Läuft.

So eine Woche Urlaub sieht von vorne ja immer enorm vielversprechend aus: sieben Tage Zeit! Um Auszuspannen und um all die tausend Dinge zu machen, auf die man schon seit langem Lust hatte. Diese unendlichen Möglichkeiten! Das Ende vom Lied? Statt Tag für Tag neue Bäume auszureißen, ist man so faul wie eh und je – vielleicht sogar noch ein wenig fauler als sonst – und vollbringt im Urlaub dann doch nur einen Bruchteil von dem, was eigentlich möglich war.

Kurz und gut: meine Urlaubswoche geht grade zu Ende, ab Montag ist wieder Alltag angesagt. Aber statt mich zu grämen über all die Dinge, die ich in den letzten Tagen nicht gemacht habe, finde ich es schöner, die freien Tage versöhnlich ausklingen zu lassen. Statt zu klagen über In-der-freien-Zeit-nicht-Vollbrachtes geb ich deshalb lieber mal ein kurzes Update zu dem, was in den letzten Monaten so alles passiert ist.

Am vergangenen Sonntag haben Heiko und ich ein Video gedreht. Genauer, wir saßen rum und haben alle anderen um uns herum ein Video drehen lassen – vier Kinder, die die Hauptdarsteller des Clips sind, und zwei ausgewiesene Fachmänner, die richtig Ahnung davon haben, wie ein cooles Filmchen auszusehen hat – Benjamin und Maurice. Der Anlass für das Video, das Ihr voraussichtlich im September begutachten könnt? Ist einen weiteren eigenen Absatz wert.

Wir haben unsere Platte endlich fertig! Jawoll, 2zueins! haben es geschafft, ihr drittes Album fertig zu bauen – und wir sind extrem stolz auf das, was wir da in den letzten dreieinhalb Jahren (unglaublich!) zusammengebastelt haben. Die Platte heißt „Euer Ja sei ein Yeah!“, ist natürlich unfassbar super und funky und deep und rockt wie Hulle, kommt im September raus und braucht ein Video, um beworben zu werden – und genau deshalb saßen Heiko und ich am letzten Sonntag in einem muffigen alten Keller in Leipzig rum und haben uns von vier Kindern, nun ja, verschönern lassen. Aber mehr sei noch nicht verraten – wir sind ja selber auf den finalen Clip gespannt, und natürlich darauf, wie die geneigten Hörer denn unser neues Album finden werden. Nach dem 8. September wissen wir’s, dann gibt’s die elf neuen Songs als CD (todschickes Digipack, 16 Seiten Booklet und so – dringende Kauf- und Weiterschenkempfehlung!!!) und Download überall zu kaufen.

Neue Platte, neues Video, und auch sonst jede Menge Termine, Ideen und Projekte: vielleicht gar nicht so schlecht, dass meine zu Ende gehende Urlaubswoche viel fauler war als geplant – jedenfalls hab ich das Gefühl, dass meine Akkus wieder etwas voller sind. Ich freu mich auf das, was da kommt; gelobe, hier wieder ausführlicher darüber zu berichten; und stürze mich nun voller Faulheit in die letzten 24 Stunden meiner Auszeit, bevor ich ihn am Montag wieder gut gelaunt herzen, knuddeln und umarmen werde – den guten alten Kumpel Alltag.

Plötzlich Podcaster

Anfang des Jahres stellten Guido (Mastermind, Erfinder und CEO von heldenstadt.de) und ich (seit 2010 sein treuer DienerMitblogger dort) eher zufällig fest, dass wir beide mächtig Bock auf‘s Podcasten hätten. Warum also nicht einen heldenstadt-Podcast ins Leben rufen? Es einfach mal ausprobieren?

heldenstadt Podcast

Man höre und staune: was wir da testhalber in einer Pilotfolge zusammengeplaudert hatten, schien sogar einigen Menschen zu gefallen. Vor ein paar Tagen ist nun schon die sechste Ausgabe online gegangen – wir unterhalten uns über die Leipziger Buchmesse 2014. Wer in unsere bisherigen Machwerke reinhören mag, findet sie gesammelt an dieser Stelle oder kann sie bei iTunes oder via RSS abonnieren.

Mir ist bewusst, dass Podcasts hierzulande ein Nischendasein führen. Persönlich empfinde ich das zeitsouveräne Hören spannender Podcasts über’s Smartphone schon seit vielen Jahren als echten Segen – und bin den Machern von All Songs Considered, hr2 Der Tag, Was mit Medien, WRINT, Wir müssen reden, Theo.Logik, Küchenradio und all „meiner“ anderen Podcasts dankbar für unzählige lehrreiche, lustige, unterhaltsame, informative Stunden.

Und natürlich hoffe ich, dass unser kleiner Leipzig-Podcast im Laufe der Zeit sein kleines, aber gewiss erlesenes Stammpublikum finden wird.

Sie nennen’s Religion und landen in der Hölle.

In „They Call That Religion“ des wunderbaren US-Trios The Devil Makes Three kriegen korrupte (pseudo-)religiöse Führer wie Ted Haggard und L. Ron Hubbard ihr Fett weg. Der Song taugt aber ganz generell als hübsche Hymne gegen Bigotterie und Geldmacherei im Namen des Herrn: „They call that religion but you know they’re going to Hell when they die.“

The Devil Makes Three – „They Call That Religion“ (Youtube)

Nur über Strukturen reden und die Gleichen bleiben?

Georgsbote Logo

    Im Bistum Dresden-Meißen läuft gerade ein pastoraler Erkundungsprozess an. Die Fragestellung: wie kann, sollte, muss sie aussehen, die katholische Kirche der Zukunft in Sachsen und Ostthüringen? Die Gemeinden des Leipziger Nordens haben mich gebeten, diesen Prozess als Moderator zu begleiten. So sehr ich vor dieser Aufgabe Respekt habe, so sehr freue ich mich auf die Zusammenarbeit. Gleich zu Beginn wurde ich für den „Georgsboten“, das Gemeindeblatt der Pfarrei St. Georg in Leipzig-Gohlis, zum Erkundungsprozess befragt. Das Interview veröffentliche ich hier mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

Nur über Strukturen reden und die Gleichen bleiben?
Pastoraler Erkundungsprozess im Leipziger Norden

Im Oktober 2013 hat unser Bischof alle Gemeinden, Gemeinschaften und Einrichtungen im Bistum Dresden-Meißen zu einem Erkundungsprozess eingeladen, der über die bisherigen Pfarreigrenzen hinausblicken soll. Die Pfarreien Wahren, Gohlis und Wiederitzsch bilden einen sogenannten „Pastoralen Raum“ bzw. eine „Verantwortungsgemeinschaft“, um gemeinsam die aktuelle Situation und die künftigen Herausforderungen unserer Kirche im Leipziger Norden zu erkunden. Mit dem katholischen Kirchenredakteur Daniel Heinze konnte ein Fachmann gewonnen werden, der den Erkundungsprozess in unserem Pastoralen Raum als Moderator begleiten wird. Ihm hat der „Georgsbote“ ein paar Fragen gestellt.

Die Gemeinden unseres Bistums sind von Bischof Dr. Koch aufgerufen zu einem „Pastoralen Erkundungsprozess“. Was kann man sich darunter vorstellen?
Beim Erkundungsprozess geht es darum, in unseren Gemeinden zu schauen, wo es hingehen soll. Wir gucken dabei nicht nur auf uns selber, sondern auch auf die Nachbargemeinden. Wir schauen, wo wir uns verorten, in welcher Welt wir sind. Und dann ziehen wir die Schlüsse daraus.
Der Begriff soll auch zeigen: Es geht uns nicht um eine reine Strukturdebatte. Da kann ich nur Bischof Koch zitieren: „Wenn wir am Ende nur über Strukturen reden und wir bleiben die Gleichen, dann haben wir alles falsch gemacht.“ Der Titel des Hirtenworts des Bischofs zum Erkundungsprozess lautet: „Berufen zur eucharistischen Kirche“. Wir sollen eucharistische Kirche sein, das Geheimnis unseres Glaubens rausgeben. Das ist ja ganz weit weg von der Frage: Wo ist am Sonntag Gottesdienst?
Natürlich haben die Leute Angst, dass es darum geht, wer den Pfarrer behalten darf und wer nicht. Ich finde es gut, dass schon der Name andeutet: Es geht uns eigentlich um mehr als das. Der Begriff impliziert nämlich auch, dass wir noch lange nicht fertig sind, wir müssen erkunden, wie es weitergeht. Und da hat natürlich der Leipziger Norden eine andere Situation als der Leipziger Süden, als die Provinzstädte.

Wie soll der Erkundungsprozess konkret ablaufen?
Der Bischof redet von drei Schritten. Im ersten Schritt sollen wir fragen: Wer sind wir selber? Was können wir gut? Was machen wir? Der zweite Schritt: Wer ist unsere Umwelt? Mit wem kommunizieren wir über uns hinaus? Das meint also Mitchristen in den Nachbargemeinden genauso wie die vielen Nichtchristen. Und das dritte ist: Was ist zu tun?
Es gab bereits ein Treffen mit den Hauptamtlichen sowie Vertretern der Pfarrgemeinderäte unserer drei Pfarreien. In Wahren und Gohlis gab es dazu Vorgespräche im Pfarrgemeinderat, in Wiederitzsch gab es ein Gemeindeforum dazu. Im Februar sitzen die drei Pfarrgemeinderäte zusammen, im April gibt es einen „Runden Tisch“ mit Vertretern aller kirchlichen Orte. Und dann kommt noch im ersten Halbjahr die Dresdner Abordnung und redet mit uns. Da kommt aber nicht nur der Bischof alleine, sondern mit Pastoralchefin, mit Personalchef, mit Finanzmenschen usw. Am Ende werden dann irgendwann der Bischof und der Generalvikar sagen, so wird sich die Kirche hier aufstellen.

In der Einladung zum Erkundungsprozess schreibt der Bischof, dass es vorerst nicht um strukturelle, personelle, bauliche und finanzielle Konzepte geht – diese werden die Konsequenz sein. Was bedeutet das?
Ich glaube, dass es strukturelle und personelle Veränderungen geben wird, ist etwas, was der Bischof noch nicht mal androhen kann. Das ist Tatsache. Wir werden irgendwann im Bistum die Seelsorger, die Priester, die nicht im Ruhestand sind, an ein paar Händen abzählen können. Das ist eine von mehreren Sachen.
Es ist nicht ziel führend, am Anfang über Strukturen zu reden und zu sagen, es geht nur darum, wie wir es hinkriegen, mit zwei Pfarrern weniger das gleiche machen zu können wie heute. Dann ginge es wirklich nur um Posten und wir haben uns kein bisschen den Leuten geöffnet, die in den Asylbewerberheimen nach Antworten suchen und den vielen Nichtchristen, die auf Kirche überhaupt nicht gut zu sprechen sind. Die personellen Fragen kommen sowieso. Da ist es gut, wenn wir als Bistum gerüstet sind und wissen, wo wir hinmüssen.

Werden wir demnächst zum Gottesdienst nach Wahren fahren müssen?
Gegenfrage: Wäre das so schlimm?
Nein – die Angst muss niemand haben, auch perspektivisch nicht. Gohlis hat natürlich den Vorteil, dass es eine wachsende Gemeinde ist. Wir haben aber auch das große Glück, dass die Dominikaner in Wahren sind und damit hier auch das Bistum entlastet wird. Als jemand, der aus einem strukturärmeren Gebiet kommt, halte ich es schon für Luxus, dass hier nördlich der Georg-Schumann-Straße drei katholische Kirchen sind. Ich finde das gut. Denn die Gemeinden sind auch völlig unterschiedlich geprägt. Jede der Gemeinden hat eine andere Geschichte, eine andere Prägung, auch andere Herausforderungen. Ich finde, wir müssen uns vorerst keine Sorgen um Gottesdienstzeiten machen. Ich glaube, jetzt sind eher solche Fragen dran wie: Wie verhalten wir uns dazu, dass wir in einem absolut säkularen Umfeld sind? Wie stehen wir zu den Fremden, die in unseren Stadtteil kommen und alle lehnen sie ab? Wo ist da die im Evangelium verwurzelte Fremdenfreundlichkeit? Das soll kein Vorwurf sein, aber ich denke, die katholische Kirche im Norden Leipzigs könnte sichtbarer sein. Damit meine ich nicht eine einzelne Gemeinde, damit meine ich mich als Katholik, der im Leipziger Norden lebt. Ich erhoffe mir von dem Erkundungsprozess, dass das auch unser Selbstbewusstsein im missionarischen Sinne aufbaut, dass wir nach außen gehen und sagen: Ja – ich bin Christ, ich bin Katholik, dass wir auch rausgehen und sichtbar werden in der Stadt.

Würden Sie einen Ausblick zu den Ergebnissen des Prozesses wagen? Welche Visionen oder Wünsche haben Sie für die Katholiken im Leipziger Norden?
Ich würde mir wünschen, dass die Idee, mal in Wiederitzsch oder in Wahren in den Gottesdienst zu gehen, nicht völlig absurd erscheint. Ich würde mir wünschen, dass ein Wahrener erkennt, wie schön und prägend die Architektur der Wiederitzscher Kirche ist, dass vielleicht das Kloster in Wahren auch ein Ort ist, der für die Gohliser Gemeinde relevant sein kann, dass der Gemeindesaal in Gohlis auch mal von den Wahrenern mitgenutzt werden kann.
Natürlich kann es sein, dass wir alle einen gemeinsamen Gemeindereferenten haben oder ein gemeinsames Team, was aus drei Priestern besteht, die alle an einem Standort X wohnen und alle drei Standorte bedienen. Das ist alles denkbar. Und ich würde mir wünschen, dass jemand, der sich für Kirche interessiert oder für Glaubensfragen, nicht erst in der Innenstadt die Orientierung suchen muss, sondern in seinem Viertel, in Gohlis oder Eutritzsch, merkt: Stimmt – da ist doch Kirche da. Wenn wir das hinkriegen, sind wir auf dem richtigen Weg. Ganz egal, wie viele Priester wie viele Menschen betreuen müssen oder welches Pfarrhaus wie sanierungsbedürftig ist. Denn diese Probleme wird es weiterhin geben.
Ich wünsche mir auch, dass Ökumene unter den Christen aber auch mit Andersglaubenden und Nichtglaubenden auch im Leipziger Norden funktioniert. Herausforderungen gibt es da viele. Ich nenne nur die Asylbewerberheime und natürlich auch den Moscheebau. Vielleicht schaffen wir das ja. Das ist sicher eine große Vision. Aber wer keine Träume hat ist selber Schuld.

Das Interview führte Hubert Sievert, erschienen ist der Artikel in der Ausgabe 21 (Februar/März 2014) des Georgsboten, die demnächst auch online verfügbar sein wird.

Mein 2013: Ein Fazit.

Blumen

Einerseits. Liverpool. Athen. Krakau. Breslau. Theologie-Prüfungen. Neuer Papst, neuer Bischof, Arbeit wie nie. Heldenstadt. Den 35. Geburtstag in einem Kloster gefeiert. Kiel. Bristol. London. Dresden. Vorband für Omega aus Ungarn. Schienenersatzverkehr. Dortmund. Kloster Reute. Das nächste 2zueins!-Album so gut wie fertig eingespielt. Mit der Lieblingsband am Day Off zu Abend gegessen. Hannover. Augsburg. Hamburg. Leeds. Torgau.

Andererseits. Am 1. August ist meine Mutter gestorben. Das ändert alles, grundlegend. Mit jedem Tag, der seitdem vergangen ist, vermisse ich sie, ihre Liebe, ihre Weisheit, ihren Witz stärker. Bin unendlich traurig, weil sie weg ist. Zutiefst dankbar, dass sie da war. Entschlossen, weiterzumachen.

2013. Kein mieses Jahr, nein. Viel zu dankbar bin ich für die guten Momente, die kleinen und großen Gesten der Freundschaft und Anteilnahme, die schönen Stunden. Und trotzdem wird es immer das Jahr mit dem bisher schwersten Abschied meines Lebens bleiben. Gut, dass es heute zu Ende geht.

Vermisst

Hier noch einmal meine Lieblings-Listen 2013 im Überblick:
Lieblingsalben 2013
Lieblingskonzerte 2013
Lieblingslieder 2013

Danke, werter Besucher, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2013 – ich freue mich auf 2014 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.

Ältere Jahresrückblicke:
2012 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2011 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2010 (Fazit, Alben, Konzerte, Lieder)
2009
2008
2006
2005
2004

Mein 2013: Lieblingslieder

Dawes - Stories Don't End

10 Jim James – State Of The Art (A.E.I.O.U.)
We got our wires all crossed, the tubes are all tied and I’m straining to remember just what means to be alive.

9 Joseph Arthur – I Used To Know How To Walk On Water
Forgive me now my useless thunder when I was such a dynamo. I am here and I am humble for I know not which way to go.

8 Iron & Wine – Joy
Deep inside the heart of this troubled man, there’s an itty bitty boy tugging hard at your hand. Born bitter as a lemon but you must understand that you’ve been bringing me joy.

7 Ina Müller – Pläne
Wie ich mit diesem harten Schluss ein Stück erwachsner werden muss …

6 The Shouting Matches – Gallup, NM
You know that your lies are talking, when you know that your lies are walking with the truth. And you were always looking, and I was always cooking up the proof.

5 Bilderbuch – Plansch
Her mit dem Käscher und holt ihn raus, er treibts wieder grün und blau. So ein frecher Beckenverdrecker, Beckenverdrecker.

4 The Avett Brothers – Morning Song
‚Cause even though I know there’s hope in every morning song, I have to find that melody alone.

3 Spin Doctors – So Bad
He’s got a tattoo of an angel weeping in the rain.

2 Die Höchste Eisenbahn – Isi
Isi mach die Tür von innen zu! Es waren mehr als zwei Gläser und auch mehr als zehn. Du darfst nicht mit dem Fahrrad und du sollst auch nicht zu Fuß, Du darfst überhaupt nicht mehr gehn.

1 Dawes – Bear Witness
As if the world revealed its secret and it’s asking me to keep it like a kid that hears the ocean in a shell: that’s the love that I came to bear witness to and the love I’m taking with me when I go.

Meine zehn Lieblingslieder 2013 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingslieder 2012 (Spotify), 2011 (Spotify), 2010 (Spotify), 2009 (Spotify), 2008.

Mein 2013: Lieblingskonzerte

Mit Griffin Goldsmith von Dawes, Reeperbahn Hamburg, 13. September 2013.
Mit Griffin Goldsmith von Dawes, Reeperbahn Hamburg, 13. September 2013.

10 – Selig, Leipzig, 14. März
Das offizielle Konzert zum „Magma“-Album. Mit der Platte hadere ich, weil sie mir zu gefällig daherkommt und zu glattgelutscht. Live fügten sich die neuen Stücke aber sehr gut ins Gesamtrepertoire ein. Bei weitem nicht das beste Selig-Konzert, das ich jemals gesehen habe, aber ohne Zweifel ein unterhaltsamer Abend.

09 – Spin Doctors, Isernhagen, 12. Oktober
Isernhagen soll stellvertretend für die sieben Spin-Doctors-Konzerte stehen, die in diesem Jahr sehen durfte. Die Touren durch England und Deutschland waren total unterschiedlich, gemein war ihnen, dass die Jungs es an jedem einzelnen Abend schafften, ihr Publikum zu „kriegen“, ob da nun zwanzig Menschen vor der Bühne standen (Augsburg) oder der Laden zum Bersten voll und ausverkauft war (Bristol). Der Gig in Isernhagen war perfekt: tolle Location, feierfreudiges Publikum und eine bestens aufgelegte Lieblingsband. Einer der sieben Abende mit den Doctors stach dennoch hervor, mehr dazu weiter unten.

08 – Charitone, Hamburg, 15. September
Die Hamburger Straßenzeitung Hinz & Kunzt wurde 20 Jahre alt und das feierten Macher, Verkäufer, Förderer und Freunde mit einem bemerkenswerten Open-Air-Konzert im Hamburger Stadtpark. Die NDR Big Band zusammen mit dem Who-Is-Who der Hamburger Popszene. Bernd Begemann moderierte den rotweinseligen Spätsommernachmittag, an dem wir vier schöne Stunden lang eigens für diesen Anlass arrangierten Stücken von und mit Niels Frevert, Boy, Cäthe, Johannes Oerding, Roger Cicero, Pohlmann, Regy Clasen und Stefan Gwildis lauschten.

07 – Jan Garbarek Group, Dresden, 2. November
Mal ganz was anderes. Saxophone-Jazz-Ikone Jan Garbarek und drei Kollegen spielen sphärische, der Welt entrückte Musik. Von den glasklaren, brillianten Tönen des Altsaxophons bis zu den Percussion-Feuerwerken aus Trommeln, Töpfen und Schalen brachte die Garbarek Group hier ihren ganz eigenen Entwurf von Jazz zu Gehör. Zwei Stunden im Alten Schlachthof, die wie im Flug vergingen.

06 – The Cat Empire, Berlin, 4. November
Alle Jahre wieder…: mit einem gelungenem neuen Album im Gepäck beehrten The Cat Empire aus Australien auch in diesem Jahr wieder ausgerechnet in der unwirtlichsten Jahreszeit Mitteleuropa. An einem feucht-kalten, regnerischen Berliner Herbsttag schafften es die Herrschaften einmal mehr, eine restlos ausverkaufte (und damit aus allen Nähten platzende) Location zum Kochen zu bringen. Und mal wieder gehen tausende Menschen mit einem Lächeln auf den Lippen aus dem Konzert und fragen sich: wie machen die das nur, diese Zauberer?

Live 2013

05 – Eels, Berlin, 8. April
Gewiss das schrägste Konzert, das ich in diesem Jahr gesehen habe. Meister E stand der Sinn nach lautem Rock’n’Roll, und lauten Rock’n’Roll hat er geliefert. In Trainingsanzügen, auf Podesten stehend, nach jedem Lied seine Mitmusiker zur Gruppenumarmung nötigend. Der traurige Clown im Vorprogramm, der, begleitet von einer Dame im Affenkostüm, theatralisch Metal-Klassiker ariengleich vortrug? Die Zugabe weit nach Konzertende, nachdem das Tempodrom schon wieder fast leer war? Nur zwei von ganz vielen wunderbaren Merkwürdigkeiten, die diesen Abend zu einem Besonderen gemacht haben.

04 – Joseph Arthur, Leipzig, 6. November
Sie haben mir Leid getan, diese drei Weltklasse-Musiker dort vorne auf der Bühne vom UT Connewitz. Grade mal zwanzig, dreißig Leute waren gekommen, um Joseph Arthur, René Lopez und Bill Dobrow zuzuhören. Dabei war ich vorher fest davon überzeugt, dass das Konzert ausverkauft sein würde. Ich meine … Joseph Arthur!! Was für große Künstler da vorne Musik gemacht haben, zeigte sich daran, dass sie sich von dem viel zu kleinen Publikum nicht beeindrucken ließen und eine sensationelle Show ablieferten.

03 – Gov’t Mule, Torgau, 19. Juli
Na endlich. Seit 1997 bin ich Fan, aber erst jetzt hatte ich Gelegenheit, Gov’t Mule mal live zu erleben. Zwei ausführliche Sets lang zeigten Warren Haynes und Co., warum sie zu den besten Musikern unter dieser Sonne gehören – mit vielen mir damals noch unbekannten Stücken vom neuen Album „Shout“, etlichen Reminiszenzen an Ikonen wie Grateful Dead und einem furiosen Finale mit „War Pigs“, das sogar die raubeinigsten Rocker in diesem an raubeinigen Rockern nicht eben armen Publikum euphorisierte.

02 – Spin Doctors, Leeds, 25. Januar
Aus all den schönen Spins-Shows, die mir in diesem Jahr vergönnt waren, muss diese hier herausgehoben werden. Ein schöner, kleiner, ausverkaufter Club in Leeds. Ein Publikum, das gekommen war, trotz eines für britische Verhältnisse extremen Wintereinbruchs seine Helden zu feiern. Eine Setlist, die mit Überraschungen nicht geizte (Yo Baby!). Eine Band, die mir in den Zugaben einen Song widmete, während ich hinter’m Merch-Stand T-Shirts und CDs bewachte (siehe Videobeweis). Das alles an dem Tag, an dem ich zum allerersten Mal das brandneue Album der Band im Zug von Liverpool nach Leeds anhören konnte. Der perfekte Tag, um Spin Doctors-Fan zu sein.

01 – Dawes, Hamburg, 13. September
Wie stark diese Band mein Jahr geprägt hat, habe ich ja bereits gestern bei den Lieblingsalben 2013 geschrieben. Umso größer war meine Freude, als ich erfuhr, dass Dawes im September zwei Konzerte in Deutschland spielen würden. Mit dem besten Freund gings schließlich nach Hamburg, um dort im legendären Molotow-Club all die großen Songs live zu hören, die mir im Frühjahr und Sommer so ans Herz gewachsen sind. Mein mit Abstand intensivster Livemusik-Moment 2013.

Siehe auch:
Lieblingskonzerte 2012, 2011, 2010, 2009.

Mein 2013: Lieblingsalben

Dawes - Stories Don't End

10 Gov’t Mule – Shout!
Muss man auch erstmal drauf kommen: alle Lieder des eigenen neuen Albums von anderen Weltstars covern zu lassen. Gov’t Mule haben’s gemacht, und ihnen ist damit eines der spannendsten Alben des Jahres gelungen. Die eigentliche Version von „Shout!“ mit Warren Haynes an den Vocals ist eine grundsolide, über jeden Zweifel erhabene Platte. Die Bonus-Disc, auf der sich Künstler wie Dave Matthews, Jim James, Grace Potter oder Elvis Costello der Mule-Songs annehmen, überrascht und zeigt die Unkaputtbarkeit der Kompositionen.

9 The Stone Foxes – Small Fires
Keine Ahnung, wo die plötzlich herkamen. Die Stone Foxes haben mich in der Vergangenheit nie sonderlich interessiert, aber „Small Fires“ hat dafür mächtig eingeschlagen. Große, selbstbewusste Rock-Arrangements für ein paar echt clevere, nicht so leicht aus dem Kopf zu kriegende Lieder. The Stone Foxes liefern mit „Small Fires“ das, woran Acts wie Selig („Magma“) in diesem Jahr gescheitert sind: geiles, unkompliziertes, cooles Rock-Entertainment.

8 Josh Ritter – The Beast In Its Tracks
Josh Ritter ist ein Musiker, der sich im Laufe der Jahre in mein Herz gespielt hat. Immer mal wieder begegneten mir Songs von ihm, die ich einfach stark fand. Als ich dank „The Historical Conquests Of…“ 2007 dann aber endgültig zum Fan wurde, war der Mann schon lange kein Newcomer mehr und hatte bereits eine veritable Diskographie vorzuweisen. Nun also der nächste Streich: „The Beasts In Its Tracks“ ist beim ersten Hören sehr lieb, bisweilen geradezu lieblich. Welche tolle Tiefe diese Stücke besitzen – texlich wie musikalisch – wird dafür bei jedem weiteren Durchlauf umso deutlicher.

7 Ocean Colour Scene – Painting
Na Mensch. Von Ocean Colour Scene habe ich nicht wirklich mehr Großes erwartet. Die Alben der letzten Jahre waren solide, keine Frage. Aber die Magie von „Moseley Shoals“ oder „North Atlantic Drift“ vermochten die Lads um Simon Fowler schon länger nicht mehr im Studio herbeizuspielen. Und da kommen sie mit „Painting“ um die Ecke. Kaum ein Song länger als drei Minuten, ein Sammelsurium an tollen Ideen, feinen Chören und geschmackvollen Arrangements – und vor allen Dingen: ein großartiger Liedzyklus.

6 Arctic Monkeys – AM
Seit Jahren eine geile Band. Besonders freut mich, dass sie den Hype der Anfangstage überstanden und inzwischen einen selbständigen, unverwechselbaren Sound entwickelt haben. „AM“ rockt von vorne bis hinten: diese fast schon hiphop-artigen Drums, dieser rotzig-genervte Gesang, diese im Ohr bleibenden Gitarren-Läufe, diese tollkühnen Falsett-Chöre – wunderbar.

5 Ben Harper & Charlie Musselwhite – Get Up!
Selten hab ich so viele aktuelle Blues-Platten gehört wie in diesem Jahr. Liegt aber sicher maßgeblich daran, dass sich einige der Künstler, die ich sowieso gerne höre, auf ihren jeweils neuen Veröffentlichungen diesem Genre gewidmet haben (siehe auch Platz 2). Ben Harper hat mit dem Mundharmonika-Virtuosen Charlie Musselwhite ein bemerkenswertes Album eingespielt. Die ganze Zeit klingt es wie eine spontane Session, bei der wir Hörer heimlich dabei sein dürfen. Schnörkellos, voller Leidenschaft, voller Kraft.

4 Die Höchste Eisenbahn – Schau in den Lauf, Hase
Hat eine Weile gedauert, bis Moritz Krämer und Francesco Wilking nach der viel versprechenden „Unzufrieden“-EP ein komplettes Album nachgelegt haben. Doch die Geduld wird üppig belohnt: „Schau in den Lauf, Hase“ klingt wie nichts anderes, was in diesem Jahr in Deutschland aufgenommen oder veröffentlicht wurde. Zum Glück: Spielzeuginstrumente treffen auf ausgewachsenen Soul, die beiden Songwriter nuscheln ihre bezaubernden Geschichten um die Wette und als Hörer freut man sich die ganze Zeit, das sowas in deutscher Sprache überhaupt möglich ist. Völlig anders als „I“ von Kid Kopphausen aus dem Jahr 2012, und doch zutiefst seelenverwandt: zwei erstklassige Liederschreiber auf gemeinsamer Entdeckungsreise.

3 Vampire Weekend – Modern Vampires Of The City
Mit Vampire Weekend ist es ganz ähnlich wie mit den Arctic Monkeys: erst war da der Riesenhype – und dann überzeugte die Band durch langen Atem, Durchhaltevermögen und vor allem durch famose Ideen. „Modern Vampires Of The City“ strotzt geradezu vor guten Einfällen, jeder Song überrascht auf seine Weise – und so gelingt Vampire Weekend ein echtes Kunststück: ihr drittes Album wird zum besten ihrer Karriere.

