John Popper & The Duskray Troubadours (2011)

Let the song inside you
Rise and grow and then
Play me something sweet
And your sweet song
Will help me smile again

Es war einmal, im August 2010, als Blues Traveler-Sänger John Popper das Veröffentlichungsdatum seines dritten Soloalbums via Twitter verkündete. „Erster März Zweitausendelf“ – das schien unendlich weit weg zu sein. Wie unfair, wo die Platte doch längst fertig war! Die kleine Ewigkeit ist nun vorbei, seit ein paar Tagen ist das Album online als Stream verfügbar, ab heute ist es bei allen Downloadstores und CD-Händlern zu finden.

Endlich.

Die Geschichte zur CD kann man dieser Tage in vielen einschlägigen Musikmagazinen lesen, deshalb hier nur die Schnellzusammenfassung: Popper will Album mit altem Freund und Wegbegleiter Jono Manson aufnehmen, schart weitere Freunde um sich, alle schreiben gemeinsam Songs, werden quasi über Nacht zu einer echten Band, am Ende liegt weniger ein Soloalbum, sondern eher das Debütalbum einer neuen Combo namens „The Duskray Troubadours“ vor.

Das Debütalbum, bei dem es nur um eines geht: um gute Songs. Gekleidet in ein zeitloses Roots-Folk-Rock-Alternative-Country-Gewand, mit herrlichen Harmoniegesängen, kleinen Licks, großen Melodien und prägnanten Refrains. John Popper hält alles zusammen – mit seiner Stimme, die selten so soulig-warm klang wie hier. Und natürlich mit seinem Mundharmonika-Spiel, das sich hier aber stets in den Dienst des Liedes stellt und nie ausufert.

Natürlich ist das alles nicht wirklich neu, natürlich sind es auch diesmal wieder besonders die ruhigen Momente, in denen Popper am stärksten ist, etwa in „Hurts So Much“ oder „A Lot Like You“. Hier und da hört man Dinge, die an sein erstes Solowerk „Zygote“ aus dem Jahr 1999 erinnern, und auch seine Stammband Blues Traveler ist letztlich allgegenwärtig. Dennoch ist John Popper und seinen Troubadours etwas ganz Besonderes gelungen: ein Album, wie aus der Zeit gefallen; gefertigt von einer nagelneuen Band, die klingt, als begleite sie einen schon ein Leben lang. Ein Album, auf das viele schon sehr lange gewartet haben.

Endlich.

Fleißige Studenten halten „Erntedank“


Studierende beenden Grundkurs Theologie an der Katholischen Akademie des Bistums Magdeburg

Halle/Saale. Mit einem „Tag der Theologie“ ging in Halle am 15. Januar erneut ein Grundstudium „Theologie im Fernkurs“ zu Ende. 20 Kursteilnehmer, die sich seit Januar 2008 mit theologischen Fragen befassten, erhielten ihre Teilnahmebescheinigungen. Sieben von ihnen wurden zudem Zertifikate überreicht, da diese am Ende der Ausbildung eine freiwillige Prüfung absolvierten. Der Direktor der Katholischen Akademie Magdeburg, Hans-Joachim Marchio, ist stolz auf die Studierenden, die sich in ihrer Freizeit mit theologischen Grundfragen beschäftigen: „Mit Ausdauer und hoch motiviert haben die Kursteilnehmer aus den Bistümern Magdeburg, Dresden-Meißen und Erfurt die Mühen des dreijährigen Studiums auf sich genommen und dürfen nun ‚Erntedankfest‘ feiern.“

Nach wie vor sei das Interesse an den von der Akademie in enger Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg und der Fachakademie für Gemeindepastoral in Magdeburg angebotenen Kursen groß: „Von unseren aktuellen Grundkurs-Absolventen haben sich 22 entschieden, mit dem Aufbaukurs Theologie ihr Studium fortzusetzen. Sie schließen also noch einmal knapp drei Jahre Ausbildung an, um ihr Wissen weiter zu vertiefen. Außerdem begann bereits im August ein weiterer Grundkurs, bei dem 19 weitere Teilnehmer aus den drei Bistümern dabei sind.“ Aber auch andere Kooperationsprojekte der Katholischen Akademie wie zum Beispiel die „Hallenser Gespräche zu Psychotherapie, Religion und Naturwissenschaften“ würden sehr gut angenommen.

Während des Tages der Theologie wurde in der Kapelle des Krankenhauses „St. Elisabeth und St. Barbara“ in Halle auch Gott in einer Eucharistiefeier für die reiche geistige Ernte gedankt. In einem Festvortrag erörterte Akademiedirektor Hans-Joachim Marchio grundlegende religiöse Fragen unter der Überschrift „Gott – der Fund meines Lebens.“

Hintergrund: Diesen Artikel habe ich für die katholische Wochenzeitung „Tag des Herrn“ geschrieben, wo er in der Ausgabe vom 6. Februar 2011 erschienen ist. Ich bin selbst Teilnehmer des erwähnten Studiums „Theologie im Fernkurs“ im Bistum Magdeburg. Links zum Thema: Tag des HerrnTheologie im FernkursKatholische Akademie Magdeburg. Die Grafik oben zeigt den Leitspruch des theologischen Fernkurses und stammt von der Website von „Theologie im Fernkurs“.

Gratis-MP3s: Chris Barron – Live At Radio Woodstock

Chris Barron war im Jahr 2009 zu Gast bei Radio Woodstock in Woodstock, NY und hat dort im Studio ein paar Lieder gesungen. In diesem Jahr nun spielt er beim Mountain Jam-Festival mit, das der Sender zusammen mit Gov’t Mule-Mastermind Warren Haynes ausrichtet. Im Vorfeld werden auf der Festivalseite die Künstler porträtiert, gestern war der Spin Doctors-Sänger dran. Wer (s)eine eMail-Adresse rausrückt, bekommt zwei Stücke von Chris‘ 2009er Studiosession geschenkt: „Broken Hearted Serenade“ und „Two Princes“ – genau hier.

Radio Woodstock logo taken from Mountain Jam website.

siebenSACHEN vom 31. Januar 2011: Heldenstadt.de, 2zueins!, Spin Doctors Archive, Chris Barron, Ben Folds

– Seit Ende Oktober gehöre ich zum Autorenteam von heldenstadt.de – hier veröffentlichen wir jeden Werktag gegen halb neun eine Leipzig-Morgenschau mit den wichtigsten Links, den kuriosesten Fundstücken und allem möglichen und unmöglichen Zeugs aus und über Leipzig, über das wir bei unseren Internetstreifzügen so stolpern.

– Endlich hatte ich mal wieder Zeit für ein Update des Spin Doctors Archive – neben der Diskographie hab ich alle aktuellen News aus 2010 und 2011 nachgetragen, auch sind sämtliche (mir bekannte) online legal erhältliche Liveshows der Band und diverse Nebenprojekte verlinkt.

More Than Meets The Ear – The Spin Doctors Archive ist jetzt außerdem auch bei diesem Facebook, von dem immer alle reden.

Neues von 2zueins!, Teil 1: Heiko und ich basteln derzeit an zehn neuen Songs, die wir in diesem Jahr nach und nach aufnehmen. Daraus soll dann ein weiteres Album werden. Wann das fertig wird, können wir natürlich noch nicht sagen.

Neues von 2zueins!, Teil 2: zum ersten Mal hören könnt Ihr einige der frischen Stücke bei unserem nächsten Konzert. Am Freitag, dem 18. März 2011 bitten wir zum Halali im Platzhirsch in der Leipziger Südvorstadt. Außerdem darf das werte Publikum sich auch Lieder wünschen, sofern Bedarf besteht.

– Mitte Januar war ich in Rom, um dort Jono Manson und Chris Barron live zu erleben – das wirklich hörenswerte Set von Chris Barron und die gemeinsamen Zugaben habe ich mitgeschnitten, die Aufnahme (mp3s) kann hier als .zip-Datei runtergeladen werden.

– …und schließlich: Vorfreude! Anfang März spielt Ben Folds live in Berlin:

Mein 2010: Ein Fazit

2010. Die Goldene Hochzeit meiner Eltern erlebt. Zum ersten Mal Asien bereist. Zweimal Musik veröffentlicht. Durch Solo- und Band-Konzerte bleibende Erinnerungen erspielt. Jede Menge Musik gehört. Entdeckt. Verschenkt. Filme gesehen. Bücher gelesen. Mitglied bei Pro Asyl geworden. Alte Freundschaften wiederbelebt. Neue Menschen kennengelernt. Bergfest beim Theologie-Fernstudium gefeiert. Medienpreis gewonnen. Regensburg. Bonn. Bamberg. Frankfurt. Hamburg. Berlin. Mich mächtig geärgert über vieles. Mich mächtig gefreut über so viel mehr. Ein gutes, anstrengendes, erfülltes und hin und wieder konfuses Jahr war das, an dessen Ende ich dankbar zurückschaue.

Hier noch einmal meine diesjährigen Lieblings-Listen im Überblick:

Lieblingsalben 2010
Lieblingskonzerte 2010
Lieblingslieder 2010

Danke, werter Besucher, für’s Mitlesen, Dabeisein, Begleiten und Beobachten im Jahr 2010 – ich freue mich auf 2011 und viele neue Lieder, Bücher, Reisen, Eindrücke, Momente und Blogeinträge.

Ältere Jahresrückblicke:
2009
2008
2006
2005
2004

Mein 2010: Lieblingslieder

10 Die Antwort – Stoppok & Worthy
…mit Tinte und mit Tränen schreibst Du ihr ein Gedicht, Du zündest eine Kerze an, ein winzig kleines Licht…

9 Song To The Siren – Sinéad O’Connor (Tim Buckley)
…I’m as puzzled as a newborn child, I’m as riddled as the tide. Should I stand amid the breakers? Or shall I lie with death my bride…

8 Beer – Jay Bennett
…you say I drink too much, you say I think too much, you say I laugh too much when things are really serious…

7 Reasonably Fine – The Cat Empire
…but you’re the same as you and I’m the same as me and hopefully we can find ways to let us be reasonably fine…

6 Lantern – Josh Ritter
…light and guide me through, hold it high for me, and I’ll do the same for you, hold it high for me…

5 The Dreamer – The Tallest Man On Earth
…sometimes the blues is just a passing bird and why can’t that always be…

4 Gone – Chris Barron
…I know that there will be a song for every broken heart and soul, I know that there will be a coin to drop in every begging bowl. But me, I’m going down…

3 Fuck You – Cee Lo Green
…although there’s pain in my chest I still wish you the best with a Fuck you…

2 With Whom You Belong – Fistful Of Mercy
…you find your way to write your song. And come what may, I hope you find friends with whom you belong…

1 The Bear That Wasn’t – Fizzy Good (Make Feel Nice)
…just buckle up, don’t look behind, and you’ll be fine…

Mein 2010: Lieblingskonzerte

10 – Dave Matthews Band, Hamburg, 16. Februar
Das Auftaktkonzert der DMB-Europatour 2010 war sicherlich keines für die Ewigkeit, weder von der Setlist noch vom Sound oder der Performance her. Aber wir hatten eine großartige Zeit in der Hansestadt, und selbst ein mittelmäßiges Dave-Konzert ist besser als das meiste, was man sonst so zu sehen bekommt.

9 – Get Well Soon, Leipzig, 3. März
Ziemlich artsy, das ganze. Mit großer Videoprojektion, ganz wichtiger, großer Pose und so. Aber dennoch hat mich diese Band hervorragend unterhalten und für zwei Stunden in ihren Bann gezogen.

8 – Götz Alsmann & Band, Leipzig, 14. Oktober
Götzimausi wirkte im ersten Teil seiner Show doch ziemlich routiniert und ein wenig kaputtgetourt. Das zweite Set jedoch war sensationell, die Zugaben nicht von dieser Welt und ein locker aus drei Generationen bestehendes Gewandhauspublikum war am Ende außer Rand und Band.

7 – Unbekannter Sänger, Bangkok, 30. August
Wir saßen in irgendeiner Rooftop-Bar in Bangkok, und irgendein Thai-Musiker würde schon das übliche Set mit mäßigen Coverversionen von „Hotel California“ und „House Of The Rising Sun“ abgniedeln. Dachten wir. Was wir – kurz vor dem Rückflug nach Deutschland – zu hören bekamen, war ein brillianter junger Mann, der den Groove mit Löffeln gefressen hatte und uns mit Howie Day, Joseph Arthur, Jason Mraz und Dave Matthews begeisterte. Das einzig wirklich mittelmäßige an diesem Abend war der Gin Tonic.

6 – Alberta Cross, Berlin, 17. Februar
Die Band, die mein Fast-Lieblingsalbum 2009 verzapfte, durfte ich gleich zwei Mal sehen in diesem Jahr, wieder als Vorband für Dave Matthews. Das Set, das die AC-Jungs in Berlin hingelegt hatten, unterschied sich nur unwesentlich von dem am Vortag. Das Hauptstadt-Publikum war der Vorband gegenüber jedoch wesentlich aufgeschlossener als das in Hamburg. Gitarrenwände wie eine Naturgewalt, darüber dieser erhabene Gesang – immer wieder toll. Ich hoffe daher sehr auf ein neues Alberta-Cross-Album und wünsche mir einen weiteren großen Wurf.

5 – Dave Matthews Band, Berlin, 17. Februar
Bleiben wir gleich im Tempodrom, selber Abend, eine Stunde später: DMB mit einem derart beseelten, detailversessenen Set, dass der Unterschied zum Vorabend (siehe Platz 10) kaum hätte größer sein können. Ich stand mit offenem Mund im Zuschauerraum und ließ es einfach geschehen. Und als dann am Ende in einem epischen 12-Minuten-„So Damn Lucky“ auch noch „Thank You (Falletin Me Be Mice Elf Agin)“ eingebaut wurde, war ich mir mal wieder sicher, dass DMB die so ziemlich beste Band der Welt sein muss.

4 – Selig, Leipzig, 17. Dezember
Warum auch immer das Haus Auensee derart mittelprächig gefüllt war – Band und Publikum ließen sich durch die spärlich gefüllten Reihen nicht runterziehen. Im Gegenteil: inzwischen hab ich ja nun schon so einige Selig-Auftritte sehen dürfen. Aber die diesjährige Show war wirklich besonders und zeigte eine vor Spielfreude und Euphorie kaum zu bändigende Band. Still Selig after all these years…

3 – Fettes Brot, Leipzig, 1. Dezember
Mehr als einen halbwegs coolen Abend hab ich gar nicht erwartet, als ich zum Fettes-Brot-Konzert eingeladen wurde. Dass mir das Konzert derart großen Spaß machen würde, hätte ich nie gedacht. Die Brote verfügen über eine erstklassige Band und sind tatsächlich echte Entertainer. Zwei kurzweilige, schweißtreibende Stunden, die ich nicht missen möchte. Im Gegenteil: zu Fettes Brot würde ich jederzeit wieder gehen.

2 – Stoppok & Worthy, Leipzig, 27. November
Die von mir besuchten Stoppok-Konzerte zu zählen, hab ich schon Ende der neunziger Jahre aufgegeben. Umso schöner, dass Stoppok-Shows bis heute zu meinem Leben dazugehören. Das diesjährige war bemerkenswert – im Duo mit Bassist Worthy und in zwei ausladend langen Sets hat der Sänger mal wieder unter Beweis gestellt, dass bei ihm vielleicht nicht jeder Reim ein Volltreffer sein mag, er mit seinem musikalischen Können und Gefühl aber nach wie vor in der Champions League spielt.

1 – The Cat Empire, Berlin, 5. Oktober
Zum dritten Mal The Cat Empire. Zum dritten Mal ein Erlebnis, das in jeder Hinsicht berührt. Wie sich hier leise, filigrane Momente an lautstarke Gefühlsausbrüche reihen; wie hier Rock, Jazz und Funk zu etwas ganz Eigenem verschmelzen; wie viel diese Musik mit mir anrichtet, das in Worte zu fassen ich nicht in der Lage bin! Dieses Konzert war der vielleicht intensivste Augenblick meines an kostbaren Momenten nicht eben armen Musikjahres 2010.

Mein 2010: Lieblingsalben

10 Ocean Colour Scene – Saturday
Im 21. Jahr ihres Bestehens lieferten OCS ein ebenso zeitloses wie zeitgemäßes Album ab: große Songs, originelle Arrangements, Melodien, die sofort haften bleiben. Very british, und very good.

9 Strand Of Oaks – Pope Killdragon
Timothy Showalters zweites Album war auf einmal da und ist seither mein ständiger Begleiter. Famos, wie er zwischen Krach-Ausbrüchen und minimalistischem Folk hin- und herwechselt; dazu auch noch diese absurden Texte (alleine schon der Song über Dan Aykroyd!!)… Strand Of Oaks hat mich schon mit „Leave Ruin“ begeistert. „Pope Killdragon“ hat aus mir endgültig einen Fan gemacht.

8 Selig – Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Die Workaholics von Selig mussten knapp 18 Monate nach „Und endlich unendlich“ gleich noch ein weiteres neues Album rauskloppen, als gelte es, zehn verlorene Jahre aufzuholen. „Von Ewigkeit zu Ewigkeit“ kommt wesentlich düsterer daher als sein Vorgänger, dreckiger, rauher, unmittelbarer. Mit ein wenig Distanz lässt sich konstatieren: „Ewigkeit“ ist die bessere der beiden Post-Comeback-Platten.

7 Aloe Blacc – Good Things
Verblüffend, wie oft ich diese CD inzwischen gehört habe. Schlicht und einfach geil produzierter Soul-Pop, der mir den langen tristen Herbst verschönert hat.

6 The Bear That Wasn’t – And So It Is Morning Dew
Der Belgier, der sich nach einem alten US-Kinderbuch bzw. -film benannt hat, sorgte für die wohl melancholischste, verspielteste „kleine Folk-Platte“ des Jahres. Ob auf zehnstündigen Flugreisen, bei endlos langen Sommerabenden auf dem heimischen Balkon oder in den miesesten Momenten des Jahres – „And So It Is Morning Dew“ war in diesem Jahr bei mir immer mit dabei.

5 Regina Spektor – Live in London
Die paar unveröffentlichten Songs sind es gar nicht mal, die diese Liveaufnahme so besonders machen. Es ist vielmehr die Perfektion, mit der Regina Spektor jeden Ton trifft, auf dem Klavier wie mit ihrer Stimme. Es ist auch die atemberaubende Bühnenpräsenz dieser gewitzten, leidenschaftlichen, unvergleichlichen Künstlerin. Wahnsinn.

4 The Duke & The King – Long Live The Duke & The King
Die Reise des Herzogs und des Königs geht weiter, und sie wird immer unterhaltsamer. Nach dem eher introvertierten Debüt folgte in diesem Jahr etwas, das man fast schon als Party-Album bezeichnen könnte. Damit meine ich so eine richtig gute Party – also eine, die weder nach Kotze noch nach Möchtegernbohème müffelt.

3 Gisbert zu Knyphausen – Hurra Hurra So Nicht
Was soll ich über Knyphausen denn noch schreiben, was nicht schon geschrieben wäre. Es stimmt: viel besser, als er das mit „Hurra Hurra So Nicht“ gemacht hat, kann man’s echt nicht machen. Weder in deutscher, noch in irgendeiner anderen Sprache.

2 The Cat Empire – Cinema
Dass diese Band von Album zu Album immer stärker wird, grenzt an ein Wunder, wenn man bedenkt, wie grandios schon die ersten Sachen der Australier waren. „Cinema“ kommt langsam, aber gewaltig. Und am Ende dieses hypnotisierend guten Songpakets kann man nur noch den Hut ziehen – vor so viel Scharfsinn, Lebensfreude, Witz und Musikalität.

1 Fistful Of Mercy – As I Call You Down
Gar keine Frage. Gar kein Zweifel. Ganz klare Sache: diese in drei Tagen zusammengeklampfte Wunderplatte ist mein Album des Jahres. Weil ich mich in keiner anderen Musik in diesem Jahr öfter verloren habe, weil mir keine andere Musik derzeit näher geht als diese neun Preziosen der Herren Harper, Arthur und Harrison. Ich bin zutiefst dankbar über den Umstand, dass die drei sich Anfang des Jahres in ein Studio eingesperrt haben – denn mit „As I Call You Down“ ist ihnen ein Meisterwerk gelungen.

Fünf Jahre 2zueins! – Wir sind halt unterwegs…

Heiko und ich waren beide ziemlich erstaunt, als wir neulich feststellten, dass unser erstes gemeinsames Konzert tatsächlich schon fünf Jahre her ist! Am 3. Dezember 2005 spielten wir ein paar Songs auf einem Benefizkonzert zugunsten der vom Hurrican Katrina betroffenen Menschen in New Orleans, in der Reudnitzer Laurentiuskirche. Seitdem gab es jede Menge Konzerte, solo, im Duo, im Trio – und wir haben inzwischen zwei gemeinsame CDs veröffentlicht. Fünf tolle Jahre, die wir würdigen wollten. Und das haben wir getan – mit ein paar Schnappschüssen aus den letzten Jahren. Unsere Plattenaufnahmen 2007 und 2009 finden sich da, tolle Konzerte, Backstage-Einblicke, Videodrehs und wunderbare Momente mit all denen, die unserer Musik offenbar freiwillig und gerne lauschen. Dazu ein Song aus unserem ersten Album „Clockwork Utan„. Ich freu‘ mich auf alles, was da noch kommt und wünsche jetzt viel Spaß mit diesem kleinen Video: „Halt unterwegs“!

Neue Musik: Justin Townes Earle, Aloe Blacc, Ocean Colour Scene, The Tallest Man On Earth, Dumpstaphunk, David Gray, Dave Matthews Band

Justin Townes Earle – Harlem River Blues (2010)
Dass einer, der wegen Körperverletzung inhaftiert war und derzeit in einer Entzugsklinik lebt, solche herzzerreißend schöne Musik machen kann – das ist einer dieser seltsamen Widersprüche im Leben. Darf ich vorstellen: Justin Townes Earle, Alternative-Country-Darling der Stunde in den USA, vier große Alben in nicht ganz vier Jahren, Sohn der Songwriterikone Steve Earle. „Harlem River Blues“ changiert zwischen Folk, Country und Blues; die Platte strahlt eine Lebenslust aus, dass man schlichtweg nicht glauben will, dass sie von einem Mann stammt, der offenbar größere persönliche Probleme mit sich herumschleppt. Ich bin froh über diese tolle, tolle Musik und wünsche mir und ihm, dass es Justin Townes Earle bald besser geht.

Aloe Blacc – Good Things (2010)
Scheinbar aus dem Nichts tauchte in diesem Spätsommer Aloe Blacc auf und er hatte einen Überhit im Gepäck. „I Need A Dollar“, dieses sich ach so beiläufig ins Hirn fräsende Soulpopbrett, war mit einem Schlag überall: in den Fernsehshows, den Radios, im Feuilleton, in der Musikpresse sowieso. Hype? Geschicktes Marketing seitens der Plattenfirma? Kann alles sein. Entscheidend ist, dass Aloe Blacc ein wahrlich famoses Album vorweisen kann, das eben mehr ist als ein „stimmiges Produkt“. „Good Things“ funktioniert nicht, es lebt, atmet, eckt an, begeistert, verwundert. Da schickt sich einer an, Soul und R’n’B sanft ins 21. Jahrhundert zu hieven, stets voller Respekt vor den Anfängen, aber eigenständig und raffiniert genug, um nicht als Retro-Act abgestempelt zu werden.

Ocean Colour Scene – 21 (2010)
Andere lassen sich anläßlich ihres 21. Geburtstages ein Auto schenken oder besaufen sich, einfach, weil sie’s jetzt dürfen. Ocean Colour Scene feiern ihren 21. Geburtstag mit einem Mörderrelease. Die 4-CD-Deluxe-Box „21“ enthält fast 90 Songs, ein wunderbares Booklet mit herrlich nerdiger Diskographie und ist weit mehr als ein „Best Of“-Album. Die Herren aus Birmingham blicken dankbar und zu Recht auch stolz zurück auf ihre bisherige Karriere: die holprigen Anfänge, die Hochphase mit „Moseley Shoals“ und „Marching Already“, der Wandel, die Suche, die wiedererlangte Topform der letzten Zeit. Altbekannte Hits stehen neben bislang unveröffentlichten Demos, Outtakes und Liveversionen (natürlich genau 21 an der Zahl). Ach ja, und eine komplett neue Single gibts auch. Wie die heißt? Logisch, 21. Runde Sache, tolle Anthologie, große, leider viel zu selten gewürdigte Band.

The Tallest Man On Earth – Sometimes The Blues Is Just A Passing Bird (2010)
Erst im Mai habe ich über Kristian Matsson und sein letztes Album „The Wild Hunt“ geschrieben, schon beglückt uns The Tallest Man On Earth mit einer neuen EP. Die kommt noch weitaus reduzierter, spontaner und dennoch runder daher als ihr Vorgänger. Und mit „The Dreamer“ hat der alte Schwede uns einen der schönsten Songs des Jahres geschenkt.

Dumpstaphunk – Everybody Want Sum (2010)
Funk, und zwar ohne jeden Zweifel. Schon seit einigen Jahren sorgt die Band um Ivan Neville für tolle Konzerte, auf denen es nur um eines geht: um beinharten New Orleans-Funk. Endlich gibt’s nun ein komplettes Dumpstaphunk-Studioalbum, und das macht einfach Spaß. Tanzen, zappeln, feiern – ob man nun will oder nicht. Ivan singt gleich im ersten Track das Hohelied der Liebe zur Musik: „She’s funky like the Family Stone, smooth like Marvin Gaye, she’s rock’n’roll like Keith and Mick, she sings like Lady Day. Sheez music.“

David Gray – Foundling (2010)
Das Ende einer großen Liebe? Meine Gefühle für David Gray haben sich in der Tat in den letzten Jahren ziemlich abgekühlt, die letzten Platten waren mir alle etwas zu adult, sophisticated – oder schlichtweg zu langweilig. „Foundling“ ist eine Doppel-CD mit Resten aus der letztjährigen Studiosession und klingt über weite Strecken leider auch so. Allerdings blitzt an manchen Stellen das auf, was mich an älteren David Gray-Alben immer so fasziniert hat. Das bittersüße „Forgetting“, das fragende „Holding On“, das vielversprechende „Only The Wine“ – starke Songs, souverän vorgetragen, so gar nicht das überflüssige MOR-Futter, aus dem der Rest der Platte leider besteht. Mal schauen, vielleicht brauchen wir ja auch nur mal ne Auszeit, der David und ich.

Dave Matthews Band – Live In New York City (2010)
Alle Jahre wieder: DMB hauen kurz vor Weihnachten ein aktuelles Livealbum auf den Markt. Warum sollte das 2010 auch anders sein. Und während es den Fan und Sammler freut, die Setlist überaus abwechslungsreich ist und das Hören dazu führt, dass man sich sofort „zu Hause“ fühlt und diese Band umgehend wieder live sehen möchte, so muss ich doch eingestehen, dass dieses 2-CD-Set für Gelegenheits-DMB-Fans nicht viel mehr sein dürfte als einfach nur eine weitere Dave Matthews-Liveplatte. Allerdings sollten diese Gelegenheitsfans besser einen objektiven Kritiker befragen – ich empfehle „Live In New York City“ nämlich uneingeschränkt.