Mein 2025: Lieblingsalben

10 Amos The Kid – Enough As It Was
Mein Musikjahr 2025 war, rückblickend betrachtet, von vielen alten Bekannten und eher wenigen Neuentdeckungen geprägt. Was ja okay ist. Amos The Kid gehört zu letzteren. „Enough As It Was“ erschien in Amos Nadlersmiths Heimat Kanada schon 2023; das Gand Hotel Van Cleef sorgte jetzt für den Europa-Release, wodurch Künstler und Platte auch auf meinem Radar auftauchten. Wunderbar wunderlicher Rock mit gelegentlichen Country-Einsprengseln.

9 Jan Plewka – Eine Art Soloalbum
Etwa seit der Pandemie werkelte Selig-Sänger Jan Plewka an diesem Projekt; einem Mix aus Tagebuchschnipsel-Patchwork-Lyrics, Gemälden und Musik. Im Kern ist „Eine Art Soloalbum“ eine Sammlung melancholischer Lieder, die bisweilen mehr Chanson als Pop sind und absolut einen Nerv bei mir treffen.

8 Galactic and Irma Thomas – Audience With The Queen
Irma Thomas kam 1941 zur Welt und wird als Soul-Queen von New Orleans verehrt. Schon zuvor hat sie mit den Musikern der Funkband Galactic zusammengearbeitet, nun war es Zeit für eine ganze gemeinsame Platte. Und was für eine! Klassischer Soul (ein wenig Gospel hier, ein wenig Motown da) mit einem modernen Twist, gekrönt von Irmas über jeden Zweifel erhabenen Gesang.

7 My Morning Jacket – is
Nach vier Jahren Studiopause versucht es die Band um Jim James erstmals mit einem externen Produzenten (Brendan O’Brien). Waren die Songs auf dem Vorgängeralbum eher psychedelisch-ausufernd; kommt „is“ komprimiert und auf die Songkerne konzentriert daher. Vermutlich exakt der von My Morning Jacket erhoffte Effekt. Zehn tolle Stücke in kurzweiligen 39 Minuten.

6 Max Pope – Praise Animal
Das Debüt „Counting Sheep“ begeisterte mich 2022 durch den souligen Folkpop, den Max Pope darauf offerierte. „Praise Animal“ klingt anders, macht aber genauso Spaß. Pope macht sich’s musikalisch irgendwo zwischen Portugal. The Man und Arlo Parks gemütlich und ich höre ihm gern dabei zu.

5 Josh Ritter – I Believe In You, My Honeydew
Josh Ritter haut seit Jahren ein gutes Album nach dem nächsten raus. Was ihm offenbar nicht immer leicht fällt: Statt in einer Schreibblockade auszuharren, begann Ritter, Songs an seine Muse zu schreiben – gerichtet also an jene Inspiration, die ihn vermeintlich gerade im Stich ließ. Interessante Methode, die ihn letztlich aus seinem kreativen Loch rauszog und uns zehn herrlich unaufgeregte Lieder beschert hat.

4 Garish – Am Ende wird alles ein Garten
Nicht jeder ist verrückt, ich weiß, doch es sieht so aus. Das ist keine Hand, das ist eine Faust“ – „Schwerelos, wie geht das noch? Komm ich schieß Dich auf den Mond“ – „Es gibt, und ich glaub fest daran, ein Leben nach der Geisterbahn“ …: Die knuffigsten Songtexte des Jahres kamen in diesem Jahr aus dem Burgenland. Garish gelingt schon seit langer Zeit immer wieder grandiose Musik, „Am Ende wird alles ein Garten“ markiert dabei einen neuen Höhepunkt.

3 Spin Doctors – Face Full Of Cake
Die allermeisten hatten für 2025 wohl kein neues Spin Doctors-Album auf ihrer Bingocard. Die eingeschworene Fangemeinde wartet hingegen schon seit drei Jahren sehnsüchtig auf den Release der Platte. Auch mit Neuzugang Jack Daley (seit 2021 am Bass) bleibt die Band ihrem Trademark-Mix aus Rock und Funk treu, altert in Würde und klingt trotzdem frisch. Mein Fanherz ist glücklich – abgesehen davon, dass die Spins seit mehr als zehn Jahren nicht mehr auf Europatour waren.

2 Michigander – Michigander
Der Indiepop von Jason Singer aka Michigander fasziniert mich. Da singt einer unverblümt von seinen Sorgen, Konflikten und Hoffnungen und packt das in zuckersüße Melodien und hymnenartige Refrains. Zehn Jahre im Geschäft, mehrere EPs veröffentlicht, jetzt endlich das Albumdebüt. Diese Songs wurden in Windeseile zu neuen besten Freunden, die ich wieder und wieder und wieder treffen möchte.

1 Goose – Everything Must Go / Chain Yer Dragon
Jawoll, zwei Alben besetzen in diesem Jahr Platz 1 – in dieser Liste wie in meinem Herzen. Goose haben nämlich gleich zwei XXL-Studiowerke rausgehauen, die mich begeistern. „Everything Must Go“ ist dabei die etwas aufpoliertere, kaleidoskopartigere Angelegenheit, während „Chain Yer Dragon“ näher am Livesound der Band ist und durch den Kosmos aus Geschichten, Typen und Mythen besticht, in den Goose ihr Publikum ziehen. Für beide gilt: Das ist musikalisches comfort food im besten Sinne. Jedes Hören ist ein Nachhausekommen und hält selbst nach dem x-ten Durchgang noch Überraschungen und neue Details bereit.

Meine Lieblingsalben 2025 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingsalben 2024, 2023, 2022, 2021, 20202019, 2018, 2017, 20162015, 2014, 2013, 20122011201020092008200620052004. Alle Lieblingsalben seit 2015 in dieser Playlist.https://daniel-heinze.de/2024/12/23/mein-2024-lieblingsalben/

Weihnachten für Anfänger: Zu Gast bei „Macke mit Schuss“

Wonach roch es in Bethlehem? Wie war das jetzt genau mit Maria und ihrer Schwangerschaft? Worum geht’s beim Weihnachtsfest? Fragen, auf die ich im Podcast „Macke mit Schuss“ bei Steffen Lukas und Claudia Switala Antworten geben durfte. Bei der Gelegenheit hab ich meine Weihnachtskrippe im Bauhausstil mit ins RADIO PSR-Studio gebracht. War ein äußerst unterhaltsamer Nachmittag – und ihr könnt das Ergebnis jetzt anschauen oder anhören (überall, wo’s Podcasts gibt). Ich wünsche viel Spaß und weiter eine schöne Adventszeit!

Mein 2024: Lieblingsalben

10 Bright Eyes – Five Dice, All Threes 
Selbsthass, Suizidgedanken, die verrinnende Lebenszeit … die Themen, die Conor Oberst auf dem neuen Bright-Eyes-Album verhandelt, sind alles andere als leichte Kost. Manche der Songs sind dafür musikalisch fast schon übertrieben eingängig geraten. Insgesamt ein intensives, schwer verdauliches Werk, dass mich wochenlang beschäftigt hat und mir mit der Zeit ans Herz gewachsen ist. 

9 The Black Crowes – Happiness Bastards 
Völlig anders dagegen die Grundstimmung auf dem Black-Crowes-Comeback. Fünfzehn Jahre nach “Before The Frost … Until The Freeze” gelingt den Gebrüdern Robinson ein unerwartet starkes, druckvolles Album. So sehr ich die halbherzige Reunion mit Hired Guns statt Originalmitgliedern und Debütalbum-Jubiläums-Getoure als Geldmacherei abgetan habe, so sehr muss ich konstatieren: “Happiness Bastards” macht großen Spaß und ist viel besser als erwartet. 

8 Kyshona – Legacy 
Eine Künstlerin auf Reise zu ihren Wurzeln: Für “Legacy” hat sich Kyshona aus Nashville mit einem Genealogen zusammengetan und die Geschichte ihrer Familie bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgt, wo ihre Vorfahren in Sklavenlisten einer Volkszählung von 1860 auftauchen. Fünf Generationen, deren Leben, Denken, Fühlen sich in der Musik dieses Albums widerspiegelt. Beeindruckend, ergreifend, groß. 

7 Orebolo – The Chateau
Was Dave-&-Tim-Shows für Fans der Dave Matthews Band sind, sind Konzerte von Orebolo für Goose-Aficionados: die auf Akustikgitarren reduzierte Essenz dessen, was in den Hauptbands vom “vollen Orchester” dargeboten wird. Nur, dass bei Orebolo noch Goose-Allzweckwaffe Jeff Arevalo das Klangbild um den Kontrabass erweitert. “The Chateau” ist das Studiodebüt des Trios, auf dem sich Stücke aus dem Goose-eigenen Songuniversum (“Rockdale”, “Tumble”) und clevere Cover mischen (“Amongster”, “Christmas Card From A Hooker in Minneapolis”). 

6 Lenny Kravitz – Blue Electric Light
Die letzten paar Lenny-Alben (Raise Vibration, Strut) haben mir zwar ganz gut gefallen, kamen mir aber immer etwas sperrig, unsortiert oder überfrachtet vor. So war es bei den ersten paar Durchläufen auch bei “Blue Electric Light”. Doch die Qualität und Konsistenz dieses Albums offenbart sich erst mit der Zeit. Starke Hooks, hohe Spielfreude, gute Stimmung. So deutlich hat Lenny dem Prince der 1980er Jahre noch nie gehuldigt. Doch die Hommage gelingt und macht tatsächlich mit jedem Hören mehr Spaß. 

5 Medium Build – Country 
Besser spät zur Party dazustoßen als gar nicht: Nicholas Carpenter macht schon seit etwa zehn Jahren tolle Musik, ich habe ihn erst in diesem Jahr für mich entdeckt. “Country” besticht durch gekonntes Songwriting, eine beneidenswerte Treffsicherheit in Sachen Hooks und lakonische Lyrics. Musik zum Laut-Hören. 

4 Dawes – Oh Brother 
Dauergäste in meinen Jahreslisten, ich weiß. Wie den Brüdern Taylor und Griffin Goldsmith die Neuerfindung ihrer Band gelungen ist, beeindruckt mich sehr: Nachdem den beiden 2023 recht überraschend (aber in aller Freundschaft) Bassist und Keyboarder abhanden kamen, gingen sie ins Studio, um neue Musik aufzunehmen, statt in Trübsal zu verfallen. Das Ergebnis ist ein gewohnt starker Songzyklus in einem veränderten Klanggewand – noch nie standen Griffins Drums und Taylors Gitarren derart im Mittelpunkt. Funktioniert! 

3 Hannes Wittmer – Sag es allen Leuten
Den Künstlernamen Spaceman Spiff hat er lange abgelegt, “Sag es allen Leuten” ist die zweite Platte unter seinem bürgerlichen Namen. Hannes Wittmer bezeichnet sie als “das Ende einer Reise” und “ein Album über Festgefahrenheit, Depression, Resilienz und zuletzt übers Loslassen”. Wie er scheinbar ohne Mühe ins Mark treffende Worte und Bilder für vermeintlich schwer zu Beschreibendes aneinanderreiht, ist begnadet. Dass er diese auch noch exzellent performt, macht das Glück für uns Zuhörende perfekt. 

2 Lawrence – Family Business 
Huch, die dritte Geschwisterband in dieser Jahresbilanz! Für Gracie und Clyde Lawrence und ihre Kumpels hätte es dieses Jahr kaum besser laufen können – ausverkaufte Headlineshows in den USA, Auftritte im US-Late-Night-TV, eine umjubelte Europatour und vor allem ein saustarkes viertes Album. Damit ist die Band mit ihrem souligen Pop-Funk endgültig kein Geheimtipp mehr. Gut so. 

1 Bill Ryder-Jones – Iechyd Da
Manchmal kommt Musik genau im richtigen Moment zu einem. So wie “Iechyd Da” im Januar zu mir. In einer Zeit der intensiven Trauer – mein Vater war wenige Tage zuvor verstorben – spendete diese Platte Trost und Ablenkung. Weil die Songs toll sind. Weil Bills Stimme an Mark Oliver Everett erinnert. Weil die Kinderchöre und Streicher für eine geisterhafte, neblige Grundstimmung sorgen. Und wohl auch, weil diese Musik so schwer zu fassen ist und ich gar nicht genau sagen kann, warum sie mir so zu Herzen geht; zum Ende des Jahres noch genauso sehr wie zu Beginn.

Meine Lieblingsalben 2024 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingsalben 2023, 2022, 2021, 20202019, 2018, 2017, 20162015, 2014, 2013, 20122011201020092008200620052004. Alle Lieblingsalben seit 2015 in dieser Playlist.

Mein 2023: Lieblingsalben

10 Arlo Parks – My Soft Machine
Pop im allerbesten Sinne ist Arlo Parks auf ihrem zweiten Album gelungen: mühelos springt die Londonerin zwischen den Genres hin und her, da hört man Neo-Soul und klassischen R’n’B genauso wie Folk- und Indierock-Anleihen. Eine Vielfalt, die jedoch nie beliebig oder ziellos wirkt. Standout Tracks: I’m Sorry, Devotion, Pegasus

9 Felix Kramer – Oh wie schön das Leben is
Der Titelsong dieser Platte war mein liebstes Lied 2022, nun also das Album. Es steckt voller präziser Allagsbeobachtungen, origineller Gefühlsbeschreibungen und subtiler musikalischer Zitate. Zum Niederknien. Standout Tracks: Ich bleib sitzen, Donau, Er sagt, dass er sich bemüht

8 Dave Matthews Band – Walk Around The Moon
Nach fünf Jahren Studiopause eine Songsammlung, bei der die Hälfte der Tracks Zweieinhalbminuter sind – und das bei einer Band, die für ihre XXL-Liveperformances bekannt ist? Hätte schief gehen können, ist es aber nicht. Die Konzentration aufs Wesentliche funktioniert, entstanden ist eine Art DMB-Destillat. Standout Tracks: It Could Happen, All You Wanted Was Tomorrow, Monsters

7 Ren – Sick Boi
Der „Bard of Brighton“ ist meine musikalische Entdeckung des Jahres: Ren rappt, singt, spielt Klavier und Gitarre. Vor allem aber erzählt er Geschichten. Diese Songs nebenbei zu hören, ist mir unmöglich; Rens Performances erfordern volle Aufmerksamkeit. Lieder wie Spielfilme – meisterhaft. Standout Tracks: Money Game, Pt. 3, What You Want, Loco

6 Blues Traveler – Traveler’s Soul
Popper, zum Ersten: Einmal mehr geht der Blues Traveler auf musikalische Wurzelreise. Huldigte die Band vor zwei Jahren dem Blues, knöpft sie sich diesmal Soul-Klassiker vor. Und liefert ab – BT-Album Nummer 15 besticht einmal mehr durch Spielfreude und Lässigkeit. Standout Tracks: Qualified, Last Train, Just Kissed My Baby

5 Josh Ritter – Spectral Lines
Vor zwei Jahren verstarb Josh Ritters Mutter. Spectral Lines ist tief von diesem einschneidenden Moment geprägt. Ein sonderbar schwebendes, nachdenkliches, verschrobenes Album voller großer Songs. Standout Tracks: Horse No Rider, Whatever Burns Will Burn, In Fields

4 Niels Frevert – Pseudopoesie
Spannende Kombi: Niels Frevert macht gemeinsame Sache mit Tim Tautorat, der zuletzt für und mit Faber, Jeremias und Betterov produzierte. Tautorats moderner, dichter Pop-Sound passt verblüffend gut zu Freverts Poesie, an der auch diesmal ganz und gar nix „pseudo“ ist. Standout Tracks: Pseudopoesie, Waschbeckenrand, Ende 17

3 Jenny Owen Youngs – Avalanche
Wieso bin ich eigentlich nicht schon viel früher auf Jenny Owen Youngs gestoßen? Die Frau macht seit fast 20 Jahren tolle Musik, das letzte Album ist mal eben elf Jahre her. Nun also Avalanche: starke, intensive Songs, mit Leichtigkeit und einer gewissen Beiläufigkeit performt. Standout Tracks: Avalanche, Knife Went In, Salt

2 Ben Harper – Wide Open Light
Kein Jahr ist das hochpolitische, laute „Bloodline Maintenance“ alt, da legt Ben Harper bereits nach. Mit einer Sammlung intimer, minimalistisch arrangierter Songs, darunter auch Livemitschnitte. Klingt nach Kraut und Rüben und Compilation, ist aber aus einem Guss – betörend schön. Standout Tracks: Trying Not To Fall In Love With You, One More Change, Love After Love

1 John Popper & Jono Manson – Bootlegger Days!!
Popper, zum Zweiten: Gemeinsam mit Mentor und Wegbegleiter Jono Manson hat der Blues Traveler-Frontmann während der Corona-Quarantäne eine Art Konzeptalbum eingespielt. Die beiden erzählen in zwölf Songs lose miteinander verwobene Storys aus dem Leben eines Schmugglers in der Prohbitionszeit. Blues, Americana, Rock – die musikalischen Mittel mögen nicht originell sein. Doch was und wie die beiden alten Freunde hier abliefern, ist einfach verdammt gut. Standout Tracks: Cabin Fever, Your Crazy, When The Morning Comes

Meine zehn Lieblingsalben 2023 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Mein 2022: Lieblingsalben

10 Lettuce – Unify
Das mag kein Jahr für große, ausgelassene Partys gewesen sein. Aber wenn mir dann doch mal nach guter Laune und tanzbarer Musik zumute war, hab ich mich sehr gern für Unify entschieden, das achte Album der Psychedelic-Funk-Gang Lettuce. Willkommener Gast auf dem Album übrigens: P-Funk-Ikone Bootsy Collins!

9 MINCK – Schöne Grüße an die Welt
Völlig unverständlich, warum so wenig über Oliver Mincks Musik geschrieben, so wenig von ihr geschwärmt wird. Mit den Bands Wolke und Die Sonne hat er Großes vollbracht, und solo macht er genau so weiter. Schöne Grüße an die Welt ist seine zweite Platte in zwei Jahren. Arrangements zum Niederknien, diese markante Stimme mit den ironischen Nuancen und Lieder, die sich in Hirn und Herz fräsen: „Es ist viel zu kalt, wir müssen tanzen!“

8 Spoon – Lucifer On The Sofa
Spoon? Hatte ich so gar nicht mehr auf dem Zettel. Ich mochte Gimme Fiction und Ga Ga Ga Ga Ga sehr, aber das ist ja nun auch schon wieder anderthalb Jahrzehnte her. Da kommen die plötzlich mit diesem Brett von einem Album um die Ecke! Lässiger, origineller Rock, modern, kein bisschen piefig – ein großer Spaß, dieser Lucifer On The Sofa.

7 Pinegrove – 11:11
Das Jahr ging richtig gut los, nämlich mit diesem Pinegrove-Geniestreich. Erstmals hat Ex-Death Cab For Cutie-Gitarrist Chris Walla die Aufnahmen des Kollektivs um Evan Stephens Hall abgemischt. Er war schlau genug, den Alternative Country-Sound der Band nicht groß zu verändern, sondern höchstens leicht zu polieren. Ob „Iodine“, „Habitat“, „Respirate“ oder „Swimming“ – dieses Album ist eine Songwriting- und Performance-Sternstunde.

6 Max Pope – Counting Sheep
Der Brite Max Pope verehrt Bill Withers und hat sich das eine oder andere von Kollegen wie Jason Mraz und Josh Rouse abgeguckt. Zum Glück, denn so klingt Counting Sheep zwar vertraut, aber trotzdem originell und frisch. Ein Album, so wärmend wie eine Umarmung am ersten Spätsommerabend der Saison.

5 Built To Spill – When The Wind Forgets Your Name
Im Gegensatz zu Spoon waren mir Doug Martsch und sein Bandprojekt Built To Spill stets sehr präsent. Und boten aller paar Jahre Anlass zu großer Freude; ja, wirklich jedes Built-To-Spill-Album lohnt sich, in Martschs neilyoungesken Indie-Gitarrenwelten lässt sich’s trefflich lustwandeln. When The Wind Forgets Your Name kickt mich dabei aber nochmal besonders intensiv.

4 Harry Styles – Harry’s House
Geiler Typ, Spitzenalbum: meiner Meinung nach war der Hype um Harry in diesem Jahr vollkommen berechtigt.

3 Dawes – Misadventures Of Doomscroller
Als Dawes 2021 auf einem Festival das komplette Paranoid-Album von Black Sabbath coverten, konnte man schon ahnen, wohin die Reise für die Band um Taylor Goldsmith geht: nach sieben Studioalben mit meist recht kompakten Songs wollten Dawes etwas wagen, ihre Grenzen austesten. Rausgekommen ist ein Reigen von sechs Songs mit einer Gesamtlänge von einer Dreiviertelstunde – mit vertrackten Zwischenstücken, ausufernden Outros und entspannten Soli. Ein Experiment, und zwar ein triumphales!

2 Delta Spirit – One Is One
Auch auf Delta Spirit ist Verlass, der Studio-Output ist stets hörenswert. Aber diesmal ist er, man gestatte mir etwas Euphorie, sensationell. Schon immer mischt die Band elektronische Sounds, eher konservatives Songwriting und klassischen Gitarrenrock, aber noch nie hat das für meine Ohren so hervorragend funktioniert wie diesmal. Toll auch, wie die Platte im zweiten Teil erst etwas analoger, rustikaler, „kleiner“ wird, dann aber mit dem wohl epischsten Albumfinale des Jahres abschließt: „On and On (Look Away)“.

1 Goose – Dripfield
Mal schauen, wie oft ich in künftigen Jahresrückblicken noch schreiben werde: „DAS war das Jahr von Goose!“ Die Fangemeinde der Band wächst in einem atemberaubenden Tempo; und auch künstlerisch ist die Entwicklung rasant. Ausverkaufte Shows in der Radio City Hall in NYC? Check. Eine Tour mit Trey Anastasio? Check. Und mit Dripfield – übrigens interessant, was ich 2021 zum Vorgänger Shenanigans Night Club schieb – nun auch ein Studiowerk, dass nicht nur dem Liveerlebnis Goose vollkommen gerecht wird, sondern zudem einen eigenständigen, neuartigen Jamband-meets-Indierock-Vibe versprüht. Check, check, check!

Meine zehn Lieblingsalben 2022 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Mein 2021: Lieblingsalben

10 Sebastian Block – Dorngrund
„Irgendwo in dieser großen Stadt“ hieß die Platte der Berliner Band Mein Mio, durch die ich einst auf Sänger Sebastian Block und sein famoses Songwriting aufmerksam wurde – 2009 war das. Mehr als zehn Jahre ist Sebastian nun schon solo unterwegs, bezeichnet sich lässig als „Liedermacher“ und liefert regelmäßig hörenswerte Platten. „Dorngrund“, sein 2021er Werk, ist ganz besonders rund geworden und kommt mit seiner melancholisch-zaghaften Grundhaltung und dem ständigen Pendeln zwischen Tiefgang und Nonchalance genau zur richtigen Zeit.

9 Kyle Falconer – No Love Songs For Laura
Gleich noch ein Künstler, der mal einer Band vorstand: erzählte der frühere The View-Sänger auf seinem 2018er Solo-Debüt hauptsächlich vom Alkohol- und Drogenentzug, ist Album Nummer zwei ein Lob auf die Familie und die Liebe geworden. Selbstverständlich enthält diese detailreiche und mutig auf Hochglanz produzierte Singer-Songwriter-Platte ihrem Titel zum Trotz auch so einige Liebeslieder für „seine“ Laura. Dazu der vielleicht schönste Wunsch, den man 2021 mit Blick auf die Welt und den ganzen Rest überhaupt singen kann: … and I hope that we don’t turn into monsters.

8 Jake Manzi – Whatever My Heart Allows
Junger Sänger und Songschreiber aus Northampton in Massachusetts, auf den ich durch seine Freundschaft zu den Dawes-Gebrüder Taylor und Griffin Goldsmith gestoßen bin, die auf Whatever My Heart Allows auch mitspielen. Ein ruhiges, jedoch nie langweiliges Album, das mich in Sound und Songwriting an 1972 von Josh Rouse erinnert, das dennoch eigenständig und überraschend daherkommt. Aus der Zeit gefallener Kammer-Pop, der gern mit dem Folk, jedoch viel lieber noch mit dem Soul flirtet.

7 Brandi Carlile – In These Silent Days
Das mit den ganz großen Gefühlen hat Brandi Carlile einfach drauf. Dazu diese Naturgewalt von einer Stimme… Ich war ein wenig in Sorge, dass „In These Silent Days“ eine allzu introvertierte Lockdown-Angelegenheit werden würde, doch die Sorge war unbegründet. Zehn kraftvolle Hymnen auf die Liebe, auf Selbstbestimmung und das Muttersein, irgendwo zwischen Pop, Alternative Country und Rock. Musik für unerschütterliche Optimisten, denn was ist the most powerful thing you can to do? Na klar: stay gentle!

6 Selig – Myriaden
Zur Zeit kommt ja vieles anders als geplant – Selig können gleich mehrere Lieder davon singen. „Myriaden“ hätte bereits 2020 rauskommen sollen; die Tour zum Album musste schon x-mal verschoben werden, alles pandemiebedingt. Dabei hätten Jan, Stoppel, Christian und Leo für diese Platte mehr Normalität und damit mehr Aufmerksamkeit verdient. Erstmals seit den 90ern arbeiten die Seligen wieder mit Franz Plasa zusammen, doch tappen zum Glück nicht in die Nostalgie-Falle. Statt alte Sound-Klischees aufzuwärmen, gibt’s einen zeitgemäß produzierten, starken Songzyklus. Clever auch, mit den „Live Takes“ eine weniger polierte, rauere Version des Albums daneben zu stellen und so auch die zu bedienen, denen „Myriaden“ vielleicht doch etwas zu glatt daherkommt. Ach so … über den Totalausfalldas guilty pleasure „Spacetaxi“ breiten wir gütig und altersmilde den Mantel des Schweigens, ok?

5 Weezer – OK Human
Mit gleich zwei großen Veröffentlichungen bereicherten Weezer das Musikjahr 2021. Die eine eine wunderbar alberne bis kauzige Hair-Metal-Hommage („Van Weezer“), die andere ein komplett analog eingespieltes Album gänzlich ohne E-Gitarren, dafür mit 38-köpfigem Orchester: „OK Human“ (natürlich eine Anspielung auf „OK Computer“, das 1997er opus magnum von Radiohead). Was – Überraschung! – hervorragend funktioniert. Vor allem, weil die Songs super sind: von „All My Favorite Songs“ bis „La Brea Tar Pits“ liefert Rivers Cuomo durchgehend starkes Material. Auch die diebische Freude daran, mal mit Streichern, Bläsern, Pauken und Flöten zu arbeiten, ist die ganze Zeit über deutlich hörbar – was für ein Vergnügen!

4 Jake Bugg – Saturday Night, Sunday Morning
Viele hatten den stets etwas genervt wirkenden Briten ja bereits abgeschrieben – konnte er doch in den letzten Jahren nicht mehr an die Riesenerfolge anknüpfen, die er bereits als Teenager mit seinen ersten beiden Alben feiern konnte. Doch Mr. Bugg macht unbeirrt weiter und hat sich eine Sound-Frischzellenkur verordnet. Geblieben ist Jakes durch Mark und Bein gehender Gesang; sein eher klassisches Songwriting mischt sich neuerdings aber herrlich respektlos mit Pop- und Electronica-Elementen. Das klingt nicht nach Abstellgleis und has-been, sondern nach ganz großer Bühne und ready for prime time.

3 Goose – Shenanigans Nite Club
Eine ganze Generation neuer Jambands erspielt sich seit geraumer Zeit in den USA ihr Publikum – wenn nicht gerade pandemiebedingt Zwangspause herrscht. Sie heißen Tauk, Spafford, Pigeons Playing Ping Pong oder Dopapod. Oder eben Goose: fünf Freunde aus Norwalk in Connecticut, die gerade vom Geheimtipp zum Headliner avancieren und die Corona-Zeit clever für sich zu nutzen wissen, etwa durch das ständige Veröffentlichen ganzer Shows bei Youtube. Die Studioproduktion „Shenanigans Nite Club“ fängt vielleicht nicht vollständig die Partystimmung ein, die bei Goose-Konzerten herrscht, sehr wohl aber die außergewöhnliche Musikalität und Spielfreude der Band.

2 Blues Traveler – Traveler’s Blues
Wer hätte das gedacht: aus einem eher aus der Not geborenen Projekt („… dann machen wir halt ein Bluesalbum während der Pandemie, passt irgendwie …„) wird ein Grammy-nominierter Triumph. Die Band interpretiert Genreklassiker aus verschiedenen Epochen und legt den Blues-Kern von Rock- und Popklassikern frei („Roadhouse Blues“ von The Doors, „Crazy“ von Gnarls Barkley). Dazu hervorragend ausgewählte Gäste, die das Ganze veredeln und die Band zu Höchstleistungen anspornen. Man spürt, dass John Popper & Co. inzwischen im vierten Jahrzehnt gemeinsam Musik machen: zu einer derart inspirierten, cleveren und zugleich lässigen Blues-Session ist man wohl erst imstande, wenn man so erfahren und mit allen Wassern gewaschen ist wie Blues Traveler.

1 My Morning Jacket – My Morning Jacket
Manchmal braucht es einen gewissen Abstand zum eigenen Schaffen, um für weitere, neue Großtaten bereit zu sein. Nach dem 2015er Release „The Waterfall“ hatten My Morning Jacket keine rechte Ahnung, wohin denn die weitere Bandreise führen könnte. Eine selbstverordnete, knapp zweijährige Pause hat Wunder gewirkt: unmittelbar nach der Rückkehr auf die Bühne ging die Band ins Studio, um den Zauber des (Wieder-)Anfangs zu nutzen. Ergebnis ist das selbstbetitelte neunte My Morning Jacket-Album, das wirklich alles hat, was diese Band ausmacht: große Songs, euphorische Jams, nerdige Gitarren- und Keyboardsounds und ein Aufeinander-eingespielt-Sein, das seinesgleichen sucht. Von wegen Schaffenskrise! Jim James und seinen Kollegen ist ein – hier darf man das bittschön mal schreiben – zeitloses Rock-Meisterwerk gelungen.

Meine zehn Lieblingsalben 2021 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

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Lieblingsalben 2020, 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Helden mit Dellen – die neue CD von 2zueins! ist da

Da ist sie, die neue CD meiner Band 2zueins! – „Helden mit Dellen“ heißt sie und wir (Heiko, Dirk, Robert und ich) sind sehr stolz drauf. Zu hören überall, wo man Musik streamt oder downloadet, oder aber als schicke CD-Edition direkt von uns. Die ganze Geschichte zu dieser Platte und zum 15. Bandjubiläum steht hier. Und hier die beiden Videos mit den Singles zur CD:

Welthit: erster Vorbote zum neuen 2zueins!-Album ist da

So, hier, es gibt frische Musik von mir/uns! Dirk, Heiko und ich a.k.a. 2zueins! waren im Studio und haben eine neue EP eingespielt, die in zwei Wochen endlich erscheint. Mehr zu der Platte namens Helden mit Dellen schon jetzt auf der Band-Website und im 2zueins!-Shop (bitte die schicke CD-Edition vorbestellen, lohnt sich) – hier das Video zur ersten Single, Welthit:

Mehr 2zueins! hier, mehr über all meine Musik gibt’s hier.

Mein 2020: Lieblingsalben


10 Devon Gilfillian – Black Hole Rainbow
Als zu Jahresbeginn „Black Hole Rainbow“ erschien, war noch nicht absehbar, welchen Popularitätsschub Devon Gilfillian im Rest von 2020 erleben würde. Doch der kam völlig zu Recht: schließlich präsentiert der Soul-Sänger und -Songschreiber aus Pennsylvania, den es nach New Orleans verschlagen hat, auf seinem Debütalbum eine smarte Mischung aus Soul, Pop und Rock , die einerseits an Größen wie Jimi Hendrix oder Al Green erinnert, anderseits aber herrlich eigenständig und souverän daherkommt.

9 Christian Lee Hutson – Beginners
Hutson tummelt sich seit einiger Zeit im Umfeld von Leuten wie Conor Oberst und Phoebe Bridgers – so schrieb er u.a. an den Songs für’s famose Better Oblivion Community Center mit. Nun revanchieren sich beide; während Oberst eine Mundharmonika und Backing Vocals beisteuert, kümmert sich Bridgers um die komplette Albumproduktion. Und was für ein wunderbares Werk das geworden ist: handwerklich tadellose Folksongs mit Melodien zum Niederknien, unaufgeregt, aber wirksam in Szene gesetzt.

8 Circles Around The Sun – Circles Around The Sun
Ein traurig dahergesagtes oder -gedachtes „Ach, Mensch“ begleitet jedes Hören dieser im Grunde eher leichtfüßigen, bisweilen gar zum Tanzen einladenden Instrumentalplatte. Ist sie doch das Vermächtnis des Gitarristen Neal Casal, der sich im Sommer 2019 das Leben nahm – nicht, ohne detaillierte Anmerkungen zu hinterlassen, wie dieses Album genau fertigzustellen sei und wie die drei verbleibenden CATS-Mitglieder die Zukunft als Band gestalten mögen. Trippiger, aus der Zeit gefallener Space-Rock mit geilen Synthies, starker Rhythmusgruppe und Casals genialem Gitarrenspiel. Ach, Mensch …

7 Felix Kramer – Alles gut
Was der Herr Kramer aus Wien auf seinem zweiten Album „Alles gut“ abliefert, ist beeindruckend. Beim Hören kommen einem Element of Crime, Calexico, aber auch Konstantin Wecker und Ludwig Hirsch in den Sinn. Und wenn der Mittzwanziger seine Texte mehr spricht als singt, und das tut er gern, erinnert er gar an Leonard Cohen. Doch ist Felix Kramer gottlob mehr als nur eine clevere Copycat. Dieser verschmitzt-trockene Vortrag, dieses versierte Gitarrenspiel, diese leicht lakonische und doch einladende Grundstimmung: ganz große Musik aus Österreich.

6 Phoebe Bridgers – Punisher
Spätestens seit „Punisher“ spielt Phoebe Bridgers in der ersten Indie-Liga in den USA, vorbei die Geheimtipp-Zeiten. Vollkommen zu Recht hatte die Frau dieses Jahr Auftritte in US-Late-Night-Shows und fehlt nun auf kaum einer Jahresbestenliste 2020. Wie keine andere vermischt sie klassischen Singer-/ Songwriter-Folk und Alternative-Rock; ihre markante Stimme hält das alles zusammen. Gleichzeitig wirkt das Album aber auch seltsam unfertig und zerbrechlich. Vielleicht passt es deswegen so gut ins unaufgeräumte Jahr 2020.

5 My Morning Jacket – The Waterfall II
Keine Ahnung, ob die Geschichte stimmt oder nur eine clevere PR-Erzählung ist, aber ich möchte sie gerne glauben: während eines Waldspazierganges im Coronafrühling 2020 shuffelt das Schicksal dem My Morning Jacket-Mastermind Jim James einige unveröffentlichte Stücke seiner Band auf die Kopfhörer. Songs, die James beinahe vergessen hätte, die ihn aber dort im Walde absolut begeisterten, ihm wie der passende Soundtrack zum kruden Pandemie-Jahr vorkamen. Nicht irgendwelche Outtakes, sondern die zweite, bislang ungenutzte Hälfte der Sessions zum 2015er Album „The Waterfall“. Tatsächlich erblicken diese fünf Jahre alten, bisher unerhörten Songs das Licht der Welt zur rechten Zeit: sicher, hier geht es nachdenklicher und melancholischer zu als auf Teil 1; „The Waterfall II“ ist dabei aber zu keiner Sekunde B-Ware oder gar Ausschuss. Im Gegenteil. Hut ab vor einer Band, die es sich erlauben kann, Material wie dieses hier um ein Haar im Bandarchiv verstauben zu lassen.

4 Phish – Sigma Oasis
Kaum ein anderer Musiker war dieses Jahr so umtriebig wie Phish-Sänger und -Gitarrist Trey Anastasio. Allein für das im Lockdown entstandene Soloalbum „Lonely Trip“ wären ihm die Fans auf ewig dankbar gewesen. Oder für das atemberaubende Livealbum „Burn It Down“ seiner Trey Anastasio Band TAB, das im September so völlig aus dem Nichts erschien. Doch der Mann setzte mit einer sich über acht Freitage erstreckenden Residency im leeren New Yorker Beacon Theater noch einen drauf: acht komplette TAB-Konzerte, alle live und kostenlos ins Netz gestreamt, ein Füllhorn an Kreativität und Experimentierfreude im sonst so konzertarmen Coronajahr. Die Jams krönten im Herbst das, was im März mit dem ohne große Vorankündigung veröffentlichten Phish-Album „Sigma Oasis“ begann: so anstrengend 2020 in vielerlei Hinsicht auch war, die Flut an frischer Musik von Phish und Trey machte die Zeit erträglicher. Dabei wäre „Sigma Oasis“ auch unter „normalen“ Umständen als große, wichtige Platte im Band-Katalog gefeiert worden, mutet sie doch an wie eine einzige, höchst inspirierte Jamsession, bei der jemand im Studio schlauerweise auf „Aufnahme“ gedrückt hat.

3 Jonathan Wilson – Dixie Blur
Dabei ging 2020 ja eigentlich ganz fantastisch los. Etwa mit „Dixie Blur“, dem neuen Album von Produzenten- und Songschreiber-Genie Jonathan Wilson. Zeitlose Musik; jeder Song wie ein kleines Gemälde, ein detailversessener Liederzyklus von unbeschreiblicher Schönheit. Wie bitte, ich übertreibe? Keineswegs. Hört Euch diese Zaubermusik an und stimmt ein in mein seliges Schwelgen!

2 Dawes – Good Luck With Whatever
Dass auf Taylor und Griffin Goldsmith, Wylie Gelber und Lee Pardini in Sachen Musik einfach Verlass ist, ist so beruhigend wie bewundernswert. Ein neues Dawes-Album, das bedeutet stets, einzutauchen in eine wohlig-vertraute Klangwelt zwischen Americana, Classic Rock, Folk und Pop, veredelt mit clever erzählten und toll gesungenen Geschichten. Interessant, dass „Good Luck With Whatever“ bei mir erst nach einigen Durchläufen gezündet hat, dafür dann aber so richtig. Mit LP Nummer 7 liefern Dawes also keineswegs more of the same. Hier hören wir eine Band in Höchstform, der ein inspiriertes Studioalbum mit dem Appeal eines wuchtigen Livekonzertes geglückt ist.

1 Bright Eyes – Down In the Weeds, Where The World Once Was
… und da ist dann diese eine Platte, die alles in den Schatten stellt, was da sonst so an – zugegebenermaßen ja auch sehr guten – Veröffentlichungen im Jahr 2020 rauskam. „Down In The Weeds, Where The World Once Was“ ist das erste Bright Eyes-Album seit neun Jahren. Ich hatte gehofft, dass es mindestens so gut werden würde wie zuletzt „The People’s Key“. Dass es aber zum Besten zählen würde, was Conor Oberst jemals mit Nate Walcott und Mike Mogis aufgenommen hat, kam dann doch überraschend. Was für epische, kraftvolle Songs! Was für Melodien! Und ist das … ja, das ist Flea von den Red Hot Chili Peppers am Bass. Of all people! Ein ganz, ganz großer Wurf und für mich das Beste, woran wir uns erinnern sollten, wenn wir an dieses 2020 zurückdenken.

Meine zehn Lieblingsalben 2020 gibt’s hier als Spotify-Playlist.

Siehe auch:
Lieblingsalben 2019, 2018, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012, 2011, 2010, 2009, 2008, 2006, 2005, 2004.

Neues Album „Das Handgemenge von Wölbattendorf“ – ab 15. Mai!

Die Entstehungs-Story meines neuen Albums kann man sich im Video oben in aller Ruhe anschauen, oder man kann folgende Zusammenfassung lesen, die ich für Youtube & Co gezimmert habe:

Zwei alte Freunde gehen nach über eineinhalb Jahrzehnten wieder gemeinsam ins Studio. Fernab jeden Trubels, in der Ruhe Oberfrankens, begeben sie sich in die Obhut von Produzent marQs Plietsch. In einem einwöchigen Kreativrausch entstehen 14 Aufnahmen, die als großes Ganzes die musikalische Essenz dieser Freundschaft bilden: „Das Handgemenge von Wölbattendorf“ von Daniel Heinze und Robert Kratzsch erscheint am 15. Mai 2020 als Stream und Download sowie als CD-Deluxe-Edition inkl. aufwendig gestaltetem 20-Seiten-Booklet.

Ich bin extrem stolz auf dieses Baby und kann die extrem schicke CD-Version wirklich, wirklich ans Herz legen – ihr könnt sie HIER direkt bei mir bestellen (wie viele andere CDs von mir auch). Es folgen noch ein paar weitere musikalische Eindrücke, zuvor sei jedoch noch auf meine neue Daniel-macht-Musik-Seite bei Facebook verwiesen, auf der es künftig alle Infos zu meinen musikalischen Machenschaften neben 2zueins! geben wird. Also, hier FB-Seite abonnieren und hier neue CD bestellen. Danke! 🙂