siebenSONGS 27. Mit Fever Ray, Jar-E, Circlesquare, The Two Men Gentlemen Band u.a.

Ziemlich laut und gut gelaunt geht’s zu bei der neuesten Ausgabe der siebenSONGS. Herrje, is halt Frühling, bald… Viel Spaß!

Kinetic Stereokids – Free Money (mp3)

Fever Ray – When I Grow Up (D Lissvik Remix) (mp3)

Jar-E – An Idea (mp3)

Floating Action – 50 Lashes (mp3)

Wild Light – California On My Mind (mp3)

Circlesquare – Hey You Guys (Juan MacLean Remix) (mp3)

The Two Men Gentleman Band – Fancy Beer (mp3)

Neue Musik: The View, The Waifs, Laura Gibson, The Cat Empire u.a.

Es hat sich wieder viel Neues angesammelt in meinen digitalen und realen Plattenregalen. Hier einige Beispiele, die ich für dringend erwähnenswert halte.

Gilles Servat – Je Vous Emporte Dans Mon Coeur (2006)
Eine Empfehlung meines Bandkollegen Heiko, der Gilles Servat wiederum von seinem Vater empfohlen bekam. Servat ist ein französischer Sänger kurz vorm Renteneintrittsalter, der seit 1970 Musik veröffentlicht. Das hier ist ein Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2006, wie ich es verstehe, eine Art „Best-Of“-Abend mit Songs aus seiner gesamten Karriere – schöne Lieder auf Französisch und Bretonisch, bisweilen sehr melancholisch, aber äußerst unterhaltsam und eine angenehme Abwechslung.

Laura Gibson – Beasts Of Season (2009)
Ach Mensch, eigentlich verdient diese Platte einen kompletten, eigenen Blogeintrag. Läuft seit Tagen bei mir in heavy rotation. Sängerin aus den USA, das hier ist ihre dritte oder vierte Platte. Aber die erste, die ich kenne – und prompt auch sehr mag. Leicht schrullige Folksongs mit wunderbaren Arrangements, die Stimme erinnert mich gelegentlich an Regina Spektor.

The Cat Empire – Live On Earth (2009)
Meine beiden bisherigen Live-Erfahrungen mit The Cat Empire waren phänomenal: die erste, 2006 in Birmingham, war eines der intensivsten Musikerlebnisse, die ich je hatte; meine zweite, 2007 in Berlin mit meinem Freund Robby, war eine einzige ausgelassene Party und das, obwohl die Musikalität der Jungs fast mehr war, als man bei so einer Show fassen kann. Alle diese Erinnerungen kommen zurück, wenn ich die neue Cat Empire-Liveplatte höre. Diese Doppel-CD bringt mich zum Tanzen (!) und zum Versonnen-Vor-Mich-Hin-Starren, manchmal sogar gleichzeitig. Wahnsinn.

M. Ward – Hold Time (2009)
Wie Laura Gibson ist auch M. Ward so ein Künstler, den ich ohne All Songs Considered nie kennengelernt hätte. Kalifornischer Sänger und Gitarrist, der schon einige Alben veröffentlicht hat, das hier ist sein neuestes. Was mir sehr gefällt, sind die kompakten, cleveren Songs, denen er quirlige Arrangements verpasst hat, wodurch er jede nur mögliche Peinlichkeitsklippe sicher umschifft. Schöne Sache.

The View – Which Bitch? (2009)
Schade, ich fremdle mehr mit diesem Album, als mir lieb ist. Der View-Erstling „Hats Off To The Buskers“ von 2007 war ein Volltreffer, mit vielen rotzigen, aber charmanten Rocksongs. Die gibt es auf der neuen Platte, und zwar zur Genüge. Nur ist die neue CD irgendwie seltsam produziert, The View klingen hier mehr nach Schülerband als auf ihrem Debüt. Aber trotzdem: schöne Songs, und über den Frühling werden wir schon noch Freunde, Which Bitch und ich.

The Waifs – From The Union Of Soul (2009)
Mit „From The Union Of Soul“ legt die australische Folkrock-Institution The Waifs ein Livealbum vor, das wirklich beachtlich ist: von Bluegrass bis Swing, von Songwriter-Pop bis 60s-Satzgesang können die beiden Damen und der Herr offenbar alles. Lustig, herzzerreißend melancholisch, gut gelaunt und doch stellenweise wehmütig… Geile Platte, ein musikgewordenes Antidepressivum.

Strand Of Oaks – Leave Ruin (2009)
Bei eMusic gehört, gemocht, auf gut Glück runtergeladen und seitdem sehr oft gehört: ein Mann, der eigentlich als Lehrer sein Geld verdient und nebenher Musik macht, verzieht sich in die Berge im Norden Pennsylvanias und kehrt mit dieser versponnenen kleinen Songwriter-Platte zurück. Wie Bon Iver mit etwas weniger Liebeskummer, nur anders.

Reunion: Zehneinhalb Stunden Phish

Diese Band ist ein Phänomen: nach vierjähriger Pause meldeten sich Phish mit drei epischen Shows (keine kürzer als drei (!) Stunden (!!)) am Wochenende zurück und wurden von ihren Phans in Hampton phrenetisch gepheiert. Und als sei das das normalste der Welt, verschenkt die Band die kompletten Aufnahmen der drei Konzerte auf ihrer Website, eigens in einem Mischpult-Truck vor Ort abgemischt und editiert.

Das Ergebnis sind zehneinhalb Stunden Phish 2009 in brilliantester Soundqualität. Doch nicht nur der Klang, auch die Musik ist brilliant – höre grade den dritten Abend an und bin verblüfft, zu welchem Livemonster diese vier Herren wieder geworden sind, nach nur einem Wochenende, nach vier Jahren Pause, usw. Wo die erste Show noch etwas zaghaft war und man setlistmäßig ziemlich auf Nummer sicher ging, bot die zweite schon absurde und schräge Momente en masse und einige echte Monsterjams; das, was ich grade von der dritten Show höre, übertrifft das noch einmal deutlich.

Fazit: die drei Shows sind ein Genuß, für unerschütterliche Phish-Die-Hards sicher ebenso wie für einfache Phishganzgernmöger wie mich – die größte Jamband unserer Zeit ist zurück und klingt quietschfidel. Schön, dass sie wieder da ist.

Alle drei Shows gratis downloaden
Jambands.com Berichterstattung Night 1
Jambands.com Berichterstattung Night 2
Jambands.com Berichterstattung Night 3
Fotos von den Shows beim Rolling Stone
Bob Lefsetz über die Phish-Reunion

Daniel Kehlmann – Ruhm (2009)

ruhmkehlmann

„Die Vermessung der Welt“ war ein Buch, das ich unterhaltsam fand, aber das mich nicht zu sonderlich großen Begeisterungsstürmen veranlaßt hat. Daniel Kehlmanns neues Werk Ruhm habe ich mir gekauft, weil in irgendeiner Besprechung stand, es sei ein Roman über Identität, Kommunikation und Literatur. Das hörte sich spannend an – und war es dann schließlich auch.

Diese zweihundert Seiten lasen sich weg wie nichts, und die Art, wie Kehlmann die Handlungen von neun Kurzgeschichten ineinander verzahnt, die ist schon raffiniert. Man liest von lebensmüden Sinnstiftern, ihrer Existenz beraubten Schauspielern oder paranoiden Schriftstellern und alle sind sie mehr oder weniger miteinander verbunden, mal im Geiste, in ihren Problemen und Zweifeln, mal ganz konkret, von Story zu Story springend. Und nie weiß man genau, wo das anfing oder wie das aufhört – ein Text mit angenehm viel Raum für eigene Deutungen, aber ohne übertriebene Bedeutungsschwere.

Kann sein, dass manche Charaktere zu überzeichnet wirken, mag sein, dass es manchen Stellen an Tiefe und Detailreichtum mangelt; bei der Lektüre habe ich mich gelegentlich amüsiert und war auch mehrmals verwundert, aber ich fühlte mich durchweg bestens unterhalten.

Moon Minion – Love For Music EP (2009)

moonminion

Von Moon Minion aus Dover, New Hampshire, hätte ich im Leben nix gehört, teilte ich nicht mit einem der Bandmitglieder eine – manche mögen mir das als fanatische, ich bezeichne es als angemessene – musikalische Vorliebe. Aber wenn man zum kleinen Kreis der last Spin Doctors fans standing gehört, dann erfährt man über die Jahre halt auch eine Menge voneinander. Zum Beispiel, dass Chris – so heißt das Bandmitglied mit dem ausgezeichneten Geschmack, von dem ich hier schreibe – eine Band namens Moon Minion hat und dass die sechs jungen Herren und Damen von Moon Minion unlängst im Studio waren, um eine EP aufzunehmen.

