganz normal CDs kaufte. Mein eMusic-Abo habe ich inzwischen seit fast drei Jahren, bei iTunes bin ich auch Kunde, und über den Start von Amazon MP3 neulich war ich sehr erfreut. Vor einem Jahr noch habe ich jedem einen Vogel gezeigt, der behauptete, ich würde schon bald Flatrate-Musikmodelle nutzen und Musik nicht mehr besitzen, sondern stattdessen Geld für einen Zugang zu Musikdatenbanken bezahlen. Seit ein paar Tagen bin ich Kunde bei Spotify, für knapp zehn Euro im Monat kann ich hören, was ich will und kriege gar nicht mehr mit, dass sich die Musik nicht auf meiner Festplatte befindet.

Spotify schafft es, einen echt euphorisch werden zu lassen: all die gute Musik, für die bisher das Geld gefehlt hat, oder die nur halbinteressant war, aber eine Suche wert, all die Klassiker und alten Meister, all das Chartsgedöns, dass man sich nie kaufen würde, das man aber doch gelegentlich hören möchte – all das liefert mir Spotify, ohne Downloadzeiten, ohne lange Suche, ohne das Gefühl, etwas Illegales, Kriminelles zu tun; während ich dies tippe, höre ich Leonard Cohens „Live In London“-Platte – Musik, die ich gar nicht „besitze“, zu der ich jetzt aber einen „Zugang“ habe!

Ist das jetzt die Zukunft, der Weisheit letzter Schluss für das Musikbusiness? Keine Ahnung… sicher, mir fehlt bei Spotify so mancher (vorwiegend amerikanische) Act, klar, die fehlende Kompatibilität in Richtung iPod ist natürlich ein Manko, logisch, auch weiterhin werde ich CDs, Deluxeboxen, EPs usw. kaufen und mich nicht immer nur mit Streams und Accounts begnügen (können/wollen); ich merke allerdings, wie ich Musikfan (so möchte ich auch künftig betitelt werden, und nicht als „User“) immer stärker bereit bin, diese neuen Wege, an Musik zu kommen, anzunehmen – Spotify jedenfalls verblüfft mich und gibt mir als erstes Online-Musikangebot überhaupt das Gefühl, dass „da draußen“ jemand ist, der mich und meine Musikfan-Bedürfnisse versteht und erhört.

Erik Linder – In This Heart

Mir war, als hätte ich das Video hier schon letztes Jahr mal verlinkt, konnte es aber nicht mehr finden. Daher zur Sicherheit nochmal. Der junge Herr, der hier so clever Sinéad O’Connor covert, macht übrigens grade bei sowas wie „Das Supertalent“ in seiner Heimat Schweden mit und hat auch da mit „In This Heart“ beeindruckt.

Dave Matthews Band: Neue Single als Gratis-Download

dmb_single_download

Seit ein paar Stunden verschenkt die Dave Matthews Band ihre neue Single „Funny The Way It Is“. Der Song ist der erste Vorbote zu „Big Whiskey And The GrooGrux King“, dem neuen Album der Band, das Anfang Juni erscheinen wird. In den Foren wird natürlich bereits heftig diskutiert, ich selbst hab mir den Song jetzt ca. zehn Mal angehört. Die Kurve ging etwa so: verwirrt – begeistert – doch ein wenig enttäuscht – ach nee doch nicht – angetan – sehr angetan. Mir gefällt die Hook, ich finde die Bridge etwas sperrig, ich vermisse Bläsersätze (Absicht? Wegen LeRois Tod?), mag dafür Tim Reynolds Gitarrenarbeit und den Text sehr. Eine durchweg US-radiotaugliche Single, in jedem Falle das beste DMB-Single-Material seit vielen Jahren und ein guter Grund, sich auf das neue Album zu freuen.

Den Song kann man gegen Eingabe seiner eMail-Adresse hier runterladen – was ich hiermit ausdrücklich empfehle.

siebenSONGS 28. Mit Bob Dylan, State Radio, Fleet Foxes, Jeniferever u.a.

Bob Dylan – Beyond Here Lies Nothin (mp3)

State Radio – Right Me Up (mp3)

Fleet Foxes – Mykonos (mp3)

Sgt. Dunbar and the Hobo Banned – Charles Mingus‘ Garbage Pile (mp3)

Jeniferever – Green Meadow Island (mp3)

Patrick Porter – Slow Poke (mp3)

Foreign Born – Vacationing People (mp3)

Jason Mraz live in Leipzig (27. März 2009)

„What will happen to a face in the crowd when it finally gets too crowded,
What will happen to the origins of sound after all the sounds have sounded?“

Letztes Frühjahr in Berlin: ein frischer Jason Mraz und seine kleine Band geben in einem kleinen Club ein großartiges Konzert und hinterlassen eine begeisterte, glückliche Masse. Ich war Teil dieser Masse.

Letzten Herbst in Berlin: ein Jason Mraz, der eben den Sommerhit des Jahres abgeliefert hat, rockt mit großer Band und Bläsersatz Huxleys Neue Welt, das Publikum johlt. Ich fand’s okay, der durchgetourte Sommer hinterließ bei den Musikern aber deutliche Spuren.

Heute Abend in Leipzig: ein abwesend wirkender Jason Mraz und seine müde Combo spielen eine knappe Stunde vor einem halbvollen Saal, das Publikum johlt. Ich kann meine Enttäuschung über die lahme Vorstellung, die die Jungs da oben abliefern, nicht verhehlen: das war blutleer, Dienst nach Vorschrift, uninspiriert, nur in den Zugaben blitzte was auf vom Mraz’schen Genius, von seinem Showtalent und seinem Witz.

Mach mal Pause, Mraz.

Selig – Und endlich unendlich (2009)

selig

Jetzt ist sie also da, die neue Selig-Platte, die erste seit zwölf Jahren. Die Band nach all den Jahren wieder live zu sehen, am Mittwoch in Dresden, war schon eine wohltuende Erfahrung – und nun kommt also auch noch die neue CD dazu; eine echte „Selig-Woche“, ganz klar. Hatte ich in der Form zuletzt 1996, dass mich diese Band live wie mit Studioaufnahmen so berührt und begeistert hat; mit „Blender“ (1997) habe ich erst Jahre später meinen Frieden gemacht, da die Platte besser war, als ich anfangs dachte.

Fast forward ins Jahr 2009 – die Vertrautheit, die Und endlich unendlich ausstrahlt, ist die eigentliche Sensation: Reunions, Comebacks, zweite Anläufe gibt es ja inzwischen wie Sand am Meer, doch nur ganz wenige gelingen tatsächlich. Das, was Selig hier machen, fühlt sich sehr, sehr gut an: in Eigenregie aufgenommen, ohne Zeitdruck, die letzten Jahre reflektierend, gelegentlich rockend „wie früher“, häufig melancholischer als damals und dennoch ganz genau so, dass die Fans von einst zufrieden grinsen und sich fröhlich suhlen können in der guten Gewißheit, dass es wirklich Selig sind, die da wieder da sind, und keine Selig-Greatest-Hits-Coverband.

Kurz und gut: mir gefällt außerordentlich, was ich höre, und ich freue mich – für mich wegen der guten Musik, für Selig wegen des guten Gefühls und für alle Selig-Hasser, weil sie endlich wieder was zum Lästern und Dooffinden haben. Aber das konnten wir ja früher schon gut ab, Selig und ich.

siebenSONGS 27. Mit Fever Ray, Jar-E, Circlesquare, The Two Men Gentlemen Band u.a.

Ziemlich laut und gut gelaunt geht’s zu bei der neuesten Ausgabe der siebenSONGS. Herrje, is halt Frühling, bald… Viel Spaß!

Kinetic Stereokids – Free Money (mp3)

Fever Ray – When I Grow Up (D Lissvik Remix) (mp3)

Jar-E – An Idea (mp3)

Floating Action – 50 Lashes (mp3)

Wild Light – California On My Mind (mp3)

Circlesquare – Hey You Guys (Juan MacLean Remix) (mp3)

The Two Men Gentleman Band – Fancy Beer (mp3)

Neue Musik: The View, The Waifs, Laura Gibson, The Cat Empire u.a.

Es hat sich wieder viel Neues angesammelt in meinen digitalen und realen Plattenregalen. Hier einige Beispiele, die ich für dringend erwähnenswert halte.

Gilles Servat – Je Vous Emporte Dans Mon Coeur (2006)
Eine Empfehlung meines Bandkollegen Heiko, der Gilles Servat wiederum von seinem Vater empfohlen bekam. Servat ist ein französischer Sänger kurz vorm Renteneintrittsalter, der seit 1970 Musik veröffentlicht. Das hier ist ein Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2006, wie ich es verstehe, eine Art „Best-Of“-Abend mit Songs aus seiner gesamten Karriere – schöne Lieder auf Französisch und Bretonisch, bisweilen sehr melancholisch, aber äußerst unterhaltsam und eine angenehme Abwechslung.

Laura Gibson – Beasts Of Season (2009)
Ach Mensch, eigentlich verdient diese Platte einen kompletten, eigenen Blogeintrag. Läuft seit Tagen bei mir in heavy rotation. Sängerin aus den USA, das hier ist ihre dritte oder vierte Platte. Aber die erste, die ich kenne – und prompt auch sehr mag. Leicht schrullige Folksongs mit wunderbaren Arrangements, die Stimme erinnert mich gelegentlich an Regina Spektor.

The Cat Empire – Live On Earth (2009)
Meine beiden bisherigen Live-Erfahrungen mit The Cat Empire waren phänomenal: die erste, 2006 in Birmingham, war eines der intensivsten Musikerlebnisse, die ich je hatte; meine zweite, 2007 in Berlin mit meinem Freund Robby, war eine einzige ausgelassene Party und das, obwohl die Musikalität der Jungs fast mehr war, als man bei so einer Show fassen kann. Alle diese Erinnerungen kommen zurück, wenn ich die neue Cat Empire-Liveplatte höre. Diese Doppel-CD bringt mich zum Tanzen (!) und zum Versonnen-Vor-Mich-Hin-Starren, manchmal sogar gleichzeitig. Wahnsinn.

M. Ward – Hold Time (2009)
Wie Laura Gibson ist auch M. Ward so ein Künstler, den ich ohne All Songs Considered nie kennengelernt hätte. Kalifornischer Sänger und Gitarrist, der schon einige Alben veröffentlicht hat, das hier ist sein neuestes. Was mir sehr gefällt, sind die kompakten, cleveren Songs, denen er quirlige Arrangements verpasst hat, wodurch er jede nur mögliche Peinlichkeitsklippe sicher umschifft. Schöne Sache.

The View – Which Bitch? (2009)
Schade, ich fremdle mehr mit diesem Album, als mir lieb ist. Der View-Erstling „Hats Off To The Buskers“ von 2007 war ein Volltreffer, mit vielen rotzigen, aber charmanten Rocksongs. Die gibt es auf der neuen Platte, und zwar zur Genüge. Nur ist die neue CD irgendwie seltsam produziert, The View klingen hier mehr nach Schülerband als auf ihrem Debüt. Aber trotzdem: schöne Songs, und über den Frühling werden wir schon noch Freunde, Which Bitch und ich.

The Waifs – From The Union Of Soul (2009)
Mit „From The Union Of Soul“ legt die australische Folkrock-Institution The Waifs ein Livealbum vor, das wirklich beachtlich ist: von Bluegrass bis Swing, von Songwriter-Pop bis 60s-Satzgesang können die beiden Damen und der Herr offenbar alles. Lustig, herzzerreißend melancholisch, gut gelaunt und doch stellenweise wehmütig… Geile Platte, ein musikgewordenes Antidepressivum.

Strand Of Oaks – Leave Ruin (2009)
Bei eMusic gehört, gemocht, auf gut Glück runtergeladen und seitdem sehr oft gehört: ein Mann, der eigentlich als Lehrer sein Geld verdient und nebenher Musik macht, verzieht sich in die Berge im Norden Pennsylvanias und kehrt mit dieser versponnenen kleinen Songwriter-Platte zurück. Wie Bon Iver mit etwas weniger Liebeskummer, nur anders.

Reunion: Zehneinhalb Stunden Phish

Diese Band ist ein Phänomen: nach vierjähriger Pause meldeten sich Phish mit drei epischen Shows (keine kürzer als drei (!) Stunden (!!)) am Wochenende zurück und wurden von ihren Phans in Hampton phrenetisch gepheiert. Und als sei das das normalste der Welt, verschenkt die Band die kompletten Aufnahmen der drei Konzerte auf ihrer Website, eigens in einem Mischpult-Truck vor Ort abgemischt und editiert.

Das Ergebnis sind zehneinhalb Stunden Phish 2009 in brilliantester Soundqualität. Doch nicht nur der Klang, auch die Musik ist brilliant – höre grade den dritten Abend an und bin verblüfft, zu welchem Livemonster diese vier Herren wieder geworden sind, nach nur einem Wochenende, nach vier Jahren Pause, usw. Wo die erste Show noch etwas zaghaft war und man setlistmäßig ziemlich auf Nummer sicher ging, bot die zweite schon absurde und schräge Momente en masse und einige echte Monsterjams; das, was ich grade von der dritten Show höre, übertrifft das noch einmal deutlich.

Fazit: die drei Shows sind ein Genuß, für unerschütterliche Phish-Die-Hards sicher ebenso wie für einfache Phishganzgernmöger wie mich – die größte Jamband unserer Zeit ist zurück und klingt quietschfidel. Schön, dass sie wieder da ist.

Alle drei Shows gratis downloaden
Jambands.com Berichterstattung Night 1
Jambands.com Berichterstattung Night 2
Jambands.com Berichterstattung Night 3
Fotos von den Shows beim Rolling Stone
Bob Lefsetz über die Phish-Reunion