Blues Traveler – North Hollywood Shootout (2008)

Eine halbwegs objektive Kritik über das neue Album von Blues Traveler zu schreiben, ist mir natürlich nicht möglich. Dafür bin ich viel zu sehr Fan und begeistert von den allermeisten Tönen, die die Band um John Popper so von sich gibt. Und so bleibt mich an dieser Stelle eigentlich nur, als Fan in die Welt hinauszuposaunen, wie geil, toll, super die neue Platte ist, die heute endlich erscheint!

North Hollywood Shootout“ ist an vielen stellen luftiger und zugänglicher als andere Traveler-Alben der letzten Jahre, es groovt und tänzelt und schwingt und singt, dass es eine wahre Freude ist. Selten klang die Band so bei sich selbst, so entspannt und direkt. „Love Does“, „Forever Owed“, „You, Me And Everything“, „Orange In The Sun“ und selbst dieser seltsame Funktrack am Schluss, über den Bruce Willis sechs Minuten lang palavert („Free Willis“) werden wohl mein Leben lang der Soundtrack zu meinem summer of 08 bleiben.

Ich bin grade alles auf einmal: dankbar, stolz, glücklich, froh usw., diese unglaubliche Band zu kennen – „North Hollywood Shootout“ ist ganz groß, und das werden hoffentlich auch ne ganze Menge Leute bemerken, die nicht schon seit weit mehr als einer Dekade zu den Hardcore-Fans von Blues Traveler gehören.

Die Pestle verpasst: sehr schade…

Doch, so im Nachhinein ärgert mich das doch ziemlich. Wir erklommen ja am 4. Juli – wie bereits berichtet – das gigantische Red Rocks Amphitheatre in Colorado, um endlich mal eines der traditionellen Blues Traveler-Independence-Day-Konzerte dort zu erleben. Dass Live und Collective Soul da vorher auch spielten, war für mich eher Nebensache – deshalb war es für mich auch nicht schlimm, erst im dritten oder vierten Song von CS anzukommen, mit der Show von Live erlebte ich dann sogar eine ziemlich angenehme Überraschung.

Nach der ganzen Show, tief in der Nacht, schwänzelte ich dann um den gemeinsamen Merchandisingstand der Bands herum, um mich ordentlich mit Traveler-Devotionalien einzudecken. An dem Stand stand auch Hana Pestle, die attraktive junge Dame, die vor Collective Soul dran war und den ersten paar Pünktlichkommer-Hanseln auf Red Rocks einheizen sollte – zu denen wir allerdings ja nicht gehörten. Wir kamen ins Gespräch, und ich hab Hana am Ende ihre 4-Track-EP abgekauft, als Entschuldigung fürs Zuspätkommen quasi und weil wir uns so prächtig verstanden.

Heute hab ich endlich mal mit Verstand in das Teil reingehört (an die nette Widmung konnte ich mich gar nicht mehr erinnern); bei Hanas Version des gerne mal gecoverten Leonard Cohen-Songs „Hallelujah“ hat es mir dann die Sprache verschlagen – ja, so im Nachhinein ärgert mich das doch ziemlich, Frau Pestle auf der Bühne verpasst zu haben („Hallelujah“-Stream auf Myspace, unbedingt anhören!).

siebenSONGS 17. Mit Tricky, Okkervil River, Widespread Panic u.a.

Diese neuen siebenSONGS beginnen mit einer melodieseligen Miniatur aus Schweden und enden mit dem Rough Mix eines Stückes von Soko, das die Band aus aktuellem Anlaß online gestellt hat.

Fredrik – Black Fur (mp3)

Widespread Panic – Up All Night (mp3)

Okkervil River – Lost Coastline (mp3)

Tricky – Past Mistake (mp3)

The New Year – The Company I Can Get (mp3)

Cameron Latimer – Empty Saddle (mp3)

Soko feat. LeRoi Moore – In November Sunlight (rough mix) (mp3)

Forever FOB

Ich nochmal. Heute ist ja der 20. August, fällt mir kurz vorm Schlafengehen noch ein. Das heißt: heute jährt sich zum neunten Mal der Tod von „Brooklyn“ Bobby Sheehan, dem Gründungsbassisten der Blues Traveler. Das sollte nicht unerwähnt bleiben, gerade an einem Tag wie heute, der mit einer anderen fiesen Nachricht begann. Ich habe einen Weg gefunden, um das Gedenken an Bobby und das Trauern um LeRoi zu verbinden. Unmittelbar, nachdem ich diesen Eintrag abgeschickt habe, werde ich meine Stereoanlage aufdrehen, und mir laut diesen Track anhören: Blues Traveler (mit Bobby) feat. LeRoi Moore – 100 Years, live am 20. August (das darf doch wohl nicht wahr sein!) 1994 (mp3). Rest in peace, Bobby und LeRoi.

John Mayer – Where The Light Is. Live in Los Angeles (2008)

John Mayer hat ja schon immer etwas Gockelhaft-Eitles an sich. Die Art, wie er sein Gesicht bei jedem Ton, den er aus der Gitarre presst, verzerrt, wirkt bisweilen unfreiwillig komisch. Die Tatsache, dass er mitunter mehr Schlagzeilen mit seinem Liebesleben als mit seiner Musik macht, nervt inzwischen ziemlich. Die neue Live-Doppel-CD, auf der er meint, gleich mit drei verschiedenen Formationen sein Können beweisen zu müssen (Akustik-Session, John Mayer Trio, John Mayer Band), passt da in dieses seltsame „Schaut-her-wie-erwachsen-und-talentiert-ich-bin“-Bild.

Man könnte ihn also fast ein wenig doof finden, den John Mayer, wäre da nicht seine gute Musik, und um die geht es letztlich. Abgesehen vom verzichtbaren John Mayer Trio-Intermezzo auf Disc 1, liefert der frauenherzenbrechende Nachwuchsclapton auf „Where The Light Is“ nämlich angenehme und virtuose Soul-Pop-Kost, die gänzlich uneitel und ungockelig daherkommt. Leider auch etwas zu vorhersehbar und ein klitzekleines bißchen zu bieder – aber so isser wohl einfach, der John Mayer.

LeRoi Moore ist tot

Habe grade meinen Feedreader angeschmissen und lese an allen Ecken und Enden eine schlechte Nachricht, die mich um Fassung ringen lässt: LeRoi Moore, der Saxophonist der Dave Matthews Band, ist gestern völlig unerwartet im Alter von 46 Jahren gestorben. R.I.P.

Mehr dazu:
Offizielle Seite
Mike Greenhaus
Rolling Stone
DMBNews

siebenSACHEN vom 19. August 2008. Mit Oasis, Calexico, Element Of Crime u.a.

It’s crazy, you know? Die großartigen Felice Brothers im Interview beim Aquarium Drunkard.

Hier gibts ein paar Live-mp3s von der aktuellen Phantom Planet-US-Tour, das heutzutage übliche Radiohead-Cover inklusive (in diesem Fall: „Just“).

– Ein erster Vorgeschmack aufs nächste Calexico-Album „Carried To Dust“ (erscheint am 5. September): „Two Silver Trees“ (mp3).

– Großmaul Noel Gallagher (Oasis) in Bestform: Interview übers neue Album und alle anderen wichtigen Dinge des Lebens im BBC-MusicWeek-Podcast (mp3).

– Pures Hörvergnügen: Ryan Adams live im Konserthuset (Göteborg) am 18. November 2007, Matrix-Recording (halb Publikum, halb Soundboard) im Live Music Archive.

– Zum Schreien komisch: Blues Traveler bloggen neuerdings, und John Popper entdeckt auf seine Art und Weise das crazy little thing called Internet… „Tad has shown me how 2 blog! Yes I am now a blogger. I blog! Hello I’m John & I Blog America!

– Neue Musik von Element Of Crime – Ein Hotdog unten am Hafen…

Die Top 7 der besten Konzerte meines Sommerurlaubs 08

7 – Kara Suzanne, Rockwood Music Hall, New York City, NY, 19. Juli 2008: eine mir bis dahin unbekannte Frau mit Wahnsinnsstimme, angenehm scheuer Bühnenpräsenz, einem super Pianisten und einer Handvoll geiler Songs verzaubert in einem New Yorker Mini-Schuppen anderthalb Dutzend gebannt lauschender Samstagabendgäste.

6 – Live, Red Rocks Amphitheatre, Morrison, CO, 4. Juli 2008: die eigentlich totgeglaubte Postgrunge-Band Live überrascht mit einem druckvollen und ganz und gar unpeinlichen (Achtung!!) Live-Set (hihihi, höhöhö, der musste jetzt mal sein) und liefert so den erstaunlich angenehmen Auftakt zum persönlichen Konzert-Highlight des Sommers (siehe Platz 1).

5 – Under The Influence Of Giants, Spaceland, Los Angeles, CA, 14. Juli 2008: seltsamer Scissor Sisters-Verschnitt bringt hippe L.A.-Szene-Twens zum Tanzen, hat grandiosen Groove, nur leider nicht so pralle Songs, gefeiert wird aber dennoch aufs Heftigste – und ich schwöre, da war der Bassist von Blind Melon im Publikum (file under: „Und, haste in den L.A. irgendwelche Promis gesehen? – Ja, den Basser von Blind Melon! Wahnsinn, oder?? – Wen bitteschön? – Ach, vergiss es…“).

4 – Spin Doctors, Greeley Stampede, Greeley, CO, 5. Juli 2008: Ehrenpreis für den seltsamsten Konzertmoment des Sommers – da spielt die Lieblingsband als Vorband (!) für Poison (!!) in einer Rodeoarena (!!!) in der konservativsten Ecke, die man um Denver herum nur erwischen kann (!!!!) – 45 Minuten geile Musik, aber auch 45 Minuten, in denen mir deutlich vorgeführt wurde, dass 2008 andere Bands als Spin Doctors echt angesagt sind… Nämlich:

3 – Poison, Greeley Stampede, Greeley, CO, 5. Juli 2008: Freunde, das war so schlecht, dass es schon wieder gut war – die Colorado-Cowboys und -girls im Publikum rasten aus, vergessen ihre gute Kinderstube und feiern 90 Minuten lang, als wäre das da vorne nicht eine Klischee-Hardrock-80s-Poserband, deren Sänger dank VH1 und MTV mal wieder im Gerede ist, sondern Bon Jovi feat. Aerosmith and The Liebe Gott persönlich – die vielleicht surrealste Liveshow meines Lebens, unvergeßlich.

2 – Leslie Mendelson & Band, Rockwood Music Hall, New York City, NY, 19. Juli 2008: eine kleine Frau und ihre saucoole Band brennen innerhalb von 50 Minuten mit ihrem punktgenauen, detailversessenen und dennoch wahnsinnig entspannten Rootsrock den inzwischen rappelvollen New Yorker Laden (vergleiche Platz 8, das war ne Stunde vorher) ab – traumhaft schöner Auftritt.

Und auf Platz eins bei den Top 7 der besten Konzerte, die ich in meinem Sommerurlaub sehen konnte…:

1 – Blues Traveler, Red Rocks Amphitheatre, Morrison, CO, 4. Juli 2008: die Erfüllung eines Traumes, den ich seit 12 oder 13 Jahren hatte – EINMAL bei einem der jährlichen 4th Of July-Red Rocks-Shows der Blues Traveler dabei sein…! Dieses Jahr war es also soweit, und die Show hat meine ohnehin schon hohen Erwartungen lässigst übertroffen – was für eine Nacht, was für ein Konzert.