Mein 2013: Lieblingsalben

Dawes - Stories Don't End

10 Gov’t Mule – Shout!
Muss man auch erstmal drauf kommen: alle Lieder des eigenen neuen Albums von anderen Weltstars covern zu lassen. Gov’t Mule haben’s gemacht, und ihnen ist damit eines der spannendsten Alben des Jahres gelungen. Die eigentliche Version von „Shout!“ mit Warren Haynes an den Vocals ist eine grundsolide, über jeden Zweifel erhabene Platte. Die Bonus-Disc, auf der sich Künstler wie Dave Matthews, Jim James, Grace Potter oder Elvis Costello der Mule-Songs annehmen, überrascht und zeigt die Unkaputtbarkeit der Kompositionen.

9 The Stone Foxes – Small Fires
Keine Ahnung, wo die plötzlich herkamen. Die Stone Foxes haben mich in der Vergangenheit nie sonderlich interessiert, aber „Small Fires“ hat dafür mächtig eingeschlagen. Große, selbstbewusste Rock-Arrangements für ein paar echt clevere, nicht so leicht aus dem Kopf zu kriegende Lieder. The Stone Foxes liefern mit „Small Fires“ das, woran Acts wie Selig („Magma“) in diesem Jahr gescheitert sind: geiles, unkompliziertes, cooles Rock-Entertainment.

8 Josh Ritter – The Beast In Its Tracks
Josh Ritter ist ein Musiker, der sich im Laufe der Jahre in mein Herz gespielt hat. Immer mal wieder begegneten mir Songs von ihm, die ich einfach stark fand. Als ich dank „The Historical Conquests Of…“ 2007 dann aber endgültig zum Fan wurde, war der Mann schon lange kein Newcomer mehr und hatte bereits eine veritable Diskographie vorzuweisen. Nun also der nächste Streich: „The Beasts In Its Tracks“ ist beim ersten Hören sehr lieb, bisweilen geradezu lieblich. Welche tolle Tiefe diese Stücke besitzen – texlich wie musikalisch – wird dafür bei jedem weiteren Durchlauf umso deutlicher.

7 Ocean Colour Scene – Painting
Na Mensch. Von Ocean Colour Scene habe ich nicht wirklich mehr Großes erwartet. Die Alben der letzten Jahre waren solide, keine Frage. Aber die Magie von „Moseley Shoals“ oder „North Atlantic Drift“ vermochten die Lads um Simon Fowler schon länger nicht mehr im Studio herbeizuspielen. Und da kommen sie mit „Painting“ um die Ecke. Kaum ein Song länger als drei Minuten, ein Sammelsurium an tollen Ideen, feinen Chören und geschmackvollen Arrangements – und vor allen Dingen: ein großartiger Liedzyklus.

6 Arctic Monkeys – AM
Seit Jahren eine geile Band. Besonders freut mich, dass sie den Hype der Anfangstage überstanden und inzwischen einen selbständigen, unverwechselbaren Sound entwickelt haben. „AM“ rockt von vorne bis hinten: diese fast schon hiphop-artigen Drums, dieser rotzig-genervte Gesang, diese im Ohr bleibenden Gitarren-Läufe, diese tollkühnen Falsett-Chöre – wunderbar.

5 Ben Harper & Charlie Musselwhite – Get Up!
Selten hab ich so viele aktuelle Blues-Platten gehört wie in diesem Jahr. Liegt aber sicher maßgeblich daran, dass sich einige der Künstler, die ich sowieso gerne höre, auf ihren jeweils neuen Veröffentlichungen diesem Genre gewidmet haben (siehe auch Platz 2). Ben Harper hat mit dem Mundharmonika-Virtuosen Charlie Musselwhite ein bemerkenswertes Album eingespielt. Die ganze Zeit klingt es wie eine spontane Session, bei der wir Hörer heimlich dabei sein dürfen. Schnörkellos, voller Leidenschaft, voller Kraft.

4 Die Höchste Eisenbahn – Schau in den Lauf, Hase
Hat eine Weile gedauert, bis Moritz Krämer und Francesco Wilking nach der viel versprechenden „Unzufrieden“-EP ein komplettes Album nachgelegt haben. Doch die Geduld wird üppig belohnt: „Schau in den Lauf, Hase“ klingt wie nichts anderes, was in diesem Jahr in Deutschland aufgenommen oder veröffentlicht wurde. Zum Glück: Spielzeuginstrumente treffen auf ausgewachsenen Soul, die beiden Songwriter nuscheln ihre bezaubernden Geschichten um die Wette und als Hörer freut man sich die ganze Zeit, das sowas in deutscher Sprache überhaupt möglich ist. Völlig anders als „I“ von Kid Kopphausen aus dem Jahr 2012, und doch zutiefst seelenverwandt: zwei erstklassige Liederschreiber auf gemeinsamer Entdeckungsreise.

3 Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City
Mit Vampire Weekend ist es ganz ähnlich wie mit den Arctic Monkeys: erst war da der Riesenhype – und dann überzeugte die Band durch langen Atem, Durchhaltevermögen und vor allem durch famose Ideen. „Modern Vampires Of The City“ strotzt geradezu vor guten Einfällen, jeder Song überrascht auf seine Weise – und so gelingt Vampire Weekend ein echtes Kunststück: ihr drittes Album wird zum besten ihrer Karriere.

2 Spin Doctors – If The River Was Whiskey
Klar bin ich befangen. Am Entstehen von „If The River Was Whiskey“ bin ich nicht ganz unschuldig. Ich war einer der Fans, die die Band im Frühjahr 2011 ermutigten (oder auch: damit nervten), doch mal wieder die alten Blues-Stücke aus den Anfangstagen rauszukramen. Klar macht es mich stolz, im offiziellen PR-Waschzettel zum Album deswegen sogar namentlich erwähnt zu werden. Doch auch, wenn all diese persönlichen Bezüge fehlen würden – Spin Doctors ist im 25. Jahr ihres Bestehens der vielleicht größte künstlerische Wurf gelungen: ein live eingespieltes, overdub-freies Album voller eigener Blueskompositionen aus allen Phasen ihrer Bandgeschichte. Zauberhaft und zeitlos.

1 Dawes – Stories Don’t End
Dawes kamen in diesem Jahr über mich wie ein warmer Sommerregen nach wochenlanger Trockenheit: genau die Musik, die ich brauchte, die mir in einem persönlich nicht eben einfachen Jahr in den dunkelsten Momenten geholfen und in den hellsten Stunden Freude bereitet hat. „Stories Don’t End“ ist das dritte Album der Band, und der Counter meines Google Play Music-Accounts lügt nicht – fast schon peinlich, wie oft ich diese wunderbare Musik gehört habe. Handwerklich über jeden Zweifel erhabenes Songwriting, eine auf endlosen Touren perfektionierte Performance und packende Melodien und Satzgesänge – bei keiner Musik habe ich mich in diesem Jahr stärker „zu Hause“ und verstandener gefühlt.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

„Ich kann nicht schwimmen, ich muss …“

Es wird mit Sicherheit noch einige Zeit brauchen, bis ich das Album Schau in den Lauf Hase von Die Höchste Eisenbahn komplett verdaut habe. Es ist ja grade erst am Freitag rausgekommen. Was ich aber schon jetzt mit Sicherheit sagen kann: es packt mich. Diese schnodderige Art, diese zuweilen herrlich albernen Arrangements (das Mundtrompeten-Solo bei „Isi“!) – vor allem aber die Texte und Melodien der Herren Wilking und Krämer gefallen mir ausnehmend gut. „Was machst Du dann“ ist bei Weitem nicht der stärkste Song der Platte, aber die erste Single:

Die Höchste Eisenbahn – Was machst du dann (Youtube)

Hier noch der Song „Aliens“ in einer Liveaufnahme aus dem Frühjahr:

Die Höchste Eisenbahn – Aliens (Youtube)

„It’s just a 100 percent us“: a conversation with Aaron Comess of Spin Doctors

A conversation with Aaron Comess of Spin Doctors about their new album “If the River Was Whiskey”, the band’s 25th anniversary and the ultimate Spin Doctors tune. By Daniel Heinze (The Spin Doctors Archive).

Aaron Comess of Spin Doctors

Daniel: First of all, congrats on all the positive reviews of „If The River Was Whiskey“. Seems like everyone loves what you guys have recorded last July: the critics as well as the fans. Did you expect all those positive reactions?

Aaron Comess: You never really go into a project thinking about that. You always hope that people are going to like it. But it has been really amazing to see all these positive reactions from the critics and from people who got the album early. We’re excited to get it out there and it’s definitely a nice feeling that it’s doing so well. These are the best reviews that we’ve ever gotten! When we first came out we were a young band, we were hip and young and all the critics loved us. But once you sell out your record, they don’t like you anymore. Now, I think it’s a great time for us. Everything’s totally real! And a lot of the critics maybe only know the band for the hits so I think some of them are pleasantly surprised (laughs).

D: One critic wrote that the band has gone „full circle“ with that new album as it goes back to the band’s blues bar roots. How does it feel to revisit and perform material that you guys wrote in the late 80s?

AC: It’s fun! It really feels totally fresh. Because, you know, it’s rock’n’roll! And good rock’n’roll or blues songs should sound good all the time. That kind of music is just so real – that’s the kind of music that always sounds fresh no matter what year it is. And the songs feel great. It’s been really cool to go back and revisit some of these really old ones and mix them with a handful of new ones – it seems to work. All of our stuff is based in blues, because that’s what rock’n’roll is. We have a lot of elements in our music: a lot of funk, we all dedicate ourselves for writing really good songs, and this is kind of the blue print to all we do! Even though it’s the blues, it’s our way of doing the blues: Chris has such a great way with lyrics, Eric’s an amazing guitar player – not a lot of guitar players could carry a whole record and there’s a lot of weight on the guitar playing on this kind of records, and he really shines …

D: … Yeah, you’re not just repeating the 12-bar blues scheme over and over again. Instead, you are mixing it with other elements and musical styles and so, the tracks get that signature Spin Doctors sound …

AC: You’re right. You can call it a blues record, sure. But I like to look at it more like a rock’n’roll record. Truthfully, we can thank you and David Landsberger! (laughs) When we were out on the Pocketfull of Kryptonite 20th anniversary tour in Europe asking people what they wanted to hear, a lot of these songs like “So Bad” or “The Drop” were all on the top of your lists of requests. When we started to play those deep cuts inside of the Kryptonite songs, and they just fit so well, it kind of opened our eyes: “Wow, this is excactly what we were doing back then, material-wise. And the truth is: we play those kind of songs a lot better now than we did back then. There’s no doubt about it!!

D: The 2013 set lists are a really cool mix of the classic stuff and the blues material …

AC: I’m loving it! It’s really helping us to put on a great live show right now!

D: Do you have a favorite cut off „If The River Was Whiskey“? If so, which track is it and why?
Weiterlesen „„It’s just a 100 percent us“: a conversation with Aaron Comess of Spin Doctors“

Mein 2012: Ein Fazit

Every Moment Can Be Joyous, London, March 2012

Zunächst: Tempo, Tempo. Hamburg, Köln, Berlin, Erfurt. Wunderbare Tage in London. Musik, Musik, Musik. Heldenstadt: mehr bloggen denn je. Konferenzen. Tagungen. Moderationen. Studium. 2zueins: Konzerte, viel Spaß im Studio, neues nimmt allmählich Form an. Bonn. Irgendwo bei Bonn. Estland: Tallin, Clowns, Cafés, Nächte ohne Dunkelheit. Helsinki. Unterwegs sein. Aufnehmen, einatmen, aufsaugen, inhalieren.
Später: Zwangsentschleunigung. Dieses Flimmern. Runterfahren, abschalten, ausatmen, loslassen. Halb so schnell. Klarkommen. Klarwerden. Kein Bock mehr. Weniger Termine, mehr Schlaf. Überhaupt: Schlaf. Herbe Verluste: Dirk Bach zum Beispiel. Nils Koppruch zum Beispiel. Mist, das.
Schließlich: Wieder Fahrt aufnehmen. Behutsam diesmal, halb so schnell, doppelt so intensiv. Weiter unterwegs sein. Weil’s das nun mal ist für mich. Dankbar sein für so viele Freunde, so viel Liebe. Viel gelernt in diesem 2012. Viel erlebt, viel gesehen und eingesehen. Warst ein gutes Jahr, 2012. Nicht trotz, sondern weil.

Every Moment Can Be Joyous, London, March 2012

Hier noch einmal meine Lieblings-Listen 2012 im Überblick:
Lieblingsalben 2012
Lieblingskonzerte 2012
Lieblingslieder 2012

Danke, werter Besucher, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2012 – ich freue mich auf 2013 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.

Ältere Jahresrückblicke:
2011 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2010 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2009
2008
2006
2005
2004

Mein 2012: Lieblingslieder

The View - Tacky Tattoo (Single)

10 Some Nights – Fun.
Well, that is it guys, that is all – five minutes in and I’m bored again. Ten years of this, I’m not sure if anybody understands …

9 Frei – Wolke
Du bist alleine, so alleine, ganz allein auf dieser Welt. Niemand da, der Dir sagt, wer Du bist, denn Du bist frei.

8 Emmylou – First Aid Kit
I’ll be your Emmylou and I’ll be your June if you’ll be my Gram and my Johnny too.

7 Songs für Liam – Kraftklub
Die Welt geht vor die Hunde, Mädchen, traurig aber wahr.

6 How – Regina Spektor
Time can come and take away the pain but I just want my memories to remain: to hear your voice, to see your face, there’s not ome moment I’d erase.

5 Going Home – Leonard Cohen
He wants to write a love song, an anthem of forgiving, a manual for living with defeat. A cry above the suffering, a sacrifice recovering but that isn’t what I want him to complete.

4 Queen Of Denmark – Sinéad O’Connor
Who’s gonna be the one to save me from myself? You better bring your stun gun and perhaps a crowbar.

3 Recognize My Friend – Blues Traveler
When we meet again and the music comes in I hope I recognize my friend.

2 Das Leichteste der Welt – Kid Kopphausen
Ich lerne langsam wieder laufen und sprechen, ich gebe den Dingen einen Namen. Ich sage meine Liebe, meine Lügen, meine Hoffnung, meine Schuld, meine Leidenschaft, mein Feuer, meine Wut und meine Ungeduld, mein Nein und mein Vielleicht und mein unbedingtes Ja.

1 Tacky Tattoo – The View
Sometimes, you feel you’re not so clever when you can’t even find a melody for your song.

Meine zehn Lieblingslieder 2012 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Mein 2012: Lieblingskonzerte

The Cat Empire, Berlin, 2012

10 – Amarcord, Leipzig, 5. Oktober
Festkonzert zum 20. Jubiläum des Ensembles im Großen Saal des Gewandhauses. Mit einem Querschnitt aus ihrem Repertoire, von Renaissance-Madrigalen bis hin zu einer Uraufführung. Am Ende stehende Ovationen, völlig zu Recht.

9 – Kraftklub, Leipzig, 21. Oktober
Deutschlands Band des Jahres bringt das Haus Auensee zum Überlaufen. Selten ein derart euphorisches und durchgeschwitztes Publikum erlebt. Einfach nur großartig.

8 – Ray’s Guesthouse, Berlin, 24. Mai
MTV-Legende Ray Cokes mit neuer Live-Bühnen-Show im Berliner Postbahnhof. Triggerfinger performen „I Follow Rivers“, kurz bevor es zum Überraschungs-Sommerhit wurde. Außerdem dabei: Fiva und das Phantomorchester, die frisch wiedervereinten Plan B aus Berlin, Me & My Drummer, Admiral Black und Two Trick Pony. Und ein bestens aufgelegter Ray Cokes, natürlich.

7 – Sinéad O’Connor, Berlin, 19. April
Einen Tag, bevor sie einen Nervenzusammenbruch haben sollte, der zur Absage der gesamten Rest-Tour führt, sang Sinéad in Berlin. Verwundbar und aufgekratzt wie immer, sichtlich müder als nur wenige Wochen zuvor in London (siehe unten), aber immer noch in sehr guter Form. Ein bewegender Abend.

6 – Stoppok, Leipzig, 8. Dezember
Stefan Stoppok, ganz alleine im proppevollen Anker. Die vorweihnachtlichen Besuche des Barden im Leipziger Norden haben inzwischen eine gewisse Tradition, aber ganz und gar keine Routine. Stoppok ist in Spiellaune, das Publikum singt eifrig mit und am Ende, wie so oft bei Stoppok, gehen alle glücklich nach Hause.

5 – Wolke, Leipzig, 2. Juni
Gerade mal zwanzig Menschen wollten Wolke in der Moritzbastei sehen. Wenn die restlichen 500.000 Leipziger nur wüssten, was sie verpasst haben! Das Duo stellte die Songs ihres neuen Album „Für immer“ vor und sangen natürlich auch Klassiker wie „Kleine Lichter“. Ich war, ähem, auf Wolke 7.

4 – Selig, Dresden, 19. November
Muss man sich auch erstmal trauen: Selig performen ihr komplettes neues Album „Magma“, obwohl das noch keiner kennt, weil es erst im neuen Jahr kommt. Experiment geglückt: die Fans im ausverkauften Beatpol fraßen der Band aus der Hand, das neue Material hört sich fabelhaft an, und der XXL-Zugabenblock bot dann von „Ist es wichtig“ bis „Schau Schau“ alles, was der Fan sich noch gewünscht hat.

3 – Sinéad O’Connor, London, 10. März
Eines der besten Sinéad-Konzerte, die ich in meinem Leben sehen durfte. Das Publikum lag ihr zu Füßen, die neuen Songs rockten, die Künstlerin selbst war enorm gut gelaunt und legte einen Auftritt für die Ewigkeit hin. Dem euphorischen Publikums-Applaus folgten in den Tagen darauf Lobeshymnen in der britischen Musikpresse.

2 – Spin Doctors, Hamburg, Köln, Berlin, Erfurt, 22.-27. Januar
Wie schon 2011 hatte ich das Glück, die lieben Spin Doctors auf einem Teil ihrer Tour begleiten zu können. Diesmal ging’s durch Deutschland. Und es war surreal gut. Wie ich an „meinem“ ersten Abend das lang ersehnte, seit mehr als einem Jahrzehnt ungespielte „Prey To Bears“ als Zugabe gewidmet bekam. Wie die deutschen Fans die Band gefeiert haben. In Hamburg zum Beispiel. Oder wie selbst das mies besuchte Erfurt-Konzert rockte. Die Docs waren sympathisch wie immer, und für mich war das eine Deutschland-Rundfahrt der ganz besonderen Art. Hoffentlich bald wieder.

1 – The Cat Empire, Berlin, 14. Dezember
Dass die Jahresbestenlisten-Dauergäste The Cat Empire in diesem Jahr Platz 1 einnehmen, überrascht mich selbst ja am meisten. Denn das war ein starkes Konzertjahr, ohne jede Frage. Aber kein Abend war so perfekt wie diese Show in der Columbiahalle. Selbst in den Toiletten tanzten die Menschen verzückt – und trotz restlos gefüllter Halle gab es nicht einen, der nach dem Konzert genervt oder unzufrieden wirkte. Das macht den Australiern so schnell keiner nach. Kann das neues Album und die 2013er Auflage des alljährlichen Berlin-Konzertes kaum erwarten.

Mein 2012: Lieblingsalben

(umgetextete Psalmen aus dem Alten Testament zu sehr sanfter Gitarrenbegleitung)

10 Kraftklub – Mit K
Keine andere deutsche Band erlebte 2012 einen derartigen Dauerhype, keine andere deutsche Band hatte ihn aber auch dermaßen verdient. Die Chemnitzer veröffentlichten früh im Jahr „Mit K“, eine an schlauen Texten und zwingender Gitarrenarbeit wahrlich reiche Songsammlung. Das Album ging auf 1, die Band spielte gefühlt mehr Konzerte, als das Jahr Tage hatte – und selbst ein knappes Jahr nach „Mit K“ wirkt alles an dieser Band frisch und glaubwürdig.

9 Ben Kweller – Go Fly A Kite
Der Typ wirkt auch mit über 30 noch wie der seltsame Nerd aus der Parallelklasse, der in der Hofpause heimlich im Gebüsch eine raucht. Dabei ist Ben Kweller längst ein profilierter Songwriter und begnadeter Multiinstrumentalist. Nach Ausflügen in Richtung Country und ein paar Monaten Pause nun also „Go Fly A Kite“: kein einziger Füller, jeder Song geradeheraus, herzlich und einprägsam. Sachen wie „Gossip“ und „Jealous Girl“ möchte ich tagein, tagaus im Radio hören.

8 Regina Spektor – What We Saw From The Cheap Seats
Gerade mal 36 Minuten dauert das Vergnügen, das „What We Saw From The Cheap Seats“ geworden ist. Die in Moskau geborene Sängerin präsentiert auf ihrem sechsten Album eine Mischung aus neuen und alten Stücken, so hat sie etwa das grandiose „Don’t Leave Me (Ne Me Quitte Pas)“ noch einmal neu arrangiert und aufgenommen. Wieder ist es ihre famose Stimme, die mich in ihren Bann zieht. Wieder ist es das Fehlen jedweder Beiläufigkeiten oder Belanglosigkeiten, das dieses Album zu einem Genuss macht. Zum Nebenbeikonsum ganz und gar nicht geeignet.

7 Martin Rossiter – The Defenestration Of St. Martin
Spät im Jahr gesellte sich Martin Rossiter zu meinen Lieblingsalben-Machern hinzu. Der ehemalige Sänger der wunderbaren britischen Band Gene („Olympian“, „Fighting Fit“) hat nach sieben Jahren Musik-Pause ein eigenwilliges, aber bemerkenswertes Album aufgenommen. „The Defenestration Of St. Martin“ lebt über die meiste Zeit ausschließlich von Piano und Gesang, nur gelegentlich setzt der Walise andere Dinge wie Chöre oder Drums ein – immer nur dann, wenn sie ihm wirklich notwendig erscheinen. So hat er einen musikalisch sanften und lyrisch herausfordernden Liederzyklus abgeliefert, in dem ich mich in diesem Winter nur allzu gern verlieren möchte.

6 The View – Cheeky For A Reason
Da sind sie wieder, The View. Auch auf die Gefahr hin, dass meine kleine Seite irgendwann als deutsches View-Fanblog gehandelt wird: auch das 2012er Album der Schotten ist wieder ein großer Wurf. Unerwartet schnell nach dem sehr üppigen „Bread And Circuses“ veröffentlicht, geht es auf „Cheeky For A Reason“ wieder rauer und reduzierter zu, was die Produktion betrifft. Keineswegs aber beim Songwriting: diese elf famosen Popsongs haben mich durch das gesamte zweite Halbjahr 2012 begleitet, wofür ich den vier Herren zutiefst dankbar bin.

5 Dave Matthews Band – Away From The World
Mit deutlich kleinerer PR-Maschine als beim Album drei Jahre zuvor lieferte die Dave Matthews Band 2012 eine neue Platte ab. Dabei galt die schon als Sensation, ohne dass man nur einen einzigen Ton gehört haben musste. Immerhin war erstmals seit 2000 wieder Steve Lillywhite Produzent der Band; jener Mann, der auch schon U2 groß gemacht und die ersten drei DMB-Major-Releases produziert hatte – allein dieser Name sorgte für massig Vorschusslorbeeren. Was die Fans zu hören bekamen, erfüllte die fast schon unmenschlich hohen Erwartungen überraschenderweise voll und ganz. „Away From The World“ ist keine reine Song-Ansammlung, sondern eine meisterlich kompilierte musikalische Reise. Statt „Hits“ gibt’s ein fünfzigminütiges Epos wie aus einem Guss.

4 The Avett Brothers – The Carpenter
Zum zweiten Mal produziert Rick Rubin die Gebrüder Avett, und erneut geht das richtig gut. „The Carpenter“ besticht durch grandioses Songwriting zwischen Folk, Rock, Country und Pop – und die Avett Brothers singen und spielen einmal mehr, als ginge es um ihr Leben.

3 Kid Kopphausen – I
Die tragischste Veröffentlichung des Jahres. Als „I“ herauskam, waren wir alle begeistert, verzückt, ja geradezu euphorisch: Nils Koppruch und Gisbert zu Knyphausen, a match made in heaven. Tolle Stimmen, tolle Songs, ein Gesamtkunstwerk. Und dann, lächerlich wenige Wochen nach Veröffentlichung, schläft Koppruch einfach so ein. Bis heute macht mich sein Tod ratlos und traurig. Wer weiß, ob ich „I“ jemals wieder unbeschwert und ohne Wehmut hören kann. Dabei gehört dieses Album gehört, wieder und wieder und wieder. Mach’s gut, Nils.

2 Blues Traveler – Suzie Cracks The Whip
Unerträglich lange hat es gedauert, bis Blues Traveler ein neues Album fertig hatten – immerhin vier Jahre! Das lange Warten wurde aber reich belohnt. „Suzie“ ist eine Rückkehr zur Höchstform. Ging es in der letzten Zeit doch etwas behäbig und gesetzt zu bei den Herren um John Popper, so sind sie jetzt, in ihrem 25. Bandjahr, direkter, unmittelbarer und lauter denn je. Die zahlreichen Co-Autoren, die gewitzten Produzenten und nicht zuletzt natürlich die spielfreudigen Bandmitglieder hauchen dem Projekt Blues Traveler neues Leben ein. Das beste der Band seit dem 2003er Überalbum „Truth Be Told“. Things are looking up.

1 Sinéad O’Connor – How About I Be Me (And You Be You)?
Noch länger, nämlich fünf Jahre, hat es gedauert, bis Sinéad O’Connor mal wieder mit einem neuen Album um die Ecke kommt. Waren das 2007er „Theology“ (umgetextete Psalmen aus dem Alten Testament zu sehr sanfter Gitarrenbegleitung), das 2005er „Throw Down Your Arms“ (Reggae-Cover) und das 2002er „Sean-Nos Nua“ (sanft modernisierte Irish-Folk-Standards) eher Alben für echte O’Connor-Liebhaber, so ist „How About I Be Me…“ die erste „klassische“ Pop-CD der Irin seit dem 2000er Meisterwerk „Faith And Courage“. Die Platte wirkt wie eine Essenz ihres Schaffens, stimmlich ist sie in Bestform und nach wirklich jedem Lied habe ich ein zufriedenes, glückliches Grinsen im Gesicht. Seit über 20 Jahren begleitet mich die Musik dieser Frau durch’s Leben, in diesem Jahr intensiver denn je.

Spin Doctors – If The River Was Whiskey (live 2012)

Ein Vorbote auf das hoffentlich bald erscheinende, auf alle Fälle bereits fix und fertig eingespielte neue Bluesalbum der Spin Doctors: der Titelsong „If The River Was Whiskey“ in einer Liveversion aus dem Juli 2012. Warum ich am Entstehen dieser Platte tatsächlich nicht ganz unschuldig bin, muss ich bei Gelegenheit mal hier aufschreiben – auch zur Sicherheit, damit ich mir das selbst noch glaube, wenn ich einmal alt und grau bin. Für den Moment erfreue ich mich aber erstmal an der tollen Musik. Und Ihr, werte Leser, Euch hoffentlich auch.

2zueins! – Irgendwo bei Bonn (2012)

Empfehle hiermit einen kleinen neuen Song meiner Band 2zueins!: mit dem in nur zwei Tagen aufgenommenen und abgefilmten Stück “Irgendwo bei Bonn” stellen wir unter anderem unter Beweis, dass wir über bestenfalls durchschnittliche Geographiekenntnisse verfügen – aber immerhin in der Lage sind, leidenschaftlich liebe Menschen zu vermissen, die plötzlich ganz woanders wohnen … Viel Freude mit einem Lied, das mir persönlich ’ne Menge bedeutet.

Das Video zum Song entstand an einem sonnigen Junisonntag im Leipziger Süden:

„Ich steh‘ vor Dir mit leeren Händen, Herr“: Huub Oosterhuis.

Vor zwei Wochen sollte ich in der Leipziger Nikolaikirche das Kirchenlied „Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr“ von Huub Oosterhuis und Lothar Zenetti (deutsche Übertragung) vorstellen. Im Rahmen der Reihe „Musik und Besinnung“ hielt ich zu diesem mir enorm ans Herz gewachsenen Lied als katholischer Gast in der evangelischen Nikolaikirchgemeinde eine Art Laienpredigt. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, welche Kontroversen es derzeit in der katholischen Kirche um dieses Stück Musik und seinen Urheber gibt.

Das Lied (und weitere Texte von Oosterhuis) sollen im neuen „Gotteslob“, dem für 2013 geplanten neuen katholischen Gesangbuch, nicht mehr enthalten sein, weil der niederländische Dichter und Theologe in konservativen katholischen Kreisen in Ungnade gefallen ist: der ehemalige Priester und Jesuit ist seit über 30 Jahren verheiratet.

Ein „Gotteslob“ ohne „Ich steh vor Dir mit leeren Händen, Herr“? Eine traurige Vorstellung. Und wenn es stimmt, dass bestimmte Instanzen der Amtskirche Oosterhuis aufgrund seines Privatlebens aus dem überarbeiteten Gesangbuch kicken wollen, dann empfinde ich das als Skandal und Bevormundung der singenden, betenden Gemeinden im ganzen Land.

Wen das Thema „Oosterhuis und das neue Gotteslob“ genauer interessiert, der findet bei musikundtheologie.de jede Menge Hintergründe und Links (und freilich auch einige recht polemische Kommentare, die meines Erachtens aber nur unterstreichen, wie emotional die ganze Geschichte im ‚Kirchenvolk‘ diskutiert wird – und welch Frust entsteht, wenn derartige Entscheidungen in nicht transparenten Gremien und unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprochen werden).

Vielleicht war es ja ganz gut, dass ich von der Debatte um Oosterhuis erst nach meiner kleinen Ansprache erfahren habe – so konnte ich mich voll und ganz dem Inhalt des Liedes widmen, ohne jeden Frust und ohne der Versuchung zu erliegen, im falschen Rahmen tagesaktuelle kirchenpolitische Dinge zu thematisieren. Im Folgenden dokumentiere ich nun meine am 7. März in der Nikolaikirche vorgetragenen Gedanken zu besagtem Lied.

Weiterlesen „„Ich steh‘ vor Dir mit leeren Händen, Herr“: Huub Oosterhuis.“