Spin Doctors Sunday: Neueste News & alte Schätze…

Heute war mal wieder ein Update im Spin Doctors Archive fällig, dem kuscheligen virtuellen Spa für alle, die bei den Worten „Mow’b’jow“ selig grinsen und die Frage „What time is it?“ geradezu zwanghaft mit „4:30“ beantworten. Neben einem News-Rundumschlag hab ich die Konzert-Datenbank und den Downloadbereich überarbeitet. Somit sind jetzt nicht nur sämtliche im Netz kursierenden Spin Doctors-Livekonzert-Downloads auffindbar, sondern auch alle im Umlauf befindlichen Aufnahmen der relevanten Nebenprojekte und -bands. Im eigenen CD-Archiv hab ich auch gewühlt und vier Shows hochgeladen, die bislang nicht verfügbaren waren:

– Spin Doctors – 1997-06-27, Jack Frost Ski Ressort
Legendäres, ziemlich schräges Konzert aus dem Sommer 1997 mit Eran Tabib an der Gitarre und Ivan Neville an den Keyboards. Und dem besten „Prey To Bears“ aller Zeiten.

– Spin Doctors – 1997-07-19, Gurtenfestival, Bern, Schweiz
Gleiches Line-up, anderer Kontinent: eines der letzten Europakonzerte der Band für lange, lange Zeit. Erst 2005 kamen sie wieder mal rüber, dann bekanntlich wieder im Original-Line-up mit Eric Schenkman.

– Chris Barron & The Give Daddy 5 – 2000-03-01, Baby Jupiter, NYC
Die erste Show nach Chris‘ Zwangs-Gesangspause wegen einer akuten Stimmbanderkrankung.

– Chris Barron & The Give Daddy 5 – 2001-04-06, Lion’s Den, NYC
GD5 ein Jahr später…: großartiges Kurzkonzert inkl. „The Faded Tattoo“.

Und den allerersten, den isst er immer noch sofort…: hier ist „Cleopatra’s Cat“ vom Gurtenfestival 1997:

Get Well Soon, Centraltheater Leipzig, 3. März 2010

Zurück von der Get Well Soon-Show im Centraltheater. Und angetan. Davon, dass es mehr war als ein aufgewärmter Musebeirutcalexicoradiohead-decemberistsplacebo-Eintopf. Das war nämlich meine leise Befürchtung im Vorfeld. Doch nein: diese Herrschaften plus bezaubernder Dame wissen sehr genau, was sie tun, haben dieses Laut-Leise-Dingens perfekt drauf und bieten echt guten, bisweilen ergreifenden Melancholie-Rock-Zauber, wunderbar unterstützt durch detailversessene Videoanimationen und dezente Lichtshow.

Klar, ich könnte jetzt kritisch anmerken, dass da für meinen Geschmack schon zuviele Halbplaybacks waren, die das ganze erst so richtig „groß“ wirken ließen. Logisch, ich könnte dann auch noch hinzufügen, dass diese neunzigminütige Dauereuphorie-Inszenierung so in der Summe ganz schön kitschig war. Und notieren, dass da zwar jede Menge Leidenschaft, aber auch eine gewisse professionelle Kühle von der Bühne aus ins Publikum strahlte. Get Well Soon sind halt keine knuffige Lieblingsband, mehr so ein Künstlerkollektiv mit einer Vorliebe für Pathos. Ich könnte diese ganzen Meckereien aber auch stecken lassen und mich einfach nur darüber freuen, dass mich Get Well Soon heute Abend bestens unterhalten haben.

Genau das mach ich jetzt auch.

siebenSACHEN vom 1. März 2010

– Konstantin Wecker über Käßmann und den „moralinsauren Mäuseaufstand“

– Tolle Fotoserie der New York Times: „One in 8 Million“ – everyday people im Porträt

– Irgendjemand in New York nächste Woche (10. März)? Wenn ja, unbedingt hier hingehen (und mitschneiden!): Eric Schenkman & Aaron Comess (Spin Doctors) feat. Andy Hess (Gov’t Mule, Black Crowes), Rob Clores (John Popper, Black Crowes), Leslie Mendelson, James Maddock, Erik Lawrence u.a. Unfassbares Lineup, und das in der winzigen Rockwood Music Hall.

– Die Top-5-Gründe, warum Unternehmen sich vor Social Media fürchten (PR-Fundsachen.de)

– Vorerst kein Spotify-Start in Deutschland (Heise.de)

– Duett: Dave Matthews macht gemeinsame Sache mit Herbie Hancock (dmbnews.net)

– Ben Harper & Relentless 7 – Why Do You Always Dress In Black / Red House

2zueins! – Simsalaboom (2010)

Vor ein paar Tagen ist sie endlich erschienen, die neue EP meiner Band 2zueins! Ein gutes Dreivierteljahr haben wir an „Simsalaboom“ gebastelt. Rausgekommen sind sechs Songs, jeweils drei von Heiko und drei von mir, allesamt gemeinsam aufgenommen und arrangiert mit Matthias Frommann in dessen Studio Dunkelblau zu Leipzig. Unterstützt wurden wir unter anderem von special guests wie Kayode Eschrich von Takayo und Andreas Moisa. Ja, wir sind ziemlich stolz auf diese kleine CD, die auch optisch durchaus was hermacht dank der Fotokünste von Wiemer Wiemers und den Designskills von Stefanie Wolf. Die EP gibt’s zu kaufen – entweder in Form einer guter alten CD inkl. 12seitigem Hochglanzbooklet auf unserer Bandhomepage 2zueins.com, oder aber digital bei Amazon MP3, CD Baby oder iTunes).

Ach ja, eine „Single“ gibts natürlich auch – den Song „Festnetztelefon“ gibt’s hier zum Gratis-Download. Eine zünftige Record Release-Party haben wir Ende Januar im Leipziger Telegraph gefeiert – ein paar Bilder dieser rauschenden Ballnacht finden sich auf unserem Facebook-Bandprofil – hier entlang, bitte.

Und hier schließlich noch ein kleines Video zu „Festnetztelefon“, das wir im letzten September gedreht haben:

Dave Matthews Band – Dive In

Dave Matthews Band gehen schon wieder auf Europa-Tour, was mich natürlich mächtig freut. Diesmal hab ich die Gelegenheit, die Band gleich zwei Mal sehen zu können. Als kleine Einstimmung auf die bevorstehende DMB-Woche: „Dive In“, live in London 2009.

Eben hab ich gesehen, dass die wunderbaren Alberta Cross auch diesmal wieder DMB in Europa begleiten: celebrate we will…!

Ocean Colour Scene – Saturday (2010)

Meinen letzten großen OCS-Moment hatte ich vor ziemlich genau einem Jahr: ich war in Liverpool, bin an einem nebligen Vormittag nach einer laaangen Nacht im Pub raus ans Meer gefahren und drei, vier Stunden am Strand entlang gelaufen – und hatte die ganze Zeit Fowler, Cradock & Co. auf den Ohren. In diesen paar Stunden ergab ihre Musik plötzlich mehr Sinn denn je, ihre Meilensteine wie „Moseley Shoals“ und „Marchin Already“ genauso wie die eher durchwachsenen Alben der letzten Dekade; in diesen paar Stunden Winter in England wurde mir klar, wie wichtig mir über die Jahre diese Band geworden ist.

Das ist zwölf Monate her, und eben haben Ocean Colour Scene ihr neues Album „Saturday“ veröffentlicht – und hier isser plötzlich, mein nächster großer OCS-Moment. Zum letzten Mal derartig auf Anhieb begeistert haben sie mich mit „North Atlantic Drift“, das muss 2003 gewesen sein. Was danach kam, war zwar mehr („On The Leyline“) oder weniger („A Hyperactive Workout…“) solide, nur ach, es fehlte die Magie früherer Platten. Das ist hier anders – die Jungs wirken so gelöst wie seit „Moseley Shoals“ nicht mehr, die Melodien sind groß, die Arrangements überraschen, auf die uptemposelige erste Hälfte folgt eine melancholische, zauberhafte zweite.

Kurz und gut: die neue Ocean Colour Scene klingt, als katerte ich mal wieder durch den Nebel der Liverpool Bay – und als gäbe es mal wieder keinen perfekteren Ort auf der Welt als diesen.

Jahresbestenlisten: siebenSÄTZE-Awards 2009

Alle lieben Listen, ich auch. Den völlig unsinnigen Versuch, das zurückliegende Jahr irgendwie in eine Tabellenform zu pressen, hab ich mir auch dieses Jahr wieder angetan. Und wie immer fühl ich mich mies, weil ich so viele gute Bücher, Songs, Momente, Platten dann nun doch nicht erwähnt habe, obwohl sie eigentlich hier mit hergehören. Aber egal. Die Platzierungen (das schreibt man doch jetzt so, oder?) sind eh nur Makulatur (das schreibt man doch so, oder?), die genannten Dinge, Lieder, Lobhudeleien (darf man das noch schreiben?) sind hingegen ernstgemeint (oder muss ich das jetzt auseinander schreiben?!).

Die Alben des Jahres

7 – Ben Harper & Relentless 7 – White Lies For Dark Times
Harper so unmittelbar, schroff und wütend wie schon länger nicht mehr. Und ein Dutzend starker Songs.

6 – Montag – Montag
Das Jahr ging gleich gut los, mit dem dritten Montag-Album. Wäre es nach mir gegangen, hätte ganz Deutschland in diesem Jahr wahlweise zu „Sommernacht“ getanzt oder auf jeder guten Party „…und lass die Finger von meinen CDs“ gebrüllt.

5 – John Mayer – Battle Studies
Mayer kam spät, aber gewaltig. Ein Liederzyklus über vergangene Liebe, Intrigen, Enttäuschungen – und hier und da dann aber doch Hoffnung. Dazu über jeden Zweifel erhabene Musik, absurd gute Instrumentalisten, eine herrlich organische Produktion und nicht eine Sekunde Langeweile.

4 – Ben Kweller – Changing Horses

Bens Countryausflug darf man in den Jahresbestenlisten einfach nicht unterschlagen, bloß, weil er so zeitig im Jahr rauskam. Der Ex-Antifolker, der seit Jahren wunderbare Songwriter-Alben raushaut, flirtet mit Countryharmonien, Steel-Guitars und Trucker-Themen. Und das auf glaubwürdige, ach was, herzergreifende Art und Weise!

3 – Dave Matthews Band – Big Whiskey & The GrooGrux King
Es war, als riefen alle DMB-Fans dieser Welt im Juni: „Eeeendlich“. Endlich wieder ein Album, dass nicht nur deutlich über dem Studio-Output-Qualitäts-Mittelmaß der letzten sechs, sieben Jahre lag, sondern sich mühelos einreiht in die 1. Liga der DMB-Platten. Ein würdiges Tribut an den verstorbenen LeRoi Moore, super Songwriting, tolle Arrangement-Ideen, starke Hooks. Eeeendlich.

2 – Alberta Cross – Broken Side Of Time
Für jemanden wie mich, der Selig mag, der gerne Blind Melon hört, der die Black Crowes genauso schätzt wie Bob Dylan, die Avett Brothers, Calexico und die frühen Pearl Jam, für den ist die Musik von Alberta Cross wie gemacht. Und doch wäre es ungerecht, diese Band auf die genannten Referenzen zu verkürzen. Bei aller Heldenverehrung, bei allen Zitaten: dieses Album ist originell, und es ist eine Naturgewalt.

1 – The Duke & The King – Nothing Gold Can Stay
Doch manchmal kommen die Platten des Jahres dann doch ganz heimlich, still und leise. Da fängt es an mit „If You Ever Get Famous“, einem Song, der sich recht früh in diesem Jahr in mein Herz musiziert hat. Nachdem ich dann das Album zum Song hörte, war ich aber endgültig hin und weg. Was für ein Kleinod, was für große Songs. Der Glaube an das Gute im Menschen, und so.

Persönliche Lieblingsorte des Jahres

7 – Leipzig
Mann, ich lebe gern in dieser Stadt und klebe an ihr. Oder sie an mir, je nachdem.

6 – Paris
Endlich mal wieder dort. Finde Paris immer wieder schön und, ja, gemütlich.

5 – Harz
Wernigerode – mein erstes Mal Wandern / Urlauben / Ausspannen im Harz. Trotz wahnwitzigem Speed-Abstieg vom Brocken eine sonst äußerst erholsame Reise.

4 – Madrid
Menschen, unglaublich viele Menschen. Wein, unglaublich viel Wein. Kunst, unglaublich viel Kunst. Die vielleicht dekadenteste Kurzreise des Jahres. Ach ja: Serranoschinken, unglaublich viel Serranoschinken.