Die liegt jetzt mit Love For Music vor. Ich hab‘ ja einiges erwartet, nur nicht, dass mir die drei Songs derart gut gefallen: sehr entspannt groovender R’n’B ist das, mit klaren Anleihen aus Jazz und Pop, einer tollen Sängerin und wirklich guten Instrumentalisten. Ob nun die smoothe Trompete im Song „Twist Down The Road“ oder die soulige Hookline von „Exclusive Love“ – Moon Minion machen sehr viel Spaß und liefern hier alles andere als eine eine zu vernachlässigende Demo-CD ab.

Das ist die vielleicht schönste Nebenwirkung davon, ein Spin Doctors-Fan zu sein: man lernt über die Jahre Leute wie Chris Sink und Bands wie Moon Minion kennen.

siebenSONGS 26. Mit Say Hi, Melissa Ferrick, The Flying Change, The Decks u.a.

Musik u.a. aus Melbourne, Boston, Vancouver und New York gibt’s diesmal bei den siebenSONGS. Passend zu den ersten relevanten Sonnenstrahlen des Jahres geht’s diesmal recht gut gelaunt zu – und von versponnenem LoFi-Folk bis hin zu mandodiaoeskem Rock ist auch stilistisch für Abwechslung gesorgt. Viel Spaß!

Blue King Brown – Moment Of Truth (mp3)

Melissa Ferrick – Hypocrite (mp3)

The Flying Change – If You See Something, Say Something (mp3)

Il Gato – The Taste (mp3)

Say Hi – Oh Oh Oh Oh Oh Oh Oh Oh (mp3)

The Decks – Skeleton (mp3)

Dan Mangan – Robots (mp3)

Geoffrey Gurrumul Yunupingu – Gurrumul (2008)

gurrumul

Der letzte, den mich mit seiner für meine Ohren damals fremdartigen Musik derart in seinen Bann gezogen hat, war Justin Vernon. Als ich vor gut einem Jahr Bon Iver für mich entdeckte, hat mich die Erhabenheit und Schönheit dieser Musik schlichtweg umgehauen. Gestern hatte ich mal wieder so ein Erlebnis – diesmal aber nicht dank meisterhafter Songwriterkunst aus Wisconsinschen Waldhütten, sondern dank herzergreifender Hymnen von Elcho Island im Norden Australiens.

Von dort kommt Geoffrey Gurrumul Yunupingu, ein Aboriginal, der früher mal bei Yothu Yindi dabei war und mit fast schon unverschämtem musikalischen Talent gesegnet ist: er spielt Schlagzeug, Digeridoo, Keyboard und Gitarre, um nur ein paar Instrumente zu nennen. Aber vor allen Dingen singt er – mit einer derart glasklaren, brillanten und einnehmenden Stimme, dass man nach dem Hören seiner Lieder am liebsten alle Kriege und Konflike der Welt für beendet und alles Böse für erfolgreich vertrieben erklären möchte. Yunupingu singt über sein Volk, die Yolngu, sein Leben als Mensch, der von Geburt an blind ist, er singt über Verlust und Liebe und über viele Dinge, die ich nicht verstehe, da ich seine Sprache nicht spreche. Aber das, was musikalisch bei mir ankommt, ist dafür umso stärker: „Gurrumul“ ist das mit Abstand Ergreifendste, was ich in letzter Zeit gehört habe.

Video: Geoffrey Gurrumul Yunupingu – „Wiyathul“ live

A Day in the Life of Abbey Road

Die Idee zu diesem Video ist dermaßen naheliegend und gut, dass es mich wundert, dass da bis jetzt keiner drauf gekommen ist. Die britische Band Blame Ringo hat für ihren Song „Garble Arch“ einfach mal ein paar Stunden auf den berühmten Beatles-Abbey Road-Zebrastreifen draufgehalten. Das Ergebnis sieht dann so aus:

Kleiner Frühjahrsputz

Hab in der rechten Spalte meines Blogs (neben diesem Eintrag) mal ein wenig aufgeräumt, ausgemistet und hinzugefügt. Die wichtigsten Neuerungen sind die eingebundenen Twitter- und Blip.fm-Feeds sowie die aktualisierte Blogroll. Außerdem gibt’s künftig noch mehr Delicious-Links zu sehen und das Pull-Down-Menü, bekannt und beliebt aus dem Internet des letzten Jahrtausends, feiert gleich zwei furiose Comebacks (oder heißen diese Dinger „Drop-Down-Menü“?). Schönes Wochenende!