Luke Haines – Bad Vibes. Britpop And My Part In Its Downfall (2009)

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Luke Haines war der Kopf der Band The Auteurs, die in den Neunzigern als Vorreiter der Britpop-Welle galt und vier Alben veröffentlicht hat. In seinem Buch Bad Vibes – Britpop And My Part In Its Downfall beschreibt Haines seine Zeit als aktiver Popstar. Habe lange kein Buch mehr gelesen, dass so amüsant, garstig und zur gleichen Zeit aufrichtig ist.

Herrlich, wie Haines von einer Fehleinschätzung in die nächste schlittert; verblüffend, wie unfähig er war, mit seinem eigenen Erfolg umzugehen; hinreißend, wie er ständig Gift und Galle spuckt über seine Zeitgenossen von Suede, The Verve, Oasis, Pulp, Ocean Colour Scene, Manic Street Preachers oder Blur. Die alle immer ein wenig erfolgreicher und angesagter waren als The Auteurs.

Böse, schonungslos und derart witzig geschrieben, dass man nach 250 Seiten regelrecht bedauert, dass dieser Kerl nur von der Auteurs-Zeit berichtet und nicht auch von seiner zweiten Karriere als Solokünstler, die bis heute andauert. Dringende Empfehlung für alle, die „Britpop“ mochten und für alle, denen „Britpop“ mächtig auf den Keks ging.

Montag – Montag (2009)

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Vieler meiner Freunde können ja leider meinen Faible für Montag (neuerdings ist die )-Klammer wohl aus dem Namen verschwunden) nicht so ganz nachvollziehen. Ich steh‘ einfach auf diesen verschrobenen, zum Bombast neigenden Entwurf von Pop, auf diese bisweilen kryptischen Texte, auf die spröde Herzlichkeit von Band und Songmaterial. „Gefallen“ war ein Meisterstück von einem Debüt, „Sender“ war kantiger, düsterer, komplexer, nur nicht schlechter.

Jetzt, nach fast vier Jahren, also Album Nummer 3. Es ist groß, hysterisch, übertrieben, euphorisch, toll: Songs wie „Part 1“, „Was wir sagen“, „Großstadt“ oder „Nachtfahrt“ sind brillianter Pop. Könnte gut sein, dass einiger meiner eingangs erwähnten Freunde „umfallen“ und ihre Meinung ändern, wenn ich sie auch diesmal wieder mit Montag-Musik nerve: denn noch nie waren die Hamburger zugänglicher und eingänglicher als hier – ohne dass die Songs was von ihrer Wucht oder ihrem Zauber verloren hätten. Plötzlich ist der Kopf klar, ich fahr jetzt los, halt‘ Deine Briefe aus dem Fenster und ich lass sie los – und lass die Finger von mein‘ CDs…

Blind Pilot, DMB, Keller Williams & Co: Neuigkeiten aus dem Plattenschrank…

Jede Menge neue Musik hat sich über die letzten Wochen angesammelt. Hier eine kleine Auswahl…

Keller Williams – Laugh (2002). Keller Williams, diese Name kam mir schon öfter mal unter. Jetzt hab ich endlich mal reingehört in sein Oevre, und siehe da: ich bin recht angetan. Verspielter Jam-Rock-Pop, sympathisch.

Terra Firma – Music To Live By (2008). Hmm.. Australischer HipHop. Schwer zu verstehen, aber durchaus hörenswert. HipHop und ich, wir werden sicher nie die dicksten Freunde. Aber das hier ist eine willkommene Abwechslung.

[dunkelbunt] – Morgenlandfahrt (2008). Deutsch-österreichisches DJ-Projekt mit jeder Menge illustren Gästen wie z.B. The Cat Empire. Tja, was ist das? Klezmer-Latin-Dub-Pop. Oder so. Ungewöhlich, aber schön.

Blind Pilot – 3 Rounds And A Sound (2008). Ein, wenn ich mich korrekt erinnere, Duo aus den USA. Sparsam arrangierter Folkpop. Ich wünschte mir, der Funke würde öfter überspringen und ich könnte diese Platte mehr als nur „nett“ finden. Ich mag, was ich höre, nur ach, es haut mich nicht um.

BLK JKS – Mystery EP (2008). Menschen, die die Yeasayer-Platte gut finden, sollten das hier mal probieren. Etwas weitläufiger, schriller als die Kollegen, aber eine ganz ähnliche Grundstimmung. Mir gefällts.

Dave Matthews Band – Live At Mile High Music Festival (2008). Jedes Jahr kurz vor Weihnachten bringen DMB ein Livealbum raus. In diesem Jahr ist das insofern was besonderes, als das das hier die erste offizielle Aufnahme ohne LeRoi Moore ist. Insgesamt keine spektakuläre Show, und ich kann gut ohne dieses Sledgehammer-Cover leben. Aber Tim Reynolds ist hier (wie auch schon auf der Live Trax 13, die ich dieser VÖ vorziehe) einfach grandios und macht aus DMB tatsächlich eine ROCKband.

Ensemble Amarcord – Album francais (2008). Meine lieben Freunde von Amarcord. Fantastische Musik, unglaublich viel Talent, herrlich stimmige Platte. Camille Saint-Saens is the new Rock’n’Roll.

Meine Top 7 2008: Alben

7 Jason Mraz – We Sing. We Dance. We Steal Things.
2008 hat Jason Mraz den Durchbruch in Europa beschert. Auch, wenn einige Fans der ersten Stunde über den Massenappeal dieser Platte klagen, gab es doch kaum eingängigere, klarere und schönere Popmusik in diesem Jahr.

6 Josh Fix – Free At Last
Meine persönliche Entdeckung des Jahres – Josh Fix, talentierter Multiinstrumentalist von der amerikanischen Westküste, haut hier ein Album raus, das alles hat: große Songs, fantastische Arrangements und diese herrlich größenwahnsinnige Queen-Attitüde, die den meisten anderen „Indie“-Produktionen 2008 leider abging. Ein hysterisches Vergnügen.

5 MGMT – Oracular Spectacular
Der Hype um diese Band ist einfach nur berechtigt – „Oracular Spectacular“, diese Mischung aus Pop, Electro, Rock und Folk ist ein großer Wurf und eine äußerst kurzweilige Platte mit mindestens acht echten Hits.

4 Brett Dennen – Hope For The Hopeless
Spät im Jahr hat sich Brett Dennen in meine Jahresbestenliste gemogelt – der Nachfolger zu „So Much More“ ist fetter produziert, das sagt aber nichts über die Musik aus. Die ist nämlich mindestens genauso unmittelbar, einmalig, herrlich usw. wie alles andere, was ich bis jetzt von Herrn Dennen hören durfte.

3 Niels Frevert – Du kannst mich an der Ecke rauslassen
Für ein paar Wochen sah es ja so aus, als sei Herrn Frevert vergleichsweise später zweiter Ruhm beschieden – Anfang des Jahres liebte jeder diese Platte, und natürlich waren alle schon immer Fans und so. Niels‘ Konzerte (endlich wieder mit Band!) waren wesentlich besser besucht also noch vor drei, vier Jahren. Inzwischen ist der Hype vorbei. Was bleibt: die dritte großartige Soloplatte von Niels Frevert und die Hoffnung, dass ich bis zu Nummer vier nicht wieder fünf Jahre warten muss…

2 Blues Traveler – North Atlantic Shootout
2008 war MEIN Blues Traveler-Jahr. Zwar bin ich Fan seit 1993, aber erst in diesem Sommer war es mir vergönnt, die Band endlich einmal live zu erleben. Und das war schlichtweg großartig. Mit umso offeneren Armen habe ich natürlich das neue Album der Band um John Popper empfangen. „North Atlantic Shootout“ ist ein kompaktes, mit sehr guten Songs vollgepacktes Werk, das ich inzwischen ichweißnichtwieoft gehört habe, und das mich noch immer begeistert.

1 Bon Iver – For Emma, Forever Ago
Ach je, an Lobeshymnen auf diese Platte ist dieses Blog ja nun nicht gerade arm. Hier tippe ich und kann nicht anders: keine andere CD hat mich 2008 mehr berührt, euphorisiert, „gekriegt“ wie diese. Absolut und ohne Zweifel mein Album des Jahres.

