„Ich steh‘ vor Dir mit leeren Händen, Herr“: Huub Oosterhuis.

Vor zwei Wochen sollte ich in der Leipziger Nikolaikirche das Kirchenlied „Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr“ von Huub Oosterhuis und Lothar Zenetti (deutsche Übertragung) vorstellen. Im Rahmen der Reihe „Musik und Besinnung“ hielt ich zu diesem mir enorm ans Herz gewachsenen Lied als katholischer Gast in der evangelischen Nikolaikirchgemeinde eine Art Laienpredigt. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, welche Kontroversen es derzeit in der katholischen Kirche um dieses Stück Musik und seinen Urheber gibt.

Das Lied (und weitere Texte von Oosterhuis) sollen im neuen „Gotteslob“, dem für 2013 geplanten neuen katholischen Gesangbuch, nicht mehr enthalten sein, weil der niederländische Dichter und Theologe in konservativen katholischen Kreisen in Ungnade gefallen ist: der ehemalige Priester und Jesuit ist seit über 30 Jahren verheiratet.

Ein „Gotteslob“ ohne „Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr“? Eine traurige Vorstellung. Und wenn es stimmt, dass bestimmte Instanzen der Amtskirche Oosterhuis aufgrund seines Privatlebens aus dem überarbeiteten Gesangbuch kicken wollen, dann empfinde ich das als Skandal und Bevormundung der singenden, betenden Gemeinden im ganzen Land.

Wen das Thema „Oosterhuis und das neue Gotteslob“ genauer interessiert, der findet bei musikundtheologie.de jede Menge Hintergründe und Links (und freilich auch einige recht polemische Kommentare, die meines Erachtens aber nur unterstreichen, wie emotional die ganze Geschichte im ‚Kirchenvolk‘ diskutiert wird – und welch Frust entsteht, wenn derartige Entscheidungen in nicht transparenten Gremien und unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen werden).

Vielleicht war es ja ganz gut, dass ich von der Debatte um Oosterhuis erst nach meiner kleinen Ansprache erfahren habe – so konnte ich mich voll und ganz dem Inhalt des Liedes widmen, ohne jeden Frust und ohne der Versuchung zu erliegen, im falschen Rahmen tagesaktuelle kirchenpolitische Dinge zu thematisieren. Im Folgenden dokumentiere ich nun meine am 7. März in der Nikolaikirche vorgetragenen Gedanken zu besagtem Lied.

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Musik-Jahrgang 2012? Das fängt ja gut an.

2012 ist schon jetzt ein gutes Jahr. Zumindest, was die Musik betrifft. Bergeweise neue Musik prasselt derzeit auf mich ein und vieles davon würde ausfühliche, wohlformulierte Lobreden verdienen. Aber sowas interessiert ja eh keinen, deshalb stattdessen ein profaner Sammel-Eintrag zu den akustischen Höhepunkten der letzten Wochen.

Da wären zunächst mal The Canoes, so eine Art Supergroup. Neben norwegischen Stars wie Hans Petter Aaserud oder Arne Hovda (einst bei den Getaway People am Keyboard) singt auch Spin Doctors-Frontmann Chris Barron mit. Die vier Herren haben sich in den letzten Jahren immer wieder zu Songwriting-Sessions in norwegischen Blockhütten getroffen und so ein wirklich entspanntes Popalbum geschrieben. „Booze And Canoes“ kommt äußerst eingängig daher und tendiert mal zum großen Soul-Pop, mal zum, nun ja, Schlager. Insgesamt ein unbeschwertes, gut gelauntes Stück Musik – angenehm leichtfüßig und unkompliziert.

Endlich, endlich veröffentlicht nun auch Sinéad O’Connor ihr lang angekündigtes neues Album. Nicht „Home“ heißt es (so der urspüngliche Titel), sondern „How About I Be Me (And You Be You)“. Meine Euphorie hielt sich zunächst in Grenzen, denn als Sinéad-Sammler und -Fan kannte man im Grunde bereits fast alle Songs der neuen CD von den Livekonzerten der letzten Jahre, von diversen Demos und Vorab-Versionen, die seit 2010 im Netz kursierten. Umso mehr hat mich dann doch das fertige Album umgehauen. Brilliant produziert, mit einer Sängerin, die so stimmgewaltig und furios daherkommt wie seit Jahren nicht mehr. So sehr mir die Konzeptalbum-Experimente der letzten Zeit (Roots-Reggae im Jahr 2005, „Theology“ zwei Jahre später) zugesagt haben – es ist fantastisch, mal wieder ein klassisches Popalbum von Sinéad zu hören. Das Gerede vom „Comeback“ halte ich für Unsinn, sie war ja nie weg. Ein return to form ist das neue Album aber auf alle Fälle.

Auch Ben Kweller hat sich ein paar Jahre Zeit gelassen für seine neue CD. Nun ist „Go Fly A Kite“ in den USA erschienen – und ich kann den Import des Albums nur wärmstens ans Herz legen. Es rumpelt und rockt wieder mehr als zuletzt, der Ausflug in Richtung Country ist vorbei, und Kweller liefert erneut einen charmanten Song nach dem nächsten. Wieder schafft er es, an jedem peinlichen Pathos geschmackssicher vorbeizunavigieren. Was bei anderen bemüht retro oder gar kitschig klingen würde, präsentiert Kweller mit sympahischer Nerdigkeit und Unaufgeregtheit. Wunderbare, große Platte.

Außerdem ganz famos:

„Natives“, das Soloalbum von Beirut-Trompeter Kelly Pratt unter dem Namen Bright Moments: von Beirut vertraute Klänge treffen auf Beats und Samples und bisweilen recht eindeutigen Pop. „Bringing In The Darlings“, eine neue, auf’s Wesentliche wie Gesang und Gitarre reduzierte EP von Josh Ritter. Perfume Genius‚ zum Heulen schönes zweites Album „Put Your Back N 2 It“, Leonard Cohens alterweise Meditationen auf „Old Ideas“ (wie grandios ist denn bitte alleine der Opener „Going Home“?). Und jetzt, wo der große Hype erstmal durch ist, sollte man es noch einmal ausdrücklich erwähnen, das bemerkenswert gute Kraftklub-Majordebüt „Mit K“.

So kann’s gerne weitergehen, dieses 2012.