Mein 2024: Lieblingskonzerte

The Cat Empire, Stuttgart

Wie singt Niels Frevert doch gleich? Wenn die Sache dir zu nahe geht / Und dein Herz in Schutt und Asche liegt / Ist da immer noch die Musik: Wie gut, dass ich mich darauf auch in diesem recht anstrengenden Jahr verlassen konnte und einige tolle Konzerte erleben durfte.

Mit der Dave Matthews Band habe ich in Köln in meinen Geburtstag reingefeiert und sie am Tag darauf gleich nochmal in Hannover genossen (und wenig spĂ€ter erneut in Berlin). Bei den Jazz Open in Stuttgart haben uns erst Lawrence und dann The Cat Empire umgehauen – letztere habe ich zum ersten Mal in neuer Besetzung gesehen.

Auch zuhause in Leipzig gab’s wunderbare Abende, etwa bei Dota an der Geyserhaus-ParkbĂŒhne, Hannes Wittmer im Naumanns oder Stoppok mit Band im Anker. Der bestmögliche Abschluss dieses Livemusikjahres? Niels Frevert im Columbia Theater in Berlin. Und wenn sie merkt: Du gehst zu nah am Abgrund / Und wenn sie sieht: Du stehst zu dicht an den Klippen / Begleitet sie Dich mit einem Lied / Auf deinen Lippen 


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Lieblingskonzerte 2023, 2022, 2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012201120102009.

Mein 2023: Lieblingslieder

Niels Frevert – Pseudopoesie
So flatterhaft wie Flatterband, Achterbahnromanze in einem tristen Heile-Welt-Roman, Pseudopoet, Pseudopoesie

The Cat Empire – Owl
One more for this life, one more for the show, one more for the sky and the fire down below. One more for the night where the purple lilacs grow, one more for the dead and one more for the road

David Holmes & Raven Violet – Necessary Genius
Dreamers, misfits, radicals, outcasts, outsiders, oddities, revolution, working class, icon, wrote off, segregated, get lost, creators, believers, necessary genius

Blues Traveler – Qualified
Your steak ain’t no hipper than my porkchop, your Cadillac ain’t no hipper than my bus stop

Apsilon – Baba
Ich fĂŒhl sehr viel, wenn ich schweig‘, ich fĂŒhl wenig, wenn ich rede. Ich bin auch manchmal allein, komm mir selber in die Quere

Cameron Whitcomb – Shoot Me Dead
Should’ve left me at the door, but you let me in. And now your heart is on the floor

Austin Giorgio – You Put A Spell On Me
You keep me going in potions and bottles and I can’t escape

LP Giobbi – All I Need
And day by day, sweetheart, I find, these are the ties that bind

Gengahr – Red Sun Titans
Comin‘ up on the bend, two steps from the edge. Comin‘ up on the bend, two steps over

Jeremias – Egoist
Alles bleibt so, wie es ist und das ist gut, doch nichts fĂŒr mich. Jede Gewohnheit bringt mich um und jede Regel macht mich stumm

Josh Ritter – For Your Soul
Will you be worthy and yet unworthy in the same breath and look yourself in the mirror? Will you be righteous and strong by saying when you are wrong and put aside your own fear?

Dogs In A Pile – Say Something
Can‘ you see there’s nothing wrong with me or the way I’m loving you

Ben Harper – Love After Love
Now I sit and watch myself go insane. It’s a bittersweet freedom, but freedom just the same

Husten – FĂŒr immer und ewig
Ein Lied will ich schreiben, ein Lied, das uns einfĂ€ngt in seiner Leuchtfeuermelodie, warmherzig und spleenig. Doch die Notizbuchfragmente, sie fransen aus an den Enden oder prallen gegen WĂ€nde und rufen stĂ€ndig: ich seh’s nicht

SinĂ©ad O’Connor – The Skye Boat Song
Sing me a song of a lass that is gone. Say, could that lass be I?

Meine Lieblingslieder 2023 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingslieder 2022 (Spotify), 2021 (Spotify), 2020 (Spotify), 2019 (Spotify), 2018 (Spotify), 2017 (Spotify), 2016 (Spotify), 2015 (Spotify), 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify),  2009 (Spotify),  2008. Alle Jahres-Lieblingslieder seit 2008 in einer Playlist: hier.

Mein 2023: Lieblingskonzerte

Lawrence, Hamburg

Ein gutes Konzertjahr geht zu Ende, von dem mir viel in Erinnerung bleiben wird. Der 2zueins!-Band-Betriebsausflug zu Danny Dziuk ins Neue Schauspiel Leipzig etwa. Und Lawrence in Hamburg – Stimm- und Performancewunder Gracie, Bruder Clyde und die sechs weiteren Bandmates sorgten fĂŒr die kurzweiligste Show des Jahres.

Ben Harper im Regen in Weimar – und zum Schluss ein Regenbogen bei Amen Omen. Marc Broussards beseelter Auftritt im Colos-Saal in Aschaffenburg! Und Niels Frevert, wie er am Ende eines famosen Konzerts zufrieden von der BĂŒhne der Moritzbastei lĂ€chelte.

Schließlich haben Selig auf großer 30-Jahre-Tour in Berlin Halt gemacht und wir waren high, high, high wie in den Neunzigern. Kurz darauf ist dann ein kleiner Traum fĂŒr mich wahr geworden: im November waren Goose erstmals auf Europatour und ich war in Paris und Köln dabei – es wurden die intensivsten Livemusikmomente 2023.

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Mein 2023: Lieblingsalben

10 Arlo Parks – My Soft Machine
Pop im allerbesten Sinne ist Arlo Parks auf ihrem zweiten Album gelungen: mĂŒhelos springt die Londonerin zwischen den Genres hin und her, da hört man Neo-Soul und klassischen R’n’B genauso wie Folk- und Indierock-Anleihen. Eine Vielfalt, die jedoch nie beliebig oder ziellos wirkt. Standout Tracks: I’m Sorry, Devotion, Pegasus

9 Felix Kramer – Oh wie schön das Leben is
Der Titelsong dieser Platte war mein liebstes Lied 2022, nun also das Album. Es steckt voller prĂ€ziser Allagsbeobachtungen, origineller GefĂŒhlsbeschreibungen und subtiler musikalischer Zitate. Zum Niederknien. Standout Tracks: Ich bleib sitzen, Donau, Er sagt, dass er sich bemĂŒht

8 Dave Matthews Band – Walk Around The Moon
Nach fĂŒnf Jahren Studiopause eine Songsammlung, bei der die HĂ€lfte der Tracks Zweieinhalbminuter sind – und das bei einer Band, die fĂŒr ihre XXL-Liveperformances bekannt ist? HĂ€tte schief gehen können, ist es aber nicht. Die Konzentration aufs Wesentliche funktioniert, entstanden ist eine Art DMB-Destillat. Standout Tracks: It Could Happen, All You Wanted Was Tomorrow, Monsters

7 Ren – Sick Boi
Der „Bard of Brighton“ ist meine musikalische Entdeckung des Jahres: Ren rappt, singt, spielt Klavier und Gitarre. Vor allem aber erzĂ€hlt er Geschichten. Diese Songs nebenbei zu hören, ist mir unmöglich; Rens Performances erfordern volle Aufmerksamkeit. Lieder wie Spielfilme – meisterhaft. Standout Tracks: Money Game, Pt. 3, What You Want, Loco

6 Blues Traveler – Traveler’s Soul
Popper, zum Ersten: Einmal mehr geht der Blues Traveler auf musikalische Wurzelreise. Huldigte die Band vor zwei Jahren dem Blues, knöpft sie sich diesmal Soul-Klassiker vor. Und liefert ab – BT-Album Nummer 15 besticht einmal mehr durch Spielfreude und LĂ€ssigkeit. Standout Tracks: Qualified, Last Train, Just Kissed My Baby

5 Josh Ritter – Spectral Lines
Vor zwei Jahren verstarb Josh Ritters Mutter. Spectral Lines ist tief von diesem einschneidenden Moment geprĂ€gt. Ein sonderbar schwebendes, nachdenkliches, verschrobenes Album voller großer Songs. Standout Tracks: Horse No Rider, Whatever Burns Will Burn, In Fields

4 Niels Frevert – Pseudopoesie
Spannende Kombi: Niels Frevert macht gemeinsame Sache mit Tim Tautorat, der zuletzt fĂŒr und mit Faber, Jeremias und Betterov produzierte. Tautorats moderner, dichter Pop-Sound passt verblĂŒffend gut zu Freverts Poesie, an der auch diesmal ganz und gar nix „pseudo“ ist. Standout Tracks: Pseudopoesie, Waschbeckenrand, Ende 17

3 Jenny Owen Youngs – Avalanche
Wieso bin ich eigentlich nicht schon viel frĂŒher auf Jenny Owen Youngs gestoßen? Die Frau macht seit fast 20 Jahren tolle Musik, das letzte Album ist mal eben elf Jahre her. Nun also Avalanche: starke, intensive Songs, mit Leichtigkeit und einer gewissen BeilĂ€ufigkeit performt. Standout Tracks: Avalanche, Knife Went In, Salt

2 Ben Harper – Wide Open Light
Kein Jahr ist das hochpolitische, laute „Bloodline Maintenance“ alt, da legt Ben Harper bereits nach. Mit einer Sammlung intimer, minimalistisch arrangierter Songs, darunter auch Livemitschnitte. Klingt nach Kraut und RĂŒben und Compilation, ist aber aus einem Guss – betörend schön. Standout Tracks: Trying Not To Fall In Love With You, One More Change, Love After Love

1 John Popper & Jono Manson – Bootlegger Days!!
Popper, zum Zweiten: Gemeinsam mit Mentor und Wegbegleiter Jono Manson hat der Blues Traveler-Frontmann wĂ€hrend der Corona-QuarantĂ€ne eine Art Konzeptalbum eingespielt. Die beiden erzĂ€hlen in zwölf Songs lose miteinander verwobene Storys aus dem Leben eines Schmugglers in der Prohbitionszeit. Blues, Americana, Rock – die musikalischen Mittel mögen nicht originell sein. Doch was und wie die beiden alten Freunde hier abliefern, ist einfach verdammt gut. Standout Tracks: Cabin Fever, Your Crazy, When The Morning Comes

Meine zehn Lieblingsalben 2023 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingsalben 2022, 2021, 20202019, 2018, 2017, 20162015, 2014, 201320122011201020092008200620052004.

Mein 2019: Lieblingslieder

10 Vampire Weekend – Harmony Hall
I thought that I was free from all that questionin‘, but every time a problem ends, another one begins.

9 Gary Clark junior – What About Us
There goes the neighbourhood, one way or another. You can call it what you want, but the young blood’s taking over.

8 Von Wegen Lisbeth – Westkreuz
Der Döner ist jetzt ein Friseursalon und du weißt nichts davon.

7 Charlie Worsham feat. Old Crow Medicine Show – I Hope I’m Stoned (When Jesus Takes Me Home)
I believe he put it down here for all of us to use, a little piece of heaven to take away your blues. I know I’m far from perfect and I’ll call a sin a sin but I feel closer to the Lord every time I breathe it in.

6 KitschKrieg feat. Cro, AnnenMeyKantereit, Trettmann – 5 Minuten
Ich glaub‘, ich hab’ vor fĂŒnf Minuten aufgehört, dich zu lieben. Dann hab’ ich’s aufgeschrieben. Und mittlerweile sind es sieben.

5 Ben Harper – Uneven Days
On a bad day it isn’t better, on a good day it isn’t worse. When you and I aren’t together, love is just pain in reverse.

4 The Highwomen – Highwomen
I was a healer, I was gifted as a girl. I laid hands upon the world. Someone saw me sleeping naked in the noon sun, I heard „witchcraft“ in the whispers and I knew my time had come. The bastards hung me at the Salem gallows hill – but I am living still.

3 Trey Anastasio – Friend
When I was up, I had so many friends. When I was down, they were gone so fast. And you were always the one who stayed.

2 Weezer – High As A Kite
Way up here, no one can touch me, I’m drifting like a lost balloon. I’m out of reach and won’t be coming down any time soon, any time soon.