Meine Top 7 2008: Songs

7 Sinéad O’Connor – Baby Let Me Buy You A Drink
Dass sie in diesem Jahr bei der „Night Of The Proms“ in den Niedelanden mitgemacht hat, habe ich ja eher skeptisch zur Kenntnis genommen. Nachdem ich dann die ersten Mitschnitte auf Youtube gesehen habe, war mir aber klar, was für einen „return to form“ sie damit hingelegt hat. Und zum Jahresende beglückt sie ihre Fans noch mit einem hervorragenden Charity-Song, der mir nicht mehr aus dem Kopf gehen will. I, too, was a slave, I was told to die. I was locked into history before I learned to fly.

6 Ben Kweller – Fight
Yeah, Ben. Eines der besten Konzerte des Jahres für mich. Und der Country-Trip, auf dem everbody’s indie darling derzeit ist, gefällt mir ausnehmend gut. Fight ist sauwitzig und – saugut. I’m like my grandma: short but I stand tall / Playin‘ every single card that’s dealt to me / Some days are aces and some days are faces / well, some days are 2s and 3s.

5 Hana Pestle – Hallelujah
Es ist nich besonders originell, Leonard Cohen’s „Hallelujah“ zu covern. Aber dieser Song ist zum einen absolut unkaputtbar, und zum anderen ist diese Version von Hana Pestle einfach atemberaubend. Ich wünsche der Dame, die ich im Juli in Colorado persönlich kennenlernen durfte, nur das Beste – und eine Mordskarriere obendrauf. Love is not a victory march / it’s a cold and it’s a broken Hallelujah.

4 Bon Iver – The Wolves (Act 1 And 2)
Bon Iver halt. Sensationelle Platte, sensationelle Songs. Für mich der erste unter gleichen: The Wolves (Act 1 And 2). What might have been lost / Don’t bother me…

3 Band Marino – Every Time I Make A Girl Cry I Know I’ve Done My Job
Eine Band, auf die ich zufällig im Netz gestoßen bin und die mich stark an die folkigere Seite von Blind Melon erinnert. Dieser Song ist extrem eingängig und recht zynisch, und ich bin mir sicher, dass ich ihn in diesem Jahr weit mehr als hundert Mal gehört habe. I wont marry your there’s too much to do / Take my hand and you’ll fall…

2 Blues Traveler – Borrowed Time
Hängt vom Blickwinkel ab: man könnte diesem Lied unterstellen, eine ziemlich kitschige Pianoballade zu sein. Für mich ist „Borrowed Time“ einerseits nah dran am perfekten Song, andererseits – und vor allen Dingen – meine Hymne auf das zu Ende gehende Jahr: eines, das alles hatte – Anfänge, Enden, Begrüßungen, Abschiede… Insgesamt ein gutes Jahr, mit einer bittersüßen Note. Und das hier ist der Song dazu. All our time ist borrowed, no deposit no return, and no promise of tomorrow or the next day / What was lent you can never earn.

1 MGMT – Time To Pretend
Dieser Song ist alles mögliche: rebellisch, naiv, übertrieben, visionär, albern, groß. In jedem Fall aber der hartnäckigste Ohrwurm des Jahres. I’m feeling rough, I’m feeling raw, I’m in the prime of my life. / Let’s make some music, make some money, find some models for wives.

Jeremy Kay – Energy (2008)

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Was ist eigentlich grade im Internet los? Alle möglichen Dienste, die ich so benutze, verändern sich. Google hat Tapezierwochen und überarbeitet alles mögliche – erfindet z.B. abstruse Themes für Gmail oder entschlackt erfolgreich den Reader, selbst die Maps sehen neuerdings anders aus. WordPress.com, das ich für dieses Blog hier benutze, hat auch mal eben das Dashboard, die Arbeitsoberfläche, komplett überarbeitet – zum Guten hin, soweit ich das bei diesem ersten Test hier einschätzen kann.

Und selbst mein geliebtes eMusic sieht seit ein paar Tagen mal wieder anders aus: hier kann ich nur sagen, dass die Neuerungen grandios sind und eMusic mehr und mehr zu meiner Musikkennenlernquelle Nummer 1 wird, nicht zuletzt durch die neue „Music You’ll Love“-Option, die – basierend auf meinen früheren Einkäufen – neue, passende Musik vorschlägt. Genau so habe ich gestern Jeremy Kay gefunden – dessen 7-Track-EP Energy besteht aus frischen, unbeschwert drauflosgroovenden Popsongs, die locker mit denen von Kollegen wie Marc Broussard, Jason Mraz, Brett Dennen oder Dave Matthews mithalten können; eingängig, unaufgeregt, bescheiden, aber verbindlich genug, um einen bleibenden (guten) Eindruck zu hinterlassen.

Ach, gar nicht so schlecht, dass sich „mein“ Internet grade so wandelt – ganz besonders, wenn dabei Bekanntschaften wie die mit Jeremy Kay herausspringen.

Peter Rainbird – Fragments From A Journey (2008)

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Die Wahrscheinlichkeit, dass meine lieben Leser noch nie was von Peter Rainbird und seinem aktuellen Album Fragments From A Journey gehört haben, ist vermutlich recht hoch. Genau das möchte ich mit diesem kleinen Eintrag ändern.

Peter ist ein Brite, der – nach Stationen wie Los Angeles – inzwischen in Kanada lebt, und er macht Musik – Musik, die mich an Dave Matthews erinnert, aber auch an Klassiker wie Bob Dylan oder Neil Young. Mr. Rainbird schreibt vielleicht nicht die brilliantesten Songs der Welt. Aber er interpretiert SEINE Lieder auf beeindruckende Art und Weise: selbstbewußt und dennoch bescheiden; ehrfürchtig und dennoch sorglos. Und wenn er dann noch das viel strapazierte „She Moved Through The Fair“ anstimmt und mit traumwandlerischer Sicherheit eine der besten Interpretationen abliefert, die diesem Volkslied je widerfahren sind, dann wird endgültig klar: dieser Typ verdient jede Menge Aufmerksamkeit, und zwar sofort!

Herrliches Singer-/Songwriter-Album, das hoffentlich auch sehr bald ganz regulär bei uns zu haben ist.

Aufholjagd: Neue Platten im Überblick

So viele gute Alben, die mir in der letzten Zeit begegnet sind – und so wenig Zeit, über sie alle ausführlicher zu schreiben. Damit sie nicht ganz durchrutschen, hier ein paar Empfehlungen „im Schnelldurchlauf“.

Saul Zonana – Blue Monkey: Songwriter Zonana haut schon wieder ’ne CD raus, diesmal eine Art Pop-Platte mit Jamband- und Progrock-Einflüssen. Am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig, später dann süchtig machend.

Jai Agnish –  Awake When You Dream: Super Folkplatte, reduziert auf ein paar Akustikgitarren, Keyboardmelodien, Harmoniegesänge und Percussion-Sprengsel. Und dann gibt’s das gesamte Album auch noch für lau. Unbedingt runterladen!

G. Love & Special Sauce – Superhero Brother: G. Love klingt wie G. Love klingt wie G. Love. Und das ist gar nicht so schlimm. Heiteres, bisweilen harmloses zehntes Album – das mich wohl für immer an meinen Sommerurlaub erinnern wird: „Who’s Got The Weed“ im Auto auf dem Weg zum Denver Airport.

Damien Dempsey – The Rocky Road: Der Mann ist auch verblüffendend arbeitswütig. Diesmal keine neuen eigenen Songs, sondern Irish Folk-Klassiker, eingespielt u.a. mit Kollegen von den Chieftains. Sehr irisch, sehr folkig, sehr schön.

Conor Oberst – Conor Oberst: Als die Platte frisch rauskam, war ich zunächst enttäuscht, weil mich das Soloalbum partout nicht so umhauen wollte wie die letzten Bright Eyes-Alben. Inzwischen hab ich meinen Frieden damit gemacht, ein paar Songs finde ich brilliant („Cape Canaveral“), ein paar nervig („I Don’t Want To Die In A Hospital“), die meisten gut.

Dave Matthews Band – Live Trax 13 (2008-06-07 Bush Stadium, St. Louis, Missouri): Wäre das ein normales Jahr für DMB und ihre Fans, könnte ich jetzt sowas schreiben wie „souveränes Live-Album; welcome back, Mr. Tim Reynolds an der E-Gitarre“. Aber so höre ich diese Aufnahme und krieg bei jedem Saxophonsolo Gänsehaut und werde schwermütig – LeRoi Moore ist tot und das ist auch drei Monate nach der Hiobsbotschaft echt schmerzhaft.

Dumpstaphunk – Listen Hear: Seit einigen Jahren sorgt Ivan Nevilles Dumpstaphunk-Combo mit ihren Konzerten für Furore – brachialer, konsequenter Funk, tief verwurzelt in den musikalischen Traditionen New Orleans‘. Das hier ist das erste offizielle Studio-Werk. Eine kurzweilige EP, aber live gehen Ivan & Co. noch wesentlich mehr ab.

So, und jetzt geh ich die MB und guck mir Josh Rouse an!!

New York Electric Piano – King Mystery (2008)

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Tastengenie Pat Daugherty hat aufgerüstet. Bestritt er die ersten vier Alben seines Urban-Jazz-Projektes New York Electric Piano nahezu exklusiv mit seinen Partnern Tim Givens (Bass) und Aaron Comess (Drums), sind NYEP auf King Mystery vom Trio zum Septett gewachsen. Und das erweitert den musikalischen Kosmos der New Yorker Jazzer enorm: Saxophone, Flöten, Gesänge, sogar Klänge eines selbskreierten Instruments namens Samchillian sind zu vernehmen. Die zusätzlichen Mitglieder machen den Gesamtsound farbiger und abwechslungsreicher, ohne dass das charakteristische des NYEP-Sounds verloren geht. Zappeliger, unruhiger, behaarlich groovender Großstadtjazz ist das, mit unerwarteten Wendungen und – im nächsten Augenblick – nahezu klassischen Improvisationen. Zusammengehalten wird das nach wie vor von Daughertys Ausnahme-E-Piano und dem durchdringenden Comess-schem Schlagzeugspiel. Fünf Alben in sechs Jahren – beim Einfallsreichstum und der Spielfreude von NYEP kann man nur hoffen, dass mindestens noch mal so viele gute Alben folgen.

Hörprobe aus King Mystery:
New York Electric Piano – Legend Of Baj (mp3)

Marc Broussard – Keep Coming Back (2008)

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Zeit hat er sich gelassen. Nach seinem 2004er Major-Debüt „Carencro“ (vgl. meine euphorische Kritik damals) hätte Marc Broussard eine ganze Menge Wege einschlagen können. Zum Beispiel den naheliegendsten: die ersten Chartserfolge nutzen, um die ohnehin an lärmenden kleinen Mädchen nicht gerade armen Konzertreihen weiter aufzufüllen mit noch mehr Teeniebopper-Publikum, das durch weitere Pop-Songs in seine Konzerte gerannt wäre. Oder den Ruhm der ersten US-weiten Aufmerksamkeit exzessiv auskosten, um dann später als „Celebrity“ in einer „Rehab“ zu landen (vgl. – leider – Alters- und Berufsgenossen Howie Day).

Erfreulicherweise entschied sich Broussard für eine andere Alternative: spielen, spielen, spielen – und dabei die „alten Meister“ studieren. So kam es, dass er vor zwei Jahren eine viel beachtete Cover-Sammlung mit Soul- und R’n’B-Standards veröffentlichte (vgl. „S.O.S. – Save Our Soul“), um sich mehr Zeit zu verschaffen bis zu seinem nächsten Album mit „eigenen Sachen“. Jetzt ist es da – und Keep Coming Back hat das Zeug, in ein paar Jahren selbst als R’n’B-Standard durchzugehen; eine zwingende, beseelte Platte eines grandiosen Sängers und Gitarristen, der so dermaßen den Soul hat, dass man ihn nur darum beneiden kann.