Unterwegs im Heiligen Land (3): Im Land der Freiheit. Köstliches Land.

Im Land der Freiheit

„Bethlehem ist sicher, Sie können hier ohne Sorge überall hingehen.“ Samir, unser palästinensischer Tourguide, ein römisch-katholischer Christ, fügt mit einem Lächeln hinzu: „Hier sind Sie ja im Land der Freiheit“. Es ist bemerkenswert, wie die Menschen, denen ich in Palästina begegne, mit der politischen Großwetterlage umgehen.
Kurz vor dem jüdischen Pessach-Fest hat Israel die Ausreisebestimmungen aus den besetzten Gebieten noch einmal verschärft, offiziell aus Sicherheitsgründen – als „normaler“ Palästinenser kommt man nicht mehr rüber nach Jerusalem. Für viele Menschen in Israel gelten Palästinenser grundsätzlich als potentielle Terroristen und Unruhestifter. Was wir hier hingegen erleben, in Bethlehem, auf der anderen Seite der Mauer (die Israelis nennen sie „Security Fence“, die Palästinenser „Apartheid Wall“), ist eine quirlige mittelgroße Stadt mit viel touristischem Trubel an der Geburtskirche Christi, lauten Muezzin-Rufen aus den Lautsprechern der Moschee am Markt, spielenden Kindern und typisch orientalischen Krimskrams-Händlern. Der Obst- und Fleischmarkt lockt mit üppigen Früchten, allerhand Leckereien, exotischen Gerüchen und Genüssen.
Die Menschen dieser Stadt wirken freundlich auf uns, wenn wir mit ihnen über Politik sprechen, sind sie verblüffend sachlich, beherrscht und klar. Das habe ich so nicht erwartet – von Leuten, die in einem „besetzten Gebiet“ leben. Mir scheint, diese Leute wollen, dass die Welt ihnen zuhört, sie versteht. Auch wird mir schnell klar, dass wir auch hier nur die „gute Seite“ der Stadt kennenlernen – denn geht man dann doch mal auf eigene Faust ein paar Straßen weiter, sieht man, dass hier auch Armut herrscht. Wir werden vor professionell bettelnden Kindern gewarnt und treffen tatsächlich viele von ihnen. Wir sehen in Hinterhöfe und kleine Gassen, in denen ins Leere starrende alte Menschen sitzen. Wir sehen viel Müll und viele unfertige Häuser.
Irgendwann weiß ich nicht mehr, was ich denken soll. So sehr ich mitfühle mit den Menschen Palästinas, so sehr ich mir wünsche, dass Israel mit der Besetzung der Gebiete aufhört, so sehr sträubt sich alles in mir dagegen, „die Juden“ nur als die Bösen, Israel als Unrechtsstaat anzusehen. Ja, was denn nun? „Sie sind hier im Land der Freiheit“ – Samirs ironische Bemerkung klingt auch noch Stunden später in mir nach, und fühlt sich dann irgendwann an wie ein Hilferuf, ein Gebet. Und dann bleibt in mir nur noch der Wunsch zurück, dieses „Heilige Land“, auf beiden Seiten der Mauer, würde tatsächlich irgendwann zu einem „Land der Freiheit“ – für alle, die in ihm leben.

Köstliches Land

Kulinarisch ist das Heilige Land für mich der Himmel auf Erden. Ich esse die besten Falafel meines Lebens und kann nicht anders, als das, was daheim in Deutschland als Falafel verkauft wird, als geschmacksfreies Irgendwas abzuhaken. Wir werden allabendlich überhäuft mit wunderbaren Vorspeisen: Hummous, Sesamcremes, Salate, Avocados, Auberginen, Zuccini, Blumenkohl in allen nur erdenklichen Varianten, Oliven ohne Ende – es ist unmöglich, alles zu probieren, so voll sind die Tische bisweilen für uns gedeckt mit gutem Essen. Diese Aromen! Diese Farben! Diese Düfte! Dieser Geschmack!
Mir war ja vorher klar, dass ich mit orientalischer Küche wunderbar zurecht kommen würde. Aber dass sie mir derart gut gefällt, hat mich dann doch überrascht. Wir schwelgen in Gemüse-Irgendwas-Dingern mit Zimt, laben uns an Lamm mit Ben-Gurion-Reis, sind begeistert von koscherem Kuchen und Wein. Das beste Essen der gesamten Reise serviert man uns in Bethlehem, unweit der Hirtenfelder. Hier hat eine Beduinenfamilie ein Zelt-Restaurant eröffnet und tischt nur vom Feinsten auf, was diese Region zu bieten hat.
Israel und Palästina, so steht es in den Reiseführern, haben nicht wirklich eigenständige Küchen und nur sehr wenige „typische“, genuine Speisen. Dafür, so scheint mir, kommt hier nur das Beste aus dem Orient (arabische Bevölkerung) und aus aller Welt (jüdische Bevölkerung) zusammen und vermischt sich zu einer wirklich wunderbaren Patchwork-Cuisine. Lecker.

Unterwegs im Heiligen Land (2): Das fünfte Evangelium. Auf den zweiten Blick. Alle suchen Gott.

Das fünfte Evangelium

Ich hielt das zu Beginn unserer Fahrt für einen für meinen Geschmack etwas zu frommen Spruch: „Das Heilige Land ist das fünfte Evangelium.“ Immer und immer wieder hörte ich diesen Satz. Damit ist gemeint, dass das, was in den vier Evangelien des Neuen Testaments steht, erst hier, „vor Ort“ also, so richtig plastisch, anschaulich und lebendig wird.
Doch schon nach wenigen Tagen ist mir klar: das ist kein frommer Spruch, das stimmt. Sei es das Gehen auf der Via Dolorosa, auf der Jesus sein Kreuz zu seiner eigenen Hinrichtung schleppen musste, oder aber der Berg der Seligpreisungen im hohen Norden des Landes, auf dem Jesus seinen Zuhörern seine Sicht der Dinge in der berühmten „Bergpredigt“ darlegte; ob Ölberg, Gethsemane, Betesda – auf einmal wird das, was man Sonntag für Sonntag in der Kirche gehört hat, konkret. Ja, das hier ist das fünfte Testament.

Auf den zweiten Blick

Von Streitereien zwischen den unterschiedlichen Religionen bekommt man als pilgernder christlicher Tourist aus Mitteleuropa in Israel nicht besonders viel mit. Zu gesichert sind die Orte, zu denen man uns bringt, die Menschen, denen wir begegnen, sind – ganz gleich, woran sie glauben – freundlich, aufgeschlossen und interessiert an uns. Oder aber wenigstens an unserem Geld. Wie zum Beispiel die vielen Händler rund um die Heiligtümer der einzelnen Religionen.
So auch an der Verkündigungsbasilika in Nazareth – ein prächtiger, ziemlich junger christlicher Bau, hier soll der Erzengel Gabriel Maria erschienen sein. Christliche Touristen aus aller Herren Länder kommen hierher. Draußen, vor der Kirche, die Händler. Sie verticken Rosenkränze, Priestergewänder, Gewürze und Getränke, sie sind freundlich und geschäftig. Viele von ihnen sind muslimische Araber. Alles gut, denke ich – warum sollen sie nicht von den Touris profitieren? Man muss ja dort kein Geld loswerden, aber wer es mag… Ist ja auch eine Art von interreligiösem Dialog, witzele ich zu meinen Mitreisenden.
Doch dann kommen wir ans Ende der Einkaufsstraße, und schauen noch mal hoch zur Basilika. Da fällt uns ein großes Plakat auf, geschrieben in Arabisch und Englisch. Und es sagt den hoch zum christlichen Heiligtum pilgernden Menschen unmissverständlich: „Wer auch immer einer anderen Religion nachfolgt als dem Islam, der wird niemals von ihm (Gott) akzeptiert und wird im Jenseits einer der Verlierer sein.“ Die Zwietracht und scheinbare Unversöhnlichkeit der Religionen in dieser Ecke der Welt ist nicht auf den ersten Blick auszumachen. Auf den zweiten dafür aber bisweilen umso heftiger und deutlicher.

Alle suchen Gott

Wer in Jerusalem vom Jaffator zur West- oder Klagemauer spaziert, sieht sie alle: die orthodoxen Juden mit ihren Hüten und den Zöpfchen, verschleierte Muslime, Christen aller Konfessionen, in Trachten und Gewändern, die man noch nie gesehen hat. Patriarchen, Pilger, Priester, Ordensleute, Rabbiner, Imane – Menschen, die in dieser Stadt nicht weniger wollen, als ihrem Glauben nachzuspüren. Hier ist Gott keine Randerscheinung wie in meiner Heimat. Hier scheint sich alles über Religion zu definieren. Drei Weltreligionen, für die diese Stadt das Zentrum, die Hauptstadt, ein heiliger Ort ist. Das nicht für möglich Gehaltene tritt bei mir ein: in all diesem Trubel, zwischen Fremdem und Vertrautem, bekomme ich das Gefühl, irgendwas in mir habe „Klick“ gemacht, scheine ich meinem Gott näher zu sein als anderswo. Ich schaue in die Augen der Fremden, die mir begegnen und ahne, dass es vielen von ihnen ganz ähnlich geht. Wenn sie das mit ähnlicher Freude erfüllt wie mich, wenn diese Stadt in allen ihren Besuchern so etwas Gutes, Wohliges auslöst wie in mir – wie um alles in der Welt kann man sich dann so erbittert und gnadenlos um sie streiten und bekriegen?

Unterwegs im Heiligen Land (1): Am See Genezareth. Es geht ums Wasser. In fremden Heiligtümern.

Es sind die kleinen Begegnungen und Momente, die eine Reise zu etwas Besonderem machen. Mein zehntägiger Trip durch Israel und Palästina kurz vor Ostern war derartig voll von solchen Momenten, dass es mir schwer fällt, meine Gedanken zu sortieren. Aber bevor mich der Alltag wieder fest im Griff hat und mir dann Zeit und Muße fehlen, das niederzuschreiben, was mich im Heiligen Land fasziniert und bewegt hat, möchte ich hier über die Kar- und Ostertage ein paar ungeordnete Notizen und Fotos ablegen und konservieren.

Am See Genezareth

Kommt man an den See Genezareth, ist man erstmal sprachlos. Rund um den See wimmelt es von exotischen Pflanzen, putzigen Tieren und frischem Leben, das Gewässer selbst wirkt erhaben und mächtig. Kein Wunder, dass hier seit Tausenden von Jahren Menschen leben, wohnen und arbeiten. Wie eben auch Jesus, oder die Fischer, die er zu seinen Jüngern machte.
Der erste Eindruck vom See Genezareth: das ist das Paradies. Doch es dauert nur wenige Stunden, bis man auch die andere Seite dieser Landschaft kennenlernt. Aus einem lauen Lüftchen wird ein ausgewachsener Sturm, das Wasser wirkt nicht mehr erhaben, sondern rau und unberechenbar. Und plötzlich kapiert man die eine oder andere Stelle in der Bibel, plötzlich sieht man sie beinahe vor sich, die in Seenot geratenden Fischer, die dem See und seiner Naturgewalt ausgesetzt sind.

Es geht ums Wasser

Banyas waterfall

„Wasser. Es dreht sich fast alles ums Wasser.“ Von allen Versuchen, mir die verfahrene politische Situation zwischen Israel, seinen Nachbarländern und den Palästinensern erklären zu lassen, war der unseres israelischen Tourguides der pragmatischste. Israel sei angewiesen auf die spärlichen Wasserquellen im Norden wie den See Genezareth und die Golan-Höhen, um das ganze Land mit Wasser zu versorgen. Ein Kanal, der Trinkwasser aus dem See Genezareth bis in die Wüsten des Südens transportiert, wird von Polizei und Militär bewacht wie ein Hochsicherheitstrakt – zu groß ist die Angst vor Anschlägen und Sabotage. Wer den Dauer-Konflikt in der Region verstehen will, dürfe den Aspekt Wasserversorgung keinesfalls außer Acht lassen. Klingt soweit nachvollziehbar.
Kommt man dann aber nach Palästina, dann erfährt man auf dieser „anderen Seite“, dass Israel systematisch versucht, die natürlichen Wasservorräte der West Bank zu kontrollieren. Die Checkpoints der Israelis verlaufen so entlang von Seen und Teichen, dass die Palästinenser keinen oder nur erschwerten Zugang zu diesem Wasser haben. Als wäre Wasser nicht auch für Palästina essentiell, als hätte Israel ein alleiniges Anrecht auf diese lebensnotwendige Ressource.

In fremden Heiligtümern

Jerusalem, Westmauer (aka Klagemauer)

So müssen sich meine Freunde fühlen, wenn ich sie in einen katholischen Sonntagsgottesdienst in einer deutschen Kirche schleifen würde. Ich stehe an der Westmauer in Jerusalem (in Deutschland sagt man oft Klagemauer zu ihr) und beobachte die frommen Juden bei ihren Gebeten.
Ich habe keine Ahnung, was die da tun. Weiß nicht, wie die Rituale funktionieren oder was sie zu bedeuten haben. Ich sehe orthodoxe Juden und liberale, Menschen aus Israel und aller Herren Länder. Das hier ist ein heiliger Ort für Sie. Zielstrebig gehen sie zu den Bücherregalen in den Räumen, die als Synagoge genutzt werden, greifen sich ihre Schriften und… ja, klagen und beten dann an dieser weltberühmten Mauer.
Jeden meiner Schritte überlege ich mir ganz genau. Sie lassen mich ungehindert zu sich, an die Mauer, in die Synagoge. Sie lassen zu, dass ich ihnen zuschaue bei ihrem Gebet. Sie beachten mich gar nicht, aber dennoch fühle ich mich in diesem mir fremden Heiligtum willkommen. Wir Christen sprechen bei den Juden gerne von unseren „älteren Brüdern und Schwestern“ im Glauben. Das sagt sich so leicht. Hier bekomme ich erst mal mit, wie wenig ich über meine älteren Geschwister weiß. Aber ich spüre, wie wichtig ihnen ihr Glaube ist – Ehrfurcht gebietend wichtig.

Hoffnung trotz Armut und Elend

Misereor Hungertuch 2011

Wer dieser Tage in eine katholische Kirche tritt, wundert sich vielleicht: das Kreuz ist nicht zu sehen wie sonst – ein kunterbuntes Tuch verdeckt es. Das ist das sogenannte Hungertuch. In vielen Gemeinden ist es ein guter Brauch, so ein Tuch in der Fastenzeit aufzuhängen. In dieser Besinnungs- und Bußzeit bis Ostern sind die Gottesdienstbesucher eingeladen, durch dieses knallbunte, detailreiche Bild eine neue, frische Sicht auf ihren Glauben und die Welt zu gewinnen.

Dahinter steckt das katholische Hilfswerk Misereor, das Menschen aller Kulturen, Hautfarben und Religionen in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt. Die Hungertücher werden von Künstlern aus diesen Regionen der Welt gestaltet. Das diesjährige Tuch ist eine riesige Collage des togolesischen Künstlers Sokey A. Edorth.

Aus afrikanischer Erde, Wellpappe, Kohle und Acryl hat er es gefertigt. Das Bild zeigt vieles, was einem in den Sinn kommt, wenn man von Deutschland aus auf die Südhalbkugel der Welt schaut: Müll, Slums, Öltanks, Flüchtlinge, Hungernde, Armut. Ja, Edorth will die unmenschlichen Bedingungen verdeutlichen, unter denen die Menschen in den Entwicklungsländern leben. Aber – er will nicht nur das Elend zeigen, sondern auch die Hoffnung, die über allem steht. Über all dem „weltlichen“ Chaos, dem Leid und dem Elend sieht man auch einen hellen Lichtkegel: eine Taube, die den Geist Gott symbolisiert. Das Licht scheint auf Menschen, die anderen Menschen helfen, sie pflegen, sich um sie kümmern. Auf Mitmenschen, die versuchen, die Ungerechtigkeit und Armut auf der Welt zu lindern. Die nicht wegschauen, sich damit abfinden, dass das alles weit weg ist. Denen „die da unten“ nicht egal sind.

Mich beeindruckt das Misereor-Hungertuch in diesem Jahr sehr. Es verdeutlicht, wie dringend andere Menschen meine Hilfe brauchen. Dass es verantwortungslos wäre, sich nicht für sie zu interessieren, sie zu ignorieren. Das Misereor-Hungertuch stört und berührt – und es lädt den Betrachter dazu ein, etwas vom Licht Gottes in die dunklen Ecken der Welt zu bringen.

Hinweis: Diesen Text habe ich für das Ressort „Gesellschaft und Religion“ der Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er gestern in der Kolumnen-Reihe „Gedanken zum Wochenende“ erschienen ist. Das Bild des Hungertuchs stammt aus den Misereor-Pressematerialien zum Thema.

Wie geht’n Beten?

Die Idee war eine Reihe über’s Beten für unser wöchentliches Magazin bei RADIO PSR. Wie geht das, was sollte ich beachten, was, wenn nix „passiert“ oder mir die Worte fehlen oder oder oder. Quasi ein kleiner „Crashkurs“ für Menschen, die das Bedürfnis spüren, dieses „Reden mit Gott“ auszuprobieren, aber nicht genau wissen, wie sie das anpacken sollen.

Schnell war klar, dass ich dafür einen Experten brauchen würde, der einerseits Ahnung von der Materie hat, es aber andererseits auch versteht, dieses Wissen privatfunkgerecht (also kurz, knapp, prägnant, bündig und trotzdem gehaltvoll) zu vermitteln. Schnell war daher Pfarrer Gregor Giele aus der Leipziger Propsteigemeinde der Wunschpartner für diese Reihe. Anfang Januar saßen wir schließlich zusammen und haben uns übers Beten unterhalten. Mit dem Material, das ich mit zurück ins Büro nehmen konnte, war ich sehr zufrieden – Gregors Antworten waren pointiert, fundiert und damit genau richtig für mein kleines Projekt.

Gestern schließlich lief die letzte von insgesamt acht Folgen bei den „Themen, die Sachsen bewegen“. Ich freue mich, dass solche für’s kommerzielle Formatradio ja doch eher ungewöhnlichen Serien und Themenschwerpunkte in dieser Sendung und bei diesem Sender möglich sind und wünsche mir sehr, dass es den einen oder anderen Hörer angeregt hat, „das mit dem Beten“ auch mal selbst auszuprobieren.

Wer mag, kann sich hier die ersten vier Beiträge der Reihe am Stück anhören…

…und hier die letzten vier Folgen unseres „Radio-Grundkurses Beten“:

Fleißige Studenten halten „Erntedank“


Studierende beenden Grundkurs Theologie an der Katholischen Akademie des Bistums Magdeburg

Halle/Saale. Mit einem „Tag der Theologie“ ging in Halle am 15. Januar erneut ein Grundstudium „Theologie im Fernkurs“ zu Ende. 20 Kursteilnehmer, die sich seit Januar 2008 mit theologischen Fragen befassten, erhielten ihre Teilnahmebescheinigungen. Sieben von ihnen wurden zudem Zertifikate überreicht, da diese am Ende der Ausbildung eine freiwillige Prüfung absolvierten. Der Direktor der Katholischen Akademie Magdeburg, Hans-Joachim Marchio, ist stolz auf die Studierenden, die sich in ihrer Freizeit mit theologischen Grundfragen beschäftigen: „Mit Ausdauer und hoch motiviert haben die Kursteilnehmer aus den Bistümern Magdeburg, Dresden-Meißen und Erfurt die Mühen des dreijährigen Studiums auf sich genommen und dürfen nun ‚Erntedankfest‘ feiern.“

Nach wie vor sei das Interesse an den von der Akademie in enger Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg und der Fachakademie für Gemeindepastoral in Magdeburg angebotenen Kursen groß: „Von unseren aktuellen Grundkurs-Absolventen haben sich 22 entschieden, mit dem Aufbaukurs Theologie ihr Studium fortzusetzen. Sie schließen also noch einmal knapp drei Jahre Ausbildung an, um ihr Wissen weiter zu vertiefen. Außerdem begann bereits im August ein weiterer Grundkurs, bei dem 19 weitere Teilnehmer aus den drei Bistümern dabei sind.“ Aber auch andere Kooperationsprojekte der Katholischen Akademie wie zum Beispiel die „Hallenser Gespräche zu Psychotherapie, Religion und Naturwissenschaften“ würden sehr gut angenommen.

Während des Tages der Theologie wurde in der Kapelle des Krankenhauses „St. Elisabeth und St. Barbara“ in Halle auch Gott in einer Eucharistiefeier für die reiche geistige Ernte gedankt. In einem Festvortrag erörterte Akademiedirektor Hans-Joachim Marchio grundlegende religiöse Fragen unter der Überschrift „Gott – der Fund meines Lebens.“

Hintergrund: Diesen Artikel habe ich für die katholische Wochenzeitung „Tag des Herrn“ geschrieben, wo er in der Ausgabe vom 6. Februar 2011 erschienen ist. Ich bin selbst Teilnehmer des erwähnten Studiums „Theologie im Fernkurs“ im Bistum Magdeburg. Links zum Thema: Tag des HerrnTheologie im FernkursKatholische Akademie Magdeburg. Die Grafik oben zeigt den Leitspruch des theologischen Fernkurses und stammt von der Website von „Theologie im Fernkurs“.

siebenSACHEN vom 31. Januar 2011: Heldenstadt.de, 2zueins!, Spin Doctors Archive, Chris Barron, Ben Folds

– Seit Ende Oktober gehöre ich zum Autorenteam von heldenstadt.de – hier veröffentlichen wir jeden Werktag gegen halb neun eine Leipzig-Morgenschau mit den wichtigsten Links, den kuriosesten Fundstücken und allem möglichen und unmöglichen Zeugs aus und über Leipzig, über das wir bei unseren Internetstreifzügen so stolpern.

– Endlich hatte ich mal wieder Zeit für ein Update des Spin Doctors Archive – neben der Diskographie hab ich alle aktuellen News aus 2010 und 2011 nachgetragen, auch sind sämtliche (mir bekannte) online legal erhältliche Liveshows der Band und diverse Nebenprojekte verlinkt.

More Than Meets The Ear – The Spin Doctors Archive ist jetzt außerdem auch bei diesem Facebook, von dem immer alle reden.

Neues von 2zueins!, Teil 1: Heiko und ich basteln derzeit an zehn neuen Songs, die wir in diesem Jahr nach und nach aufnehmen. Daraus soll dann ein weiteres Album werden. Wann das fertig wird, können wir natürlich noch nicht sagen.

Neues von 2zueins!, Teil 2: zum ersten Mal hören könnt Ihr einige der frischen Stücke bei unserem nächsten Konzert. Am Freitag, dem 18. März 2011 bitten wir zum Halali im Platzhirsch in der Leipziger Südvorstadt. Außerdem darf das werte Publikum sich auch Lieder wünschen, sofern Bedarf besteht.

– Mitte Januar war ich in Rom, um dort Jono Manson und Chris Barron live zu erleben – das wirklich hörenswerte Set von Chris Barron und die gemeinsamen Zugaben habe ich mitgeschnitten, die Aufnahme (mp3s) kann hier als .zip-Datei runtergeladen werden.

– …und schließlich: Vorfreude! Anfang März spielt Ben Folds live in Berlin:

Mein 2010: Ein Fazit

2010. Die Goldene Hochzeit meiner Eltern erlebt. Zum ersten Mal Asien bereist. Zweimal Musik veröffentlicht. Durch Solo- und Band-Konzerte bleibende Erinnerungen erspielt. Jede Menge Musik gehört. Entdeckt. Verschenkt. Filme gesehen. Bücher gelesen. Mitglied bei Pro Asyl geworden. Alte Freundschaften wiederbelebt. Neue Menschen kennengelernt. Bergfest beim Theologie-Fernstudium gefeiert. Medienpreis gewonnen. Regensburg. Bonn. Bamberg. Frankfurt. Hamburg. Berlin. Mich mächtig geärgert über vieles. Mich mächtig gefreut über so viel mehr. Ein gutes, anstrengendes, erfülltes und hin und wieder konfuses Jahr war das, an dessen Ende ich dankbar zurückschaue.

Hier noch einmal meine diesjährigen Lieblings-Listen im Überblick:

Lieblingsalben 2010
Lieblingskonzerte 2010
Lieblingslieder 2010

Danke, werter Besucher, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2010 – ich freue mich auf 2011 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.

Ältere Jahresrückblicke:
2009
2008
2006
2005
2004

Fünf Jahre 2zueins! – Wir sind halt unterwegs…

Heiko und ich waren beide ziemlich erstaunt, als wir neulich feststellten, dass unser erstes gemeinsames Konzert tatsächlich schon fünf Jahre her ist! Am 3. Dezember 2005 spielten wir ein paar Songs auf einem Benefizkonzert zugunsten der vom Hurrican Katrina betroffenen Menschen in New Orleans, in der Reudnitzer Laurentiuskirche. Seitdem gab es jede Menge Konzerte, solo, im Duo, im Trio – und wir haben inzwischen zwei gemeinsame CDs veröffentlicht. Fünf tolle Jahre, die wir würdigen wollten. Und das haben wir getan – mit ein paar Schnappschüssen aus den letzten Jahren. Unsere Plattenaufnahmen 2007 und 2009 finden sich da, tolle Konzerte, Backstage-Einblicke, Videodrehs und wunderbare Momente mit all denen, die unserer Musik offenbar freiwillig und gerne lauschen. Dazu ein Song aus unserem ersten Album „Clockwork Utan„. Ich freu‘ mich auf alles, was da noch kommt und wünsche jetzt viel Spaß mit diesem kleinen Video: „Halt unterwegs“!

Die Einheits-Nacht mit zwölfeinhalb

Es war der Abend des 2. Oktobers 1990. Damals war ich zwölf Jahre alt. Genauer: zwölfeinhalb, solche Details sind ja in dem Alter enorm wichtig. In meiner Heimatstadt Werdau lag Silvesterstimmung in der Luft. Es waren Böller zu hören, in den Kneipen wurde gefeiert. Alle warteten darauf, dass es endlich Mitternacht wird.

Ich durfte natürlich bis Mitternacht wach bleiben, und ich sah im Fernsehen die Bilder aus Berlin: Menschen, die sich – vor Freude weinend – in den Armen lagen, ein gigantisches Feuerwerk am Brandenburger Tor, die Politiker, wie sie alle sichtlich bewegt die Hymne sangen – die Nacht der Deutschen Einheit! Auch meine Eltern vorm Fernseher waren gerührt.

Ein Jahr zuvor hatte mich mein Vater mitgenommen zu einem dieser Friedensgebete mit anschließender Demonstration. Ich war zu jung, um ganz genau zu verstehen, worum es da ging. Was ich aber mit meinen elfeinhalb Jahren schon kapierte: das hier war wichtig. Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie, freie Wahlen – das waren keine leeren Begriffe, sondern schienen für die Großen ganz wichtige Dinge zu sein, die sie endlich wollten: für sich, für ihre Nachbarn, für alle Menschen in der DDR.

Welch spannendes Jahr folgte dann: plötzlich hatten wir samstags keine Schule mehr – eine Riesensache für einen Sechstklässler! Plötzlich gab es aber auch auf einmal die Note 6, und in der Kaufhalle stand jetzt Coca Cola im Regal. Die Erwachsenen beschäftigen ganz andere Dinge: die ersten freien Wahlen kamen – genau wie erste Sorgen um den Arbeitsplatz, die ersten unabhängigen Zeitungen, alles schien sich zu verändern, alles war im Umbruch.

Dann kamen der 3. Oktober 1990 und die Einheit. Bis heute sind meine Eltern voller Dankbarkeit, wenn sie sich an all das erinnern. Auch ich bin dankbar für dieses große Glück, diese wunderbare Fügung – Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und freie Wahlen sind für mich, als inzwischen Zweiunddreißigeinhalbjährigen, Normalität und Alltag. Den Menschen, die damals auf die Straßen gegangen sind – und Gott – sei Dank.

Hinweis: Diesen Text habe ich für das Ressort „Religion und Gesellschaft“ der Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er heute in der Kolumnen-Reihe „Gedanken zum Wochenende“ erschienen ist.