1 Niels Frevert – BrĂŒckengelĂ€nder
So lebe wohl, du rettungslos verlor‘nes Jahr, zieh‘ dahin mit dem FlĂŒstern des Flusses, Strömung tief und klar. Was vergangen ist, ist vergangen und lange her, irgendwann nur noch Rost an den HĂ€nden vom BrĂŒckengelĂ€nder.

Meine zehn Lieblingslieder 2019 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingslieder 2018 (Spotify), 2017 (Spotify), 2016 (Spotify), 2015 (Spotify), 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

Mein 2019: Lieblingskonzerte

10 – George Ezra, Leipzig, 5. Mai
Der Boy aus Bristol ist zum Superstar geworden. Und legt eine abendfĂŒllende, familienkompatible Show hin, die irgendwo zwischen liebenswĂŒrdig und kitschig, sympathisch geerdet und dennoch leicht ĂŒberdimensioniert einzuordnen ist. Am Ende gehen alle glĂŒcklich nach Hause und es bleibt die Gewissheit: dieser unheimlich nette George, der kann was.

9 – Cub Sport, Hamburg, 6. Februar
Versponnener Keyboard-Dream-Pop? Eigentlich nicht so meine go-to-Musikfarbe. Aber vielleicht hat mich die Show der australischen Band gerade deshalb so in ihren Bann gezogen. Große Melodien, ganz große GefĂŒhle. SĂ€nger Tim Nelson ist ein Superstar – noch mag das hierzulande nur fĂŒr die Gay- oder Indie-Szene gelten. Aber es ist gewiss nur eine Frage der Zeit, bis BĂŒhnen und Fanmengen grĂ¶ĂŸer werden.

8 – Gisbert zu Knyphausen, Leipzig, 29. Juni
Einer meiner Lieblingssongschreiber auf der Lieblings-Open-Air-BĂŒhne der Stadt – die Voraussetzungen dafĂŒr, dass das ein wunderbarer SpĂ€tjuniabend werden dĂŒrfte, waren ideal. Gisberts Band und er wirkten auf mich eingespielter und harmonischer als zuletzt; die Stimmung bei Musikern wie Publikum war prĂ€chtig. So wurde es schließlich der ersehnte harmonisch-melancholische Sommerauftakt fĂŒr alle Beteiligten.

7 – Christian Kjellvander, Hamburg, 5. Februar
Der umtriebige Schwede kam mit seiner Band in die Hamburger Livemusik-Institution Knust, um sein achtes Album „Wild Hxumans“ zu prĂ€sentieren. Eine beeindruckende Angelegenheit: Kjellvanders sonor-geheimnisvoller Gesang erinnert an Lou Reed und Jim Morrison, die Musik ist tempoarm, aber wuchtig. Wintermusik im besten Sinne – und zwar ganz große.

6 – Faber, Leipzig, 26. November
Der Skandalknabe aus der Schweiz wird wohl einer der großen AbrĂ€umer 2020. Gleich zwei Mal will er hier das Haus Auensee ausverkaufen, gleich zwei große bundesweite Touren im FrĂŒhjahr und Herbst wird es zu seinem zweiten Album geben. Beim Vorab-Gig im lauschigen Naumanns demonstriert Faber, wie er auch in Duo-Besetzung einen Saal zum Ausrasten bringt. Zynischer Songwriter-Pop mit Weltmusikeinschlag – so eine Nische muss man erst mal finden, sich zu eigen machen und besetzen. Faber hat’s geschafft.

5 – Jan Plewka & Marco Schmedtje, Hamburg, 8. Februar
Mein zweites „Behind the Bars“-Konzert der beiden Herren, diesmal in ihrer norddeutschen Heimat. Und die zwei unweit der Reeperbahn zu erleben, wie sie ihre heimelige, herrlich gefĂŒhlsduselige „Wir-ziehen-wahllos-Songs-aus-dem-Hut“-Show durchziehen, ist ein ganz besonderes VergnĂŒgen. Wir hören Songs von Rio Reiser, Simon & Garfunkel und eigene StĂŒcke und glauben spĂ€ter, an der Bar, alle gemeinsam wieder etwas mehr an das Gute im Menschen.

4 – Dave Matthews Band, Berlin, 23. MĂ€rz
Nach vier langen Jahren ziehen DMB wieder durch Europa, in diesem Jahr natĂŒrlich, um ihr aktuelles Album „Come Tomorrow“ zu promoten und die mit Keyboarder Buddy Strong in verĂ€nderter Besetzung aufspielende Band zu prĂ€sentieren. Drei Konzerte durfte ich erleben und damit eine Band in Top-Form bewundern. Am eindrĂŒcklichsten war die Show in Berlin – was an den 1-A-SitzplĂ€tzen quasi ĂŒber der BĂŒhne und an der unfassbar großen Spielfreude der Matthewsschen Mannschaft gelegen haben dĂŒrfte.

3 – Niels Frevert, Dresden, 17. Oktober
Meine GĂŒte, hat mir Niels Frevert gefehlt! FĂŒnf Jahre hat er sich fĂŒr’s Album „Putzlicht“ Zeit gelassen. Aus einer musikalischen und persönlichen Krise kommt er gestĂ€rkt zurĂŒck. Live bedeutet das vor allem: er rockt wie seit Jahr(zehnt?)en nicht mehr. Seine Band ist perfekt aufeinander abgestimmt, die Setlist ĂŒberzeugt mit einem fairen Mix aus Neuem und Altem. Niels fliegt die Liebe des Publikums nur so zu und er genießt die Ovationen sichtlich. Erstaunlich: das alles funktioniert auch in abgespeckter Trio-Besetzung, wie ich ein paar Wochen spĂ€ter in Leipzig erleben durfte. Schön, dass Du wieder da bist, Niels.

2 – Dawes, Köln, 1. November
Ebenfalls eine kleine Ewigkeit ist es her, dass Dawes fĂŒr ein paar Shows in Europa waren. Ich habe sie auf der Tour in Berlin und Köln erlebt und stimme all denen zu, die diese vier Herren fĂŒr einen der stĂ€rksten Live-Acts unserer Zeit halten. Großes Songwriting, famose Performance, euphorisches Publikum. Der fĂŒr mich grĂ¶ĂŸte Moment: das epische „Peace In The Valley“ im Kölner Artheater.

1 – SinĂ©ad O’Connor, Berlin, 8. Dezember
HĂ€tte mir jemand Anfang 2019 gesagt, dass ich noch am Ende desselben Jahres SinĂ©ad O’Connor auf einem umjubelten, ausverkauften Konzert in Berlin erleben wĂŒrde, ich hĂ€tte ihm oder ihr wohl einen Vogel gezeigt. Mit grĂ¶ĂŸter Sorge nahm ich all die Schlagzeilen der letzten Jahre zur Kenntnis, ihre psychischen Probleme, die ZerwĂŒrfnisse mit Freunden und Familie, die GerĂŒchte ĂŒber Suizidversuche und und und. Doch tatsĂ€chlich: es scheint ihr wieder gut zu gehen. GestĂ€rkt durch eine neue Band, ein neues Management und eine neue spirituelle Heimat (sie ist jetzt Muslima), setzt sie musikalisch dort an, wo sie vor ihrer Zwangspause seit 2015 war – mit einer frenetisch gefeierten Performance, die einen gelungenen Querschnitt durch ihr gesamtes Oevre liefert. Der Unterschied zu „damals“? Heute wirkt Sister SinĂ©ad gelöst und gestĂ€rkt. Ihre Stimme ist dabei in Bestform: glasklar, druckvoll, mal markerschĂŒtternd, mal engelsgleich, immer magisch.

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Lieblingskonzerte 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.

Mein 2015: Lieblingskonzerte

Jed Appleton, Brighton 2015

10 – Jed Appleton, Brighton, 2. Februar
AngekĂŒndigt als support act fĂŒr Stu Larsen, hat mich der junge Australier mehr begeistert als der eigentliche Star des Abends. Dieser noch ziemlich aufgeregte, quirlige Kauz hatte einfach eine Handvoll toller Songs, die er ĂŒberaus engagiert in den ausverkauften Mini-Club hinaus bellte. Eine der angenehmsten Entdeckungen des Jahres.

9 – Gisbert zu Knyphausen & die Kid Kopphausen Band, Dresden, 23. Januar
Wer nicht weiß, welche Tragik dem Projekt „Kid Kopphausen“ innewohnt, möge googlen oder auch diese Website hier ein wenig grĂŒndlicher durchsuchen. Was bin ich froh, dass ich doch noch in den Genuss kam, die Band mal live zu sehen. Es war ein bewegender, schöner, bisweilen auch sehr lustiger Abend – nur halt leider, leider ohne Nils Koppruch.

My Morning Jacket, Boston 2015

8 – My Morning Jacket, Boston, 23. Mai
MMJ waren die Headliner am zweiten Abend des Boston Calling-Festivals im Mai 2015. Die rappelvolle City Hall Plaza erlebte eine wahrhaft große Rock’n’Roll-Show, bei der die Band sich einmal quer durch ihren ĂŒppigen Katalog spielte und nach ĂŒber zwei Stunden Boston und seine vielen GĂ€ste (ich war nicht der einzige, der eigens fĂŒr das Festival in die Stadt gereist war) glĂŒcklich in die Nacht entließ.

7 – Niels Frevert, Leipzig, 22. September
Sowas nennt man wohl Kammer-Pop: Niels, der amtierende König im Lande der deuschsprachigen Liederschreiber, bat zur Audienz, nur sparsam begleitet durch Klavier und Cello. Leipzig war der Auftaktabend seiner Tour und der Maestro noch merklich aufgeregt ob der wohl noch nicht idealen Setlist. Dem Publikum war’s egal – wir genossen den wunderbar sanften Ritt einmal quer durchs Frevertsche Solowerk.

6 – William Fitzsimmons, Leipzig, 31. Juli
Eine gar nicht mal so laue Sommernacht an der wunderbaren ParkbĂŒhne in Eutritzsch: William Fitzsimmons war gekommen, um den brav lauschenden (ohne Quatsch, man hĂ€tte die berĂŒhmte Stecknadel fallen hören können) Leipzigern seine Lieder vorzusingen. Dabei verzichtet auch er auf alles, was allzu viel LĂ€rm machen könnte. Was bleibt, ist die angenehme Erinnerung an ein ziemlich leises, aber umso intensiveres Konzert.

DMB, DĂŒsseldorf 2015

5 – Dave Matthews Band, DĂŒsseldorf, 1. November
Das DĂŒsseldorfer Konzert steht hier stellvertretend fĂŒr alle drei famosen Abende, die mir diese Band in diesem Herbst bereitet hat. Stets kratzten die Jungs an der 3-Stunden-Marke und spielten mich in die GlĂŒckseligkeit. MĂŒsste ich einen Lieblingsmoment aus diesen drei Shows nennen, ich könnte mich nicht entscheiden zwischen dem unerwarteten „Typical Situation“ in MĂŒnchen, dem ergreifenden „Drunken Soldier“ in Berlin oder dem epischen „Seek Up“ in DĂŒsseldorf.

Jono Manson, Brooklyn 2015

4 – Jono Manson, Brooklyn, 28. Mai
Der letzte Abend meiner USA-Reise hĂ€tte perfekter nicht sein können: Jono Manson, eine der prĂ€genden Gestalten der New Yorker Jamband-Szene in den spĂ€ten Achtzigern und frĂŒhen Neunzigern, kehrt fĂŒr ein kleines, unaufgeregtes Solo-Set zurĂŒck nach Brooklyn. In einer winzigen Bar vor vielleicht 20 Leuten kriege ich eine Ahnung davon, wie das damals gewesen sein muss, in der Nightingale Bar oder dem Wetlands.

3 – Ben Harper & The Innocent Criminals, Boston, 23. Mai
Über zehn Jahre sind vergangen, seit ich Harper live mit den Criminals erleben durfte. Zwischenzeitig legte er die Band auf Eis, um sich mit den Relentless7 rockigeren Gefilden zuzuwenden; Anfang des Jahres folgte dann die frohe Kunde von der Wiedervereinigung. Was ich schließlich im Mai in Boston sehen und hören durfte, war unglaublich: eine Band wie eine Naturgewalt, immer noch und schon wieder.

Chris Barron, Sheffield 2015

2 – Chris Barron, Sheffield, 11.Juli
Der Flug nach Sheffield? Irgendwas um die 150 Pfund. Die Übernachtung im Hotel? 45 Pfund. Das Konzertticket? 10 Pfund. Der Moment, an dem Dein LieblingssĂ€nger völlig abgehetzt in dem winzigen Rockschuppen ankommt, und als erstes lautstark Deinen Namen ruft, weil er sich kaum noch einkriegt vor Freude darĂŒber, dass Du fĂŒr diese eine Show angereist bist: unbezahlbar.

Blues Traveler, Englewood, NJ

1 – Blues Traveler, Englewood, 17. Mai
Seit mehr als 27 Jahren gehen Blues Traveler Jahr fĂŒr Jahr auf Tour. WĂ€hrend ihre Studioarbeiten bisweilen hits and misses bereithalten, sind die LivequalitĂ€ten dieser Band ĂŒber jeden Zweifel erhaben. So auch an diesem Abend in einem hĂŒbschen Provinz-Theater irgendwo in New Jersey: John Popper und seine Jungs machen mich einfach glĂŒcklich – und wenn ich fĂŒr sie in die absurdesten Vororte der Vereinigten Staaten reisen muss, dann is das eben so.

Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.

Mein 2014: Lieblingskonzerte

10 – Malky, Leipzig, 24. Januar
Das Video zum Song „Diamonds“ war lĂ€ngst draußen, in Leipzig erzĂ€hlte man sich von DER großen nĂ€chsten Live-Sensation der Stadt – Ende Januar hatte ich Gelegenheit, mir davon ein Bild zu machen. Und tatsĂ€chlich: Malky waren an dem Abend im Werk II eigentlich „nur“ die Vorband, hinterließen bei mir aber einen bleibenden Eindruck. Kommt ja selten genug vor, aber … der Hype war gerechtfertigt.

9 – Orgelkonzert, Leipzig, 15. MĂ€rz
Die Orgel in der Evangelisch-Reformierten Kirche am Leipziger Tröndlinring feierte ihren 45. Geburtstag. Da nicht nur Menschen, sondern auch Orgeln in diesem Alter die eine oder andere Schönheits-OP brauchen, organisierte die Gemeinde kurzerhand ein gelungenes Benefizkonzert. Hauptteil des Konzerts war die Messe fĂŒr Chor und Orgel von Anton Dvorak aus dem Jahr 1887, aufgefĂŒhrt mit der Kantorei der Gemeinde und tollen Solisten. Außerdem bot UniversitĂ€tsmusikdirektor David Timm anschließend noch einige gewagte Improvisationen an der Jehmlich-Orgel. Ein spannender, packender Musikgenuss.

Spaceman Spiff & Enno Bunger, Leipzig 2014

8 – Spaceman Spiff & Enno Bunger, Leipzig, 4. Dezember
Das Vorurteil: das wird ein Abend mit zwei ganz gefĂŒhligen Boys, die schĂŒchtern ihre durchaus schönen Problemlieder zum Besten geben. Die Überraschung: Spaceman Spiff und Enno Bunger können auch richtig laut und sogar tanzbar und sind auf der BĂŒhne so gar nicht die maulfaulen Schwerstmelancholiker, sondern unterhaltsame RampensĂ€ue mit, gewiss, in der Mehrzahl eher balladesken Songs. Das Ergebnis: ein wirklich kurzweiliger, toller Abend.

7 – Selig, Leipzig, 23. August
Ach Mensch, Selig. Ende August an der ParkbĂŒhne konnte ich noch nicht ahnen, dass ich mich spĂ€ter im Jahr tierisch ĂŒber Euch Ă€rgern wĂŒrde. Die CD „Die Besten“ gefiel mir nĂ€mlich gar nicht, lieblose und blutleere Eigen-Cover waren das, in einem halbakustischen, seltsam schaumgebremsten Gewand. Und dann verlĂ€sst auch noch Keyboarder Malte die Band? Was mir Freunde von der Herbst-Tour berichten, lĂ€sst mich ahnen, dass die PUR-Werdung meiner einstigen Lieblingsband gerade im Eiltempo voranschreitet. Zum GlĂŒck war von all dem an diesem viel zu kĂŒhlen Sommerabend im August noch nichts zu spĂŒren: meine fĂŒnf Helden spielten sich lautstark und ohne Wenn und Aber durch die derbsten Bretter ihrer Karriere – ich war völlig ĂŒberrascht und geplĂ€ttet und begeistert. Umso trauriger, wie es dann im Herbst mit der Band weiterging. Aber hey hey hey, natĂŒrlich bleibe ich voller Hoffnung und gespannt auf das, was da noch kommen mag.

6 – Stoppok, Leipzig, 20. November
Ein Dauergast in meinen Lieblingskonzertlisten. Auch 2014 lieferte der alte Recke mit seiner in Teilen neuen Band ein wunderbares Konzert ab.

Die Höchste Eisenbahn, Leipzig 2014

5 – Die Höchste Eisenbahn, Leipzig, 12. Februar
Eine zum Bersten volle NaTo. Und eine höchst spielfreudige Höchste Eisenbahn, die auf der ganzen Linie ĂŒberzeugte. Francesco Wilking und Co. intonierten die Songs ihrer ersten beiden Platten, wechselten nach fast jedem Song die Instrumente und machten den Abend durch ihre Ă€ußerst lustigen Ansagen und Anekdoten erst so richtig rund. Ich glaub ja, dass hier gerade DIE deutschprachige Pop-Instanz der nĂ€chsten Jahre entsteht.

4 – The Hilliard Ensemble & Jan Garbarek, Halle, 20. Oktober
Ein wohliger Schauer nach dem nĂ€chsten jagte mir in Halle in der Marktkirche an diesem Abend ĂŒber den RĂŒcken: die Herren vom Hilliard Ensemble waren gekommen, um ein letztes Mal in unseren Breitengraden ihre unfassbar gute Vokalkunst zum Besten zu geben. Und das Publikum war gekommen, um von diesen großen KĂŒnstlern Abschied zu nehmen: Ende 2014 sangen sie das letzte Konzert ihrer Karriere. Mit dabei war der norwegische Jazzsaxofonist Jan Garbarek, mit dem die Hilliards drei Alben aufnahmen. Schade, dass ich das wohl nie wieder live erleben werde. Schön, dass ich in Halle dabei sein durfte.

Spin Doctors, Paris 2014

3 – Spin Doctors, Paris, 24. Februar
Auch in diesem Jahr durfte ich die Lieblingsband ein paar Mal live erleben. Drei Mal, um genau zu sein: in Paris, Amsterdam und Leuven. Die Pariser Show soll exemplarisch fĂŒr diesen Ă€ußerst spannenden Run stehen. Die Band variierte die Setlisten von Nacht zu Nacht wie zuletzt in den frĂŒhen 90er Jahren, alte und neue StĂŒcke fĂŒgten sich zu tollen Gesamtkunstwerken ineinander. Chris, Aaron, Mark und Eric sind und bleiben die coolsten SĂ€ue unter dieser Sonne und ich freu mich schon aufs nĂ€chste Dutzend Shows.

2 – Conor Oberst & Dawes, Hamburg, 11. August
A match made in heaven: Dawes, die sich 2013 in mein Herz spielten, als Backing Band fĂŒr Conor Oberst, den ich bislang noch nie live gesehen hatte. Praktischerweise gaben Dawes auch gleich noch die Vorband, was mich natĂŒrlich doppelt freute. Das neunminĂŒtige „Peace In The Valley“ am Ende des Dawes-Sets in der restlos ausverkauften Hamburger „Fabrik“ war fĂŒr mich der Konzertmoment des Jahres. Das Set mit Conor Oberst war bis zum letzten Song erstklassig und einnehmend, verstörend war jedoch dann die Zugabe: Dawes mussten fast acht Minuten instrumental ĂŒberbrĂŒcken, bevor Oberst schließlich doch völlig verwirrt und neben sich stehend zurĂŒck auf BĂŒhne wankte und die letzten beiden StĂŒcke mit MĂŒhe und Not durchhielt. Ein seltsames Ende einer sonst tadellosen, berauschenden Show, die mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Niels Frevert, Dresden 2014

1 – Niels Frevert, Dresden, 22. November
Was fĂŒr ein Genuss! Frevert mit Band in der Dresdener Scheune. Niels war an dem Abend gut drauf und zum Plaudern aufgelegt, und die Band war aufeinander eingespielt wie in diesem Jahr sonst nur die deutsche Fußball-Nationalelf. Das Schönste: live kommen auch die Songs der jĂŒngeren Frevert-Platten etwas rauher und gitarrenlastiger daher, was ihnen extrem gut bekommt. Ob neue Meisterwerke wie „Muscheln“ oder alte Gassenhauer wie „Seltsam öffne mich“ und „DoppelgĂ€nger“ – was fĂŒr ein GlĂŒck, dass es Niels Frevert gibt.

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Lieblingskonzerte 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.

Mein 2014: Lieblingsalben

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10 Brothers Keeper – Todd Meadows
Bei diesem Album drĂŒckt man auf Play und fĂŒhlt sich sofort „wie zuhause“. Das Trio Scott Rednor, Michael Jude und John Michel ist an sich schon ’ne Ansage: drei gestandene Musiker, die es nach Jahren des Tourens und Backing-Band-fĂŒr-andere-seins nach Colorado verschlagen hat. Wenn dann aber noch Jono Manson und John Popper dazukommen und mit den dreien ein Album schreiben und aufnehmen, hat man im Handumdrehen DAS Rootsrock-Projekt des Jahres mit gleich fĂŒnf bemerkenswerten FrontmĂ€nnern und – welche Seltenheit – nicht einem einzigen miesen Song.

9 Royal Blood – Royal Blood
Ich glaube, der Erfolg ist den beiden Jungs von Royal Blood selber ein wenig suspekt. Das Bass-und-Drums-sonst-nix-Duo aus England war in diesem Jahr Nummer 1 der britischen Charts und wird im nĂ€chsten Jahr diverse Festivals headlinen. Doch in der Tat hat in diesem Jahr nichts hĂ€rter gegroovt als das DebĂŒtalbum der beiden. Songs wie „Out Of The Black“, „Little Monster“ und „Figure It Out“ sind mĂ€chtige Hits, und dieser auf’s Wesentliche konzentrierte, harte Sound von Royal Blood ist ein stolzes und gelungenes Statement gegen den auch 2014 in den Charts allgegenwĂ€rtigen ĂŒberproduzierten Bubblegum-Schlager-Pop.

8 Stoppok – Popschutz
Nie und nimmer hĂ€tte ich geglaubt, dass es mal eine Stoppok-Platte in meine Jahresbestenliste schafft: so sehr ich seine Konzerte auch liebe, seine Alben waren schon oft zwiespĂ€ltige Angelegenheiten. Freilich, mindestens eine Handvoll Hammersongs gab’s eigentlich immer, aber halt meistens auch ein paar StĂŒcke, die mir entweder egal oder aber deutlich zu cheesy waren. Nicht so auf „Popschutz“. Hier ist wirklich jeder Track gelungen, die Platte hat einen ganz eigenen, eigenstĂ€ndigen Gesamtsound und Stoppoks aktuelle Band (u.a. mit Keyboarder und Gitarrist Sebel und Schlagzeuger Wally Ingram) ist schlichtweg ein Traum.

7 The New Basement Tapes – Lost On The River
Schon die Geschichte hinter den „New Basement Tapes“ ist toll: Starproduzent bekommt bislang unveröffentlichte Songtexte von Bob Dylan zur VerfĂŒgung gestellt, trommelt ein halbes Dutzend Weltklasse-Songwriter zusammen und lĂ€sst diese innerhalb von zwei Wochen neue Songs zu den Texten schreiben und aufnehmen. TatsĂ€chlich ĂŒbertrifft das Resultat die Geschichte noch einmal. Was Jim James, Rhiannon Giddens, Marcus Mumford, Taylor Goldsmith und Elvis Costello da unter der Leitung von T-Bone Burnett aus den 47 Jahre alten Dylan-Lyrics gemacht haben, ist fantastisch und hat das Zeug zum Klassiker.

6 Malky – Soon
Zwei bestens vernetzte Musiker aus dem Raum Mannheim (u.a. gearbeitet als BackingsĂ€nger und Songschreiber fĂŒr Max Herre und Xavier Naidoo) „flĂŒchten“ nach Leipzig, um hier in aller Ruhe und ohne Druck an einer eigenen Platte zu arbeiten. Schnell sprach sich rum, dass Malky live absolut sehenswert sind, und im Sommer 2014 war dann endlich „Soon“ fertig: ein Album zwischen Pop und Soul, zwischen Moderne und Retro-Sounds, das bundesweit fĂŒr Aufsehen gesorgt hat. Bindeglied zwischen all den verschiedenen KlĂ€ngen, EinfĂ€llen, Samples und VersatzstĂŒcken ist die Stimme von Daniel Stoyanov – ein Naturereignis.

5 SinĂ©ad O’Connor – I’m Not Bossy I’m The Boss
Recht ĂŒberraschend legte SinĂ©ad O’Connor schon in diesem Jahr ein frisches Album vor. „Bossy“ ist der Nachfolger zu „How About I Be Me (And You Be You)“ von 2012 und – und das ist die eigentliche Überraschung – ĂŒbertrifft diesen VorgĂ€nger noch einmal um LĂ€ngen. Wurde die Platte von vor zwei Jahren als RĂŒckkehr zur Topform der SĂ€ngerin gefeiert, so ist die diesjĂ€hrige Veröffentlichung nicht weniger als ein Triumph in Sachen Songwriting und Performance. Selten klang SinĂ©ad klarer, selbstbewusster und zwingender als auf „I’m Not Bossy I’m The Boss“.

4 Blake Mills – Heigh Ho
US-Weltklassemusiker liegen dem kalifornischen Gitarristen und Songschreiber seit Jahren zu FĂŒĂŸen, Mills ist gefragter Sessionmusiker und Produzent. „Heigh Ho“ ist sein zweites Soloalbum und beweist eindrucksvoll, warum er so ein hohes Ansehen genießt. Klar, die Songs sind ĂŒber jeden Zweifel erhaben, die Performances sowieso. Was diese Platte so besonders macht, sind die ungewöhnlichen Arrangements, die den Hörer herausfordern und fordern, aber eben auch ĂŒberraschen und begeistern.

3 Damien Rice – My Favorite Faded Fantasy
Acht Jahre hat sich Damien Rice fĂŒr sein drittes Album Zeit gelassen. „O“ und „9“, die VorgĂ€nger, fand ich nett und interessant und so, sie hauten mich aber nie vom Hocker. Völlig anders war das in diesem Jahr bei „My Favorite Faded Fantasy“: vom ersten bis zum letzten Ton packt mich das, was der Ire hier zusammen mit Rick Rubin geschaffen hat. Lieder, deren Melodien sofort im Kopf bleiben, die sich Zeit lassen, um sich zu entwickeln und zu wachsen und die derartig schlau und einfallsreich arrangiert sind, dass man einfach nur applaudieren möchte.

2 Niels Frevert – Das Paradies der gefĂ€lschten Dinge
Wie schön, Neues von Niels! Das war mein erster Gedanke, als ich die AnkĂŒndigung von „Paradies“ las. Wie bitte, neues Plattenfirma, und dazu der Peter-Fox-Produzent? Waren meine nĂ€chsten Gedanken beim Lesen der Presseinfo. Warum sollte es gut sein, dass es Niels Frevert vom liebenswerten Indie Tapete zu Grönland Records, dem gar nicht mal so kleinen Label von Herbert Grönemeyer, zog? Alle Sorgen waren unberechtigt. Was Frevert hier gelungen ist, ist das vielleicht stimmigste Album seiner Solokarriere – opulenter aufgezogen als die letzten beiden Kammerpop-Platten; mit Liedern und Arrangements, die auch an die deutlich rockigeren Zeiten des Ex-Nationalgaleristen erinnern. Daran gibt es nichts, aber auch gar nichts auszusetzen.

1 Conor Oberst – Upside Down Mountain
WĂ€hrend seine Band Bright Eyes im Dornröschenschlaf ruht, kommt Conor Oberst mit seinem dritten Soloalbum um die Ecke. Und das ist derartig schön, unkompliziert, eingĂ€ngig und reichhaltig, dass es sich mit deutlichem Abstand zu meiner absoluten Lieblingsveröffentlichung des Jahres hochrotiert hat. Conors Musik mag schon mal wĂŒtender, lauter oder abgedrehter gewesen sein – auf „Upside Down Mountain“ muss er nichts beweisen, sondern liefert „einfach nur“ einen ĂŒber jeden Zweifel erhabenen Liederzyklus im Alterative-Country-Gewand ab. Fast schon nebenbei, im Vorbeigehen quasi. Oberst, Du Genie.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Mein 2013: Lieblingskonzerte

Mit Griffin Goldsmith von Dawes, Reeperbahn Hamburg, 13. September 2013.
Mit Griffin Goldsmith von Dawes, Reeperbahn Hamburg, 13. September 2013.

10 – Selig, Leipzig, 14. MĂ€rz
Das offizielle Konzert zum „Magma“-Album. Mit der Platte hadere ich, weil sie mir zu gefĂ€llig daherkommt und zu glattgelutscht. Live fĂŒgten sich die neuen StĂŒcke aber sehr gut ins Gesamtrepertoire ein. Bei weitem nicht das beste Selig-Konzert, das ich jemals gesehen habe, aber ohne Zweifel ein unterhaltsamer Abend.

09 – Spin Doctors, Isernhagen, 12. Oktober
Isernhagen soll stellvertretend fĂŒr die sieben Spin-Doctors-Konzerte stehen, die in diesem Jahr sehen durfte. Die Touren durch England und Deutschland waren total unterschiedlich, gemein war ihnen, dass die Jungs es an jedem einzelnen Abend schafften, ihr Publikum zu „kriegen“, ob da nun zwanzig Menschen vor der BĂŒhne standen (Augsburg) oder der Laden zum Bersten voll und ausverkauft war (Bristol). Der Gig in Isernhagen war perfekt: tolle Location, feierfreudiges Publikum und eine bestens aufgelegte Lieblingsband. Einer der sieben Abende mit den Doctors stach dennoch hervor, mehr dazu weiter unten.

08 – Charitone, Hamburg, 15. September
Die Hamburger Straßenzeitung Hinz & Kunzt wurde 20 Jahre alt und das feierten Macher, VerkĂ€ufer, Förderer und Freunde mit einem bemerkenswerten Open-Air-Konzert im Hamburger Stadtpark. Die NDR Big Band zusammen mit dem Who-Is-Who der Hamburger Popszene. Bernd Begemann moderierte den rotweinseligen SpĂ€tsommernachmittag, an dem wir vier schöne Stunden lang eigens fĂŒr diesen Anlass arrangierten StĂŒcken von und mit Niels Frevert, Boy, CĂ€the, Johannes Oerding, Roger Cicero, Pohlmann, Regy Clasen und Stefan Gwildis lauschten.

07 – Jan Garbarek Group, Dresden, 2. November
Mal ganz was anderes. Saxophone-Jazz-Ikone Jan Garbarek und drei Kollegen spielen sphĂ€rische, der Welt entrĂŒckte Musik. Von den glasklaren, brillianten Tönen des Altsaxophons bis zu den Percussion-Feuerwerken aus Trommeln, Töpfen und Schalen brachte die Garbarek Group hier ihren ganz eigenen Entwurf von Jazz zu Gehör. Zwei Stunden im Alten Schlachthof, die wie im Flug vergingen.

06 – The Cat Empire, Berlin, 4. November
Alle Jahre wieder…: mit einem gelungenem neuen Album im GepĂ€ck beehrten The Cat Empire aus Australien auch in diesem Jahr wieder ausgerechnet in der unwirtlichsten Jahreszeit Mitteleuropa. An einem feucht-kalten, regnerischen Berliner Herbsttag schafften es die Herrschaften einmal mehr, eine restlos ausverkaufte (und damit aus allen NĂ€hten platzende) Location zum Kochen zu bringen. Und mal wieder gehen tausende Menschen mit einem LĂ€cheln auf den Lippen aus dem Konzert und fragen sich: wie machen die das nur, diese Zauberer?

Live 2013

05 – Eels, Berlin, 8. April
Gewiss das schrĂ€gste Konzert, das ich in diesem Jahr gesehen habe. Meister E stand der Sinn nach lautem Rock’n’Roll, und lauten Rock’n’Roll hat er geliefert. In TrainingsanzĂŒgen, auf Podesten stehend, nach jedem Lied seine Mitmusiker zur Gruppenumarmung nötigend. Der traurige Clown im Vorprogramm, der, begleitet von einer Dame im AffenkostĂŒm, theatralisch Metal-Klassiker ariengleich vortrug? Die Zugabe weit nach Konzertende, nachdem das Tempodrom schon wieder fast leer war? Nur zwei von ganz vielen wunderbaren MerkwĂŒrdigkeiten, die diesen Abend zu einem Besonderen gemacht haben.

04 – Joseph Arthur, Leipzig, 6. November
Sie haben mir Leid getan, diese drei Weltklasse-Musiker dort vorne auf der BĂŒhne vom UT Connewitz. Grade mal zwanzig, dreißig Leute waren gekommen, um Joseph Arthur, RenĂ© Lopez und Bill Dobrow zuzuhören. Dabei war ich vorher fest davon ĂŒberzeugt, dass das Konzert ausverkauft sein wĂŒrde. Ich meine … Joseph Arthur!! Was fĂŒr große KĂŒnstler da vorne Musik gemacht haben, zeigte sich daran, dass sie sich von dem viel zu kleinen Publikum nicht beeindrucken ließen und eine sensationelle Show ablieferten.

03 – Gov’t Mule, Torgau, 19. Juli
Na endlich. Seit 1997 bin ich Fan, aber erst jetzt hatte ich Gelegenheit, Gov’t Mule mal live zu erleben. Zwei ausfĂŒhrliche Sets lang zeigten Warren Haynes und Co., warum sie zu den besten Musikern unter dieser Sonne gehören – mit vielen mir damals noch unbekannten StĂŒcken vom neuen Album „Shout“, etlichen Reminiszenzen an Ikonen wie Grateful Dead und einem furiosen Finale mit „War Pigs“, das sogar die raubeinigsten Rocker in diesem an raubeinigen Rockern nicht eben armen Publikum euphorisierte.

02 – Spin Doctors, Leeds, 25. Januar
Aus all den schönen Spins-Shows, die mir in diesem Jahr vergönnt waren, muss diese hier herausgehoben werden. Ein schöner, kleiner, ausverkaufter Club in Leeds. Ein Publikum, das gekommen war, trotz eines fĂŒr britische VerhĂ€ltnisse extremen Wintereinbruchs seine Helden zu feiern. Eine Setlist, die mit Überraschungen nicht geizte (Yo Baby!). Eine Band, die mir in den Zugaben einen Song widmete, wĂ€hrend ich hinter’m Merch-Stand T-Shirts und CDs bewachte (siehe Videobeweis). Das alles an dem Tag, an dem ich zum allerersten Mal das brandneue Album der Band im Zug von Liverpool nach Leeds anhören konnte. Der perfekte Tag, um Spin Doctors-Fan zu sein.

01 – Dawes, Hamburg, 13. September
Wie stark diese Band mein Jahr geprĂ€gt hat, habe ich ja bereits gestern bei den Lieblingsalben 2013 geschrieben. Umso grĂ¶ĂŸer war meine Freude, als ich erfuhr, dass Dawes im September zwei Konzerte in Deutschland spielen wĂŒrden. Mit dem besten Freund gings schließlich nach Hamburg, um dort im legendĂ€ren Molotow-Club all die großen Songs live zu hören, die mir im FrĂŒhjahr und Sommer so ans Herz gewachsen sind. Mein mit Abstand intensivster Livemusik-Moment 2013.

Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2012, 2011, 2010, 2009.