2 Spin Doctors – If The River Was Whiskey
Klar bin ich befangen. Am Entstehen von „If The River Was Whiskey“ bin ich nicht ganz unschuldig. Ich war einer der Fans, die die Band im Frühjahr 2011 ermutigten (oder auch: damit nervten), doch mal wieder die alten Blues-Stücke aus den Anfangstagen rauszukramen. Klar macht es mich stolz, im offiziellen PR-Waschzettel zum Album deswegen sogar namentlich erwähnt zu werden. Doch auch, wenn all diese persönlichen Bezüge fehlen würden – Spin Doctors ist im 25. Jahr ihres Bestehens der vielleicht größte künstlerische Wurf gelungen: ein live eingespieltes, overdub-freies Album voller eigener Blueskompositionen aus allen Phasen ihrer Bandgeschichte. Zauberhaft und zeitlos.

1 Dawes – Stories Don’t End
Dawes kamen in diesem Jahr über mich wie ein warmer Sommerregen nach wochenlanger Trockenheit: genau die Musik, die ich brauchte, die mir in einem persönlich nicht eben einfachen Jahr in den dunkelsten Momenten geholfen und in den hellsten Stunden Freude bereitet hat. „Stories Don’t End“ ist das dritte Album der Band, und der Counter meines Google Play Music-Accounts lügt nicht – fast schon peinlich, wie oft ich diese wunderbare Musik gehört habe. Handwerklich über jeden Zweifel erhabenes Songwriting, eine auf endlosen Touren perfektionierte Performance und packende Melodien und Satzgesänge – bei keiner Musik habe ich mich in diesem Jahr stärker „zu Hause“ und verstandener gefühlt.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Ein Stöckchen voller Fragen

Der nette Herr LePettre hat mir vor ein paar Tagen zehn Fragen in Form eines Blog-Stöckchens zugeworfen, die es nun endlich mal zu beantworten gilt. Nun denn:

Was würdest du tun, wenn du noch einen Tag zu leben hättest?
„Buy a beer, find a place to stand, have a couple of laughs and hear the band, smoke a couple of your favorite brand, wake up with a stamp on the back of your hand.“

Spaghetti esse ich am liebsten mit …
… Tomatensauce, Käse, Wein und Freunden.

Leipzig sollte aufpassen, dass nicht …
… irgendwann die, die am lautesten schreien, das Sagen haben.

Wann beginnt dein Tag normalerweise? Was machst du als erstes?
So gegen halb sieben. Aufstehen.

Star Wars oder Star Trek?
Star Trek, hands down.

Modeblogs finde ich …
… faszinierend! Was es im Weltraum, diesen unendlichen Weiten, nicht alles gibt.

Hast du einen Fernseher? Wenn ja: Wie groß und welche Sendungen schaust du am liebsten?
Hab ich. Er ist sehr groß, sehr flach und am liebsten guck ich darauf US- und BBC-Serien, Youtube und Livekonzerte. Außerdem lass mir ganz gerne von Claus und Marietta die Welt erklären.

Was denkst du zur NSA-Affäre? Hast du seitdem etwas verändert?
Am meisten ärgert mich, dass dieses ganze Themenfeld so wenige Menschen interessiert. Verändert hat sich leider vor allem der Grad meines Vertrauens in gesellschaftliche und rechtsstaatliche Grundprinzipien.

Mein Lieblingskuscheltier als Kind war …
…ein braungrauer Teddybär mit Hosenträgern und fehlender, weil abgefallener Stupsnase.

Wo siehst du dich in 10 Jahren?
„Buy a beer, find a place to stand, have a couple of laughs and hear the band, smoke a couple of your favorite brand, wake up with a stamp on the back of your hand.“

Ein alter Brauch will es, dass man einmal selbst aufgefangene Stöckchen nach Gebrauch an andere Blogger weiter wirft. Im Falle dieses speziellen Stöckchens soll man sich wohl auch zehn neue Fragen einfallen lassen. Nun, dann bitte ich hiermit hochoffiziell Jakob („Nach der Reise ist vor der Reise“), Rebekka („Ilses Enkel“) und Frau Grande um die Beantwortung folgender Fragen:

Dein Lieblingsrestaurant in Leipzig?
Miltitz oder Meusdorf?
Beatles oder Stones?
Bücher kauft man am besten …
Welcher ist dein Lieblingsort in Leipzig?
Welche Platte ist für Dich die wichtigste aller Zeiten?
Für welchen guten Zweck würdest Du Geld spenden / spendest Du Geld?
Wir hatten Bubble Tea. Wir hatten FroYo. Was kommt jetzt?
What Does The Fox Say?
Dein letzter Gedanke gestern vor dem Einschlafen?