Am 12. April spielte Niels Frevert vor über 700 Leuten ein Konzert in seiner Heimatstadt. War wohl großartig, erzählt man sich. Hier zwei Videos von einem Abend, an dem ich auch glatt dabei gewesen wäre, wäre ich nicht woanders gewesen.
siebenSONGS Wetlands Special
Eine Spezialausgabe der siebenSONGS anläßlich der Veröffentlichung der Musik-Doku „Wetlands Preserved“. Sieben Acts, deren Karrieren untrennbar mit dem 2001 geschlossenen New Yorker Underground-Club und Aktivisten-Zentrum Wetlands Preserve verbunden sind. Diese Zusammenstellung ist absolut nicht vollständig oder repräsentativ, zeigt aber, welche künstlerische Bandbreite das Wetlands zu bieten hatte: die mitunter reichlich wüsten Jams von moe. etwa (Don’t Fuck With Flo), die Hausbands der frühen Wetlands-Jahre, Spin Doctors und Blues Traveler, der damals noch völlig unbekannte Waliser David Gray zu Gast in New York City, die frisch gegründeten Guster bei einer ihrer ersten größeren Shows, die gnadenlos vor sich hin funkenden Deep Banana Blackout und die wunderbar verpeilten Disco Biscuits – alles Aufnahmen aus dem Wetlands Preserve, dem mit der neuen DVD zu Recht ein Denkmal gesetzt wurde.
David Gray – Debauchery (18. Dezember 1993)
Deep Banana Blackout – Groove Is Here (21. Februar 1998 )
Spin Doctors feat. John Bush – Sweet Widow (2. Februar 1991)
Guster – Parachute (21. Juli 1995)
The Disco Biscuits – Spectacle (16. April 2001)
moe. – Don’t Fuck With Flo (23. September 1995)
Blues Traveler feat. Joan Osborne – Warmer Days (13. Oktober 1989)
siebenSACHEN vom 21. April 2008. Mit My Morning Jacket, Blues Traveler, Chris Bathgate u.a.
– Zuerst ’ne Liste: die 30 traurigsten Lieder der Popgeschichte, von Tom Waits bis Kermit, der Frosch. Mit Videos! (via)
– Captain Obvious stellt den Songwriter Chris Bathgate vor – in Bild, Wort und Ton.
– Zwei Minuten zweiundvierzig, und bloß kein Saxophonsolo: Morning News-Autor Joshua Allen definiert den perfekten Popsong.
– Musik von My Morning Jacket: ATO verschenkt den Song „Evil Urges“ (mp3) (Achtung, lädt seeehr langsam)
– Popper und DJ Logic, Red Rocks und die Sommertour mit Collective Soul, das Benefiz-Konzert mit den Spin Doctors und der klasse Auftritt im NPR-Frühstücksradio: alle, aber auch wirklich alle aktuellen Neuigkeiten in Sachen Blues Traveler stehen – ganz kompakt – hier.
– Scientists ask: Can you sing death metal without ruining your voice? Ernstgemeinte Frage, mit aufschlußreichem Video.
– How nice of your super-weird violinist to join us: Jack Johnson moderiert „The Mellow Show“ mit den Top-Gästen John Mayer und Dave Matthews; ein herrlich alberner SNL-Sketch:
Colin Meloy – Sings Live (2008)

Viel kann ich nicht schreiben über die Decemberists, um dessen Sänger es ja hier letztlich geht. Die Band kenne ich durch meinen Bandkollegen Heiko, der sie mal im Vorprogramm zu Calexico gesehen hat und ganz angetan war. Daraufhin habe ich mir die Alben der Band mal angehört und fand gut, was mir da zu Ohren kam, aber echte Begeisterung geht anders.
Jetzt habe ich – eher aus Dummdideldei – mir das Soloalbum des Decemberists-Sängers Colin Meloy besorgt. Und bin nach Strich und Faden begeistert. Geil: dieser Witz in den Ansagen, diese Leidenschaft in den Songs, diese äußerst kurzweilige Ein-Mann-eine-Akustikgitarre-Rockshow – da verzeiht man ihm glatt, dass seine Stimme mitunter, für Sekundenbruchteile bei mir unangenehme Placebo-Assoziationen hervorruft (ich hasse Placebo übrigens leidenschaftlich, seitdem ich sie 1997 mal live gesehen habe und das bis heute das mieseste, abscheulichste, langweiligste, widerwärtigste „Rockkonzert“ meines Lebens war und weigere mich, mir einzugestehen, dass selbst diese Mistband seither gewachsen ist und sogar ein paar passable Songs abgeliefert hat; aber um all das gehts hier ja grade gar nicht, sorry).
„Colin Meloy sings live“ ist beste Unterhaltung: der Decemberists-Frontmann gibt uns den Dave Matthews des Indierock, und ich liebe es.
Colin Meloy – We Both Go Down Together (live)
siebenSONGS (10)
Der Fastschonglamrock der Swedes aus Brooklyn trifft auf schöne Flageolett-Töne von The Boy Bathing, die San Francisco-Indie-Lieblinge von The Downfalls steuern einen Song bei, von Bobby & Blum gibts eine wunderbare Folkpop-Miniatur, die Kooks mal akustisch mit einer gelungenen Nummer, MC Chris, der Eminem der Herzen, mag die Zeit anhalten und dazwischen hört ihr noch eine reichlich schräge Cello-Version des Britney Spears-Klassikers „Toxic„: viel Spaß mit Ausgabe 10 der siebenSONGS!
The Boy Bathing – The Beaches Meet The Sea
Bobby & Blumm – In Future Present
The Portland Cello Project – Toxic
Hinweis: Alle Titel der siebenSONGS-Reihe sind auch regelmäßig bei radioDUNKELBLAU zu hören.
siebenSACHEN vom 17. April 2008. Mit Weezer, Marc Cohn, Bon Iver, Bob Dylan u.a…
– Alle, wirklich alle Folgen der großartigen „Theme Radio Hour“ von XM Radio mit Moderator Bob Dylan gibts ganz legal zum Runterladen – und zwar hier. (via)
– „Emma doesn’t really exist. Well, she does, Emma is her middle name but we had split up long before I moved.“ Justin Vernon alias Bon Iver spricht über seine Musik und den (verdienten, aber unerwarteten) Hype ums Album „For Emma, Forever Ago“.
– Walking in Memphis und mehr: Marc Cohn porträtiert in einer neuen Ausgabe von „A Musician’s Life“ (mp3)
– Ein paar schöne (Profi-)Photos von der Spin Doctors–Show in Girona am letzten Wochenende, gefunden bei flickr.
– Die neue Weezer-Single gefällt mir ausgesprochen gut: „Pork And Beans“ in voller Länge auf der Band-Seite anhören.
– Jamie Lidell wird immer interessanter für mich – das neue Album klingt jedenfalls sehr kurzweilig (hier komplett vorhören).
– Da bin ich jetzt schon Fan von: The Last Shadow Puppets, das Nebenprojekt von Arctic-Monkey-Sänger Alex Turner. Album erscheint morgen, hier der Clip zur Single „The Age Of Understatement“.
Wetlands Preserved – The Story Of An Activist Rock Club (DVD, 2008)

Ganz, ganz selten wünsche ich mir, zu einer anderen Zeit in einem anderen Land geboren zu sein; ganz konkret zum Beispiel zehn, zwölf Jahre früher und in New York City. Dann hätte ich vielleicht aktiv miterleben können, was ich heute in einer fantastischen Dokumentation sehen durfte: der Film „Wetlands Preserved – The Story Of An Activist Rock Club“ (endlich als DVD erhältlich) feiert den Öko-Aktivisten-Ska-Funk-Punk-Folk-Jamrock-Club Wetlands Preserve in NYC, von 1989 bis 2001 einer der einflußreichsten Läden der Stadt.
Fans von Phish, Dave Matthews Band, Spin Doctors, Blues Traveler, Moe., The Roots, Allman Brothers Bands, Pearl Jam, Sublime, Robert Randolph, Speadhead, 311 oder unzähligen anderen wissen genau, welche Live-Club-Legende hier im Mittelpunkt steht – das CBGB des Jamrock, quasi: Kifferhochburg, linkes Aktivistenzentrum und Brutstätte ganzer Musikbewegungen wie der Third Wave Of Ska oder der HORDE-Tour. Es macht Spaß, in diesem Film persönlichen Helden wie John Popper oder Chris Barron zuzuhören, wie sie ihre wichtige Teile ihrer Jugend und ihrer Karrieren mit diesem Club verbinden; es ist grandios, all diese geile Musik zu hören (ganz puristisch gibts in dem Film nur Musik, die tatsächlich auch im Wetlands aufgenommen wurde); es berührt mich, welche persönlichen Geschichten eine solche Doku über einen Rockschuppen hervorzubringen im Stande ist (der Dauerkonflikt des Gründers Larry Bloch zwischen Job und Familie und seine Entscheidung etwa). Filme wie dieser machen mir mehr Gänsehaut, machen mich mehr Lachen und Fühlen als zehn „Titanic“-Filme zusammen das könnten – weil es hier um meine Musik geht, meine Bands, und das, obwohl ich – viel zu jung (ich war ja zehn, zwölf Jahre zu jung und auf dem falschen Kontinent, siehe oben) – stets nur aus der Ferne ahnen konnte, was in Läden wie dem Wetlands vor sich gehen musste.
Dieser Film ist so cool, es ist fast nicht auszuhalten – logisch, dass ich mir jetzt eine CD einlege, um diesen einmaligen Laden zu feiern, für den ich dooferweise zur falschen Zeit am falschen Ort auf die Welt kam. Welcome, live at Wetlands…
Spin Doctors live in Girona, 12. April 2008

Kommt mir alles noch ziemlich unwirklich vor. Mal eben die Lieblingsband beim einzigen Europakonzert weit und breit besuchen; in Girona; is ja quasi bei Dir um die Ecke (O-Ton Sänger). Derart herausgefordert, nahm ich die Einladung natürlich an und hab mir einen 36-Stunden-Trip mit vier Flügen, fünf Stunden katalonischem Personennahverkehr und gerade mal dreieinhalb Stunden Schlaf verordnet.
Es war jede Anstrengung wert – wenn Dich die Band von der Bühne angrinst, weil sie ein Lied spielen, dass sie seit sieben Jahren nicht mehr im Programm haben, und sie gespannt sind auf Deine Reaktion, Du, der Du ja immer meckerst, wie vorhersehbar die Setlisten inzwischen geworden sind; wenn einfach alles passt – von der Reise an sich über die Begleitung vor Ort bis hin zum Geplauder mit der Band nach der Show; wenn dann der Kater am nächsten Morgen egal ist, weil man die anderen Reisenden im Urlaubsflieger von Palma di Mallorca nach Dresden eh besoffen besser erträgt – dann weiß man, dass man das einzig richtige gemacht hat. Man ist seiner Lieblingsband ein paar tausend Kilometer hinterher gereist und bereut keine Sekunde. Cool, wollte ich schon immer mal machen.
Bilder und ein ausführliches Fanboy-Review gibts hier.
Notizen vom 10. April 2008
– Los geht’s mit ner Liste: die zehn besten Classic Rock-Alben aller Zeiten.
– Markus Wiebusch von Kettcar hat ausführlich mit 1Live geplaudert. Das Interview als Podcast (mp3) gibts hier.
– Scott Matthew ist derzeit in aller Munde – jetzt kann man sein Album beim Luisterpaal anhören. Tatsächlich: klasse Musik.
– Früher brauchte man Petitionen, um den Sack mal herzulocken, heutzutage ist er ja dagegen fast schon dauerpräsent in Deutschland: Ben Folds kommt mal wieder zu uns, genauer nach Hamburg, Mannheim, Bochum und Bonn.
– Wie findet Ihr denn das neue Pitchfork.tv? Hab noch nicht so viel gesehen, aber auf den ersten Blick doch ganz anständig, oder?
– Deviousness I can’t deal with. That’s not to my taste. Der Guardian hat Salman Rushdie gesprochen.
– Mon)tag gehen ins Studio und begleiten das Werden ihres neuen, dritten Albums künftig in Wort und Bild im eigenen YouTube-Kanal. Das ist toll, zur Feier der Stunde hier ein Video von ihnen: