1. Quartal 2016

Gehört:
Luther Allison – Songs From The Road
AnnenMayKantereit – Alles nix Konkretes
Blossoms – At Most A Kiss EP
Blossoms – Blow Rose EP
Blossoms – Charlemagne EP
Blue Rose Code – Grateful EP
The Cat Empire – Rising With The Sun
Chef’Special – Chef’Special EP
Andy Cooper – Room To Breathe
Christopher The Conquered – I’m Not Famous Yet EP
Element Of Crime – Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen EP
Jack Garratt – Phase
Gene – Lost In The Fog (1993-2004, bootleg)
Giant Kitty – This Stupid Stuff
Rhiannon Giddens – Factory Girl EP
Samm Henshaw – The Sound Experiment
Joshua Hyslop – In Deepest Blue
Joshua Hyslop – Living & Dying EP
Elton John – Wonderful Crazy Night
Lawrence – Breakfast
Clyde Lawrence – The Rewrite (Original Motion Picture Soundtrack)
Jon Licht – Silence & The Still
Jeremy Loops – Trading Change
G Love & Special Sauce – Love Saves The Day
Dave Matthews Band – DMBlive 1994-02-22 Trax, Charlottesvilla, VA
Jimi Charles Moody – Islington
The Pines – Above The Prairie
Planet Of The Abts – All Things The Valley
Planet Of The Abts – Planet Of The Abts
Charlie Puth – Nine Track Mind
Chris Robinson Brotherhood – 2016 New Years Run Selections (Raven’s Reels)
Bill Ryder-Jones – West Kirby County Primary
Secret Source – Rotating EP
Shurman – East Side Of Love
Luke Sital-Singh – The Breakneck Speed Of Tomorrow
Leo Stannard – Free Rein EP
Stolen Ogre – Road To Jericho
SWMRS – Drive North
Lawrence Taylor – Bang Bang EP
Various – God Don’t Never Change: The Songs of Blind Willie Johnson
Various – Day Of The Dead (album preview)
Walking On Cars – Everything This Way
Zayn – Mind Of Mine
2zueins! – Plus X EP

Gesehen:
Emiliy’s Giant, Werk II, Leipzig
Kafka Tamura, Werk II, Leipzig
Lot, Werk II, Leipzig
SAFI, Werk II, Leipzig
João Soeiro e amigos, Fora de Moda, Lissabon
The Stamp, Täubchenthal, Leipzig
The View, Täubchenthal, Leipzig

Gelesen:
Christian Gailus – Glashaus (2)
Scott Mills – Love You Bye: My Story
Peter Richter – 89/90
Christiann Hennecke & Gabriele Viecens – Der Kirchenkurs. Wege zu einer Kirche der Beteiligung
Reinhard Körner – Kirchisch für normale Menschen
Heinz Strunk – Der goldene Handschuh

Neu auf Heldenstadt.de: The Impresario Files und eine neue Spotify-Playlist.

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Auch, wenn wir zur Zeit nicht täglich am Start sind, passiert drüben auf Heldenstadt.de doch Einiges! So ist seit ein paar Tagen der inzwischen 20. Leipzig-Podcast von Guido und mir online – diesmal huldigen wir einem echten Leipziger Original. Und seit heute morgen gibt’s die taufrische „The Sound Of Leipzig“-Playlist: jeden Monat mixen wir die spannendsten Bands der Stadt mit den tollsten Künstlern, die dieser Tage in Leipzig zu Gast sind. Es ist jedes Mal aufs Neue ein Vergnügen, die Liste zusammenzustellen – so auch im März. Viel Spaß beim Hören und Entdecken!

(Grafiken (c) Heldenstadt.de)

Zum Bandgeburtstag: neue Remixe von und mit 2zueins!

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So einen Schalttag kriegt man ja nur alle vier Jahre, also sollte man ihn auch nutzen – mindestens für einen Blogeintrag, besser noch für die Veröffentlichung von Musik! Dann nutz ich ihn doch glatt mal für beides …

Heiko und ich machen ja seit 2005 als Duo Musik. Im Jahr 2006 gaben wir uns nach vier, fünf mehr oder weniger „namenlosen“ Gigs den Namen 2zueins! Damit markiert das Jahr 2016 den zehnten Bandgeburtstag. Und das feiern wir mit drei ziemlich coolen Remixen, die Freunde von uns anlässlich unseres Zehnten gebastelt haben. Alle Infos zu PLUS X, so heißt die neue EP, stehen auf unserer Website. Reinhören könnt Ihr z.B. bei Spotify.

Zu viele Ausrufezeichen

lvz 23.1.2016

Wer bei Facebook, WhatsApp & Co. sein Gegenüber die ganze Zeit in Großbuchstaben antextet, sendet eine unmissverständliche Botschaft – allerdings keine besonders nette. Ständiges Großschreiben bedeutet nämlich: Da schreit, da brüllt jemand herum. So steht es in den Netiquetten, dem Knigge für die Datenautobahn mit Verhaltensregeln zum Miteinander im Internet. Über die Jahre hat sich diese Deutung eingebürgert: Wer nur in Großbuchstaben tippt, wird als hysterisch, genervt oder wütend wahrgenommen. Wer will das schon?

Ganz ähnlich ist das auch mit Ausrufezeichen: in E-Mails oder Briefen, ja sogar bei Aushängen des Hausmeisters im Treppenhaus. Immer wieder mal bekommt man schriftliche Botschaften, in denen es regelrecht vor Ausrufezeichen wimmelt. Es ist die eine Sache, jemanden um etwas zu bitten. Oder in aller Klarheit etwas Berechtigtes einzufordern. Aber! Wenn! Dann! Gefühlt! Nach! Jedem! Wort! ein Ausrufezeichen folgt, dann liest sich das, als wäre man bei der Armee und es regnet gerade Befehle auf die Untergebenen herab: Machen Sie das! Tun Sie jenes! Unterlassen Sie dieses! Keine besonders angenehme Atmosphäre, wo man doch eigentlich auf die Einsicht, das Wohlwollen und die Kooperation des Adressaten hofft …

Ich erinnere mich noch gut an den Deutschunterricht in der Schule. Die Lehrerin meinte da zu uns: „Stellt Euch vor, Ausrufezeichen wären unheimlich kostbar und teuer. Die benutzt Ihr also nur sparsam; nur, wenn es unbedingt sein muss.“ Das finde ich schlau. Das Ausrufezeichen ist ein hilfreiches Signal, wenn mal was wirklich wichtig ist. Doch es ist kein Standardsatzende, damit das zuvor Geschriebene ein wenig wichtiger oder nachdrücklicher wirkt. Wenn mich jemand schriftlich um etwas bittet, mich ermahnt oder – von mir aus – auch mal so richtig sauer auf mich ist: Ohne Ausrufezeichen-Flut und Großbuchstaben-Attacke bin ich garantiert empfänglicher für derartige Botschaften.

Das lässt sich auch gut auf die großen Diskurse unserer Tage beziehen: Gerade bei ernsten Angelegenheiten, in hitzigen Debatten oder brenzligen Situationen können Sachlichkeit, Höflichkeit und Fairness nämlich niemals schaden.

Hinweis:
Diesen Text habe ich für die “Leipziger Volkszeitung” geschrieben, in der er am 23. Januar 2016 in der Kolumnen-Reihe “Gedanken zum Wochenende” erschienen ist.

Mein 2015: Ein Fazit.

USA 2015

Das war also 2015. Es beginnt in Weinsberg und mit einem Rückflug gen Leipzig. Dann Brighton. Hof. Dresden. Werdau, immer wieder und immer gern. London. Trebsen. New York. Washington. Boston. Englewood, New Jersey. Erfurt. Sheffield. Frankfurt. Berlin. Düsseldorf. München. Bari. Markkleeberg. Wunderbare Reisen, Wiedersehen mit alten Freunden. Ob in Manhattan oder Schwedt: das gute Gefühl, willkommen zu sein. Unvergessliche Stunden auf zwei Kontinenten. Zweiter Platz für 2zueins! beim Slam in der ausverkaufen Moritzbastei. Überhaupt, so viele Konzerte gespielt wie lange nicht. Voller Stolz „Kratzer“ rausgehauen, meine Solo-EP. Vorbereitungen für den Katholikentag. Erkundungen. Steuergruppen. Großtreffen. Protokolle. Die neue Propstei. Neuerdings „Einzelpersönlichkeit“ im Diözesanrat. Diözese neuerdings ohne Bischof. Tolle Feiern: 50. Geburtstag hier, Silberhochzeit da. Die Taufe des Patenkindes. Ein weiteres Patenkind. Schon mehr als fünf Jahre an Heldenstadt.de mitbauen, geil. (Viel zu) viele Serien bingegewatcht. Unwirklich: das dritte Weihnachten seit Mutterns Tod. Das erste ohne Bärbel (Du fehlst). Nachdenken über Veränderung. Tiefe Dankbarkeit für das Erreichte, Erlebte, Erfahrene. Und dann ein Jahresende zwischen Wunder und Hiobsbotschaft. Gelernte Lektion 2015? Tu nie was, nie was ohne Musik.

Italien 2015

Hier noch einmal meine Lieblings-Listen 2015 im Überblick:
Lieblingsalben 2015
Lieblingskonzerte 2015
Lieblingslieder 2015

Danke, werter Besucher, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2015 – ich freue mich auf 2016 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.

Ältere Jahresrückblicke:
2014 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2013 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2012 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2011 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2010 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2009
2008
2006
2005
2004

Mein 2015: Lieblingslieder

Nathaniel Rateliff & The Night Sweats

10 Houndmouth – My Cousin Greg
If you wanna live the good life, well, you better stay away from the limelight.

9 The View – Talk About Two
Laugh at things no one else finds funny, things we pluck out of thin air. Try not to sing and let’s talk about the thing that make them bells ring everywhere.

8 Wilco – Magnetized
I sleep underneath a picture that I keep of you next to me. I realize we’re magnetized.

7 Jed Appleton – Too Scared
So where are you now, well take a look at yourself. Are you too scared of failure, just like everyone else?

6 Greg Holden – Boys In The Street
There was no way of knowing ‚cause all I was taught is men only love women, but now I’m not sure. My son, keep kissing boys in the street.

5 My Morning Jacket – Believe (Nobody Knows)
It begins and on and on a baby’s born, the elder’s down, all in their time. Start a door, the setting sun, the day has come, my mind is open, my oh my.

4 Dawes – All Your Favorite Bands
Do you really wanna know about these lines on my face? Well, each and every one is testament to all the mistakes I’ve had to make to find courage.

3 The Canoes – Candle
Let the snow dance in your eyes and we’ll forget the whens and whys. For you and i there’s only birds and blues and skies.

2 Blues Traveler feat. Secondhand Serenade – The Darkness We All Need
And it swept away my fears and who I used to be learning that the good will overcome and set me free.

1 Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – S.O.B.
Now for seventeen years I’ve been throwing them back, seventeen more will bury me. Can somebody please just tie me down or somebody give me a goddamn drink?

Meine zehn Lieblingslieder 2015 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingslieder 2014 (Spotify), 2013 (Spotify), 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

Mein 2015: Lieblingskonzerte

Jed Appleton, Brighton 2015

10 – Jed Appleton, Brighton, 2. Februar
Angekündigt als support act für Stu Larsen, hat mich der junge Australier mehr begeistert als der eigentliche Star des Abends. Dieser noch ziemlich aufgeregte, quirlige Kauz hatte einfach eine Handvoll toller Songs, die er überaus engagiert in den ausverkauften Mini-Club hinaus bellte. Eine der angenehmsten Entdeckungen des Jahres.

9 – Gisbert zu Knyphausen & die Kid Kopphausen Band, Dresden, 23. Januar
Wer nicht weiß, welche Tragik dem Projekt „Kid Kopphausen“ innewohnt, möge googlen oder auch diese Website hier ein wenig gründlicher durchsuchen. Was bin ich froh, dass ich doch noch in den Genuss kam, die Band mal live zu sehen. Es war ein bewegender, schöner, bisweilen auch sehr lustiger Abend – nur halt leider, leider ohne Nils Koppruch.

My Morning Jacket, Boston 2015

8 – My Morning Jacket, Boston, 23. Mai
MMJ waren die Headliner am zweiten Abend des Boston Calling-Festivals im Mai 2015. Die rappelvolle City Hall Plaza erlebte eine wahrhaft große Rock’n’Roll-Show, bei der die Band sich einmal quer durch ihren üppigen Katalog spielte und nach über zwei Stunden Boston und seine vielen Gäste (ich war nicht der einzige, der eigens für das Festival in die Stadt gereist war) glücklich in die Nacht entließ.

7 – Niels Frevert, Leipzig, 22. September
Sowas nennt man wohl Kammer-Pop: Niels, der amtierende König im Lande der deuschsprachigen Liederschreiber, bat zur Audienz, nur sparsam begleitet durch Klavier und Cello. Leipzig war der Auftaktabend seiner Tour und der Maestro noch merklich aufgeregt ob der wohl noch nicht idealen Setlist. Dem Publikum war’s egal – wir genossen den wunderbar sanften Ritt einmal quer durchs Frevertsche Solowerk.

6 – William Fitzsimmons, Leipzig, 31. Juli
Eine gar nicht mal so laue Sommernacht an der wunderbaren Parkbühne in Eutritzsch: William Fitzsimmons war gekommen, um den brav lauschenden (ohne Quatsch, man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können) Leipzigern seine Lieder vorzusingen. Dabei verzichtet auch er auf alles, was allzu viel Lärm machen könnte. Was bleibt, ist die angenehme Erinnerung an ein ziemlich leises, aber umso intensiveres Konzert.

DMB, Düsseldorf 2015

5 – Dave Matthews Band, Düsseldorf, 1. November
Das Düsseldorfer Konzert steht hier stellvertretend für alle drei famosen Abende, die mir diese Band in diesem Herbst bereitet hat. Stets kratzten die Jungs an der 3-Stunden-Marke und spielten mich in die Glückseligkeit. Müsste ich einen Lieblingsmoment aus diesen drei Shows nennen, ich könnte mich nicht entscheiden zwischen dem unerwarteten „Typical Situation“ in München, dem ergreifenden „Drunken Soldier“ in Berlin oder dem epischen „Seek Up“ in Düsseldorf.

Jono Manson, Brooklyn 2015

4 – Jono Manson, Brooklyn, 28. Mai
Der letzte Abend meiner USA-Reise hätte perfekter nicht sein können: Jono Manson, eine der prägenden Gestalten der New Yorker Jamband-Szene in den späten Achtzigern und frühen Neunzigern, kehrt für ein kleines, unaufgeregtes Solo-Set zurück nach Brooklyn. In einer winzigen Bar vor vielleicht 20 Leuten kriege ich eine Ahnung davon, wie das damals gewesen sein muss, in der Nightingale Bar oder dem Wetlands.

3 – Ben Harper & The Innocent Criminals, Boston, 23. Mai
Über zehn Jahre sind vergangen, seit ich Harper live mit den Criminals erleben durfte. Zwischenzeitig legte er die Band auf Eis, um sich mit den Relentless7 rockigeren Gefilden zuzuwenden; Anfang des Jahres folgte dann die frohe Kunde von der Wiedervereinigung. Was ich schließlich im Mai in Boston sehen und hören durfte, war unglaublich: eine Band wie eine Naturgewalt, immer noch und schon wieder.

Chris Barron, Sheffield 2015

2 – Chris Barron, Sheffield, 11.Juli
Der Flug nach Sheffield? Irgendwas um die 150 Pfund. Die Übernachtung im Hotel? 45 Pfund. Das Konzertticket? 10 Pfund. Der Moment, an dem Dein Lieblingssänger völlig abgehetzt in dem winzigen Rockschuppen ankommt, und als erstes lautstark Deinen Namen ruft, weil er sich kaum noch einkriegt vor Freude darüber, dass Du für diese eine Show angereist bist: unbezahlbar.

Blues Traveler, Englewood, NJ

1 – Blues Traveler, Englewood, 17. Mai
Seit mehr als 27 Jahren gehen Blues Traveler Jahr für Jahr auf Tour. Während ihre Studioarbeiten bisweilen hits and misses bereithalten, sind die Livequalitäten dieser Band über jeden Zweifel erhaben. So auch an diesem Abend in einem hübschen Provinz-Theater irgendwo in New Jersey: John Popper und seine Jungs machen mich einfach glücklich – und wenn ich für sie in die absurdesten Vororte der Vereinigten Staaten reisen muss, dann is das eben so.

Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009.

Mein 2015: Lieblingsalben

My album of the year 2015.

10 My Morning Jacket – The Waterfall
Es ist ja eher selten, dass man durch das siebente Album einer Band zum Fan wird. Mit My Morning Jacket ist es mir aber tatsächlich so ergangen! Immer wieder bin ich in den letzten Jahren über Jim James gestolpert – sein Soloalbum von 2013 fand ich klasse, seine Mitarbeit bei den Monsters Of Folk und den New Basement Tapes ebenso. War also nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich endlich mal seiner „Hauptband“ widmen würde. „The Waterfall“ war dann in diesem Jahr der Einstieg: mir imponiert die Leichtigkeit, mit der MMJ unterschiedlichste Stile zusammenwürfeln. Mal kauzig, mal genial, stets hörenswert.

9 Galactic – Into The Deep
Die Funk-Jazz-Electro-Bande aus New Orleans hat mal wieder zugeschlagen: „Into The Deep“ ist ein musikgewordener melting pot – Mardi Gras-Euphorie vermischt sich mit Soul und Pop; mal wird ungehemmt herumgejammt, im nächsten Moment kommen Galactic mit einer radiotauglichen R’n’B-Nummer um die Ecke. Dazu unglaublich viele gute Gäste – von Macy Gray und Mavis Staples bis Ryan Montbleau. Right on!

8 Houndmouth – Little Neon Limelight
Dieser hallverliebte Schrammelsound, der an längst vergangene Jahrzehnte erinnert, war ja DAS große Indie-Ding 2015. Als hätten all die folkig-countryesken Americana-Bands, die in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden schossen, mit einem Mal E-Gitarren, Verstärker und Schweineorgeln für sich entdeckt. Mit „Little Neon Limelight“ machen Houndmouth dabei für meinen Geschmack irgendwie alles richtig: diese Hippieseligkeit, mit der sie ihre großen Melodien in die Welt hinaussingen! Diese schnodderigen Gitarren! Kann es kaum erwarten, diese Band mal live zu sehen.

7 Jed Appleton – The Other Side Of Home
Jed Appleton ist eine musikalische Zufallsbekanntschaft – der gerade mal 20jährige Australier war „nur“ die „Vorband“ von Stu Larsen in Brighton, hat aber tatsächlich den bleibenderen Eindruck hinterlassen. Appleton schreibt gewaltige, spannende Songs und performt diese zutiefst leidenschaftlich. Später im Jahr erschien dann „The Other Side Of Home“, eine Platte, die den formidablen Live-Eindruck bestens abbildet, aber obendrein auch noch mit wirklich sensationellen Bandarrangements aufwartet.

6 Josh Ritter – Sermon On The Rocks
Seit Jahren liefert Josh Ritter verlässlich gute Alben und EPs ab. Aber selten war er so hörbar gut gelaunt wie auf „Sermon On The Rocks“. Das Album erinnert mich an eine komplexere TV-Serie: jeder Song erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, jeder Song wartet mit anderen musikalischen Akzenten auf – am Ende ergeben alle „Folgen“ aber ein großes Ganzes. Meisterlich.

5 Bilderbuch – Schick Schock
Als „Schick Schock“ Anfang des Jahres erschien, war der mediale Hype um Bilderbuch gigantisch: die „Retter des Austro-Pops“, die „Erben Falcos“, „die Kanye Wests der Alpenrepublik“ und was weiß ich noch alles. Inzwischen gehören Bilderbuch längst zum Festival-Standard-Lineup und sind „Mainstream“, längst suchen die Magazine und Meinungsbildner nach neuen Hypes. Das Wunderbare an der ganzen Sache: „Schick Schock“ ist auch fast ein Jahr nach Veröffentlichung immer noch ein großer Spaß, ein famoses und so in deutscher Sprache bislang „unerhörtes“ Album.

4 Nathaniel Rateliff & The Night Sweats – Nathaniel Rateliff & The Night Sweats
Siehe Platz 8. Als hätte man den recht interessanten, aber bisher nicht so wirklich herausragenden Songwriter Rateliff von der Leine gelassen und zusammen mit einer Rockkapelle aus den Siebzigern in einen Proberaum gesperrt. Das Ergebnis: wo gerade noch Folk und Americana waren, regieren jetzt soulige Vocals, übermütige Brass-Lines und und psychedelische Orgeln. Eine wunderbar aufeinander eingespielte Band legt mit Mörderhits gespicktes Album vor, das wie aus der Zeit gefallen zu sein scheint.

3 Blues Traveler – Blow Up The Moon
Kann man ein Album lieben und gleichzeitig hassen? Und dann auch noch auf Platz drei seiner persönlichen Lieblingsplatten des Jahres setzen? Ich muss es einfach tun. Ja, ich liebe Blues Traveler für ihren Mut, ein Album wie dieses aufzunehmen: jeder Song eine Zusammenarbeit mit einem anderen musikalischen B-Promi – mal Mainstreamcountry, mal Dancehall, mal Pop. Kollaborationen, so bizarr, dass man sie sich nie und nimmer ausdenken könnte – Blues Traveler featuring 3OH3? Oder Hanson? Oder Jewel? Noch bizarrer ist nur, dass das Konzept aufgegangen und das Ergebnis unerwartet hörenswert ist. Hier ist nichts Routine, hier ist nichts „wie immer“. Das fördert einerseits wirklich starke Songs zu Tage, die ich nicht mehr missen möchte. Das nervt den eingefleischten Fan andererseits aber auch zutiefst, weil der sich nichts sehnlicher wünscht, als endlich mal wieder ein „klassisches“ Blues-Traveler-Album „aus einem Guss“. Doch davon ist „Blow Up The Moon“ tatsächlich meilenweit entfernt.

2 Dawes – All Your Favorite Bands
Klassischer könnte hingegen das vierte Album von Dawes kaum ausgefallen sein. Die Goldsmiths und ihre Bandkollegen liefern einmal mehr eine von vorne bis hinten gelungene Songsammlung ab. Alles, was ich an den bisherigen Platten der Band klasse finde, taucht hier wieder auf: sie scheinen einfach von einem Songwriting-Zaubertrunk genascht oder eine magische Formel für perfekte Lieder vererbt bekommen zu haben. Dennoch klingt das alles nicht nach viertem Aufguss, sondern frisch, selbstbewusst und herrlich entspannt.

1 My Brothers & I – Don’t Dream Alone
Überraschung! Eine junge Indieband aus Portland, die bisher weder den Durchbruch in den USA, geschweige denn weltweit geschafft hat, liefert „mein“ Album des Jahres ab. Die drei Gebrüder Wurgler und ihre zwei Kumpels aus Kindertagen mixen Pop, Motown, Soul, Rock und den einen oder anderen Hip-Hop-Groove. Diese Mischung ergibt ein vor Lebensfreude und cleveren Einfällen nur so strotzendes Album – mich erinnert „Don’t Dream Alone“ sowohl an den frühen John Mayer als auch an Klassiker wie Bill Withers und ja, manchmal auch eine poppigere Variante der verehrten Dawes. Diese Platte mag vielleicht nicht die Welt verändern. Aber sie sorgt für gute Laune und stärkt das Vertrauen auf das Gute im Menschen – da bin ich mir sicher.

Meine zehn Lieblingsalben 2015 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

4. Quartal 2015

Gehört:
A Thousand Horses – Southernality
Adele – 25
Eric Clapton – Unplugged (Remaster)
Alberta Cross – Alberta Cross
AnnenMayKantereit – Wird schon irgendwie gehen
Joseph Arthur – Days Of Surrender
Blitzen Trapper – All Across This Land
Built To Spill – The Electronic Anthology Project
City and Colour – If I Should Go Before You
Robert Cray – 4 Nights Of 40 Years Live
Dawes – Spotify Sessions
The Decemberists – Florasongs
Desaparecidos – Payola
George Ezra – Live in London EP
Foo Fighters – St. Cecilia EP
Jackie Greene – Back To Birth
Glen Hansard – Didn’t He Ramble
Grateful Dead – 30 Days Of Dead (Nov 2015)
Grateful Dead – Fare Thee Well (Live 7/5/2015)
Kraftklub – Randale (live)
Teddy Kumpel – Loopestra, Vol. 1
Dave Matthews Band – DMBlive 1998-11-30 First Union Center, Philadelphia, PA
Dave Matthews Band – Encore Trax – Alpine Valley Extended
Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 35: 2009-06-20 Burgettstown, PA
Dave Matthews Band – Live Trax, Vol. 36: 2015-07-26 Alpine Valley, Elkhorn, WI
Christy Moore – Ride On
Alanis Morissette – Jagged Little Pill (2015 Remaster)
Andreas Ottensamer – Brahms
Josh Ritter – Sermon On The Rocks
Various – Unter meinem Bett

Gesehen:
Dave Matthews Band, Zenit, München
Dave Matthews Band, Columbiahalle, Berlin
Dave Matthews Band, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf
Gregor Meyle, Haus Auensee, Leipzig
Fritz Tonhammer, Bahnhof, Werdau

Gelesen:
Georg M. Hafner & Esther Schapira – Israel ist an allem schuld
Lorenz Just – Mohammed. Das unbekannte Leben des Propheten
John Katzenbach – Der Patient
Stephen King – Revival
Hans Küng – Jesus