Dave Matthews Band – Big Whiskey And The GrooGrux King (2009)

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Everyday“ habe ich durchaus gemocht – weil es anders war als alles vorher, und weil es riskant und geradezu todesmutig anmutete: eine Song-Platte, produziert von einem Hit-Giganten, und das nach diesen drei tollen, phänomenalen, unerreichbaren Vorgängern! „Busted Stuff“ fand ich „so lala“… – die „Lillywhite Sessions“ fand ich frischer, aber alles in allem war die Platte schon okay, ein paar zentrale Songs, und irgendwie eine Reminiszenz an die 90er.. „Stand Up“ habe ich mir schöngeredet: bis heute mag ich viele der Songs und reibe mich eher an der Produktion und am Tracking denn am Songwriting – aber trotzdem war das nicht mehr die DMB, in die ich mich damals verliebt habe… Inzwischen ist ein Bandmitglied verstorben, sind vier Jahre vergangen, liegen die kreativen Hochzeiten mehr als zehn Jahre zurück.

Und da kommt die Dave Matthews Band mit Big Whiskey And The GrooGrux King daher, einem Album, dass jeden Zweifel wegwischt und zeigt, wozu sie in der Lage ist. Es wäre unsinnig, einzelne Tracks herauszuheben oder bestimmte Passagen gesondert zu erwähnen – seit langem habe ich kein derartiges homogenes, stimmiges, rundes Album gehört. Eine herzliche Hommage an den verstorbenen Freund, ein stolz gespreizter Mittelfinger in Richtung Kritiker und Nörgelfans, ein geradezu unverschämt starker Zyklus guter Songs; alles in allem ein Album, wie man es sich von einer Band wünscht, die sich bereits in den Neunzigern in die Unsterblichkeit musiziert hat – eine meiner Lieblingsbands ist zurück, und zwar ohne Wenn und Aber, ohne jeden Zweifel und ohne jede Relativierung: es ist derzeit ein Hochgefühl, DMB-Fan zu sein.

Jason Mraz live in Leipzig (27. März 2009)

„What will happen to a face in the crowd when it finally gets too crowded,
What will happen to the origins of sound after all the sounds have sounded?“

Letztes Frühjahr in Berlin: ein frischer Jason Mraz und seine kleine Band geben in einem kleinen Club ein großartiges Konzert und hinterlassen eine begeisterte, glückliche Masse. Ich war Teil dieser Masse.

Letzten Herbst in Berlin: ein Jason Mraz, der eben den Sommerhit des Jahres abgeliefert hat, rockt mit großer Band und Bläsersatz Huxleys Neue Welt, das Publikum johlt. Ich fand’s okay, der durchgetourte Sommer hinterließ bei den Musikern aber deutliche Spuren.

Heute Abend in Leipzig: ein abwesend wirkender Jason Mraz und seine müde Combo spielen eine knappe Stunde vor einem halbvollen Saal, das Publikum johlt. Ich kann meine Enttäuschung über die lahme Vorstellung, die die Jungs da oben abliefern, nicht verhehlen: das war blutleer, Dienst nach Vorschrift, uninspiriert, nur in den Zugaben blitzte was auf vom Mraz’schen Genius, von seinem Showtalent und seinem Witz.

Mach mal Pause, Mraz.

Selig – Und endlich unendlich (2009)

selig

Jetzt ist sie also da, die neue Selig-Platte, die erste seit zwölf Jahren. Die Band nach all den Jahren wieder live zu sehen, am Mittwoch in Dresden, war schon eine wohltuende Erfahrung – und nun kommt also auch noch die neue CD dazu; eine echte „Selig-Woche“, ganz klar. Hatte ich in der Form zuletzt 1996, dass mich diese Band live wie mit Studioaufnahmen so berührt und begeistert hat; mit „Blender“ (1997) habe ich erst Jahre später meinen Frieden gemacht, da die Platte besser war, als ich anfangs dachte.

Fast forward ins Jahr 2009 – die Vertrautheit, die Und endlich unendlich ausstrahlt, ist die eigentliche Sensation: Reunions, Comebacks, zweite Anläufe gibt es ja inzwischen wie Sand am Meer, doch nur ganz wenige gelingen tatsächlich. Das, was Selig hier machen, fühlt sich sehr, sehr gut an: in Eigenregie aufgenommen, ohne Zeitdruck, die letzten Jahre reflektierend, gelegentlich rockend „wie früher“, häufig melancholischer als damals und dennoch ganz genau so, dass die Fans von einst zufrieden grinsen und sich fröhlich suhlen können in der guten Gewißheit, dass es wirklich Selig sind, die da wieder da sind, und keine Selig-Greatest-Hits-Coverband.

Kurz und gut: mir gefällt außerordentlich, was ich höre, und ich freue mich – für mich wegen der guten Musik, für Selig wegen des guten Gefühls und für alle Selig-Hasser, weil sie endlich wieder was zum Lästern und Dooffinden haben. Aber das konnten wir ja früher schon gut ab, Selig und ich.

Neue Musik: The View, The Waifs, Laura Gibson, The Cat Empire u.a.

Es hat sich wieder viel Neues angesammelt in meinen digitalen und realen Plattenregalen. Hier einige Beispiele, die ich für dringend erwähnenswert halte.

Gilles Servat – Je Vous Emporte Dans Mon Coeur (2006)
Eine Empfehlung meines Bandkollegen Heiko, der Gilles Servat wiederum von seinem Vater empfohlen bekam. Servat ist ein französischer Sänger kurz vorm Renteneintrittsalter, der seit 1970 Musik veröffentlicht. Das hier ist ein Konzertmitschnitt aus dem Jahr 2006, wie ich es verstehe, eine Art „Best-Of“-Abend mit Songs aus seiner gesamten Karriere – schöne Lieder auf Französisch und Bretonisch, bisweilen sehr melancholisch, aber äußerst unterhaltsam und eine angenehme Abwechslung.

Laura Gibson – Beasts Of Season (2009)
Ach Mensch, eigentlich verdient diese Platte einen kompletten, eigenen Blogeintrag. Läuft seit Tagen bei mir in heavy rotation. Sängerin aus den USA, das hier ist ihre dritte oder vierte Platte. Aber die erste, die ich kenne – und prompt auch sehr mag. Leicht schrullige Folksongs mit wunderbaren Arrangements, die Stimme erinnert mich gelegentlich an Regina Spektor.

The Cat Empire – Live On Earth (2009)
Meine beiden bisherigen Live-Erfahrungen mit The Cat Empire waren phänomenal: die erste, 2006 in Birmingham, war eines der intensivsten Musikerlebnisse, die ich je hatte; meine zweite, 2007 in Berlin mit meinem Freund Robby, war eine einzige ausgelassene Party und das, obwohl die Musikalität der Jungs fast mehr war, als man bei so einer Show fassen kann. Alle diese Erinnerungen kommen zurück, wenn ich die neue Cat Empire-Liveplatte höre. Diese Doppel-CD bringt mich zum Tanzen (!) und zum Versonnen-Vor-Mich-Hin-Starren, manchmal sogar gleichzeitig. Wahnsinn.

M. Ward – Hold Time (2009)
Wie Laura Gibson ist auch M. Ward so ein Künstler, den ich ohne All Songs Considered nie kennengelernt hätte. Kalifornischer Sänger und Gitarrist, der schon einige Alben veröffentlicht hat, das hier ist sein neuestes. Was mir sehr gefällt, sind die kompakten, cleveren Songs, denen er quirlige Arrangements verpasst hat, wodurch er jede nur mögliche Peinlichkeitsklippe sicher umschifft. Schöne Sache.

The View – Which Bitch? (2009)
Schade, ich fremdle mehr mit diesem Album, als mir lieb ist. Der View-Erstling „Hats Off To The Buskers“ von 2007 war ein Volltreffer, mit vielen rotzigen, aber charmanten Rocksongs. Die gibt es auf der neuen Platte, und zwar zur Genüge. Nur ist die neue CD irgendwie seltsam produziert, The View klingen hier mehr nach Schülerband als auf ihrem Debüt. Aber trotzdem: schöne Songs, und über den Frühling werden wir schon noch Freunde, Which Bitch und ich.

The Waifs – From The Union Of Soul (2009)
Mit „From The Union Of Soul“ legt die australische Folkrock-Institution The Waifs ein Livealbum vor, das wirklich beachtlich ist: von Bluegrass bis Swing, von Songwriter-Pop bis 60s-Satzgesang können die beiden Damen und der Herr offenbar alles. Lustig, herzzerreißend melancholisch, gut gelaunt und doch stellenweise wehmütig… Geile Platte, ein musikgewordenes Antidepressivum.

Strand Of Oaks – Leave Ruin (2009)
Bei eMusic gehört, gemocht, auf gut Glück runtergeladen und seitdem sehr oft gehört: ein Mann, der eigentlich als Lehrer sein Geld verdient und nebenher Musik macht, verzieht sich in die Berge im Norden Pennsylvanias und kehrt mit dieser versponnenen kleinen Songwriter-Platte zurück. Wie Bon Iver mit etwas weniger Liebeskummer, nur anders.

Daniel Kehlmann – Ruhm (2009)

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„Die Vermessung der Welt“ war ein Buch, das ich unterhaltsam fand, aber das mich nicht zu sonderlich großen Begeisterungsstürmen veranlaßt hat. Daniel Kehlmanns neues Werk Ruhm habe ich mir gekauft, weil in irgendeiner Besprechung stand, es sei ein Roman über Identität, Kommunikation und Literatur. Das hörte sich spannend an – und war es dann schließlich auch.

Diese zweihundert Seiten lasen sich weg wie nichts, und die Art, wie Kehlmann die Handlungen von neun Kurzgeschichten ineinander verzahnt, die ist schon raffiniert. Man liest von lebensmüden Sinnstiftern, ihrer Existenz beraubten Schauspielern oder paranoiden Schriftstellern und alle sind sie mehr oder weniger miteinander verbunden, mal im Geiste, in ihren Problemen und Zweifeln, mal ganz konkret, von Story zu Story springend. Und nie weiß man genau, wo das anfing oder wie das aufhört – ein Text mit angenehm viel Raum für eigene Deutungen, aber ohne übertriebene Bedeutungsschwere.

Kann sein, dass manche Charaktere zu überzeichnet wirken, mag sein, dass es manchen Stellen an Tiefe und Detailreichtum mangelt; bei der Lektüre habe ich mich gelegentlich amüsiert und war auch mehrmals verwundert, aber ich fühlte mich durchweg bestens unterhalten.

Moon Minion – Love For Music EP (2009)

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Von Moon Minion aus Dover, New Hampshire, hätte ich im Leben nix gehört, teilte ich nicht mit einem der Bandmitglieder eine – manche mögen mir das als fanatische, ich bezeichne es als angemessene – musikalische Vorliebe. Aber wenn man zum kleinen Kreis der last Spin Doctors fans standing gehört, dann erfährt man über die Jahre halt auch eine Menge voneinander. Zum Beispiel, dass Chris – so heißt das Bandmitglied mit dem ausgezeichneten Geschmack, von dem ich hier schreibe – eine Band namens Moon Minion hat und dass die sechs jungen Herren und Damen von Moon Minion unlängst im Studio waren, um eine EP aufzunehmen.

Die liegt jetzt mit Love For Music vor. Ich hab‘ ja einiges erwartet, nur nicht, dass mir die drei Songs derart gut gefallen: sehr entspannt groovender R’n’B ist das, mit klaren Anleihen aus Jazz und Pop, einer tollen Sängerin und wirklich guten Instrumentalisten. Ob nun die smoothe Trompete im Song „Twist Down The Road“ oder die soulige Hookline von „Exclusive Love“ – Moon Minion machen sehr viel Spaß und liefern hier alles andere als eine eine zu vernachlässigende Demo-CD ab.

Das ist die vielleicht schönste Nebenwirkung davon, ein Spin Doctors-Fan zu sein: man lernt über die Jahre Leute wie Chris Sink und Bands wie Moon Minion kennen.

Geoffrey Gurrumul Yunupingu – Gurrumul (2008)

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Der letzte, den mich mit seiner für meine Ohren damals fremdartigen Musik derart in seinen Bann gezogen hat, war Justin Vernon. Als ich vor gut einem Jahr Bon Iver für mich entdeckte, hat mich die Erhabenheit und Schönheit dieser Musik schlichtweg umgehauen. Gestern hatte ich mal wieder so ein Erlebnis – diesmal aber nicht dank meisterhafter Songwriterkunst aus Wisconsinschen Waldhütten, sondern dank herzergreifender Hymnen von Elcho Island im Norden Australiens.

Von dort kommt Geoffrey Gurrumul Yunupingu, ein Aboriginal, der früher mal bei Yothu Yindi dabei war und mit fast schon unverschämtem musikalischen Talent gesegnet ist: er spielt Schlagzeug, Digeridoo, Keyboard und Gitarre, um nur ein paar Instrumente zu nennen. Aber vor allen Dingen singt er – mit einer derart glasklaren, brillanten und einnehmenden Stimme, dass man nach dem Hören seiner Lieder am liebsten alle Kriege und Konflike der Welt für beendet und alles Böse für erfolgreich vertrieben erklären möchte. Yunupingu singt über sein Volk, die Yolngu, sein Leben als Mensch, der von Geburt an blind ist, er singt über Verlust und Liebe und über viele Dinge, die ich nicht verstehe, da ich seine Sprache nicht spreche. Aber das, was musikalisch bei mir ankommt, ist dafür umso stärker: „Gurrumul“ ist das mit Abstand Ergreifendste, was ich in letzter Zeit gehört habe.

Video: Geoffrey Gurrumul Yunupingu – „Wiyathul“ live

Mando Diao – Give Me Fire (2009)

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Sie wissen nicht so recht, wohin.

Mando Diao, einst die Könige der Ohrwürmer und ungestümen Dreiminutenhymnen, haben ein neues Album veröffentlicht. Give Me Fire heißt es und macht da weiter, wo der Vorgänger „Never Seen The Light Of Day“ aufhörte: schon der war ja ein versuchter Aufbruch zu neuen musikalischen Ufern. Während es auf „Never…“ in Richtung Folk und Krautrock ging, liebäugeln die Schweden diesmal aber vor allem mit Disco und Pop. Und das steht ihnen streckenweise gar nicht mal schlecht; viele der Songs funktionieren und haben Charme, etwa die Singles „Gloria“ und „Dance With Somebody“, der Titelsong oder auch „Maybe Just Sad“.

Nur schiessen sie halt auch einige echte Böcke, besonders in der zweiten Hälfte: das Sechsminutenstück „Crystal“ ist nichts anderes als ein viel zu langer Roger Whittaker-Schlager, „You Got Nothing On Me“ erinnert an Oldieradio-Seventies-Rock á la Slade und Steppenwolf, beim Schlusstrack „The Shining“ schließlich wartet man darauf, dass jede Sekunde Gloria Gaynor um die Ecke kommt und „I Will Survive“ röhrt. Mit „Give Me Fire“ ist Mando Diao ein kurzweiliges Album gelungen – kurzweilig im Sinne von „gute Unterhaltung“ und „manchmal leider unfreiwillig komisch“.

Neue Musik: Bon Iver, x ist y?, Pancho's Lament, Antony & The Johnsons u.a.

Finde Gefallen daran, manche Platten schnell, knapp und in noch viel weniger als sieben Sätzen anzusprechen. Deswegen hier ein weiterer Überblick über neue Musik, die mir in den letzten Tagen untergekommen ist.

Rokia Traoré – Tchamantché (2008 )
Klasse Musik, die nur leider unter die grauslige Kategorie „Weltmusik“ fällt. Bin durch NPR auf diese Frau aus Mali aufmerksam geworden. Sanfte, sehr ungewohnt instrumentierte Musik, über der eine fremde, melancholische Stimme schwebt – die mal auf französisch, meistens aber in ihrer Muttersprache Bambara singt.

x ist y? – Igitt Pop (2008 )
Die 2008er Platte der Herren von x ist y?, mit denen ich seit vielen Jahren befreundet bin und schon oft die Bühne teilen durfte. Indierock zwischen Bombast- und Probenraumsound, musikalisch wie textlich cleverst durchdacht und aufwändig durchkomponiert. Wünsche mir, dass dieser Band mehr öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird als bisher.

Antony & The Johnsons – The Crying Light (2009)

Manchmal dauert’s ja etwas länger, bis bei mir der Groschen fällt. Dafür ist er diesmal umso heftiger gefallen. „I Am A Bird Now“ fand ich ja ganz nett, „The Crying Light“ kriegt mich so richtig. Dieses Album ist wunderschön, die letzten Tage wären ohne Songs wie „One Dove“ oder „Her Eyes Are Underneath The Ground“ undenkbar gewesen.

Pancho’s Lament – 3 Sides To Every Story (2009)
Das dritte Album von Jeff Cohen alias Pancho’s Lament. Der Mann, der gemeinsam mit Chris Barron die Über-Platte „Pancho And The Kid“ schrieb, gibt mal wieder ein paar Stücke aus seiner Songwriter-Werkstatt zum Besten. Cohen versteht es einfach, eingängige, gefällige Popsongs zu schreiben – beste Unterhaltung, in den schwächeren Momenten ein wenig beliebig, meistens aber ungemein zwingend und kurzweilig.

Bon Iver – Blood Bank (2009)
Neue EP von Bon Iver: zu hoffen, sie würde genau so ein Jahrhundertwurf werden wie „For Emma…“, wäre sicherlich töricht gewesen. Also: Erwartungen runterschrauben, und dann angenehm überrascht werden! Drei der vier Songs find ich super, nur „Babys“ will bei mir nicht so recht zünden. Immer noch fantastisch, Bon Iver.

True Nature – Feels Like Centuries (2009)
Wie bei Pancho’s Lament handelt es sich auch bei True Nature um einen Act aus dem weiteren Umfeld der Spin Doctors-Bandmitglieder Aaron Comess und Chris Barron. Beide sind hier auch dabei (Drums, Backing Vocals), aber stellen sich voll und ganz in den Dienst der Sache: sehr „groß“ produzierter Rockpop mit Anleihen an Coldplay und U2, nur nicht ganz so gefällig bzw. beliebig. Spannende EP, hervorragende Produktion. Zu haben bei iTunes.

The Wombats – A Guide To Love, Loss & Desperation (2007)

Okay, wenn ich schon im Urlaub Freunde in Liverpool besuche, die am Lipa lernen, dann war es irgendwie zwangsläufig, dass ich mir nun endlich mal die Wombats-Platte in Gänze gönne. Die Herren haben nämlich auch an Maccas Popkaderschmiede studiert, auch, wenn sie das der Credibility wegen gerne unterschlagen. Hmm… Netter Pubrock halt, ein paar geile Hooks, insgesamt ist mir das aber etwas zu schrömmelig. „Let’s Dance To Joy Division“ und „Here Comes The Anxiety“ sind zwei echte Geniestreiche.

Ben Kweller – Changing Horses (2009)

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So, da ist es nun also, das Country-Album von Indie-Darling Ben Kweller. Vor dem Hören fällt zunächst auf, um wie vieles schöner CDs sein können, verglichen mit iTunes- oder eMusic-Käufen: liebevoll gezeichnetes Cover, Old-School-Ausfalt-Poster-Booklet mit Liner Notes und Texten – super. Genau wie die Musik auf Changing Horses: auch, wenn dieser Tage die Dobro ganz wunderhübsch jault, bleibt das dennoch unverwechselbar Kweller; die Produktion ist derart warm, organisch und bestechend klar, dass es eine Freude ist.

Nein, hier macht kein Jungsongwriter mal eben einen auf Cowboy, weil das womöglich grade hip sein könnte – vielmehr werden hier kleine, bisweilen absurde Geschichten erzählt, tolle Melodien aufgetischt und geschmackssicher alle Klischeeklippen umschifft, die das Genre schlimmstenfalls hätte bieten können. Kurz ist das Vergnügen (zehn Songs in 36 Minuten), aber dafür passt hier jeder Song, ist jede Minute wertvoll, jeder Moment gelungen. Ben Kweller hätte keinen besseren Nachfolger für sein beachtliches 2006-Album aufnehmen können als diesen melodieseligen, kitschfreien Songzyklus mit Country-Schlagseite, der mit „Ballad Of Wendy Baker“, „Hurting You“ und „Fight“ auch einige besten Kweller-Songs überhaupt beinhaltet. …oh, the world will suck you dry, aw, but I loved you right…