Post aus Tansania

Heute hatte ich eine Postkarte aus Tansania im Briefkasten! Meine Freunde Benjamin und Maurice haben sie Mitte Dezember am Viktoriasee geschrieben und abgeschickt. Ein paar Tage zuvor waren sie auf dem Kilimanjaro, um dort für ihren Dokumentarfilm „The Teacher’s Country“ zu drehen, in dem es um das seit fünfzig Jahren unabhängige afrikanische Land und seine Menschen gehen soll. Um diesen Film Wirklichkeit werden zu lassen, gab’s letztes Jahr eine Crowdfunding-Aktion, bei der ich ein wenig mitgemischt habe. Und jetzt haben die beiden Filmemacher aus Leipzig wahrscheinlich wunde Finger, weil sie allen Unterstützern eine Postkarte von der Reise versprochen haben… So sieht meine aus:

Postkarte aus Tansania

Jungs, alles Gute für die letzten Drehtage in Tansania und Danke für die Karte – das mit dem Bier geht klar! Kommt gut wieder heim!

siebenSACHEN vom 30. Dezember 2011

Schämt Euch! Eine Litanei zum Jahresende (Florian Felix Weyh, Deutschlandradio Kultur):

Schämt Euch für den Satz „Ich habe ein Recht darauf, dass es mir gut geht“, weil er einschließt, dass es anderen schlechter geht. Schämt Euch, die Kirche als kostenloses Serviceunternehmen anzusehen, das Ihr nicht bezahlen müsst. Schämt Euch, das Ende von „Wetten, dass … ?“ für wichtiger zu halten als das Ende unserer Ölreserven.

Soziale Kluft: Maria und Josef im Ghetto des Geldes (Was passiert, wenn man die wohlhabendsten Deutschen mit den teuersten Häusern um Hilfe bittet? Henning Sußebach, Die Zeit):

Wir waren nicht so naiv, zu glauben, dass uns irgendein Vorstandsvorsitzender sein Kingsize-Bett aufschüttelte. Wir wären ein scheinheiliges Paar, wenn wir uns ein einfaches Urteil anmaßen würden über die Tatsache, wieder und wieder abgewiesen worden zu sein. Aber über den Ton, in dem das meistens geschah? Und über dieses verbissene Schweigen?

Journalisten und Greenpeace & Co: Auf der Seite der Guten (Miriam Bunjes über das Verhältnis von Presse und NGOs, evangelisch.de):

„Wir wollen keinen unkritischen Journalismus“, sagt Volker Gassner von Greenpeace. „Ich bin immer unzufrieden, wenn einfach von uns abgeschrieben wird.“ Ein nachrecherchierter Beitrag über ein Greenpeace-Thema sei ein „Glaubwürdigkeits-Filter“ für die NGO, sagt Gassner. „Die Bevölkerung weiß dann, dass sie sich auf unsere Angaben verlassen kann.“

My Summer at an Indian Call Center (Andrew Marantz, motherjones.com):

„I remember quite well this guy who just called me up and said out of nowhere, ‚You fucking Paki,'“ Arnab told me during a break. „We don’t take those things personally; it’s part of the job. So I just said, very calmly, ‚Yes sir, if I am a Paki, then this Paki would be helping you fix your computer.‘ By the end of the call, he apologized and gave me a five-star feedback rating.“

The year in media errors and corrections (Craig Silverman, poynter.org)

Alben des Jahres 2011 (Lukas Heinser, coffeeandtv.de)

Wenn Schwäche zur Stärke wird. Gedanken zur Losung 2012 (Bischof Jochen Bohl, sonntag-sachsen.de):

Gar nicht selten kann man beobachten, wie Menschen, die sich stark wähnen, geradezu verzweifelt darum kämpfen, das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Darüber leugnen sie das menschliche Maß und meinen, sie kämen auch ohne Gott zurecht. […] Wer dagegen gelernt hat, die eigene Schwäche zu akzeptieren, weiß um seine Grenzen und hat verstanden, dass wir auf andere angewiesen sind.

In eigener Sache:
Kurz vor Jahresende hab ich mich entschlossen, meiner „siebenSACHEN“-Rubrik neues Leben einzuhauchen. Wenn ich lesens- und teilenswerte Artikel, Texte, Dinge usw. im Internet gefunden habe, veröffentliche ich die Links hier im Blog. Unregelmäßig, wenn’s halt grade passt. Rein tagesaktuelles Zeugs lasse ich hier weg – wer alle Sachen mitlesen will, auf die ich so Tag für Tag im Netz stoße, darf mir gerne bei Twitter und/oder Google+ folgen.

Sterben, Tod und Trauer – im Radio?

Den letzten Sonntag im Kirchenjahr begehen evangelische Christen traditionell als Toten- oder auch Ewigkeitssonntag. In unserem wöchentlichen Kirchenmagazin bei RADIO PSR haben meine Kollegin Friederike Ursprung und ich an diesem Tag mal etwas gewagt. Wir haben ein Thema ins Programm genommen, das sonst auf „Gute-Laune-Wellen“ kaum auftaucht: das Ende des Lebens. Ganz praktisch hat uns eine junge Bestatterin Auskunft darüber gegeben, was zu tun ist, wenn Angehörige sterben. Aber wir haben auch eine evangelische Pfarrerin zu den Bereichen Trauer, Abschiednehmen und Hoffnung auf ewiges Leben befragt.

Ob das Experiment „Tod und Sterben im Formatradio“ gelungen ist? Das vermag ich nicht zu beurteilen, aber ich bin jedenfalls recht froh darüber, dass wir es überhaupt probiert haben. Hier eine 17-Minuten-Kompaktzusammenfassung der dreistündigen Sendung vom 20. November 2011.

RADIO PSR – Themen, die Sachsen bewegen Spezial zum Ewigkeitssonntag:
Sterben, Tod und Trauer (2011-11-20, 18-21 Uhr)

siebenSACHEN vom 13. Oktober 2011: PolitX, Bronze für 2zueins!, The Teacher’s Country, 90elf, Kindle, Lwiw u.a.

– Politik ist für Teenager ja so ziemlich das Langweiligste überhaupt. Das neue Projekt „PolitX – misch mit!“ in Magdeburg will etwa 60 Kids jetzt vom Gegenteil überzeugen. Gemeinsam mit echten Politikern in echten Parteien erleben sie, wie Politik konkret funktioniert – am Beispiel der Neuauflage des Glücksspiel-Staatsvertrages. Die Jugendlichen diskutieren mit Landtagsabgeordneten, sind bei Sitzungen dabei und erfahren (hoffentlich), wie politische Meinungs- und Willensbildung ganz praktisch läuft. Das ganze ist eine Aktion des Bistums Magdeburg und des Katholischen Büros und ich durfte die Auftaktveranstaltung im Roncalli-Haus moderieren. War sehr spannend, und die Magdeburger Volksstimme berichtete.

– Meiner Band 2zueins! geht’s derzeit blendend – wir sind nach wie vor im Studio, um in aller Ruhe an den zehn neuen Songs unserer dritten CD zu arbeiten. Heute Abend haben wir zum Beispiel die Drums für den Song „Schlechter Empfang“ gebastelt. Das dauert schon noch eine Weile, bis das Album fertig ist. Aber wir sind guter Dinge und verwenden jede freie Minute dafür!

– Sehr gefreut haben wir uns über den inzwischen dritten Filmpreis, den unser Video zum Song „Vulkan“ abgesahnt hat. Beim Internationalen FISAIC-Amateurfilmfestival in Belgien haben wir im Sommer eine Bronzemedaille abgestaubt. Das freut uns natürlich enorm. Und falls einer meiner Leser das Video noch nicht kennt: siehe oben!

– Da bleib ich doch gleich mal beim Thema Film, schwenke aber mal ins Profi-Fach. Mein Freund Benjamin Leers bereitet sich gerade darauf vor, im Dezember den Kilimanjaro zu besteigen. Aber nicht einfach aus Spaß an der Freude, sondern, weil daraus ein Film über Tansania werden soll. Gemeinsam mit dem Sohn des ersten Präsidenten des unabhängigen Tansanias will Benjamin den Berg besteigen. The Teacher’s Country soll der Dokumentarfilm darüber heißen, Benjamin und sein Kollege Maurice bitten um Spenden für dieses tolle Projekt. Da ich den Film unbedingt sehen will, unterstütze ich Benjamin und Maurice nach Kräften – neulich spielten wir mit 2zueins! bei einer Fundraisingshow für The Teacher’s Country, und auf heldenstadt.de habe ich auch das eine oder andere Mal darüber berichtet.

– Seit 2008 arbeite ich auch als Texter für 90elf, Deutschlands erstes Fußballradio. Der Sender hat Anfang September den Deutschen Radiopreis gewonnen und wurde somit offiziell als beste Radio-Innovation des Jahres geehrt.

– Auch ein paar neue lustige Gadgets hab ich mir in letzter Zeit zugelegt. Den Kindle (der inzwischen Kindle Keyboard heißt) möchte ich auf keinen Fall mehr missen; das Android 3.2 Tablet rangiert eher in der Kategorie nice-to-have: es macht zweifellos Spaß, ist wirklich praktisch – seltsamerweise ist mir der technisch deutlich weniger versierte Kindle aber trotzdem etwas sympathischer.

– Meine Reisen im Winter und Frühjahr (Italien, Israel und Palästina und England) klingen nach wie vor in mir nach und haben mich sehr beeindruckt. In ein paar Tagen kommen neue Reise-Eindrücke hinzu – es geht für mich in die Ukraine. Auf einer Journalistenreise treffe ich christliche Laien und Würdenträger in der Region Lwiw (Lemberg). Berichte und Bilder folgen – so Gott will – in Bälde.

Wie geht’n Beten?

Die Idee war eine Reihe über’s Beten für unser wöchentliches Magazin bei RADIO PSR. Wie geht das, was sollte ich beachten, was, wenn nix „passiert“ oder mir die Worte fehlen oder oder oder. Quasi ein kleiner „Crashkurs“ für Menschen, die das Bedürfnis spüren, dieses „Reden mit Gott“ auszuprobieren, aber nicht genau wissen, wie sie das anpacken sollen.

Schnell war klar, dass ich dafür einen Experten brauchen würde, der einerseits Ahnung von der Materie hat, es aber andererseits auch versteht, dieses Wissen privatfunkgerecht (also kurz, knapp, prägnant, bündig und trotzdem gehaltvoll) zu vermitteln. Schnell war daher Pfarrer Gregor Giele aus der Leipziger Propsteigemeinde der Wunschpartner für diese Reihe. Anfang Januar saßen wir schließlich zusammen und haben uns übers Beten unterhalten. Mit dem Material, das ich mit zurück ins Büro nehmen konnte, war ich sehr zufrieden – Gregors Antworten waren pointiert, fundiert und damit genau richtig für mein kleines Projekt.

Gestern schließlich lief die letzte von insgesamt acht Folgen bei den „Themen, die Sachsen bewegen“. Ich freue mich, dass solche für’s kommerzielle Formatradio ja doch eher ungewöhnlichen Serien und Themenschwerpunkte in dieser Sendung und bei diesem Sender möglich sind und wünsche mir sehr, dass es den einen oder anderen Hörer angeregt hat, „das mit dem Beten“ auch mal selbst auszuprobieren.

Wer mag, kann sich hier die ersten vier Beiträge der Reihe am Stück anhören…

…und hier die letzten vier Folgen unseres „Radio-Grundkurses Beten“:

Fleißige Studenten halten „Erntedank“


Studierende beenden Grundkurs Theologie an der Katholischen Akademie des Bistums Magdeburg

Halle/Saale. Mit einem „Tag der Theologie“ ging in Halle am 15. Januar erneut ein Grundstudium „Theologie im Fernkurs“ zu Ende. 20 Kursteilnehmer, die sich seit Januar 2008 mit theologischen Fragen befassten, erhielten ihre Teilnahmebescheinigungen. Sieben von ihnen wurden zudem Zertifikate überreicht, da diese am Ende der Ausbildung eine freiwillige Prüfung absolvierten. Der Direktor der Katholischen Akademie Magdeburg, Hans-Joachim Marchio, ist stolz auf die Studierenden, die sich in ihrer Freizeit mit theologischen Grundfragen beschäftigen: „Mit Ausdauer und hoch motiviert haben die Kursteilnehmer aus den Bistümern Magdeburg, Dresden-Meißen und Erfurt die Mühen des dreijährigen Studiums auf sich genommen und dürfen nun ‚Erntedankfest‘ feiern.“

Nach wie vor sei das Interesse an den von der Akademie in enger Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg und der Fachakademie für Gemeindepastoral in Magdeburg angebotenen Kursen groß: „Von unseren aktuellen Grundkurs-Absolventen haben sich 22 entschieden, mit dem Aufbaukurs Theologie ihr Studium fortzusetzen. Sie schließen also noch einmal knapp drei Jahre Ausbildung an, um ihr Wissen weiter zu vertiefen. Außerdem begann bereits im August ein weiterer Grundkurs, bei dem 19 weitere Teilnehmer aus den drei Bistümern dabei sind.“ Aber auch andere Kooperationsprojekte der Katholischen Akademie wie zum Beispiel die „Hallenser Gespräche zu Psychotherapie, Religion und Naturwissenschaften“ würden sehr gut angenommen.

Während des Tages der Theologie wurde in der Kapelle des Krankenhauses „St. Elisabeth und St. Barbara“ in Halle auch Gott in einer Eucharistiefeier für die reiche geistige Ernte gedankt. In einem Festvortrag erörterte Akademiedirektor Hans-Joachim Marchio grundlegende religiöse Fragen unter der Überschrift „Gott – der Fund meines Lebens.“

Hintergrund: Diesen Artikel habe ich für die katholische Wochenzeitung „Tag des Herrn“ geschrieben, wo er in der Ausgabe vom 6. Februar 2011 erschienen ist. Ich bin selbst Teilnehmer des erwähnten Studiums „Theologie im Fernkurs“ im Bistum Magdeburg. Links zum Thema: Tag des HerrnTheologie im FernkursKatholische Akademie Magdeburg. Die Grafik oben zeigt den Leitspruch des theologischen Fernkurses und stammt von der Website von „Theologie im Fernkurs“.

Die Einheits-Nacht mit zwölfeinhalb

Es war der Abend des 2. Oktobers 1990. Damals war ich zwölf Jahre alt. Genauer: zwölfeinhalb, solche Details sind ja in dem Alter enorm wichtig. In meiner Heimatstadt Werdau lag Silvesterstimmung in der Luft. Es waren Böller zu hören, in den Kneipen wurde gefeiert. Alle warteten darauf, dass es endlich Mitternacht wird.

Ich durfte natürlich bis Mitternacht wach bleiben, und ich sah im Fernsehen die Bilder aus Berlin: Menschen, die sich – vor Freude weinend – in den Armen lagen, ein gigantisches Feuerwerk am Brandenburger Tor, die Politiker, wie sie alle sichtlich bewegt die Hymne sangen – die Nacht der Deutschen Einheit! Auch meine Eltern vorm Fernseher waren gerührt.

Ein Jahr zuvor hatte mich mein Vater mitgenommen zu einem dieser Friedensgebete mit anschließender Demonstration. Ich war zu jung, um ganz genau zu verstehen, worum es da ging. Was ich aber mit meinen elfeinhalb Jahren schon kapierte: das hier war wichtig. Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie, freie Wahlen – das waren keine leeren Begriffe, sondern schienen für die Großen ganz wichtige Dinge zu sein, die sie endlich wollten: für sich, für ihre Nachbarn, für alle Menschen in der DDR.

Welch spannendes Jahr folgte dann: plötzlich hatten wir samstags keine Schule mehr – eine Riesensache für einen Sechstklässler! Plötzlich gab es aber auch auf einmal die Note 6, und in der Kaufhalle stand jetzt Coca Cola im Regal. Die Erwachsenen beschäftigen ganz andere Dinge: die ersten freien Wahlen kamen – genau wie erste Sorgen um den Arbeitsplatz, die ersten unabhängigen Zeitungen, alles schien sich zu verändern, alles war im Umbruch.

Dann kamen der 3. Oktober 1990 und die Einheit. Bis heute sind meine Eltern voller Dankbarkeit, wenn sie sich an all das erinnern. Auch ich bin dankbar für dieses große Glück, diese wunderbare Fügung – Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und freie Wahlen sind für mich, als inzwischen Zweiunddreißigeinhalbjährigen, Normalität und Alltag. Den Menschen, die damals auf die Straßen gegangen sind – und Gott – sei Dank.

Hinweis: Diesen Text habe ich für das Ressort „Religion und Gesellschaft“ der Leipziger Volkszeitung geschrieben, in der er heute in der Kolumnen-Reihe „Gedanken zum Wochenende“ erschienen ist.

Zum Ende des „Rheinischen Merkurs“

Als vor knapp neun Jahren von heute auf morgen „Die Woche“ eingestellt wurde – ich war begeisterter Abonnent dieser Wochenzeitung und mochte die unkonventionelle Art des Blattes – und mir statt „meiner“ Zeitung plötzlich der „Rheinische Merkur“ aus dem Briefkasten entgegenlachte, war ich entsetzt. Das sollte das Alternativaangebot für Ex-Woche-Leser sein? Der RM?? Offenbar hatte das Blatt aus Bonn die Adressdatei der „Woche“-Abonnenten erstanden und wollte jetzt so viele Leute wie möglich zum „Rheinischen Merkur“ konvertieren. Ich kannte den Merkur gut, nach der Wiedervereinigung verschenkte der Verlag (mithilfe spendenfreudiger Alt-Abonnenten aus dem Westen) massenweise Abos an ostdeutsche Familien und Kirchgemeinden. Und so kam ich schon als Teenager regelmäßig in den Genuss der Wochenzeitung – was sicherlich auch wesentlich zu meinem Entschluss beitrug, später doch lieber „Die Woche“ zu lesen , weil sie halt so anders war als der RM.

„Die Woche“ ist lange Geschichte, inzwischen bin ich seit Jahren Leser der „Zeit“ und habe mich nicht nur an sie gewöhnt, sondern mag sie sehr. Der „Rheinische Merkur“ spielte für mich kaum noch eine Rolle, es gab ihn halt, gelegentlich flatterte mal eine Testausgabe in unsere Redaktion. Vielleicht war ja genau das das große Problem der Wochenzeitung: sie hatte ohne Frage publizistisches Gewicht in Deutschland, als katholische, wertkonservative Stimme. Sie hatte bestimmt auch treue Leser. Nur eben kaum Käufer: in all den Jahren, die ich den RM bewußt mitbekommen und gelegentlich auch gelesen hatte, musste ich ihn mir nicht ein einziges Mal bezahlen, sondern bekam ihn stets hinterhergeworfen.

Jetzt haben die Gesellschafter, darunter maßgeblich die deutschen katholischen Bischöfe, dem RM in seiner bisherigen Form ein Ende gemacht – das Blatt verliert seine Eigenständigkeit, die Bestandsabonnenten bekommen künftig „Die Zeit“ mit einer sechsseitigen Beilage „Rheinischer Merkur – Christ und Welt“. Auch, wenn ich nie ein Fan oder regelmäßiger Leser war: ich finde es bedauerlich, dass der Merkur bald Geschichte ist. Angeblich war die Zeitung einigen Bischöfen zu liberal und ihnen deshalb ein Dorn im Auge. Offiziell begründet man die Einstellung bzw. die Umstrukturierung jedoch mit der fehlenden wirtschaftlichen Perspektive – so hat das Blatt wohl tiefrote Zahlen geschrieben und wurde von der Bischofskonferenz mit mehreren Millionen Euro pro Jahr bezuschusst.

Kam einigen Bischöfen die prekäre finanzelle Lage des Merkurs womöglich gelegen – um dem offenbar als zu „aufmüpfig“ empfundenen Treiben ein Ende zu machen? Wenn das tatsächlich stimmt – ich kann mich nur auf das berufen, was ich bei anderen zum Thema gelesen habe – dann wäre das Ende der Zeitung doppelt traurig.

Zum einen, weil ich es für wichtig halte, dass eine starke, klare und vor allen Dingen seriöse Stimme des konservativen katholischen Deutschlands existiert, auch wenn diese nicht meine eigene Meinung wiedergibt. Das würde die Kirche auch davor bewahren, dass zweifelhafte Fundamentalisten oder Hardliner zu „Lautsprechern“ in der Öffentlichkeit werden. Zum anderen, weil es mich in der Sorge bestärkt, dass meine Kirche in Sachen Öffentlichkeitsarbeit derzeit eher mauert, dichtmacht, schließt und ausschließt, statt Diskurs zu ermöglichen, Diskussionen mitzugestalten und Dialoge zu fördern.

Den Kollegen vom „Rheinischen Merkur“, die jetzt ohne Job dastehen, wünsche ich alles Gute und viel Erfolg beim Finden eines neuen Arbeitgebers. Denen, die die neue „Zeit“-Beilage gestalten, wünsche ich ebenfalls gutes Gelingen für diese sicherlich spannende Aufgabe. Unseren Bischöfen und meiner Kirche hier im Lande wünsche ich mehr Mut zur Debatte und zum Tragen (und manchmal auch Er-Tragen) von Mitchristen, die auch mal anderer Meinung sind.

Schuld und Sünde, Paradies und Privatradio

Auf den Tag genau zwölf Jahre ist es her, dass ich meinen Job als Redakteur für kirchliche Themen bei RADIO PSR in Leipzig angetreten habe – damals feierte der Sender seinen sechsten, heute logischerweise seinen 18. Geburtstag. Vieles hat sich über die Jahre verändert, weiterentwickelt, bewegt. Inzwischen arbeite ich für mehrere Programme, längst sind zu den kirchlichen Sendungen und Beiträgen jede Menge weitere Projekte hinzugekommen; „weltliche“ Aufgaben wie Texten, Konzipieren, Organisieren von Sendern, Sendungen und Formaten. Radio halt.

Aber kaum eines meiner Projekte hat es mir so angetan wie jene kleine Nischensendung, die ich gemeinsam mit meiner Kollegin Friederike Ursprung seit nunmehr fast acht Jahren jeden Sonntagabend machen darf: die „Themen, die Sachsen bewegen“. Wenn andere Tatort gucken, lassen wir mit und für die Pendler, Arbeiter, Nachtschwärmer oder Fernsehmuffel im Freistaat die Woche Revue passieren, blicken auf die wichtigsten Ereignisse aus Gesellschaft, Politik und – natürlich – Religion. Eine Spielwiese; mit Beiträgen um die drei Minuten und länger ein eher ungewöhnliches Format bei einem privaten Radiosender. Hin und wieder trauen wir uns aber auch ran an die ganz essentiellen Themen, die die Sachsen bewegen: Tod, Sterben, Schuld, Vergebung, Sünde, Erlösung – theologische Hammerbegriffe, die wir versuchen, greifbar, nahbar zu machen.

Das gelingt nicht immer, manchmal aber offenbar schon. Umso mehr freue ich mich, dass unsere kleine Sonntagabendinsel unlängst mit einem Preis versehen wurde: für zwei Schwerpunktsendungen, einmal zu „Schuld und Sünde“, einmal zum „Paradies“, haben wir den Hörfunkpreis Mitteldeutschland erhalten. Das ehrt uns sehr, und spornt natürlich an, weiterzumachen, besser zu werden, vielleicht noch mehr zu wagen. Denn auch nach zwölf Jahren bin ich überzeugt: Formatradio ist kein Schimpfwort, sondern kann für moderne, erwachsene, informative Unterhaltung stehen – und starke Botschaften transportieren.

Wer mal reinhören möchte in die „Themen, die Sachsen bewegen“: die Show läuft immer sonntags ab 20.00 Uhr beim sächsischen Sender RADIO PSR. Die von den Medienanstalten Mitteldeutschlands gewürdigte Ausgabe zu „Schuld und Sünde in unserer Zeit“ könnt Ihr Euch hier anhören:

Fernkurs Theologie: Basis für „lebenslanges Lernen“


Jahrgang 2008 beendet Aufbaustudium „Theologie im Fernkurs“ an Katholischer Akademie Magdeburg

Halle/Saale. Mit einem „Tag der Theologie“ in Halle ging für 19 Absolventen am 27. März 2010 ein Aufbaukurs Theologie an der Katholischen Akademie des Bistums Magdeburg zu Ende. Die Studierenden aus den Bistümern Magdeburg und Dresden-Meißen erhielten von Kursleiter Dr. Michael Paetz Teilnahmebescheinigungen für ihr zweijähriges Fernstudium – die Zeugnisse über Abschlussarbeiten und Prüfungen erhalten die Studenten in den kommenden Wochen von der Domschule Würzburg. Akademiedirektor Hans-Joachim Marchio würdigte die Leistungen der Kursteilnehmer, die sich freiwillig und parallel zu Familie und Beruf für den insgesamt fünfjährigen Ausbildungsgang entschieden haben: „Der Kurs bietet philosophische und theologische Reflexion, die einmünden soll in einen Mentalitäts- und Bewusstseinswandel: den Kirchenraum zu verlassen und öffentlich Zeugnis zu geben.“

Besonders erfreut zeigte sich Marchio über das ungebrochene Interesse an den Theologie-Ausbildungen, die von der Magdeburger Akademie in Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg angeboten werden. „Oftmals denke ich, wie schön wäre es, wenn das Durchschnittsalter unserer sonntäglichen Gottesdienstbesucher auch so gut wäre wie hier in den Kursen – Menschen aller Generationen!“ Derzeit befinden sich noch rund 30 Studierende im dreijährigen Grundkurs, der im Dezember mit mündlichen Prüfungen endet und im Januar 2011 in einen weiteren Aufbaukurs mündet. Der Start des inzwischen vierten Grundkurses ist für den 28. August 2010 anberaumt, wieder sollen Interessierte aus den Bistümern Magdeburg und Dresden-Meissen an den Konsultationsorten Halle, Magdeburg und Zwochau theologische Grundlagen vermittelt bekommen.

Für die Absolventen, die jetzt in Halle ihren Aufbaukurs beendet haben, müsse damit nicht zwangsläufig die Beschäftigung mit der Theologie enden, betonte Marchio: „Vom letzten Kurs sagte mir jemand, er habe fünf Jahre studiert – und was nun? Es müsse doch weitergehen! Dem kann ich entgegnen: es geht weiter, es ist ein lebenslanges Lernen – nicht zuletzt mit den zahlreichen Angeboten der katholischen Akademien.“ So wurde auch beim „Tag der Theologie“ in Halle nicht nur gefeiert, sondern Wissen vermittelt: in einem Festvortrag sprach Dr. Stefan G. Reichelt vom Institut für Kirchengeschichte der Universität Leipzig über die Märtyer des 20. Jahrhunderts und den Umgang der christlichen Konfessionen mit diesen modernen Glaubenszeugen.

Hintergrund: Diesen Artikel habe ich für die katholische Wochenzeitung „Tag des Herrn“ geschrieben, wo er in der Printausgabe vom 11. April 2010 erschienen ist. Ich bin selbst Teilnehmer eines solchen Fernkurses im Bistum Magdeburg. Links zum Thema: Tag des HerrnFernkurs TheologieKatholische Akademie Magdeburg.