Mein 2025: Lieblingsalben

10 Amos The Kid – Enough As It Was
Mein Musikjahr 2025 war, rĂŒckblickend betrachtet, von vielen alten Bekannten und eher wenigen Neuentdeckungen geprĂ€gt. Was ja okay ist. Amos The Kid gehört zu letzteren. „Enough As It Was“ erschien in Amos Nadlersmiths Heimat Kanada schon 2023; das Gand Hotel Van Cleef sorgte jetzt fĂŒr den Europa-Release, wodurch KĂŒnstler und Platte auch auf meinem Radar auftauchten. Wunderbar wunderlicher Rock mit gelegentlichen Country-Einsprengseln.

9 Jan Plewka – Eine Art Soloalbum
Etwa seit der Pandemie werkelte Selig-SĂ€nger Jan Plewka an diesem Projekt; einem Mix aus Tagebuchschnipsel-Patchwork-Lyrics, GemĂ€lden und Musik. Im Kern ist „Eine Art Soloalbum“ eine Sammlung melancholischer Lieder, die bisweilen mehr Chanson als Pop sind und absolut einen Nerv bei mir treffen.

8 Galactic and Irma Thomas – Audience With The Queen
Irma Thomas kam 1941 zur Welt und wird als Soul-Queen von New Orleans verehrt. Schon zuvor hat sie mit den Musikern der Funkband Galactic zusammengearbeitet, nun war es Zeit fĂŒr eine ganze gemeinsame Platte. Und was fĂŒr eine! Klassischer Soul (ein wenig Gospel hier, ein wenig Motown da) mit einem modernen Twist, gekrönt von Irmas ĂŒber jeden Zweifel erhabenen Gesang.

7 My Morning Jacket – is
Nach vier Jahren Studiopause versucht es die Band um Jim James erstmals mit einem externen Produzenten (Brendan O’Brien). Waren die Songs auf dem VorgĂ€ngeralbum eher psychedelisch-ausufernd; kommt „is“ komprimiert und auf die Songkerne konzentriert daher. Vermutlich exakt der von My Morning Jacket erhoffte Effekt. Zehn tolle StĂŒcke in kurzweiligen 39 Minuten.

6 Max Pope – Praise Animal
Das DebĂŒt „Counting Sheep“ begeisterte mich 2022 durch den souligen Folkpop, den Max Pope darauf offerierte. „Praise Animal“ klingt anders, macht aber genauso Spaß. Pope macht sich’s musikalisch irgendwo zwischen Portugal. The Man und Arlo Parks gemĂŒtlich und ich höre ihm gern dabei zu.

5 Josh Ritter – I Believe In You, My Honeydew
Josh Ritter haut seit Jahren ein gutes Album nach dem nĂ€chsten raus. Was ihm offenbar nicht immer leicht fĂ€llt: Statt in einer Schreibblockade auszuharren, begann Ritter, Songs an seine Muse zu schreiben – gerichtet also an jene Inspiration, die ihn vermeintlich gerade im Stich ließ. Interessante Methode, die ihn letztlich aus seinem kreativen Loch rauszog und uns zehn herrlich unaufgeregte Lieder beschert hat.

4 Garish – Am Ende wird alles ein Garten
Nicht jeder ist verrĂŒckt, ich weiß, doch es sieht so aus. Das ist keine Hand, das ist eine Faust“ – „Schwerelos, wie geht das noch? Komm ich schieß Dich auf den Mond“ – „Es gibt, und ich glaub fest daran, ein Leben nach der Geisterbahn“ …: Die knuffigsten Songtexte des Jahres kamen in diesem Jahr aus dem Burgenland. Garish gelingt schon seit langer Zeit immer wieder grandiose Musik, „Am Ende wird alles ein Garten“ markiert dabei einen neuen Höhepunkt.

3 Spin Doctors – Face Full Of Cake
Die allermeisten hatten fĂŒr 2025 wohl kein neues Spin Doctors-Album auf ihrer Bingocard. Die eingeschworene Fangemeinde wartet hingegen schon seit drei Jahren sehnsĂŒchtig auf den Release der Platte. Auch mit Neuzugang Jack Daley (seit 2021 am Bass) bleibt die Band ihrem Trademark-Mix aus Rock und Funk treu, altert in WĂŒrde und klingt trotzdem frisch. Mein Fanherz ist glĂŒcklich – abgesehen davon, dass die Spins seit mehr als zehn Jahren nicht mehr auf Europatour waren.

2 Michigander – Michigander
Der Indiepop von Jason Singer aka Michigander fasziniert mich. Da singt einer unverblĂŒmt von seinen Sorgen, Konflikten und Hoffnungen und packt das in zuckersĂŒĂŸe Melodien und hymnenartige Refrains. Zehn Jahre im GeschĂ€ft, mehrere EPs veröffentlicht, jetzt endlich das AlbumdebĂŒt. Diese Songs wurden in Windeseile zu neuen besten Freunden, die ich wieder und wieder und wieder treffen möchte.

1 Goose – Everything Must Go / Chain Yer Dragon
Jawoll, zwei Alben besetzen in diesem Jahr Platz 1 – in dieser Liste wie in meinem Herzen. Goose haben nĂ€mlich gleich zwei XXL-Studiowerke rausgehauen, die mich begeistern. „Everything Must Go“ ist dabei die etwas aufpoliertere, kaleidoskopartigere Angelegenheit, wĂ€hrend „Chain Yer Dragon“ nĂ€her am Livesound der Band ist und durch den Kosmos aus Geschichten, Typen und Mythen besticht, in den Goose ihr Publikum ziehen. FĂŒr beide gilt: Das ist musikalisches comfort food im besten Sinne. Jedes Hören ist ein Nachhausekommen und hĂ€lt selbst nach dem x-ten Durchgang noch Überraschungen und neue Details bereit.

Meine Lieblingsalben 2025 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingsalben 2024, 2023, 2022, 2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004. Alle Lieblingsalben seit 2015 in dieser Playlist.https://daniel-heinze.de/2024/12/23/mein-2024-lieblingsalben/

Mein 2021: Lieblingslieder

10 Tom Morello feat. Ben Harper – Raising Hell
And the road is always paved with shooting stars

9 Sebastian Block – Zur HĂ€lfte vollkommen
Pech in der Liebe und doch nie gewonnen – das Spiel meines Lebens, zur HĂ€lfte vollkommen

8 Gov’t Mule – If Heartaches Were Nickels
If wine and pills were hundred dollar bills, I might keep you satisfied and if broken dreams werĐ” limousines, oh, you know I might take you for a ride

7 Jake Bugg – Scene
Did I ever really hurt you? Or is it just the way you always leave?

6 Kyle Falconer – Miracle Happens
I love the way you leave me behind

5 Blues Traveler feat. John Scofield & Rita Wilson – Crazy
Ha, bless your soul. You really think you’re in control?

4 My Morning Jacket – In Color
You gotta believe it sounds better, in color. All the rainbow to hear

3 Selig – Zeitlupenzeit
Liegt es an dir oder liegt es am Geld oder liegt es am Ende dДr Welt?

2 Pinegrove – Orange
I try to warn my senator, he said that he invented it and that I should feel happy he talked to me at all

1 Fortuna Ehrenfeld – Das Imperium rudert zurĂŒck
Buongiorno, wildes Leben, ich halt das nicht mehr aus. Im Kopf so viel Ideen und die mĂŒssen halt jetzt raus

Meine zehn Lieblingslieder 2021 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingslieder 2020 (Spotify), 2019 (Spotify), 2018 (Spotify), 2017 (Spotify), 2016 (Spotify), 2015 (Spotify), 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

Mein 2021: Lieblingsalben

10 Sebastian Block – Dorngrund
„Irgendwo in dieser großen Stadt“ hieß die Platte der Berliner Band Mein Mio, durch die ich einst auf SĂ€nger Sebastian Block und sein famoses Songwriting aufmerksam wurde – 2009 war das. Mehr als zehn Jahre ist Sebastian nun schon solo unterwegs, bezeichnet sich lĂ€ssig als „Liedermacher“ und liefert regelmĂ€ĂŸig hörenswerte Platten. „Dorngrund“, sein 2021er Werk, ist ganz besonders rund geworden und kommt mit seiner melancholisch-zaghaften Grundhaltung und dem stĂ€ndigen Pendeln zwischen Tiefgang und Nonchalance genau zur richtigen Zeit.

9 Kyle Falconer – No Love Songs For Laura
Gleich noch ein KĂŒnstler, der mal einer Band vorstand: erzĂ€hlte der frĂŒhere The View-SĂ€nger auf seinem 2018er Solo-DebĂŒt hauptsĂ€chlich vom Alkohol- und Drogenentzug, ist Album Nummer zwei ein Lob auf die Familie und die Liebe geworden. SelbstverstĂ€ndlich enthĂ€lt diese detailreiche und mutig auf Hochglanz produzierte Singer-Songwriter-Platte ihrem Titel zum Trotz auch so einige Liebeslieder fĂŒr „seine“ Laura. Dazu der vielleicht schönste Wunsch, den man 2021 mit Blick auf die Welt und den ganzen Rest ĂŒberhaupt singen kann: … and I hope that we don’t turn into monsters.

8 Jake Manzi – Whatever My Heart Allows
Junger SĂ€nger und Songschreiber aus Northampton in Massachusetts, auf den ich durch seine Freundschaft zu den Dawes-GebrĂŒder Taylor und Griffin Goldsmith gestoßen bin, die auf Whatever My Heart Allows auch mitspielen. Ein ruhiges, jedoch nie langweiliges Album, das mich in Sound und Songwriting an 1972 von Josh Rouse erinnert, das dennoch eigenstĂ€ndig und ĂŒberraschend daherkommt. Aus der Zeit gefallener Kammer-Pop, der gern mit dem Folk, jedoch viel lieber noch mit dem Soul flirtet.

7 Brandi Carlile – In These Silent Days
Das mit den ganz großen GefĂŒhlen hat Brandi Carlile einfach drauf. Dazu diese Naturgewalt von einer Stimme… Ich war ein wenig in Sorge, dass „In These Silent Days“ eine allzu introvertierte Lockdown-Angelegenheit werden wĂŒrde, doch die Sorge war unbegrĂŒndet. Zehn kraftvolle Hymnen auf die Liebe, auf Selbstbestimmung und das Muttersein, irgendwo zwischen Pop, Alternative Country und Rock. Musik fĂŒr unerschĂŒtterliche Optimisten, denn was ist the most powerful thing you can to do? Na klar: stay gentle!

6 Selig – Myriaden
Zur Zeit kommt ja vieles anders als geplant – Selig können gleich mehrere Lieder davon singen. „Myriaden“ hĂ€tte bereits 2020 rauskommen sollen; die Tour zum Album musste schon x-mal verschoben werden, alles pandemiebedingt. Dabei hĂ€tten Jan, Stoppel, Christian und Leo fĂŒr diese Platte mehr NormalitĂ€t und damit mehr Aufmerksamkeit verdient. Erstmals seit den 90ern arbeiten die Seligen wieder mit Franz Plasa zusammen, doch tappen zum GlĂŒck nicht in die Nostalgie-Falle. Statt alte Sound-Klischees aufzuwĂ€rmen, gibt’s einen zeitgemĂ€ĂŸ produzierten, starken Songzyklus. Clever auch, mit den „Live Takes“ eine weniger polierte, rauere Version des Albums daneben zu stellen und so auch die zu bedienen, denen „Myriaden“ vielleicht doch etwas zu glatt daherkommt. Ach so … ĂŒber den Totalausfalldas guilty pleasure „Spacetaxi“ breiten wir gĂŒtig und altersmilde den Mantel des Schweigens, ok?

5 Weezer – OK Human
Mit gleich zwei großen Veröffentlichungen bereicherten Weezer das Musikjahr 2021. Die eine eine wunderbar alberne bis kauzige Hair-Metal-Hommage („Van Weezer“), die andere ein komplett analog eingespieltes Album gĂ€nzlich ohne E-Gitarren, dafĂŒr mit 38-köpfigem Orchester: „OK Human“ (natĂŒrlich eine Anspielung auf „OK Computer“, das 1997er opus magnum von Radiohead). Was – Überraschung! – hervorragend funktioniert. Vor allem, weil die Songs super sind: von „All My Favorite Songs“ bis „La Brea Tar Pits“ liefert Rivers Cuomo durchgehend starkes Material. Auch die diebische Freude daran, mal mit Streichern, BlĂ€sern, Pauken und Flöten zu arbeiten, ist die ganze Zeit ĂŒber deutlich hörbar – was fĂŒr ein VergnĂŒgen!

4 Jake Bugg – Saturday Night, Sunday Morning
Viele hatten den stets etwas genervt wirkenden Briten ja bereits abgeschrieben – konnte er doch in den letzten Jahren nicht mehr an die Riesenerfolge anknĂŒpfen, die er bereits als Teenager mit seinen ersten beiden Alben feiern konnte. Doch Mr. Bugg macht unbeirrt weiter und hat sich eine Sound-Frischzellenkur verordnet. Geblieben ist Jakes durch Mark und Bein gehender Gesang; sein eher klassisches Songwriting mischt sich neuerdings aber herrlich respektlos mit Pop- und Electronica-Elementen. Das klingt nicht nach Abstellgleis und has-been, sondern nach ganz großer BĂŒhne und ready for prime time.

3 Goose – Shenanigans Nite Club
Eine ganze Generation neuer Jambands erspielt sich seit geraumer Zeit in den USA ihr Publikum – wenn nicht gerade pandemiebedingt Zwangspause herrscht. Sie heißen Tauk, Spafford, Pigeons Playing Ping Pong oder Dopapod. Oder eben Goose: fĂŒnf Freunde aus Norwalk in Connecticut, die gerade vom Geheimtipp zum Headliner avancieren und die Corona-Zeit clever fĂŒr sich zu nutzen wissen, etwa durch das stĂ€ndige Veröffentlichen ganzer Shows bei Youtube. Die Studioproduktion „Shenanigans Nite Club“ fĂ€ngt vielleicht nicht vollstĂ€ndig die Partystimmung ein, die bei Goose-Konzerten herrscht, sehr wohl aber die außergewöhnliche MusikalitĂ€t und Spielfreude der Band.

2 Blues Traveler – Traveler’s Blues
Wer hĂ€tte das gedacht: aus einem eher aus der Not geborenen Projekt („… dann machen wir halt ein Bluesalbum wĂ€hrend der Pandemie, passt irgendwie …„) wird ein Grammy-nominierter Triumph. Die Band interpretiert Genreklassiker aus verschiedenen Epochen und legt den Blues-Kern von Rock- und Popklassikern frei („Roadhouse Blues“ von The Doors, „Crazy“ von Gnarls Barkley). Dazu hervorragend ausgewĂ€hlte GĂ€ste, die das Ganze veredeln und die Band zu Höchstleistungen anspornen. Man spĂŒrt, dass John Popper & Co. inzwischen im vierten Jahrzehnt gemeinsam Musik machen: zu einer derart inspirierten, cleveren und zugleich lĂ€ssigen Blues-Session ist man wohl erst imstande, wenn man so erfahren und mit allen Wassern gewaschen ist wie Blues Traveler.

1 My Morning Jacket – My Morning Jacket
Manchmal braucht es einen gewissen Abstand zum eigenen Schaffen, um fĂŒr weitere, neue Großtaten bereit zu sein. Nach dem 2015er Release „The Waterfall“ hatten My Morning Jacket keine rechte Ahnung, wohin denn die weitere Bandreise fĂŒhren könnte. Eine selbstverordnete, knapp zweijĂ€hrige Pause hat Wunder gewirkt: unmittelbar nach der RĂŒckkehr auf die BĂŒhne ging die Band ins Studio, um den Zauber des (Wieder-)Anfangs zu nutzen. Ergebnis ist das selbstbetitelte neunte My Morning Jacket-Album, das wirklich alles hat, was diese Band ausmacht: große Songs, euphorische Jams, nerdige Gitarren- und Keyboardsounds und ein Aufeinander-eingespielt-Sein, das seinesgleichen sucht. Von wegen Schaffenskrise! Jim James und seinen Kollegen ist ein – hier darf man das bittschön mal schreiben – zeitloses Rock-Meisterwerk gelungen.

Meine zehn Lieblingsalben 2021 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingsalben 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Mein 2020: Lieblingsalben


10 Devon Gilfillian – Black Hole Rainbow
Als zu Jahresbeginn „Black Hole Rainbow“ erschien, war noch nicht absehbar, welchen PopularitĂ€tsschub Devon Gilfillian im Rest von 2020 erleben wĂŒrde. Doch der kam völlig zu Recht: schließlich prĂ€sentiert der Soul-SĂ€nger und -Songschreiber aus Pennsylvania, den es nach New Orleans verschlagen hat, auf seinem DebĂŒtalbum eine smarte Mischung aus Soul, Pop und Rock , die einerseits an GrĂ¶ĂŸen wie Jimi Hendrix oder Al Green erinnert, anderseits aber herrlich eigenstĂ€ndig und souverĂ€n daherkommt.

9 Christian Lee Hutson – Beginners
Hutson tummelt sich seit einiger Zeit im Umfeld von Leuten wie Conor Oberst und Phoebe Bridgers – so schrieb er u.a. an den Songs fĂŒr’s famose Better Oblivion Community Center mit. Nun revanchieren sich beide; wĂ€hrend Oberst eine Mundharmonika und Backing Vocals beisteuert, kĂŒmmert sich Bridgers um die komplette Albumproduktion. Und was fĂŒr ein wunderbares Werk das geworden ist: handwerklich tadellose Folksongs mit Melodien zum Niederknien, unaufgeregt, aber wirksam in Szene gesetzt.

8 Circles Around The Sun – Circles Around The Sun
Ein traurig dahergesagtes oder -gedachtes „Ach, Mensch“ begleitet jedes Hören dieser im Grunde eher leichtfĂŒĂŸigen, bisweilen gar zum Tanzen einladenden Instrumentalplatte. Ist sie doch das VermĂ€chtnis des Gitarristen Neal Casal, der sich im Sommer 2019 das Leben nahm – nicht, ohne detaillierte Anmerkungen zu hinterlassen, wie dieses Album genau fertigzustellen sei und wie die drei verbleibenden CATS-Mitglieder die Zukunft als Band gestalten mögen. Trippiger, aus der Zeit gefallener Space-Rock mit geilen Synthies, starker Rhythmusgruppe und Casals genialem Gitarrenspiel. Ach, Mensch …

7 Felix Kramer – Alles gut
Was der Herr Kramer aus Wien auf seinem zweiten Album „Alles gut“ abliefert, ist beeindruckend. Beim Hören kommen einem Element of Crime, Calexico, aber auch Konstantin Wecker und Ludwig Hirsch in den Sinn. Und wenn der Mittzwanziger seine Texte mehr spricht als singt, und das tut er gern, erinnert er gar an Leonard Cohen. Doch ist Felix Kramer gottlob mehr als nur eine clevere Copycat. Dieser verschmitzt-trockene Vortrag, dieses versierte Gitarrenspiel, diese leicht lakonische und doch einladende Grundstimmung: ganz große Musik aus Österreich.

6 Phoebe Bridgers – Punisher
SpĂ€testens seit „Punisher“ spielt Phoebe Bridgers in der ersten Indie-Liga in den USA, vorbei die Geheimtipp-Zeiten. Vollkommen zu Recht hatte die Frau dieses Jahr Auftritte in US-Late-Night-Shows und fehlt nun auf kaum einer Jahresbestenliste 2020. Wie keine andere vermischt sie klassischen Singer-/ Songwriter-Folk und Alternative-Rock; ihre markante Stimme hĂ€lt das alles zusammen. Gleichzeitig wirkt das Album aber auch seltsam unfertig und zerbrechlich. Vielleicht passt es deswegen so gut ins unaufgerĂ€umte Jahr 2020.

5 My Morning Jacket – The Waterfall II
Keine Ahnung, ob die Geschichte stimmt oder nur eine clevere PR-ErzĂ€hlung ist, aber ich möchte sie gerne glauben: wĂ€hrend eines Waldspazierganges im CoronafrĂŒhling 2020 shuffelt das Schicksal dem My Morning Jacket-Mastermind Jim James einige unveröffentlichte StĂŒcke seiner Band auf die Kopfhörer. Songs, die James beinahe vergessen hĂ€tte, die ihn aber dort im Walde absolut begeisterten, ihm wie der passende Soundtrack zum kruden Pandemie-Jahr vorkamen. Nicht irgendwelche Outtakes, sondern die zweite, bislang ungenutzte HĂ€lfte der Sessions zum 2015er Album „The Waterfall“. TatsĂ€chlich erblicken diese fĂŒnf Jahre alten, bisher unerhörten Songs das Licht der Welt zur rechten Zeit: sicher, hier geht es nachdenklicher und melancholischer zu als auf Teil 1; „The Waterfall II“ ist dabei aber zu keiner Sekunde B-Ware oder gar Ausschuss. Im Gegenteil. Hut ab vor einer Band, die es sich erlauben kann, Material wie dieses hier um ein Haar im Bandarchiv verstauben zu lassen.

4 Phish – Sigma Oasis
Kaum ein anderer Musiker war dieses Jahr so umtriebig wie Phish-SĂ€nger und -Gitarrist Trey Anastasio. Allein fĂŒr das im Lockdown entstandene Soloalbum „Lonely Trip“ wĂ€ren ihm die Fans auf ewig dankbar gewesen. Oder fĂŒr das atemberaubende Livealbum „Burn It Down“ seiner Trey Anastasio Band TAB, das im September so völlig aus dem Nichts erschien. Doch der Mann setzte mit einer sich ĂŒber acht Freitage erstreckenden Residency im leeren New Yorker Beacon Theater noch einen drauf: acht komplette TAB-Konzerte, alle live und kostenlos ins Netz gestreamt, ein FĂŒllhorn an KreativitĂ€t und Experimentierfreude im sonst so konzertarmen Coronajahr. Die Jams krönten im Herbst das, was im MĂ€rz mit dem ohne große VorankĂŒndigung veröffentlichten Phish-Album „Sigma Oasis“ begann: so anstrengend 2020 in vielerlei Hinsicht auch war, die Flut an frischer Musik von Phish und Trey machte die Zeit ertrĂ€glicher. Dabei wĂ€re „Sigma Oasis“ auch unter „normalen“ UmstĂ€nden als große, wichtige Platte im Band-Katalog gefeiert worden, mutet sie doch an wie eine einzige, höchst inspirierte Jamsession, bei der jemand im Studio schlauerweise auf „Aufnahme“ gedrĂŒckt hat.

3 Jonathan Wilson – Dixie Blur
Dabei ging 2020 ja eigentlich ganz fantastisch los. Etwa mit „Dixie Blur“, dem neuen Album von Produzenten- und Songschreiber-Genie Jonathan Wilson. Zeitlose Musik; jeder Song wie ein kleines GemĂ€lde, ein detailversessener Liederzyklus von unbeschreiblicher Schönheit. Wie bitte, ich ĂŒbertreibe? Keineswegs. Hört Euch diese Zaubermusik an und stimmt ein in mein seliges Schwelgen!

2 Dawes – Good Luck With Whatever
Dass auf Taylor und Griffin Goldsmith, Wylie Gelber und Lee Pardini in Sachen Musik einfach Verlass ist, ist so beruhigend wie bewundernswert. Ein neues Dawes-Album, das bedeutet stets, einzutauchen in eine wohlig-vertraute Klangwelt zwischen Americana, Classic Rock, Folk und Pop, veredelt mit clever erzĂ€hlten und toll gesungenen Geschichten. Interessant, dass „Good Luck With Whatever“ bei mir erst nach einigen DurchlĂ€ufen gezĂŒndet hat, dafĂŒr dann aber so richtig. Mit LP Nummer 7 liefern Dawes also keineswegs more of the same. Hier hören wir eine Band in Höchstform, der ein inspiriertes Studioalbum mit dem Appeal eines wuchtigen Livekonzertes geglĂŒckt ist.

1 Bright Eyes – Down In the Weeds, Where The World Once Was
… und da ist dann diese eine Platte, die alles in den Schatten stellt, was da sonst so an – zugegebenermaßen ja auch sehr guten – Veröffentlichungen im Jahr 2020 rauskam. „Down In The Weeds, Where The World Once Was“ ist das erste Bright Eyes-Album seit neun Jahren. Ich hatte gehofft, dass es mindestens so gut werden wĂŒrde wie zuletzt „The People’s Key“. Dass es aber zum Besten zĂ€hlen wĂŒrde, was Conor Oberst jemals mit Nate Walcott und Mike Mogis aufgenommen hat, kam dann doch ĂŒberraschend. Was fĂŒr epische, kraftvolle Songs! Was fĂŒr Melodien! Und ist das … ja, das ist Flea von den Red Hot Chili Peppers am Bass. Of all people! Ein ganz, ganz großer Wurf und fĂŒr mich das Beste, woran wir uns erinnern sollten, wenn wir an dieses 2020 zurĂŒckdenken.

Meine zehn Lieblingsalben 2020 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingsalben 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Mein 2015: Lieblingslieder

Nathaniel Rateliff & The Night Sweats

10 Houndmouth – My Cousin Greg
If you wanna live the good life, well, you better stay away from the limelight.

9 The View – Talk About Two
Laugh at things no one else finds funny, things we pluck out of thin air. Try not to sing and let’s talk about the thing that make them bells ring everywhere.

8 Wilco – Magnetized
I sleep underneath a picture that I keep of you next to me. I realize we’re magnetized.

7 Jed Appleton – Too Scared
So where are you now, well take a look at yourself. Are you too scared of failure, just like everyone else?

6 Greg Holden – Boys In The Street
There was no way of knowing ‚cause all I was taught is men only love women, but now I’m not sure. My son, keep kissing boys in the street.

5 My Morning Jacket – Believe (Nobody Knows)
It begins and on and on a baby’s born, the elder’s down, all in their time. Start a door, the setting sun, the day has come, my mind is open, my oh my.

4 Dawes – All Your Favorite Bands
Do you really wanna know about these lines on my face? Well, each and every one is testament to all the mistakes I’ve had to make to find courage.

3 The Canoes – Candle
Let the snow dance in your eyes and we’ll forget the whens and whys. For you and i there’s only birds and blues and skies.

2 Blues Traveler feat. Secondhand Serenade – The Darkness We All Need
And it swept away my fears and who I used to be learning that the good will overcome and set me free.

1 Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – S.O.B.
Now for seventeen years I’ve been throwing them back, seventeen more will bury me. Can somebody please just tie me down or somebody give me a goddamn drink?

Meine zehn Lieblingslieder 2015 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingslieder 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

Mein 2015: Lieblingskonzerte

Jed Appleton, Brighton 2015

10 – Jed Appleton, Brighton, 2. Februar
AngekĂŒndigt als support act fĂŒr Stu Larsen, hat mich der junge Australier mehr begeistert als der eigentliche Star des Abends. Dieser noch ziemlich aufgeregte, quirlige Kauz hatte einfach eine Handvoll toller Songs, die er ĂŒberaus engagiert in den ausverkauften Mini-Club hinaus bellte. Eine der angenehmsten Entdeckungen des Jahres.

9 – Gisbert zu Knyphausen & die Kid Kopphausen Band, Dresden, 23. Januar
Wer nicht weiß, welche Tragik dem Projekt „Kid Kopphausen“ innewohnt, möge googlen oder auch diese Website hier ein wenig grĂŒndlicher durchsuchen. Was bin ich froh, dass ich doch noch in den Genuss kam, die Band mal live zu sehen. Es war ein bewegender, schöner, bisweilen auch sehr lustiger Abend – nur halt leider, leider ohne Nils Koppruch.

My Morning Jacket, Boston 2015

8 – My Morning Jacket, Boston, 23. Mai
MMJ waren die Headliner am zweiten Abend des Boston Calling-Festivals im Mai 2015. Die rappelvolle City Hall Plaza erlebte eine wahrhaft große Rock’n’Roll-Show, bei der die Band sich einmal quer durch ihren ĂŒppigen Katalog spielte und nach ĂŒber zwei Stunden Boston und seine vielen GĂ€ste (ich war nicht der einzige, der eigens fĂŒr das Festival in die Stadt gereist war) glĂŒcklich in die Nacht entließ.

7 – Niels Frevert, Leipzig, 22. September
Sowas nennt man wohl Kammer-Pop: Niels, der amtierende König im Lande der deuschsprachigen Liederschreiber, bat zur Audienz, nur sparsam begleitet durch Klavier und Cello. Leipzig war der Auftaktabend seiner Tour und der Maestro noch merklich aufgeregt ob der wohl noch nicht idealen Setlist. Dem Publikum war’s egal – wir genossen den wunderbar sanften Ritt einmal quer durchs Frevertsche Solowerk.

6 – William Fitzsimmons, Leipzig, 31. Juli
Eine gar nicht mal so laue Sommernacht an der wunderbaren ParkbĂŒhne in Eutritzsch: William Fitzsimmons war gekommen, um den brav lauschenden (ohne Quatsch, man hĂ€tte die berĂŒhmte Stecknadel fallen hören können) Leipzigern seine Lieder vorzusingen. Dabei verzichtet auch er auf alles, was allzu viel LĂ€rm machen könnte. Was bleibt, ist die angenehme Erinnerung an ein ziemlich leises, aber umso intensiveres Konzert.

DMB, DĂŒsseldorf 2015

5 – Dave Matthews Band, DĂŒsseldorf, 1. November
Das DĂŒsseldorfer Konzert steht hier stellvertretend fĂŒr alle drei famosen Abende, die mir diese Band in diesem Herbst bereitet hat. Stets kratzten die Jungs an der 3-Stunden-Marke und spielten mich in die GlĂŒckseligkeit. MĂŒsste ich einen Lieblingsmoment aus diesen drei Shows nennen, ich könnte mich nicht entscheiden zwischen dem unerwarteten „Typical Situation“ in MĂŒnchen, dem ergreifenden „Drunken Soldier“ in Berlin oder dem epischen „Seek Up“ in DĂŒsseldorf.

Jono Manson, Brooklyn 2015

4 – Jono Manson, Brooklyn, 28. Mai
Der letzte Abend meiner USA-Reise hĂ€tte perfekter nicht sein können: Jono Manson, eine der prĂ€genden Gestalten der New Yorker Jamband-Szene in den spĂ€ten Achtzigern und frĂŒhen Neunzigern, kehrt fĂŒr ein kleines, unaufgeregtes Solo-Set zurĂŒck nach Brooklyn. In einer winzigen Bar vor vielleicht 20 Leuten kriege ich eine Ahnung davon, wie das damals gewesen sein muss, in der Nightingale Bar oder dem Wetlands.

3 – Ben Harper & The Innocent Criminals, Boston, 23. Mai
Über zehn Jahre sind vergangen, seit ich Harper live mit den Criminals erleben durfte. Zwischenzeitig legte er die Band auf Eis, um sich mit den Relentless7 rockigeren Gefilden zuzuwenden; Anfang des Jahres folgte dann die frohe Kunde von der Wiedervereinigung. Was ich schließlich im Mai in Boston sehen und hören durfte, war unglaublich: eine Band wie eine Naturgewalt, immer noch und schon wieder.

Chris Barron, Sheffield 2015

2 – Chris Barron, Sheffield, 11.Juli
Der Flug nach Sheffield? Irgendwas um die 150 Pfund. Die Übernachtung im Hotel? 45 Pfund. Das Konzertticket? 10 Pfund. Der Moment, an dem Dein LieblingssĂ€nger völlig abgehetzt in dem winzigen Rockschuppen ankommt, und als erstes lautstark Deinen Namen ruft, weil er sich kaum noch einkriegt vor Freude darĂŒber, dass Du fĂŒr diese eine Show angereist bist: unbezahlbar.

Blues Traveler, Englewood, NJ

1 – Blues Traveler, Englewood, 17. Mai
Seit mehr als 27 Jahren gehen Blues Traveler Jahr fĂŒr Jahr auf Tour. WĂ€hrend ihre Studioarbeiten bisweilen hits and misses bereithalten, sind die LivequalitĂ€ten dieser Band ĂŒber jeden Zweifel erhaben. So auch an diesem Abend in einem hĂŒbschen Provinz-Theater irgendwo in New Jersey: John Popper und seine Jungs machen mich einfach glĂŒcklich – und wenn ich fĂŒr sie in die absurdesten Vororte der Vereinigten Staaten reisen muss, dann is das eben so.

Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.

Mein 2015: Lieblingsalben

My album of the year 2015.

10 My Morning Jacket – The Waterfall
Es ist ja eher selten, dass man durch das siebente Album einer Band zum Fan wird. Mit My Morning Jacket ist es mir aber tatsĂ€chlich so ergangen! Immer wieder bin ich in den letzten Jahren ĂŒber Jim James gestolpert – sein Soloalbum von 2013 fand ich klasse, seine Mitarbeit bei den Monsters Of Folk und den New Basement Tapes ebenso. War also nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich endlich mal seiner „Hauptband“ widmen wĂŒrde. „The Waterfall“ war dann in diesem Jahr der Einstieg: mir imponiert die Leichtigkeit, mit der MMJ unterschiedlichste Stile zusammenwĂŒrfeln. Mal kauzig, mal genial, stets hörenswert.

9 Galactic – Into The Deep
Die Funk-Jazz-Electro-Bande aus New Orleans hat mal wieder zugeschlagen: „Into The Deep“ ist ein musikgewordener melting pot – Mardi Gras-Euphorie vermischt sich mit Soul und Pop; mal wird ungehemmt herumgejammt, im nĂ€chsten Moment kommen Galactic mit einer radiotauglichen R’n’B-Nummer um die Ecke. Dazu unglaublich viele gute GĂ€ste – von Macy Gray und Mavis Staples bis Ryan Montbleau. Right on!

8 Houndmouth – Little Neon Limelight
Dieser hallverliebte Schrammelsound, der an lĂ€ngst vergangene Jahrzehnte erinnert, war ja DAS große Indie-Ding 2015. Als hĂ€tten all die folkig-countryesken Americana-Bands, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen, mit einem Mal E-Gitarren, VerstĂ€rker und Schweineorgeln fĂŒr sich entdeckt. Mit „Little Neon Limelight“ machen Houndmouth dabei fĂŒr meinen Geschmack irgendwie alles richtig: diese Hippieseligkeit, mit der sie ihre großen Melodien in die Welt hinaussingen! Diese schnodderigen Gitarren! Kann es kaum erwarten, diese Band mal live zu sehen.

7 Jed Appleton – The Other Side Of Home
Jed Appleton ist eine musikalische Zufallsbekanntschaft – der gerade mal 20jĂ€hrige Australier war „nur“ die „Vorband“ von Stu Larsen in Brighton, hat aber tatsĂ€chlich den bleibenderen Eindruck hinterlassen. Appleton schreibt gewaltige, spannende Songs und performt diese zutiefst leidenschaftlich. SpĂ€ter im Jahr erschien dann „The Other Side Of Home“, eine Platte, die den formidablen Live-Eindruck bestens abbildet, aber obendrein auch noch mit wirklich sensationellen Bandarrangements aufwartet.

6 Josh Ritter – Sermon On The Rocks
Seit Jahren liefert Josh Ritter verlĂ€sslich gute Alben und EPs ab. Aber selten war er so hörbar gut gelaunt wie auf „Sermon On The Rocks“. Das Album erinnert mich an eine komplexere TV-Serie: jeder Song erzĂ€hlt eine in sich abgeschlossene Geschichte, jeder Song wartet mit anderen musikalischen Akzenten auf – am Ende ergeben alle „Folgen“ aber ein großes Ganzes. Meisterlich.

5 Bilderbuch – Schick Schock
Als „Schick Schock“ Anfang des Jahres erschien, war der mediale Hype um Bilderbuch gigantisch: die „Retter des Austro-Pops“, die „Erben Falcos“, „die Kanye Wests der Alpenrepublik“ und was weiß ich noch alles. Inzwischen gehören Bilderbuch lĂ€ngst zum Festival-Standard-Lineup und sind „Mainstream“, lĂ€ngst suchen die Magazine und Meinungsbildner nach neuen Hypes. Das Wunderbare an der ganzen Sache: „Schick Schock“ ist auch fast ein Jahr nach Veröffentlichung immer noch ein großer Spaß, ein famoses und so in deutscher Sprache bislang „unerhörtes“ Album.

4 Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – Nathaniel Rateliff & The Night Sweats
Siehe Platz 8. Als hĂ€tte man den recht interessanten, aber bisher nicht so wirklich herausragenden Songwriter Rateliff von der Leine gelassen und zusammen mit einer Rockkapelle aus den Siebzigern in einen Proberaum gesperrt. Das Ergebnis: wo gerade noch Folk und Americana waren, regieren jetzt soulige Vocals, ĂŒbermĂŒtige Brass-Lines und und psychedelische Orgeln. Eine wunderbar aufeinander eingespielte Band legt mit Mörderhits gespicktes Album vor, das wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

3 Blues Traveler – Blow Up The Moon
Kann man ein Album lieben und gleichzeitig hassen? Und dann auch noch auf Platz drei seiner persönlichen Lieblingsplatten des Jahres setzen? Ich muss es einfach tun. Ja, ich liebe Blues Traveler fĂŒr ihren Mut, ein Album wie dieses aufzunehmen: jeder Song eine Zusammenarbeit mit einem anderen musikalischen B-Promi – mal Mainstreamcountry, mal Dancehall, mal Pop. Kollaborationen, so bizarr, dass man sie sich nie und nimmer ausdenken könnte – Blues Traveler featuring 3OH3? Oder Hanson? Oder Jewel? Noch bizarrer ist nur, dass das Konzept aufgegangen und das Ergebnis unerwartet hörenswert ist. Hier ist nichts Routine, hier ist nichts „wie immer“. Das fördert einerseits wirklich starke Songs zu Tage, die ich nicht mehr missen möchte. Das nervt den eingefleischten Fan andererseits aber auch zutiefst, weil der sich nichts sehnlicher wĂŒnscht, als endlich mal wieder ein „klassisches“ Blues-Traveler-Album „aus einem Guss“. Doch davon ist „Blow Up The Moon“ tatsĂ€chlich meilenweit entfernt.

2 Dawes – All Your Favorite Bands
Klassischer könnte hingegen das vierte Album von Dawes kaum ausgefallen sein. Die Goldsmiths und ihre Bandkollegen liefern einmal mehr eine von vorne bis hinten gelungene Songsammlung ab. Alles, was ich an den bisherigen Platten der Band klasse finde, taucht hier wieder auf: sie scheinen einfach von einem Songwriting-Zaubertrunk genascht oder eine magische Formel fĂŒr perfekte Lieder vererbt bekommen zu haben. Dennoch klingt das alles nicht nach viertem Aufguss, sondern frisch, selbstbewusst und herrlich entspannt.

1 My Brothers & I – Don’t Dream Alone
Überraschung! Eine junge Indieband aus Portland, die bisher weder den Durchbruch in den USA, geschweige denn weltweit geschafft hat, liefert „mein“ Album des Jahres ab. Die drei GebrĂŒder Wurgler und ihre zwei Kumpels aus Kindertagen mixen Pop, Motown, Soul, Rock und den einen oder anderen Hip-Hop-Groove. Diese Mischung ergibt ein vor Lebensfreude und cleveren EinfĂ€llen nur so strotzendes Album – mich erinnert „Don’t Dream Alone“ sowohl an den frĂŒhen John Mayer als auch an Klassiker wie Bill Withers und ja, manchmal auch eine poppigere Variante der verehrten Dawes. Diese Platte mag vielleicht nicht die Welt verĂ€ndern. Aber sie sorgt fĂŒr gute Laune und stĂ€rkt das Vertrauen auf das Gute im Menschen – da bin ich mir sicher.

Meine zehn Lieblingsalben 2015 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

siebenSACHEN vom 21. April 2008. Mit My Morning Jacket, Blues Traveler, Chris Bathgate u.a.

– Zuerst ’ne Liste: die 30 traurigsten Lieder der Popgeschichte, von Tom Waits bis Kermit, der Frosch. Mit Videos! (via)

– Captain Obvious stellt den Songwriter Chris Bathgate vor – in Bild, Wort und Ton.

Zwei Minuten zweiundvierzig, und bloß kein Saxophonsolo: Morning News-Autor Joshua Allen definiert den perfekten Popsong.

– Musik von My Morning Jacket: ATO verschenkt den Song „Evil Urges“ (mp3) (Achtung, lĂ€dt seeehr langsam)

– Popper und DJ Logic, Red Rocks und die Sommertour mit Collective Soul, das Benefiz-Konzert mit den Spin Doctors und der klasse Auftritt im NPR-FrĂŒhstĂŒcksradio: alle, aber auch wirklich alle aktuellen Neuigkeiten in Sachen Blues Traveler stehen – ganz kompakt – hier.

Scientists ask: Can you sing death metal without ruining your voice? Ernstgemeinte Frage, mit aufschlußreichem Video.

How nice of your super-weird violinist to join us: Jack Johnson moderiert „The Mellow Show“ mit den Top-GĂ€sten John Mayer und Dave Matthews; ein herrlich alberner SNL-Sketch: