Senk ju vor träwelling – Mark Spörrle & Lutz Schumacher (Herder Verlag, 2008)

Eine bessere Lektüre als dieses Buch konnte es für meine heutige ICE-Fahrt von München nach Leipzig gar nicht geben – was für eine gnadenlos alberne, hysterische, übertriebene, realistische, scharfsinnige und liebenswürdige Hommage ans Bahnfahren in Deutschland! „Senk ju vor träwelling – Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen“ ist stilistisch irgendwas zwischen Humor á la Douglas Adams, einer Parodie auf Ratgeber im Stile Alan Carrs und famoser Realsatire.

Wenn Mark Spörrle und Lutz Schumacher also über Fahrscheinautomaten, Bahnmitarbeiter, Bordrestaurants und Fahrgasttypen lästern und frotzeln, dann ist das an sich schon sehr nett. Wenn dann aber noch der – wie sich später herausstellte – Englisch muttersprechende Fahrgast gegenüber irritiert versucht, dem Titel meines Buches irgendeinen Sinn abzuringen und im selben Augenblick aus dem Lautsprecher eine ihm alles erklärende Ansage tönt („Lehdies an schänddlmähn, wie will bieh äreif Jena Pardaeis“); wenn ich auf der ganzen Fahrt immer wieder in mich hineinkichere vor Lachen, mir dabei vorkomme wie ein Siebtklässler, dessen Banknachbar ’nen schlüpfrigen Witz gerissen hat; wenn dann noch bei genau der Stelle, an der es im Buch um die Bistro-Currywurst mit Brot und Bier für Vierneunzig geht, der gelangweilte Zugchef eben diese per Durchsage anpreist – dann macht dieser „Ratgeber“ gleich nochmal so viel Spaß. Ich freue mich, heute im Zug Michael Morchel, Markus Greining und Kurt Schmöller kennengelernt zu haben, obwohl man die ja eigentlich schon ein Leben lang kennt.

Übrigens kam mein Zug heute volle drei Minuten vor der „planmäßigen Ankunftszeit“ am richtigen Ziel an. Muss am Buch gelegen haben.

Notizen vom 5. April 2008

No Singer? No Problem! Bands That Carry On With Replacement Frontmen

– Coast Is Clear lädt zum Labelrundgang bei Misra Records ein.

– Es geht wieder um alles: die neue Ausgabe des pdf-Magazins Justmag trägt den Titel „Der Kater danach“ und ist inhaltlich wie optisch ein Genuß.

I genuinely miss buying records. Aber deswegen gleich selber mixen?

– Komplette neue Alben vorhören? Dieser Tage möglich fürs neue Kooks-Album „Konk„, für „Mountain Battles“ der Breeders und „Box Of Secrets“ von den Blood Red Shoes.

– Schönes Mixtape mit Tracks von Neil Young bis Dolly Parton: Music For The Mountains beim When You Awake-Blog.

– Video: The Avett Brothers – „For Today“

Ab jetzt auf Sendung: radioDUNKELBLAU

Ab sofort auf Sendung: radioDUNKELBLAU, das Internetradio von siebenSAETZE.de! Auch ich habe mich zum Betatester fürs laut.fm-Projekt des nutzergenerierten Radios machen lassen und sende ab sofort meinen eigenen Kanal im Internet.

Was es bei mir zu hören gibt? Eine Mischung aus Klassikern und brandheißem Scheiß, von Led Zeppelin bis Yeasayer, vom US-Jamrock der 90er über aktuellen deutschen Songwriterpop bis hin zu Rock à la QOTSA und Soundgarden. „Tonight, Tonight“ von den Smashing Pumpkins trifft auf „Wohin“ von Niels Frevert, „Simple Heart“ von Natasha Atlas auf „Not Ready Yet“ von den Eels.

Selbstverständlich ist die Playlist handverlesen und selbstkompiliert, nix mit Rumgeshuffle oder so – und immer ist mindestens 13 Stunden lang Wiederholung ausgeschlossen. Hier geht’s zu radioDUNKELBLAU; Meinungen, Anregungen, Wünsche bitte in die Kommentare.

Notizen vom 3. April 2008

The Who are planning a collection of vintage R&B covers, similar to the Motown and James Brown songs they performed early on in their career, berichtet der Rolling Stone.

„Die Leute sagen, sie können ihre alten Eltern nicht pflegen – aber sie pflegen fast alle irgendwo eine Homepage, wie moralisch krank ist diese Gesellschaft eigentlich?“ Harald Martenstein will keine Homepage haben.

Karajan Superstar? Interessanter Beitrag heute morgen im Deutschlandradio Kultur (mp3).

– Hübsche neue Funktion bei eMusic – jetzt kann mal per Flash-„Play“-Button bereits in den Chart- und Neuvorstellungsseiten in die Musik reinhören.

– RIP: Klaus Dinger, Schlagzeuger bei Kraftwerk, ist am 21. März gestorben.

– Ein „neuer“ John Lennon-Song namens kommt: „Now And Then“ heißt das Uralt-Demo, das demnächst auf einer Tribute-Platte für den achten fünften Beatle Neil Aspinall veröffentlicht wird.

Change Rocks: A Very Special Evening with Dave Matthews and Tim Reynolds: Dave und Tim klampfen für Barack Obama – am Sonntag (6. April) in Bloomington, Indiana. Anlaß genug, hier mal ein Video von den beiden zu verlinken:

Notizen vom 2. April 2008

Here lies the shitty album: gibt’s demnächst keine schlechten Longplayer mehr?

– Bald gibts Toast: Neil Young bringt jetzt doch die bisher unveröffentlichte Toast-Session aus dem Jahr 2000 raus.

Plattenveröffentlichungen im Frühling – Pitchfork listet penibel auf.

– Calexico covern die Stones, Okkervil River Jandek und die Stereophonics Sinéad O’Connor, also Prince: Captain Obvious kloppt ein super Mixtape mit Coverversionen raus:

– War doch kein Aprilscherz: das nächste Weezer-Album wird tatsächlich „Weezer“ heißen, wie auch schon die alten Alben „Weezer“ und „Weezer“.

– Wurde aber auch Zeit: die ersten Bestenlisten des Jahres tauchen auf – hier: die besten Alben des ersten Quartals 2008.

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist, und die Luft nach Erde schmeckt…: Frühling mit Konstantin Wecker.

Notizen vom 1. April 2008

– Sowas braucht der Dave Matthews Band-Fan von heute: alle, aber auch alle DMB-CD-Cover in bester Auflösung für iTunes und -Pod bei Flickr.

Moby hat die Spendierhosen an und verschenkt Musik an nichkommerzielle Videofilmer und Filmemacher… (via)

Steven Malkmus And The Jicks live in Washington, das gesamte Konzert zum Download (mp3) dank NPR und „All Songs Considered“.

„fly alone“, „all for one“, „believe“, „rain“, „alone“, „give up“, „smile“, „without you“, „you stop“, „goodbye(s)“, „let you go“, „wonderful“, „bring me down“, „sad eyes“: laut.de über das Album „Fly Alone“ der Deutschlandsuchtdensuperstar-Darsteller.

– Das komplette neue Keith Caputo-Album anhören kann man hier.

R.E.M. blicken im US-Rolling Stone auf ihre Alben zurück.

– Die dritte Single aus dem aktuellen Cat Empire-Album ist „Fishies“:

Paul Dimmer Band – Wenn alle Stricke reißen (2007)

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Als 2003 „Im kleinen Kreis“, die erste Platte der Paul Dimmer Band, rauskam, war sie fast zu viel für mich: diese verstörende Ruhe, dieses Gegenteil von Groove, diese Schwere… „Im kleinen Kreis“ war fremd und ungewohnt und gerade deswegen zog mich dieses Album in seinen Bann. Noch im selben Jahr habe ich die Band live gesehen und fand sie gut, danach hab ich sie auch noch gelegentlich gehört, aber im Großen und Ganzen zu den Akten gelegt. Auf einmal veröffentlichen die wieder ein Album! „Wenn alle Stricke reißen“ ist ohne Frage gut, aber leider auch nicht mehr – bei mir will sich einfach nicht die Magie des Erstlings einstellen: irgendwie klingt mir die Paul Dimmer Band neuerdings – und das ist wirklich nicht böse gemeint, schließlich gefällt mir ja, was ich da höre, nur kickt es mich eben nicht im erhofften Maße – zu typisch, zu erwartbar. Ich würde diese Platte gerne mehr lieben, als ich es tatsächlich tue. Sorry, Paul.

siebenSONGS (8)

The HeavyColeen

Bishop AllenClick Click Click Click

Phoebe Killdeer & The Short StrawsLet Me

Patrick ParkLife Is A Song

The Sound Of ArrowsDanger

Chuck Prophet + Stephanie FinchLet’s Help All The Cowboys (Sing The Blues)

Teenage PrayersDreams Of The South

Notizen vom 31. März 2008

Sven Regener: Neuer Roman kommt am 1. September.

– Die NATO macht demnächst Fernsehen.

– Gratis BjörkTribute-Sampler: Indie-Bands covern alles, von „It’s Oh So Quiet“ bis „Army Of Me“. (via)

– Eben bemerkt: meine Band 2zueins! spielt zur Pop-Up, aber eher zufällig… Vom 22. bis 25. Mai steigt die Musikmesse in Leipzig, und wir spielen am 24. Mai im / vorm Ohrakel-Plattenladen am Brühl.

So that, in the end, there was no end: Die 100 besten letzten Romanzeilen hat American Book Review aufgelistet (pdf).

– La Blogotheque in Athens, Georgia: R.E.M. hat jetzt auch ne Takeaway Show.

Der Typ, der nie übt, live… Niels Frevert:

siebenSONGS (7)

The Two Men Gentlemen BandStuff Your Ballot Box

Jamie LidellFigured Me Out (LA Garage Mix)

J. Spaceman & Sun City GirlsMr. Lonely Viola

Hush the Many (Heed the Few)Storyend

Benji CossaWith All My Luck

AnnualsSore

Jack And The PulpitsDance Area