Mein 2025: Lieblingslieder

OK Go, Ben Harper, Shalyah Fearing, BEGINNERS – A Good, Good Day At Last
We held our breath and hoped and prayed so long, started forgetting what we’re praying on

Meg Washington – Shangri-La
I keep unfolding like a lotus, I hold reality at bay. I do these drugs to help me focus. Somehow I always float away

Mumford & Sons, Hozier – Rubber Band Man
Steady yourself and your tumbleweed words. Be a street corner preacher or just feed the birds

Anderson East – Chasing You
Cause all I know is I’ve been chasing you through every lifetime we’ve been through and I’m still not tired of chasing you

Counting Crows – Spaceman In Tulsa
Another well-nigh butterfly found on a bus out of town turning into a motherfucking rock n’roll star

Jesse Welles – Red
When the war gets here, we’re gonna get on the level. Everyone will look a little bit nicer when you finally meet the Devil

Bon Iver – There’s A Rhythmn
I could leave behind the snow for a land of palm and gold

Michigander – I’ll Be OK
I’m knocked down and I’m still out so if you see me on the ground, it’s okay but I’m not okay right now

Tom Misch – Old Man
Lately, look in the mirror is hazy. Who is that figure before me? He looks a bit like my old man

Galactic, Irma Thomas – Where I Belong
I still got a love affair with a sound of music in the air

Neal Francis – 150 More Times
I’ve been talking to my therapist, he said that I should cross you off my list. Alright, alright, I’ll try

Spin Doctors – Double Parked
Remind me to tell you why the tub’s full of sharks, but it’s a long story and I’m double-parked

Common Saints – Firebird
Young mind, hold your head up high, you’re on your way. Don’t care for naysayers, they say it anyway

Garish – Tausendmal ja
Eines ist klar: wenn Du tausendmal fragst, sag ich tausendmal, tausendmal Ja

Goose – Give It Time
So take it easy, just begin again. Take a step back from the race that you’ve been running in. It’s the next song coming on the radio just when you need ist. So turn it up and let it go

Meine Lieblingslieder 2025 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingslieder 2024 (Spotify), 2023 (Spotify), 2022 (Spotify), 2021 (Spotify), 2020 (Spotify), 2019 (Spotify), 2018 (Spotify), 2017 (Spotify), 2016 (Spotify), 2015 (Spotify), 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify),  2009 (Spotify),  2008. Alle Lieblingslieder seit 2008 in einer Playlist: hier.

Mein 2025: Lieblingsalben

10 Amos The Kid – Enough As It Was
Mein Musikjahr 2025 war, rĂŒckblickend betrachtet, von vielen alten Bekannten und eher wenigen Neuentdeckungen geprĂ€gt. Was ja okay ist. Amos The Kid gehört zu letzteren. „Enough As It Was“ erschien in Amos Nadlersmiths Heimat Kanada schon 2023; das Gand Hotel Van Cleef sorgte jetzt fĂŒr den Europa-Release, wodurch KĂŒnstler und Platte auch auf meinem Radar auftauchten. Wunderbar wunderlicher Rock mit gelegentlichen Country-Einsprengseln.

9 Jan Plewka – Eine Art Soloalbum
Etwa seit der Pandemie werkelte Selig-SĂ€nger Jan Plewka an diesem Projekt; einem Mix aus Tagebuchschnipsel-Patchwork-Lyrics, GemĂ€lden und Musik. Im Kern ist „Eine Art Soloalbum“ eine Sammlung melancholischer Lieder, die bisweilen mehr Chanson als Pop sind und absolut einen Nerv bei mir treffen.

8 Galactic and Irma Thomas – Audience With The Queen
Irma Thomas kam 1941 zur Welt und wird als Soul-Queen von New Orleans verehrt. Schon zuvor hat sie mit den Musikern der Funkband Galactic zusammengearbeitet, nun war es Zeit fĂŒr eine ganze gemeinsame Platte. Und was fĂŒr eine! Klassischer Soul (ein wenig Gospel hier, ein wenig Motown da) mit einem modernen Twist, gekrönt von Irmas ĂŒber jeden Zweifel erhabenen Gesang.

7 My Morning Jacket – is
Nach vier Jahren Studiopause versucht es die Band um Jim James erstmals mit einem externen Produzenten (Brendan O’Brien). Waren die Songs auf dem VorgĂ€ngeralbum eher psychedelisch-ausufernd; kommt „is“ komprimiert und auf die Songkerne konzentriert daher. Vermutlich exakt der von My Morning Jacket erhoffte Effekt. Zehn tolle StĂŒcke in kurzweiligen 39 Minuten.

6 Max Pope – Praise Animal
Das DebĂŒt „Counting Sheep“ begeisterte mich 2022 durch den souligen Folkpop, den Max Pope darauf offerierte. „Praise Animal“ klingt anders, macht aber genauso Spaß. Pope macht sich’s musikalisch irgendwo zwischen Portugal. The Man und Arlo Parks gemĂŒtlich und ich höre ihm gern dabei zu.

5 Josh Ritter – I Believe In You, My Honeydew
Josh Ritter haut seit Jahren ein gutes Album nach dem nĂ€chsten raus. Was ihm offenbar nicht immer leicht fĂ€llt: Statt in einer Schreibblockade auszuharren, begann Ritter, Songs an seine Muse zu schreiben – gerichtet also an jene Inspiration, die ihn vermeintlich gerade im Stich ließ. Interessante Methode, die ihn letztlich aus seinem kreativen Loch rauszog und uns zehn herrlich unaufgeregte Lieder beschert hat.

4 Garish – Am Ende wird alles ein Garten
Nicht jeder ist verrĂŒckt, ich weiß, doch es sieht so aus. Das ist keine Hand, das ist eine Faust“ – „Schwerelos, wie geht das noch? Komm ich schieß Dich auf den Mond“ – „Es gibt, und ich glaub fest daran, ein Leben nach der Geisterbahn“ …: Die knuffigsten Songtexte des Jahres kamen in diesem Jahr aus dem Burgenland. Garish gelingt schon seit langer Zeit immer wieder grandiose Musik, „Am Ende wird alles ein Garten“ markiert dabei einen neuen Höhepunkt.

3 Spin Doctors – Face Full Of Cake
Die allermeisten hatten fĂŒr 2025 wohl kein neues Spin Doctors-Album auf ihrer Bingocard. Die eingeschworene Fangemeinde wartet hingegen schon seit drei Jahren sehnsĂŒchtig auf den Release der Platte. Auch mit Neuzugang Jack Daley (seit 2021 am Bass) bleibt die Band ihrem Trademark-Mix aus Rock und Funk treu, altert in WĂŒrde und klingt trotzdem frisch. Mein Fanherz ist glĂŒcklich – abgesehen davon, dass die Spins seit mehr als zehn Jahren nicht mehr auf Europatour waren.

2 Michigander – Michigander
Der Indiepop von Jason Singer aka Michigander fasziniert mich. Da singt einer unverblĂŒmt von seinen Sorgen, Konflikten und Hoffnungen und packt das in zuckersĂŒĂŸe Melodien und hymnenartige Refrains. Zehn Jahre im GeschĂ€ft, mehrere EPs veröffentlicht, jetzt endlich das AlbumdebĂŒt. Diese Songs wurden in Windeseile zu neuen besten Freunden, die ich wieder und wieder und wieder treffen möchte.

1 Goose – Everything Must Go / Chain Yer Dragon
Jawoll, zwei Alben besetzen in diesem Jahr Platz 1 – in dieser Liste wie in meinem Herzen. Goose haben nĂ€mlich gleich zwei XXL-Studiowerke rausgehauen, die mich begeistern. „Everything Must Go“ ist dabei die etwas aufpoliertere, kaleidoskopartigere Angelegenheit, wĂ€hrend „Chain Yer Dragon“ nĂ€her am Livesound der Band ist und durch den Kosmos aus Geschichten, Typen und Mythen besticht, in den Goose ihr Publikum ziehen. FĂŒr beide gilt: Das ist musikalisches comfort food im besten Sinne. Jedes Hören ist ein Nachhausekommen und hĂ€lt selbst nach dem x-ten Durchgang noch Überraschungen und neue Details bereit.

Meine Lieblingsalben 2025 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingsalben 2024, 2023, 2022, 2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004. Alle Lieblingsalben seit 2015 in dieser Playlist.https://daniel-heinze.de/2024/12/23/mein-2024-lieblingsalben/

Mein 2022: Lieblingskonzerte

Harry Styles, Hamburg

An manchen Stellen fĂŒhlte sich dieses Konzertjahr wieder an wie vor der Pandemie: ich blicke auf viele schöne, intensive Abende zurĂŒck und freue mich, dass die Clubs und SĂ€le wieder im Regelbetrieb geöffnet sind und Konzerte wieder zum Alltag dazugehören. Dennoch stelle ich einige Unterschiede zu „frĂŒher“ fest: ich hab den Eindruck, dass Bands aus den USA sich deutlich schwerer tun, im Moment nach Europa zu reisen und hier zu touren – GrĂŒnde gibt es viele, von der schweren Planbarkeit aufgrund gestiegener Produktionskosten ĂŒber Hygieneauflagen und Coronarisiken bis hin zum akuten Personalmangel in der Branche.

Doch auch an mir selbst stelle ich eine VerĂ€nderung fest. Ich gehe derzeit seltener zu Konzerten, ĂŒberlege lĂ€nger beim Kartenkauf, verwerfe die ein oder andere Reiseidee, wo ich vor drei, vier Jahren keine Sekunde mit der Buchung gezögert hĂ€tte. Liegt’s am Älterwerden? Oder sind einfach zu wenige von „meinen“ Acts gerade unterwegs? Hab ich gerade andere PrioritĂ€ten? Mal schauen, wo da in der nĂ€chsten Zeit die (Konzert-)Reise hingeht. Eine Top 10 vermag ich auch in diesem Jahr nicht zusammenzustellen, sehr wohl will ich aber die Momente aufzĂ€hlen, die fĂŒr mich die schönsten Konzertabende 2022 darstellten.

Julia Pietrucha, Sopot

Da war im MĂ€rz Konstantin Wecker im Leipziger Gewandhaus, wir erlebten einen vom Krieg in der Ukraine tief bewegten KĂŒnstler, der sein Publikum einmal mehr mit klaren Worten und wunderschöner Musik begeisterte. Da waren Pinegrove im Hamburger Hafenklang, denen die Fans an den Lippen klebten und die ein an IntensitĂ€t kaum zu ĂŒberbietendes Set ablieferten. Da war Harry Styles im Hamburger Volksparkstadion, der 50.000 Menschen in VerzĂŒckung versetzte. Da waren Bright Eyes im Berliner Astra, die endlich ihr 2020er Album live prĂ€sentieren konnten und mich sprachlos machten – fĂŒr mich die eindrĂŒcklichste Show des Jahres.

Aber auch die Counting Crows begeisterten mich mit ihrer bemerkenswerten Spielfreude. Obwohl ich die Musik der Band seit den Neunzigern höre und mag, war das Konzert im Berliner Huxleys fĂŒr mich die Livepremiere. Ganz zufĂ€llig erlebte ich zudem den Auftritt von Julia Pietrucha auf dem Pier in Sopot mit – die polnische SĂ€ngerin hatte mit ihrem folkigen Pop genau die richtige Musik fĂŒr einen nebligen SpĂ€tsommernachmittag am Ostseeufer parat und sorgte fĂŒr einen perfekten Musikmoment, den man so kaum hĂ€tte vorher planen können.

Counting Crows, Berlin

Auch bin ich dankbar ĂŒber all die Musik, die ich im Rahmen der Leipziger Abendlobe in der Propsteikirche hören und sehen durfte (ich gehöre zum Team, das die Reihe kuratiert). Nicht zu verachten auch einige Livestreams, etwa von Dawes, den Spin Doctors, Goose oder Pinegrove. Und auch die Handvoll eigener Gigs (mit 2zueins!, solo oder zusammen mit Robert Kratzsch im Handgemenge-Duo) haben großen Spaß gemacht.

Ein gutes Musikjahr also, vielleicht mit weniger Konzerten, als mir persönlich lieb gewesen wĂ€re. DafĂŒr waren die Shows, die ich gesehen habe, durch die Bank klasse. FĂŒr 2023 hĂ€ngen bereits ein paar Tickets an der Pinnwand, die mich vorfreudig nach vorn blicken lassen. Bestimmt werden es noch ein paar mehr.

Bright Eyes, Berlin

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Lieblingskonzerte 2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012201120102009.

Mein 2021: Lieblingskonzerte


Was hatte ich im letzten Jahr an dieser Stelle geschieben?

Ich wĂŒnsche mir sehr, dass sie bald zurĂŒck kommt, die Livemusik. Und dass ich im nĂ€chsten Jahr dieser Stelle wieder von wunderbaren Konzertmomenten schwĂ€rmen kann.

Das Foto ganz oben zeigt einen Ausschnitt aus meinem Feedreader, aus dem Ordner „Musik-Nachrichten“, Ende Dezember 2021. Eine US-Band nach der anderen cancelt ihre fĂŒr Silvester geplanten Konzerte. Hier in Deutschland ist schon seit ein paar Wochen wieder weitestgehend Schluss mit Livemusik, die aktuelle Covid-Situation macht ein business as usal fĂŒr Bands, KĂŒnstler*innen, Veranstaltungsagenturen, BĂŒhnenarbeiter*innen u.v.a.m. nach wie vor unmöglich. Bei allem VerstĂ€ndnis fĂŒr die dringend nötigen pandemieeindĂ€mmenden Maßnahmen: fĂŒr viele Menschen, die im weitesten Sinne in der Unterhaltungsbranche arbeiten, ist die Lage erneut existenzbedrohend geworden.

Was fĂŒr diese Leute an die Substanz geht, ist fĂŒr Livemusikfreund*innen wie mich erstmal „nur“ schade: auch in diesem Jahr waren Live-Momente die große Ausnahme fĂŒr mich, ich konnte nicht annĂ€hernd so oft wie „vor Corona“ zu Konzerten gehen, geschweige denn zu Konzerten reisen. Es fehlt mir ungemein, dieses Erlebnis, zusammen mit vielen anderen tollen Menschen beim Musikmachen zuzuschauen. Wie sehr ich das vermisse, spĂŒrte ich bei den paar Gelegenheiten, die sich dann doch im zurĂŒckliegenden Jahr ergaben:

In dieser herrlich entspannten Sommernacht auf der Koppel in Fraureuth etwa, in der Stoppok fĂŒr uns aufspielte. Oder Ende August, als Gisbert zu Knyphausen und Kai Schumacher mit ihrem fantastischen „Lass irre Hunde heulen“-Franz-Schubert-Programm auf der Geyserhaus-ParkbĂŒhne in Leipzig gastierten. Oder bei diesem inspirierenden Orgelkonzert mit Prof. David Franke im Regensburger Dom.

Na klar, auch in diesem Jahr gab es Livestreams. Die wöchentlichen „Thirsty Thursday Happy Hours“ von Chris Barron haben mich sicher durch den Winter und das FrĂŒhjahr gebracht (Chris hat uns ĂŒber ein gutes Vierteljahr hinweg ohne grĂ¶ĂŸere Wiederholungen mit mehr als 100 gespielten Songs einen Ritt durch sein gesamtes Oeuvre geschenkt, das war schon Weltklasse). Auch die wunderbaren Goose-Konzertmitschnitte bei Youtube haben mir das Jahr verschönert. Da waren auch noch Streams von – da isser wieder – Stoppok (sein legendĂ€rer Geburtstagslivestream im Februar war Ă€ußerst amĂŒsant), Damien Dempsey, Dawes und zuletzt die Abschieds-Show von The Cat Empire. Und doch sind Livekonzerte auf dem Bildschirm fĂŒr mich kein vollstĂ€ndiger Ersatz fĂŒr das „echte Erlebnis“.

Bleibt zu hoffen, dass 2022 auch im Blick auf Livemusik besser wird als 2020 und 2021 – insbesondere fĂŒr die, die in der Livebranche arbeiten und dringend wieder sowas wie NormalitĂ€t im Job brauchen. Aber auch fĂŒr Musikfreunde und passionierte KonzergĂ€nger*innen wie mich.

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Lieblingskonzerte 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.

Mein 2019: Lieblingsalben

10 – Bon Iver – i,i
Nicht ganz so verkopft wie der brilliante VorgĂ€nger. EingĂ€ngiger, direkter – dafĂŒr auch etwas weniger wuchtig, etwas weniger beeindruckend: „i,i“ wirkt stellenweise wie ein Bon-Iver-Best of. Zumindest finde ich mich in Justin Vernons Klanguniversum zwischen Samples, JĂ€gerhĂŒttenfolk und skurilem 80s-Saxofon inzwischen ziemlich problemlos zurecht und fĂŒhle mich dort auch entsprechend gut aufgehoben.

9 Chris Robinson Brotherhood – Servants Of The Sun
Ach, Neal Casal. Dass er nicht mehr da ist, ist das mieseste an diesem Musikjahr. Im FrĂŒhjahr erschien noch „Servants Of The Sun“ – ausgelassener, spielfreudiger Gniedel-Freak-Rock, so tanzbar und leicht, wie man das zuletzt kaum noch von der „Brotherhood“ kannte. Chris, Neal, Adam und die anderen gut gelaunt und bester Dinge. Mögliche ErklĂ€rung: „Servants“ wurde ĂŒber ein Jahr zuvor eingespielt, seitdem muss viel passiert sein. Dann ein Horror-Sommer: erst schickt Robinson im Sommer die Bruderschaft in eine Dauerpause, spĂ€ter die Nachricht vom Suizid Casals. Schließlich folgt eine halbgare Black-Crowes-Reunion mit irgendwelchen hired guns. Was zum…?! Was bleibt, ist tolle Musik in einem tragisch-traurigen Kontext.

8 Mavis Staples – We Get By
Blues- und Soullegende Mavis Staples ist in diesem Jahr achtzig Jahre alt geworden. Ben Harper, der bereits mehrfach mit der Staple-Singers-Frontfrau zusammenarbeitete, schneidert ihr als Geburtstagsgeschenk ein fantastisches Album auf den Leib. Zeitlose, aufrichtige, kÀmpferische Musik, die frischer und aktueller gar nicht sein könnte.

7 Harry Styles – Fine Line
SpĂ€t im Jahr erobert sich Ex-One-Direction-Harry noch einen Platz in meinen Jahrescharts und in den Herzen von Millionen von Fans. Es ist, wie es ist: dieser Typ singt einfach mal klasse und macht bei unzĂ€hligen Promotionauftritten von SNL bis James Corden auch schauspielernd und palavernd eine bella figura. Doch das wichtigste ist die Musik, und die passt; fĂŒr einen Popstar erstaunlich erdig, kernig, authentisch, dabei aber immer eingĂ€ngig, smart und sexy.

6 The Tallest Man On Earth – I Love You. It’s A Fever Dream
Bester Albumtitel des Jahres. Aber auch sonst: Kristian Matsson alias The Tallest Man On Eartn liefert in diesem Jahr sein bisher stimmigstes Album ab. Ganz ohne große Band; Gitarren, Gesang und hier und da mal Klavier, Mundharmonika und Streicher stehen im Mittelpunkt. Wahrscheinlich hat er diesen Vergleich inzwischen mĂ€chtig satt, aber natĂŒrlich erinnert diese Platte an den jungen Dylan. Gleichzeitig hat Matsson aber auch ĂŒber die Jahre seinen ganz eigenen, seltsam versponnenen Sound erschaffen. Muss man erstmal hinkriegen, Epigone und Stilbildner auf einmal zu sein.

5 The Highwomen – The Highwomen
Wer hier zum ersten Mal von den Highwomen liest, möge sich bitte schnell in die Thematik einarbeiten (Highwaymen mit Cash und Co, mĂ€nnerdominiertes Country-Business, Feminismus usw.). Schon so ist dieses Album ein stimmgewaltiger Volltreffer. Mit dem Wissen darum, dass hier vier Damen mal eben die komplette, nach wie vor arg rĂŒckschrittliche Country-Welt aufmischen, macht’s gleich nochmal so viel Freude, ihnen dabei zuzuhören.

4 Eric Schenkman – Who Shot John?
Als Hardcore-Fan der Spin Doctors könnte ich ja so einige kritische Fragen stellen: warum machen die alle stĂ€ndig Soloplatten, obwohl sie regelmĂ€ĂŸig zusammen touren? Warum hat Eric fĂŒnf dieser zehn Songs in den letzten zehn Jahren schon in anderen Versionen veröffentlicht und verkauft sie nun als neu? Und was fĂŒr eine dreiste 1:1-Kopie eines eigenen Songs ist denn bitteschön „Far Away“. Denkt Mr. Schenkman etwa, wir hĂ€tten nie „If The River Was Whiskey“ gehört? Aber wie auch immer: dieses Album ist halt trotzdem der Hammer, macht Spaß, ist funky, ungestĂŒm, voller Spielfreude. Und jetzt aber mal wieder ab ins Studio mit den anderen Doctors. Bitte!

3 Better Oblivion Community Center – Better Oblivion Community Center
Das Jahr ging schon gut los: ohne viel Vorab-Promo trat das Better Oblivion Community Center in unser Leben. Phobe Bridgers und Conor Oberst machen gemeinsame Sache und liefern ein wunderbares Album ab, das sich musikalisch irgendwo zwischen Indierock, Folk und Pop bewegt.

2 Niels Frevert – Putzlicht
Was fĂŒr eine triumphale RĂŒckkehr nach ein paar Jahren der Pause, der kĂŒnstlerischen Krise, des Unter-dem-Radar-Bleibens: Niels Frevert ist wieder da. Was soll ich groß schreiben ĂŒber diesen von vorne bis hinten gelungenen großen Wurf? „Putzlicht“ macht mich einfach glĂŒcklich.

1 Trey Anastasio – Ghosts Of The Forest
Trey Anastasio verarbeitet auf diesem Soloalbum den Verlust seines Freundes Chris Cottrell, den er seit Kindertagen kannte und der 2018 einem Krebsleiden erlag. Anastasio gelingt dabei ein erstaunlich hoffnungsvoller Songzyklus, der all das vereint, was man am Phish-SĂ€nger und -Gitarristen ĂŒber die Jahrzehnte schĂ€tzen gelernt hat: sein lyrisches Talent. Seine Gabe, in Gitarrensoli ganze Geschichten zu erzĂ€hlen. Seine Vorliebe fĂŒr das Brechen von Erwartungen und Konventionen in Sachen Songstruktur und Klang. Ganz, ganz groß.

Meine zehn Lieblingsalben 2019 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Mein 2018: Lieblingskonzerte

10 – Calexico, Leipzig, 6. Juli
Da lag Cumbia in der Luft! Diese Musik mit den kolumbianischen Wurzeln hat es den Calexico-MĂ€nnern derzeit besonders angetan. Dazu Charmebolzen Joey Burns, der zwischendurch auch schon mal mit den Kindern im Publikum smalltalkt … Ein weiterer stimmungsvoller Abend an der Eutritzscher ParkbĂŒhne.

09 – Kettcar, Leipzig, 1. Februar
Zwar hat mich das letzte Album „Ich vs. Wir“ nicht so recht „gekriegt“. Aber wenn Kettcar in deiner Stadt spielen, dann gehst Du da hin. Und wirst nicht enttĂ€uscht! Immer wieder verblĂŒffend, wie viele große Songs dieser Marcus Wiebusch ĂŒber die Jahre verzapft hat.

08 – The Cat Empire, Leipzig, 4. Juli
Wieder die ParkbĂŒhne, zwei Tage vor Calexico. The Cat Empire aus Australien sind mal wieder auf Tour (es war nur ein Jahr Pause, fĂŒhlte sich aber an, als hĂ€tte ich sie ewig nicht gesehen). Das wird sich wohl nie Ă€ndern: TCE-Shows machen zutiefst glĂŒcklich und erneuern das Grundvertrauen auf das Gute in den Menschen.

07 – Vocalconsort Leipzig, Leipzig, 26. Januar
Auftakt der „Abendlob“-Musikreihe in der neuen Propsteikirche, an deren Konzeption und DurchfĂŒhrung ich ehrenamtlich mitwirke. Das Vocalconsort Leipzig hat die Premierenbesucher restlos begeistert. In dieser Stadt gedeiht ja so manch gutes Vokalensemble. Dieses hier ĂŒberzeugt auf ganzer Linie.

06 – Chris Barron, London, 29. Januar
Als Mischung aus Talkshow und Solokonzert war dieser Abend im lauschigen „The Islington“ gedacht – und genau die haben die etwa vierzig GĂ€ste (ausverkauft!) auch bekommen. Chris brilliert in beiden Disziplinen als welt- und wortgewandter GeschichtenerzĂ€hler und so wird die Show eine höchst unterhaltsame RĂŒckschau auf 30 Jahre im Rockbusiness.

05 – Faber, Leipzig, 28. September
Klar gefĂ€llt sich dieser Julian Pollina in der Rolle des kauzigen Bohemiens, den die Frauen verehren und mit dem die MĂ€nner Rotwein saufen wollen. Er fĂŒllt sie aber auch klasse aus, hat viel zu erzĂ€hlen und kann wirklich was. Dann noch diese famose Band um ihn herum – Faber und seine Musik sind ein Erlebnis.

04 – Ben Folds, Berlin, 17. Mai
Wer auch immer die Idee hatte, Ben Folds fĂŒr ein Konzert in die Berliner Passionskirche zu locken, hatte genau den richtigen Riecher. Folds passte da ganz wunderbar hin und lieferte einen Abend, bei dem nicht nur ich mir abwechselnd TrĂ€nchen des Lachens und TrĂ€nchen der RĂŒhrung aus dem Gesicht wischen musste.

03 – Pinegrove, Berlin, 3. Dezember
Ein hipper Laden auf dem RAW-GelÀnde. Eine Band, die eigentlich schon im letzten Winter in Berlin spielen wollte, dann aber pausieren musste. Was die Vorfreude und die Erwartungen der aus aller Welt angereisten Fans nur noch erhöhte. Doch Pinegrove liefern in jeder Hinsicht und spielen mal eben zwei komplette Alben von vorne bis hinten.

02 – The Tallest Man On Earth, Berlin, 22. September
Dieser kleine drahtige Kerl ganz alleine auf der BĂŒhne des Studios 1 im ehemaligen Berliner Funkhaus in der Nalepastraße: welch surreales Setting! Der Tallest Man On Earth singt, spielt, tanzt, rennt um sein Leben und erhĂ€lt dafĂŒr am Ende völlig zu Recht stehende Ovationen.

01 – Chris Robinson Brotherhood, Hamburg, 2. MĂ€rz
Stell dir vor, Deine Rhythmusgruppe steckt witterungsbedingt auf dem Dubliner Flughafen fest, aber Du willst Deine Hamburg-Show heute Abend einfach nicht absagen. Was tun? Genau, Du machst das Beste draus, spielst ungeprobt eine Art Unplugged-Show in Trio-Besetzung und bescherst Deinen begeisterten Fans einen Abend fĂŒr die Ewigkeit.

Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.

Zu Gast im Leipzig Fernsehen

Neulich war ich zu Gast in Tim Thoelkes Sendung „Tim im Turm“ bei Leipzig Fernsehen. Wir haben ĂŒber meine neue CD geredet, aber auch ĂŒbers Radiomachen, die katholische Kirche und meinen Hang zu KĂŒnstlern mit Achterbahnkarrieren … Die Sendung könnt Ihr jetzt im LF-Nachtprogramm sowie in der Mediathek des Senders anschauen.

Mein 2017: Lieblingsalben

10 Garish – Komm schwarzer Kater
Erstmals aufgefallen sind mir Garish 2004 mit ihrem Album „Absender auf Achse“. Songs wie „Einmal aus dem Nest gefallen findet man nicht mehr“ klangen faszinierend, ein wenig verspult und seltsam – wunderbar also! Auch alle weiteren Garish-Veröffentlichungen waren interessant, hörenswert, jeweils besonders. Dieses Mal haben sie mich aber so richtig gekriegt. „Komm schwarzer Kater“, das siebente Album der Österreicher, quillt geradezu ĂŒber vor tollen Melodien, detailversessenen Arrangements und famosen Texten irgendwo zwischen plakativ und poetisch. Zehn Songs, zehn OhrwĂŒrmer – das muss man erstmal hinkriegen.

9 John Mayer – The Search For Everything
Nein, das erhoffte „Continuum 2.0“ ist „The Search For Everything“ nicht geworden. Dennoch war es ein cleverer Zug von John Mayer, der dieser Tage auch bei Dead & Company dem Werk Jerry Garcias huldigt, die Leute, die fĂŒr sein bislang gelungenstes Studioalbum verantwortlich waren, nach ĂŒber zehn Jahren wieder um sich zu scharen. Mayer und sein Team komponieren geschmackvoll, performen makellos und liefern eine technisch ĂŒber jeden Zweifel erhabene Produktion ab. Gern hĂ€tte es etwas mehr Gitarre und etwas weniger Puderzucker sein dĂŒrfen, insgesamt ĂŒberzeugt „The Search For Everything“ aber auf ganzer Linie.

8 Rhiannon Giddens – Freedom Highway
Frau Giddens trat in mein Leben als Mitglied der „New Basement Tapes“ im Jahr 2014: was fĂŒr eine Stimme! Seit Ewigkeiten macht die Musikerin aus North Carolina bereits Musik, und doch ist „Freedom Highway“ erst ihr zweites Soloalbum. Ergreifend, wie sie Folk und Blues ins Hier und Heute holt, wie sie in die lange amerikanische Songwriter-Tradition eintaucht und diese mit eigenen Geschichten und Beobachtungen fortschreibt. Eine Platte, in der man sich verlieren kann – traumhaft schön, aber dennoch mit Biss und reichlich Ecken und Kanten.

7 John Moreland – Big Bad Luv
Gar nicht sooo weit Weg von Rhiannon Giddens ist John Moreland – auch ihm tut man nicht Unrecht, wenn man seine Musik im Bereich Americana / Alternative Country ansiedelt. Moreland ist dabei aber eher am Singer-/Songwriter-Ende dieses Spektrums zu Hause als im folkloristischen Bereich. Die eingĂ€ngigen, bisweilen fast lieblichen Melodien auf „Big Bad Luv“ stehen im krassen Gegensatz zu Morelands Texten, die von hĂ€ufig von Schmerz, Leid und unerfĂŒllter Liebe erzĂ€hlen. Ein melancholisches Meisterwerk.

6 Conor Oberst – Salutations
Bei seinen Backingbands macht Conor Oberst keine Kompromisse – 2014 begleiteten ihn die wunderbaren Dawes auf Tour und waren Vorband und Mitmusiker in einem. Diesmal hat sich der Bright-Eyes-Erfinder fĂŒr sein neues Album die nicht minder wunderbaren Felice Brothers ins Studio geholt. Noch so ein match made in heaven. Die starken Songs, zum Teil bereits bekannt durch das introvertierte VorgĂ€ngeralbum „Ruminations“, kommen in ĂŒppigen und quietschfidelen Folkrock-Arrangements daher und ergeben zusammen die bislang bestgelaunte Oberst-Soloplatte, ohne dabei irgendwelche Kompromisse in Sachen QualitĂ€t zu machen.

5 Portugal. The Man – Woodstock
Portugal. The Man haben sich vier Jahre Zeit gelassen, bevor sie uns 2017 statt der siebenten Auflage ihres bewĂ€hrten und geschĂ€tzen Indie-Rocks erstmals ihre Version von Blockbuster-Popmusik vorstellten. Ein Teil der Fans schrie „Sellout“, doch der Rest der Welt verliebte sich in Songs wie „Feel It Still“ und „Live In The Moment“, die zu Hits des Jahres wurden. „Woodstock“ macht Riesenspaß und ich finde es bemerkenswert, wie gut der Spagat zwischen Altem und Neuem gelungen ist – man erkennt die Band sofort, und doch klingt sie anders als bisher – auf gute Art zeitgemĂ€ĂŸer. Hut ab!

4 Declan McKenna – What Do You Think About The Car
Heiligabend wird Declan McKenna 19 Jahre alt. In den letzten zwölf Monaten jazzte ihn die britische Musikpresse zur „Stimme seiner Generation“ hoch und freute sich, endlich einen neuen Indie-Posterboy zu haben. Clever, wie sich der selbstbewusste Teenager diesen Erwartungshaltungen entzog: er wolle doch nur Musik spielen, die Leute sollen mal nicht so ein Gewese um ihn machen. Und das Album brauche halt noch etwas Zeit, also nimmt er sich die. TatsĂ€chlich: nĂ€hert man sich McKenna ganz ohne Hype, bleibt ein Ausnahmetalent mit einem hammerguten DebĂŒtalbum ĂŒbrig. Herz, was willst Du mehr.

3 Phoebe Bridgers – Stranger in the Alps
WĂ€ren das hier die spĂ€ten neunziger oder frĂŒhen nuller Jahre, hĂ€tte man aus Phoebe Bridgers sowas wie die nĂ€chste Alanis Morissette machen können. Oder eine Folkversion von Avril Lavigne. Aber Gott sei Dank ist das hier 2017 und es versucht gerade keiner, diese junge KĂŒnstlerin aus L.A. in ein majorlabeltaugliches Klischee zu stecken. „Stranger in the Alps“ ist ganz, ganz große Singer-/Songwriterkunst, die sich aller möglichen Stile bedient und durch die sanfte, glasklare, doch an keiner Stelle beliebigen Stimme von Phoebe Bridgers zusammengehalten wird.

2 Chris Barron – Angels And One-Armed Jugglers
Wer hier regelmĂ€ĂŸig mitliest, weiß lĂ€ngst, dass ich Chris Barron fĂŒr einen der besten Songwriter unserer Zeit halte – in und außerhalb seiner Hausband Spin Doctors, die dieser Tage zwar regelmĂ€ĂŸig tourt, aber seit vier Jahren keine neue Musik veröffentlicht hat. Stattdessen also ein weiteres Soloalbum. „Angels And One-Armed Jugglers“ gleicht einer Show-Revue voller großer und kleiner KunststĂŒcke, Schmunzler, anrĂŒhrender Momente und tiefgrĂŒndiger Erkenntnisse. Unmöglich, sich an dieser Platte satt zu hören. Applaus!

1 Doc Robinson – Deep End
Zwei Dudes aus Columbus, Ohio. Noch weit, weit weg vom ganz großen Hype. Nach einer ersten EP das DebĂŒt-Album. Sie nennen es „backyard BBQ breakup music“ und fĂŒhren als wichtigste EinflĂŒsse „Trennungen, lange NĂ€chte, die gute alte Zeit, Poolpartys und den Sommer“ an. Pop, ordentlich versetzt mit Soul und R’n’B, aber auch auch einer Prise Folk. Nichts unerhört Neues, aber eben genau das Richtige, extrem entspannt und doch voller Spielfreude dargeboten. Und tatsĂ€chlich meine „Platte fĂŒr alle Gelegenheiten 2017“: fĂŒrs SonntagmorgenkaterfrĂŒhstĂŒck mit Freunden und Gartenpartys genauso wie fĂŒr lange Zugfahrten durch den trĂŒbgrauen deutschen Herbst.

Meine zehn Lieblingsalben 2017 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Mein 2016: Lieblingskonzerte

Calexico, Leipzig, Juli 2016.

10 – Calexico, Leipzig, 21. Juli
Eine laue Sommernacht, Leipzigs mit Abstand schönste Open-Air-Location und dazu die zeitlosen KlĂ€nge von Calexico: es geht mir gut, es könnte weiß Gott schlimmer sein.

9 – Konstantin Wecker, Leipzig, 26. April
Gerade in diesem Jahr war es ein großer Segen, dass wir Menschen wie Konstantin Wecker haben. Diese Mischung aus Zorn, Tatendrang, Leidenschaft, MitgefĂŒhl und Humor, die er so wunderbar verkörpert, scheint mir das einzig funktionierende Gegengift zu sein gegen all diesen neurechten, menschenfeindlichen Postfaktenpropagandascheiss unserer Tage. Ein großartiger Abend im Gewandhaus mit Langzeitwirkung.

The View, Leipzig, Februar 2016.

8 – The View, Leipzig, 3. Februar
Es ist ganz und gar nicht fair, dass bei diesem Konzert gerade mal zwanzig oder dreißig zahlende GĂ€ste dabei waren. Im kleinen Saal des TĂ€ubchenthals spielte die Band um Stimm- und Songwritingwunder Kyle Falconer ein Set fĂŒr die Ewigkeit. Britischer Poprock, wie er besser nicht geht – das nĂ€chste Mal kommt ihr alle mit, ja?

7 – Von Wegen Lisbeth, Leipzig, 7. Oktober
Ja, ich hab mich schon ein wenig alt gefĂŒhlt zwischen all den Teens und Twens in der Halle D vom Werk II. Aber zu keiner Sekunde hab ich bereut, dieses Konzert besucht zu haben. Die Berliner sind eine Hammerliveband mit großartigen Songs – und erfreuen uns hoffentlich noch lange, lange mit ihrer schlauen, großen Popmusik.

Ben Harper, Berlin, September 2016

6 – Ben Harper & The Innocent Criminals, Berlin, 25. September
Das haben sie gut gemacht: die Euphorie der Comebacktour von 2015 hinĂŒbergerettet in die erste „regulĂ€re“ Albumtour nach der langen Pause. Ben und die Criminals, das ist auch 2016 und mit neuem Material eine höchst sehenswerte Kombination.

5 – Glen Hansard, Leipzig, 24. November
Einer der Abende, der Dir den Glauben ans Gute im Menschen zurĂŒck gibt. Was Hansard und sein ĂŒberaus begabtes Dutzend Mitmusiker da auf der BĂŒhne und spĂ€ter auch auf den RĂ€ngen des Gewandhauses veranstaltet haben, war ganz großes Kino. Und wie da ein sanfter Chor aus Band und Leipziger Publikum „So Long Marianne“-singend vorm gerade verstorbenen Cohen den Hut zog, werde ich mein Lebtag nicht vergessen.

Chris Barron, London, November 2016.

4 – Chris Barron, London, 13. November
Ob es das wert ist? FĂŒr eine gute Stunde Chris-Solo-Konzert einen StĂ€dtetrip nach London zu planen? Auch noch im ohnehin stressigen November? Und ob es das wert ist ist. Ein magisches, kleines Konzert, ein liebenswĂŒrdiges, wohlwollendes Publikum und wie so oft danach dann herrliche GesprĂ€che mit Chris am Tresen. What a time to be alive.

3 The Tallest Man On Earth, Leipzig, 15. August
Immer noch Sommer, immer noch lau, schon wieder die herrliche ParkbĂŒhne in Eutritzsch. Diesmal aber keine Posaunen und MariachiklĂ€nge, sondern die feinsinnigen, versponnenen und immer so ganz unmittelbar ans Herz gehenden Songs des Tallest Man On Earth. Ein ergreifender Abend.

2 Damien Rice, Vilnius, 4. Juli
Der botanische Garten von Vilnius im Regen. Es will partout nicht dunkel werden. Dann, gegen 10, kommt er endlich: der kleine Ire mit der großen Stimme. Und mit einer Show, die mich begeistert. Alleine mit einer Gitarre und ein, zweitausend Effekten und Loopdingsis. Genau die richtige Mischung aus Drama, Weltschmerz, Hoffnung und Humor. Plötzlich passt alles, sogar der Regen.

Gov't Mule, Berlin, Mai 2016.

1 Gov’t Mule, Berlin, 19. Mai
Dank Wecker, Barron, Harper, Hansard und Rice durfte ich in diesem Jahr so einige echte „Mund-bleibt-offen-stehen-und-Augen-werden-feucht“-Konzertaugenblicke miterleben. Doch am stĂ€rksten spĂŒrte ich dieses GlĂŒcksgefĂŒhl Mitte Mai im Huxleys in Berlin: die beiden Sets, die Warren Haynes und seine Kollegen da gespielt haben, waren einfach nur perfekt; der Run von Lay Your Burden Down ĂŒber Far Away > Stratus > Whisper In Your Soul > Time To Confess bis Million Miles From Yesterday war schlichtweg nicht von dieser Welt.

Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.

Mein 2015: Lieblingskonzerte

Jed Appleton, Brighton 2015

10 – Jed Appleton, Brighton, 2. Februar
AngekĂŒndigt als support act fĂŒr Stu Larsen, hat mich der junge Australier mehr begeistert als der eigentliche Star des Abends. Dieser noch ziemlich aufgeregte, quirlige Kauz hatte einfach eine Handvoll toller Songs, die er ĂŒberaus engagiert in den ausverkauften Mini-Club hinaus bellte. Eine der angenehmsten Entdeckungen des Jahres.

9 – Gisbert zu Knyphausen & die Kid Kopphausen Band, Dresden, 23. Januar
Wer nicht weiß, welche Tragik dem Projekt „Kid Kopphausen“ innewohnt, möge googlen oder auch diese Website hier ein wenig grĂŒndlicher durchsuchen. Was bin ich froh, dass ich doch noch in den Genuss kam, die Band mal live zu sehen. Es war ein bewegender, schöner, bisweilen auch sehr lustiger Abend – nur halt leider, leider ohne Nils Koppruch.

My Morning Jacket, Boston 2015

8 – My Morning Jacket, Boston, 23. Mai
MMJ waren die Headliner am zweiten Abend des Boston Calling-Festivals im Mai 2015. Die rappelvolle City Hall Plaza erlebte eine wahrhaft große Rock’n’Roll-Show, bei der die Band sich einmal quer durch ihren ĂŒppigen Katalog spielte und nach ĂŒber zwei Stunden Boston und seine vielen GĂ€ste (ich war nicht der einzige, der eigens fĂŒr das Festival in die Stadt gereist war) glĂŒcklich in die Nacht entließ.

7 – Niels Frevert, Leipzig, 22. September
Sowas nennt man wohl Kammer-Pop: Niels, der amtierende König im Lande der deuschsprachigen Liederschreiber, bat zur Audienz, nur sparsam begleitet durch Klavier und Cello. Leipzig war der Auftaktabend seiner Tour und der Maestro noch merklich aufgeregt ob der wohl noch nicht idealen Setlist. Dem Publikum war’s egal – wir genossen den wunderbar sanften Ritt einmal quer durchs Frevertsche Solowerk.

6 – William Fitzsimmons, Leipzig, 31. Juli
Eine gar nicht mal so laue Sommernacht an der wunderbaren ParkbĂŒhne in Eutritzsch: William Fitzsimmons war gekommen, um den brav lauschenden (ohne Quatsch, man hĂ€tte die berĂŒhmte Stecknadel fallen hören können) Leipzigern seine Lieder vorzusingen. Dabei verzichtet auch er auf alles, was allzu viel LĂ€rm machen könnte. Was bleibt, ist die angenehme Erinnerung an ein ziemlich leises, aber umso intensiveres Konzert.

DMB, DĂŒsseldorf 2015

5 – Dave Matthews Band, DĂŒsseldorf, 1. November
Das DĂŒsseldorfer Konzert steht hier stellvertretend fĂŒr alle drei famosen Abende, die mir diese Band in diesem Herbst bereitet hat. Stets kratzten die Jungs an der 3-Stunden-Marke und spielten mich in die GlĂŒckseligkeit. MĂŒsste ich einen Lieblingsmoment aus diesen drei Shows nennen, ich könnte mich nicht entscheiden zwischen dem unerwarteten „Typical Situation“ in MĂŒnchen, dem ergreifenden „Drunken Soldier“ in Berlin oder dem epischen „Seek Up“ in DĂŒsseldorf.

Jono Manson, Brooklyn 2015

4 – Jono Manson, Brooklyn, 28. Mai
Der letzte Abend meiner USA-Reise hĂ€tte perfekter nicht sein können: Jono Manson, eine der prĂ€genden Gestalten der New Yorker Jamband-Szene in den spĂ€ten Achtzigern und frĂŒhen Neunzigern, kehrt fĂŒr ein kleines, unaufgeregtes Solo-Set zurĂŒck nach Brooklyn. In einer winzigen Bar vor vielleicht 20 Leuten kriege ich eine Ahnung davon, wie das damals gewesen sein muss, in der Nightingale Bar oder dem Wetlands.

3 – Ben Harper & The Innocent Criminals, Boston, 23. Mai
Über zehn Jahre sind vergangen, seit ich Harper live mit den Criminals erleben durfte. Zwischenzeitig legte er die Band auf Eis, um sich mit den Relentless7 rockigeren Gefilden zuzuwenden; Anfang des Jahres folgte dann die frohe Kunde von der Wiedervereinigung. Was ich schließlich im Mai in Boston sehen und hören durfte, war unglaublich: eine Band wie eine Naturgewalt, immer noch und schon wieder.

Chris Barron, Sheffield 2015

2 – Chris Barron, Sheffield, 11.Juli
Der Flug nach Sheffield? Irgendwas um die 150 Pfund. Die Übernachtung im Hotel? 45 Pfund. Das Konzertticket? 10 Pfund. Der Moment, an dem Dein LieblingssĂ€nger völlig abgehetzt in dem winzigen Rockschuppen ankommt, und als erstes lautstark Deinen Namen ruft, weil er sich kaum noch einkriegt vor Freude darĂŒber, dass Du fĂŒr diese eine Show angereist bist: unbezahlbar.

Blues Traveler, Englewood, NJ

1 – Blues Traveler, Englewood, 17. Mai
Seit mehr als 27 Jahren gehen Blues Traveler Jahr fĂŒr Jahr auf Tour. WĂ€hrend ihre Studioarbeiten bisweilen hits and misses bereithalten, sind die LivequalitĂ€ten dieser Band ĂŒber jeden Zweifel erhaben. So auch an diesem Abend in einem hĂŒbschen Provinz-Theater irgendwo in New Jersey: John Popper und seine Jungs machen mich einfach glĂŒcklich – und wenn ich fĂŒr sie in die absurdesten Vororte der Vereinigten Staaten reisen muss, dann is das eben so.

Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.