3 – Liverpool
Eine Woche zu Gast bei alten Freunden. Liverpool, die zweite – und das Gefühl, „daheim“ zu sein.

2 – Wroclaw
Eine Reise zu den Wurzeln meiner Familie. Mit meiner Familie. Tief berührend, bisweilen aber auch zum Brüllen komisch.

1 – Banja Luka
Bosnien hat mich schwer beeindruckt. Nirgendwo sonst habe ich bisher derart krasse Gräben zwischen arm und reich, hoffnungsvoll und verzweifelt, Schönheit und Zerstörung gespürt wie hier.

Die Bücher des Jahres

7 – Benjamin Lebert – Flug der Pelikane
Erst kam ich nicht so richtig rein in Leberts neues Büchlein, aber dann entwickelte die Erzählung eine interessante Dynamik. Angenehmes Lesevergnügen.

6 – Manfred Lütz – Gott. Eine kleine Geschichte des Größten
Steht nicht auf der Leseliste meines Theologie-Fernstudiums. Hab ich mir auch nur aus Lektüremangel heraus im Harz (siehe oben) gekauft, nachdem ich mit Platz 1 (siehe unten) durch war. Große Überraschung: Lütz‘ rheinisch-launische Gottesbetrachtung ist witzig, herzlich, niemals plump, aber auch nicht verkopft. Große Empfehlung – für Gläubige aller Couleur wie für Atheisten und Agnostiker.

5 – Daniel Kehlmann – Ruhm
Neun Geschichten, die auf unterschiedlichste Weise ineinandergreifen und spätestens am Ende ein Ganzes, wenn auch kein durchsichtiges Ganzes ergeben. Raffinierte Schreibübung, die aber auch dem Leser Spaß macht. Und einige sensationell gut gezeichnete Charaktere.

4 – Paul Peukert – Festung Breslau
Eine Reise nach Wroclaw, mit alten Tanten und Onkels, ohne jede revisionistische Scheiße, dafür mit vielen Fragen und vielen, vielen Eindrücken (siehe oben). Dieses Buch hat mich auf der Reise und danach sehr beschäftigt: katholischer Priester in Breslau führt Tagebuch über den Wahnsinn der letzten Kriegsjahre.

3 – Luke Haines – Bad Vibes. Britpop And My Part In Its Downfall
Ex-Auteurs-Hirn Haines schreibt seine Memoiren über die Britpop-Neunziger. Und ist dabei so gnadenlos ehrlich, bitterböse (gegenüber sich selbst und allen, wirklich allen anderen) und lustig, dass ich dieses Buch an nur einem Tag verschlungen – und dann am nächsten Tag gleich nochmal gelesen habe.

2 – Stefan Petermann – Der Schlaf und das Flüstern
Sowohl Stefan als auch sein Buch haben es gar nicht nötig, von mir gelobhudelt zu werden. Umso ehrlicher ist diese Platzierung gemeint: Stefans Debütroman hat mich angerührt und begeistert. Wäre Howie Days Song „I’ll Take You On“ ein Buch, es wäre dieses hier.

1 – Andreas Eschbach – Ein König für Deutschland
Einfach gutes Popcorn-Kino in Buchform. Es geht um Wahlmanipulation, ums Internet und um einen verklemmten deutschen Penne-Pauker als Hauptperson. Klingt lahm, ist aber alles andere als das. Definitv mein Lieblingsschmöker 09.

Persönliche Lieblingsluxusgüter des Jahres

7 – Relix-Abo
Es ist ja nicht so, dass ich nicht schon genug Musikzeitschriften abonniert hätte (jetzt sinds fünf). Aber ich hatte eben noch keine amerikanische. Und da in so ziemlich allen anderen Blättern dieser Galaxie zu wenig über all die schrägen Jambands und Folkies geschrieben wird, die ich nun mal gerne höre, musste es Relix sein. Habs nicht bereut – deren Avett Brothers- und Monsters Of Folk-Texte waren das beste, was ich in Sachen Musik in diesem Jahr lesen durfte.

6 – Fotoapparat
War einfach bitter nötig. Nach nem halben Jahr mit dem Teil bin ich zufrieden, aber nicht begeistert. Und eine wichtige Lektion hab ich auch gelernt: bloss, weil ich ’nen neuen Apparat habe, mache ich nicht zwingend mehr Fotos.

5 – Internet-Stick
Doch, das hat was, einfach seinen Laptop per UMTS mit dem Internet zu verbinden. Vor anderthalb Jahren war für mich noch n Laptop unvorstellbar, seit ein paar Monaten isses der Internet-Stick. Bin eben ein Spätentwickler.

4 – Digitaler Videorecorder
Noch so eine praktische Sache: einfach die Sachen aufnehmen, die mich interessieren, im Zweifelsfall auch mal zwei Sendungen parallel. Ohne DVDs, VHS-Kassetten, Showview und diesen ganzen Mist, sondern einfach nur per Knopfdruck. Was es nicht alles gibt. Toll.

3 – Big Whiskey Deluxe Edition
Nee, schon klar. Ich hab das neue DMB-Album (siehe ziemlich weit oben) in zweifacher CD-Ausführung (Standardversion US, Standardversion Europa), als iTunes-Pass (wegen der Bonusdownloads) und hatte es *hüstel* auch schon vorab auf nicht hundertprozentig legale Weise „erstanden“. Aber dennoch musste diese Deluxe-Box sein – dieses edle Fotobuch! Die wunderschönen Lithographien! Die Bonus-EP! Ach ja, und das Album is natürlich auch nicht schlecht (wie gesagt, siehe ziemlich weit oben).

2 – Spotify-Abo
Ich kann nicht anders, als in den Chor der Spotify-Lobhudler einstimmen. Es ist so simpel wie genial, dieses schwedische Streaming-Angebot, das hoffentlich 2010 auch endlich regulär in Deutschland zu haben sein wird. Warum ich schon in den Genuß eines Spotify-Abos gekommen bin? Offenbar hatte ich einfach nur Glück – wenige Wochen nach meiner ersten 10-Euro-Rate wurde die Option, von Deutschland aus wenigstens den Premiumaccount buchen zu können, erstmal wieder abgeschafft.

1 – Android-Handy
Es war keine rationale Entscheidung. Eher so meine notorische Liebe für Underdogs und die wachsende Verwunderung darüber, was für Menschen neuerdings iPhones besaßen und damit auszudrücken meinten. Nachdem ich mich in die Materie eingelesen hatte, schien mir ein Android-Handy eine gute Alternative zu sein. Killer-Grund war für mich die im Hintergrund laufende Spotify-App. Und jetzt? Bin ich echt zufrieden mit meinem HTC Magic – wobei… so ein Nexus One oder wenigstens ein Milestone wären auch nicht übel. Aber hey, bald ist ja 2010.

Die Songs des Jahres (Spotify-Playlist)

7 – Selig – Ich dachte schon
Ich dachte schon, du seist ausgezogen aus den Kammern meiner Erinnerung. Doch durch irgendeine Lücke kriechst du immer wieder rein… Lass mich allein.

6 – K’Naan – Take A Minute
And any man who knows a thing knows he knows not a damn damn thing at all…

5 – Sometymes Why – My Crazy
They say I’m talking to myself when I’m talking to you, they say I’m going crazy, crazy. Am I just true?

4 – Montag – Part 1
Plötzlich ist der Kopf klar, fahr jetzt los! Halt‘ Deine Briefe aus dem Fenster und lass sie los…

3 – Brother Ali – Fresh Air
I’m surrounded by greatness, my loved ones are amazin‘, sometimes, I look in their faces and just think of the lifes they’re changin

2 – Mein Mio – Es gibt immer
…und glaub, ich brauche kein Ziel und kein‘ Halt, doch als ich mich erinnere, ist es kalt. Es gibt immer, es gibt immer, es gibt immer… jemanden, auf den man wartet.

1 – Monsters Of Folk – Temazcal
Searchin‘ west and east and all points in between and underneath the hand of god, you’re there and then you’re not…

Persönliche Erfolge des Jahres

7 – drei Phish-Shows am Stück angehört
6 – ein weiteres Jahr ohne Zigaretten
5 – „Six Feet Under“ von der ersten bis zur letzten Folge sehen können
4 – meine Solo-EP Stundevorwärts
3 – einen regionalen & einen internationalen Preis erhalten
2 – immer noch Freunde zu haben, die mich ernsthaft als Trauzeugen wollen
1 – Simsalaboom, die neue CD meiner Band 2zueins!, die nun endlich fertig ist. Also, die CD.

Die Konzerte des Jahres

7 – Selig, September, Leipzig
Homogener Sound. Druck. Gefühl. Zeitreise Teil 2, diesmal fühlt sichs aber schon wieder ganz natürlich an.

6 – Bright Blue Gorilla, April, Halle
Robyn und Michael im Objekt 5. Am Tag vorher gemeinsames Essen in Leipzig. Dazu Besuch aus Holland – perfekte Tage.

5 – Stoppok, April, Leipzig
Absolut das, was ich mir von einem Stoppok-mit-Band-Abend erhofft hatte: tolle Musik, viele bekannte Gesichter im Publikum, ausgelassene Musiker.

4 – Alberta Cross, Juli, Paris
Musikalische Neuentdeckung des Jahres, hatte sich im Vorprogramm versteckt. So unscheinbar die Herren angeschlurft kamen, so bombastisch war im Gegensatz dazu ihre Musik.

3 – Amarcord, Dezember, Leipzig
Was für ein liebevoll ausgewähltes Programm, ausschließlich Stücke mit direktem Thomaskirchen-Hintergrund. Und dann natürlich: diese Stimmen!

2 – Selig Reunion Show, März, Dresden
Zeitreise, Teil 1: Selig spielen ihr erstes öffentliches Konzert seit 1998 und wir waren dabei. Die Nostalgie wich binnen weniger Songs der alten Euphorie. Immer noch die beste Liveband Deutschlands.

1 – Dave Matthews Band, Juli, Paris
Celebrate we will, ‚cause life is short but sweet for certain. Was soll ich noch schreiben – auch DMB-Konzert Nummer 3 war außerirdisch gut, ich freu mich schon auf #4 und #5.

Neue Musik: Alberta Cross, Element Of Crime, Phish, Black Crowes, Howie Day u.a.

Eine nicht eben veröffentlichungsarme Zeit, die letzten Wochen. Alte Bekannte melden sich mal wieder zurück, und ganz neue Lieblinge kommen hinzu. Hier ein Überblick über die Platten, die mich in der letzten Zeit bewegt haben.

Alberta Cross – Broken Side Of Time (2009)
Volltreffer. Das erste „richtige“ Album der englisch-schwedisch-amerikanischen Band Alberta Cross ist ein Volltreffer. Ich liebe diese weiten Gitarren, diese hypnotisierende hohe Stimme, diesen Druck, diese Größe im Sound. Aber auch die sanfteren, folkigeren Momente sind von einer länger nicht mehr gehörten Erhabenheit. Für mich ist die Platte der Stunde – und allen anempfohlen, die was anfangen können mit Bands wie den Black Crowes, Blind Melon oder auch Gov’t Mule.

The Black Crowes – Before The Frost (Until The Freeze) (2009)
Wo ich schon mal bei den Gebrüdern Robinson bin: die neue Platte der Black Crowes ist ebenfalls sehr gelungen. Eingespielt live vor Publikum im Studio, eigentlich eine 11-Track-Platte, wer den der CD beigelegten Download-Coupon einlöst, kriegt nochmal neun Songs obendrauf. Eine gute Wahl, das neue Studioalbum quasi live zu produzieren, da merkt man erstmal, wie grandios aufeinander eingespielt die Herrschaften sind. Musikalisch kommen die Crowes eingängiger daher als auf ihren letzten Platten – sie erfinden sich freilich nicht neu, experimentieren aber bisweilen mit Disco- und Funkversatzstücken. Und das steht ihnen gut. „Warpaint“ war klasse, „Before The Frost“ ist besser.

Howie Day – Sound The Alarm (2009)
Es hätte nicht mehr viel gefehlt, und Howie Day wäre der Guns’n’Roses / „Chinese Democracy“-Fall unter den Singer/Songwritern geworden. Nach seinem phänomenalen Album „Stop All The World Now“ (2003) kam erst der Erfolg („Collide“ wurde 2004 zu einem US-Top-40-Hit) und dann der Absturz (Alk, Exzesse, Entzug). Und die seit Ewigkeiten angekündigte neue Platte wurde immer weiter nach hinten verschoben. Jetzt ist Howies drittes Album endlich da, und – siehe da – das Warten hat sich durchaus gelohnt. „Sound The Alarm“ ist ein unterhaltsames Songwriter-Pop-Album ohne große Überraschungen, aber mit soliden Songs geworden. Ich freue mich, endlich diese Stimme wieder hören zu dürfen, auch wenn sie jetzt deutlich reifer und rauer (böse Menschen würden jetzt „verbrauchter“ schreiben) klingt als zu Beginn dieses Jahrzehnts.

Element Of Crime – Immer da wo Du bist bin ich nie (2009)
Die neue EoC. Ich wüsste nicht, was ich dazu schreiben sollte, außer: endlich. Und: Danke.

Monsters Of Folk – Monsters Of Folk (2009)
Zu dieser Platte wurde ja inzwischen an jeder möglichen und unmöglichen Ecke des Internets was geschrieben. Meistens Lobeshymnen, und das zu Recht, wie ich finde. Conor Oberst, M Ward, Mike Mogis und My Morning Jacket-Sänger Jim James geben die Crosby, Stills, Nash & Young unserer Tage und bringen – was bei solchen „Supergroups“ ja eher ungewöhnlich ist – ein absolut stringentes, tolles Album raus. Die Songs stimmen, die Arrangements überraschen und keiner drängelt sich in der Vordergrund.

Phish – Joy (2009)
Also, dass ich 2009 mal über ein neues Phish-Studioalbum schreiben würde, hätte ich vor zwei, drei Jahren nicht für möglich gehalten. Und doch: Trey und seine Kollegen haben sich wieder zusammengetan, Anfang des Jahres drei jetzt schon legendäre Comebackshows gespielt und nun ist also „Joy“ da, das neue Album. Produziert von Steve Lillywhite, genau wie „Billy Breathes“, das wohl eingängigste Phish-Album aller Zeiten. Eingängig ist „Joy“ auch, und trotzdem kraftvoll und verspielt – die Band jammt munter herum, ist dabei aber melodieselig wie schon lange nicht mehr. Noch ein Volltreffer.

Robert Cray – This Time (2009)
…und auch Blues- und Soulveteran Robert Cray hat ein neues Album. Bei Cray ist es ein wenig wie bei Van Morrison – er klingt halt meistens gleich und es sind die Nuancen, die eine Platte von der anderen unterscheidbar machen. Schönerdings mag ich den Cray-typischen Sound einfach, ich steh‘ auf sein glasklares Gitarrenspiel, seine warme Stimme und seine moderne, frische Art, den Blues zu spielen – immer und immer wieder. „This Time“ ist da keine Ausnahme, und so freu ich mich über zehn weitere Stücke übers Verlassenwerden, Verlassensein, Verlassen und Verlieben.

Für die Zwischenzeit

Demnächst geht es hier wieder mehr zur Sache. Für den Moment ein paar kurze Musikempfehlungen. Den nahenden Herbst ganz wunderbar begrüßen kann man mit den neuen Alben von Pete Yorn &Scarlett Johannsen, The xx, den Arctic Monkeys und The Duke & The King. Ach ja: und die neue Single von Element Of Crime rockt.

siebenSACHEN vom 31. August 2009

– Was glücklich macht: fünfeinhalb Minuten „Backwards Down The Number Line“, ein erster Vorgeschmack auf das im September erscheinende neue Album von Phish.

– Was runtergeladen gehört: der kostenlose Live-Sampler „So Much To Save„ mit Musik von den Avett Brothers, Umphree’s MacGee, Gomez und DMB.

– Was mich freut: heute war die gemasterte Version unserer neuen 2zueins!-EP in der Post.

– Was amtlich ist: Spotify-Playlisten wie diese (Pitchfork Top 500 der 2000er Jahre) oder diese (die 500 besten Songs aller Zeiten laut Rolling Stone).

– Was das Wohlbefinden fördert: Jono Manson und John Popper live in Gorgonzola, Italien – einmal „Miss Fabulous“, und schon hab ich gute Laune.

Miss Fabulous

Red Wine In The Afternoon

– Was ich mir unbedingt besorgen muss: die neue EP von Josh Fix – schon der Titel!!

– Was wirklich keiner nochmal braucht: die Black Eyed Peas als „Gäste“ bei einer Show der Dave Matthews Band: