
10 Bright Eyes – Five Dice, All Threes
Selbsthass, Suizidgedanken, die verrinnende Lebenszeit ⊠die Themen, die Conor Oberst auf dem neuen Bright-Eyes-Album verhandelt, sind alles andere als leichte Kost. Manche der Songs sind dafĂŒr musikalisch fast schon ĂŒbertrieben eingĂ€ngig geraten. Insgesamt ein intensives, schwer verdauliches Werk, dass mich wochenlang beschĂ€ftigt hat und mir mit der Zeit ans Herz gewachsen ist.
9 The Black Crowes – Happiness Bastards
Völlig anders dagegen die Grundstimmung auf dem Black-Crowes-Comeback. FĂŒnfzehn Jahre nach âBefore The Frost ⊠Until The Freezeâ gelingt den GebrĂŒdern Robinson ein unerwartet starkes, druckvolles Album. So sehr ich die halbherzige Reunion mit Hired Guns statt Originalmitgliedern und DebĂŒtalbum-JubilĂ€ums-Getoure als Geldmacherei abgetan habe, so sehr muss ich konstatieren: âHappiness Bastardsâ macht groĂen SpaĂ und ist viel besser als erwartet.
8 Kyshona – Legacy
Eine KĂŒnstlerin auf Reise zu ihren Wurzeln: FĂŒr âLegacyâ hat sich Kyshona aus Nashville mit einem Genealogen zusammengetan und die Geschichte ihrer Familie bis ins 19. Jahrhundert zurĂŒckverfolgt, wo ihre Vorfahren in Sklavenlisten einer VolkszĂ€hlung von 1860 auftauchen. FĂŒnf Generationen, deren Leben, Denken, FĂŒhlen sich in der Musik dieses Albums widerspiegelt. Beeindruckend, ergreifend, groĂ.
7 Orebolo – The Chateau
Was Dave-&-Tim-Shows fĂŒr Fans der Dave Matthews Band sind, sind Konzerte von Orebolo fĂŒr Goose-Aficionados: die auf Akustikgitarren reduzierte Essenz dessen, was in den Hauptbands vom âvollen Orchesterâ dargeboten wird. Nur, dass bei Orebolo noch Goose-Allzweckwaffe Jeff Arevalo das Klangbild um den Kontrabass erweitert. âThe Chateauâ ist das StudiodebĂŒt des Trios, auf dem sich StĂŒcke aus dem Goose-eigenen Songuniversum (âRockdaleâ, âTumbleâ) und clevere Cover mischen (âAmongsterâ, âChristmas Card From A Hooker in Minneapolisâ).
6 Lenny Kravitz – Blue Electric Light
Die letzten paar Lenny-Alben (Raise Vibration, Strut) haben mir zwar ganz gut gefallen, kamen mir aber immer etwas sperrig, unsortiert oder ĂŒberfrachtet vor. So war es bei den ersten paar DurchlĂ€ufen auch bei âBlue Electric Lightâ. Doch die QualitĂ€t und Konsistenz dieses Albums offenbart sich erst mit der Zeit. Starke Hooks, hohe Spielfreude, gute Stimmung. So deutlich hat Lenny dem Prince der 1980er Jahre noch nie gehuldigt. Doch die Hommage gelingt und macht tatsĂ€chlich mit jedem Hören mehr SpaĂ.
5 Medium Build – Country
Besser spĂ€t zur Party dazustoĂen als gar nicht: Nicholas Carpenter macht schon seit etwa zehn Jahren tolle Musik, ich habe ihn erst in diesem Jahr fĂŒr mich entdeckt. âCountryâ besticht durch gekonntes Songwriting, eine beneidenswerte Treffsicherheit in Sachen Hooks und lakonische Lyrics. Musik zum Laut-Hören.
4 Dawes – Oh Brother
DauergĂ€ste in meinen Jahreslisten, ich weiĂ. Wie den BrĂŒdern Taylor und Griffin Goldsmith die Neuerfindung ihrer Band gelungen ist, beeindruckt mich sehr: Nachdem den beiden 2023 recht ĂŒberraschend (aber in aller Freundschaft) Bassist und Keyboarder abhanden kamen, gingen sie ins Studio, um neue Musik aufzunehmen, statt in TrĂŒbsal zu verfallen. Das Ergebnis ist ein gewohnt starker Songzyklus in einem verĂ€nderten Klanggewand – noch nie standen Griffins Drums und Taylors Gitarren derart im Mittelpunkt. Funktioniert!
3 Hannes Wittmer – Sag es allen Leuten
Den KĂŒnstlernamen Spaceman Spiff hat er lange abgelegt, âSag es allen Leutenâ ist die zweite Platte unter seinem bĂŒrgerlichen Namen. Hannes Wittmer bezeichnet sie als âdas Ende einer Reiseâ und âein Album ĂŒber Festgefahrenheit, Depression, Resilienz und zuletzt ĂŒbers Loslassenâ. Wie er scheinbar ohne MĂŒhe ins Mark treffende Worte und Bilder fĂŒr vermeintlich schwer zu Beschreibendes aneinanderreiht, ist begnadet. Dass er diese auch noch exzellent performt, macht das GlĂŒck fĂŒr uns Zuhörende perfekt.
2 Lawrence – Family Business
Huch, die dritte Geschwisterband in dieser Jahresbilanz! FĂŒr Gracie und Clyde Lawrence und ihre Kumpels hĂ€tte es dieses Jahr kaum besser laufen können – ausverkaufte Headlineshows in den USA, Auftritte im US-Late-Night-TV, eine umjubelte Europatour und vor allem ein saustarkes viertes Album. Damit ist die Band mit ihrem souligen Pop-Funk endgĂŒltig kein Geheimtipp mehr. Gut so.
1 Bill Ryder-Jones – Iechyd Da
Manchmal kommt Musik genau im richtigen Moment zu einem. So wie âIechyd Daâ im Januar zu mir. In einer Zeit der intensiven Trauer – mein Vater war wenige Tage zuvor verstorben – spendete diese Platte Trost und Ablenkung. Weil die Songs toll sind. Weil Bills Stimme an Mark Oliver Everett erinnert. Weil die Kinderchöre und Streicher fĂŒr eine geisterhafte, neblige Grundstimmung sorgen. Und wohl auch, weil diese Musik so schwer zu fassen ist und ich gar nicht genau sagen kann, warum sie mir so zu Herzen geht; zum Ende des Jahres noch genauso sehr wie zu Beginn.
Meine Lieblingsalben 2024 gibtâs hier als Spotify-Playlist.
Siehe auch:
Lieblingsalben 2023, 2022, 2021, 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004. Alle Lieblingsalben seit 2015 in dieser Playlist.







