Alle lieben Listen, ich auch. Den völlig unsinnigen Versuch, das zurĂŒckliegende Jahr irgendwie in eine Tabellenform zu pressen, hab ich mir auch dieses Jahr wieder angetan. Und wie immer fĂŒhl ich mich mies, weil ich so viele gute BĂŒcher, Songs, Momente, Platten dann nun doch nicht erwĂ€hnt habe, obwohl sie eigentlich hier mit hergehören. Aber egal. Die Platzierungen (das schreibt man doch jetzt so, oder?) sind eh nur Makulatur (das schreibt man doch so, oder?), die genannten Dinge, Lieder, Lobhudeleien (darf man das noch schreiben?) sind hingegen ernstgemeint (oder muss ich das jetzt auseinander schreiben?!).
Die Alben des Jahres

7 – Ben Harper & Relentless 7 – White Lies For Dark Times
Harper so unmittelbar, schroff und wĂŒtend wie schon lĂ€nger nicht mehr. Und ein Dutzend starker Songs.
6 – Montag – Montag
Das Jahr ging gleich gut los, mit dem dritten Montag-Album. WĂ€re es nach mir gegangen, hĂ€tte ganz Deutschland in diesem Jahr wahlweise zu „Sommernacht“ getanzt oder auf jeder guten Party „…und lass die Finger von meinen CDs“ gebrĂŒllt.
5 – John Mayer – Battle Studies
Mayer kam spĂ€t, aber gewaltig. Ein Liederzyklus ĂŒber vergangene Liebe, Intrigen, EnttĂ€uschungen – und hier und da dann aber doch Hoffnung. Dazu ĂŒber jeden Zweifel erhabene Musik, absurd gute Instrumentalisten, eine herrlich organische Produktion und nicht eine Sekunde Langeweile.
4 – Ben Kweller – Changing Horses
Bens Countryausflug darf man in den Jahresbestenlisten einfach nicht unterschlagen, bloĂ, weil er so zeitig im Jahr rauskam. Der Ex-Antifolker, der seit Jahren wunderbare Songwriter-Alben raushaut, flirtet mit Countryharmonien, Steel-Guitars und Trucker-Themen. Und das auf glaubwĂŒrdige, ach was, herzergreifende Art und Weise!
3 – Dave Matthews Band – Big Whiskey & The GrooGrux King
Es war, als riefen alle DMB-Fans dieser Welt im Juni: „Eeeendlich“. Endlich wieder ein Album, dass nicht nur deutlich ĂŒber dem Studio-Output-QualitĂ€ts-MittelmaĂ der letzten sechs, sieben Jahre lag, sondern sich mĂŒhelos einreiht in die 1. Liga der DMB-Platten. Ein wĂŒrdiges Tribut an den verstorbenen LeRoi Moore, super Songwriting, tolle Arrangement-Ideen, starke Hooks. Eeeendlich.
2 – Alberta Cross – Broken Side Of Time
FĂŒr jemanden wie mich, der Selig mag, der gerne Blind Melon hört, der die Black Crowes genauso schĂ€tzt wie Bob Dylan, die Avett Brothers, Calexico und die frĂŒhen Pearl Jam, fĂŒr den ist die Musik von Alberta Cross wie gemacht. Und doch wĂ€re es ungerecht, diese Band auf die genannten Referenzen zu verkĂŒrzen. Bei aller Heldenverehrung, bei allen Zitaten: dieses Album ist originell, und es ist eine Naturgewalt.
1 – The Duke & The King – Nothing Gold Can Stay
Doch manchmal kommen die Platten des Jahres dann doch ganz heimlich, still und leise. Da fĂ€ngt es an mit „If You Ever Get Famous“, einem Song, der sich recht frĂŒh in diesem Jahr in mein Herz musiziert hat. Nachdem ich dann das Album zum Song hörte, war ich aber endgĂŒltig hin und weg. Was fĂŒr ein Kleinod, was fĂŒr groĂe Songs. Der Glaube an das Gute im Menschen, und so.
Persönliche Lieblingsorte des Jahres

7 – Leipzig
Mann, ich lebe gern in dieser Stadt und klebe an ihr. Oder sie an mir, je nachdem.
6 – Paris
Endlich mal wieder dort. Finde Paris immer wieder schön und, ja, gemĂŒtlich.
5 – Harz
Wernigerode – mein erstes Mal Wandern / Urlauben / Ausspannen im Harz. Trotz wahnwitzigem Speed-Abstieg vom Brocken eine sonst Ă€uĂerst erholsame Reise.
4 – Madrid
Menschen, unglaublich viele Menschen. Wein, unglaublich viel Wein. Kunst, unglaublich viel Kunst. Die vielleicht dekadenteste Kurzreise des Jahres. Ach ja: Serranoschinken, unglaublich viel Serranoschinken.
3 – Liverpool
Eine Woche zu Gast bei alten Freunden. Liverpool, die zweite – und das GefĂŒhl, „daheim“ zu sein.
2 – Wroclaw
Eine Reise zu den Wurzeln meiner Familie. Mit meiner Familie. Tief berĂŒhrend, bisweilen aber auch zum BrĂŒllen komisch.
1 – Banja Luka
Bosnien hat mich schwer beeindruckt. Nirgendwo sonst habe ich bisher derart krasse GrĂ€ben zwischen arm und reich, hoffnungsvoll und verzweifelt, Schönheit und Zerstörung gespĂŒrt wie hier.
Die BĂŒcher des Jahres

7 – Benjamin Lebert – Flug der Pelikane
Erst kam ich nicht so richtig rein in Leberts neues BĂŒchlein, aber dann entwickelte die ErzĂ€hlung eine interessante Dynamik. Angenehmes LesevergnĂŒgen.
6 – Manfred LĂŒtz – Gott. Eine kleine Geschichte des GröĂten
Steht nicht auf der Leseliste meines Theologie-Fernstudiums. Hab ich mir auch nur aus LektĂŒremangel heraus im Harz (siehe oben) gekauft, nachdem ich mit Platz 1 (siehe unten) durch war. GroĂe Ăberraschung: LĂŒtz‘ rheinisch-launische Gottesbetrachtung ist witzig, herzlich, niemals plump, aber auch nicht verkopft. GroĂe Empfehlung – fĂŒr GlĂ€ubige aller Couleur wie fĂŒr Atheisten und Agnostiker.
5 – Daniel Kehlmann – Ruhm
Neun Geschichten, die auf unterschiedlichste Weise ineinandergreifen und spĂ€testens am Ende ein Ganzes, wenn auch kein durchsichtiges Ganzes ergeben. Raffinierte SchreibĂŒbung, die aber auch dem Leser SpaĂ macht. Und einige sensationell gut gezeichnete Charaktere.
4 – Paul Peukert – Festung Breslau
Eine Reise nach Wroclaw, mit alten Tanten und Onkels, ohne jede revisionistische ScheiĂe, dafĂŒr mit vielen Fragen und vielen, vielen EindrĂŒcken (siehe oben). Dieses Buch hat mich auf der Reise und danach sehr beschĂ€ftigt: katholischer Priester in Breslau fĂŒhrt Tagebuch ĂŒber den Wahnsinn der letzten Kriegsjahre.
3 – Luke Haines – Bad Vibes. Britpop And My Part In Its Downfall
Ex-Auteurs-Hirn Haines schreibt seine Memoiren ĂŒber die Britpop-Neunziger. Und ist dabei so gnadenlos ehrlich, bitterböse (gegenĂŒber sich selbst und allen, wirklich allen anderen) und lustig, dass ich dieses Buch an nur einem Tag verschlungen – und dann am nĂ€chsten Tag gleich nochmal gelesen habe.
2 – Stefan Petermann – Der Schlaf und das FlĂŒstern
Sowohl Stefan als auch sein Buch haben es gar nicht nötig, von mir gelobhudelt zu werden. Umso ehrlicher ist diese Platzierung gemeint: Stefans DebĂŒtroman hat mich angerĂŒhrt und begeistert. WĂ€re Howie Days Song „I’ll Take You On“ ein Buch, es wĂ€re dieses hier.
1 – Andreas Eschbach – Ein König fĂŒr Deutschland
Einfach gutes Popcorn-Kino in Buchform. Es geht um Wahlmanipulation, ums Internet und um einen verklemmten deutschen Penne-Pauker als Hauptperson. Klingt lahm, ist aber alles andere als das. Definitv mein Lieblingsschmöker 09.
Persönliche LieblingsluxusgĂŒter des Jahres

7 – Relix-Abo
Es ist ja nicht so, dass ich nicht schon genug Musikzeitschriften abonniert hĂ€tte (jetzt sinds fĂŒnf). Aber ich hatte eben noch keine amerikanische. Und da in so ziemlich allen anderen BlĂ€ttern dieser Galaxie zu wenig ĂŒber all die schrĂ€gen Jambands und Folkies geschrieben wird, die ich nun mal gerne höre, musste es Relix sein. Habs nicht bereut – deren Avett Brothers- und Monsters Of Folk-Texte waren das beste, was ich in Sachen Musik in diesem Jahr lesen durfte.
6 – Fotoapparat
War einfach bitter nötig. Nach nem halben Jahr mit dem Teil bin ich zufrieden, aber nicht begeistert. Und eine wichtige Lektion hab ich auch gelernt: bloss, weil ich ’nen neuen Apparat habe, mache ich nicht zwingend mehr Fotos.
5 – Internet-Stick
Doch, das hat was, einfach seinen Laptop per UMTS mit dem Internet zu verbinden. Vor anderthalb Jahren war fĂŒr mich noch n Laptop unvorstellbar, seit ein paar Monaten isses der Internet-Stick. Bin eben ein SpĂ€tentwickler.
4 – Digitaler Videorecorder
Noch so eine praktische Sache: einfach die Sachen aufnehmen, die mich interessieren, im Zweifelsfall auch mal zwei Sendungen parallel. Ohne DVDs, VHS-Kassetten, Showview und diesen ganzen Mist, sondern einfach nur per Knopfdruck. Was es nicht alles gibt. Toll.
3 – Big Whiskey Deluxe Edition
Nee, schon klar. Ich hab das neue DMB-Album (siehe ziemlich weit oben) in zweifacher CD-AusfĂŒhrung (Standardversion US, Standardversion Europa), als iTunes-Pass (wegen der Bonusdownloads) und hatte es *hĂŒstel* auch schon vorab auf nicht hundertprozentig legale Weise „erstanden“. Aber dennoch musste diese Deluxe-Box sein – dieses edle Fotobuch! Die wunderschönen Lithographien! Die Bonus-EP! Ach ja, und das Album is natĂŒrlich auch nicht schlecht (wie gesagt, siehe ziemlich weit oben).
2 – Spotify-Abo
Ich kann nicht anders, als in den Chor der Spotify-Lobhudler einstimmen. Es ist so simpel wie genial, dieses schwedische Streaming-Angebot, das hoffentlich 2010 auch endlich regulĂ€r in Deutschland zu haben sein wird. Warum ich schon in den GenuĂ eines Spotify-Abos gekommen bin? Offenbar hatte ich einfach nur GlĂŒck – wenige Wochen nach meiner ersten 10-Euro-Rate wurde die Option, von Deutschland aus wenigstens den Premiumaccount buchen zu können, erstmal wieder abgeschafft.
1 – Android-Handy
Es war keine rationale Entscheidung. Eher so meine notorische Liebe fĂŒr Underdogs und die wachsende Verwunderung darĂŒber, was fĂŒr Menschen neuerdings iPhones besaĂen und damit auszudrĂŒcken meinten. Nachdem ich mich in die Materie eingelesen hatte, schien mir ein Android-Handy eine gute Alternative zu sein. Killer-Grund war fĂŒr mich die im Hintergrund laufende Spotify-App. Und jetzt? Bin ich echt zufrieden mit meinem HTC Magic – wobei… so ein Nexus One oder wenigstens ein Milestone wĂ€ren auch nicht ĂŒbel. Aber hey, bald ist ja 2010.
Die Songs des Jahres (Spotify-Playlist)

7 – Selig – Ich dachte schon
Ich dachte schon, du seist ausgezogen aus den Kammern meiner Erinnerung. Doch durch irgendeine LĂŒcke kriechst du immer wieder rein… Lass mich allein.
6 – K’Naan – Take A Minute
And any man who knows a thing knows he knows not a damn damn thing at all…
5 – Sometymes Why – My Crazy
They say I’m talking to myself when I’m talking to you, they say I’m going crazy, crazy. Am I just true?
4 – Montag – Part 1
Plötzlich ist der Kopf klar, fahr jetzt los! Halt‘ Deine Briefe aus dem Fenster und lass sie los…
3 – Brother Ali – Fresh Air
I’m surrounded by greatness, my loved ones are amazin‘, sometimes, I look in their faces and just think of the lifes they’re changin
2 – Mein Mio – Es gibt immer
…und glaub, ich brauche kein Ziel und kein‘ Halt, doch als ich mich erinnere, ist es kalt. Es gibt immer, es gibt immer, es gibt immer… jemanden, auf den man wartet.
1 – Monsters Of Folk – Temazcal
Searchin‘ west and east and all points in between and underneath the hand of god, you’re there and then you’re not…
Persönliche Erfolge des Jahres

7 – drei Phish-Shows am StĂŒck angehört
6 – ein weiteres Jahr ohne Zigaretten
5 – „Six Feet Under“ von der ersten bis zur letzten Folge sehen können
4 – meine Solo-EP StundevorwĂ€rts
3 – einen regionalen & einen internationalen Preis erhalten
2 – immer noch Freunde zu haben, die mich ernsthaft als Trauzeugen wollen
1 – Simsalaboom, die neue CD meiner Band 2zueins!, die nun endlich fertig ist. Also, die CD.
Die Konzerte des Jahres

7 – Selig, September, Leipzig
Homogener Sound. Druck. GefĂŒhl. Zeitreise Teil 2, diesmal fĂŒhlt sichs aber schon wieder ganz natĂŒrlich an.
6 – Bright Blue Gorilla, April, Halle
Robyn und Michael im Objekt 5. Am Tag vorher gemeinsames Essen in Leipzig. Dazu Besuch aus Holland – perfekte Tage.
5 – Stoppok, April, Leipzig
Absolut das, was ich mir von einem Stoppok-mit-Band-Abend erhofft hatte: tolle Musik, viele bekannte Gesichter im Publikum, ausgelassene Musiker.
4 – Alberta Cross, Juli, Paris
Musikalische Neuentdeckung des Jahres, hatte sich im Vorprogramm versteckt. So unscheinbar die Herren angeschlurft kamen, so bombastisch war im Gegensatz dazu ihre Musik.
3 – Amarcord, Dezember, Leipzig
Was fĂŒr ein liebevoll ausgewĂ€hltes Programm, ausschlieĂlich StĂŒcke mit direktem Thomaskirchen-Hintergrund. Und dann natĂŒrlich: diese Stimmen!
2 – Selig Reunion Show, MĂ€rz, Dresden
Zeitreise, Teil 1: Selig spielen ihr erstes öffentliches Konzert seit 1998 und wir waren dabei. Die Nostalgie wich binnen weniger Songs der alten Euphorie. Immer noch die beste Liveband Deutschlands.
1 – Dave Matthews Band, Juli, Paris
Celebrate we will, ‚cause life is short but sweet for certain. Was soll ich noch schreiben – auch DMB-Konzert Nummer 3 war auĂerirdisch gut, ich freu mich schon auf #4 und #5.