Joan Osborne – Little Wild One (2008)

Joan Osborne… – ist das nicht die mit „What if god was one of us…“? Ja, genau die. Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger war sie Teil der New Yorker Jamband-Szene (Stichwörter: Wetlands, Blues Traveler, Spin Doctors) und Mitte der Neunzier landete sie mit „One Of Us“ einen Welthit. Seither ist ihr zwar ein Singleerfolg gleicher Dimension nicht mehr vergönnt gewesen, dafür hat sie sich über die Jahre einen Ruf als grandiose Interpretin und solide Songwriterin erarbeitet, der ihr zwischenzeitlich sogar den Job als Jerry Garcia-Ersatz bei The Dead, den Resten der Grateful Dead, eingebracht hat.
Jetzt legt sie ihr siebentes (oder achtes, je nach Zählweise) Album vor und begeistert ihre Zuhörer: Little Wild One ist eine fantastische Ode auf ihre Heimat, auf New York City geworden. Songs zwischen Americana, klassischer Folk- und Singer-/Songwriter-Tradition und Pop, ergreifend gut gesungen und arrangiert; leidenschaftlich, aber unaufgeregt, mit Mut zur großen Geste, aber absolut unpeinlich. Ja, ich versteige mich jetzt sogar mal zu der Behauptung, dass das hier das bisher beste Joan Osborne-Album überhaupt ist – „some are sweet, but you are sweeter than the rest“.
Ben Folds – Way To Normal (2008)

Drei Jahre Zeit gelassen hat sich Ben Folds für den Nachfolger des doch recht introvertierten und gesetzten, aber schönen Albums „Songs For Silverman“. Viel ist im Foldschen Universum in der Zwischenzeit passiert – um mal nur ein paar Sachen rauszupicken: etliche Internet-EPs, Tourneen mit großen Orchestern, eine Scheidung und, unlängst, eine Reunion der Ben Folds Five für eine Nacht.
Turbulenzen, Veränderungen und Standortbestimmungen, die man Way To Normal anzuhören glaubt. Der euphorische Auftakt mit „Hiroshima“ und „Dr. Yang“, das brilliante Duett mit Regina Spektor („You Don’t Know Me“) oder auch die wie üblich herzzerreißenden Balladen wie „Cologne“ – auf dem dritten regulären Soloalbum von Ben Folds klingt alles frischer und forscher, als man das zuletzt in Erinnerung hatte. Die von manchen nach „Silverman“ geäußerte Befürchtung, Folds würde es sich als „nächster Elton John“ bequem machen (okay, die Symphonieorchester-Geschichten waren aber auch grenzwertig!) ist unbegründet. Er schleudert sie immer noch raus, die ungestümen Melodieläufe und die zwischen ehrlicher Melancholie und pubertärer Dreistigkeit changierenden Texte; er hat sie immer noch perfekt drauf, diese angenehme Schrulligkeit, die ihn sicher und stets davor bewahrt, zu platt, zu beliebig, zu gefällig zu werden.
„Way To Normal“ ist – trotz ein, zwei schwächerer Momente, über die ich mal ganz großzügig hinweghöre – das richtige Signal im richtigen Moment: eine überraschend übermütige Platte, die ich so von Ben Folds gar nicht mehr erwartet hätte.
siebenSONGS 18. Mit Jenny Lewis, Lambchop, Fred, Mason Proper u.a.
Irland, Australien, USA – hier sind die weitgereisten und lange überfälligen siebenSONGS 18. Die erste Herbstladung mp3s rangiert zwischen Pop, New Country und Zeitlupen-Folk und klingt wie das erste bunte Laub auf den Stadtparkwegen – und noch besser.
Lambchop – National Talk Like a Pirate Day (mp3)
Ryan Montbleau Band – How Many Times? (mp3)
The Panics – Get Us Home (mp3)
Mason Proper – Lock And Key (mp3)
Jenny Lewis – Acid Tongue (mp3)
Calexico – Carried To Dust (2008)

Calexico haben also ein neues Album rausgebracht. Es gab mal Zeiten, da hätte mich diese Information riesig gefreut. Calexico, das war Musik, die nach fremden Orten klang, die man selbst nie besucht hat, aber vielleicht gerne mal besuchen würde. Das waren unerhörte Melodiebögen, originelle Arrangements, eine Ahnung von Lateinamerika gepaart mit amerikanischer und bisweilen europäischer Folklore und, ganz klar, Rock. Sicher sind das alles Qualitäten, die man „Carried To Dust“, dem neuen Album, auch bescheinigen könnte. Wenn man es nicht so enttäuschend langweilig, farblos und unspektakulär fände wie ich. Schade, ich mag Calexico wirklich – aber dieses Album bringt mich leider nur zum Gähnen.
siebenSACHEN vom 9. September 2008. Mit Radiohead, Ben Kweller, Phish u.a.
– Ein komplettes 2008er Radiohead-Konzert in bester Qualität zum Gratis-Download – NPR macht’s möglich (mp3).
– Viele neue Songs vom demnächst erscheinenden neuen Ben Kweller-Album gibts bei dieser Liveshow zu hören.
– Phish haben sich wiedervereinigt – wenn auch vorerst nur für eine Nacht.
– Bob Lefsetz fand die MTV Video Music Awards am Sonntag ganz ganz gruselig (was ich nachvollziehen kann, hab den Mist gestern gesehen…).
– Im NPR-Porträt: Joan Osborne anläßlich ihres heute erscheinenden neuen Album „Little Wild One“ (mp3)
– Berkeley Place und Leser kürten vor geraumer Zeit die 25 besten Indie-Rock-Alben aller Zeiten.
– John Popper zu Gast bei einer Chris Barron & The Time Bandids-Show (Mai 2008):
Randomi7er vom 6. September 2008
Neue Rubrik, einfaches Prinzip – ich höre Musik auf meinem iPod im Shuffle/Random/Zufalls-Modus und schreib was zu den ersten sieben Titeln, die da eben so kommen. Und ich schwöre, dass ich nicht bescheiße: sonst machts ja gar keinen Spaß. Übrigens: wer mitmachen will, möge mir seine aktuellen sieben iPod-Shuffle-Songs in den Kommentaren posten, ich find sowas ja unglaublich spannend. Wer betrügt und heimlich skipt, kommt aber in die Hölle. Okay, los gehts:
Leftover Salmon – Boogie (Live @ Irving Plaza, NYC). Naja, war noch nie Riesenfan von denen, aber unterhaltsam sind die Shows von Leftover Salmon schon – Bluegrassrockpop, irgendwie.
Foo Fighters – Halo. Oh je, die Foo Fighters – mir ist grade nicht so ganz klar, wie die es auf meinen iPod geschafft haben, aber egal – dieser Song ist sympathisches Mittelmaß, aber nix besonderes.
Bob Dylan – In The Summertime. Geil, Dylan dillettiert an der Mundharmonika, aber sonst ist der Song ganz großartig, keiner singt so schräg das Wort „suhhmmmataihme“ wie er.
Bob Dylan & The Band – Goin‘ To Acapulco. Nicht unbedingt ein Lieblingssong von mir, aber schön – immer wieder interessant, wie der Shuffle-Modus dann doch seinen eigenen Kopp hat und eben auch mal den gleichen Künstler hintereinander bringt.
Echt – In dieser Gegend. Lacht da jemand? „Recorder“ war ein Superalbum, schade, dass die Band danach implodiert ist – „In dieser Gegend“ ist ein Stück Popmusik, das auch im Jahr 2008 noch frisch, sympathisch und glaubwürdig klingt; und dieser Franz Plasa ist ein Hammerproduzent.
Dave Matthews Band – So Right. Der beste Song vom umstrittenen „Everyday“-Album: starke Hookline, super Arrangement, unmöglich, diesen Track zu hören, ohne an LeRoi Moore zu denken.
Regina Spektor – Fidelity. Yeah, perfekter letzter Song für diese Runde – Regina ist toll, und da fällt mir doch glatt ein, dass ich bei Gelegenheit mal was schreiben sollte über diese neue Single, die Regina grade mit Ben Folds rausgebracht hat.
siebenSONGS John Popper Special
Mit einem neuen Blues Traveler-Album in den Läden und einer anstehenden US-Herbsttour der Band ist es doch geradezu logisch, dass im Hause Daniel derzeit mal wieder John Popper-Mania herrscht. Ich höre derzeit kaum was anderes als BT oder in irgendeiner Art zu BT passende Acts. Und das ist auch der Grund für diese Extraausgabe der siebenSONGS. Popper live – als Bandleader, solo oder auch als Gast.
John Popper Band – Love For Free (Drink, Las Vegas, November 7, 1999) (mp3)
Chan’s Fruits & Vegetables (Spin Doctors + Blues Traveler) with Warren Haynes and Phil Cramer – Baby What You Want Me To Do (Wetlands, New York City, May 12, 1990) (mp3)
John Popper – To & Fro (Wetlands, New York City, August 21, 1991) (mp3)
Spin Doctors with John Popper – Sweet Widow (The Cooler, New York CIty, February 26, 1994) (mp3)
Blues Traveler – Decision Of The Skies (Red Rocks Amphitheatre, Morisson, July 3, 1998) (mp3)
John Popper with Todd Horton, Garrett Alarcon & Chris Barron – Alone (Here Arts Center, New York City, December 16, 2002) (mp3)
Blues Traveler with Warren Haynes – Sweet Talkin‘ Hippie (CBGB, New York City, February 21, 1994) (mp3)
siebenSACHEN vom 4. September 2008. Mit Ben Folds Five, Ani DiFranco, Okkervil River u.a.
– Von Jackson Browne bis Queen, von Brian Wilson bis George Clinton – Popdose benamst 21 Platten, die man im Herbst 2008 gehört haben sollte.
– Phantom Planet haben eine Daytrotter-Session aufgenommen und spielen vier Songs vom aktuellen Album „Raise The Dead“ – Download hier.
– Wiedervereinigung für eine Nacht: Ben Folds Five spielen ihr Album „The Unauthorized Autobiography of Reinhold Messner “ in voller Länge im Rahmen einer Myspace-Veranstaltung.
– We can’t help but absorb what’s around us: Joey Burns von Calexico im Interview mit dem Aquarium Drunkard.
– Neues von Ani DiFranco – die Dame veröffentlicht am 30. September das Album „Red Letter Year“, den Song „Emancipated Minor“ gibts vorab gratis (mp3).
– Der US-Rolling Stone findet die neue Okkervil River nur so mittel.
– Sinéad O’Connor singt „Hey Jude“ im italienischen Fernsehen:
siebenSACHEN vom 1. September 2008. Mit Selig, Grateful Dead, Joseph Arthur u.a.
– Reunion: Selig sind wieder zusammen und wollens noch mal wissen – mit Konzerten und einer neuen Platte im Frühjahr.
– Carried To Dust: hier kann man sich schon mal das am Freitag erscheinende neue Calexico-Album in voller Länge anhören.
– Und gleich noch eine Wiedervereinigung: Grateful Dead gehen für Barack Obama (vielleicht) noch mal auf die Bühne.
– Joseph Arthur live bei KEXP (mp3)
– Frisch im Live Music Archive eingetroffen: eine tolle String Cheese Incident-Show von 1997 (mp3/flac / Winamp-Stream)
– Seriously, you’re almost more likely to get a blowjob after a gig than sell an MP3: hinreißender Artikel übers Musikverkaufen und -machen im Music Think Tank.
– Weil mir mal wieder nach The Cat Empire ist: der Car Song.