Was mir an Weezer gefällt, ist, dass sie schon lange nicht mehr jene geradezu kultisch verehrte Band aus den Neunzigern sind, die mit zwei Alben Musikgeschichte geschrieben hat und als unantastbar gilt. Seit dem „grünen Album“, dem Comeback von 2001, sind sie eine ganz normale Rockband. Eine sehr gute, wohlgemerkt. Ich verstehe bis heute nicht, warum „Maladroit“ und „Make Believe“, die letzten beiden Alben, als „Totalausfälle“ bezeichnet werden. Freilich, stilprägend und unerhört wie die ersten Weezer-Werke waren sie nicht, und auch das neue, „rote Album“, ist das keineswegs.
Aber Schrott geht trotzdem anders: diese selbstverständliche, hörbare Lust am Musikmachen, am Songschreiben, am Arrangieren, am gelegentlichen Übertreiben (The Greatest Man That Ever Lived) ist doch nicht zu überhören – Rivers Cuomo und Kollegen versuchen gar nicht, neue „Meilensteine“ herbeizuzwingen, sondern bringen stattdessen nach Lust und Laune einfach aller paar Jahre ’ne satte, unterhaltsame Platte raus. Wenn all die miesepetrigen Kritiker, die von Weezer jedesmal dummdreist erwarten, doch bitteschön mindestens ein neues „Pinkerton“ hinzulegen, das mal akzeptieren würden, dann hätten sie ja womöglich genau so viel Spaß am „Red Album“ wie ich.
Mit Benji Cossas „The Show Is Over Everywhere“ beginnt die 15. siebenSONGS-Show. Desweiteren besingen The Uglysuit aus Oklahoma City „Chicago“, David Vandervelde (im Juli in Deutschland!) ist total entspannt und auch Strokes-Klampfer Albert Hammond Jr. hat was Neues auf Lager. Einen kleinen Sommerhit haben Nada Surf mitgebracht, da will sich auch Joshua James aus Nebraska sich nicht lumpen lassen und hat für uns das Lied mit dem simpelsten Strophen-B-Teil (oder isses doch schon der Refrain?) des Monats in petto. Irgendwie an ABBA erinnert schließlich die Dame von Music Go Music aus Los Angeles, die mit dem federleichten „Light Of Love“ die glorreichen Sieben abrundet.
Es ist gut und gerne 12 Jahre her, da hab ich diesen Song rauf und runter gehört, weil ich ihn so klasse fand: „30 and confused“ von Ezio. Damals war „30 sein“ eine weeeeit entfernte Angelegenheit. Tja, inzwischen bin ich auch schon zwei Monate dreißig, und da ich grade nebenher ein neueres Ezio-Album hörte, fiel mir die alte Nummer wieder ein. Und huch, plötzlich gruselt man sich fast vor dem Text – insgesamt ist „30 And Confused“ jedenfalls immer noch ein schönes Stück Musik. Da ich leider kein passendes Video von den Originalkünstlern gefunden hab, muss dieser Herr hier eben ran. Aber der macht das ja ganz hervorragend. Und jetzt alle: …it’s so easy to be lost, so easy to feel so used, it’s so easy to be lost, when you’re thirty and confused…
It’s so good it’s breaking my heart, singt er im bittersüßen Titelsong „Free At Last“. Damit trifft Josh Fix den Nagel auf den Kopf – und mit allem anderen auch.
Das Internet ist ne coole Sau, weil man ganz zufällig solche Sensationsalben wie dieses hier entdeckt: letzte Woche hab ich einen Track aus diesem Debüt im Netz gefunden und in meiner siebenSONGS-Reihe verlinkt. Noch am selben Abend habe ich mir das ganze Ding runterladen und bin seither hin und weg. Dieser Alles-Könner aus San Francisco hat ein derart übermütiges, pralles Album gemacht, dass ich aus dem Grinsen gar nicht mehr rauskomme – er klaut bei den Beatles und bei Queen, er tickt manchmal wie Ben Folds und manchmal wie die seligen Jellyfish, er schreibt Traumsongs und weiß in jeder Sekunde, was er tut.
Happy Ruhestand, Elton John; hau ab, Mika – Josh Fix macht jetzt Eure Jobs, und er macht sie besser als Ihr. Sommer, jetzt kannste kommen!
– Heute komische MySpace-Mail gekriegt: „Verkehrssicherheitstag möchte dein Freund werden!“
– Am Freitag erscheint das neue Fratellis-Album, reinhören kann man beim Musikexpress.
– Paul Weller-Special von der BBC. Graham Coxon und Noel Gallagher preisen den Obermod. (mp3)
– Sehr schön: die North Mississippi Allstars sind jetzt auch im Live Music Archive verteten.
– Auftakt mit Pink Floyd- und Beatles-Covern, viel Gitarre und Songs aus dem Solo-Repertoire: die erstenzwei Konzerte der DMB-Sommertour sind Geschichte und hinterlassen gemischte Gefühle bei den Fans…
– Bon Iver beste Platte 2008? „As of now, yes. By a mile„, schreibt Chad und ich unterschreib das glatt.
– Weil ich’s neulich angeteast habe: The Real Tuesday Weld – The Day Before You Came.
Die bestens aufgelegten siebenSONGS 14 beginnen mit Ex-Phish-Häuptling Trey Anastasio und einem Song seiner neuer Live-CD. Über den Beitrag von The Young Sinclairs schreibtdas Blog No Dessert For You: „Certainly a track for the ‚puff, puff, give‘ sessions of summer.“ Gazillion aus Minneapolis bieten dann einen feinen Song, der mich irgendwie an Blind Melon erinnert, die Gazillion-Kumpels von Sonicate (gemeinsame Split-EP, immerhin) glänzen mit dem Ohrwurm „Paint It Gold“ und Hercules & Love Affair sorgen für ausreichend Funk und Soul in der Runde. Dann auch noch The Real Tuesday Weld aus London. Mit ihrer Version des ABBA-Songs „The Day Before You Came“ haben sie mein 2007 umgekrempelt, die hier vertretene neue Liveaufnahme ist nicht minder geil: Over The Hillsides. Das großartige Finale bestreitet diesmal der Früher-mal-Südafrikaner-jetzt-San-FranciscoerJosh Fix, der neue Ben Folds der Herzen, der von „Whiskey And Speed“ singt. Ob das die tollsten siebenSONGS seit Bestehen dieser Reihe sind? Aber sicher doch!!!
Ein Benefizkonzert. Für die Bill Graham Foundation. Mit diversen Grateful Dead-Coverbands. Und mit Chan und John von Blues Traveler und den Spin Doctors. Und mit Gästen. Und sensationellen Jams. Und einem Besucher namens Marc Millman, der mit seiner Handykamera mitgefilmt hat – Gott sei Dank!! Hier sechs ergreifende Momente vom 27. Mai, die mir auf YouTube untergekommen sind. Und, for sieben’s sake: die Doctors in voller Länge. Mann, wär ich da gerne dabei gewesen.
Chan und John singen Alone. Kommentar marcmillman: After a set by Moonalice, Popper & Chan took the stage to play a few acoustic tunes at the Bill Graham Memorial Fund raiser Concert @ Irving Plaza. This was the first time Popper had played guitar in a year. This is how they did it in NYC back in the late 80s/early 90s at the likes of Nightingale, Mondo Perso, Mondo Cane, Wetlands and a few other venues that no longer exist. The third set would have a room dripping with sweat as Popper sang the sweet tunes like this one until the band kicked back in to rock it on out.
Spin Doctors mit Erik Lawrence, „How Could You Want Him (When You Know You Could Have Me)“. Ehrfurcht. Kommentar marcmillman: A real treat from the Doctors of Spin. They brought out the son of their mentor, Arnie Lawrence to play sax on this song from their 1st album at the Bill Graham Memorial fund raiser which took place @ Irving Plaza (or The Fillmore).
John und Chan und das Publikum singen Blues Traveler-Hymne Hook. Kommentar marcmillman: As part of the Bill Graham Memorial Fund raiser Concert @ Irving Plaza, John Popper & Chan Kinchala took the stage to run thru a few acoustic versions of some old classics. This hit was the first of the nite.
Spin Doctors spielen den Grateful Dead/Jerry Garcia-Klassiker Ripple, Chris hat mit den Lyrics auf dem Boden zu kämpfen. Kommentar marcmillman: It was a nite to celebrate Bill Graham’s legacy at the First Graham Memorial fund raiser. So what could be better than the funky Doctors breaking into a sweet Jerry tune?!?!
John und Chan singen 100 Years, unterstützt von Chris Barron und einem Perkussionisten. Kommentar marcmillman: During their acoustic set at the Bill Graham Memorial fund raiser Concert @ Irving Plaza, Popper & Chan brought out their old friend Chris From the Spin Doctors & a percussion player to run thru this favorite from the first Blues Traveler album.
Schließlich mein Highlight: John Popper zu Besuch bei den Spin Doctors – Shinbone Alley. Kommentar marcmillman: As part of the Bill Graham Memorial Fund raiser Concert @ Irving Plaza, the Spin Doctors brought their old friend John Popper on stage to blaze through a version of a song they used to do when the Doctors & Blues Traveler used to segue into each other on double bills.
This is how we did it in NYC back in the late 80s/early 90s at the likes of Nightingale, Mondo Perso, Mondo Cane, Wetlands and a few other venues that no longer exist.
– Harr harr: seit Freitag habe ich ein neues „Instrument„, mit dem ich Nachbarn, Bandkollegen und kleine Kinder, die unter meinem Balkon spielen, ärgere. Nee, macht das Spaß!
– Chris Barron über sein Soloalbum „Pancho And The Kid“, seinen Stimm-Verlust im Jahr 2000 und die Spin Doctors – in einem Podcast vom letzten Sommer (mp3)
– Auch, wenn ich nicht mal die Hälfte verstehe: schoedo aus Zürich sind sehr unterhaltsam, mir empfohlen von einem Landsmann der Band, der sie grade im (selbst gewählten) katalonischen Exil hört…
– Das neue Paul Weller-Album „22 Things“ kann man derzeit hier anhören.
– If you were given access to my thought patterns via text messages on your cell phone, you would bury your phone after the 10th comment in 5 minutes on why I hate trumpets in rock songs or how great it is when a song is so short that you must repeat it the moment it ends.Meiner Meinung nach lesenswert…
– Halt Dich an Deiner Liebe fest: Jan Plewka singt Rio Reiser: